{"id":33004,"date":"2016-04-18T13:51:06","date_gmt":"2016-04-18T11:51:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33004"},"modified":"2019-05-19T13:00:34","modified_gmt":"2019-05-19T11:00:34","slug":"wettruesten-und-kriegsgefahr-im-konflikt-zwischen-saudi-arabien-und-dem-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33004","title":{"rendered":"Wettr\u00fcsten und Kriegsgefahr im Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran"},"content":{"rendered":"<p>Es folgt ein Beitrag von Mohssen Massarrat mit vielen Daten zum Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten. Man muss nicht jede Schlussfolgerung des Autors nachvollziehen k&ouml;nnen, um den Beitrag als n&uuml;tzlich zu empfinden. Die Daten alleine schon sind unserer Aufmerksamkeit zu empfehlen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wettr&uuml;sten mit Folgen<\/strong><br>\nEine neue gef&auml;hrliche Entwicklung im Mittleren Osten<br>\n<strong>Mohssen Massarrat<\/strong><\/p><p>Der Syrienkonflikt ist gegenw&auml;rtig die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung f&uuml;r die Weltpolitik. Dieser Konflikt darf aber nicht davon ablenken, dass gleichzeitig ein gigantisches Wettr&uuml;sten zwischen Saudi Arabien und Iran stattfindet, das sich bald als ein schwelendes Feuer unter der Asche erweisen k&ouml;nnte. Gel&auml;nge es der Weltgemeinschaft nicht, den drohenden Feuerausbruch rechtzeitig einzud&auml;mmen, werden wir alle einen sehr hohen Preis daf&uuml;r bezahlen. Denn ein saudiarabisch-iranischer Krieg d&uuml;rfte alle bisherigen Kriege und Konflikte nach dem US-Krieg im Irak in den Schatten stellen. Auff&auml;llig ist jedenfalls die massive Aufr&uuml;stung Saudi Arabiens und &ndash; in dessen Schlepptau &ndash; auch der Emirate am Persischen Golf.<\/p><p><strong>Neues Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten<\/strong><\/p><p>Nach dem SIPRI-Report 2015 sind die saudischen R&uuml;stungsausgaben von 29.5 Mrd. US-Dollar in 2011 auf 81 Mrd. in 2015 dramatisch angestiegen. Damit steht Saudi Arabien auf der Liste der L&auml;nder mit den gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungsausgaben an dritter Stelle nach den USA und China und noch vor Russland. Im Verh&auml;ltnis zum BSP steht dieses Land mit 13,7% sogar an erster Stelle, weit vor den Arabischen Emiraten mit 5,7%, Israel mit 5,4 % und den USA mit 3,3 % (siehe Bild 1).<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160418_bild1_statistic_id150664_militaerausgaben---anteil-am-bip-ausgewaehlter-laender-2015_th.gif\" alt=\"Neues Wettr&uuml;sten im Mittlern Osten\" title=\"Neues Wettr&uuml;sten im Mittlern Osten\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160418_bild1_statistic_id150664_militaerausgaben---anteil-am-bip-ausgewaehlter-laender-2015.pdf\">statista [PDF]<\/a><\/p><p>Zur saudischen Aufr&uuml;stung geh&ouml;ren Waffenimporte aller Gattungen, modernste Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, Panzer und Kriegsschiffe, vornehmlich aus den USA. Diese rasche Aufr&uuml;stung folgte dem mit den USA abgeschlossenen R&uuml;stungsabkommen vom 24.11 2011. Barack Obama verteidigte die saudische Aufr&uuml;stung mit dem Argument des milit&auml;rischen &Uuml;bergewichts des Iran und der Notwendigkeit, im Mittleren Osten ein milit&auml;risches Gleichgewicht herzustellen.<\/p><p>Erinnern wir uns: die Theorie des milit&auml;rischen Gleichgewichts war immer das probate Argument aus dem Umfeld der R&uuml;stungsindustrie und die Haupttriebkraft der atomaren Aufr&uuml;stung w&auml;hrend des Kalten Krieges. Dieses Argument war auch die treibende Kraft beim Wettr&uuml;sten zwischen Iran und Irak in der zweiten H&auml;lfte der 1970er Jahre, das schlie&szlig;lich zum acht Jahre andauernden Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren mit einer Million Kriegsopfern, darunter Dreihunderttausend Toten, gef&uuml;hrt hat. Nach 1975 wurde das iranische Schah-Regime &ndash; seinerzeit der Hauptverb&uuml;ndete der USA &ndash; just in dem Moment als die &Ouml;leinnahmen rapide anstiegen, mit allerlei US-Waffen, darunter modernsten Kampfflugzeugen, aufger&uuml;stet und zur st&auml;rksten Regionalmacht. Dass dadurch ein milit&auml;risches &Uuml;bergewicht des eigenen Verb&uuml;ndeten im Mittleren Osten entstehen musste, war sicherlich kein Versehen. Die Antwort von Irans Rivalen um die Vorherrschaft in der Region kam prompt: die massive Aufr&uuml;stung des Iraks von Saddam Hussein, vor allem durch die Sowjet Union. W&auml;hrend Irans R&uuml;stungsausgaben im Zeitraum 1975-1980 von 2.053 auf 6.229 Mrd. Dollar um mehr als das Dreifache anstiegen, erh&ouml;hte der Irak seine R&uuml;stungsausgaben im selben Zeitraum von 0.324 auf 2.080 Mrd. Dollar &ndash; also um mehr als das Sechsfache (siehe Tabelle unten).<\/p><p><strong>Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten in den 1970er Jahren<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160418_tabelle_ruestungsausgaben.gif\" alt=\"Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten in den 1970er Jahren\" title=\"Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten in den 1970er Jahren\"><\/p><p><strong>R&uuml;stungswettlauf der 1970er Jahre ersch&uuml;tterte die gesamte Region<\/strong><\/p><p>Dieses Wettr&uuml;sten ersch&uuml;tterte die inneren und &auml;u&szlig;eren Machtverh&auml;ltnisse in der Region. 1979 wurde das Schah-Regime durch die islamische Revolution gest&uuml;rzt. Regimetreue Armeegener&auml;le wurden teils hingerichtet, teils in die Flucht geschlagen. Durch den Zusammenbruch der F&uuml;hrungsstruktur der iranischen Armee entstand ein milit&auml;risches Machtvakuum. Iraks Diktator Saddam Hussein f&uuml;hlte sich nun milit&auml;risch dem Iran &uuml;berlegen und besetzte 1981 die s&uuml;diranische &Ouml;lregion. Der iranisch-irakische R&uuml;stungswettlauf in den 1970er Jahren hat damit nicht nur den ersten Golfkrieg ausgel&ouml;st, sondern auch zwei weitere Golfkriege in 1991 und 2003 mit verursacht, die schlie&szlig;lich zum Sturz des irakischen Diktators f&uuml;hrten. Auch die sich anschlie&szlig;ende Gewalteskalation in der Region, einschlie&szlig;lich der Entstehung des &bdquo;Islamischen Staates&ldquo;, resultierte bei genauerem Hinsehen aus all diesem grausamen Kriegsgeschehen im Mittleren Osten.<\/p><p>Nun und &uuml;ber drei&szlig;ig Jahre sp&auml;ter soll erneut ein milit&auml;risches Gleichgewicht hergestellt werden, diesmal zwischen Saudi Arabien und Iran. F&uuml;r die massive Aufr&uuml;stung Saudi Arabiens, den gegenw&auml;rtig wichtigsten Verb&uuml;ndeten der USA, muss daf&uuml;r das milit&auml;rische &Uuml;bergewicht des Iran herhalten. Man m&uuml;sste eigentlich schon mehr als ignorant sein, um nicht zu erkennen, dass hinter dem zweimaligen Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten, sowohl in den 1970er Jahren und wiederum jetzt vor unseren Augen, der US-R&uuml;stungssektor und &ndash; in seinem Schlepptau &ndash; der europ&auml;ische R&uuml;stungssektor stecken. Denn sie beide leben davon, dass irgendwo in der Welt Regierungen zu diesen Waffen greifen, dass Millionen Menschen abgeschlachtet werden, dass neue Kulturk&auml;mpfe zwischen Ideologien und Religionen gesch&uuml;rt werden, dass immer mehr Hass zwischen den V&ouml;lkern ges&auml;t wird, aus dem nicht zuletzt dann Terrorismus erw&auml;chst. Wer nach den wirklichen Ursachen der massenhaften Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me nach Europa sucht, h&auml;tte jetzt Gelegenheit, t&auml;tig zu werden und einen weiteren Krieg im Mittleren Osten zu verhindern.<\/p><p><strong>Iran als erste Milit&auml;rmacht im Mittleren Osten<\/strong><\/p><p>Nicht zu leugnen ist die Tatsache des in den letzten Dekaden entstandenen milit&auml;rischen &Uuml;bergewichts des Iran, das in der Tat in den Nachbarstaaten als eine Bedrohung wahrgenommen wurde und dem Waffenhunger von deren Herrschern neue Nahrung lieferte. Wie kam es eigentlich zu dieser Waffen&uuml;berlegenheit Irans? Ein wichtiger Grund daf&uuml;r war unbestreitbar das iranische Trauma angesichts des irakischen Chemiewaffeneinsatzes im iranisch-irakischen Krieg in den 1980er Jahren, der zu einigen zehntausend Toten und hunderttausenden von Invaliden auf der iranischen Seite f&uuml;hrte. Die Spur dieses Verbrechens f&uuml;hrt zu deutschen, vor allem aber zu amerikanischen Lieferungen von chemischen Massenvernichtungsmitteln an Saddam Hussein, die der sp&auml;tere Kriegsminister von George W. Bush, Ronald Rumsfeld, eingef&auml;delt hatte. Als Reaktion auf seine milit&auml;rische Angreifbarkeit und Schutzlosigkeit wurde im Iran die Idee eines eigenen Atomprogramms geboren, das 2006 beinahe zu einem Krieg der Bush-Regierung gegen den Iran gef&uuml;hrt h&auml;tte.<\/p><p>Die Islamische Republik Iran baute insgesamt eine durchaus m&auml;chtige R&uuml;stungsindustrie auf und entwickelte auch eigene Tr&auml;gerraketen verschiedener Reichweiten. Nicht zuletzt half Russland dem Iran, die noch bestehenden Waffenl&uuml;cken, vor allem bei der Luftwaffe und der Marine, zu schlie&szlig;en. Dabei brauchten die Herrschenden der Islamischen Republik ihre kostspielige Aufr&uuml;stung innenpolitisch nicht einmal zu legitimieren. Die USA lieferten ihnen diese Legitimation frei Haus, indem sie, jedenfalls bis zum Wahlsieg Obamas, unverhohlen einen Regime Change im Iran auf ihre Fahne geschrieben hatten. Hinzu kommt ein grandioser Fehler der iranischen Seite unter Pr&auml;sident Rafsandschani in den 1990er Jahren, der in dem 25 Jahre-Perspektivplan der Islamischen Republik das Ziel formulierte, Iran bis 2021 zur st&auml;rksten Regionalmacht zu machen. Damit tappte Iran in die Falle der Wettr&uuml;stungsstrategen des Pentagons, die begannen, fortan Araber gegen Iraner und Sunniten gegen Schiiten aufzuwiegeln.<\/p><p><strong>Militarisierung des sunnitisch-schiitischen Konflikts<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend des H&ouml;hepunkts des Atomkonflikts rief Condoleezza Rice, die in der US-R&uuml;stungsindustrie gut vernetzte Au&szlig;enministerin der Bush-Regierung, im Sommer 2006 in der Hauptstadt Saudi Arabiens die sunnitischen Staaten auf, gegen den schiitischen G&uuml;rtel der Islamischen Republik einen eigenen sunnitischen G&uuml;rtel aufzubauen. Die aktive Parteinahme Teherans auf der Seite des Regimes von Bashar Al-Assad seit dem Beginn des Syrienkonflikts, tat das ihrige dazu, damit die schiitischen Iraner in der arabisch-sunnitischen Welt zum Hassobjekt und zu einer Bedrohung hochstilisiert wurden. Alle Pr&auml;sidenten der USA, leider auch Barack Obama, lie&szlig;en sich bisher vor den Karren des milit&auml;risch-industriellen Komplexes spannen, weil die internen Kriege am Persischen Golf und der teuflische Kreislauf &Ouml;l und Blut gegen Waffen einen f&uuml;r die US-Hegemonie in der Welt &uuml;beraus fundamentalen Nebeneffekt produzieren, den man &ndash; um einen Begriff von Pentagon-Strategen f&uuml;r die US-Politik im Mittleren Osten zu verwenden &ndash; als &bdquo;konstruktives Chaos&ldquo; bezeichnen k&ouml;nnte. Dieser Nebeneffekt besteht darin, dass der &Ouml;lhandel stets in Dollar abgewickelt wird und dass die USA mit dem Dollar als Weltgeld sich weiterhin &uuml;ber ihre &ouml;konomische Hegemonie in der Welt keine Sorgen zu machen brauchen.<\/p><p>Zum gegenw&auml;rtigen Zeitpunkt scheint das &bdquo;milit&auml;rische Gleichgewicht&ldquo; zwischen Saudi Arabien und Iran weitgehend hergestellt zu sein. (Siehe Bild 2) Saudi Arabien hat inzwischen die gr&ouml;&szlig;te Armee seiner Geschichte aufgebaut. Das Land verf&uuml;gt inzwischen &uuml;ber 227.000 Soldaten, darunter Bodentruppen mit 175.000 Soldaten und 600 Panzern. Dem gegen&uuml;ber stehen auf der iranischen Seite 523.000 Soldaten, darunter Bodentruppen mit 450.000 Soldaten und 2300 Panzern. So scheint das Heer des Iran zahlenm&auml;&szlig;ig dem saudischen &uuml;berlegen zu sein. Faktisch verf&uuml;gt Saudi Arabien jedoch &uuml;ber deutlich modernere Waffen als der Iran. Keine Frage, dass die iranische Seite mit ihren kampferfahrenen Soldaten am Boden trotzdem insgesamt einen Vorteil aufweist. Diesen Vorteil k&ouml;nnen aber die Saudis, nach Meinung von Experten, mit ihren 313 modernsten Kampfflugzeugen wettmachen, da die 332 iranischen Flugzeuge stark veraltet sind und f&uuml;r diese zudem dringend ben&ouml;tigte Ersatzteile fehlen. Diese offensichtliche Schw&auml;che versucht der Iran wiederum mit selbst produzierten Mittelstreckenraketen auszugleichen.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160418_bild2_faz.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160418_bild2_faz_th.gif\" alt=\"FAZ - Hochger&uuml;stet am Golf\" title=\"FAZ - Hochger&uuml;stet am Golf\"><\/a><\/p><p>Quelle: FAZ vom 05.01.2016<\/p><p>Kein Zweifel: das neue Wettr&uuml;sten zwischen den beiden Regionalm&auml;chten Saudi Arabien und Iran l&auml;uft auf Hochtouren. Und dieser R&uuml;stungswettlauf ist auch mit dem Wettr&uuml;sten der 1970er Jahre zwischen Irak und Iran in jeder Hinsicht vergleichbar. Ver&auml;ndert hat sich nur die B&uuml;ndniskonstellation. In jenen Jahren stand das Schah-Regime im B&uuml;ndnis mit den USA, dem Westen insgesamt und Israel, und der Irak befand sich im B&uuml;ndnis mit der Sowjet Union und nationalistischen arabischen Staaten. Heute sind umgekehrt die USA der Verb&uuml;ndete auf der arabischen Seite und Russland auf der iranischen Seite. Aus der Sicht des milit&auml;risch-industriellen Komplexes ist es allerdings irrelevant, welche geopolitischen B&uuml;ndnisse das Wettr&uuml;sten anheizen. Hauptsache es f&uuml;hrt zu einem neuen Krieg und zur Zerst&ouml;rung, und Hauptsache erwachsen daraus neue Konflikte und neue Waffenm&auml;rkte, wie wir sie seit dem Kalten Krieg und dem ersten Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten beobachten konnten. Zu einem Kriegsausbruch k&auml;me es ziemlich sicher, wenn die USA und Westeuropa &ndash; darunter auch Deutschland &ndash; weiterhin ihre Waffen nach Saudi Arabien lieferten und die Saudis zu einem Kriegsabenteuer ermunterten.<\/p><p><strong>Wachsende Spannungen zwischen Saudi Arabien und Iran<\/strong><\/p><p>An Spannungen zwischen den beiden L&auml;ndern mangelt es wahrlich nicht. Bei der letzten Pilgerfahrt im September 2015 kamen &uuml;ber 600 iranische Pilger zu Tode. Irans Hardliner gaben umgehend die Schuld daf&uuml;r der saudischen Regierung und drohten dem arabischen Land mit Gegenma&szlig;nahmen. Im Januar 2016 &ndash; also nur wenige Monate sp&auml;ter &ndash; hat die saudische Regierung 47 oppositionelle Saudis, darunter den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baker al-Nimr, hingerichtet. In Teheran und anderen iranischen St&auml;dten reagierten die Hardliner mit Brandstiftungen in der saudischen Botschaft und in Konsulareinrichtungen mit schwerwiegenden diplomatischen Folgen. &ndash; Fast in jeder Woche meldet sich ein saudischer Minister oder ein Minister aus den Arabischen Golfstaaten und fordert die iranische Regierung auf, sich nicht im Libanon und in Syrien einzumischen und Waffenlieferungen an die jemenitischen Huthis zu unterbinden. Saudi Arabien selbst f&uuml;hrt aber im Jemen seit &uuml;ber einem Jahr einen erbitterten Krieg gegen die Huthi-Rebellen mit bisher zehntausenden von Opfern. Manche vermuten hinter dem saudischen Jemen-Krieg die Absicht, die eigene Armee f&uuml;r einen Krieg gegen den Iran auszutesten. Auch wenn Irans Machthaber vor dem Hintergrund der Katastrophe des iranisch-irakischen Krieges ernsthaft versuchen, einen neuen Krieg gegen ein arabisches Land zu vermeiden, legen die saudischen Herrscher gro&szlig;en Wert darauf, Iran als Regionalmacht mit allen Mitteln zu verhindern. Demgegen&uuml;ber ist es Saudi Arabien &ndash; &uuml;brigens zusammen mit Israel &ndash; nicht gelungen, die USA zu einem Krieg gegen den Iran anzustacheln. Saudische Herrscher m&uuml;ssen nach dem Ende des Atomkonflikts sogar zusehen, dass Irans Marsch hin zu einer &ouml;konomischen und milit&auml;rischen Regionalmacht alsbald unumkehrbar sein k&ouml;nnte. Und es ist deshalb durchaus nicht auszuschlie&szlig;en, dass die Saudis selbst einen Krieg gegen den Iran vom Zaun brechen und darauf hoffen, die USA wegen deren strategischer &Ouml;linteressen doch noch in ein neues Kriegsabenteuer hinein ziehen zu k&ouml;nnen. Einem neuen Fl&auml;chenbrand, der den Mittleren Osten f&uuml;r Jahrzehnte zur&uuml;ckwerfen und den bestehenden Kreislauf &Ouml;l und Blut gegen Waffen bis in die n&auml;chsten Jahrzehnte verl&auml;ngern w&uuml;rde, st&uuml;nde dann nichts mehr im Wege.<\/p><p><strong>Kann eine neue Katastrophe verhindert werden?<\/strong><\/p><p>Noch ist es allerdings nicht zu sp&auml;t, diese schaurige Perspektive zu verhindern. Der iranischen Regierung kommt die wichtige Aufgabe zu, die eigenen Streitkr&auml;fte in Schach zu halten und auf keinen Fall auf m&ouml;gliche saudische Provokationen hereinzufallen. Auch die EU d&uuml;rfte nicht unt&auml;tig bleiben und m&uuml;sste als erstes jegliche Waffenlieferungen an beide Staaten und in den Mittleren Osten insgesamt sofort stoppen. Das Konzept einer gemeinsamen Sicherheit f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;te Krisenregion der Welt hatte schon immer seine Berechtigung. Heute ist sie zu einer zwingenden friedenspolitischen Aufgabe geworden. Die begonnene Syrienkonferenz bietet die historische Chance, die L&ouml;sung des Syrienkonflikts perspektivisch als Beginn einer neuen Friedensordnung f&uuml;r den gesamten Mittleren Osten zu definieren, dem als n&auml;chstes ein allgemeiner Abr&uuml;stungsprozess in der Region folgen m&uuml;sste. Unter dieser Perspektive m&uuml;sste der Mittlere Osten langfristig zu einer Region werden, die frei von Massenvernichtungswaffen ist und sich auf eine Architektur gemeinsamer Sicherheit st&uuml;tzt. Nicht nur der Mittlere Osten, sondern auch Europa und der Weltfrieden insgesamt w&auml;ren dann alle die Gewinner dieser konkreten Utopie.<\/p><p>Nachbemerkung Albrecht M&uuml;ller: Dass der Westen auf die Anwendung des Konzeptes Gemeinsamer Sicherheit im mittleren Osten dr&auml;ngt, ist ein bisschen unwahrscheinlich. Schlie&szlig;lich hat der Westen selbst dieses Konzept f&uuml;r die Gestaltung des Zusammenlebens zwischen dem Westen und Russland schon in den neunziger Jahren aufgegeben. Aber selbstverst&auml;ndlich ist davon unabh&auml;ngig eine solche Forderung angebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es folgt ein Beitrag von Mohssen Massarrat mit vielen Daten zum Wettr&uuml;sten im Mittleren Osten. Man muss nicht jede Schlussfolgerung des Autors nachvollziehen k&ouml;nnen, um den Beitrag als n&uuml;tzlich zu empfinden. 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