{"id":33251,"date":"2016-05-04T09:25:32","date_gmt":"2016-05-04T07:25:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33251"},"modified":"2024-08-22T05:10:03","modified_gmt":"2024-08-22T03:10:03","slug":"entwicklungsland-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33251","title":{"rendered":"Entwicklungsland Deutschland"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_klinger_.jpg\" alt=\"Ansgar Klinger\" title=\"Ansgar Klinger\"><\/div><p>Lang ist es her, da hatte Kanzlerin Merkel in ihrer Rede zum 60-j&auml;hrigen Bestehen der sozialen Marktwirtschaft die &bdquo;Bildungsrepublik Deutschland&ldquo; ausgerufen. Den Schlachtruf &bdquo;Bildung f&uuml;r alle&ldquo; wollte sie zum neuen politischen Leitmotiv machen &ndash; eine moderne Version des von Ludwig Erhard seinerzeit ausgegebenen Mottos &bdquo;Wohlstand f&uuml;r alle&ldquo;. Abgesehen davon, dass der Betrug hiermit bereits beginnt &ndash; denn w&auml;hrend &bdquo;Wohlstand f&uuml;r alle&ldquo; als Forderung die Lebensbedingungen der Subalternen wirklich in Summe verbessern w&uuml;rde, maskiert jene nach &bdquo;Bildung f&uuml;r alle&ldquo; nichts weiter als die Aufgabe konsequenter Armutsbek&auml;mpfung, die dank Bildung ja <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/chancenungleichheit-bildung-ist-keine-wunderwaffe-gegen-armut-a-554158.html\">vermeintlich<\/a> unn&ouml;tig wird &ndash;, ist von dieser Bildungsrepublik auch nach Jahren noch nirgends etwas zu sehen. Ganz im Gegenteil ersticken die Schulen und Hochschulen in immer weiteren neoliberalen Reformen, die sie zu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32087\">Humankapitalfabriken<\/a> und die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler zu Objekten neoliberaler <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30286\">Indoktrinationen<\/a> zu degradieren versuchen: Vor lauter <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=30183\">Tests<\/a>, die vorgeben, Qualit&auml;t zu sichern, jedoch ganz anderen Zwecken dienlich sind, findet umfassendes, vertiefendes Lernen und Verstehen immer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21671\">weniger<\/a> statt. In Medien und Politik wird all das jedoch kaum &ndash; und wenn, dann lediglich anhand partieller Kritik &ndash; einmal thematisiert. Dort herrscht der Tenor &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/generaldebatte-im-bundestag-merkel-deutschland-geht-es-so-gut-wie-nie-zuvor\/4584808.html\">Deutschland geht es so gut wie nie zuvor<\/a>&ldquo; vor und &uuml;berbieten sich Politiker geradezu dabei, zu betonen, das Bildungssystem sei <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/bildungsausgaben-laender-geben-rekordsumme-aus\/12737458.html\">exzellent<\/a> finanziert. Dass selbst dies nicht stimmt, wei&szlig; <strong>Ansgar Klinger<\/strong>, Mitglied im Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, im Gespr&auml;ch mit <strong>Jens Wernicke<\/strong> zu berichten, in dem er einen milliardenschweren &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gew.de\/presse\/pressemitteilungen\/detailseite\/neuigkeiten\/gew-investitionsstau-in-der-bildungspolitik-waechst\/\">Investitionsstau in Bildung<\/a>&ldquo; konstatiert.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2141\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33251-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33251-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160504_Entwicklungsland_Deutschland_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Klinger, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat soeben die Studie &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Bildung_und_Politik\/Bildungsfinanzierung\/Bildungsoekonomie_und_Bildungsfinanzierung\/Bildungsfinanzierung_der_oeffentlichen_Hand_-_Stand_und_Herausforderungen__Februar_2016_.pdf\">Bildungsfinanzierung der &ouml;ffentlichen Hand &ndash; Stand und Herausforderungen<\/a>&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Warum diese Studie? Worum geht es?<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend wir von der Politik Aussagen gewohnt sind wie &bdquo;Noch nie wurde so viel Geld f&uuml;r Bildung ausgegeben wie heute&ldquo;, geht es in der Studie darum, genau zu beziffern, wie viel die dringend erforderlichen Verbesserungen im Bildungswesen tats&auml;chlich kosten, wie hoch das &uuml;blicherweise verschleierte strukturelle Defizit im deutschen Bildungssystem also ist.<\/p><p>Wir k&ouml;nnen jetzt gegen&uuml;ber der Politik bis auf die Ebene der einzelnen Bundesl&auml;nder klar benennen, was die Verbesserung der Ausstattung der Bildungseinrichtungen oder auch die Umsetzung der Inklusion tats&auml;chlich kosten.<\/p><p><strong>Aber wir h&ouml;ren es doch tagt&auml;glich von der Politik: F&uuml;r Bildung wird viel zu viel &ndash; nicht zu wenig &ndash; Geld ausgegeben. Zu entsprechenden Ergebnissen werden Sie also wohl gekommen sein&hellip;<\/strong><\/p><p>Absolut betrachtet sind mit 265,5 Milliarden Euro, so die j&uuml;ngsten Budgetdaten f&uuml;r Bildung, Forschung und Wissenschaft in 2014 mehr Gelder f&uuml;r das Bildungswesen ausgegeben worden als je zuvor. Das wird stets und st&auml;ndig, das wird immer wieder wiederholt. <\/p><p>Nicht betont wird dabei aber in aller Regel, dass etwas ganz Anderes entscheidend f&uuml;r eine Gesamtschau der Entwicklungen und Ist-Situation ist. N&auml;mlich der Anteil der Ausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung, dem sogenannten Bruttoinlandsprodukt. Und dieser ist inzwischen so niedrig wie kaum je zuvor: Bildung wird also &ndash; betrachtet man die Gesellschaft als Ganzes &ndash; immer weiter entwertet, verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig schlechter gestellt. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind die Bildungsausgaben im Jahr 2014 gegen&uuml;ber dem Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte gesunken! <\/p><p>Fast erstaunlich ist, dass inzwischen sogar die OECD in ihrem j&auml;hrlichen Bildungsbericht &bdquo;Bildung auf einen Blick&ldquo; auf diese Unterfinanzierung des Bildungswesens in Deutschland insistiert: Im hier zuletzt referierten Jahr 2012 betrug der Anteil der &ouml;ffentlichen und privaten Bildungsausgaben in Deutschland gerade einmal 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wohingegen der OECD-Durchschnitt bei 6,1 Prozent lag. <\/p><p>Auf dem Dresdener Bildungsgipfel im Herbst 2008 hatten die Bundeskanzlerin und die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder zwar vollmundig vereinbart und verk&uuml;ndet, die Aufwendungen f&uuml;r Bildung insgesamt auf 7 Prozent und jene f&uuml;r Forschung auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis zum Jahr 2015 anzuheben. Von diesem Ziel sind wir allerdings nach wie vor Lichtjahre entfernt und Besserung ist nicht wirklich in Sicht. <\/p><p><strong>Und da wollen Sie mittels der Studie also die genauen Defizite beziffern und hierdurch Druck auf die Politik aus&uuml;ben? Wo genau liegen Ihrer Analyse zufolge denn diese Defizite? Wo fehlt es an was?<\/strong><\/p><p>Genau darum geht es. Und, ja: Die Defizite bestehen tats&auml;chlich in allen Bildungsbereichen. Insgesamt besteht hier ein Defizit von 56 Milliarden Euro Da geht es um den Ausbau der Quantit&auml;ten und der Qualit&auml;t in den Kindertagesst&auml;tten, wo 11 Milliarden Euro fehlen; um einen hochwertigen, echten Ganztag und eine Verbesserung der Sch&uuml;ler-Lehrer-Relationen in den allgemeinbildenden Schulen, was 17 Milliarden Euro kosten wird; um Verbesserungen in den berufsbildenden Schulen im Wert von 7 Milliarden Euro; und es geht um Schulsozialarbeit sowie eine glaubw&uuml;rdige Umsetzung der Inklusion. <\/p><p>Und auch die Hochschulen m&uuml;ssen entsprechend dem gesellschaftlichen Bedarf ausgebaut werden, wof&uuml;r 6 Milliarden Euro fehlen. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich bez&uuml;glich der allgemeinen Weiterbildung sowie der beruflichen Weiterbildung f&uuml;r Erwerbslose, die kaum mehr nennenswert vorhanden  sind. Und nat&uuml;rlich braucht es aktuell auch dringend die notwendigen Mittel f&uuml;r eine gesellschaftliche Integration der Gefl&uuml;chteten in allen Bereichen des Bildungswesens einschlie&szlig;lich einer Verbesserung des Systems der Integrationskurse.<\/p><p><strong>Sie fordern also dutzende Milliarden? Das klingt ein wenig nach &bdquo;W&uuml;nsche-Dir-Was&ldquo;, nach &hellip; einfach zu viel. Wof&uuml;r soll so viel Geld denn notwendig sein? Vielleicht k&ouml;nnen Sie das in Bezug auf  die allgemeinbildenden Schulen einmal genauer erl&auml;utern: Wo genau gibt es da welche Probleme? Und wof&uuml;r genau ist dieses Geld Ihrer Analyse nach &hellip; zwingend notwendig, so ich recht verstehe?<\/strong><\/p><p>Die Schulen in Deutschland sind noch weit davon entfernt, echte Ganztagsschulen zu sein. Dahinter steckt im &Uuml;brigen ein ebenso gro&szlig;es wie kaum thematisiertes gesellschaftspolitisches Problem: Als Folge der nach wie vor dominierenden Halbtagsschule k&ouml;nnen Familien, und hier insbesondere die M&uuml;tter, ihren Alltag kaum mit einer normalen Erwerbsarbeit vereinbaren und bleiben in der  sogenannten &bdquo;Teilzeitfalle&ldquo; stecken! Bei einer angenommenen Ganztagsbetreuungsquote von 60 Prozent &ndash; und das kann man sicher nicht als &bdquo;W&uuml;nsch-Dir-Was&ldquo; bezeichnen &ndash; betr&auml;gt der zus&auml;tzliche Finanzbedarf knapp 3,8 Milliarden Euro! <\/p><p>Ebenso &bdquo;Entwicklungsland&ldquo; sind wir in der Ausstattung der Schulen mit Schulsozialarbeit und Schulpsychologen: Wollen wir wenigstens pro 150 Sch&uuml;ler einen Schulsozialarbeiter und pro 5.000 Sch&uuml;ler einen Schulpsychologen, dann ist das alles andere als &bdquo;Luxus&ldquo;, aber mit einem Mehrbedarf von 2,4 Milliarden Euro verbunden. <\/p><p>Ferner brauchen die Lehrenden im Schulalltag endlich mehr Zeit f&uuml;r die Sch&uuml;ler, wozu eine Verbesserung der Sch&uuml;ler-Lehrer-Relationen dringend erforderlich ist. Wenn das, wie ich es wahrnehme, Konsens ist, dann muss es dieser Gesellschaft auch die erforderlichen 6 Milliarden Euro wert sein.<\/p><p>Und bisher haben wir noch nicht einmal &uuml;ber Inklusion gesprochen: Je nach Inklusionsquote &ndash; 80 bis 100 Prozent &ndash; m&uuml;ssen die L&auml;nder 3,5 bis 4,3 Milliarden Euro aufwenden, wollen sie tats&auml;chlich Inklusion glaubw&uuml;rdig umsetzen. Und nicht zuletzt ist auch die Sachausstattung in den Schulen mit 1,3 Milliarden Euro zu verbessern.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_02-klinger_.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_02-klinger-small_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p style=\"text-align:center;\"><strong>Abbildung 1: Die Staatsquoten (Ausgaben in Prozent des BIP) in ausgew&auml;hlten L&auml;ndern 2015<\/strong><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_03-klinger_.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_03-klinger-small_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p style=\"text-align:center;\"><strong>Abbildung 2: Private und &ouml;ffentliche Bildungsausgaben in Prozent des BIP im internationalen Vergleich (2012)<\/strong><\/p><p style=\"text-align:center;\">(Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Bildung_und_Politik\/Bildungsfinanzierung\/Bildungsoekonomie_und_Bildungsfinanzierung\/Bildungsfinanzierung_der_oeffentlichen_Hand_-_Stand_und_Herausforderungen__Februar_2016_.pdf\">Bildungsfinanzierung der &ouml;ffentlichen Hand &ndash; Stand und Herausforderungen<\/a>&ldquo;)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Gut, das kann ich nachvollziehen. Und dennoch, ich spitze es zu: W&auml;hrend viele Schulen verrotten, die &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge immer weiter zu Markte getragen wird und selbst rote Regierungen ihren Sozialabbau als in Zeiten der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; alternativlos rechtfertigen, fordern Sie Milliarden wie auf einem Wunschkonzert. Wo soll das Geld denn herkommen?<\/strong><\/p><p>Das Geld ist da, und zwar ausreichend, was jedoch noch nicht da ist, ist die gerechte Verteilung des Wohlstands in unserem Land. Hierzu m&uuml;ssen endlich wieder die besonders Verm&ouml;genden und Wohlhabenden &ndash; sie profitieren weit &uuml;berdurchschnittlich von dieser Gesellschaft &ndash; zur Verantwortung gezogen werden. <\/p><p>Auch diesbez&uuml;glich haben wir ein <a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Bildung_und_Politik\/Bildungsfinanzierung\/GEW_Steuerkonzept.pdf\">Gutachten<\/a> ver&ouml;ffentlicht, in dem die Mehreinnahmen unseres GEW-Steuerkonzepts f&uuml;r das Jahr 2016 berechnet wurden: Ohne revolution&auml;re &Auml;nderungen lassen sich 99 Milliarden Euro mehr an Steuern einnehmen, und das bei einer Entlastung der unteren und mittleren Einkommen! Das schafft gen&uuml;gend Spielraum zur Finanzierung einer besseren &ouml;ffentlichen Infrastruktur, zu der auch ein zukunftsf&auml;higes Bildungswesen geh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Apropos: Selbst die Neoliberalen argumentieren in Teilen ja bereits mit &bdquo;Vorfahrt f&uuml;r Bildung!&ldquo; und bedienen damit die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21047\">Ideologie<\/a> des &bdquo;Jeder kann es schaffen!&ldquo;, um den Sozialstaat weiter zerschlagen zu k&ouml;nnen. Will sagen: Der politische Gegner selbst gesteht dem Bildungsbereich eine Sonderrolle zu, will diesen mehr als andere f&ouml;rdern, um die anderen dann besser &bdquo;zerschlagen&ldquo; zu k&ouml;nnen; dank &bdquo;guter Bildung&ldquo; h&auml;tte ja, so die M&auml;r, dann doch jeder eine &bdquo;faire Chance&ldquo;; und wer scheitert, ist eben &hellip; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32959\">selbst schuld<\/a>. Was halten Sie denn von dieser &bdquo;Sonderrolle&ldquo; f&uuml;r Bildung? Von dieser Spaltung der gesellschaftlichen Interessen zugunsten &bdquo;Ihres Bereiches&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Da sprechen Sie einen wichtigen Sachverhalt an. Bildung ist zwar der Schl&uuml;ssel f&uuml;r gesellschaftliche Teilhabe der Individuen, aber Bildungspolitik ist immer nur ein Teil der Sozialpolitik und kann diese nicht ersetzen. In gleicher Weise, wie wir ein gutes Bildungswesen ben&ouml;tigen, brauchen wir daher beispielsweise auch gute Erwerbsarbeit, eine gute Alterssicherung und eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstands.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Ansgar Klinger<\/strong>, Jahrgang 1964, ist studierter Volkswirt. Nach dem Referendariat an beruflichen Schulen 1993 unterrichtete er zun&auml;chst drei Jahre an einer Berliner Schule. 1998 zog es ihn dann ans Willy-Brandt-Berufskolleg nach Duisburg. Bis zu seiner Wahl in den GEW-Vorstand geh&ouml;rte Klinger seit 2004 der NRW-Landesfachgruppe Berufskolleg und seit 2006 der AG Bildungsfinanzierung beim GEW-Hauptvorstand an. Von 2009 bis 2013 war er Leiter des Referat C (Schulrecht, Bildungsfinanzierung und -statistik) der GEW Nordrhein-Westfalen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Bildung_und_Politik\/Bildungsfinanzierung\/Bildungsoekonomie_und_Bildungsfinanzierung\/Bildungsfinanzierung_der_oeffentlichen_Hand_-_Stand_und_Herausforderungen__Februar_2016_.pdf\">Bildungsfinanzierung der &ouml;ffentlichen Hand &ndash; Stand und Herausforderungen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/publikationen\/hv\/Bildung_und_Politik\/Bildungsfinanzierung\/GEW_Steuerkonzept.pdf\">Richtig gerechnet! Das Steuerkonzept der GEW &ndash; Aktualisierung und Neuberechnung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22932\">Unsere Schulen sind kinderfeindlich<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/HoPo\/Hintergrund\/pisa_chancenungerechtigkeit.php\">Der Mythos von der Chancengerechtigkeit: Was PISA mit sozialer Selektion mit Benotung mit Leistungsideologie zu tun hat<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21939\">Bildung sch&uuml;tzt vor Armut nicht und Armut behindert Bildung<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21047\">Die Illusion vom Bildungsaufstieg<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Artikel: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3230\">Bildungsreform als Herrschaftsinstrument<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Vortrag: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11356\">Offene und verdeckte Privatisierung im Bildungssystem<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23149\">Der Schlussverkauf &ouml;ffentlicher Bildung soll beginnen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Telepolis-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/40\/40010\/1.html\">Neue Rhetorik macht Bildungsreform-Versprechen nicht besser<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>NachDenkSeiten-Interview: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18451\">Sanfte Steuerung neu verpackt: Bildungslobbyisten mit neuer Strategie<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch <strong><a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">eine automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a><\/strong> &uuml;ber neue Texte bestellen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/7658b6e9a44b474fa387982b0c47a2b9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160504_klinger_.jpg\" alt=\"Ansgar Klinger\" title=\"Ansgar Klinger\"\/><\/div>\n<p>Lang ist es her, da hatte Kanzlerin Merkel in ihrer Rede zum 60-j&auml;hrigen Bestehen der sozialen Marktwirtschaft die &bdquo;Bildungsrepublik Deutschland&ldquo; ausgerufen. Den Schlachtruf &bdquo;Bildung f&uuml;r alle&ldquo; wollte sie zum neuen politischen Leitmotiv machen &ndash; eine moderne Version des von Ludwig Erhard seinerzeit ausgegebenen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33251\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,151,209],"tags":[373,430,1282,396,442,1103,291],"class_list":["post-33251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-bildungspolitik","category-interviews","tag-oekonomisierung","tag-bildungsausgaben","tag-bildungsinklusion","tag-bildungsrepublik-deutschland","tag-eigenverantwortung","tag-ganztagsschule","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33251"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119982,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33251\/revisions\/119982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}