{"id":3282,"date":"2008-06-16T09:09:58","date_gmt":"2008-06-16T07:09:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3282"},"modified":"2015-11-22T10:04:20","modified_gmt":"2015-11-22T09:04:20","slug":"die-angst-der-europaeischen-eliten-vor-den-veraengstigten-europaeer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3282","title":{"rendered":"Die Angst der europ\u00e4ischen Eliten vor den ver\u00e4ngstigten Europ\u00e4ern"},"content":{"rendered":"<p>Die Motive der gut 800.000 Iren, die Nein zum EU-Reformvertrag gesagt haben, sind vielf&auml;ltig und m&ouml;gen vielfach irrational erscheinen, sie lassen sich jedoch nahezu alle auf &Auml;ngste zur&uuml;ckf&uuml;hren, dass Irland durch den Lissabon-Vertrag nur verlieren k&ouml;nne.<br>\nDie Kampagne der Bef&uuml;rworter f&uuml;r den Reform-Vertrag war jedoch gleichfalls nur ein angstgetriebener Reflex der abgehobenen proeurop&auml;ischen Eliten gegen&uuml;ber diesem Misstrauen der Bev&ouml;lkerung. Wenn es nicht gelingt diese Angstparalyse der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger der EU einerseits zu &uuml;berwinden und andererseits die Angststarre, mit der sich die europ&auml;ischen Eliten unbeweglich an ihrem politischen Kurs f&uuml;r Europa festklammern, aufzul&ouml;sen, wird das die europ&auml;ische Einheit fr&uuml;her oder sp&auml;ter sprengen.<br>\n<!--more--><br>\nDie &bdquo;Campaign Against the EU Constitu-tion&ldquo; (CAEUC), ein Aktionsb&uuml;ndnis der linken Parteien wie Sinn Fein, den Socialists und SWP (Socialist Workers Party) zusammen mit der Antikriegsbewegung, mit Gewerkschaften, mit Umweltverb&auml;nden und zahlreichen anderen Gruppierungen sprach vor allem &Auml;ngste der Iren an: Ganz unterschiedliche &Auml;ngste, wie dieAngst vor dem Verlust der irischen Steuerhoheit oder der Preisgabe der milit&auml;rischen Neutralit&auml;t, die Angst vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft, bis hin zur Angst vor der Zulassung der Abtreibung oder sogar vor der Bedrohung durch eine atomare Wolke &uuml;ber Europa. Es gab kaum ein politisches Feld, dem nicht ein europ&auml;isches Bedrohungspotential zugeschrieben wurde, von der Landwirtschaft, &uuml;ber die Fischerei, die Steuerpolitik, die sozialen Rechte, bis hin zur Enttabuisierung der Homosexualit&auml;t. Der Nein-Kampagne war es m&ouml;glich die Bedrohung durch alle &Uuml;bel der Welt auf den Reformvertrag projizieren. Die wirtschaftliche Krise, das Platzen der Immobilienblase, die Teuerung boten die realen Ankn&uuml;pfungspunkte zu einem bis vor kurzem in Irland noch unerwarteten EU-Skeptizismus bei. <\/p><p>Der Abstimmungssieg der EU-Vertagsgegner spiegelt einen denkw&uuml;rdigen Stimmungsumschwung unter den Iren wieder, wo doch der &bdquo;keltischen Tiger&ldquo; angeblich von der EU am meisten profitiert hatte. <\/p><p>&bdquo;It could be worse&ldquo;, das hat Heinrich B&ouml;ll in seinem &bdquo;Irischen Tagebuch&ldquo; als die am meisten gebrauchte Redensart der Iren notiert. &bdquo;Things Can Only Get Worse&ldquo;, so interpretierte ganz im Gegensatz zu dem von B&ouml;ll konstatierten Nationalcharakter die Irish Times die Stimmungslage der Nein-Sager auf der gr&uuml;nen Insel. Die Mehrheit der Iren ist offenbar nicht mehr bereit, dem &bdquo;Schicksal unbegrenzten Kredit&ldquo; (B&ouml;ll) einzur&auml;umen, sie glaubt anders als fr&uuml;her nicht mehr daran, dass man durch Europa nur gewinnen k&ouml;nne. Die Mehrheit denkt offenbar vor allem daran, was man durch diesen Vertrag verlieren k&ouml;nne.<\/p><p>Das erkl&auml;rt auch, warum die Ablehnung quer durch die &bdquo;Klassen&ldquo; (wie das in Irland noch hei&szlig;t) und &ndash; bis auf die Region um Dublin &ndash; quer durch <a href=\"http:\/\/www.ireland.com\/focus\/thelisbontreaty\/interactive\/results.html\">urbane und l&auml;ndliche Regionen ging.<\/a><\/p><p>Diejenigen, die mit &bdquo;nil&ldquo; abgestimmt haben, aber auch ein Gro&szlig;teil derjenigen, die nicht zur Abstimmung gegangen sind, glaubten den Versicherungen ihrer Regierung, ihrer wirtschaftlichen und politischen Eliten nicht mehr. Sie glaubten nicht mehr daran, dass diese Eliten w&uuml;ssten, was gut f&uuml;r die Iren ist. Sie haben das Gef&uuml;hl, dass die europ&auml;ische Politik weit weg ist von den Sorgen der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern. Sie sehen in den Europapolitikern Leute, die weit abgehoben sind und die ohne R&uuml;cksicht auf die Sorgen der Bev&ouml;lkerung tun und lassen k&ouml;nnen, was sie wollen.<\/p><p>Viele Gewinner des irischen Aufschwungs interessiert die Europ&auml;ische Union ohnehin nicht, sie sehen sich als ihres eigenen Gl&uuml;ckes Schmied an und f&uuml;hren ihren wirtschaftlichen Erfolg auf ihre pers&ouml;nliche Leistung zur&uuml;ck. Viele dieser Aufstiegsgewinnler sind gar nicht erst zur Urne gegangen, denn f&uuml;r sie sind staatliche Vertr&auml;ge so oder so nur von &Uuml;bel.<\/p><p>Bis auf einige Ausnahmen sind im Aktionsb&uuml;ndnis der Vertragsgegner keine nationalistischen Europagegner vertreten. Die Gegner des Vertrags sind nicht gegen Europa, sie sind gegen einen Vertrag, dem sie misstrauen, den sie nicht verstehen, der jedenfalls keine Verbesserungen ihrer Belange in Aussicht stellt. Die Nein-Sager wollen ganz &uuml;berwiegend einen anderen, einen besseren Vertrag. &bdquo;It is a pro-European message&ldquo; erkl&auml;rte der Gr&uuml;nder der &bdquo;Libertas&ldquo; und No-Aktivist Declan Ganley, eine Botschaft f&uuml;r ein anderes, sozialeres Europa.<\/p><p>Obwohl mit Ausnahme der in der irischen Republik relativ bedeutungslosen Sinn-Fein-Partei alle anderen f&uuml;nf im Parlament vertretenen politischen Gruppierungen f&uuml;r den Lissabon-Vertrag eingetreten sind, obwohl die Gesch&auml;ftswelt und gro&szlig;e Teile der Gewerkschaften, die Bauern und sogar die Bisch&ouml;fe dem Vertrag ihren Segen gegeben haben, ist ihnen die Mehrheit der irischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger nicht gefolgt. <\/p><p>In der herben Niederlage nahezu der gesamten irischen Eliten, dr&uuml;ckt sich auch ein tiefsitzender Widerwille der Iren gegen den herrschenden politischen Meinungsmainstream aus. Bezeichnend f&uuml;r das geradezu arrogante Weiter-So der Meinungs- und Machteliten war, dass sie die Gegner anfangs nicht  ernst nahmen und gar nicht erst versuchten, der Bev&ouml;lkerung zu erl&auml;utern, warum dieser Vertrag gut f&uuml;r die Iren sei.  So war die Kampagne der Vertragsbef&uuml;rworter je n&auml;her die Abstimmung r&uuml;ckte nur noch ein gleichfalls angstgetriebener Reflex auf die Angstkampagne der Vertragsgegner. Die Argumente der irischen Bef&uuml;rworter des Lissabon-Vertrages reagierten im Wesentlichen nur auf die Kampagne der Nein-Sager. Die F&uuml;hrungsschichten bauten offenbar darauf, wenn wir, die Eliten Ja sagen, dann muss das reichen. Den Bef&uuml;rwortern fehlten die Botschaften f&uuml;r eine positive Entwicklung f&uuml;r Europa und f&uuml;r Irland. Sie beschr&auml;nkten sich vor allem darauf, haarstr&auml;ubende Zukunftsbilder dar&uuml;ber an die Wand zu malen, was passieren w&uuml;rde, wenn die Iren nicht zustimmten: Schande f&uuml;r Irland, Isolation, Investitionsblockaden seien die Folge. Solche Bedrohungsszenarien, best&auml;tigten aber das Misstrauen der Menschen eher, als dass sie &Auml;ngste zerstreuen konnten. &bdquo;Yes sound anything but positive&ldquo; urteilte selbst die Irish Times. <\/p><p>Aber nicht nur den herrschenden Eliten in Irland sondern auch in ganz Europa sitzt nach der Abstimmungsniederlage die Angst im Nacken. Sie sp&uuml;ren, wie d&uuml;nn das Eis ist, auf dem sie sich bewegen. Sie wissen nur zu gut, dass die Bev&ouml;lkerungen in vielen L&auml;ndern Europas, wenn sie abstimmen d&uuml;rften, gegen&uuml;ber dem Lissabon-Vertrag eine genauso &auml;ngstliche und misstrauische Haltung einnehmen w&uuml;rden wie die Iren.<\/p><p>So haben etwa nach dem <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/public_opinion\/archives\/eb\/eb68\/eb68_de_exec.pdf\">Eurobarometer 68 vom Herbst 2007 [PDF &ndash; 204 KB]<\/a> in Deutschland nur 39 Prozent und eine Minderheit von 48 Prozent der Europ&auml;er Vertrauen in die Europ&auml;ische Union. Nach einem anderen <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/geschichte-gesellschaft\/forum-der-europaeer\/NAV-04-2006\/08--April-2006\/1172162.html\">Stimmungsbarometer<\/a> geben 64 Prozent der Befragten an, die Politik der Europ&auml;ischen Union sollte sozialer sein. Doch diese Legitimationsdefizite, die sich seit l&auml;ngerer Zeit aufgebaut haben, werden von den dogmatischen Marktverfechtern und den EU-Technokraten nicht ernstgenommen &ndash;  vielleicht sogar in ihrer Abgehobenheit nicht einmal wahrgenommen. <\/p><p>Geschichte wiederholt sich, wenn man nicht aus der Geschichte lernt. 2005 haben die Franzosen und die Niederl&auml;nder die EU-Verfassung abgelehnt. Die politischen Eliten reagierten damals wie sie heute nach dem Nein der Iren reagieren.<\/p><p>Die Reaktionen der Politiker im &uuml;brigen Europa, lassen in keiner Hinsicht erkennen, dass sie ihre Lektionen aus den Niederlagen der Volksabstimmungen gelernt h&auml;tten oder etwas lernen wollten. Merkel und Sarkozy reden von &bdquo;Respekt&ldquo; gegen&uuml;ber der Abstimmung, lassen aber gleichzeitig erkennen, dass sie das Ergebnis gerade nicht respektieren wollen. Europas Eliten sprechen von einem R&uuml;ckschlag, sie sind entt&auml;uscht und sie verk&uuml;nden trotzige Durchhalteparolen. Statt die ablehnenden Referenden als einen Ansto&szlig; zu nehmen, dar&uuml;ber nachzudenken, was falsch l&auml;uft in Europa, sucht man wie schon nach der Ablehnung der Franzosen und der Niederl&auml;nder nun auch nach der Niederlage in Irland ausschlie&szlig;lich nach Umgehungsstrategien f&uuml;r das ablehnende Referendum.<\/p><p>Der Ratifizierungsprozess des Vertrages d&uuml;rfe blo&szlig; nicht aufgehalten werden. Man setzt also die Selbstt&auml;uschung fort und behauptet entgegen ganz anderer Signale, dass eine riesige Mehrheit nicht &bdquo;von einer Minderheit einer Minderheit &uuml;bert&ouml;lpelt&ldquo; werden d&uuml;rfe (Axel Sch&auml;fer, SPD). Nach dem Motto, warum sollten wir uns immer wieder von der Bev&ouml;lkerung Kn&uuml;ppel zwischen die Beine werfen lassen, spricht sich der Pr&auml;sident des Europ&auml;ischen Parlaments, P&ouml;ttering (CDU), generell gegen die Methode des Volksentscheids aus. Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident Sarkozy fordert wenige Stunden nach der Abstimmung die Iren auf, einfach nochmals abzustimmen. Der deutsche Au&szlig;enminister droht aus Peking, dass Irland aus dem Integrationsprozess vor&uuml;bergehend aussteigen k&ouml;nne, um ein Inkrafttreten des Vertrages in den &uuml;brigen  Mitgliedsstaaten m&ouml;glich zu machen. Selbst die ehemals so basisbezogenen Gr&uuml;nen wie J&uuml;rgen Trittin oder der Europaexperte Rainer Steenblock, wollen das Verfahren hinterfragen, &bdquo;bei dem drei Millionen Menschen dar&uuml;ber entscheiden k&ouml;nne, wie 500 Millionen Menschen ihre (!) politische Zusammenarbeit gestalten, ohne dass das f&uuml;r sie Konsequenzen hat&ldquo;. Man spielt einmal mehr  mit dem Gedanken eines Europas der zwei Geschwindigkeiten mit einem Kerneuropa, das sich enger zusammenschlie&szlig;t und mehr oder weniger eng assoziierten Randstaaten. Und schlie&szlig;lich k&ouml;nne man zur Not auch einfach auf der Basis des Nizza-Vertrages weitermachen.<\/p><p>Die Angst vor weiteren R&uuml;ckschl&auml;gen treibt die Europapolitiker zur Flucht nach vorne. Sie nehmen dabei in Kauf, dass ihre Gefolgschaft immer weiter zur&uuml;ckbleibt. <\/p><p>Ganz typisch ist die Debatte &uuml;ber den Lissabon-Vertrag bei uns im Lande:<br>\nMan verkauft den Vertrag als Gewinn an Handlungsf&auml;higkeit, ja sogar an Demokratie. In ihrer technokratischen Abgehobenheit reduzieren die Politiker die Inhalte des Lissabon-Vertrages auf eine Art Institutionenlehre. Gerade so, als ob die Verl&auml;ngerung der Amtszeit des Ratspr&auml;sidenten, die Verkleinerung der Kommission, der Verzicht auf die Einstimmigkeit oder ein bisschen mehr Mitsprache (nicht etwa mehr Mitentscheidung) des Europ&auml;ischen Parlaments f&uuml;r die Menschen in Europa ein pers&ouml;nlicher Gewinn w&auml;ren.<\/p><p>Es ist schon bemerkenswert, wie gerade in der &ouml;ffentlichen Debatte in Deutschland kaum jemand &uuml;ber die Inhalte des Vertrages von Lissabon spricht. Und das hat seine Gr&uuml;nde: Man m&uuml;sste n&auml;mlich einr&auml;umen, dass der Vertrag die liberalen Wirtschaftsrechte sozusagen als europ&auml;isches Verfassungsrecht festschreibt. Man m&uuml;sste offensiv vertreten, dass die Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee in eine weltweit agierende europ&auml;ische Interventionsarmee integriert werden soll und man m&uuml;sste sich offen dazu bekennen, dass ganz Europa mit einem &Uuml;berwachungsnetz zur Sicherheit nach innen und au&szlig;en &uuml;berzogen werden soll. <\/p><p>Ganz im Gegensatz dazu sp&uuml;ren die Menschen &uuml;berall in Europa, dass bei ihrer sozialen Absicherung etwa bei der Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit, bei ihren Arbeitnehmerrechten vom Streikrecht bis zu den Wochenarbeitszeiten, mit diesem Vertrag ihre jeweils erk&auml;mpften unterschiedlichen sozialen Rechte von oben ausgehebelt werden. Die Intelligenz bei uns im Lande erkennt, dass mit diesem Vertrag kulturelle Errungenschaften, wie etwa der &ouml;ffentlich-rechtliche  Rundfunk den Marktgesetzen unterstellt oder Bildung zur Ware wird oder wie das Grundgesetz zum nachrangigen Recht degradiert wird. <\/p><p>Weil die Europapolitiker wissen, dass die derzeitigen Vertragsinhalte bei der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung nicht als positive Botschaften f&uuml;r die Entwicklung zu einer politischen Union ankommen, traut man sich nicht sie offen auszusprechen. <\/p><p>Man hofft darauf, dass die Unehrlichkeit mit der die Ablehnung des fr&uuml;heren EU-Verfassungsvertrags durch die Franzosen und Niederl&auml;nder unterlaufen wurde, nicht durchschaut w&uuml;rde. Glaubt man wirklich, dass in diesen L&auml;ndern die Zustimmung zu einem nahezu identischen und nur unverst&auml;ndlicher gewordenen neuen Vertrag dadurch gewachsen ist, dass man in Frankreich und den Niederlanden durch zwischenzeitliche Gesetzes&auml;nderungen eine neuerliche Volksabstimmung unterlaufen hat?<\/p><p>Angesichts solcher Verweigerungshaltungen gegen&uuml;ber der Stimmungslage in der Bev&ouml;lkerung  dr&auml;ngen sich geradezu historische Vergleiche zu untergehenden Herrschaftsformen aus. Wie die Monarchen nicht wahrnehmen wollten, dass das B&uuml;rgertum deren Gottesgnadentum nicht mehr akzeptierte und wie die Bourgeoisie aus Angst vor dem aufkommenden Proletariat etwa mit dem Dreiklassenwahlrecht Brandmauern zur Stabilisierung ihrer Machtanspr&uuml;che errichtete, so versuchen die quasi-feudal abgehobenen neuen europ&auml;ischen Machteliten den Unmut und das Misstrauen der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger in Europa zu unterlaufen, indem vertragliche Fakten geschaffen werden.<\/p><p>Die Durchhaltparolen f&uuml;r den Lissabon-Vertrag nach dessen Ablehnung durch die Iren spiegeln nicht mehr und nicht weniger, als die Angst der europ&auml;ischen Eliten vor dem Unbehagen der Europ&auml;er wieder. Gerade diese Angst der Machthaber ist dann wiederum der N&auml;hrboden f&uuml;r (notwendigerweise auch irrationale) &Auml;ngste der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gegen&uuml;ber dem europ&auml;ischen Einigungsprozess. Angst ist jedoch der schlechteste Ratgeber, denn aus der Angst von immer mehr B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern entsteht zunehmende  Ablehnung und Schuldzuweisung, ja letztlich vielleicht sogar irgendwann Hass. <\/p><p>Die Europ&auml;ische Union hat ein halbes Jahrhundert f&uuml;r Frieden, Stabilit&auml;t und sogar f&uuml;r mehr Wohlstand gesorgt, das hat die Europ&auml;er f&uuml;r Europa eingenommen. Das Wohlstandsversprechen ist f&uuml;r viele angesichts von Massenarbeitslosigkeit und Lohndumping schon gebrochen. Wenn das europ&auml;ische Projekt noch weitere positive Identifikationen verliert, dann stellt es sich auf Dauer selbst in Frage. Die Ablehnung und die Schuldzuweisung werden sich dann vielleicht nicht mehr in Volksabstimmungen ausdr&uuml;cken k&ouml;nnen, daf&uuml;r k&ouml;nnte es aber weitaus gef&auml;hrlichere Ventile geben. <\/p><p><strong>Bemerkenswert<\/strong><\/p><p>In Spanien und Gro&szlig;britannien herrscht ein &uuml;beraus positives Europabild vor (86 % bzw. 63% positive Wertungen), w&auml;hrend Europa in Deutschland und Frankreich negativ eingesch&auml;tzt wird (51 % bzw. 54 % negative Antworten). An erster Stelle stehen die sozialen Erwartungen an Europa: 64 % der Befragten geben an, die Politik der Europ&auml;ischen Union sollte sozialer sein, w&auml;hrend sich lediglich 26% eine liberalere EU-Politik w&uuml;nschen; dieser Erwartung dr&uuml;ckt sich auch in dem gemeinsamen Wunsch nach einer Harmonisierung der Steuersysteme in den L&auml;ndern der EU aus: Insgesamt 68 % der Befragten sind daf&uuml;r, und in allen in die Umfrage einbezogenen L&auml;ndern stellen die Bef&uuml;rworter die Mehrheit.<\/p><p> An zweiter Stelle geben die EU-B&uuml;rger als generelle Priorit&auml;ten f&uuml;r die kommenden Monate insbesondere die Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit (63%) und des Terrorismus (43%) an.<\/p><p>Das Meinungsforschungsinstitut LH2, die <a href=\"http:\/\/www.ebs-paris.com\/actualites\/view.php\">EBS Paris (European Business School)<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.arte.tv\/de\/geschichte-gesellschaft\/forum-der-europaeer\/NAV-04-2006\/08--April-2006\/1172162.html\">Arte (Magazin Forum der Europ&auml;er)<\/a> haben den ersten europ&auml;ischen Stimmungsbarometer f&uuml;r Gro&szlig;britannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien realisiert.<\/p><p>Nur, niemand denkt dar&uuml;ber nach was falsch gelaufen sein k&ouml;nnte. Nein man tut so als d&uuml;rfe eine Minderheit von 862,415 Nein-Stimmen den europ&auml;ischen Einigungsprozess nicht aufhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Motive der gut 800.000 Iren, die Nein zum EU-Reformvertrag gesagt haben, sind vielf&auml;ltig und m&ouml;gen vielfach irrational erscheinen, sie lassen sich jedoch nahezu alle auf &Auml;ngste zur&uuml;ckf&uuml;hren, dass Irland durch den Lissabon-Vertrag nur verlieren k&ouml;nne.<br \/> Die Kampagne der Bef&uuml;rworter f&uuml;r den Reform-Vertrag war jedoch gleichfalls nur ein angstgetriebener Reflex der abgehobenen proeurop&auml;ischen Eliten gegen&uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3282\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,180,123,20],"tags":[530,374,1657,691,233],"class_list":["post-3282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-europaeische-vertraege","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","tag-buergerentscheid","tag-eliten","tag-euroskeptizismus","tag-irland","tag-marktliberalismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3282"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28890,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3282\/revisions\/28890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}