{"id":32897,"date":"2016-04-08T14:18:25","date_gmt":"2016-04-08T12:18:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32897"},"modified":"2024-08-22T15:48:17","modified_gmt":"2024-08-22T13:48:17","slug":"demokratie-welche-demokratie-denn-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32897","title":{"rendered":"Demokratie? Welche Demokratie denn bitte?"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160408_koschnick.jpg\" alt=\"Wolfgang Koschnick\" title=\"Wolfgang Koschnick\"><\/div><p>&#8232;&#8232;&bdquo;Die Demokratie ist die Hure der freien Welt, bereit sich nach Wunsch an- und auszuziehen, bereit, die verschiedensten Geschm&auml;cker zufriedenzustellen&ldquo;, stellt die indische Schriftstellerin und politische Aktivistin Arundhati Roy klar. Und der Autor und Unternehmensberater <strong>Wolfgang Koschnick<\/strong> sekundiert: Die entwickelten Demokratien seien eine gigantische Fehlkonstruktionen, die Krisen und Katastrophen am laufenden Band erzeugten und nicht in der Lage seien, selbst einfachste Probleme pragmatisch und nachhaltig zu l&ouml;sen. Im Gegenteil richteten sich ihre &bdquo;L&ouml;sungen&ldquo; in stets wachsendem Ma&szlig;e gegen die eigene Bev&ouml;lkerung. Immer deutlicher w&uuml;rde daher, dass sich die Demokratien der Gegenwart in einer Systemkrise bef&auml;nden und ihnen der Untergang drohe. Anl&auml;sslich des Erscheinens von &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/eine-demokratie-haben-wir-schon-lange-nicht-mehr-wolfgang-koschnick.html#.VwY7tjG_CzR\">Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr. Abschied von einer Illusion<\/a>&ldquo; sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit ihm.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Koschnick, soeben erschien &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/eine-demokratie-haben-wir-schon-lange-nicht-mehr-wolfgang-koschnick.html\">Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr. Abschied von einer Illusion<\/a>&ldquo;. Wieso dieses Buch zu dieser Zeit? Was war, was ist Ihre Intention?<\/strong><\/p><p>Das ist eine Thematik, die mich seit fr&uuml;hester Jugend immer wieder besch&auml;ftigt hat. Wahrscheinlich h&auml;ngt es mit meiner politischen Sozialisation in den 1950er Jahren zusammen. Ich war in den 1950er Jahren als Jugendlicher wie die meisten meiner Altersgenossen begeisterter Demokrat und auch begeisterter Anh&auml;nger der amerikanischen Politik und des amerikanischen Lebensstils. Mehrere Aufenthalte in den USA haben diese Einstellung best&auml;rkt.<\/p><p>Sp&auml;ter habe ich mich wissenschaftlich mit Politik und dann als B&uuml;rger und Journalist mit der real existierenden Demokratie besch&auml;ftigt. In all den vielen Jahren wuchs die Erkenntnis, dass meine demokratische Begeisterung mit der real existierenden Demokratie so gut wie gar nichts mehr zu tun hat. <\/p><p>Und ich erkannte, dass es auch der Bev&ouml;lkerung in jedem beliebigen demokratischen Land &auml;hnlich ergeht. Nur schimpfen die Leute &uuml;ber die &bdquo;Politiker&ldquo; und die Politiker &uuml;ber die &bdquo;Politikverdrossenheit&ldquo; der Bev&ouml;lkerung. Sie tun das, weil sie sich nicht trauen, von einem Konstruktionsfehler der Demokratien zu sprechen. Man k&ouml;nnte f&uuml;r einen Feind der Demokratie, des Rechtsstaats und der B&uuml;rger- und Menschenrechte gehalten werden. Diesen Eindruck m&ouml;gen alle Leute, die den Grundgedanken der Demokratie akzeptieren, auf jeden Fall vermeiden. Man will nicht f&uuml;r einen Feind der Demokratie gehalten werden.<\/p><p><strong>Konstruktionsfehler? Welcher denn?<\/strong><\/p><p>L&auml;ngst ist das politische System der entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien in aller Welt v&ouml;llig aus dem Ruder geraten. Es befindet sich in einer dauerhaften Schieflage, aus der es kein Entrinnen gibt. Der durch den Lobbyismus verzerrte Staat hat sich gegen die breite Bev&ouml;lkerung zusammengerottet. Politische Entscheidungen werden nicht mehr durch das Volk, vom Volk und f&uuml;r das Volk gef&auml;llt. Die politische Kaste, das Kapital und die Lobbyisten treffen alle Entscheidungen im Schulterschluss gegen das Volk. <\/p><p>Und diese unselige Allianz tr&auml;gt seit langem Fr&uuml;chte: Die entwickelten Demokratien in aller Welt &ndash; von den USA &uuml;ber Europa bis Japan &ndash; stehen vor dem gleichen Elend: Zwischen den V&ouml;lkern und ihren Politikern ist ein tiefer Graben der Entfremdung aufgerissen, die Prozesse der politischen Willensbildung sind erstarrt, die Menschen haben kein Vertrauen mehr in das politische System, das System verdient auch kein Vertrauen mehr, in den Parlamenten und den politischen Parteien herrschen Hierarchien, es geht nicht mehr demokratisch zu, die Volksvertretungen nicken Regierungsentscheidungen nur noch ab, wichtige Entscheidungen werden in finsteren Hinterstuben getroffen, die politischen Institutionen sind handlungsunf&auml;hig, die Politiker taugen nichts, und der Staat ist bis &uuml;ber die Ohren verschuldet. Die Kluft zwischen Reich und Arm rei&szlig;t in allen Demokratien nahezu t&auml;glich weiter auf, und die demokratische Politik sieht tatenlos dabei zu und unternimmt nichts dagegen.<\/p><p>Die politische Krise ist die Folge einer strukturellen Reformunf&auml;higkeit der Institutionen und ihrer Politiker, einer wachsenden Kluft zwischen den B&uuml;rgern und Regierungen, zwischen W&auml;hlern und Volksvertretern, zwischen Gesellschaft und Staat. Als Regierungsform sto&szlig;en die Demokratien an ihre Grenzen, weil sie nicht mehr leisten, wozu sie da sind: die Interessen aller zu wahren und ihren V&ouml;lkern ein gutes Leben zu erm&ouml;glichen. Sie dienen nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern nur noch den partikularen Interessen einzelner Gruppen.<\/p><p>Es mehren sich die Zweifel, ob die herrschenden Demokratien &uuml;berhaupt noch handlungsf&auml;hig sind; denn die eigentliche Krise ist die Krise der repr&auml;sentativen Demokratie. Die strukturellen Schw&auml;chen dieses Ordnungssystems treten heute so krass hervor wie nie zuvor. Eine erfolgreiche Krisenbew&auml;ltigung w&uuml;rde einen radikalen Politikwandel erfordern. Das jedoch k&ouml;nnen auf Wahlerfolge und Machterhalt fixierte, kurzsichtig orientierte politische Strukturen systembedingt kaum leisten.<\/p><p>Das erkl&auml;rt auch, weshalb dringende Reformen unterbleiben und Schulden angeh&auml;uft werden, obwohl doch der Reformbedarf immens ist. Lange Zeit haben alle Demokraten stets geglaubt, kein Ordnungssystem sei so f&auml;hig, sich selbst zu reformieren, wie die Demokratie. Doch der Zustand der entwickelten Demokratien unserer Zeit lehrt das Gegenteil. Das System ist in totaler Unbeweglichkeit erstarrt. Die Krise der Demokratie ist tats&auml;chlich da.<\/p><p>Viele hoffen noch immer, dass Demokraten mit den Problemen einer Gesellschaft besser fertig werden als Diktatoren. Das l&auml;uft auf das Pfeifen im Walde und auf die vage Hoffnung hinaus, dass weiter gut gehen wird, was in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat. Sch&ouml;n w&auml;re es, wenn das so w&auml;re. Es bliebe dann wenigstens das Vertrauen, dass die demokratischen Institutionen und ihre Repr&auml;sentanten alle Probleme doch noch l&ouml;sen k&ouml;nnen. Aber gerade dieses Vertrauen ist verloren. Denn es sind eben diese Repr&auml;sentanten, die alle Probleme selbst geschaffen haben, die sie nun nicht l&ouml;sen k&ouml;nnen.<\/p><p>In den entwickelten Demokratien w&auml;hlen die handelnden Politiker und Staatsangestellten in einer gegebenen Situation immer diejenige Verhaltensalternative, von der sie den gr&ouml;&szlig;ten Nutzen erwarten, oder die bei nicht unterscheidbarem Nutzen mit den geringsten Kosten verbunden ist. Zentrales Axiom ist das Rationalit&auml;tsprinzip &ndash; genau wie in der klassischen &ouml;konomischen Theorie. Der &bdquo;homo politicus&ldquo; verh&auml;lt sich also im Prinzip genauso wie der &bdquo;homo oeconomicus&ldquo;.<\/p><p>Dem liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass auch ein Politiker, ebenso wie jeder andere Mensch, seinen eigenen Nutzen zu maximieren versucht. In der Politik und in der B&uuml;rokratie besteht der Nutzen indes nicht allein in Geld, sondern ebenso in Macht, Wiederwahl, Medienapplaus, Pfr&uuml;nden, Privilegien, der Zahl der Untergebenen und h&ouml;herem Budget.<\/p><p>Die Logik dieser Politik f&uuml;hrt zu immer h&ouml;heren Staatsausgaben. Vom Ziel der Wiederwahl getrieben, bl&auml;hen die politischen Akteure die Staatshaushalte immer weiter auf. Politiker sind machtfixiert und nur an ihren Eigeninteressen orientiert. Um gew&auml;hlt zu werden, verteilen sie wahllos Steuergeschenke.<\/p><p>Das Entscheidungsverhalten von Politikern und Beamten ist folglich das Produkt einer Summe von Nutzen maximierenden Individuen. Beamten versuchen ihr Budget, Politiker ihre W&auml;hlerstimmen zu maximieren, um bei der n&auml;chsten Wahl wiedergew&auml;hlt zu werden. F&uuml;r die Beamten steht nicht die effiziente Versorgung des B&uuml;rgers mit &ouml;ffentlichen G&uuml;tern und Leistungen im Vordergrund, sondern ein m&ouml;glichst hoher Output. Nur so k&ouml;nnen sie das Budget maximieren, um dann pers&ouml;nliche Ziele wie Macht, Einkommen, Prestige und Aufstiegschancen zu erreichen. Gelingt es den Beamten dagegen, durch die Optimierung von Organisationsstrukturen oder Arbeitsprozessen Einsparungen zu erzielen, m&uuml;ssen sie in der n&auml;chsten Planperiode mit einem kleineren Budget auskommen. Also lassen sie lieber die Finger davon.<\/p><p>In dieser Welt ist der demokratische Staat ein Leviathan: ein macht- und geldgieriges, nimmersattes Monstrum. Die Politiker maximieren ihre Macht mit der Menge des Gelds, das sie ihren Steuerb&uuml;rgern abkn&ouml;pfen, und m&uuml;ssen zugleich jene Gruppen umwerben, die ihre Wiederwahl sichern. So schaffen sie st&auml;ndig neue Schlupfl&ouml;cher und erh&ouml;hen anderswo die Steuern, um die daraus entstehenden Finanzl&ouml;cher zu stopfen. Ein Teufelskreis.<\/p><p>Der Kern des Problems besteht darin, dass das politische System den Parteipolitikern vielf&auml;ltige Anreize bietet, besonders hohe Ausgaben durchzusetzen. Auch wenn sie grunds&auml;tzlich verstanden haben, dass eine &uuml;berh&ouml;hte Staatsverschuldung ein schier unl&ouml;sbares Problem darstellt, ist kurzfristig eine weitere Verschuldung f&uuml;r sie immer noch das kleinere &Uuml;bel.<\/p><p>Da kann einer noch so edle Absichten haben. Das n&uuml;tzt &uuml;berhaupt nichts; denn die Staatsverschuldung ist in allen demokratischen Staaten &uuml;ber viele Jahrzehnte hinweg unabh&auml;ngig davon gewachsen, ob gerade ein gutherziger oder ein b&ouml;swilliger, ob gerade ein linker oder ein rechter, ein liberaler oder ein konservativer, ein verschwenderischer oder ein sparsamer, ein gescheiter oder ein einf&auml;ltiger Pr&auml;sident oder Regierungschef regierte. Da liegt nicht der Kern des Problems.<\/p><p>Die Staatsverschuldung w&auml;chst unaufh&ouml;rlich auf Grund systemimmanenter Zw&auml;nge und v&ouml;llig unabh&auml;ngig davon, wer oder was gerade regiert. Heute, im April 2016, ist die gesamte Weltwirtschaft mit 58 Billionen Dollar verschuldet. Die 15 am h&ouml;chsten verschuldeten L&auml;nder trugen dazu &uuml;ber 49 Billionen bei. Sie sind fast ausnahmslos entwickelte repr&auml;sentative Demokratien.<\/p><p>Die &bdquo;Global Debt Clock&ldquo; des Economist, also die <a href=\"http:\/\/www.economist.com\/content\/global_debt_clock\">Weltschuldenuhr<\/a>, zeigt ein eindeutiges Bild: Als h&ouml;chstverschuldet sind dort einzig und allein die entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien tiefrot eingef&auml;rbt: Nordamerika, Westeuropa, Japan. Die &uuml;brigen Schulden, gerade mal 9 Billionen, verteilen sich auf die verbleibenden 185 Staaten der Welt. Der Rest der Welt ist im gr&uuml;nen Bereich. Jeder einzelne Staat kleckert im Schnitt ein paar Dollar hinzu. Nicht mehr. Einer der in Europa am h&ouml;chsten verschuldeten Staaten ist &uuml;brigens Deutschland. Es schleppt seit vielen Jahren eine Schuldenbelastung von &uuml;ber zwei Billionen Euro vor sich hin, protzt zugleich mit der &bdquo;Schwarzen Null&ldquo; und macht keinerlei Anstalten, die hohe Schuldenbelastung jemals abzutragen, obwohl es doch heute alle Mittel dazu in der Hand h&auml;tte: Die &bdquo;Tiefroten zwei Billionen&ldquo; geh&ouml;ren zum Gesamtbild ebenso wie die &bdquo;Schwarze Null&ldquo;. <\/p><p>Die Erfahrungen aus vielen demokratischen L&auml;ndern machen in institutioneller Hinsicht mehreres deutlich: <\/p><ol>\n<li>Die kurzfristige politische Opportunit&auml;t setzt sich allzu h&auml;ufig gegen die l&auml;ngerfristige Rationalit&auml;t der Gesellschaft durch. Die Politiker sind in einer Konkurrenzdemokratie, die von Interessengruppen und der Logik audiovisueller Medien gepr&auml;gt ist, kurzfristige Volksbegl&uuml;cker. Ihre Anreizstrukturen f&uuml;hren zu nicht nachhaltigen und langfristig sch&auml;dlichen Ergebnissen. Ihr Motto lautet: &bdquo;Nach mir die Schulden-Sintflut!&ldquo;<\/li>\n<li>Die theoretisch und empirisch fundierten Ratschl&auml;ge professioneller &Ouml;konomen finden bei der Politischen Klasse kein Geh&ouml;r, wenn sie deren eigener Opportunit&auml;t nicht dienlich sind. Die Politiker k&ouml;nnen die Urteile von Experten auch dann ohne inhaltliche Begr&uuml;ndungen ignorieren, wenn diese fachlich gleichlautend sind.<\/li>\n<li>Die Politiker finden bei bestehenden Verschuldungsregeln, ohne die die Defizite der &ouml;ffentlichen Haushalte sicher noch weit gr&ouml;&szlig;er w&auml;ren, fast immer gangbare Hintert&uuml;ren, um die Restriktionen zu umgehen. Dies ist nicht verwunderlich, da sie diese erstens ein paar Jahre fr&uuml;her bewusst so formuliert haben und zweitens auch im konkreten Fall selbst &uuml;ber ihre Anwendbarkeit entscheiden. Mit anderen Worten: Die Hauptursachen der Staatsverschuldung liegen in den fundamentalen Macht- und Anreizstrukturen des politischen Systems der repr&auml;sentativen Demokratien begr&uuml;ndet. Und Systemfehler lassen sich nicht durch gute Absichten aus der Welt schaffen.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Sie sprechen best&auml;ndig von Schulden&hellip; Geht es also darum, den Sozialstaat zu zerschlagen und die Staatsausgaben also noch weiter zu senken? Ist dieses neoliberale Credo materieller Antrieb Ihrer Kritik?<\/strong><\/p><p>Im Gegenteil, man sollte auch erst gar nicht so tun, also ob die Sozialausgaben der einzige Grund f&uuml;r hohe Staatsausgaben sind. Der Primat von Partikularinteressen f&uuml;hrt doch zu massiven Fehlallokationen und sinnloser Verschwendung von Ressourcen.<\/p><p><strong>Sagt Ihnen diesbez&uuml;glich die Parlamentarismuskritik etwa eines Johannes Agnoli etwas, der mit &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.glasnost.de\/autoren\/agnoli\/agnolthes.html\">Die Transformation der Demokratie<\/a>&ldquo; die 68er diesbez&uuml;glich gut intellektuell bewaffnete? Ist es so in etwa das, was auch Ihnen am Herzen liegt?<\/strong><\/p><p>Nun ja, ich habe in den 1960er Jahren auch bei Agnoli geh&ouml;rt, mich damals aber nicht sonderlich daf&uuml;r interessiert. Gelesen habe ich ihn erst sp&auml;ter wieder. Er ist einer von sehr vielen Autoren, mit denen ich mich immer wieder einmal besch&auml;ftigt habe. Inzwischen ist das eine ganze Weile her.<\/p><p><strong>Und Ihre Kritik, verallgemeinern Sie die denn? Oder sehen Sie Ausnahmen von der allgemeinen Unzufriedenheit der Regierten mit ihrem politischen System?<\/strong><\/p><p>Es gibt ein paar L&auml;nder, in denen das repr&auml;sentative System noch nicht seine selbstzerst&ouml;rerische Eigendynamik entwickelt hat, wie die skandinavischen Staaten. Das hat aber eher damit zu tun, dass die weltpolitisch etwas im Windschatten liegen oder &ndash; wie die Schweiz &ndash; ein Mischsystem aus direkten und repr&auml;sentativen Elementen haben.<\/p><p>Ansonsten besteht in allen repr&auml;sentativen Demokratien von den USA &uuml;ber Frankreich und Deutschland bis hin nach Japan Grund zu gro&szlig;er Unzufriedenheit, weil &uuml;berall politische Entscheidungen &bdquo;von oben nach unten&ldquo; und nicht demokratisch von unten nach oben getroffen werden. Die repr&auml;sentativen Demokratien werden ihren eigenen Anspr&uuml;chen nicht mehr gerecht. <\/p><p>Alle Entscheidungen in politischen Parteien, in Parlamenten in Fraktionen in irgendwelchen Gremien werden &uuml;ber die K&ouml;pfe der Betroffenen hinweg von oben nach unten und mittlerweile auch h&auml;ufig gegen die Interessen der Betroffenen von oben nach unten getroffenen. In den Parteien herrschen die Funktion&auml;re, in den Parlamenten die Berufspolitiker, f&uuml;r die der Staat zum Selbstbedienungsladen geworden ist, in dem sie sich nach Lust und Laune bedienen k&ouml;nnen. Die politischen Parteien sind l&auml;ngst keine Organe lebendiger Demokratie mehr. Sie sind mit Staatsgeldern k&uuml;nstlich am Leben erhaltene Leichen, die ohne die staatlichen Millionen, die sie sich selbst zugeschustert haben, keinen einzigen Tag aus eigener Kraft &uuml;berleben k&ouml;nnten. Die Parlamente in aller Welt sind reine Abnickvereine, die tumb und brav alles abnicken, was ihre Regierungen oder Fraktionsspitzen ihnen zum Fra&szlig; vorwerfen.<\/p><p>Der verstorbene Roger Willemsen sprach vom Bundestag in einer eher &auml;sthetisierenden Betrachtung mit Recht als vom &bdquo;Leichenschauhaus der parlamentarischen Idee&ldquo;. Wer die Realit&auml;t der politischen Entscheidungsfindung in deutschen Parlamenten substanziell untersucht, kann eigentlich nur noch davon sprechen, dass er es mit dem &bdquo;Schlachthaus der Demokratie&ldquo; zu tun hat.<\/p><p>Die Parlamentarier verbreiten ja gern das Ammenm&auml;rchen, sie m&uuml;ssten sich mit Di&auml;ten von rund 9.000 Euro in der N&auml;he der Armutsgrenze durchs Leben k&auml;mpfen. Das ist eine faustdicke Propagandal&uuml;ge. Die meisten Abgeordneten haben sich bis zu 30.000 und 40.000 Euro im Monat aus vielen T&ouml;pfen an geldwerten Vorteilen zugeschustert. Das Mitleid der Werkt&auml;tigen und Armen haben die nicht verdient.<\/p><p>Nat&uuml;rlich hat die ochlokratische Herrschaft in jedem Land ihre ganz spezifischen Auspr&auml;gungen, aber undemokratisch ist sie &uuml;berall. In den USA sind gut die H&auml;lfte aller Abgeordneten des Repr&auml;sentantenhauses Million&auml;re und die andere H&auml;lfte ist im Prinzip ebenso &uuml;ppig ausgestattet. Im Vergleich zu den Durchschnittsamerikanern sind die allesamt sehr reich. Da k&auml;me wohl niemand mehr auf die Idee von Demokratie zu sprechen. <\/p><p>In Deutschland ist der Bundestag und sind die L&auml;nderparlamente fest in der Hand von Angeh&ouml;rigen der &ouml;ffentlichen Hand und Beamten und haben so oder so nur abzunicken, was ihre Fraktionsf&uuml;hrer und Regierungen von ihnen verlangen. Mit Demokratie hat all dies nichts mehr zu tun. Es ist noch nicht einmal eine Karikatur von Demokratie. Es ist eine Verhohnepiepelung des demokratischen Gedankens.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie sagen, warum Kritik wie die Ihre offenbar so wenig verbreitet ist? Viel mehr Menschen m&uuml;ssten derlei doch l&auml;ngst erkannt haben und hiergegen angehen&hellip;<\/strong><\/p><p>Es gibt massenhafte Demokratiekritik in allen Demokratien. Sie kommt aber meist in Gestalt einer etwas diffusen Kritik daher und auch eher als &bdquo;Politikverdrossenheit&ldquo;. Die endg&uuml;ltige Konsequenz wagen viele Menschen auch heute noch nicht zu Ende zu denken; denn die lautet: Der j&auml;mmerliche Zustand der Politik unserer Zeit ist die Folge des Niedergangs des demokratischen Systems. Er ist ein Systemfehler, der nicht zu kurieren ist, wenn man sich weiter weigert, ihn als solchen zu erkennen. Und er ist angelegt in den verkrusteten Strukturen der entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien.<\/p><p>Es ist allerdings auch leicht nachzuempfinden, weshalb sich viele dagegen str&auml;uben, die Krisen der Gegenwart als Systemkrisen der Demokratie zu erkennen. Demokratie ist untrennbar verkn&uuml;pft mit der Achtung und Verteidigung von Menschenw&uuml;rde, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und B&uuml;rgerrechten. Das macht sie so kostbar. Und niemand kann sich deren Abschaffung w&uuml;nschen. Doch darum geht es ja auch gar nicht.<\/p><p>Die Systemkrise der Demokratie spielt sich auf einem ganz anderen Feld ab: den Mechanismen und Apparaturen der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung. Die Dauerkrise der konsolidierten Demokratien von den USA &uuml;ber Europa bis hin nach Japan hat zur Herausbildung einer von der Bev&ouml;lkerung losgel&ouml;sten politischen Kaste gef&uuml;hrt, die ihr eigenes Wohl mit dem Gemeinwohl gleichsetzt und der die Interessen und das Wohlergehen der Bev&ouml;lkerung weitgehend gleichg&uuml;ltig sind.<\/p><p>Die Krise der entwickelten Demokratien ist eine Krise des politischen Willensbildungsapparats und des Herrschaftssystems. Und diese Krise hat inzwischen eine Eigendynamik entfaltet, in der sich das System gegen die eigene Bev&ouml;lkerung wendet und ihr in stets wachsendem Ma&szlig;e Schaden zuf&uuml;gt.<\/p><p><strong>Totalit&auml;r wird also&hellip;<\/strong><\/p><p>Nein, das w&uuml;rde ich auf gar keinen Fall sagen. Wir erleben ja eher eine sich liberal gerierende Oligarchie, eine Art milder Funktion&auml;rsdiktatur. Die hat &uuml;berhaupt nichts Totalit&auml;res.<\/p><p><strong>Sie empfinden die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">Hartz IV-Maschinerie<\/a>, den Niedriglohnsektor, das Troika-Diktat gegen Griechenland und anderes &hellip; nicht als totalit&auml;r? Die schiere Macht der oberen 1 Prozent, die immer mehr Menschen in soziale Not und also Armut zwingt?<\/strong><\/p><p>Nein, beim besten Willen. Totalit&auml;r waren die Herrschaft der Stalinisten und der Nationalsozialisten. Aber die Hartz-IV-Maschinerie u.dgl. m&ouml;gen meine Verachtung verdienen, aber mit Totalitarismus haben sie nun wirklich nichts zu tun.<\/p><p><strong>Offensichtlich sind Sie ja gleichwohl Anh&auml;nger einer demokratischeren Demokratie. Diese zu verteidigen macht also Sinn?<\/strong><\/p><p>In meinem Buch messe ich die real existierenden Demokratien an ihren eigenen Anspr&uuml;chen. Und die haben sich auf Grund der folgenden Charakteristika in ihr Gegenteil verkehrt:<\/p><ol>\n<li>Der hohe Entwicklungsgrad: In den fr&uuml;hen Jahren des demokratischen Aufbruchs im Anschluss an absolutistisch-diktatorische Verh&auml;ltnisse herrschte &uuml;berall genuine Begeisterung und eine ziemlich lebendige Demokratie. Die gibt es kaum noch. Im weiteren Verlauf der Entwicklung haben die alten M&auml;chte und Strukturen ihre Herrschaft wieder fest etabliert. Heute herrscht in allen entwickelten Demokratien das Kapital, und namentlich das Finanzkapital, &uuml;ber die Kr&auml;fte der demokratischen Willensbildung.\n<p>Alles in allem ist das untere Drittel der Gesamtbev&ouml;lkerung in den Parlamenten durch niemanden vertreten &ndash; weder durch eine nennenswerte Zahl von Abgeordneten noch durch die politischen Parteien. Das l&auml;uft allein in Deutschland auf rund 30 Millionen Menschen hinaus. Sie tauchen in der politischen Repr&auml;sentanz aller Demokratien gar nicht erst auf. Das System l&auml;sst sie links liegen. Die Volksvertreter vertreten mehr als ein Drittel des &bdquo;Volks&ldquo; &uuml;berhaupt nicht.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich bieten alle Parlamente ein Zerrbild der Sozialstruktur ihres Landes. Und je l&auml;nger sie bestehen, desto st&auml;rker verzerrt sich das Bild. Die ohnehin schon &uuml;berrepr&auml;sentierten Berufe richten sich in den Parlamenten ein und verst&auml;rken von Legislaturperiode zu Legislaturperiode ihre Machtpositionen. Die Parlamente sind Vertretungen gehobener und vorwiegend politischer Berufe. Je l&auml;nger ein Parlament besteht, desto besser ausgebaut sind die Machtbastionen der vorherrschenden Berufe des &ouml;ffentlichen Dienstes.<br>\nDie Verzerrung in der Repr&auml;sentation ist das Ergebnis eines Machtkampfs, der mit friedlichen und demokratischen Mitteln ausgetragen wird. Und diesen Machtkampf haben schon vor Jahrzehnten all jene Schichten gewonnen, die im Parlament &uuml;berrepr&auml;sentiert sind. Die Kluft zwischen den Repr&auml;sentanten und denen, die sie repr&auml;sentieren sollten, aber nicht mehr repr&auml;sentieren, w&auml;chst von Jahr zu Jahr und von Legislaturperiode zu Legislaturperiode. Dieser Prozess ist in repr&auml;sentativen Demokratien unaufhaltsam und auch unumkehrbar.<\/p>\n<p>Da nimmt es nicht weiter wunder, dass bei allen wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte stets das untere Drittel besonders nachhaltig zur Kasse gebeten wurde. Das sind ausgerechnet die Schwachen. Diejenigen, die sich am wenigsten wehren k&ouml;nnen. Wen wundert es da, dass die Realeinkommen der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten seit ungef&auml;hr 1990 stetig sinken?<\/p><\/li>\n<li>Die politischen Repr&auml;sentanten der demokratischen Mandatstr&auml;ger leben und arbeiten v&ouml;llig abgehoben vom Rest der Bev&ouml;lkerung ein Eigenleben und dienen fern von jedweder Regierung <em>&bdquo;of the people, by the people, for the people&ldquo;<\/em> ihren eigenen wirtschaftlichen und sozialen Interessen und schrecken vor keiner noch so abgefeimten Schweinerei zur&uuml;ck, um sich selbst &ouml;konomische Vorteile zuzuschustern.\n<p>Die Herrschaft der politischen Kaste betoniert sich immer st&auml;rker ein und ist inzwischen unumkehrbar in Stahlbeton gegossen. <\/p>\n<p>L&auml;ngst haben die Parlamente ihre Bestimmung v&ouml;llig eingeb&uuml;&szlig;t, das Volk zu repr&auml;sentieren. Sie sind zu St&auml;tten verkommen, in denen sich Parteifunktion&auml;re und Amtstr&auml;ger treffen und Entscheidungen zur Kenntnis nehmen, die Parteigremien zuvor ausgekungelt haben. Ein Parteipolitiker wirft nicht im Moment seiner Wahl sein Wolfsfell ab und mutiert zu einem friedlichen Schaf, das die Parlamentswiese auf der Suche nach der blauen Blume des Gemeinwohls abgrast. <\/p>\n<p>Mit der Professionalisierung politischer Laufbahnen kommt es zunehmend zu einem wechselseitigen Durchdringungsprozess von Beh&ouml;rdenmitarbeitern, Besch&auml;ftigten und Amtstr&auml;gern aller politischen Ebenen von der Gemeinde bis hin zum Bund. Beamte und Angestellte begegnen einander in den politischen Parteien, in den Beh&ouml;rden und den politischen &Auml;mtern. Die &bdquo;politische Kaste&ldquo; aller Ebenen bleibt weitgehend unter sich, ihre Angeh&ouml;rigen tauschen sich untereinander aus und geben einander die Klinken in die H&auml;nde.<\/p><\/li>\n<li>Die modernen pluralistischen Demokratien sind von der Konstruktion her auf die Vertretung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Partikularinteressen fokussiert und nicht auf das Gemeinwohl. Unter der Vorherrschaft des Lobbyismus haben sich die Strukturen so verkrustet und verh&auml;rtet und die Oligarchien sich derma&szlig;en festgefressen, dass das gesamte System nur noch Chaos gebiert und die herrschende Machtelite sich gegen die Bev&ouml;lkerung zusammenrottet und ihr Schaden zuf&uuml;gt.\n<p>Die Politik hat sich ihrer Pflicht zur Unabh&auml;ngigkeit und zur Neutralit&auml;t gegen&uuml;ber den partikularen Interessen auf ewig und alle Zeiten entledigt. Sie hat sich mehr oder weniger widerstandslos den Interessenvertretern ausgeliefert und ist zu ihrem willigen Helfer geworden. Sie hat sich unterworfen. Sie hat das Gemeinwohl auf dem Altar der partikularen Interessen geschlachtet. <\/p>\n<p>Die Pflicht des Staats zur Unabh&auml;ngigkeit und Neutralit&auml;t ist aber nicht einfach eine belanglose Verpflichtung, bei der man sagen k&ouml;nnte: Es w&auml;re ganz nett, wenn die eingehalten w&uuml;rde. Die Neutralit&auml;tspflicht ist eine der Fundamentalpflichten demokratischer und sogar vordemokratischer Staaten.<\/p>\n<p>Selbst Friedrich der Gro&szlig;e hatte vor 300 Jahren schon relativ genaue Vorstellungen von der Neutralit&auml;tspflicht des Staates, die heute unter dem Druck des Lobbyismus nach und nach zu Grabe getragen wird. Es ist keine wirkliche &Uuml;bertreibung zu sagen, dass der demokratische Staat unter der Knute des Lobbyismus im Begriff steht, hinter den undemokratischen preu&szlig;ischen Staat Friedrichs des Gro&szlig;en im 18. Jahrhundert zur&uuml;ckzufallen.<\/p>\n<p>Wenn ein Staat nicht einmal seine Neutralit&auml;tspflicht gegen&uuml;ber jedermann erf&uuml;llt, ist er mit Sicherheit kein Rechtsstaat und eigentlich noch nicht einmal ein ordentlicher Staat. Ein Staat darf grunds&auml;tzlich nicht Partei ergreifen. Und wenn er Partei ist, ist er nicht Staat, und schon gar kein demokratischer, sondern ein diffuses Gebilde, das zur Beute von Interessengruppen und Konzernen geworden ist, eine demokratisch nur getarnte mafi&ouml;se Struktur.<\/p>\n<p>Der durch den Einfluss m&auml;chtiger Lobbyisten deformierte Staat ist in der politischen Wirklichkeit eine Katastrophe f&uuml;r die breite Bev&ouml;lkerung. Er ist schon l&auml;ngst nicht mehr eine neutrale, am Gemeinwohl orientierte unabh&auml;ngige Instanz. Der Staat ist selbst zum Spielball privatwirtschaftlicher Interessen geworden. Er hat in entscheidenden Aspekten seine Existenzberechtigung verloren, weil er nicht mehr neutral und gerecht gegen jedermann ist, sondern Partei gegen die B&uuml;rger ergreift. <\/p>\n<p>Die Aufteilung der Macht nach sozialen Gruppen gibt zwar den organisierten Interessen das Recht und auch die Chance, an der politischen Willensbildung mitzuwirken, sie hat aber entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Asymmetrie bestehender Machtverh&auml;ltnisse verfestigen konnte. Es gibt deutliche Machtungleichgewichte. Demokratische Politik m&uuml;sste diesen Ungleichgewichten entgegenwirken und die Schw&auml;cheren unterst&uuml;tzen. Sie tut aber das Gegenteil. Sie rottet sich mit den Starken gegen die Schw&auml;cheren zusammen.<\/p>\n<p>In L&auml;ndern der ersten Welt wurden die demokratischen Mechanismen wirksam <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25285\">unterwandert<\/a>. Politiker, Medienzaren, Richter, m&auml;chtige Konzern-Lobbys und Regierungsbeamte pflegen untereinander diskrete, clever verzahnte wechselseitige Beziehungen und unterminieren dadurch die laterale Balance der Gewaltenteilung zwischen Verfassung, Gerichten, Parlament, Regierung und den unabh&auml;ngigen Medien als struktureller Basis der parlamentarischen Demokratie. Zunehmend wird bei dieser Verzahnung auf Subtilit&auml;t oder sorgf&auml;ltig erdachte Verschleierung verzichtet.<\/p><\/li>\n<\/ol><p>Und, ja, gegen derlei anzugehen tut dringend not. <\/p><p><strong>Viele erhoffen sich die Wende hin zum Besseren ja von mehr direkter Demokratie&hellip;<\/strong><\/p><p>Ja, das ist ein besonders beliebter Irrtum. Kaum ein politisches Konzept erfreut sich derzeit so breiter Beliebtheit wie das der direkten Demokratie. Fast alle schw&auml;rmen davon: die Linken, die Sozialisten, die Sozialliberalen, die Moderaten, die Liberalen, die Konservativen, die gem&auml;&szlig;igten und sogar die extremen Rechten. Selbst ausgewiesene Feinde der Demokratie wie Viktor Orb&aacute;n planen eine Volksbefragung &ndash; nat&uuml;rlich nur &uuml;ber ein Thema, bei dem sie von vornherein wissen, was am Ende dabei herauskommt.<\/p><p>So viel Begeisterung aus allen Richtungen sollte jedermann wenn schon nicht misstrauisch, so doch wenigstens nachdenklich machen. Starke Elemente direkter Demokratie gibt es heute nur in einigen amerikanischen Bundesstaaten wie California oder Oregon und vor allem in der Schweiz. Aber auch dort herrscht ein Mischsystem: Das politische System der Schweiz ist bestenfalls eine halbdirekte Demokratie, in der das Volk zu einem geh&ouml;rigen Teil auch durch das gew&auml;hlte Parlament und seine Abgeordneten repr&auml;sentiert wird. Auch in Deutschland steht nur der Gedanke zur Diskussion, das bestehende schwerf&auml;llige System der repr&auml;sentativen Demokratie durch einige Elemente der unmittelbaren Demokratie aus dem Tiefschlaf zu wecken.<\/p><p>Den inhaltlich zutreffendsten Ausdruck zur Bezeichnung direkter Demokratie benutzt heute kaum jemand: Man spricht von <em>sachunmittelbarer Demokratie<\/em>, um ganz deutlich zu machen, dass Personalentscheidungen &ndash; also Wahlen &ndash; nicht zu den Charakteristiken einer lebendigen direkten Demokratie geh&ouml;ren. Personalentscheidungen werden von bundesdeutschen Politikern besonders gern und oft herangezogen, um den Nachweis zu erbringen, dass diese wagemutigen Speerspitzen des demokratischen Fortschritts nun dabei sind, &bdquo;mehr Demokratie zu wagen&ldquo;. Dabei tun sie das genaue Gegenteil, indem sie wahre Demokratie plebiszit&auml;r verf&auml;lschen.<\/p><p>Auch das Schweizer Mischsystem ist keine Insel der Seligen. Es ist jedoch ein Modell, das viele Schw&auml;chen der repr&auml;sentativen Demokratien nicht hat. Aber nat&uuml;rlich ist auch dieses System nicht unfehlbar. Fehlentscheidungen gibt es auch darin. So hat gerade 2014 eine Volksinitiative im Aargau durchgesetzt, dass die Kinder in den Kinderg&auml;rten fortan nur noch Mundart und kein Schriftdeutsch sprechen d&uuml;rfen. Ein R&uuml;ckfall in finsterste Provinzialit&auml;t und f&uuml;r Kinder, die sp&auml;ter einmal den Aargau verlassen werden, eine Garantie f&uuml;r R&uuml;ckst&auml;ndigkeit.<\/p><p>Allerdings sollten die V&ouml;lker in repr&auml;sentativen Demokratien nicht gar zu viel Hoffnung in Elemente der direkten Demokratie setzen. In der Schweiz sind diese Modelle in geografisch kleinen R&auml;umen und &uuml;ber einen jahrhundertelangen Prozess sehr organisch gewachsen. Man kann sie einem durch und durch repr&auml;sentativen System nicht einfach aufpfropfen. Doch genau das versuchen einige Politiker neuerdings und ohne Sinn und Verstand.<\/p><p>Das geht auch deshalb nicht, weil jede Variante von direkter Demokratie die Macht der politischen Repr&auml;sentanten einschr&auml;nkt. Das werden die nicht freiwillig mit sich machen lassen. Dagegen wehren sie sich mit aller Macht.<\/p><p>Das erlebt man, wenn man mit den politischen Repr&auml;sentanten der politischen Parteien in Deutschland diskutiert. Pl&ouml;tzlich verteidigen diese so konziliant demokratisch gesonnen erscheinenden Menschen mit gr&ouml;&szlig;ter Energie das repr&auml;sentative System.<\/p><p>Der Grund ist leicht zu erkennen, jedes Element einer ernst zu nehmenden direkten Demokratie beschneidet die politische Macht der Repr&auml;sentanten. Es w&auml;re naiv zu glauben, dass die das mit sich geschehen lassen, weil sie so gutherzig &bdquo;mehr Demokratie wagen&ldquo; wollen. Nat&uuml;rlich verteidigen sie jedes Fitzelchen ihrer Macht und ihrer Privilegien.<\/p><p>Selbst wenn sie Formen der direkten Demokratie einf&uuml;hren, dann f&uuml;hren sie mit Garantie eine politische Schweinerei damit im Schilde und nutzen die als reine Akklamationsveranstaltungen f&uuml;r sich selbst und ihre Politik &ndash; so wie die SPD das oft gemacht hat, zuletzt bei der Abstimmung &uuml;ber den Koalitionsvertrag.<\/p><p>In einer lebendigen direkten Demokratie wie der Schweiz stimmen die B&uuml;rger &uuml;ber eine einzelne Verfassungs&auml;nderung, ein einzelnes Gesetz, eine einzelne Ma&szlig;nahme oder eine einzelne Initiative mit genauer und detaillierter Beschreibung ab und treffen eine konkrete Sachentscheidung.<\/p><p>Elemente einer direkten Demokratie sind in repr&auml;sentativen politischen Systemen entweder gar nicht oder nur als Farce, als Karikatur ihrer selbst durchsetzbar. Das ist die traurige Realit&auml;t. Es bleibt nur, weiter sehns&uuml;chtig in die Schweiz zu schauen und zu hoffen, dass wenigstens Minimalelemente der direkten Demokratie sich in repr&auml;sentativen Gebilden durchsetzen lassen. Gro&szlig; ist die Hoffnung nicht.<\/p><p><strong>Auf welchem Weg k&ouml;nnten Sie sich denn vorstellen, eine &bdquo;Demokratie&ldquo; zu erstreiten, die diesen Namen auch wieder verdient? Was t&auml;te not?<\/strong><\/p><p>Ich f&uuml;rchte, da besteht keine Hoffnung. Als die B&uuml;rger sich im 18. und 19. Jahrhundert gegen Absolutismus und Adelsherrschaft erhoben, verbanden sie mit der Forderung nach Demokratie den Menschheitstraum von Gleichheit, Freiheit und Br&uuml;derlichkeit nach Jahrhunderten der Ungleichheit, Unfreiheit und Unterdr&uuml;ckung. Dem privilegierten Adel setzten sie den Gedanken entgegen, dass ein politisches System nichts wert ist, wenn es nicht der gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Zahl der Menschen das gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Gl&uuml;ck bietet.<\/p><p>Wesentlich war nicht die formal einwandfreie Abwicklung von Wahlen und Prozeduren der politischen Willensbildung. Dar&uuml;ber herrschten durchaus unterschiedliche Vorstellungen. Wesentlich war, dass es der Mehrheit der Menschen gut gehen sollte &ndash; oder zumindest besser als zuvor. Denn das ist das Urversprechen der Demokratie: Eine Demokratie, in der es den Menschen schlechter als vorher und von Jahr zu Jahr immer schlechter geht &ndash; gleich in welcher Hinsicht &ndash;, ist keinen Pfifferling wert.<\/p><p>In allen Demokratien geht es den Menschen wesentlich besser als in den vordemokratischen Systemen. Aber in den entwickelten Demokratien geht es ihnen wieder wesentlich schlechter als noch in den fr&uuml;hen Demokratien. In den entwickelten Demokratien geht es wieder bergab. Das ist ein s&auml;kularer und globaler Niedergang. Die Verh&auml;ltnisse verschlechtern sich dramatisch und nachhaltig.<\/p><p>Konkret verband sich mit Demokratie stets das Versprechen wachsender Wohlfahrt, zunehmender sozialer Gerechtigkeit, nachhaltiger Chancengleichheit, Generationengerechtigkeit und der &Uuml;berwindung von Elend und Armut. Das war und ist der Grundgedanke aller Demokratien: Dass die Menschen nicht Untertanen sind, sondern ihr Geschick in die eigenen H&auml;nde nehmen k&ouml;nnen, dass nicht andere ihr Leben bestimmen, sondern sie selbst, und dass es ihnen besser ergeht als zuvor. Nur die freien und gleichberechtigten B&uuml;rger sind die legitimen Inhaber der staatlichen Ordnungsmacht und Herrschaftsbefugnis. In der Demokratie ist daher das Spannungsverh&auml;ltnis zwischen b&uuml;rgerlicher Freiheit und staatlicher Ordnungsmacht unaufhebbar. Nur dann hat Demokratie ihren h&ouml;heren Sinn.<\/p><p>Doch wozu braucht man &uuml;berhaupt noch eine Demokratie, wenn sie nicht einmal das mehr leistet?<\/p><p>Die fr&uuml;hen Jahre der sich entwickelnden Demokratien waren Zeiten des Aufbruchs und der Zukunftshoffnung f&uuml;r nahezu alle Menschen. Sie brachten Freiheiten, von denen viele B&uuml;rger lange kaum zu tr&auml;umen wagten: Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung, eine freie Presse, den freien Zugang zu Informationen, Versammlungsfreiheit, Freiz&uuml;gigkeit, Freiheit der Religionsaus&uuml;bung, Rechtsstaatlichkeit und viele Menschen- und B&uuml;rgerrechte mehr. Sie sind und bleiben f&uuml;r immer und ewig die grandiosen Errungenschaften der Demokratie.<\/p><p>Aber unter der demokratischen Oberfl&auml;chenstruktur haben sich im Laufe der Jahrzehnte Formen der politischen Willensbildung und der politischen Herrschaft herausgebildet und verfestigt, die dem Geist einer lebendigen Demokratie krass zuwiderlaufen.<br>\nDie Machteliten haben sich in den Demokratien wie Krebsgeschw&uuml;re festgefressen und die Kontrolle &uuml;ber die Prozesse der Willensbildung usurpiert. Das Volk hat nur noch wenig und immer weniger mitzubestimmen. Die Demokratie findet weitgehend ohne das Volk und im Laufe der Jahrzehnte zunehmend auch immer offensichtlicher gegen die Bev&ouml;lkerung statt.<\/p><p>Die entwickelten Demokratien der Gegenwart l&ouml;sen so gut wie keine der Menschheitshoffnungen ein, derentwegen so viele Menschen auch heute noch unersch&uuml;tterlich an die Segnungen der Demokratie glauben.<\/p><p>Ohne Zweifel: Die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31933\">Menschenrechte<\/a> und die B&uuml;rgerrechte, der Rechtsstaat sind heute in den meisten Demokratien verankert. Und das soll nicht gering geachtet werden. Ohne diese Rechte w&auml;ren die demokratischen Systeme schon lange &uuml;berhaupt nichts mehr wert.<\/p><p>Das Gesamtsystem der demokratischen Repr&auml;sentation ist zum Gegenteil seiner selbst mutiert. Die Staatsgewalt geht nicht mehr vom Volk aus, und sie wird auch nicht mehr f&uuml;r das Volk und schon gar nicht vom Volk ausge&uuml;bt. Das Volk spielt in den entwickelten Demokratien nur noch eine untergeordnete Rolle &ndash; als Legitimationsbasis f&uuml;r die Aus&uuml;bung von Herrschaft, als Quelle grenzenlosen Schr&ouml;pfens, als Staffage und Claque f&uuml;r die &ouml;ffentliche Polit-Show und als Plebs f&uuml;r pomp&ouml;se PR-Klamauk-Spektakel.<br>\nDas f&uuml;hrt zwangsl&auml;ufig dazu, dass alle Kr&auml;fte des politischen Systems im Ergebnis die Lage des Volks progressiv verschlechtern. Darin unterscheiden sich die entwickelten Demokratien nachhaltig von den demokratischen Idealen der fr&uuml;hen Jahre.<\/p><p>Inzwischen hat das Kapital seine Herrschaft mit der tatkr&auml;ftigen Hilfe der gew&auml;hlten Repr&auml;sentanten in Stein gemei&szlig;elt und wird sie nicht mehr aus der Hand geben.<br>\nDeshalb l&auml;sst sich dieser &uuml;ber Jahrzehnte schleichende Prozess auch nicht einfach wieder zur&uuml;ckdrehen. Die Kr&auml;fte, die ihn in Gang gesetzt haben, haben die Machtstrukturen grundlegend umgebaut. Und diejenigen Kr&auml;fte, die im Verlauf dieses Prozesses Macht errungen haben, zeigen keinerlei Neigung, sie je wieder aus der Hand zu geben. Alle Versuche &agrave; la &bdquo;mehr Demokratie wagen&ldquo; oder ein bisschen &bdquo;mehr direkte Demokratie&ldquo; prallen wirkungslos an den verh&auml;rteten Strukturen ab.<\/p><p>Die Folge ist: Nur wenigen geht es gut, der breiten Bev&ouml;lkerung geht es zunehmend schlechter. Die untere Schicht der Bev&ouml;lkerung w&auml;chst und w&auml;chst und w&auml;chst, und die mittlere Schicht schrumpft und schrumpft&hellip;<\/p><p><strong>Und vor allem: Die Kluft zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden und vergr&ouml;&szlig;ert sich immer mehr&hellip; <\/strong><\/p><p>Ja, gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerungen leben in bitterer Armut. Selbst in relativ reichen L&auml;ndern wie Deutschland.<\/p><p>In allen entwickelten Demokratien w&auml;chst die Armut. Kinder aus armen und bildungsfernen Schichten haben deutlich schlechtere Chancen als Kinder aus b&uuml;rgerlichen Familien. Eine wachsende Zahl von B&uuml;rgern kann sich und ihre Familien von ihrer H&auml;nde Arbeit nicht oder kaum noch ern&auml;hren. Altersarmut breitet sich aus, weil viele Rentner von ihren Renten nicht mehr leben k&ouml;nnen.<\/p><p>Die gestern und heute lebenden Generationen haben die Eink&uuml;nfte k&uuml;nftiger Generationen schon heute aufgezehrt und zehren sie unger&uuml;hrt weiter auf. Der Mittelstand wird in einem sich &uuml;ber Jahrzehnte erstreckenden Prozess buchst&auml;blich zwischen den Fronten zerrieben &ndash; als direkte Folge des demokratischen Systems; denn er ist die einzige verbliebene gro&szlig;e Sozialschicht, die einstweilen noch ohne gar zu gro&szlig;es Risiko ausgesaugt werden kann. Doch wie lange noch?<\/p><p>Die Unterschicht ist weitgehend zerschr&ouml;pft und muss sogar vom Staat alimentiert werden. Und die oberste Oberschicht l&auml;sst sich nicht ohne ein f&uuml;r die politische Kaste viel zu hohes Risiko anzapfen. Davor schreckt die ach so demokratische Politik zur&uuml;ck. Die wahren Herren im System bleiben unangetastet.<\/p><p>Der Abstand der wirklich Reichen vom Rest der Bev&ouml;lkerung ist in den letzten Jahrzehnten geradezu exponentiell gewachsen. Er hat l&auml;ngst Ausma&szlig;e erreicht, die alle Vorstellungen sprengen. Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommt: Dies kann man ausnahmsweise nicht den demokratischen Systemen der entwickelten Welt zur Last legen. Aber man kann ihnen zur Last legen, dass sie der Ausbreitung einer Plutokratie nicht Einhalt gebieten.<\/p><p>Die entwickelten Demokratien tun nichts dagegen, dass die Herrschaft der Superreichen die fromme M&auml;r widerlegt, wir lebten in einer Leistungsgesellschaft; denn die wirklich Reichen aller L&auml;nder haben ihre Verm&ouml;gen nicht durch Leistung und schon gar nicht durch Arbeit, sondern durch Erbschaft erworben. Und sie erhalten und mehren es auch nicht durch Leistung und Arbeit. Ihr Kapital erh&auml;lt und mehrt sich ganz von selbst &ndash; wenn auch mit tatkr&auml;ftiger staatlicher F&ouml;rderung. Die demokratische Politik ist ein williger Helfer der Plutokratie und ein Feind des Volks.<\/p><p>Noch 1970 geh&ouml;rten dem reichsten Zehntel der bundesdeutschen Gesellschaft 44 Prozent des gesamten Volksverm&ouml;gens. 2012 geh&ouml;ren ihm &uuml;ber 66 Prozent. Diese gigantische Umverteilung vollzieht sich in allen entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien der Welt.<\/p><p>Einem einzigen Prozent der Bev&ouml;lkerung geh&ouml;ren heute 35,8 Prozent des Verm&ouml;gens, das hei&szlig;t, sie besitzen mehr als die &auml;rmeren 90 Prozent der Menschen. Denen geh&ouml;ren zusammen n&auml;mlich nur 33,4 Prozent des gesamten Verm&ouml;gens. Die Superreichen des Geldadels arbeiten nicht und sie leisten nichts. Sie lassen ihr Kapital arbeiten. Sie sind keine Unternehmensgr&uuml;nder und auch keine Unternehmenslenker. Sie sind Anleger und verwalten das Verm&ouml;gen, das ihre V&auml;ter und Gro&szlig;v&auml;ter geschaffen haben. Doch Geldvermehrung durch Verm&ouml;gensverwaltung ist keine Leistung. Die Geldelite ist auch keine Leistungselite. Die demokratische Politik hat diese gigantische Umverteilung von unten nach oben auf jeden Fall nicht verhindert. Im Gegenteil, sie hat nach Kr&auml;ften mitgeholfen, sie wachsen und gedeihen zu lassen.<\/p><p>Die entwickelten Demokratien sind keine Leistungsgesellschaften mehr. Sie haben sich selbst von Leistungsgesellschaften zu ergebenen Dienern und Handlangern des Kapitals gewandelt. Wer mit seinem Verm&ouml;gen Geld verdient, zahlt pauschal 25 Prozent Kapitalertragssteuer. Wer sein Einkommen durch Arbeit erzielt, zahlt hingegen bis zu 45 Prozent.<\/p><p>Das demokratische System schafft keine Gerechtigkeit. Es schafft krasse Ungerechtigkeit und l&auml;sst sich davon auch durch nichts abbringen. Im Gegenteil: Es perpetuiert sie. Die Superreichen tragen in immer geringerem Ma&szlig;e zum Gemeinwohl bei, obwohl sie f&uuml;r sich selbst doch so gern das Bild von der Lokomotive in Anspruch nehmen, die den Zug des allgemeinen Wohls in Fahrt bringt. Doch sind sie noch nicht einmal ein Bummelzug, sondern nichts als eine &uuml;berdimensionierte Riesenbremse, die allen Fortschritt behindert.<br>\n1960 trugen die Gewinnsteuern der Kapitaleigent&uuml;mer etwa 35 Prozent zu den Einnahmen des Staats bei, w&auml;hrend die Massensteuern der arbeitenden Menschen nur ein bisschen mehr aufbrachten, n&auml;mlich 38 Prozent. Zwischen Kapital und Arbeit herrschte damals noch so eine Art fragiles Gleichgewicht.<\/p><p>Die Zeiten sind l&auml;ngst vor&uuml;ber. Das Gleichgewicht ist gekippt. Die fortschreitende Entwicklung der Demokratien hat &uuml;berall den gleichen Prozess in Gang gesetzt: Die Reichen werden reicher. Alle anderen werden &auml;rmer.<\/p><p>Heute zahlt das Gros der Bev&ouml;lkerung mit seinen Massensteuern 71 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Die Gewinnsteuern liegen unter 20 Prozent. Also w&auml;chst der Reichtum des Geldadels ganz von selbst. Er braucht nicht einmal selbst etwas daf&uuml;r zu tun. Er kann sich hinsetzen und dabei zuschauen, wie sein Verm&ouml;gen bl&uuml;ht und unaufh&ouml;rlich w&auml;chst.<\/p><p>Die oberste Oberschicht ist fein &lsquo;raus. Den Staat finanzieren die arbeitenden Menschen aus der Mittelschicht. Die Angeh&ouml;rigen der obersten Oberschicht tragen noch nicht einmal Peanuts dazu bei. Doch wie lange wird das noch m&ouml;glich sein, wenn die Mittelschicht weiter schrumpft? Denn deren Wohlstand sinkt.<\/p><p>Hier zeigt sich einmal mehr die selbstzerst&ouml;rerische Eigendynamik der entwickelten Demokratien. Die einzige Bev&ouml;lkerungsschicht, auf der das politische und wirtschaftliche System dauerhaft ruht, wird nach und nach von den R&auml;ndern her angefressen und aufgezehrt. Und das wird so lange gehen, bis die Mittelschicht im Kern vernichtet ist.<br>\nWir leben l&auml;ngst wieder in einem Herrschaftssystem, das nur noch formal eine Art Demokratie ist. Soziologen wie Sighard Neckel befassen sich seit langem mit der Thematik. Das &bdquo;Schrumpfen der Mittelschicht&rdquo;, die &bdquo;Erosion des Leistungsprinzips&rdquo; und die &bdquo;Refeudalisierung&rdquo; der Gesellschaft sind Standardthemen der Soziologie aller demokratischen L&auml;nder.<\/p><p>Was hat die vermeintliche Volksherrschaft dem Volk gebracht? Ein in reinen Formalismen erstarrtes politisches System, in dem das Volk nichts zu sagen hat und das in Wahrheit eine Herrschaft &uuml;ber das Volk darstellt, hinter deren scheindemokratisch polierter Fassade soziale Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit, bittere Armut und gro&szlig;es soziales Elend sich st&auml;ndig und unaufhaltsam weiter ausbreiten.<br>\nDie gew&auml;hlten Repr&auml;sentanten des Volks sehen dem unw&uuml;rdigen Schauspiel gelangweilt zu. Sie sind nicht in der Lage, etwas dagegen auszurichten; denn sie haben nicht die Macht und auch nicht das Interesse, grundlegende Ver&auml;nderungen durchzusetzen. Sie sind ja gut versorgt.<\/p><p>Doch dem breiten Volk in allen entwickelten Demokratien geht es immer schlechter. Es ist ein Skandal, dass in einem der reichsten L&auml;nder der Welt jedes siebte Kind unter 15 Jahren, in Ostdeutschland sogar jedes vierte Kind von Hartz IV leben muss. In Berlin ist jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen.<\/p><p>Im Ruhrgebiet liegt die Kinder-Armutsquote bei steigender Tendenz mit 25,6 Prozent sogar noch deutlich h&ouml;her als in Ostdeutschland. Trauriger Spitzenreiter im St&auml;dtevergleich ist Gelsenkirchen mit einem Anteil von 34,4 Prozent armer Kinder. In St&auml;dten wie M&uuml;lheim oder Hamm wuchs die Kinderarmut in den f&uuml;nf Jahren von 2007 auf 2012 um bis zu 48 Prozent. Die Demokratie beschert dem Volk die nachhaltige Pauperisierung ganzer Generationen. Die Jahr f&uuml;r Jahr wachsende Armutsquote betr&auml;gt im Bundesdurchschnitt 15,5 Prozent. F&uuml;r eines der reichsten L&auml;nder der Welt ist das eine Schande.<\/p><p>Es ist dies aber nicht das Werk eines finsteren Diktators, der sein Volk aussaugt. Es ist das Werk einer auf dem Boden des repr&auml;sentativen Parteienstaats gedeihenden, teils gewissenlosen, teils gleichg&uuml;ltigen und teils einfach auch nur hilflosen und unf&auml;higen Politikerkaste, die sich st&auml;ndig mehr mit sich selbst besch&auml;ftigt und der das eigene luxuri&ouml;se Hemd n&auml;her als die verschlissenen Hosen der breiten Bev&ouml;lkerung ist.<br>\nWie eng man den Zusammenhang zwischen Demokratie und der wachsenden Verarmung der Bev&ouml;lkerung auch sieht: Die Demokratie ist kein taugliches Instrument, das geeignet w&auml;re, der Kluft zwischen Arm und Reich Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil, die Politik in allen entwickelten Demokratien fungiert als williger Helfershelfer, der die ohnehin schon tief klaffende Kluft nach Kr&auml;ften weiter aufrei&szlig;t.<\/p><p>Als Folge dieser gigantischen Umverteilung wirtschaftlicher und politischer Macht hat sich auf der ganzen Welt die Einkommens- und noch viel mehr die Verm&ouml;gensverteilung zu Gunsten der Reichen und Superreichen und zum Nachteil der restlichen Bev&ouml;lkerung massiv verschoben. Schulden machen reich. Genauer: Sie machen einige wenige enorm reich und die meisten anderen arm.<\/p><p>Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Rogoff spricht davon, dass heute l&auml;ngst wieder Verm&ouml;gensmacht wie zu Zeiten der r&uuml;cksichtslosen &bdquo;robber barons&ldquo; im 19. Jahrhundert, des entfesselten Raubtierkapitalismus und auf dem H&ouml;hepunkt der Ungleichheit herrscht.<\/p><p>Die demokratisch gew&auml;hlten Entscheidungstr&auml;ger tragen die Hauptverantwortung f&uuml;r diese unheilvolle Entwicklung. Sie haben die entscheidenden Weichenstellungen durchgesetzt und die Unternehmenssteuern und die Steuern auf Kapitaleink&uuml;nfte und Verm&ouml;gen radikal gesenkt. Sie sind eben nicht die Vertreter der Interessen ihrer W&auml;hler, sondern die Handlanger der Plutokraten.<\/p><p>Die resultierende Strukturver&auml;nderung ist eine unmittelbare Folge fehlender Besteuerung von Unternehmen und Superreichen sowie der immensen Staatsverschuldung. Sie hat dazu gef&uuml;hrt, dass heute viel zu viel Geld in der Welt im Umlauf ist. Und je mehr Geld zirkuliert, desto wichtiger wird es. Heute beherrscht die Geldwirtschaft die Realwirtschaft, statt ihr zu dienen. <\/p><p>Der Wert aller Aktien, die 2013 gehandelt wurden, betrug 64,2 Billionen Dollar. Doch alle Arbeitnehmer der Welt verdienten im selben Jahr nur 50 Billionen Dollar. Und das sind die M&auml;rkte von Optionen und anderen Geldwetten: gigantische 1.800 Billionen Dollar. Etwas kann nicht stimmen mit dem Finanzsystem, wenn mit Geldgesch&auml;ften ein Vielfaches von dem verdient wird, was Milliarden Arbeitnehmer und Maschinen erwirtschaften.<\/p><p>Ohne das Geld derjenigen, die von der Staatsschuldenkrise profitiert haben, l&auml;sst sich die &ouml;ffentliche Verschuldung nicht abbauen. Aus der heutigen Verschuldung von 78,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts werden in nur einer Generation 130 Prozent bei einem realistischen Wachstum von nur einem Prozent und bei niedrigen Zinsen. Und wenn die Zinsen nur auf drei Prozent ansteigen, explodieren die &ouml;ffentlichen Schulden auf 250 Prozent des BIP. Es bestehen kaum Chancen, auf herk&ouml;mmlichen Wegen aus den Schulden herauszukommen.<\/p><p>Doch nicht nur, dass es breiten Kreisen der Bev&ouml;lkerung immer schlechter geht und ihnen immer tiefer in die Taschen gegriffen wird, um die Herrschaft der politischen Kaste aufrecht zu erhalten. Die sozialen Kosten des Systems &bdquo;repr&auml;sentative Demokratie&ldquo; sind viel zu hoch. Sie &uuml;bersteigen bei weitem seinen Gewinn.<\/p><p>Das politische System mit seinem umfangreichen Apparat und der Notwendigkeit f&uuml;r die politischen Parteien, Wahlen zu gewinnen und das mit Wahlgeschenken zu finanzieren, haben die Finanzen der entwickelten Demokratien in aller Welt und auf allen Ebenen ruiniert.<\/p><p>Das politische System der entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien verschwendet massenhaft Ressourcen, die dringend gebraucht werden. Die politische Kaste mit ihren zehn- bis zwanzigtausend Personen verbraucht nicht nur f&uuml;r sich selbst gigantische Geldmengen. Sie verursacht vor allem eine immense Fehlleitung von Steuereinnahmen und eine immense Staatsverschuldung.<\/p><p>Das kostet das Volk weit mehr, als die Gegenleistung wert ist. Politische, wirtschaftliche und soziale Entscheidungen, deren Inhalt vom Primat des Machterhalts und Machtgewinns von Parteien bestimmt ist, k&ouml;nnen der breiten Bev&ouml;lkerung nicht n&uuml;tzen. Sie schaden ihr immens.<\/p><p>Die demokratische Politik mit ihren unz&auml;hligen Fehlleistungen ist das Geld nicht wert, das sie fehlleitet und verprasst. Eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung der entwickelten Demokratien muss zwangsl&auml;ufig zu dem Ergebnis kommen, dass ihr Nutzen gering ist und ihre Kosten immens sind.<\/p><p><strong>Sie  kritisieren also die undemokratischen Zust&auml;nde im Land, um schlie&szlig;lich festzustellen, dass gegen den Weg in die Diktatur ohnehin kein Kraut gewachsen ist? Wir sollen uns gar nicht erst wehren, verstehe ich recht?<\/strong><\/p><p>Nein. Man wirft mir mitunter vor, meine Kritik an den entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien sei ja h&ouml;chst berechtigt. Aber &bdquo;blo&szlig; Kritik&ldquo; sei ja geistlos. Ich solle doch auch eine L&ouml;sung des Problems vorschlagen.<\/p><p>Wer das sagt, hat noch nicht einmal im Ansatz begriffen, dass meine Kritik auf die in allen Demokratien in ein- bis zweihundert Jahren herangewachsene, in Stein gemei&szlig;elte Strukturen zielt. <\/p><p>Ich w&auml;re ja schon froh, wenn die meisten Leute sich dar&uuml;ber im Klaren w&auml;ren, dass die Demokratien der Welt auf den eigenen Niedergang zusteuern. Sie haben derzeit ja nur ein rudiment&auml;res Bewusstsein dieses drohenden Untergangs.<\/p><p>Mit lustigen Vorschl&auml;gen, die ein Autor aus einem kleinen Dorf am Bodensee daf&uuml;r macht, wie man den Untergang der verkrusteten entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien vermeiden k&ouml;nnte, k&ouml;nnte sich der Autor nur blamieren. Bedeutete das doch: &bdquo;Mit ein paar ulkigen Tricks kommt man da wieder &lsquo;raus!&ldquo;<\/p><p>Man muss das noch einmal deutlich sagen: Es handelt sich um eine schwerwiegende STRUKTURKRISE.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wolfgang Koschnick<\/strong> ist Buchautor, Fachjournalist und Unternehmensberater. Er studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Kiel, Houston (Texas) und Berlin und schloss als Diplom-Politologe ab. Als Journalist war er in den USA unter anderem f&uuml;r den <em>Boston Globe, das San Francisco Chronicle<\/em> und zahlreiche andere Zeitungen und Zeitschriften t&auml;tig &ndash; sp&auml;ter auch von Deutschland aus. Er war Leiter der Auslandsabteilung im Institut f&uuml;r Demoskopie Allensbach und Chefredakteur der Fachzeitschriften <em>Horizont<\/em>, <em>ZV+ZV<\/em> und <em>Copy<\/em>. Er lebt in Allensbach am Bodensee.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Telepolis-Artikel: Wolfgang Koschnick: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42060\/1.html\">Das Menschheitsideal &sbquo;Demokratie&lsquo; ist am Ende<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Telepolis-Artikel: Wolfgang Koschnick: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/42\/42013\/1.html\">Wozu &uuml;berhaupt noch Demokratie?<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Telepolis-Artikel: Wolfgang Koschnick: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/41\/41955\/1.html\">Im Zwischenreich der Bundesl&auml;nder<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30905\">Geheimdienste, politische Komplizen und rechter Mob unterwandern die Demokratie!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30821\">Sie wollen Kapitalismus ohne Demokratie &ndash; wir wollen Demokratie ohne Kapitalismus!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27052\">Von Demokratie kann in Griechenland keine Rede mehr sein<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25587\">Keine Demokratie ohne Demokratisierung der Medien!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25587\">Demokratie als Standortnachteil<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25285\">Die Demokratie im Visier<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Telepolis-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/39\/39358\/1.html\">Demokratie ist, was die Eliten darunter verstehen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Telepolis-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44967\/1.html\">Demokratie in Gefahr<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/p><div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/628fd11e0725400fa8b83a1d47d8d6fc\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160408_koschnick.jpg\" alt=\"Wolfgang Koschnick\" title=\"Wolfgang Koschnick\"\/><\/div>\n<p>&#8232;&#8232;&bdquo;Die Demokratie ist die Hure der freien Welt, bereit sich nach Wunsch an- und auszuziehen, bereit, die verschiedensten Geschm&auml;cker zufriedenzustellen&ldquo;, stellt die indische Schriftstellerin und politische Aktivistin Arundhati Roy klar. Und der Autor und Unternehmensberater <strong>Wolfgang Koschnick<\/strong> sekundiert: Die entwickelten Demokratien seien eine gigantische<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32897\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,135,209,127,146],"tags":[1904,374,1903,217,1902,633,410,325,291],"class_list":["post-32897","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-finanzpolitik","category-interviews","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-soziale-gerechtigkeit","tag-direkte-demokratie","tag-eliten","tag-gemeinwohl","tag-kinderarmut","tag-koschnick-wolfgang","tag-politikerverdrossenheit","tag-reformstau","tag-staatsschulden","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32897"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32897\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120024,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32897\/revisions\/120024"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}