{"id":33232,"date":"2016-05-03T09:23:40","date_gmt":"2016-05-03T07:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33232"},"modified":"2019-07-09T11:18:09","modified_gmt":"2019-07-09T09:18:09","slug":"aus-dem-schatten-heraus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33232","title":{"rendered":"Aus dem Schatten heraus"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160503_heroin.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Dass westliche Geheimdienste mit dem globalen Drogenhandel vernetzt sind, wird heutzutage teils immer noch als Verschw&ouml;rungstheorie abgestempelt. In seinem aktualisierten Werk &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/die-cia-und-das-heroin-alfred-w-mccoy.html#.Vyb-62OYb_U\">Die CIA und das Heroin &ndash; Weltpolitik durch Drogenhandel<\/a>&ldquo;  beschreibt der US-amerikanische Historiker Alfred W. McCoy in investigativer Manier, wie real die Verschw&ouml;rung ist &ndash; und wie sie zahlreiche L&auml;nder seit Jahrzehnten auffrisst. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5241\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33232-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33232-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160503_Aus_den_Schatten_heraus_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Irgendwie wei&szlig; man es ja schon seit jeher. Man kennt es aus diversen Hollywood-Streifen und rei&szlig;erischen Thriller-Romanen: Westliche Geheimdienste und Drogen, da gibt es doch irgendeine Verbindung. Ernst genommen wird das Ganze jedoch selten. Smarte CIA-Agenten, die gemeinsame Sache mit Verbrecher-Syndikaten, Kriegsf&uuml;rsten und allerlei anderen dunklen Gestalten machen? Wie soll das denn in der Realit&auml;t aussehen?<\/p><p>Alfred W. McCoy beantwortet diese Fragen mehr als ausf&uuml;hrlich &ndash; auf &uuml;ber 600 Seiten. Es gibt wohl keinen Historiker, der sich besser mit Drogenhandel und Politik auskennt als der scharfsinnige Geschichtsprofessor aus Wisconsin. Egal ob S&uuml;deuropa oder Zentralasien, so gut wie alle bekannten Heroinquellen der Geschichte werden ausf&uuml;hrlich beleuchtet. Es scheint, als ob kein Fleck der Erde in diesem umfassenden Werk ausgelassen wird.<\/p><p>Dies ist nicht verwunderlich. Es gibt n&auml;mlich viele Flecke. &Uuml;berall, wo die Vereinigten Staaten auf irgendeine Art und Weise aktiv gewesen sind, um genau zu sein. W&auml;hrend heute, im 21. Jahrhundert, in den hiesigen Medien teils weiterhin behauptet wird, der amerikanische Geheimdienst sei ein lupenreiner Verein, der lediglich die westliche Freiheit besch&uuml;tze, zeichnet McCoy ein Bild vom US-amerikanischen Geheimdienst, dass jegliche Verbrecherorganisation meilenweit hinter sich zur&uuml;ckl&auml;sst.<\/p><p>Der Grund hierf&uuml;r ist die Tatsache, dass nahezu jede Intervention Washingtons, ob geheim oder offiziell, mit dem globalen Drogenhandel Hand in Hand ging. &Auml;hnlich wie der sogenannte Krieg gegen den Terror, der in den letzten Jahren vor allem den Terror selbst f&ouml;rderte, etwa in Afghanistan, im Irak oder in Pakistan, ereignete sich dasselbe Szenario im Laufe des Krieges gegen die Drogen.<\/p><p>Bezeichnend war hierf&uuml;r die Zusammenarbeit des Geheimdienstes mit jener verdeckten Unterwelt, die McCoy als klandestine, soziale Milieus bezeichnet, sprich, unsichtbare und kriminelle Akteure, die komplexe finanzielle und politische Operationen ausf&uuml;hren, ohne dabei fassbare Spuren zu hinterlassen. Was sich wie ein fantasievoller Thriller voller Verschw&ouml;rungen liest, ereignet sich seit den 1970ern in Birma, Laos, Sizilien, Marseille, Afghanistan und anderswo, immer und immer wieder.<\/p><p>Die Profiteure sind bis zum heutigen Tage Drogenbarone, die jeglichen Schutz genie&szlig;en, w&auml;hrend sie ihrem Milliardengesch&auml;ft in Ruhe und Gelassenheit nachgehen k&ouml;nnen. Das aktuellste Beispiel hierf&uuml;r ist Afghanistan, jenes Land, das nun seit fast f&uuml;nfzehn Jahren von den USA besetzt wird. Seit diesem Zeitpunkt explodiert allerdings auch der Opiumanbau Jahr um Jahr. Im j&auml;hrlichen Rhythmus berichten f&uuml;hrende Medien der Welt immer wieder von diesem Umstand &ndash; und geben meistens vor, &uuml;berrascht und schockiert zu sein.<\/p><p>Was die CIA mit dem afghanischen Opiumanbau zu tun hat, wird jedoch wie gewohnt weggelassen. Das Opium der Afghanen, so scheint es, sprie&szlig;t ohne Grund. Oder weil die aufst&auml;ndischen Taliban im Land, jene, welche die westlichen Truppen, jene vermeintlichen K&auml;mpfer der Demokratie, bek&auml;mpfen, es so wollen.<\/p><p><strong>Lieber Drogen als Kommunisten<\/strong><\/p><p>McCoy r&auml;umt mit derartigen Halbwahrheiten auf, indem er unter anderem darauf hinweist, dass afghanische Rebellenf&uuml;hrer schon w&auml;hrend des Kalten Krieges zu m&auml;chtigen Drogenf&uuml;rsten aufstiegen. Den Amerikanern war dies herzlich egal, solange die kommunistischen Herrscher in Kabul bek&auml;mpft wurden. Das Feindbild Kommunismus taucht in diesem Kontext des &Ouml;fteren auf. Die CIA griff etwa auch der korsischen Mafia in Marseille, rechten Contra-Rebellen in Nicaragua oder blutigen Warlords in Birma unter die Arme. Hauptsache, dem kommunistischen Feind wurde der Garaus gemacht. W&auml;hrenddessen flossen Geld und Drogen.<\/p><p>&Auml;hnlich verh&auml;lt es sich auch in jenen Kriegen der USA, die nach dem Fall des Eisernen Vorhanges begonnen haben. Exemplarisch hierf&uuml;r ist ein weiteres Mal Afghanistan. Seit die NATO-Truppen dort unter der F&uuml;hrung Washingtons stationiert sind, floriert der Opiumanbau und bricht jedes Jahr Rekorde. Kurz vor dem Einmarsch der NATO stammten rund f&uuml;nf bis zehn Prozent des weltweiten Schlafmohns aus dem Land &ndash; mittlerweile sind es mehr als neunzig Prozent.<\/p><p>Der Grund hierf&uuml;r liegt vor allem in der Tatsache, dass die westlichen Truppen sich im Kampf gegen die Taliban mit jenen brutalen Kriegsf&uuml;rsten verb&uuml;ndeten, die parallel dazu ihrer T&auml;tigkeit als Drogenbaron nachgingen. Neben zahlreichen Kriegsverbrechen wurde ihnen die Ausweitung ihrer Macht sowie der damit einhergehende Drogenanbau so gut wie in den Scho&szlig; gelegt. Derartige Entwicklungen reichten bis in den Pr&auml;sidentenpalast. So galt etwa Ahmad Wali Karzai, einer der Br&uuml;der des damaligen afghanischen Pr&auml;sidenten Hamid Karzai, als einer der ber&uuml;chtigsten Drogenbosse des Landes und stand auf der Gehaltsliste des CIA. Bekannt wurde dies erst, nachdem er 2011 Opfer eines Attentates wurde.<\/p><p><strong>Prohibition f&ouml;rderte Anbau, Handel und Konsum<\/strong><\/p><p>Zum gegenw&auml;rtigen Zeitpunkt gibt es nur wenige Gesch&auml;fte auf der Welt, die profitabler erscheinen als der Drogenhandel. Warum sich dies auf diese Art und Weise entwickelt hat und jeglicher Kampf gegen das Rauschgift aussichtslos erscheint, hat mehrere Gr&uuml;nde. F&uuml;r McCoy ist vor allem die Prohibition des Opiums ein Grund. Erst nachdem die Gesetze mehrerer Staaten die Droge verboten, begann das Gesch&auml;ft mit ihr zu florieren. In den Jahren zuvor, etwa Ende des 19. sowie in den Anf&auml;ngen des 20. Jahrhunderts, bekam jedes Kind Opium in der n&auml;chsten Apotheke. Der sp&auml;tere Antidrogenkampf der Vereinten Nationen sowie der USA versch&auml;rften hingegen das Problem. Sowohl Produktion als auch Konsum wurden dadurch gef&ouml;rdert.<\/p><p>All dies macht Alfred W. McCoy mit zahlreichen Zahlen und Fakten deutlich, die sich derartig akribisch kaum woanders zusammengefasst finden lassen. Es ist kein Wunder, dass die CIA einst versucht hat, die allererste Version dieses Buches zu verhindern. McCoys &bdquo;Drogenbuch&ldquo; liest sich wie ein Thriller. Der Autor bleibt sich zwar als Historiker treu, schl&uuml;pft allerdings auch in die Rolle eines investigativen Journalisten, der die Gef&auml;hrlichkeit dieses umstrittenen Themas hautnah miterlebt. Mal interviewt er brutale Kriegsf&uuml;rsten oder hochrangige Milit&auml;rs, mal lauern ihm CIA-nahe Milizen auf und trachten nach seinem Leben. F&uuml;r jene, welche die komplexen Verstrickungen von globaler Politik und Drogenhandel bis in die heutige Zeit verstehen wollen, ist McCoys Werk ein absolutes Muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160503_heroin.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Dass westliche Geheimdienste mit dem globalen Drogenhandel vernetzt sind, wird heutzutage teils immer noch als Verschw&ouml;rungstheorie abgestempelt. In seinem aktualisierten Werk &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/die-cia-und-das-heroin-alfred-w-mccoy.html#.Vyb-62OYb_U\">Die CIA und das Heroin &ndash; Weltpolitik durch Drogenhandel<\/a>&ldquo; beschreibt der US-amerikanische Historiker Alfred W. 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