{"id":3298,"date":"2008-06-24T09:05:25","date_gmt":"2008-06-24T07:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3298"},"modified":"2020-02-20T10:31:32","modified_gmt":"2020-02-20T09:31:32","slug":"zu-aufbau-ost-dauert-noch-320-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3298","title":{"rendered":"Zu \u201eAufbau Ost dauert noch 320 Jahre\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/article\/wirtschaft\/news\/581135\/Aufbau-Ost-dauert-noch-320-Jahre.html\">Rheinische Post<\/a> berichtete am 20.06.08 &uuml;ber eine Studie des Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle, wonach trotz guter Konjunktur in Gesamtdeutschland der Astand zwischen Osten und Westen kaum kleiner w&uuml;rde. Hielte der schwache Wachstumstrend in den neuen L&auml;ndern an, komme der Osten erst nach 320 Jahren auf West-Niveau. Den Beitrag von Alexander von Gersdorff kommentierte f&uuml;r uns der &Ouml;konom Karl Mai.<br>\n<!--more--><\/p><p>Schon allein die pointierte &Uuml;berschrift zeigt, dass kein wirkliches Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Dynamik Ostdeutschlands in den n&auml;chsten Jahren beim Autor besteht: die lineare Projektion (von 0,2 % Angleichungsfortschritt je Jahr) in eine so ferne Zukunft ist absoluter Unsinn, weder wissenschaftlich haltbar noch politisch legitim. Es ist schon bei einer Vorausschau auf die n&auml;chsten 50 Jahre unm&ouml;glich, zutreffende Aussagen zu machen, die von den derzeitigen Pr&auml;missen ausgehen.<\/p><p>Aber sicherlich zielt der Autor nur darauf ab, einen Impuls des Entsetzens in der &Ouml;ffentlichkeit zu erzeugen, um das Problem des Aufholens zu verdeutlichen. Und in der Tat, dieses Problem verdient st&auml;rkstes &ouml;ffentliches Interesse, obgleich es derzeit keine Wege in der Praxis gibt, hier schneller zufriedenstellende Ergebnisse in der wirtschaftlichen Angleichung Ost-West zu realisieren. Aus der wissenschaftlichen Forschung sind optimistische Projektionen hierf&uuml;r l&auml;ngst verbannt, und daf&uuml;r gibt es gute Gr&uuml;nde: an erster Stelle ist der R&uuml;ckgang der Transfers aus dem Solidarpakt II bis 2019 und der fortschreitende R&uuml;ckgang der Wohnbev&ouml;lkerung in Ostdeutschland zu nennen, &uuml;berlagert von einem erzwungenen Abbau der &ouml;ffentlichen Verschuldung der meisten ostdeutschen Gebietsk&ouml;rperschaften bei anhaltend hohen Zinslasten.<\/p><p>Dringt man analytisch tiefer in das Problem &bdquo;Aufholprozess&ldquo; ein, so erweist sich die von Gersdorf getroffene Vorschau insofern als zweckoptimistisch, als sie einen kontinuierlichen Fortschritt im Aufholen unterstellt. Gerade hierin wir eine gef&auml;hrliche Illusion geweckt, da die reale Dynamik nicht auf gleichbleibenden Determinanten basiert, sondern unter zeitlich variablen Faktoren erfolgt. Die quantitativen Annahmen (Pr&auml;missen) hierzu sind oft subjektiv eingef&auml;rbt oder willk&uuml;rlich festgesetzt, um Modellrechnungen &uuml;berhaupt l&ouml;sbar zu gestalten. Daher wird auch in dem von Gersdorf zitierten IWH-Papier (nach Pressemitteilung 22-08) eigentlich nichts konkret zur langfristigen Perspektive der Angleichung Ost-West ausgesagt.<\/p><p>Interessant ist dagegen die Bemerkung des IWH:<\/p><p>&bdquo;Die Absorption von G&uuml;tern und Dienstleistungen &uuml;bertrifft nach Sch&auml;tzung des IWH das Niveau der gesamtwirtschaftlichen Produktion nur noch um etwa 10 % &hellip;.&ldquo; (S. 3) Hieraus l&auml;sst sich dann die Erwartung ableiten, in wenigen weiteren Jahren eine Angleichung des Niveaus der regionalwirtschaftlichen &bdquo;Endverwendung&ldquo; an die Eigenleistung in den neune Bundesl&auml;ndern zu erreichen. Diese Erwartung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit &ldquo;Aufholen Ost-West&ldquo; im Sinne der &uuml;blichen Interpretation des &bdquo;Leistungsanstiegs BIP je Einwohner&ldquo;. Im Gegenteil, sie verdeckt die Aussage, dass dann die ostdeutsche Region nur so viel verbrauchen wird, wie sie selbst erzeugt. Das l&auml;sst eigentlich keine Erwartung zu, dass hierbei jemals ein Aufholen einsetzen k&ouml;nnte, denn ein Aufholen kann bekanntlich ohne weitere investive Mittelzufuhr (privat und staatlich) in die ostdeutsche Unterentwicklungsregion nicht funktionieren. Begr&uuml;ndung: &uuml;berproportional h&ouml;here Investitionsquoten im Osten aus der niedrigeren eigenen Wertsch&ouml;pfung im Osten sind langfristig nicht m&ouml;glich.<\/p><p>Diese negative Implikation der zitierten IWH-Aussagen hat der Autor Gersdorf aber wahrscheinlich gar nicht erkannt. Das wirft einen Schatten auf die so eifrige publizistische Vermittlung von Studien der offiziellen Wirtschaftsforschung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/article\/wirtschaft\/news\/581135\/Aufbau-Ost-dauert-noch-320-Jahre.html\">Rheinische Post<\/a> berichtete am 20.06.08 &uuml;ber eine Studie des Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle, wonach trotz guter Konjunktur in Gesamtdeutschland der Astand zwischen Osten und Westen kaum kleiner w&uuml;rde. Hielte der schwache Wachstumstrend in den neuen L&auml;ndern an, komme der Osten erst nach 320 Jahren auf West-Niveau. Den Beitrag von Alexander von Gersdorff kommentierte<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3298\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[133,30],"tags":[1652,574,575,1653],"class_list":["post-3298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-abwanderung","tag-iwh","tag-ostdeutschland","tag-solidarpakt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3298"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3298\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58668,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3298\/revisions\/58668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}