{"id":3320,"date":"2008-07-05T11:05:39","date_gmt":"2008-07-05T09:05:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3320"},"modified":"2015-11-19T11:04:51","modified_gmt":"2015-11-19T10:04:51","slug":"heuschrecken-im-oeffentlichen-raum-public-private-partnership-anatomie-eines-globalen-finanzinstruments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3320","title":{"rendered":"\u201eHeuschrecken im \u00f6ffentlichen Raum: Public Private Partnership \u2013 Anatomie eines globalen Finanzinstruments\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Unter diesem Titel hat Werner R&uuml;gemer wieder ein &uuml;beraus lesenswertes Buch geschrieben.  Es ist ein gut recherchierter und spannend aufbereiteter Sachtext mit vielen weithin unbekannten Fakten &uuml;ber das in England entwickelte Modell der Public Private Partnership (PPP),  &uuml;ber Gewinner und Verlierer und &uuml;ber die Verstrickungen der Politik mit privaten Interessen. Obwohl die Folgen der Privatisierungen immer mehr zu Tage treten und in der Bev&ouml;lkerung weitgehend negativ besetzt sind, hat sich PPP als vermeintliches Heilmittel gegen die Staatsverschuldung etablieren k&ouml;nnen. Inzwischen werden PPP-Modelle mit der Begr&uuml;ndung vorangetrieben, dass der Staat ja Eigent&uuml;mer bleibe, die beteiligten Parteien gleichberechtigt seien und die Investoren &ldquo;nur&rdquo; Bau, Betrieb, Planung und Finanzierung &uuml;bern&auml;hmen. Damit soll den B&uuml;rgern eingeredet werden, dass der Staat, der f&uuml;r die n&auml;chsten 20-30 Jahre zwar die Miete zahlt, aber Eigent&uuml;mer bleibt und damit Mitsprache habe und obendrein noch die verschuldeten &ouml;ffentlichen Haushalte geschont werden k&ouml;nnten. Eine echte Zauberformel? Doch oft steckt dahinter nur fauler Zauber. Von Christine Wicht<br>\n<!--more--><br>\nDie Auseinandersetzung um das Finanzierungsmodell PPP wird in R&uuml;gemers Buch vor allem an Beispielen von konkreten Projekten  gef&uuml;hrt, die seit Jahren laufen und deren praktische Konsequenzen erkennbar sind oder sich zumindest abzeichnen. Zun&auml;chst geht es um Projekte in England, denn dort wurde die &ouml;ffentlich-private Partnerschaft unter der Regierung von Tony Blair als Modell eingef&uuml;hrt. Danach handelt das Buch von ausgew&auml;hlten PPP-Vorhaben in Deutschland, etwa bei Schulen, Messehallen, der Autobahnmaut, Tunnels und schlie&szlig;lich bei der Einf&uuml;hrung von &bdquo;eGovernment&ldquo; in die &ouml;ffentlichen Verwaltungen. Werner R&uuml;gemer untersucht die Einzelheiten dieser PPP-Projekte und zeigt auf, dass es sich dabei meist um Mogelpackungen oder gar um gro&szlig; angelegte T&auml;uschungsman&ouml;ver handelt. <\/p><p>Anhand von Falldarstellungen in Gro&szlig;britannien, mit denen das Buch beginnt, wird aufgezeigt, dass PPP-Modelle, eben nicht, wie von politischen Entscheidungstr&auml;gern immer behauptet wird, g&uuml;nstiger und effizienter sind als staatlich finanzierte, sondern dass sie bei Lichte betrachtet, die &ouml;ffentliche Hand und letztendlich den Steuerzahler, sehr teuer zu stehen kommen k&ouml;nnen.<br>\n1992 startete in Gro&szlig;britannien eine &ldquo;Private Finance Initiative&rdquo; (PFI), dabei &uuml;bernahm der Investor die Vorfinanzierung und die &ouml;ffentliche Hand zahlte eine regelm&auml;&szlig;ige Miete. Damit sollte eine formelle Kreditaufnahme des &uuml;berschuldeten Staates umgangen werden. Diese Initiative konnte sich damals jedoch kaum durchsetzen. Lediglich einige wenige Gef&auml;ngnisbauten wurden auf diese Weise finanziert. Tony Blair warb wenige Jahre sp&auml;ter im Wahlkampf 1997 f&uuml;r eine neue Partnerschaft zwischen Staat und Privatinvestoren und ersetzte das Wort &ldquo;Initiative&rdquo; durch das sympathischer klingende &ldquo;Partnership&rdquo; und den Begriff &ldquo;Finance&rdquo; durch &ldquo;Public&rdquo;. Damit war die Bezeichnung &ldquo;Public Private Partnership&rdquo; geboren. <\/p><p>&Uuml;beraus interessant sind die Ausf&uuml;hrungen zur &ldquo;City of London&rdquo;, der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Konzentration von Banken, Finanzakteuren und Finanzberatern, Versicherungen, Wirtschaftspr&uuml;fern und Wirtschaftsanw&auml;lten, die in enger Beziehung zu den weltweit gr&ouml;&szlig;ten   &bdquo;Finanzoasen&ldquo; stehen und wie die City of London insgesamt als Bastion des Widerstands gegen jegliche Regulierung des Finanzkapitalismus gilt. Am Beispiel des britischen Konsortiums Metronet, das f&uuml;r Unterhalt und Erneuerung der technischen Infrastruktur der Londoner U-Bahn zust&auml;ndig war,  werden Hintergr&uuml;nde und Zusammenh&auml;nge dieses PPP-Modells ausf&uuml;hrlich beschrieben.  Die Vertr&auml;ge waren erst nach der Insolvenz dieses Konsortiums im Jahre 2007 in vollem Umfang einsehbar. Dadurch wurden erstmals die PPP-Strukturen offen gelegt.  Anschaulich beschrieben ist auch, wie eng die Strukturen zwischen Politik und Wirtschaft in Gro&szlig;britannien vernetzt sind und wie gerade die Labour-Regierung PPP-Projekte im Interesse der Investoren vorantrieb. Das wird deutlich an einem regierungsamtlichen Handbuch, in dem beispielsweise zu lesen ist: &bdquo;Es sollte ber&uuml;cksichtigt werden, dass der Gewinn aus der Refinanzierung nur eintritt, wenn das Projekt erfolgreich ist. Dieser Gewinn kann au&szlig;erhalb als eine geeignete Belohnung f&uuml;r die erfolgreiche Implementierung des Projektes gesehen werden.&ldquo;  <\/p><p>Infrastrukturobjekte, sind begehrte Objekte f&uuml;r private Investoren, denn aufgrund der langen Laufzeit und der Instandhaltungsinvestitionen, die der Staat in vielen Jahren mit viel Geld get&auml;tigt hat, sind sie in einem relativ guten Zustand. Investoren k&ouml;nnen eine sichere Rendite erwarten, weil sie einen Vertragspartner mit h&ouml;chster Bonit&auml;t haben und weil die B&uuml;rger auf diese Leistungen angewiesen sind. Aber nicht nur f&uuml;r Investoren sondern auch f&uuml;r die Beraterfirmen sind PPP-Projekte im Infrastrukturbereich hoch attraktiv, da sie f&uuml;r die Ausarbeitung der Durchf&uuml;hrungsstudien und der den Projekten zugrunde liegenden Vertr&auml;ge Honorare in Millionenh&ouml;he in Rechnung stellen k&ouml;nnen, f&uuml;r die letztendlich der Steuerzahler aufkommen muss. Nur ein sehr kleiner Kreis von international t&auml;tigen Baufirmen erh&auml;lt erfahrungsgem&auml;&szlig; den Zuschlag f&uuml;r die &Uuml;bernahme von PPP-Projekten, oft sogar ohne Ausschreibungen. Kleine und mittlere Unternehmen kommen selten zum Zug. Des Weiteren verdienen an PPP-Projekten Lobbyisten, Anw&auml;lte und Banken. <\/p><p>Der Autor portr&auml;tiert Unternehmen wie SKE International LLC, Hochtief, Alfen Consult, Ernst &amp; Young, der Oppenheim-Esch-Holding und Bertelsmann und schl&uuml;sselt dabei die T&auml;tigkeitsfelder und Verkn&uuml;pfungen zwischen Beratern, Politikern und Managern detailliert auf. Der Leser erh&auml;lt somit Vorstellung &uuml;ber die Vorgehensweise bei der Entwicklung der Finanzierungskonstruktionen und der vertraglichen Abwicklung der PPP-Projekte und es wird die Arbeitsweise der Unternehmen beschrieben. <\/p><p>Werner R&uuml;gemer hat &ndash; soweit zug&auml;nglich &ndash; Vertr&auml;ge unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass die Wirtschaftsberatungsunternehmen aufgrund ihres juristischen Fachwissens den Stadtr&auml;ten und Medien haushoch &uuml;berlegen sind. Viele Vertr&auml;ge sind ziemlich undurchsichtig und sie werden unter Geheimhaltung abgeschlossen. Details fallen unter das sog. Betriebsgeheimnis. Den Entscheidungstr&auml;gern liegen die Vertr&auml;ge &uuml;blicherweise nicht in vollem Umfang vor und  unabh&auml;ngige Gutachter stellen sich bei genauerer Betrachtung nicht wirklich als unabh&auml;ngig heraus. Der Autor hat sich m&uuml;hevoll in die Materie eingearbeitet und mit dem Vertragsmodalit&auml;ten vertraut gemacht, die aufgrund ihrer Komplexit&auml;t oft einem Labyrinth gleichen, in dem sich allenfalls noch die Beraterfirmen zurechtfinden. Die juristischen Feinheiten kommen erst viel sp&auml;ter zum Vorschein und kosten den Staat im Nachhinein oft Millionen. Ein wesentlicher Bestandteil der komplexen Vertr&auml;ge sind Steuertricks, die darauf abzielen, dass m&ouml;glichst viele Steuern umgangen oder Steuervorteile genutzt werden. (Was letztlich auch ein Schaden f&uuml;r die Fiskus und damit f&uuml;r die Allgemeinheit darstellt.)  Der Autor nennt Beispiele, dass etwa der feine Unterschied zwischen &bdquo;R&uuml;ckkaufsrecht&ldquo; und einem &bdquo;Vorkaufsrecht&ldquo; den Fiskus teuer zu stehen kommen kann. Wie die beteiligten Unternehmen arbeiten, mit welchen Finessen, mit Kosten, die nicht Vertragsinhalt sind, und die auf die &ouml;ffentliche Hand abgew&auml;lzt werden k&ouml;nnen, ist spannend wie ein Krimi. So muss der Staat  in vielen F&auml;llen f&uuml;r Risiken haften oder b&uuml;rgen, die der private Betreiber nicht &uuml;bernehmen will, weil sie ihm zu unkalkulierbar sind. Der Autor arbeitet dabei heraus, dass die einseitig auf Rendite ausgerichteten Wirtschaftsunternehmen, gerade nicht das wollen, was sie immer propagieren, n&auml;mlich Wettbewerb und Risiko. Dadurch w&uuml;rde ja auch nur ihre Rendite geschm&auml;lert. Die Vertragsinhalte sind oft einseitig zugunsten der privaten Seite ausgestaltet, was aber erst bei der Abwicklung erkennbar ist. Da wird dann erkannt, dass &ndash; wie so oft &ndash; der Teufel im Detail steckt. Der Steuerzahler finanziert im Endeffekt nicht nur die Auftr&auml;ge an die Privatunternehmen, die an den PPP-Projekten beteiligt sind, er muss obendrein f&uuml;r die sog. &bdquo;weiche Kosten&ldquo; aufkommen, die im &bdquo;Kleingedruckten&ldquo; stehen. <\/p><p>Werner R&uuml;gemer erl&auml;utert z.B. was sich hinter den Vereinbarungen &uuml;ber Schiedsverfahrens verbirgt. Bei gr&ouml;&szlig;eren Streitigkeiten bestimmen beide Seiten gleich viele Vertreter in ein Schiedsgericht plus einen &ldquo;neutralen&rdquo; Dritten, auf den sich beide Seiten einigen m&uuml;ssen. Das Schiedsgericht ist privat, der &ouml;ffentliche Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es entscheiden also nicht unabh&auml;ngige Richter &uuml;ber den Streit, sondern nach aller Erfahrung in der Regel Wirtschaftsvertreter und das geschieht anders als bei Streitigkeiten vor Gericht nicht &ouml;ffentlich. <\/p><p>Der Leser bekommt einen Einblick in vertragliche Besonderheiten und wird anhand von konkreten Beispielen dar&uuml;ber aufgekl&auml;rt, was beispielsweise &ldquo;Forfaitierung mit Einredeverzicht&rdquo; bedeutet: Nach der Unterschrift des  Oberb&uuml;rgermeisters, der Oberb&uuml;rgermeisterin oder des Verwaltungschefs\/chefin verkauft der Investor meist den Mietvertrag mitsamt aller Mietforderungen an eine Bank. Die Bank sch&auml;tzt dann den Gesamtwert der Mieten &uuml;ber die gesamte Laufzeit und zahlt diesen Betrag an das Unternehmen (z.B. an einen Baukonzern), nach gewissen Abz&uuml;gen und abgezinst auf den Gegenwartswert, sofort aus. Die Stadt zahlt somit k&uuml;nftig die Miete nicht mehr an den Investor, sondern an die Bank. Die Miete ist somit immer vollst&auml;ndig zu zahlen, unabh&auml;ngig davon, wie der Investor arbeitet und selbst dann noch, wenn er pleite gegangen ist. Der Verkauf von Forderungen wird auch Verbriefung genannt und l&auml;uft unter dem Begriff: Assed Backed Securitisation (ABS). R&uuml;gemer schildert, warum die Forderungen weiterverkauft werden, warum die Forderungsverk&auml;ufer einen Abschlag hinnehmen und wer bei diesen Deals profitiert.<\/p><p>Sehr informativ ist z.B. die Liste der Eigent&uuml;mer der K&ouml;lner Messehallen, eines der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen PPP-Projekte. Werner R&uuml;gemer gibt Einblicke in die Vertragsmodalit&auml;ten, die beteiligten Wirtschaftspr&uuml;fungsgesellschaften und Banken. Der K&ouml;lner Stadtrat hat die Esch-Oppenheim-Immobilienholding damit beauftragt, vier Messehallen zu bauen, die Stadt zahlt daf&uuml;r seit dem Jahr 2006 die stattliche Summe von 20,7 Millionen Euro Miete pro Jahr, die zudem &ldquo;inflationsindexiert&rdquo; ist, was bedeutet, dass die Miete nach einer bestimmten Formel den steigenden Lebenshaltungskosten angepasst wird, wenn diese &uuml;ber zwei Prozent liegen. Aufgrund dessen kann heute noch nicht gesagt werden, wie hoch die Summe ist, die letztendlich tats&auml;chlich gezahlt werden muss.<\/p><p>Die Analyse des Toll-Collect-Projekts, das als PPP-Modell betrieben wird, bringt viele Details ans Tageslicht, die bislang kaum &ouml;ffentlich bekannt waren. In der Presse wurde zwar viel &uuml;ber die Pannen des Projekts berichtet, aber interessanter  f&uuml;r den Leser sind die Informationen &uuml;ber die Art der Auftragsvergabe, die Geheimhaltung, die Privatisierung der Rechtsstreitigkeiten oder warum zur Ermittlung der LKW-Maut ein digitales System &uuml;berhaupt nicht notwendig gewesen w&auml;re. Es werden Toll-Collect-Interessen der Betreiber beschrieben. Sehr interessant ist die hoch subventionierte Realisierung des Projekts mit den dahinter stehenden &uuml;ber das deutsche Projekt hinausgehenden gesch&auml;ftlichen Interessen der privaten Betreiber. Die Gesch&auml;ftsbereiche von DaimlerCrysler &ldquo;Global Toll Services&rdquo; und &ldquo;Mobile Application Services&rdquo;, deren operative Basis 100 Tochterunterunternehmen in 38 Staaten sind und die 10-prozentige Beteiligung des dritten Gesellschafters des Toll-Collect-Konsortiums, des franz&ouml;sischen Unternehmens Cofiroute (Compagnie Finani&egrave;re et Industrrielle des Autoroutes S.A.) werden ausf&uuml;hrlich geschildert. Cofiroute ist eine Tochtergesellschaft des Baukonzerns Vinci, der in Frankreich eine 900 Kilometer lange Autobahn privat finanziert, baut und betreibt. Das Unternehmen betreibt auch in den USA eine Autobahn, die &uuml;ber Maut finanziert wird. Von Cofiroute stammt der Vorschlag, die Autobahnen in Deutschland komplett privaten Betreibern zu &uuml;berlassen und Mautgeb&uuml;hren auch f&uuml;r PKWs zu erheben.<br>\nWerner R&uuml;gemer legt am Beispiel des Toll-Collect-Projekts dar, wie die Prozedur von Price Waterhouse Coopers, KMPG und der Kanzlei Freshfields vorbereitet und arrangiert wurde und dass die Bundesregierung an die Berater zwischen den Jahren 1999 und 2003 nach bisheriger Kenntnis 15,6 Millionen Euro Honorar gezahlt hat. Das entspricht einer Steigerung von 90 Prozent gemessen an der anf&auml;nglich vereinbarten Summe von 8,2 Millionen Euro.<\/p><p>Werner R&uuml;gemer geht in seinem Buch schlie&szlig;lich auch noch auf Vorhaben zum sog. &bdquo;eGovernment&ldquo; ein, der Einf&uuml;hrung der elektronischen Verwaltung also. Das Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleistungsunternehmen Accenture hat beispielsweise in der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit den &bdquo;virtuellen Arbeitsmarkt&ldquo; eingerichtet. F&uuml;r die Stadt Erlangen hat Accenture einen Vorschlag erarbeitet, wonach mittels &bdquo;eGovernment&ldquo; etwa durch Verringerung von Beh&ouml;rdeng&auml;ngen und Personal j&auml;hrlich mehrere Millionen eingespart werden sollen.<br>\nDer Autor beschreibt anhand von Beispielen aus W&uuml;rzburg und East Riding in England wie die Bertelsmann-Stiftung mit ihren Tochterunternehmen Arvato AG und Arvato Government als Agentur zur Markterschlie&szlig;ung des weiten Feldes der &ouml;ffentlichen Verwaltung f&uuml;r den Bertelsmann-Konzern t&auml;tig ist. Die Problematik, dass dabei von privaten Unternehmen &uuml;ber eGovernment auch alle erreichbaren Daten der Nutzer heimlich gesammelt, ausgewertet, neu verkn&uuml;pft und weiterverkauft werden, wird anschaulich aufgezeigt.<\/p><p>Medien, Regierungen und Vertreter der Wirtschaft propagieren quasi &bdquo;gleichgeschaltet&ldquo; die Vorteile von PPP-Modellen im Gegensatz zu staatlich erbrachten Leistungen. PPP ist zu einem Zauberwort geworden, weil die Betreiber auftreten, als w&uuml;rden sie praktisch alle Leistungen in einer &bdquo;all inclusive Variante&ldquo; erbringen. Die verh&auml;ngnisvollen Verhei&szlig;ungen, trotz klammer Kassen, weiter investitionsf&auml;hig zu sein, sind f&uuml;r viele Politiker der Hauptgrund, sich auf die PPP-Projekte einzulassen. Das b&ouml;se Erwachen kommt meist erst viel sp&auml;ter, und &uuml;ber die Folgekosten oder &uuml;ber auftretende Schwierigkeiten und M&auml;ngel oder &uuml;ber die schlechte Erf&uuml;llung der versprochenen Leistungen wird in der &Ouml;ffentlichkeit kaum noch berichtet, weil die Dinge kaum jemand durchschaut. <\/p><p>Das Buch sollte eine Pflichtlekt&uuml;re sein f&uuml;r alle gl&uuml;henden Bef&uuml;rworter der PPP-Modelle sein. Es w&uuml;rde ihnen die Augen &ouml;ffnen, denn sie werden viele gute Gr&uuml;nde darin finden, warum der Staat besser die Finger von PPP-Projekten lassen sollte. Das Buch gibt PPP-Kritikern viele fundierte und gut belegte Argumente an die Hand. Es ist auch hervorragend geeignet zum Nachschlagen, wenn in den Medien ein Unternehmen im Zusammenhang mit PPP erw&auml;hnt wird. <\/p><p>Es steht jedoch zu bef&uuml;rchten, dass die Entscheidungstr&auml;ger weder Zeit, noch den n&ouml;tigen Sachverstand, noch Interesse daran haben, sich mit den komplexen Inhalten der oft tausende Seiten umfassenden PPP-Vertr&auml;ge kritisch auseinanderzusetzen. Weder in den Verwaltungen noch in den politischen Entscheidungsgremien d&uuml;rfte der Sachverstand vorhanden sein, solche Vertragswerke zu durchschauen. Man muss sich deshalb auf die Berater verlassen und die sind nat&uuml;rlich Partei, denn sie verdienen das schnellste Geld bei diesen Projekten, und wenn etwas schief l&auml;uft, gibt es kaum rechtliche M&ouml;glichkeiten sie zu Verantwortung zu ziehen. Sie hatten ja alles in die Vertr&auml;ge hineingeschrieben und die politischen Instanzen haben schlie&szlig;lich entschieden und sind letztverantwortlich.  Und welcher B&uuml;rgermeister oder welcher Regierungschef w&uuml;rde nachtr&auml;glich zugeben, dass er den Steuerzahler gesch&auml;digt hat. Da nahezu alle Parteien PPP-Projekte unterst&uuml;tzen, sitzen sie auch alle im gleichen Boot und die Gegner der Vorhaben in den Entscheidungsgremien sind im Regelfall &uuml;berfordert die verzwickte und verwinkelte Materie aufzuarbeiten. Wer will und wer k&ouml;nnte nach mehreren Jahren auch noch jemand f&uuml;r eine Fehlentscheidung zur Verantwortung ziehen? Meist sind die Verantwortlichen dann l&auml;ngst nicht mehr im Amt und ihren Nachfolgern bleibt nur noch die Pflicht die vertraglichen Verpflichtungen zu erf&uuml;llen. Der Schaden trifft ja nur den Steuerzahler und der kann sich ohnehin nicht wehren.<\/p><p><em>Das Buch <strong>&ldquo;Heuschrecken im &ouml;ffentlichen Raum<br>\nPublic Private Partnership &ndash; Anatomie eines globalen Finanzinstruments -&rdquo;<\/strong> kostet 16,80 Euro und ist im Transcriptverlag erschienen.<\/em> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter diesem Titel hat Werner R&uuml;gemer wieder ein &uuml;beraus lesenswertes Buch geschrieben. Es ist ein gut recherchierter und spannend aufbereiteter Sachtext mit vielen weithin unbekannten Fakten &uuml;ber das in England entwickelte Modell der Public Private Partnership (PPP), &uuml;ber Gewinner und Verlierer und &uuml;ber die Verstrickungen der Politik mit privaten Interessen. 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