{"id":33212,"date":"2016-05-02T10:02:12","date_gmt":"2016-05-02T08:02:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33212"},"modified":"2024-08-22T05:10:55","modified_gmt":"2024-08-22T03:10:55","slug":"es-herrscht-klassenkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33212","title":{"rendered":"\u201eEs herrscht Klassenkampf\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160502_demirel.jpg\" alt=\"&Ouml;zlem Alev Demirel\" title=\"&Ouml;zlem Alev Demirel\"><\/div><p>Armut in Deutschland? Haben wir <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29066\">nicht<\/a>! Angst vor zu niedriger Rente? Alles <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/vorsorge\/altersvorsorge-sparen\/gesetzliche-rente-die-sorge-vor-altersarmut-ist-uebertrieben\/11529146.html\">Einbildung<\/a>! &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/generaldebatte-im-bundestag-merkel-deutschland-geht-es-so-gut-wie-nie-zuvor\/4584808.html\">Deutschland geht es so gut wie nie zuvor!<\/a>&ldquo;. Behauptet zumindest Merkel und mit ihr die gro&szlig;e Politik. Anders sieht das die Linkspartei Nordrhein-Westfalen und will anhand eines gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/sozialgipfel\">Sozialgipfels<\/a> eine sozialpolitische Offensive forcieren. Nicht nur, aber auch, weil sie wei&szlig;, dass dem Rechtspopulismus von AfD und anderen mit <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/47\/47975\/1.html\">dummen Phrasen<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201501093374\/politik\/inland\/die-grosse-aggressionsverschiebung.html\">moralischen Appellen<\/a> nicht beizukommen sein wird und die neoliberalen Parteien bereits zum n&auml;chsten Angriff auf den Sozialstaat <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/politik\/deutschland\/rente-mit-70-junge-union-fuer-anstieg-des-rentenalters-aid-1.5920168\">blasen<\/a>. &Uuml;ber die politisch gewollte Armut im Land und was gegen diese getan werden muss sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit <strong>&Ouml;zlem Alev Demirel<\/strong>, Landessprecherin der Linkspartei Nordrhein-Westfalen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5298\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33212-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33212-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160516_Es_herrscht_Klassenkampf_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Demirel, am 7. Mai veranstaltet die Linke Nordrhein-Westfalen unter dem Motto &bdquo;Zeit f&uuml;r Ver&auml;nderung&ldquo; einen <a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/sozialgipfel\">Sozialgipfel<\/a>, auf dem unter anderem Ulrich Schneider und Sahra Wagenknecht <a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/sozialgipfel\/programm\/\">referieren<\/a>. Warum dieser Gipfel? Was ist Ihre Intention?<\/strong><\/p><p>In NRW w&auml;chst die Armut noch schneller als in anderen Teilen der Republik. Insbesondere das Ruhrgebiet geh&ouml;rt zu den gr&ouml;&szlig;ten Armutsregionen des Landes. Doch l&auml;ngst ist Armut nicht nur hier bittere Alltagsrealit&auml;t: Arm trotz Arbeit und in der Rente, Arm durch Hartz IV, Arm durch horrend hohe Mieten.<\/p><p>Das alles gibt es in NRW &uuml;berproportional h&auml;ufig. Und dies, obwohl Hannelore Kraft mal versprochen hatte, kein Kind zur&uuml;ckzulassen. Von einer wirklich sozial orientierten Politik der Landesregierung kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Genauso wie die Armut w&auml;chst, ist NRW auch das Bundesland, in dem sich der Reichtum konzentriert &ndash; aber eben nur in den H&auml;nden einiger Weniger.<\/p><p>Seit der letzten Landesvorstandswahl haben wir das Thema Armut in den Fokus unserer politischen Arbeit genommen. Dabei geht es uns &ndash; anders als viele meinen &ndash; nicht lediglich um Sozialpolitik im engeren Sinne. Denn die soziale Frage zieht sich durch <em>alle<\/em> Lebensbereiche und Politikfelder.<\/p><p><strong>Was hei&szlig;t das konkret f&uuml;r ihren Sozialgipfel&hellip;?<\/strong><\/p><p>Wir haben diesen Sozialgipfel so konzipiert, dass wir verschiedene, gesellschaftspolitisch wichtige Themen, verkn&uuml;pft mit der sozialen Frage, diskutieren. So werden neben den klassischen, sozialpolitischen Themen etwa auch die Themen &Ouml;kologie, direkte Demokratie, Bildung, Migration und weitere in neun verschiedenen Foren besprochen. &nbsp;<\/p><p>Wir haben daf&uuml;r viele renommierte und fachkundige Referierende aus der Wissenschaft &ndash; etwa die Professoren Bontrup und Hickel &ndash;, wichtigen Verb&auml;nden und Organisationen sowie f&uuml;r den kulturellen Abschluss den bekannten Kabarettisten Fritz Eckenga gewinnen k&ouml;nnen. Es werden insbesondere viele Vertreter*innen aus Gewerkschaften und Sozialverb&auml;nden sowie von Selbsthilfeorganisationen beim Gipfel sein. <\/p><p>Das ist uns besonders wichtig, denn die soziale Frage zu behandeln, hei&szlig;t nicht nur dar&uuml;ber reden oder stellvertretend f&uuml;r die Menschen und ihre Organisationen in Parlamenten vertreten sein, sondern mit den Betroffenen gemeinsam f&uuml;r Ver&auml;nderung k&auml;mpfen. Statt irgendwelcher abstrakten Debatten in der Partei&nbsp;von oben wollen wir in NRW fl&auml;chendeckend diesen Ansatz st&auml;rken. &nbsp;<\/p><p><strong>Welche Folgen zeitigt diese allgemeine Armut denn konkret? Ich meine: Es gibt ja medienwirksame Stimmen, die meinen, wir gesellschaftlichen Linken sollten mit unserem &bdquo;Gejammere&ldquo; mal lieber die Klappe halten, absolute Armut g&auml;be es ja nicht, in Deutschland sei alles viel besser als andernorts usw. usf.<\/strong><\/p><p>Ich finde diese Debatte um absolute oder relative Armut ziemlich heuchlerisch. Armut und Reichtum sind nun einmal zwei Seiten ein und derselben Medaille und m&uuml;ssen dementsprechend auch immer in Relation zueinander betrachtet werden. <\/p><p>Und ganz ehrlich: Welche Leute sind es denn, die den Menschen hier eintrichtern, dass sie nicht jammern sollen? Ich gehe mal davon aus, dass es nicht dieselben sind, die im Alter Flaschen sammeln m&uuml;ssen&hellip;<\/p><p>Armut kann eben auch bedeuten, in die eigenen vier W&auml;nde eingesperrt zu sein, manchmal sogar einsam, weil man es sich eben nicht leisten kann, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im &ouml;ffentlichen Raum kann mittlerweile sogar ein Klobesuch, eine Bahnfahrt oder Hunger und Durst zu einem Hindernis werden. Armut kann bedeuten, den eigenen Kindern einiges vorenthalten zu m&uuml;ssen, wie einen Zoobesuch oder dass Kinder eben nicht dieselben Chancen in einem selektiven Bildungssystem haben. Und immer &ouml;fter bedeutet Armut eben auch, arbeiten zu m&uuml;ssen, bis man umf&auml;llt oder <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/karriere\/2016-01\/praesentismus-grippe-arbeit-krankheit\">krank<\/a> wird, damit wenigstens die eigene Familie sich etwas leisten kann, aber dann eben keine Zeit mehr zu haben, das Leben gemeinsam zu genie&szlig;en.<\/p><p><strong>Wo Sie es gerade ansprachen&hellip; Abstrakte, entfremdete Debatten &ndash; das ist es, wie ich Parteipolitik oftmals erlebe. Und ich denke, dieses Narzisstentum in der Politik, gepaart mit parlamentarischer Entfremdung, das ist dann auch einer der Hauptgr&uuml;nde daf&uuml;r, dass die Menschen keine Lust mehr haben auf &bdquo;Politik&ldquo;. Sie sind dabei gar nicht &bdquo;politikverdrossen&ldquo;, sondern es nur leid, zu Objekten apodiktischer Parolen gemacht zu werden, denen es kaum einen Deut wirklich um sie selber geht. <\/strong><\/p><p>In der Tat sind viele Menschen nicht apolitisch, sondern haben schlicht keine Lust mehr auf das, was ihnen in diesem Land die ganze Zeit als Politik verkauft wird. N&auml;mlich Gerede von oben &ndash; weit weg von ihrer Lebensrealit&auml;t &ndash; gepaart mit einer Arroganz und angeblichen Alternativlosigkeit, die den Leuten dann auch in vielen Medien als &bdquo;Realpolitik&ldquo; verkauft wird. <\/p><p>Aber mal ehrlich, was ist denn Politik in diesem Land und wor&uuml;ber bestimmt sie? Politik spielt in allen Lebensbereichen eine Rolle, in denen sich Menschen bewegen. Von der Mobilit&auml;t bis zur Rente wird dabei alles von der herrschenden Wirtschaftsordnung bestimmt und die Entscheidungen der Politik haben daher &bdquo;marktkonform&ldquo; zu sein. Alles andere wird mit Begriffen wie &bdquo;Wahnsinn&ldquo;, &bdquo;Fundi&ldquo;, &bdquo;linke Spinner&ldquo; oder &bdquo;realit&auml;tsfern&ldquo; und &bdquo;utopisch&ldquo; abgetan. <\/p><p>Dabei ist doch die eigentliche Illusion, zu glauben, dass ein System, das immer mehr Ungerechtigkeiten und Ungleichgewichte produziert, stabil und als solches dann auch noch die letzte Stufe der Geschichte sein kann. Die Frage muss, wie ich finde, doch vielmehr <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/48\/48034\/1.html\">lauten<\/a>: &ldquo;Warum sollen wir uns mit so einer wirtschaftlichen Ordnung abfinden?&rdquo; Fakt ist: Armut ist logische Konsequenz dieser Wirtschaftsordnung und Politik.<\/p><p><strong>Wie kann man solchen Entfremdungstendenzen denn entgegentreten? Pers&ouml;nlich und als Partei&hellip; Gibt es in Ihrem Vorstand, in Ihrer Landesfraktion denn Personen, die konkrete Erfahrungen mit Armut haben, Personen etwa, die lange Hartz IV bezogen haben oder &auml;hnliches?<\/strong><\/p><p>Armut ist nicht nur Hartz IV, sondern hat l&auml;ngst viele Facetten. Man muss auch nicht arm sein, um gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt zu k&auml;mpfen, aber ja, es gibt auch viele in unseren Reihen, die Armut aus ihrem eigenen Leben kennen. Und: K&ouml;nnen sie mir &uuml;berhaupt noch jemanden nennen &ndash; vor allem in der j&uuml;ngeren Generation &ndash; der nicht auch Existenz&auml;ngsten ausgesetzt war oder nach wie vor ist? Die Schicht derjenigen, die nie in die Gefahr geraten, einmal richtig abzurutschen, wird doch immer kleiner.<\/p><p>Das Hauptproblem ist auch, dass viele Menschen nur das, was in Parlamenten geschieht, als &bdquo;die Politik&ldquo; wahrnehmen und lediglich &bdquo;professionelle Politiker&ldquo;, also Abgeordnete und hauptberufliche Amtstr&auml;ger als politisch relevante Gr&ouml;&szlig;en  wahrnehmen. Dabei verkennen sie, dass es ebenso Politik ist, wenn sie auf die Stra&szlig;e gehen und f&uuml;r bessere Arbeits- und Lebensbedingungen demonstrieren. Politik hei&szlig;t eben nicht nur abgedroschene Phrasen von irgendwelchen selbsternannten oder gew&auml;hlten Stellvertretenden zu h&ouml;ren, sondern auch, sich mit Freunden &uuml;ber die Rente zu unterhalten oder sich daf&uuml;r einzusetzen, dass es bessere Lernbedingungen f&uuml;r unsere Kinder gibt, gegen TTIP demonstrieren und vieles mehr. <\/p><p>Ohnehin sollte man nicht vergessen, dass die wahre Ver&auml;nderung erst dann beginnt, wenn man diese Dinge, die einen auch im Alltag besch&auml;ftigen, in die &Ouml;ffentlichkeit zu tragen, dar&uuml;ber zu diskutieren und f&uuml;r Alternativen zu streiten beginnt. Letztlich ist die Macht der Stra&szlig;e auch um ein Vielfaches gr&ouml;&szlig;er als die Macht der Parlamente.  <\/p><p><strong>Ist es nicht komisch, wenn sie als professionelle Politikerin, die ja auch selber mal im Parlament gesessen hat, sowas sagen. Warum m&ouml;chten sie da &uuml;berhaupt noch in die Parlamente kommen?<\/strong><\/p><p>Gleichwohl w&uuml;rde ich nie behaupten, dass die Parlamente unwichtig sind. Ich m&ouml;chte nur dem Eindruck entgegenwirken, dass es ausschlie&szlig;lich die parlamentarische Ebene ist, auf der Politik gemacht wird. Dies stellt die Realit&auml;t auf den Kopf. Selbstverst&auml;ndlich muss man auch die M&ouml;glichkeiten der parlamentarischen Ebene nutzen. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass Ver&auml;nderungen in Parlamenten eingeleitet werden. <\/p><p>Ich gebe Ihnen mal zwei Beispiele aus meiner Zeit als Landtagsabgeordnete. W&auml;hrend dieser Zeit sind in NRW etwa die Studiengeb&uuml;hren abgeschafft und die Abwahl von B&uuml;rgermeistern erm&ouml;glicht worden. Beides w&auml;re noch wenige Jahre zuvor undenkbar gewesen. Nur durch erheblichen, gesellschaftlichen Druck hat sich eine Mehrheit auch im Parlament hinter diesen Anliegen formiert. Und wir als Linkspartei-Abgeordnete haben versucht, diesen Protest und Unmut ins Parlament zu tragen und durch Gesetzesinitiativen und parlamentarische Arbeit hier positive Fortschritte erreicht. Deshalb ist es wichtig, dass wir als LINKE auch stark in Parlamente einziehen. Doch das allein reicht nicht!   <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie festmachen, woran es liegt, dass die AfD und &auml;hnliche &bdquo;Vereine&ldquo; gerade tausende auf die Stra&szlig;en bekommen, von linken Demos aber kaum etwas zu sehen ist? Da scheinen die Rechten ja irgendetwas &bdquo;besser&ldquo; zu machen als die Linken oder irre ich mich?<\/strong><\/p><p>Naja, dass die AfD in NRW tausende auf die Stra&szlig;e bekommen h&auml;tte, w&auml;re mir neu. Ich denke, Sie spielen da auf die Pegida-Demonstrationen in Dresden an. Ich kann ihnen aber berichten, dass bei jeder Demonstration der Rechten hier in NRW mindestens das Doppelte an Gegendemonstranten teilgenommen hat. <\/p><p>Daneben gab es in der vergangenen Zeit zahlreiche Mobilisierungen, die definitiv nicht als rechts bezeichnet werden k&ouml;nnen. Ich denke da an die Streiks im letzten Jahr f&uuml;r bessere L&ouml;hne oder Arbeitsbedingungen oder die Blockupy-Demonstrationen sowie die Massendemonstrationen gegen TTIP in Berlin und Hannover. W&auml;hrend es aber bei den Pegida-Demonstrationen st&auml;ndig hie&szlig;, dass die Sorgen der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger ernst genommen werden m&uuml;ssen, habe ich entsprechende &Auml;u&szlig;erungen nie in Bezug auf Blockupy oder die Proteste gegen TTIP wahrgenommen.  <\/p><p>Aber ja, ich w&uuml;rde mir auch noch mehr und vor allem schlagkr&auml;ftigeren Protest w&uuml;nschen, insbesondere auch gegen die unz&auml;hligen Kriege auf dieser Welt, an denen auch die Bundesrepublik und die EU direkt oder indirekt mitbeteiligt sind.<\/p><p><strong>Da habe ich mich wohl missverst&auml;ndlich ausgedr&uuml;ckt, Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht in die Position bringen, dass Sie sich rechtfertigen. Was ich meinte, war: Die AfD hat massiven Zulauf und steht hoch in der W&auml;hlergunst, die Erfolge Ihrer Partei stagnieren hingegen und trotz allen Parlamentarismus hat es die Linke weder geschafft, die Massen, damit meine ich die Millionen, die notwendig w&auml;ren, um Schlagkraft zu erlangen, zu mobilisieren, um Hartz IV endg&uuml;ltig abzuschaffen, noch sonst Bahnbrechendes f&uuml;r die soziale Gerechtigkeit in der sogenannten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/47\/47975\/1.html\">Realpolitik<\/a>&ldquo; durchzusetzen. Kluge Positionen und wunderbare Analysen gibt es da; was aber hilft das den Menschen, die in diesem Lande im Elend leben und seit vielen Jahren auf <em>reale<\/em> Verbesserungen Ihrer Lebensbedingungen warten? Wen wundert es da, wenn sich die Leute in der Not nun auch dem Strohhalm AfD zuwenden, der Ihnen mittels Rassismus und Nationalismus glaubhaft zu machen versucht, <em>endlich<\/em> wirklich etwas f&uuml;r sie zu tun?<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich ist wohl ein Teil des Problems, dass wir uns zu viel um die parlamentarische Arbeit gek&uuml;mmert haben und dabei zu wenig gemeinsam mit den Menschen vor Ort aktiv waren oder nicht ausreichend dazu beigetragen haben, dass gesellschaftliche Bewegungen aufgebaut werden. Unser Landesverband hatte lange Zeit den Banner &bdquo;Ver&auml;nderung beginnt durch Opposition&ldquo; verinnerlicht. <\/p><p>Doch wo beginnt Opposition? Erst im Parlament? Ich w&uuml;rde sagen, Opposition beginnt im Bewusstsein der Leute. Diese m&uuml;ssen wir mitnehmen. Wenn wir einfach nur in den Parlamenten laut &bdquo;Nein&ldquo; zu allem sagen, werden wir die Menschen auch nicht erreichen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/NgKBRaguVM8\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong><a href=\"http:\/\/nationalearmutskonferenz.de\/\">Nationale Armutskonferenz<\/a>: &bdquo;Armut ist politisch gewollt&ldquo;<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/K5gP44dBIgI\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center\"><strong>Mobilisierungsvideo f&uuml;r den &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/sozialgipfel\">Sozialgipfel NRW<\/a>&ldquo;: &bdquo;Charly teilt den Reichtum&ldquo;<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Nun <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/politik\/parteien-gysi-wirbt-fuer-rot-rot-gruen-auf-bundesebene-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-151223-99-543655\">argumentieren<\/a> zurzeit aber ja auch Gysi und andere Parteigr&ouml;&szlig;en f&uuml;r Rot-Rot-Gr&uuml;n. Das sei unabdingbar notwendig, um den &bdquo;Rechtsruck&ldquo; im Lande zu unterbinden. Sie fordern damit eine finale Assoziation der letzten wirklichen Oppositionskraft in das parlamentarische System. Meinen Sie, durch derlei Einbindung in Strukturen k&ouml;nne Schlimmeres verhindert werden? Und wieso? Ich meine, wenn ich so an die SPD denke, die diesen Weg seit Jahrzehnten beschreitet, f&auml;llt mir unter dem Stichwort &bdquo;Verhinderung von Schlimmerem&ldquo; vor allem ein, dass wir dieser das gr&ouml;&szlig;te Verarmungsprogramm und den ersten Krieg mit deutscher Beteiligung seit 1945 verdanken&hellip;<\/strong><\/p><p>Das Argument des kleinen &Uuml;bels ist ein Totschlagargument und wie Sie ja richtig beschreiben, trifft es vielfach noch nicht einmal zu. Wobei ich meine, dass es bei einer tats&auml;chlichen faschistischen Regierung nicht um diese Frage ginge. Da w&auml;re die Linke tats&auml;chlich in der Pflicht, solch eine Entwicklung mit breiten B&uuml;ndnissen zu verhindern. <\/p><p>Es w&auml;re aber v&ouml;llig verfehlt, dies auf die Regierungsfrage zu reduzieren. Regierungen haben den Faschismus noch nie verhindert. Lediglich mit einer Parlamentsmehrheit entzieht man rassistischem Gedankengut n&auml;mlich weder den N&auml;hrboden noch gibt man die richtigen Antworten darauf. <\/p><p>Dar&uuml;ber sprachen wir ja schon: Aktuell w&auml;hlen Menschen aus Protest oder getrieben von rassistischen Ressentiments die sogenannte AfD. Unsere wichtigste Aufgabe ist es daher zurzeit, jetzt nicht irgendwelche Farbenspiele zu beginnen, sondern den Menschen, die von Abstiegs- und Existenz&auml;ngsten geplagt sind, deutlich zu machen, dass die wahren Ursachen f&uuml;r ihre soziale Situation weder der muslimische <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30456\">Nachbar<\/a> von nebenan noch die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30582\">Gefl&uuml;chtete<\/a> sind. Ja, dass ganz im Gegenteil auch diese beiden in aller Regel Opfer derselben Habgier und des Systems in diesem Land wie weltweit geworden sind. Dieses System entzieht uns <em>allen<\/em> zunehmend die Existenzgrundlage, weltweit.<\/p><p>Es ist daher heute wichtiger denn je, zu erkennen, dass die Grenzen nicht zwischen den Religionen, Kulturen oder Nationalit&auml;ten, sondern zwischen Arm und Reich, zwischen unten und oben, verlaufen. <\/p><p><strong>Ich w&uuml;rde sogar die These wagen, dass, betrachtet man sich einmal die Entwicklung von SPD und Gr&uuml;nen, gerade jene, die heute alles daf&uuml;r tun, Rot-Rot-Gr&uuml;n zu erm&ouml;glichen, wom&ouml;glich in einigen Jahren auch jene sind, die mit Hartz 2020 den finalen Sieg der &bdquo;sozialen Gerechtigkeit&ldquo; zu feiern in der Lage w&auml;ren; dass also etwa beispielsweise Rot-Rot-Gr&uuml;n den Regelsatz dann um 25 Euro erh&ouml;ht und damit &bdquo;endlich&ldquo; die Armut um Lande f&uuml;r beseitigt erkl&auml;rt. So l&auml;uft doch Politik &ndash; und so scheint er Menschen und Parteien zu zerm&uuml;rben auf dem bedingungslosen Weg &bdquo;zur Macht&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Diese Gefahr besteht, aber das muss nicht sein. Letztlich muss man sich entscheiden, in wessen Interesse man Politik machen m&ouml;chte. Wir m&uuml;ssen uns entscheiden. Im Interesse der lohnabh&auml;ngigen Klasse und damit der 99 Prozent &ndash; oder im Interesse des Kapitals. Diese Interessen stehen im Widerspruch zueinander. Kurz: Es herrscht <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23757\">Klassenkampf<\/a>.<\/p><p>Dementsprechend h&auml;ngt auch alles von diesen K&auml;mpfen und den gesellschaftlichen Dynamiken ab und ist weder statisch noch lediglich vorherbestimmt durch die vergangene Entwicklung.<\/p><p><strong>Was konkret erhoffen Sie sich diesbez&uuml;glich denn von Ihrer Tagung? Und aber auch ganz allgemein: Wie k&ouml;nnen wir, die 99 Prozent, wie Sie sagen, unsere Chancen in diesem aussichtslos scheinenden Kampf denn verbessern? Was t&auml;te not, ganz konkret?<\/strong><\/p><p>Uns ist nat&uuml;rlich klar, dass wir mit einer Tagung nicht von heute auf morgen die Welt ver&auml;ndern werden. Es geht uns aber darum, eine Debatte zu starten und mit vielen realen und potenziellen B&uuml;ndnispartnern zusammen zu kommen, ihnen zuzuh&ouml;ren und daran f&uuml;r die weitere Arbeit anzukn&uuml;pfen. <\/p><p>Wir w&uuml;rden uns freuen, wenn m&ouml;glichst viele Menschen am 7. Mai mit uns gemeinsam dar&uuml;ber diskutieren, wie wir ein sozialeres NRW erreichen k&ouml;nnen. Von dieser Tagung kann ein starkes Signal ausgehen, dass wir im kommenden Jahr in ganz NRW st&auml;rker vor Ort pr&auml;sent sein wollen und die soziale Frage in all ihren Facetten zum Thema machen.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>&Ouml;zlem Alev Demirel<\/strong>, Jahrgang 1984, engagierte sich bereits als Sch&uuml;lerin politisch. Sie war Mitglied im Landesvorstand der Landessch&uuml;lerInnenvertretung Nordrhein-Westfalen, langj&auml;hriges Mitglied im Bundesvorstand der DIDF-Jugend sowie deren Bundesvorsitzende. 2010 wurde sie &uuml;ber die Landesliste&nbsp;der Linkspartei in den nordrhein-westf&auml;lischen Landtag gew&auml;hlt. Aktuell ist sie Landessprecherin der Linkspartei Nordrhein-Westfalen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Webseite: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/sozialgipfel\">Sozialgipfel NRW<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Webseite: &bdquo;<a href=\"http:\/\/nationalearmutskonferenz.de\/\">Nationale Armutskonferenz<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201501093374\/politik\/inland\/die-grosse-aggressionsverschiebung.html\">Die gro&szlig;e Aggressionsverschiebung. &Uuml;ber Pegida, diffuse &Auml;ngste und die Reaktion der Politik<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Die neoliberale Indoktrination<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25168\">Die Hartz IV-Ideologie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32959\">Die Armen sind nicht sozial schwach!<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26257\">Erst 730 Euro Hartz-IV-Satz decken das soziokulturelle Existenzminimum<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0d53ccd7b8544082a6d1728000d1b926\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160502_demirel.jpg\" alt=\"&Ouml;zlem Alev Demirel\" title=\"&Ouml;zlem Alev Demirel\"\/><\/div>\n<p>Armut in Deutschland? Haben wir <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=29066\">nicht<\/a>! Angst vor zu niedriger Rente? Alles <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/vorsorge\/altersvorsorge-sparen\/gesetzliche-rente-die-sorge-vor-altersarmut-ist-uebertrieben\/11529146.html\">Einbildung<\/a>! &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/generaldebatte-im-bundestag-merkel-deutschland-geht-es-so-gut-wie-nie-zuvor\/4584808.html\">Deutschland geht es so gut wie nie zuvor!<\/a>&ldquo;. Behauptet zumindest Merkel und mit ihr die gro&szlig;e Politik. 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