{"id":3291,"date":"2008-06-19T09:21:56","date_gmt":"2008-06-19T07:21:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3291"},"modified":"2015-11-22T09:50:07","modified_gmt":"2015-11-22T08:50:07","slug":"die-privatisierung-der-post-fuehrt-zu-schleichender-entpersonalisierung-und-zwingt-den-kunden-an-automaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3291","title":{"rendered":"Die Privatisierung der Post f\u00fchrt zu schleichender Entpersonalisierung und zwingt den Kunden an Automaten"},"content":{"rendered":"<p>Die Grundversorgung wurde in der Vergangenheit von der &ouml;ffentlichen Hand erbracht und war mit dem daseinsvorsorgerischen Grundgedanken verkn&uuml;pft, B&uuml;rgern fl&auml;chendeckend eine solidarische Versorgung zu fairen Preisen zur Verf&uuml;gung zu stellen. Infolge der Privatisierungsbestrebungen und den dahinterstehenden Interessen privater Anbieter, Unternehmensberater, Wirtschaftsberater, Banken und Investoren, die vom B&ouml;rsengang ehemals staatlicher Betriebe in erheblichem Umfang profitieren, werden die Leistungen nun nach gewinnorientierten Ma&szlig;st&auml;ben erbracht. Der Staat hat mit der Entscheidung zur Privatisierung der Post auf seine Gestaltungsf&auml;higkeit verzichtet und damit zugleich eine demokratische Mitsprache oder wenigstens Kontrolle aufgegeben. Ein Nutzen, der hinter dieser Privatisierungspolitik stehen soll, ist f&uuml;r den Kunden, der &bdquo;Briefkastenoptimierung&ldquo; und erh&ouml;hte Geb&uuml;hren bei weniger Leistung hinnehmen muss, nicht erkennbar. Die Postmitarbeiter k&ouml;nnen schon gar keinen Vorteil in der Privatisierung erkennen. F&uuml;r sie seht sie in erster Linie f&uuml;r verschlechterte Arbeitsbedingungen und permanente Umstrukturierungen nach den Ratschl&auml;gen der Unternehmensberatung McKinsey. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><\/p><p>Die Deutsche Post AG hat nun bekannt gegeben, dass sie sich bis zum Jahr 2011 von ihrem bisher noch verbliebenen eigenen Filialnetz vollends trennen wird. Damit gehen auch noch die restlichen 750 Postfilialen in die H&auml;nde so genannter Partnerfilialen &uuml;ber. Die Postdienste sollen k&uuml;nftig beispielsweise von Einzelhandelsgesch&auml;ften zus&auml;tzlich nebenbei erbracht werden. <\/p><p><strong>Nun melden sich Politiker emp&ouml;rt zu Wort, wollen pl&ouml;tzlich die Verbraucherinteressen sch&uuml;tzen, fordern die Einbindung der B&uuml;rger in den Entscheidungsprozess der Filialenschlie&szlig;ung und vergessen dabei anscheinend, dass ihre Parteien die Privatisierung mit gro&szlig;en Versprechungen vorangetrieben und mit der Prophezeiung beschlossen haben, dass nun alles effizienter und besser liefe.<\/strong><\/p><p>Bereits im Juni 1989 wurden noch von der Kohl-Regierung die Weichen f&uuml;r die Postprivatisierung gestellt. 1995 wurde der Bereich Postdienst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis zum B&ouml;rsengang im Jahr 2000 hielt der Staat alle Anteile (vergleichbar mit der Bahnprivatisierung). Am 17.11.2003 ver&auml;u&szlig;erte der Bund 29,9% an die KfW Bankengruppe. Bis zum Jahr 2005 wurden dann Zug um Zug alle restlichen Anteile privatisiert, heute liegt der Staatsanteil bei 0%. <\/p><p>Mit dem Poststrukturgesetz fand eine Aufteilung der Deutsche Bundespost in die drei Ressorts Postdienst, Telekom und Postbank statt. Der Briefdienstleister Deutsche Post ist nun Teil des globalen Logistikkonzerns &ldquo;Deutsche Post World Net&ldquo; und ist eigenen Angaben zufolge mit den Marken Post, DHL und Postbank zum Weltmarktf&uuml;hrer im Logistikbereich aufgestiegen. Der Deutsche Post World Net-Konzern besch&auml;ftigt rund 500.000 Mitarbeiter in &uuml;ber 220 L&auml;ndern und Territorien und ist damit einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgeber weltweit. Das Unternehmen besteht aus 834 Tochtergesellschaften und Beteiligungen, davon sind 169 in Deutschland ans&auml;ssig (Quelle: Werner R&uuml;gemer, Privatisierung Deutschland).<\/p><p><strong>Umstrukturierungen f&uuml;r die Kunden?<\/strong><br>\nIn einer Presseerkl&auml;rung vom 13. Juni 2008 erkl&auml;rt Vorstandsmitglied J&uuml;rgen Gerdes, dass das fl&auml;chendeckende Netz der Gesch&auml;ftspost-Annahmestellen f&uuml;r <strong>gewerbliche<\/strong> Kunden von derzeit 200 auf 1000 bis Ende des Jahres 2008 ausgeweitet werden soll. F&uuml;r die <strong>privaten<\/strong>Kunden zeichnet sich ein Trend zum Do-it-yourself ab, denn bis zum Sommer 2008 beabsichtigt die Post die derzeit 550 Paketboxen auf 1000 und die derzeit 900 Packstationen auf 2500 zu erh&ouml;hen. In den St&auml;dten Bonn und Berlin plant die Post im Rahmen eines Pilotversuches 50 so genannte automatische 7\/24 Postinseln aufzustellen. In denen der Kunde an 7 Tagen die Woche rund um die Uhr die M&ouml;glichkeit haben soll, nahezu alle Postdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Diese Postinseln werden nicht von Personen bedient, sondern sind mit Briefmarkenautomaten, Packstationen, Briefk&auml;sten, Geldautomaten und Kontoauszugdruckern ausgestattet. Das fl&auml;chendeckende Netz von &uuml;ber 100.000 Briefk&auml;sten soll laut Gerdes nicht reduziert werden; der Trend gehe eher in Richtung Ausbau. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dpwn.de\/dpwn?tab=1&amp;skin=hi&amp;check=yes&amp;lang=de_DE&amp;xmlFile=2010096\">Deutsche Post Worldnet<\/a>)<\/p><p>Ob mit der letzten Ank&uuml;ndigung die Ausd&uuml;nnung der Briefk&auml;sten an weniger frequentierten Orten wieder aufgestockt wird, ist aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit h&ouml;chst fraglich. Vermutlich wird die heute schon nicht mehr vorhandene fl&auml;chendeckende Dichte der Post&auml;mter wohl k&uuml;nftig durch die 7\/24 Postinseln ersetzt werden. Anscheinend geht die Post davon aus, dass ihre gesamte Klientel jung, flexibel, in guter k&ouml;rperlicher Verfassung ist und problemlos moderne Automaten bedienen kann. Stellt sich die Frage, wie das mit dem urspr&uuml;nglichen Auftrag des Unternehmens vereinbar ist. <\/p><p>Eigenen Angaben zufolge verpflichtet sich zwar das Unternehmen zu den Corporate-Governance-Standards der Konzernwerte von Deutsche Post World Net. (Quelle: <a href=\"http:\/\/investors.dpwn.de\/de\/investoren\/corporate_governance\/index.html\">Deutsche Post Worldnet<\/a>)<\/p><p>Im Code of Conduct des Konzerns sind Regeln &uuml;ber Chancengleichheit, Menschenrechte, Diskriminierung, Transparenz, Bestechung und Korruption festgelegt. Die Deutsche Post World Net ist zudem Unterzeichner des Global Compact, einem Vertrag zwischen den Vereinten Nationen und global agierender Konzerne mit freiwilligen Selbstverpflichtungen, jedoch ohne Kontroll- und Sanktionsma&szlig;nahmen <\/p><p><em>siehe:<\/em> <a href=\"?p=1132\">Der Global Compact, gedacht als Instrument zur weltweiten B&auml;ndigung des Kapitalismus, wird zum Einfallstor der transnationalen Konzerne f&uuml;r die Aush&ouml;hlung der Charta der Vereinten Nationen und f&uuml;r eine Privatisierung der Weltpolitik<\/a>. <\/p><p>Doch was helfen alle diese sch&ouml;nen Verpflichtungen, wenn es um die konkreten Dienstleistungen vor Ort geht. Es w&auml;re z.B. interessant, wie damit umgegangen werden soll, wenn beauftragte kleine Einzelhandelsbetriebe aufgrund schlechter Ums&auml;tze oder wegen Personalmangels ihre Postdienstleistungen einstellen. Der Staat besitzt keine Handhabe mehr, einen privaten Betreiber zu dieser Dienstleistung zu verpflichten. Die Bundesregierung hat zwar gem&auml;&szlig; der ihr in Art. 87 f des Grundgesetzes zugewiesenen Verantwortung f&uuml;r eine fl&auml;chendeckend angemessene und ausreichende Versorgung mit Postdienstleistungen Sorge zu tragen. Das d&uuml;rfte jedoch von der Post AG dahingehend ausgelegt werden, dass dies auch mit den automatisierten Servicestationen erreicht werde. Schlie&szlig;lich sind damit die Basisleistungen abgedeckt. <\/p><p>In der Post Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) ist nicht explizit vermerkt, dass die Leistungen ausschlie&szlig;lich von Fachpersonal in Post&auml;mtern erbracht werden m&uuml;ssen. Somit k&ouml;nnen die Leistungen auch vom Personal in Tankstellen, Schreibwarenl&auml;den, Kiosken, Heimwerkerm&auml;rkten oder eben vollst&auml;ndig automatisiert von elektronischen Postinseln erbracht werden.<\/p><p><strong>Die Regelung der Versorgungsdichte &ndash; Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV)<\/strong><br>\nDie Versorgungsdichte ist in der PUDLV, die durch die Freiwillige Selbstverpflichtung der Deutschen Post AG vom 2. April 2004 erg&auml;nzt wurde, geregelt. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.landtag-bw.de\/WP13\/Drucksachen\/3000\/13_3519_d.pdf\">Landtag BW [PDF &ndash; 516 KB]<\/a>)<\/p><p>In &sect; 2 PUDLV sind die Qualit&auml;tsmerkmale f&uuml;r den Universaldienst im Bereich der Briefdienstleistungen festgehalten:<\/p><ul>\n<li>Bundesweit m&uuml;ssen mindestens 12.000 station&auml;re Einrichtungen vorhanden sein, in denen Vertr&auml;ge &uuml;ber Briefbef&ouml;rderungsleistungen im Sinne des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 1 abgeschlossen und abgewickelt werden k&ouml;nnen. Die Anforderung nach Satz 1 wird bis zum 31. Dezember 2007 unter Ber&uuml;cksichtigung der Nachfrage &uuml;berpr&uuml;ft. Bis zum 31. Dezember 2007 m&uuml;ssen mindestens 5.000 station&auml;re Einrichtungen mit unternehmenseigenem Personal betrieben werden. In allen Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern muss mindestens eine station&auml;re Einrichtung vorhanden sein; dies gilt in der Regel auch f&uuml;r Gemeinden, die gem&auml;&szlig; landesplanerischen Vorgaben zentral&ouml;rtliche Funktionen haben. In Gemeinden mit mehr als 4.000 Einwohnern und Gemeinden, die gem&auml;&szlig; landesplanerischen Vorgaben zentral&ouml;rtliche Funktionen haben, ist grunds&auml;tzlich zu gew&auml;hrleisten, dass in zusammenh&auml;ngend bebauten Gebieten eine station&auml;re Einrichtung in maximal 2.000 Metern f&uuml;r die Kunden erreichbar ist. Bei Ver&auml;nderungen der station&auml;ren Einrichtungen ist fr&uuml;hzeitig, mindestens zehn Wochen vor der Ma&szlig;nahme, das Benehmen mit der zust&auml;ndigen kommunalen Gebietsk&ouml;rperschaft herzustellen. Daneben muss in allen Landkreisen mindestens je Fl&auml;che von 80 Quadratkilometern eine station&auml;re Einrichtung vorhanden sein. Alle &uuml;brigen Orte m&uuml;ssen durch einen mobilen Postservice versorgt werden. Die Einrichtungen m&uuml;ssen werkt&auml;glich nachfragegerecht betriebsbereit sein.\n<\/li>\n<li>Briefk&auml;sten m&uuml;ssen so ausreichend vorhanden sein, dass die Kunden in zusammenh&auml;ngend bebauten Wohngebieten in der Regel nicht mehr als 1.000 Meter zur&uuml;ckzulegen haben, um zu einem Briefkasten zu gelangen. Briefk&auml;sten sind jeden Werktag sowie bedarfsgerecht jeden Sonn- und Feiertag so zu leeren, dass die in Nummer 3 bestimmten Qualit&auml;tsmerkmale eingehalten werden k&ouml;nnen. Dabei sind die Leerungszeiten der Briefk&auml;sten an den Bed&uuml;rfnissen des Wirtschaftslebens zu orientieren; die Leerungszeiten und die n&auml;chste Leerung sind auf den Briefk&auml;sten anzugeben. Briefk&auml;sten im Sinne der S&auml;tze 1 und 2 sind auch andere zur Einlieferung von Briefsendungen geeignete Vorrichtungen. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.bundesrecht.juris.de\/bundesrecht\/pudlv\/gesamt.pdf\"> bundesrecht.juris.de [PDF &ndash; 16 KB]<\/a>)\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Praxis der Postuniversaldienstleistungsverordnung (PUDLV)<\/strong><br>\nNach Ansicht der Bundestagsabgeordneten Anita Sch&auml;fer (CDU) wurde die PUDLV von der Post AG dahingehend ausgelegt, dass Ortsteile aus Ortschaften herausgerechnet werden konnten und auf diesem Wege der Grenzwert von 2000 Einwohnern h&auml;ufig unterschritten werden konnte. Eine fehlende juristische Definition von &bdquo;zusammenh&auml;ngend bebauten Wohngebieten&ldquo; habe sich als unpraktisch erwiesen und bedarf ihrer Meinung nach einer Anpassung. <strong>Anita Sch&auml;fer f&uuml;hrt das Beispiel an, dass in &Uuml;bereinstimmung mit der PUDLV die Post Einrichtungen schlie&szlig;en konnte, obwohl in machen Gebieten mehr als 6.000 Einwohner leben, die nun &uuml;ber keine station&auml;re Einrichtung mehr verf&uuml;gen, die sie ohne unangemessenen Aufwand erreichen k&ouml;nnen.<\/strong> An diesen M&auml;ngeln werde deutlich, dass weder die Postuniversaldienstleistungsverordnung mit ihren Vorgaben noch die Selbstverpflichtung der Deutschen Post AG ausreichend seien, so Anita Sch&auml;fer, um die in Art. 87 f des Grundgesetzes vorgeschriebene Aufgabenerf&uuml;llung zu gew&auml;hrleisten. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.anita-schaefer.de\/Dokumente\/05-06-13_EntwurfAntrgPost.pdf\">Antrag des Deutschen Bundestags an die Bundesregierung von Anita Sch&auml;fer MdB, [PDF &ndash; 16 KB]<\/a>)<\/p><p><strong>Die Post &ndash; ein Global Player<\/strong><br>\nMit der Privatisierung der ehemaligen Deutschen Bundespost ist das Unternehmen peu &agrave; peu zu einem Global Player ausgebaut worden. Dazu beigetragen haben diverse Firmenzuk&auml;ufe, die nat&uuml;rlich mit dem Geld der Postkunden get&auml;tigt wurden: Im Jahr 1999 erwarb die Deutsche Post die Aktienmehrheit des Unternehmens Danzas, einem urspr&uuml;nglich franz&ouml;sischem Speditionsunternehmen, das sp&auml;ter von der Schweiz aus weltweit t&auml;tig war. Zum Zeitpunkt des Kaufs erarbeiteten 16.000 Mitarbeiter einen Umsatz von sieben Milliarden Franken. Ziel des Kaufs war es, das Logistik-Segment der See- und Luftfracht abzudecken. Im Jahr 2002 kam der Kauf des US-amerikanischen Speditionsunternehmens DHL dazu, damit konnte die Post ihre Aktivit&auml;ten in den Vereinigten Staaten ausweiten. Die Unternehmen DHL, Deutsche Post EuroExpress und Danzas wurden unter der Marke DHL zusammengefasst. Ebenfalls im Jahr 2002 kaufte die Posttochter DHL die US-Firma Airborne-Express dazu, einen in den Vereinigten Staaten ans&auml;ssigen Paketzusteller, und konnte somit eine Wettbewerbsposition auf dem US-amerikanischen Markt einnehmen. Mit dem Kauf des Unternehmens bedient die gemeinsame Gesellschaft unter dem Namen DHL Kunden in den USA sowie (von den USA aus) in mehr als 220 L&auml;ndern auf der ganzen Welt. Am 13.12.2005 &uuml;bernahm die Post das britische Logistikunternehmen Exel. Nach Angaben des Unternehmens war der Kauf ein wichtiger Meilenstein in der Umsetzung der Konzernstrategie mit dem Ziel, weltweit f&uuml;hrender Logistikanbieter in den Bereichen Luft- und Seefracht sowie Kontraktlogistik zu werden. Weiter wurden Anteile diverser Unternehmen in den Bereichen Brief, Express und Logistik aus Frankreich (Koba und Ducros Services Rapides), Gro&szlig;britannien (&Uuml;bernahme der Mehrheit von Williams Lea 67%), Spanien (Unipost 38%), Kanada (DHL Express Canada Ltd. 100%), Indien (Blue Dart Express plc. 81,3%), Tschechien (PPL 100%), Israel, (Flying Cargo International Transportation Ltd. 100%), Schweden (ASG AB 100%), USA (Global Mail Ltd. 100%, Smart Mail 100%, Airbone Inc. 100%, ASTAR Air Cargo Holdings 49%), Polar Air Cargo Worldwide Inc. 49%, Air Express International AEI 100%) erworben. (Quelle: <a href=\"http:\/\/investors.dpwn.de\/de\/investoren\/der_konzern\/akquisitionen\/\">Deutsche Post Worldnet<\/a>)<\/p><p>Bei genauerer Betrachtung der Firmenk&auml;ufe stellte sich heraus, dass nicht alles Gold war, was gl&auml;nzte. Das USA-Gesch&auml;ft hat dem ehemaligen Vorstandchef, Klaus Zumwinkel, herbe Verluste eingebracht. Hinter den Konkurrenten Fed Ex mit 43% Marktanteil und UPS mit 31% Marktanteil liegt DHL mit einer erwarteten Steigerung von 10 auf 12% weit zur&uuml;ck. Der Break Even Point sollte nach Aussage des Vizeaufsichtsratschefs im Jahr 2008 erreicht werden. Zumwinkel bezifferte die aufgelaufenen Kosten f&uuml;r das Engagement auf dem US-Markt mit rund 1 Mrd. Euro. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/news\/Unternehmen\/Handel-Dienstleistungen\/_pv\/grid_id\/1235841\/_p\/200040\/_t\/ft\/_b\/1160214\/default.aspx\/post-kriegt-in-den-usa-die-kurve.html\"> handelsblatt.com<\/a>)<\/p><p><strong>Die Firmenzuk&auml;ufe zeigen deutlich, dass nicht das Briefkastennetz in Deutschland, verbesserter Kundenservice, Erhalt und Ausbau der Post&auml;mter oder sichere Arbeitspl&auml;tze im Vordergrund der Firmenpolitik stehen, sondern dass der Schwerpunkt des Unternehmens auf der Ausweitung der internationalen Logistikbranche liegt. Damit folgt das Management der Post der Philosophie der Unternehmens- und Strategieberatung McKinseys.<\/strong> Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn ein Gro&szlig;teil des Managements war fr&uuml;her f&uuml;r McKinsey t&auml;tig, wie die ehemaligen Vorstandsmitglieder Wulf von Schimmelbusch, Edgar Ernst und Klaus Zumwinkel und die jetzigen Manager Wolfgang Klein (Finanzdienstleistungen), Frank Appel (Vorstandsvorsitz) und Hermann Ude (Logistik). Die Unternehmensziele: Wettbewerbsf&auml;higkeit durch Umstrukturierungen, Wachstum und Ausbau neuer Gesch&auml;ftsfelder auf globaler Ebene lassen sich unschwer aus den Empfehlungen der Beraterfirma herleiten. <\/p><p><strong>&bdquo;Wo ein starker Wirtschaftsmarkt ist, ist meist auch McKinsey&ldquo;<\/strong><br>\nMit diesem Slogan wirbt dieses Beratungsunternehmen und damit, dass die Initiativen des Beraters Raum f&uuml;r Ver&auml;nderung schafften. Das muss zweifelsohne best&auml;tigt werden. Die Ver&auml;nderungen wirken sich jedoch alles andere als positiv auf die Serviceleistungen f&uuml;r die Kunden und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter aus. Die Einsparungs- und Personalpolitik folgt voll und ganz den Prinzipien des Shareholder-Value. Die Aussch&uuml;ttung hoher Dividenden gehen auf Kosten von Einsparungen auf unterschiedlichsten Ebenen. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel und der Aufsichtsratsvorsitzende J&uuml;rgen Weber schlugen beispielsweise auf der Hauptversammlung 2006 vor, die Dividende f&uuml;r das Jahr 2006 auf 75 Cent zu erh&ouml;hen, das waren immerhin 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr und entsprach einer Aussch&uuml;ttungsquote von 47,1 Prozent des auf die Aktion&auml;re der Deutschen Post AG entfallenden Konzernergebnisses. Seit dem B&ouml;rsengang ist die Dividende somit im Durchschnitt um 19 Prozent pro Jahr gestiegen. Das Unternehmen hat angek&uuml;ndigt, seine Dividendenpolitik fortzusetzen, um die Aktion&auml;re, wie das Management es ausdr&uuml;ckt, an der positiven Gesch&auml;ftsentwicklung teilhaben zu lassen. <\/p><p><strong>Die Personalpolitik des global agierenden Unternehmens<br>\nVollzeitvertr&auml;ge im Bereich Trennung, Vorbereitung, Zustellung (TVZ) werden durch Teilzeitvertr&auml;ge ersetzt. An die Stelle sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertr&auml;ge treten zunehmend 400-Euro-Jobs. Neu eingestellte Besch&auml;ftigte erhalten weniger Gehalt als schon l&auml;nger besch&auml;ftigte Mitarbeiter. Es wird immer mehr auf Leiharbeiter und Saisonkr&auml;fte aus dem Billiglohnsektor zur&uuml;ckgegriffen, Teilbereiche werden ausgelagert. Laut ver.di werden freie Arbeitspl&auml;tze nicht mehr besetzt. Auszubildende erhalten nur einen Vertrag &uuml;ber 31-Wochenstunden. Mitarbeiter, die von Rationalisierungen betroffen sind, werden nicht dauerhaft weiter besch&auml;ftigt, dauerhaft sichere Arbeitspl&auml;tze werden ohne sachlichen Grund in Arbeitspl&auml;tze mit unsicheren Konditionen umgewandelt.<\/strong>Beim Filialbetrieb AG 200 werden geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigte als unterst&uuml;tzende Mitarbeiter am Schalter eingestellt. Beim BHW (Beamtenheimst&auml;ttenwerk) werden vollbesch&auml;ftigte Angestellte durch selbst&auml;ndige Handelsvertreter ersetzt. Des Weiteren kritisiert die Gewerkschaft, dass Sonderschichten und &Uuml;berstunden in allen Bereichen gefahren werden und dass der Vorstand des Unternehmens f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre weiteren Personalabbau angek&uuml;ndigt hat. Hinzu k&auml;me, dass regionaler Personalbedarf unber&uuml;cksichtigt bliebe, was lange Wartezeiten und zu sehr z&ouml;gerlicher Abwicklung der Kundenauftr&auml;ge f&uuml;hre. (Quelle: <a href=\"http:\/\/psl.bayern.verdi.de\/aktuelle_informationen\/postdienste_filialen\/wir_fordern_eine_regionale_qualitative_personalplanung\">verdi.de<\/a>)<\/p><p><strong>Im Gegenzug sind seit der Privatisierung im Jahr 2000 die Vorstandsgeh&auml;lter fast um das Doppelte angehoben worden <\/strong><br>\nQuelle: Werner R&uuml;gemer, Privatisierung Deutschland. <\/p><p>Den Mitarbeitern der Post wurden in den letzten Jahren immer neue Aufgaben oktroyiert. Die Postkunden werden in den Filialen st&auml;ndig konfrontiert mit Angeboten des Gemischtwarenladens der Post, unter anderem zur Postbankaltersvorsorge, zu Immobilien- und Projektentwicklungsfonds oder zur Berufsunf&auml;higkeitsrente. Die Bewerbung von Bausparvertr&auml;gen geh&ouml;rt seit dem Zusammenschluss mit dem BHW ebenfalls zur Angebotspalette. Die Post kooperiert des Weiteren mit der Faber Lotto-Service KG. Seit Mai 2005 werden den Postkunden Faber-Lotto-Lose in den Filialen angeboten. Ob diese Produkte auch wirklich den Kunden offeriert werden, wird wiederum von Testk&auml;ufern gepr&uuml;ft. Als Kunden getarnte Testk&auml;ufer f&uuml;hren Qualit&auml;tstests in Postfilialen durch. Das Unternehmen TNS \/Infratest begutachtet beispielsweise im Durchschnitt 20 Postfilialen im Monat in Berlin. 100 Details stehen auf der Pr&uuml;fungsliste. Alle get&auml;tigten und nicht get&auml;tigten Aufgaben, &Auml;u&szlig;erungen und die Freundlichkeit des Mitarbeiters, das &auml;u&szlig;ere Erscheinungsbild des Getesteten, die Platzierung der Produkte in den Regalen spielen bei der Bewertung eine Rolle. Ebenso sind die Wartezeiten ein Beurteilungskriterium. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dpwn.de\/dpwn?tab=1&amp;skin=hi&amp;check=yes&amp;lang=de_DE&amp;xmlFile=1002789\">Deutsche Post Worldnet<\/a>)<\/p><p><strong>Kundenservice, sinkende Versorgungsdichte und neue Gesch&auml;ftsfelder<\/strong><br>\nDen Bef&uuml;rwortern der damaligen Privatisierung h&auml;tte bewusst sein m&uuml;ssen, was eine betriebswirtschaftliche Ausrichtung f&uuml;r die &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge bedeutet. An dieser Stelle sei der Richter des Verfassungsgerichts Siegfried Bro&szlig; zitiert, der die gegenw&auml;rtige Entwicklung der Privatisierung staatlicher Aufgaben wie folgt auf den Punkt gebracht hat: <\/p><blockquote><p>Wenn sich der Staat fortw&auml;hrend der Erf&uuml;llung &ouml;ffentlicher Aufgaben dadurch entzieht, dass er substanzielle Teile von sich privatisiert und letztlich ungebunden durch private Dritte erf&uuml;llen l&auml;sst, dann sehe ich das Problem, dass sich der Staat letztlich selbst und &ndash; unabh&auml;ngig von der Souver&auml;nit&auml;t &ndash; seine Macht zur Selbstdefinition in Frage stellen k&ouml;nnte. Wof&uuml;r steht er noch, wenn er sich selbst eines gro&szlig;en Teils seiner Substanz begibt?<\/p><\/blockquote><p><strong>Die voranschreitende Automatisierung der Dienstleistungen f&uuml;hrt zu einer kontinuierlichen Entpersonalisierung der Angebote. Der Privatkunde steht heute jedenfalls schlechter da als vor der Privatisierung. Er zahlt mehr und muss obendrein immer mehr Leistungen selbst erbringen. Die viel gepriesenen Qualit&auml;tssteigerungen zu sinkenden Preisen sind nicht eingetreten. <\/strong><\/p><p>Wenn politische Entscheidungstr&auml;ger heute erkennen, dass der rechtliche Rahmen unzureichend ist, dann kommt diese Erkenntnis reichlich sp&auml;t. Der Staat kann die Versorgung der B&uuml;rger in den Bereichen der klassischen Daseinsvorsorge nach einer Privatisierung nicht mehr steuern, er hat keine Mittel mehr, die Qualit&auml;t der Daseinsvorsorge zu sichern. Der Widerstand, den Union und SPD gegen die Pl&auml;ne der Post zur Schlie&szlig;ung des Postfilialnetzes angek&uuml;ndigt haben, wird letztlich endlich ausgehen wie das Hornberger Schie&szlig;en. Die Aussagen der Politiker sind nichts weiter als Get&ouml;se und Krokodilstr&auml;nen. Wie sagte doch der b&ouml;se Spiegelberg zum R&auml;uber Moos in Friedrich Schillers R&auml;uber: &bdquo;<em>Da ging&rsquo;s aus wie&rsquo;s Schie&szlig;en zu Hornberg und mussten abziehen mit langer Nase.<\/em>&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grundversorgung wurde in der Vergangenheit von der &ouml;ffentlichen Hand erbracht und war mit dem daseinsvorsorgerischen Grundgedanken verkn&uuml;pft, B&uuml;rgern fl&auml;chendeckend eine solidarische Versorgung zu fairen Preisen zur Verf&uuml;gung zu stellen. 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