{"id":33175,"date":"2016-04-28T08:48:29","date_gmt":"2016-04-28T06:48:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33175"},"modified":"2019-04-29T12:14:42","modified_gmt":"2019-04-29T10:14:42","slug":"die-faz-und-die-rente-lasten-fuer-die-jungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33175","title":{"rendered":"Die FAZ und die Rente: Lasten f\u00fcr die Jungen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung setzt ihre publizistischen Attacken gegen Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung fort. &bdquo;Rentenpl&auml;ne belasten die Jungen&ldquo; ist ein vorgestern erschienener Artikel &uuml;berschrieben. Er ignoriert mehr als nur den banalen Umstand, dass es &bdquo;Rentenpl&auml;ne&ldquo; der Bundesregierung noch gar nicht gibt. Von <strong>Patrick Schreiner<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33175#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nErik T&uuml;rk hat <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33155\">gestern auf den Nachdenkseiten<\/a> einen Artikel kritisch beleuchtet, den die FAZ am 20. April zum &ouml;sterreichischen Rentensystem ver&ouml;ffentlicht hat. Die s&uuml;dlichen Nachbarn setzen weitaus st&auml;rker als Deutschland auf das gesetzliche Umlageverfahren, was viele f&uuml;r vorbildlich halten &ndash; was aber wiederum der FAZ ganz offensichtlich nicht gef&auml;llt. T&uuml;rks Beitrag zeigt beispielhaft, wie sie gegen die wachsende Kritik an dem st&auml;rker auf &ldquo;Eigenverantwortung&rdquo; und Kapitaldeckung <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/197\">setzenden deutschen Altersvorsorgesystem<\/a> auch mit fragw&uuml;rdigen Mitteln agiert. <\/p><p>Nur wenige Tage nach diesem Text muss nun ein weiterer FAZ-Beitrag zum Thema Rentenpolitik als einseitig und unsauber bezeichnet werden. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/was-wird-aus-der-rente\/plaene-fuer-rente-gehen-auf-kosten-der-jungen-generation-14200685.html\">Rentenpl&auml;ne belasten die Jungen<\/a>&ldquo; lautet die &Uuml;berschrift, die die Kernaussage des betreffenden Artikels auf den Punkt bringt. Vorgestellt wird darin eine Kurzstudie des &Ouml;konomen Oliver Holtem&ouml;ller vom Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung Halle, der die finanziellen Konsequenzen einer Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus berechnet hat. Die FAZ fasst die Ergebnisse Holtem&ouml;llers im Teaser wie folgt zusammen:<\/p><blockquote><p>\nDie Regierung beschenkt die Rentner mit einem deutlichen Plus. Bezahlen muss daf&uuml;r die junge Generation: Entweder steigen die Rentenbeitr&auml;ge oder aber das Renteneintrittsalter.\n<\/p><\/blockquote><p>Im nachfolgenden Satz macht die Autorin deutlich, wer genau mit &bdquo;die junge Generation&ldquo; gemeint ist: <\/p><blockquote><p>\nDie Rentenpl&auml;ne der Bundesregierung gehen zu Lasten der heute j&uuml;ngeren Erwerbst&auml;tigen.\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Darstellung ist aus drei Gr&uuml;nden mindestens ungenau, wenn nicht gar verf&auml;lschend:<\/p><ol>\n<li>Wie auch immer die &bdquo;Rentenpl&auml;ne der Bundesregierung&ldquo; irgendwann vielleicht einmal aussehen werden: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Finanzierung eines stabilisierten oder gar steigenden Rentenniveaus teilweise oder sogar vollst&auml;ndig &uuml;ber steigende Rentenbeitr&auml;ge gew&auml;hrleistet wird, d&uuml;rfte hoch sein. Dann zahlen aber keineswegs nur die &bdquo;heute j&uuml;ngeren Erwerbst&auml;tigen&ldquo;, sondern zur H&auml;lfte deren Arbeitgeber. Von denen allerdings ist in dem gesamten Artikel nicht die Rede. <\/li>\n<li>Es mag Begriffsklauberei sein, aber der Vollst&auml;ndigkeit halber sei es dennoch erw&auml;hnt: Nicht alle Erwerbst&auml;tige zahlen in die Rentenkasse ein. So sind etwa Beamtinnen und Beamte, viele Besch&auml;ftigte in Minijobs sowie Selbst&auml;ndige davon befreit. Zu behaupten, die &bdquo;j&uuml;ngeren Erwerbst&auml;tigen&ldquo; w&uuml;rden belastet, ist daher mindestens ungenau.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung &bdquo;beschenkt&ldquo; keineswegs &bdquo;die Rentner&ldquo;. Denn erstens geht es hier um Verdienste, nicht um Geschenke. Und zweitens w&uuml;rden von einer Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus weniger die heutigen Rentnerinnen und Rentner profitieren als vielmehr die zuk&uuml;nftigen (vorausgesetzt, es kommt in der Zukunft nicht wieder zu dessen Absenkung). Es profitieren insbesondere die, die heute und in den kommenden Jahren die Rentenbeitr&auml;ge bezahlen &ndash; und sie profitieren umso mehr, je l&auml;nger sie dies tun. Denn das Rentenniveau nach alter Planung sollte ja best&auml;ndig sinken. Damit w&uuml;rde die Differenz zwischen den bislang geplant sinkenden Rentenniveaus gegen&uuml;ber einem dann stabilisierten oder steigenden Rentenniveau in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gr&ouml;&szlig;er. Oder mit anderen Worten:\n<ul>\n<li>Wer zum Zeitpunkt der Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus nur noch wenige Jahre zu leben hat, profitiert kaum, denn in der verbleibenden Lebenszeit w&auml;re das Rentenniveau kaum gesunken. Zudem verbleiben ja nur noch wenige Jahre des Rentenbezugs.<\/li>\n<li>Wer zum Zeitpunkt der Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus gerade in Rente geht, profitiert schon mehr.<\/li>\n<li>Doch wer erst Jahre nach der Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus in Rente geht, profitiert noch mehr: Das Rentenniveau nach alter Planung h&auml;tte deutlich unter dem stabilisierten oder angehobenen gelegen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p>Aber werden nicht dennoch die heute &bdquo;jungen Erwerbst&auml;tigen&ldquo; (genauer: die heute sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten) mit h&ouml;heren Lasten konfrontiert, sei es in Form h&ouml;herer Beitragss&auml;tze oder in Form einer Anhebung des Renteneintrittsalters? Ja, das werden sie, was aber im Fall h&ouml;herer Beitragss&auml;tze keineswegs problematisch oder ungerecht ist: Denn die sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten profitieren nicht nur sp&auml;ter im Rentenalter von h&ouml;heren Leistungen, sondern sie k&ouml;nnen sich in der Zeit ihrer Erwerbsarbeit trotz steigender Beitragszahlungen auch &uuml;ber steigende L&ouml;hne freuen. Schlie&szlig;lich wird die Arbeitsproduktivit&auml;t dank technologischer und sonstiger Fortschritte auch in Zukunft wachsen. Seit 2000 nahm die Stundenproduktivit&auml;t in Deutschland pro Jahr um durchschnittlich 1,1 Prozent zu. Unter anderem dank Digitalisierung und Industrie 4.0 spricht einiges daf&uuml;r, dass dieser Wert in den n&auml;chsten Jahren und Jahrzehnten zumindest nicht sinken wird. Wenn aber pro Stunde best&auml;ndig mehr produziert wird, dann gibt es auch mehr zu verteilen: Es er&ouml;ffnen sich Spielr&auml;ume f&uuml;r h&ouml;here Einkommen, mit denen h&ouml;here Beitragss&auml;tze und ein h&ouml;herer Lebensstandard zugleich finanziert werden k&ouml;nnen. Was nat&uuml;rlich voraussetzt, dass diese Spielr&auml;ume auch in Form entsprechender Lohn- und Gehaltssteigerungen genutzt werden. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters ist dann ebenso wenig notwendig wie ein Absenken des Rentenniveaus. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Patrick Schreiner lebt und arbeitet als hauptamtlicher Gewerkschafter in Bielefeld und Berlin. Er schreibt regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r die NachDenkSeiten zu wirtschafts-, sozial- und verteilungspolitischen Themen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frankfurter Allgemeine Zeitung setzt ihre publizistischen Attacken gegen Verbesserungen in der gesetzlichen Rentenversicherung fort. &bdquo;Rentenpl&auml;ne belasten die Jungen&ldquo; ist ein vorgestern erschienener Artikel &uuml;berschrieben. Er ignoriert mehr als nur den banalen Umstand, dass es &bdquo;Rentenpl&auml;ne&ldquo; der Bundesregierung noch gar nicht gibt. 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