{"id":33092,"date":"2016-04-22T16:36:00","date_gmt":"2016-04-22T14:36:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33092"},"modified":"2016-04-25T13:03:02","modified_gmt":"2016-04-25T11:03:02","slug":"unsere-aufklaerungsarbeit-ist-offensichtlich-ziemlich-wirkungslos-weil-auch-das-gebildete-buergertum-den-groessten-unsinn-glaubt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33092","title":{"rendered":"Unsere Aufkl\u00e4rungsarbeit ist offensichtlich ziemlich wirkungslos. Weil auch das gebildete B\u00fcrgertum den gr\u00f6\u00dften Unsinn glaubt."},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Mittwoch hat ein Blick in das Feuilleton der FAZ den Eindruck best&auml;tigt, dass unsere Aufkl&auml;rungsversuche oft folgenlos bleiben. Da erschien auf Seite 10 &uuml;ber eine zwei Drittel Seite die Besprechung des neuen Buches von Thomas Straubhaar: &bdquo;Der Untergang ist abgesagt. Wider die Mythen des demografischen Wandels&ldquo;. Der Rezensent Schw&auml;gerl schreibt, der &Ouml;konomieprofessor habe &bdquo;als einer der ersten Autoren gewagt, den breiten Konsens zum unvermeidlichen demographischen Niedergang infrage zu stellen.&ldquo; &ndash; Was Sie also seit 2004 auf den NachDenkSeiten lesen k&ouml;nnen, was ich als Autor schon fr&uuml;her und dann umfassend in &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; belege, und auch Autoren wie Gerd Bosbach immer wieder beschrieben haben, dass n&auml;mlich die demographischen Ver&auml;nderungen kein ernstes Problem darstellen und die st&auml;ndig zitierten Bev&ouml;lkerungsprognosen ohnehin fraglich sind, wird von der FAZ wie offensichtlich auch vom Autor Straubhaar als neu verkauft. Eigentlich m&uuml;sste das Buch von Straubhaar und die Rezension bundesweit Gel&auml;chter ausl&ouml;sen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2831\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33092-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33092-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160425_Ziemlich_wirkungslos_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Als einen Beleg f&uuml;r die fr&uuml;he Darstellung des Problems nenne ich die Denkfehler Nr. 5 (&bdquo;Wir werden immer weniger&ldquo;), Denkfehler Nr. 6 (&bdquo;Wir werden immer &auml;lter. Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr&ldquo;) und Denkfehler Nr.7. (&bdquo;Jetzt hilft nur noch private Vorsorge&ldquo;). Den Text zu diesen drei Mythen, der auch vor zehn Jahren schon in den NachDenkSeiten zu finden war, habe ich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160421-auszug-reformluege.pdf\">hier als PDF zusammengefasst<\/a>. Schon f&uuml;nf Jahre vorher hatte ich in einer Serie f&uuml;r das Kritische Tagebuch des WDR die Dramatisierung des demographischen Wandels widerlegt. <\/p><p>Wenn Sie den Text aus der &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; lesen, dann werden Sie verstehen, dass man auf eine Buchbesprechung wie in der FAZ vom 20.4.2016 und auf das Buch von Professor Straubhaar nur sarkastisch reagieren kann. Und Sie werden vermutlich verstehen, warum die &Uuml;berschrift dieses Artikels ziemlich pessimistisch klingt. Daf&uuml;r gibt es gute Gr&uuml;nde.<\/p><p>Der Professor m&uuml;sste eigentlich des vielf&auml;ltigen Plagiats angeklagt werden &ndash; des Klauens von Gedanken und Beobachtungen. Nichts davon geschieht. Autor und Rezensent k&ouml;nnen sich dessen sicher sein, dass nicht nur die Bild-Zeitungsleser, sondern auch die Gebildeten im Land &ndash; das sogenannte Bildungsb&uuml;rgertum &ndash; die Horrorszenarien zum angeblich aussterbenden und vergreisenden Volk glaubten und bis heute glauben. <\/p><p>Die Tatsache, dass offensichtlich eine Mehrheit der Deutschen jahrelang Mythen hinterherlief und sich Sorgen machte, wo auch nach der Neuentdeckung von Professor Straubhaar Optimismus angezeigt w&auml;re, ist nicht zum Lachen. Der Irrglaube, die &uuml;blichen &bdquo;Denkfehler, Mythen und Legenden&ldquo; (= Untertitel von &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; 2004) hatten und haben gro&szlig;e gesellschaftspolitische Bedeutung: die Sorge um die demographische Entwicklung, reduziert auf den Glaubenssatz &bdquo;immer mehr Alte m&uuml;ssen von der schrumpfenden Zahl von Arbeitsf&auml;higen ern&auml;hrt werden&ldquo;, wurde zum Beispiel dazu benutzt, um die Leistungsf&auml;higkeit der bisherigen Form der Altersvorsorge privaten Interessen der Finanzwirtschaft auszuliefern. Dazu sind auf den NachDenkSeiten gerade in den letzten Tagen mehrere Beitr&auml;ge erschienen. (Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33024\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33048\">hier<\/a>.) <\/p><p>Wie folgenlos die &bdquo;Neuentdeckung&ldquo; des Professors aus Hamburg auch weiterhin ist, k&ouml;nnen Sie an der Reaktion von Politik, Wissenschaft und Medien insgesamt sehen. Auf der Basis der falschen Dramatisierung der demographischen Entwicklung wird politisch weitergewurstelt. Siehe dazu auch die Mail von Professor Gerd Bosbach an die NachDenkSeiten mit einem einschl&auml;gigen Text zu Sch&auml;ubles Irrt&uuml;mern. Sie h&auml;ngt unten als Anhang an.<\/p><p><strong>Unsere Aufkl&auml;rungsversuche haben offensichtlich wenig gebracht. Oder sollen wir die Einsicht des Professors aus Hamburg als Erfolg feiern? <\/strong><\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><br>\nMail von Professor Gerd Bosbach:<\/p><p><strong>Sch&auml;ubles Denkfehler in der Rentendebatte<\/strong><\/p><p><strong>Sch&auml;uble zelebriert eine Simpellogik: Werden wir &auml;lter, m&uuml;ssen wir l&auml;nger arbeiten. Eing&auml;ngig, aber falsch.<\/strong><\/p><ol>\n<li><em>Ein Blick in das letzte Jahrhundert<\/em>\n<p>Die Lebenserwartung stieg von 46 auf 78 Jahre, die Lebensarbeitszeit sank von 70 auf 65 Jahre. Gleichzeitig sanken Jahres- und Wochenarbeitszeiten massiv. Und die Arbeitskr&auml;fte gingen dabei nicht aus, eher die Arbeitspl&auml;tze. Im Jahre 1999 betrug die offizielle Arbeitslosigkeit 4,1 Millionen.<\/p>\n<p>Der Anteil der &uuml;ber 64 J&auml;hrigen stieg in dem Jahrhundert von 4,9 auf 16,7%, der Anteil der Rentner noch st&auml;rker. Und trotzdem ging es Allen materiell deutlich besser.<\/p>\n<p>Sch&auml;ubles Logik auf das Jahr 1900 angewandt versagt total. Der Grund: Er denkt ohne Wirtschafts- und Produktivit&auml;tsentwicklung, also v&ouml;llig eindimensional!<\/p><\/li>\n<li><em>Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit und Arbeitslosigkeit<\/em>\n<ol type=\"a\">\n<li>Schon jetzt warten knapp 3 Millionen Arbeitslose auf frei werdende Arbeitspl&auml;tze. Wenn diese aber erst Jahre sp&auml;ter frei werden, &hellip;<\/li>\n<li>Schon jetzt sparen Arbeitgeber massiv bei der Ausbildung. In den letzten Jahren gab es immer zwischen Drei&szlig;ig- und Sechzigtausend mehr Bewerber als Ausbildungspl&auml;tze &ndash; und das trotz politisch gewollter Erh&ouml;hung der Studierendenquote, also Senkung der Bewerberzahlen! Wenn jetzt Arbeitgeber l&auml;nger auf ausgew&auml;hlte Arbeitnehmer zugreifen k&ouml;nnen, wird das die Ausbildungsbereitschaft weiter senken. Arme Jugend!<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><em>Lebensarbeitszeitverl&auml;ngerung und Altersarmut &ndash; Sch&auml;ubles Hintergedanken?<\/em><br>\nNat&uuml;rlich werden viele Leute aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden oder weil die Arbeitspl&auml;tze fehlen nicht bis 67 oder 70 arbeiten k&ouml;nnen. Dann wird die Rente noch niedriger ausfallen, Altersarmut (*) droht den Betroffenen.<br>\nVielleicht will Sch&auml;uble ja auch gar nicht die Renten sch&uuml;tzen, sondern bei den Rentenzahlungen sparen. Zumindest f&uuml;r den gesamten &ouml;ffentlichen Dienst w&uuml;rde er bei Lebensarbeitszeitverl&auml;ngerung viel sparen und seinen Sparwillen umsetzen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li><em>Bei steigender Produktivit&auml;t sind steigende Rentenbeitr&auml;ge leistbar<\/em><br>\nNach Einf&uuml;hrung der dynamisierten Rente 1957 stieg der Rentenbeitrag von 7,0 auf 9,75 % in 2000, also um fast 40 Prozent. Das konnten die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber wegen steigender Produktivit&auml;t spielend verkraften. Meine Modellrechnungen belegen, dass auch in Zukunft ausreichend steigende Rentenbeitr&auml;ge leicht m&ouml;glich sind, selbst wenn die Produktivit&auml;tssteigerungen auf 0,75% zur&uuml;ck ginge. <\/li>\n<\/ol><p>(*) Irrt&uuml;mlich wird oft die Quote der Bezieher von Grundsicherung (etwa 3%) als Armutsquote ausgegeben. So wird Armut aber nicht gemessen. Seit Jahrzehnten dient dazu die Schwelle von 60% vom mittleren Einkommen (Median) EU-weit als Ma&szlig;stab. Und diese Quote steigt f&uuml;r &uuml;ber 64 J&auml;hrige seit 2009 kontinuierlich von 11,9% auf 14,4% in 2014 (Daten des Mikrozensus).<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e aus dem Rheinland<br>\nGerd Bosbach<\/p><p>Remagen\/K&ouml;ln, 22.4.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Mittwoch hat ein Blick in das Feuilleton der FAZ den Eindruck best&auml;tigt, dass unsere Aufkl&auml;rungsversuche oft folgenlos bleiben. Da erschien auf Seite 10 &uuml;ber eine zwei Drittel Seite die Besprechung des neuen Buches von Thomas Straubhaar: &bdquo;Der Untergang ist abgesagt. Wider die Mythen des demografischen Wandels&ldquo;. Der Rezensent Schw&auml;gerl schreibt, der &Ouml;konomieprofessor habe<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33092\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,155,41,39],"tags":[635,376,1542,1847,273,487,1110,479,440,1591],"class_list":["post-33092","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-demografische-entwicklung","category-medienanalyse","category-rente","tag-altersarmut","tag-bosbach-gerd","tag-faz","tag-lebensarbeitszeit","tag-privatvorsorge","tag-produktivitaet","tag-reformluege","tag-reservearmee","tag-schaeuble-wolfgang","tag-straubhaar-thomas"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33092","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33092"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33092\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33094,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33092\/revisions\/33094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33092"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33092"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33092"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}