{"id":33163,"date":"2016-04-27T16:09:05","date_gmt":"2016-04-27T14:09:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33163"},"modified":"2016-04-29T09:01:10","modified_gmt":"2016-04-29T07:01:10","slug":"obamas-hannoveraner-rede-und-die-geschichtsvergessenheit-unserer-leitmedien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33163","title":{"rendered":"Obamas Hannoveraner Rede und die Geschichtsvergessenheit unserer Leitmedien"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r manche NachDenkSeiten-LeserInnen hat Obama mit seiner Hannoveraner Rede die Entt&auml;uschung &uuml;ber diesen Pr&auml;sidenten komplettiert. Ganz anders in den deutschen Medien. Dort wird mit er mit Lob &uuml;berh&auml;uft. Die Reaktion auf Obamas Rede zeigt, wie angepasst, unkritisch und geschichtsvergessen deutsche Medien sind. Obama beeindruckt mit den billigsten Tricks, unter anderem mit dem Trick, nur einen Teil der Geschichte zu erz&auml;hlen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8486\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33163-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160428_Obamas_Rede_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160428_Obamas_Rede_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160428_Obamas_Rede_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160428_Obamas_Rede_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33163-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160428_Obamas_Rede_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160428_Obamas_Rede_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zun&auml;chst einmal der Link zur Rede des amerikanischen Pr&auml;sidenten: Gehen Sie auf <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/obama-hannover-133.html\">diesen Beitrag<\/a> der Tagesschau. Dort ist die vollst&auml;ndige Rede mit &Uuml;bersetzung wiedergegeben. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/hannover-messe-obamas-anti-angst-rede-1.2965943\">Die S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/a> spricht von einer &bdquo;gro&szlig;en Rede&ldquo;. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/rede-von-us-praesident-barack-obama-auf-hannover-messe-2016-14198272.html\">Die FAZ<\/a> appelliert an das historische Bewusstsein der Deutschen und Europ&auml;er. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/barack-obama-in-hannover-ein-grosser-besucher-die-bilanz-a-1089244.html\">Spiegel Online<\/a> schreibt von einem &bdquo;gro&szlig;en Besucher&ldquo;. Usw.<\/p><p><strong>Der billigste Trick: &uuml;berschw&auml;ngliches Lob<\/strong><\/p><p>Obama hat Europa gelobt, er hat Merkel gelobt. Er hat geschmeichelt &ndash; im Bewusstsein, dass dann das Lob besonders gern angenommen wird und h&auml;ngenbleibt: &bdquo;Europas Ideale erleuchten die Welt&ldquo; titelte die FAZ am 26. April. <\/p><p>Er hat bei den Zuh&ouml;rern und Zuschauern den Eindruck vermittelt, wir, der Westen, die USA und Europa &ndash; wir seien die Guten.<\/p><p>Wenn Europas Ideale eine einigerma&szlig;en gro&szlig;e Bedeutung f&uuml;r die innere Gestaltung h&auml;tten, dann k&ouml;nnte man ja sofort in dieses Lob einstimmen. Und nicht zu bestreiten ist, dass die europ&auml;ische Einigung ein Fortschritt ist. Aber dieser ist eher in Gefahr als neu. Obamas Lob klingt in der jetzigen Zeit ziemlich deplatziert.<\/p><p><strong>Obama hat die Lobeshymnen mit Forderungen verbunden, aber dieser Misston hat die Lobeshymnen nicht gest&ouml;rt<\/strong><\/p><p>Europa und die NATO m&uuml;ssten sich mehr engagieren, in Syrien, im Irak, in Libyen &ndash; insgesamt im Kampf gegen den Terror. Sie m&uuml;ssten ihre R&uuml;stungsausgaben auf 2 % des Bruttoinlandsprodukts erh&ouml;hen. Weniger Geschichtsvergessene h&auml;tten nach dieser Forderung gefragt: Wie bitte? Wir hatten 1989 und 1990 doch geplant, abzur&uuml;sten. War da nicht von Friedensdividende die Rede? Alles vergessen. Alles weg, weil das Imperium es anders will.<\/p><p><strong>Obama hat die Zuh&ouml;rer und Zuschauer damit manipuliert, dass er h&auml;ufig nur einen Teil der Geschichte erz&auml;hlt.<\/strong><\/p><p>Daf&uuml;r gibt es eine Reihe von Beispielen. Sie betreffen wichtige Angelegenheiten und Zusammenh&auml;nge:<\/p><ol type=\"a\">\n<li>Noch harmlos: er lobt Angela Merkel als die gro&szlig;e Europ&auml;erin. Dabei verschweigt er geflissentlich, dass die Bundeskanzlerin zusammen mit ihrem Bundesfinanzminister und ihrer Regierung mit ihrer W&auml;hrungs- und Wirtschaftspolitik und mit der Behandlung der europ&auml;ischen L&auml;nder im S&uuml;den, insbesondere Griechenlands, Europa in eine tiefe Krise gest&uuml;rzt hat. Diese Geschichte hat er nicht erz&auml;hlt. Diese Geschichte ist aber hochaktuell und sie belastet die Entwicklung Europas auch weiterhin.<\/li>\n<li>Es musste jedem einigerma&szlig;en nachdenklichen und kritischen Zuschauer und Zuh&ouml;rer auffallen, dass dieser amerikanische Pr&auml;sident die atlantische Partnerschaft und die Westintegration &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt hat. Das wurde auch sichtbar, als er von Konrad Adenauer als einem &bdquo;Giganten&ldquo; gesprochen hat, der Gegner zu Verb&uuml;ndeten gemacht habe.\n<p>Damit erz&auml;hlt Obama die Geschichte der f&uuml;nfziger Jahre des letzten Jahrhunderts und er klammert aus, dass diese Politik mit dem Mauerbau und der Konfrontation zwischen Ost und West insgesamt weitgehend gescheitert war. Er klammert aus, was dann in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit der Entspannungspolitik, also mit der Politik des Abbaus der Konfrontation zwischen West und Ost f&uuml;r den Frieden in Europa und f&uuml;r die Zusammenarbeit aller V&ouml;lker geschaffen worden ist. Die gemeinsame Sicherheit Europas als Projekt, kommt bei Obama nicht vor. Er steht voll in der Tradition Reagans und Clintons, die dieses Projekt abgebrochen haben. Er hat sich voll hinter die Linie des Westens und der NATO gestellt, das westliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis bis an die Grenzen Russlands auszudehnen und eben keinen Wert auf Kooperation und Zusammenarbeit gelegt. <\/p>\n<p>Dazu passt auch, dass bei ihm die Forderung auftaucht, Russland m&uuml;sse die Krim wieder rausr&uuml;cken. Er warb f&uuml;r die Sanktionen gegen Russland. Bei diesem Pr&auml;sidenten ist nichts von der Konzeption zu sp&uuml;ren, dass man sich verst&auml;ndigen muss, um Frieden zu erhalten und im &uuml;brigen sich auch verst&auml;ndigen muss, um Wandel beim politischen Gegner zu erreichen. &ndash; Das ist ein R&uuml;ckfall hinter das Konzept des Friedens in Europa. Und es ist klar, dass bei diesem Pr&auml;sidenten Russland nicht zu Europa geh&ouml;rt. &ndash; <\/p>\n<p>F&uuml;r mich pers&ouml;nlich wurde hier sichtbar, dass ich mich in diesem Pr&auml;sidenten lange Zeit get&auml;uscht habe. Er ist ein Vertreter des Imperiums. Seine Spr&uuml;che &uuml;ber Freiheit klingen nicht anders als die Spr&uuml;che des deutschen Bundespr&auml;sidenten: Hohl.<\/p><\/li>\n<li>Auch in den Passagen zum Kampf gegen den Terror hat der US-Pr&auml;sident die Geschichte verk&uuml;rzt, zu seinen Gunsten verk&uuml;rzt. Er hat nicht erw&auml;hnt und schon gar nicht untersucht, weshalb es Terror gibt und woher die Fl&uuml;chtlinge kommen und warum sie kommen. Schon ins Groteske geht seine Aufforderung, wir sollten beim wirtschaftlichen Aufbau im Irak helfen. Da kommt der M&ouml;rder und fordert die Passanten auf, die Leiche zu beseitigen. Die USA haben im Irak Krieg gef&uuml;hrt. Sie haben zur wirtschaftlichen Krise dieses Landes wesentlich beigetragen. Sie haben den Irak zerst&ouml;rt und Hunderttausende von Menschen auf dem Gewissen. Und sie sch&uuml;ren weiter Krisen. Nebenbei erw&auml;hnt Obama, dass sie 250 US-Spezialkr&auml;fte nach Syrien schicken.<\/li>\n<\/ol><p>Die Rede des US Pr&auml;sidenten war insgesamt eine hochideologische und damit zugleich eine verlogene Rede. Sie hat alles verdeckt, was es an mieser Entwicklung in den USA und in Europa gibt. Er hat von Freiheit und Demokratie gesprochen und von freier Presse und dabei &uuml;ber die immer schlimmer werdende Lage der Medien in den USA wie auch in Europa hinweggeredet.<\/p><p>Er hat auch nicht &uuml;ber die himmelschreiend ungerechte Verteilung der Verm&ouml;gen und der Einkommen in der westlichen Welt gesprochen. H&auml;tte er das getan, dann h&auml;tten ihm die Spr&uuml;che &uuml;ber Freiheit und Demokratie im Halse stecken bleiben m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Dass die deutschen Medien mehrheitlich sich so haben einlullen lassen, ist ein beredtes Zeugnis ihres schlimmen Zustandes: Kampagnen-Medien, leicht k&auml;uflich von westlichen, atlantischen Ideologen. Embedded in die sogenannte westliche Welt.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r manche NachDenkSeiten-LeserInnen hat Obama mit seiner Hannoveraner Rede die Entt&auml;uschung &uuml;ber diesen Pr&auml;sidenten komplettiert. Ganz anders in den deutschen Medien. Dort wird mit er mit Lob &uuml;berh&auml;uft. Die Reaktion auf Obamas Rede zeigt, wie angepasst, unkritisch und geschichtsvergessen deutsche Medien sind. 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