{"id":33189,"date":"2016-04-29T09:27:36","date_gmt":"2016-04-29T07:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33189"},"modified":"2024-08-22T05:11:45","modified_gmt":"2024-08-22T03:11:45","slug":"wider-die-gruene-oekonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33189","title":{"rendered":"Wider die Gr\u00fcne \u00d6konomie"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160429_unmuessig.jpg\" alt=\"Barbara Unm&uuml;&szlig;ig\" title=\"Barbara Unm&uuml;&szlig;ig\"><\/div><p>Der allgemeine Wohlstand und seine &ouml;konomischen und &ouml;kologischen Grundlagen sind in Gefahr, die Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft wird immer gr&ouml;&szlig;er. Das Konzept der &raquo;Gr&uuml;nen &Ouml;konomie&laquo; offeriert hier Abhilfe und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Doch kann die &raquo;gr&uuml;ne&laquo; Technologie eine L&ouml;sung sein, wenn sie den Konsum weiter anheizt? Wenn sie noch mehr statt weniger Macht in die H&auml;nde der ohnehin schon M&auml;chtigen legt? Und wer kommt eigentlich f&uuml;r die Folgekosten von Atomstrom, Fracking, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31647\">Bio&ouml;konomie<\/a> und anderem auf? Zu diesen Fragen sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>Barbara Unm&uuml;&szlig;ig<\/strong>, Vorstand der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung und Co-Autorin von &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.oekom.de\/nc\/buecher\/vorschau\/buch\/gruene-oekonomie.html\">Kritik der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie<\/a>&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Unm&uuml;&szlig;ig, die sozialen und &ouml;kologischen Probleme der Menschheit sind immens und es muss sich dringend etwas &auml;ndern; nicht nur bei uns im Lande, sondern weltweit. Die Hoffnungen vieler, insbesondere Gr&uuml;ner, ruhen diesbez&uuml;glich auf der sogenannten &bdquo;Gr&uuml;nen &Ouml;konomie&ldquo;, die Sie jedoch mit einem unl&auml;ngst erschienenen Buch einer radikalen Kritik unterziehen. Wie kommt es dazu? Was st&ouml;rt Sie an der &bdquo;Gr&uuml;nen &Ouml;konomie&ldquo;? <\/strong><\/p><p>Gegen eine Gr&uuml;ne &Ouml;konomie habe ich erst einmal gar nichts, wir brauchen sie dringend. Der eigentlich positiv besetzte Begriff ist aber l&auml;ngst von der OECD, der Weltbank, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und McKinsey gekapert und umdefiniert worden.<\/p><p>Gut daran ist, dass all diese Protagonisten der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie inzwischen akzeptieren, dass die Zukunft des Planeten gef&auml;hrdet ist und ein &ldquo;Weiter so&rdquo; oder &ldquo;business as usual&rdquo; unseres Wirtschaftens und Konsumierens so nicht mehr geht. Dass es so nicht mehr weitergehen kann, ist l&auml;ngst im Mainstream angekommen. Diese Erkenntnis ist erst einmal uneingeschr&auml;nkt positiv. <\/p><p>Die entscheidende Frage ist nun aber, welche Schlussfolgerungen man hieraus zieht: Hilft die Gr&uuml;ne &Ouml;konomie wirklich, dass wir in den sogenannten planetarischen Grenzen bleiben, die wir beim Klimawandel, beim Verlust der Artenvielfalt oder bei der Stickstoffbelastung der B&ouml;den und Gew&auml;sser l&auml;ngst &uuml;berschritten haben? <\/p><p>Nach der Erkenntnis, dass &bdquo;business as usual&ldquo; keine Option mehr ist, beginnt diese notwendige Auseinandersetzung um das Wie der sozialen und &ouml;kologischen Transformation gerade erst. <\/p><p>Den Begriff der radikalen Transformation ziehe ich jenem der gr&uuml;nen &Ouml;konomie dabei vor. Denn er stellt nicht alleine die &Ouml;konomie ins Zentrum, sondern zeigt auf, dass der Wandel umfassend sein muss. <\/p><p><strong>Und wie darf man sich das genau vorstellen: Dass ein gutes, wichtiges, fortschrittliches Konzept einfach &bdquo;umgestaltet&ldquo;, von anderen Interessen gekapert werden kann? Wie funktioniert so etwas?<\/strong><\/p><p>Der urspr&uuml;ngliche Begriff der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie kam aus eher basisbewegten oder gr&uuml;nen Zusammenh&auml;ngen, wurde dort aber nie ernsthaft theoretisch fundiert oder ernsthaft diskutiert und verschwand alsbald wieder aus der Debatte. <\/p><p>Wachstums- und globalisierungskritische Diskurse sowie soziale Bewegungen streben ja eine viel umfassendere Transformation an und nicht einfach nur ein &ldquo;Ergr&uuml;nen&rdquo; der Wirtschaft. Dieses Ergr&uuml;nen kam allerdings mit den Vorschl&auml;gen eines <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Green_New_Deal\">Green New Deals<\/a> gerade seitens der UNO rund um die Finanzkrise 2007\/2008 als Begriff und Idee in die Welt, jener n&auml;mlich, die Finanz- und Schuldenkrisen mit einem Gr&uuml;nen Investitionsprogramm zu beantworten.<\/p><p>Dann suchten im Vor- und Umfeld des <a href=\"http:\/\/www.uncsd2012.org\/\">2. Erdgipfels<\/a> in Rio de Janeiro 2012 wichtige globale Akteure wie die Weltbank, die OECD und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen nach einer z&uuml;ndenden Idee, die frischen Wind in die Debatte bringen sollte und das alte Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung abl&ouml;sen sollte. Zwar ist dieser Begriff inzwischen in der Tat ziemlich <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143\">inhaltsleer<\/a> geworden. Anders als die Gr&uuml;ne &Ouml;konomie enth&auml;lt er aber zus&auml;tzlich zur &ouml;konomischen wenigstens auch die &ouml;kologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen f&uuml;r &ldquo;Entwicklung&rdquo;. <\/p><p>Insgesamt ist &ndash; auch deshalb &ndash; Gr&uuml;ne &Ouml;konomie inzwischen zu einem Streitthema geworden: Einige Regierungen des Globalen S&uuml;dens und NGOs stellen sich den mit ihr forcierten Entwicklungen in den Weg und machen aus verst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden den inzwischen vollzogenen Begriffswandel nicht mit. Manche Regierungen sehen hinter dem Schleier der Umweltversprechen der neuen Gr&uuml;nen &Ouml;konomie n&auml;mlich, dass sie eher ein weiteres Mal technologisch abgeh&auml;ngt werden k&ouml;nnten. Und soziale Bewegungen und NGOs kritisieren vor allem die neue Indienstnahme der Natur, ihre <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31647\">Merkantilisierung<\/a> und lehnen den Begriff aus diesem Grunde ab. <\/p><p>Ein ganz handfestes Motiv f&uuml;r das Konzept der aktuellen Gr&uuml;nen &Ouml;konomie war und ist: Globale Umweltpolitik soll fortan vor allem und ausschlie&szlig;lich mit &ouml;konomischer Rationalit&auml;t betrieben werden. Weniger Regulierung und weniger politische Gestaltung soll her. Au&szlig;erdem &ndash; so die Argumentation &ndash; sind die &ouml;ffentlichen Kassen zur Finanzierung des Schutzes &ouml;ffentlicher G&uuml;ter leer. Also soll es mehr denn je der Markt mit neuen, marktbasierten Instrumenten richten. Diese sollen fortan die Klima- und Biodiversit&auml;tsschutzpolitik bestimmen. <\/p><p>Die &ouml;konomische Betrachtung des Klimawandels hat sich die UNO in den Klimaverhandlungen l&auml;ngst zu eigen gemacht. Und sie &uuml;bertr&auml;gt sie zunehmend auch auf andere Handlungs- und Politikfelder wie etwa den Schutz der Biodiversit&auml;t. Hier machen auch die Regierungen des S&uuml;dens eifrig mit, allerdings nicht unter dem Label der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie.<\/p><p>Und auch die Weltbank hat den Begriff der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie sehr schnell aufgegriffen. Sie spricht von inklusivem und gr&uuml;nem Wachstum. Hier spielen Aspekte der sozialen Entwicklung durchaus eine wichtige Rolle. Der Kern des Verst&auml;ndnisses ist aber eindeutig, dass Gr&uuml;ne &Ouml;konomie zum neuen Wachstumsmotor werden soll. Wie die Gr&uuml;ne &Ouml;konomie Verteilungsgerechtigkeit organisieren will, dazu findet sich in den Konzepten der Weltbank wenig bis nichts. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Soundcloud\" data-provider-slug=\"soundcloud\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Audios werden Daten an Soundcloud &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Soundcloud zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"300\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"\" class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/234353161&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"soundcloud\">Inhalte von Soundcloud nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung: Interview-Podcast zum Thema &ldquo;Kritik der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie&rdquo; mit den Autorinnen Barbara Unm&uuml;&szlig;ig und Lili Fuhr<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Soundcloud\" data-provider-slug=\"soundcloud\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Audios werden Daten an Soundcloud &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Soundcloud zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"300\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"\" class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/240324696&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"soundcloud\">Inhalte von Soundcloud nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align:center\"><strong>Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung: Interview mit Thomas Fatheuer zur Kritik der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wie verh&auml;lt sich denn die Wirtschaft zur Gr&uuml;nen &Ouml;konomie?<\/strong><\/p><p>Mit den Begriffen <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/dossier-kritik-der-gruenen-oekonomie\">Gr&uuml;ne &Ouml;konomie<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31647\">Bio&ouml;konomie<\/a> k&ouml;nnen die wirtschaftlichen Eliten nat&uuml;rlich viel anfangen. Schlie&szlig;lich treibt es auch die Wirtschaft um, dass immer mehr Ressourcen knapper werden oder was geschieht, wenn die fossilen Energietr&auml;ger wegen des Klimawandels nicht mehr genutzt werden k&ouml;nnen bzw. d&uuml;rfen. Wenn zentrale Produktionsfaktoren wie &Ouml;l <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45127\/1.html\">ausfallen<\/a>, dann braucht es nicht nur Effizienz, sondern auch Ersatz, also Innovation. Deshalb legt auch der Zusammenschluss der Industriel&auml;nder, die OECD, l&auml;ngst Konzepte und sogar freiwillige Selbstverpflichtungen zu diesen Themen vor. <\/p><p>Und Gr&uuml;ne &Ouml;konomie macht ja genau das: Sie sendet die frohe Botschaft: Die Wirtschaft kann gr&uuml;ner werden <em>und<\/em> dabei weiterwachsen! Gr&uuml;ne &Ouml;konomie will gar Motor f&uuml;r mehr Wirtschaftswachstum sein und verspricht, dass uns die Welt, wie wir sie kennen, mit einem effizienteren und ressourcenschonenderen, eben gr&uuml;nen Wachstumsparadigma weitgehend erhalten bleiben kann.<\/p><p>Das Konzept suggeriert, &Ouml;kologie und &Ouml;konomie k&ouml;nnten endg&uuml;ltig vers&ouml;hnt werden &ndash; und zwar unter dem Primat der &Ouml;konomie. &Ouml;konomie ist dabei das Ganze, &Ouml;kologie nur ein Teilsystem, nicht umgekehrt&hellip; Marktversagen, als das der Klimawandel zum Beispiel auch vom fr&uuml;heren Weltbankchef&ouml;konomen Sir Stern bezeichnet wurde, soll also durch noch mehr Markt korrigiert werden. <\/p><p><strong>Das kritisieren Sie ja in aller Deutlichkeit auch in Ihrem Buch: Dass die Gr&uuml;ne &Ouml;konomie die Natur letztlich vollends der &Ouml;konomie unterwerfen, also in den Markt integrieren will. Aber ist es denn nicht eine gute Strategie, der Natur endlich auch einen &ouml;konomischen Wert zu geben? Was passt ihnen daran nicht?<\/strong><\/p><p>Ganz neu ins Spiel kommt mit der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie in der Tat die Strategie, nun auch das zu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31647\">&ouml;konomisieren<\/a>, was bislang &ouml;konomisch nicht bewertet und monetarisiert worden ist, zum Beispiel sogenannte wichtige &Ouml;kosystemdienstleistungen wie etwa die Speicherung von Kohlendioxid durch B&auml;ume und Pflanzen oder die Filterung von Wasser. <\/p><p>Diese Denke ist bereits in den Instrumenten des Klima-, Wald- und Biodiversi&auml;tsschutzes verankert. Das ist also l&auml;ngst keine akademische Debatte mehr, sondern ganz reale Politik &ouml;ffentlicher Geber und privater Akteure und auch von gro&szlig;en Naturschutzorganisationen. <\/p><p>Annahme hierbei ist: Wir zerst&ouml;ren die Natur, weil sie keinen Preis habe und deshalb f&uuml;r das &ouml;konomische Auge unsichtbar sei. W&uuml;rden vor allem Natur und ihre sogenannten Dienstleistungen endlich &ouml;konomisch in Wert gesetzt werden, w&uuml;rde sich das &auml;ndern. Natur soll nun nicht mehr als &Ouml;kosystem oder Natur als Biodiversit&auml;t betrachtet werden, sondern als Naturkapital. <\/p><p>Damit das m&ouml;glich wird, wird Natur neu gemessen, erfasst, &ouml;konomisch bewertet und verrechnet. Die &ldquo;Werte&rdquo; der Natur sollen f&uuml;r die Volkswirtschaft, f&uuml;r das Bruttoinlandsprodukt erfasst und sichtbar werden. Damit wird die Hoffnung verbunden, dass politische Entscheidungen gegebenenfalls zugunsten von Naturerhalt und Biodiversit&auml;tsschutz getroffen werden. Eine h&ouml;chst zweifelhafte Annahme, wie wir finden, unterliegt der Naturschutz doch heute bereits in der Regel &ouml;konomischen Interessen. Soja- oder Maisanbau, Bergbau, Infrastruktur-Fl&auml;chenverbrauch durch landwirtschaftliche Nutzung oder Bauen rangieren fast immer vor den Schutzanliegen.<\/p><p>Und im globalen Klima- und Waldschutz hat die M&ouml;glichkeit, Kohlendioxid relativ gut zu erfassen und zu messen, etwa dazu gef&uuml;hrt, dass Kohlendioxid zu einer Art einer abstrakten, neuen W&auml;hrung geworden ist, ausgedr&uuml;ckt in Kohlendioxid-&Auml;quivalenten. Gemessen werden die Emissionen, aber l&auml;ngst auch die F&auml;higkeit eines Blattes am Baum, Kohlendioxid zu speichern. Kohlendioxid bekommt einen Preis und kann &uuml;ber Zertifikate nun sogar gehandelt werden. Emissionen aus Verbrennung vor unserer Haust&uuml;r werden dann einfach mit der Kohlendioxid-Speicherung verrechnet.<\/p><p>Das ist aus unserer Sicht h&ouml;chst problematisch und &ouml;ffnet neuen sozialen Ungerechtigkeiten und negativen &ouml;kologischen Folgen T&uuml;r und Tor: Emissionen bei uns werden nun zum Beispiel mit Projekten, die Kohlendioxid binden sollen, verrechnet, gerade auch im Globalen S&uuml;den. Es gibt l&auml;ngst zahlreiche Beispiele in Afrika, Asien und Lateinamerika, die dokumentieren, wie im Namen eines solchen Klima- und Naturschutzes Indigene und Kleinbauern vertrieben und etwa gigantische Fl&auml;chenregenw&auml;lder <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143\">abgeholzt<\/a> werden. Mit dieser neuen privaten Aneignung von Natur &ndash; denn Zertifikate brauchen Eigent&uuml;mer &ndash; verlieren viele Menschen ihre Lebensgrundlagen.<\/p><p>Das alles wird zudem aus guten Gr&uuml;nden auch als Ablasshandel bezeichnet, wird hierdurch doch verhindert, dass wir hier bei uns schneller aus den fossilen Energien aus- und in die erneuerbaren einsteigen. <\/p><p>Machen wir uns bewusst: Dieser Form der Inwertsetzung von Natur &uuml;ber den Kohlendioxid-Preis liegt letztlich die Zerst&ouml;rung von Natur oder die weitere Belastung der Atmosph&auml;re zugrunde, die sie marktf&ouml;rmig organisiert statt die Atmosph&auml;re und die Natur zu sch&uuml;tzen: Diese Perspektive f&uuml;hrt zwangsl&auml;ufig zu einem &auml;u&szlig;erst selektiven Blick auf die Natur, n&auml;mlich nur noch auf das, was &ouml;konomisierbar ist. Als &ldquo;Natur, die das Kapital sehen kann&rdquo; hat das richtigerweise ein Umwelt&ouml;konom schon in den 90er Jahren kritisiert. Nicht mehr das ganze &Ouml;kosystem kommt dabei als Sch&uuml;tzenswertes in den Blick, sondern nur noch einzelne monetarisierbare &ldquo;Dienstleistungen&ldquo;. <\/p><p>Auch wird mit den Verrechnungen auf globaler Ebene, die auch als Offsetting bezeichnet werden, ganz Ungleiches miteinander verglichen. Wenn ich hier ein Habitat, ein Moor oder einen Wald zerst&ouml;re, dann sind sie ja erst einmal hier weg und gibt es sie auf einem anderen Kontinent nicht auf vergleichbare Art. &Ouml;kosysteme zeichnen sich doch eben dadurch aus, dass sie extrem standortgebunden sind, am Ort wirken und vielf&auml;ltige soziale, kulturelle und spirituelle Funktionen entfalten k&ouml;nnen. Wir kritisieren das als &auml;u&szlig;erst fatalen Weg, den die Gr&uuml;ne &Ouml;konomie hier vorschl&auml;gt. <\/p><p>Im Buch &auml;u&szlig;ern wir uns auch zum Mantra der Kohlendioxid-Preise als wichtige Strategie im Klimaschutz ausf&uuml;hrlich. Und nat&uuml;rlich setzen wir uns auch intensiv mit dem Technologieoptimismus und der Marktgl&auml;ubigkeit, die der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie zugrunde liegen, auseinander. <\/p><p>Unsere &Uuml;berzeugung ist: Zu glauben, alleine mit Gr&uuml;nem Wachstum umsteuern zu k&ouml;nnen, halten wir f&uuml;r ein gro&szlig;es Glaubens- und Ausblendungsprogramm. Die notwendige Transformation muss radikaler ausfallen. Gerecht, besser und weniger hei&szlig;t dabei der Dreiklang, dem sich die Suchprozesse nach einer anderen Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen haben.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Barbara Unm&uuml;&szlig;ig<\/strong>, geboren 1956 in Freiburg im Breisgau, ist Politologin und Vorstand der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung. Ihr berufliches Engagement f&uuml;r internationale Gerechtigkeit und globalen Umwelt- und Klimaschutz nahm 1983 seinen Anfang als Redakteurin der nord-s&uuml;dpolitischen Zeitschrift &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.iz3w.org\/\">bl&auml;tter des iz3w<\/a>&ldquo; und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Aktion Dritte Welt e. V. in Freiburg. 2000 war sie Mitgr&uuml;nderin des&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\">Deutschen Instituts f&uuml;r Menschenrechte<\/a>&nbsp;(DIMR) und war von 2001-2016 Mitglied im Kuratorium, seit 2009 stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung: Dossier: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/dossier-kritik-der-gruenen-oekonomie\">Kritik der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Barbara Unm&uuml;&szlig;ig: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2015\/11\/05\/9-thesen-zur-kritik-der-gruenen-oekonomie\">9 Thesen zur Kritik der Gr&uuml;nen &Ouml;konomie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Barbara Unm&uuml;&szlig;ig: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2015\/11\/24\/synthetische-biologie-neue-versprechungen-und-alte-machtgefuege\">Synthetische Biologie: Neue Versprechungen und alte Machtgef&uuml;ge<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Brosch&uuml;re: Barbara Unm&uuml;&szlig;ig: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2014\/02\/25\/vom-wert-der-natur\">Vom Wert der Natur: Sinn und Unsinn einer Neuen &Ouml;konomie der Natur<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Ashish Kothari, Federico Demaria und Alberto Acosta: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1007890.im-diesseits-des-wachstums.html\">Im Diesseits des Wachstums<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=28143\">Die L&uuml;ge von der Green Economy<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31647\">Kapitalismus 2.0<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29219\">Wie die industrialisierte Landwirtschaft die Umwelt zerst&ouml;rt<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31260\">Fukushima ist &uuml;berall<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29515\">Unsere gr&uuml;ne Lunge am Limit<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26726\">Unser t&auml;glich Gift<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0765e54bbbb84bb3bcfb3f3eaad7a9bb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160429_unmuessig.jpg\" alt=\"Barbara Unm&uuml;&szlig;ig\" title=\"Barbara Unm&uuml;&szlig;ig\"\/><\/div>\n<p>Der allgemeine Wohlstand und seine &ouml;konomischen und &ouml;kologischen Grundlagen sind in Gefahr, die Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft wird immer gr&ouml;&szlig;er. Das Konzept der &raquo;Gr&uuml;nen &Ouml;konomie&laquo; offeriert hier Abhilfe und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Doch kann die &raquo;gr&uuml;ne&laquo; Technologie eine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33189\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,202,176,30],"tags":[373,284,1619,291,402],"class_list":["post-33189","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-postwachstumskritik","category-umweltpolitik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-oekonomisierung","tag-deregulierung","tag-green-economy","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33189"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33189\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119984,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33189\/revisions\/119984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}