{"id":3327,"date":"2008-07-09T09:08:14","date_gmt":"2008-07-09T07:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3327"},"modified":"2015-11-19T09:43:19","modified_gmt":"2015-11-19T08:43:19","slug":"anmerkungen-zu-den-empfehlungen-des-wissenschaftsrats-zur-qualitaetsverbesserung-von-lehre-und-studium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3327","title":{"rendered":"Anmerkungen zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualit\u00e4tsverbesserung von Lehre und Studium"},"content":{"rendered":"<p>Nach Jahren umw&auml;lzender Hochschulreformen hin zur &bdquo;<em>unternehmerischen<\/em>&ldquo; Hochschule, nach einer weitgehend vollzogenen grunds&auml;tzlichen Umstrukturierung des Studiums in konsekutive Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge im Rahmen des sog. Bologna-Prozesses, nach einer mit hohem propagandistischen Aufwand durchgef&uuml;hrten &bdquo;<em>Exzellenz-Initiative<\/em>&ldquo; nimmt sich endlich ein wissenschaftspolitisch bedeutsames Gremium der neben der Forschung zentralen Aufgabe der Hochschulen an: der Lehre und dem Studium. Das ist f&uuml;r sich genommen schon ein Gewinn. <\/p><p>Aus vielen Feststellungen ergibt sich ein ziemlich kritisches Urteil &uuml;ber die zur&uuml;ckliegenden Reformen. Vielen Forderungen und Empfehlungen kann man nur zustimmen, sie sind allerdings altbekannt. Neues, wie die Einf&uuml;hrung von Lehrprofessoren, ist kritisch zu bewerten. Der WR hat einen ganzen Bauchladen an unverbindlichen Vorschl&auml;gen vorgestellt, woraus sich jeder bedienen kann, ohne dass sich viel &auml;ndern d&uuml;rfte. Eine Konzentration auf das Wesentliche w&auml;re wirkungsvoller gewesen.<br>\n<!--more--><br>\nNun ist der Wissenschaftsrat (WR) alles andere als eine Speerspitze des Fortschritts. Er setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die von den etablierten Forschungseinrichtungen vorgeschlagen werden, also der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) dem gr&ouml;&szlig;ten &ouml;ffentlichen Forschungsf&ouml;rderer, den au&szlig;eruniversit&auml;ren Forschungsorganisationen, wie der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), der Fraunhofer Gesellschaft (FhG), der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zusammen. Bis auf die Rektoren, allesamt Einrichtungen, die nun nicht gerade viel mit der Lehre an den Hochschulen zu tun haben und alles Organisationen bei denen das Old-Boys-Network einen zentralen Stellenwert hat.<\/p><p>Zum Wissenschaftsrat geh&ouml;ren ferner vom Bundespr&auml;sidenten berufene &bdquo;<em>Pers&ouml;nlichkeiten des &ouml;ffentlichen Lebens<\/em>&ldquo;, darunter &uuml;berwiegend Vertreter forschungsintensiver Unternehmen, wie etwa Andreas Barner von der Boehringer-Ingelheim GmbH, Catrin Bludszuweit-Philipp, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der ASD Advanced Simulation &amp; Design GmbH, Peter Draheim von der Philips GmbH, Nicola Leibinger-Kamm&uuml;ller von der Trumpf GmbH oder Corinna Nienstedt von der Handelskammer Hamburg. Dazu geh&ouml;ren noch die ZEIT-Journalistin Nina Grunenberg und als gewerkschaftliches &bdquo;<em>Gegengewicht<\/em>&ldquo; Nikolaus Siman von der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung.<\/p><p>Dazu entsendet die Bundesregierung 11 hochrangige Beamte aus forschungsnahen Ressorts in den WR und &bdquo;<em>geborene<\/em>&ldquo; Mitglieder sind die 16 Wissenschaftsminister der L&auml;nder.<\/p><p>Schon aus dieser Zusammensetzung l&auml;sst sich erkennen, dass im WR eher die etablierten Vertreter der Wissenschaft vertreten sind. Und die politische &bdquo;<em>Bank<\/em>&ldquo; sorgt im Regelfall daf&uuml;r, dass die Politik von den Beschl&uuml;ssen und Empfehlungen des WR gewiss nicht &uuml;berfordert wird.<\/p><p>So nimmt es auch nicht weiter Wunder, dass die Ratschl&auml;ge und Empfehlungen des WR in aller Regel dem wissenschaftspolitischen Mainstream folgen. So auch bei j&uuml;ngsten Empfehlung zu Studium und Lehre. Da werden nat&uuml;rlich die Mantras des herrschenden Reformsprechs rezitiert:<br>\nDass &bdquo;<em>Autonomie und Wettbewerb zwischen den Hochschulen (&hellip;) Prozesse der Qualit&auml;tsverbesserung<\/em>&ldquo; antreiben. Es wird ein &bdquo;<em>st&auml;rker differenziertes Hochschulwesen<\/em>&ldquo; gefordert (genauer sollte man von einem hierarchisierten Hochschulwesen sprechen). Die Studienreform im Zuge des Bologna-Prozessen (also die Einf&uuml;hrung von konsekutiven Bachelor- und Masterstudieng&auml;ngen) werden nachdr&uuml;cklich bef&uuml;rwortet und nat&uuml;rlich die heilsame Wirkung von &bdquo;<em>Studienbeitr&auml;gen<\/em>&ldquo; betont. <\/p><p>Die Empfehlungen des WR zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium sind dementsprechend wesentlich vom Bem&uuml;hen bestimmt, nicht als eine allzu massive Kritik an den zur&uuml;ckliegenden Hochschulreformen verstanden zu werden. <\/p><p>Dennoch ergibt sich aus vielen Feststellungen ein ziemlich vernichtendes Urteil &uuml;ber die Versprechungen der Hochschulreformer. Es scheint jedenfalls nicht sehr weit her zu sein, mit der &bdquo;<em>nachfrageorientierten Qualit&auml;tsverbesserung<\/em>&ldquo; der Lehre durch die Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren, wenn sich jetzt der Wissenschaftsrat um die Qualit&auml;t von Studium und Lehre sorgt.<\/p><p>Nachdem im Zuge des Bologna-Prozesses die Studieng&auml;nge vielfach ma&szlig;los &uuml;berfrachtet, Studieninhalte und Studienqualit&auml;t allenfalls noch am &bdquo;work-load&ldquo; gemessen wurden, nachdem statt auf die Strukturierung der Studieninhalte auf austauschbare Module gesetzt wurde und die Profilbildung nur allzu oft das Nachdenken &uuml;ber Lernziele ersetzte, ist es h&ouml;chst erfreulich, dass der WR betont:  <\/p><ul>\n<li>&bdquo;<em>Im Zentrum aller Bem&uuml;hungen sollte die Sicherung der Studierbarkeit stehen<\/em>&ldquo;,<\/li>\n<li>dass die Studierbarkeit eines Studiengangs auch mit Blick auf die unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Studierenden zu pr&uuml;fen sei,<\/li>\n<li>dass hochschulische Bildung und Ausbildung immer auf der Grundlage von Wissenschaftlichkeit erfolgen m&uuml;sse. Dass die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit (fragende, kritische Haltung, Problem- und Methodenbewusstsein, Strukturierungsf&auml;higkeit, Selbst&auml;ndigkeit) und des forschungsorientierten Lernens unverzichtbar seien,<\/li>\n<li>dass Studierende in die Gestaltung und Evaluation des Lehrangebotes einbezogen werden sollen und ihre Vorschl&auml;ge zur Verbesserung des Studiums abgefragt und ber&uuml;cksichtigt werden sollten,<\/li>\n<li>dass die Absolventen nicht nur &bdquo;berufsbef&auml;higt&ldquo; sondern durch ein Studium in die Lage versetzt werden sollen, die kulturelle, soziale, technologische und wirtschaftliche Weiterentwicklung der Gesellschaft verantwortungsvoll voranzubringen,<\/li>\n<li>dass die Ein&uuml;bung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens ein unverzichtbares Prinzip jeglichen Studierens bilde und als konstitutives Qualit&auml;tsmoment auch eines berufsorientierten Studiums zu betrachten sei und dass daher die Qualit&auml;t der Lehre immer auch vor dem Hintergrund der zu vermittelnden Wissensinhalte betrachtet werden m&uuml;sse, kurz: dass das Prinzip der Wissenschaftlichkeit ein Hochschulstudium von anderen Ausbildungs- und Bildungswegen unterscheide,<\/li>\n<li>oder dass f&uuml;r die Hochschule als Institution der auf Wilhelm von Humboldt zur&uuml;ckgehende Leitgedanke der Einheit von Forschung und Lehre nach wie vor von entscheidender Bedeutung sei.<\/li>\n<\/ul><p>Solche S&auml;tze hat man aus den &bdquo;<em>Wortgeneratoren<\/em>&ldquo; der eher auf den ordoliberalen &Ouml;konomen Friedrich August von Hayek zur&uuml;ckgehenden &bdquo;Reformer&ldquo; in den letzten Jahren nicht mehr geh&ouml;rt. Dort ging es nur noch um Wettbewerb, Effizienz, Flexibilisierung, Modularisierung, Profilbildung, Studienportifolio, Internationalisierung  oder um andere Begriffe des betriebswirtschaftlichen Jargons. Es ist schon bemerkenswert, dass einer der meist gebrauchten Worte des Reformsprechs, die &bdquo;<em>Internationalisierung<\/em>&ldquo; in den Empfehlungen nicht ein einziges Mal auftaucht.<\/p><p>So erfreulich die R&uuml;ckbesinnung auf die Begrifflichkeiten von Bildung und Studium auch ist, der WR bietet mit seinen Analysen &uuml;ber die mangelnde Qualit&auml;t der Lehre an unseren Hochschulen, kaum etwas, was nicht schon vor 10 oder 20 Jahren erkannt war:<\/p><ul>\n<li>Man m&uuml;sse eine ver&auml;nderte &bdquo;<em>Lehrkultur<\/em>&ldquo; schaffen, die sich durch einen erh&ouml;hten Stellenwert von Studium und Lehre, durch die Wertsch&auml;tzung f&uuml;r ein Engagement in diesem Bereich und durch ein permanentes Streben nach Verbesserungen auszeichne.<\/li>\n<li>Man ben&ouml;tige ein erweitertes Verst&auml;ndnis disziplin&auml;rer Kernaufgaben und wissenschaftlicher Kompetenzen, in dem die Lehre die ihr zukommende Bedeutung erhalte.<\/li>\n<li>Um die Situation zu verbessern, fehle es nach wie vor an wesentlichen Grundvoraussetzungen f&uuml;r eine systematische Weiterentwicklung der Qualit&auml;t von Lehre und Studium.<\/li>\n<li>Man m&uuml;sse eine die Leistungen in der Lehre anerkennende und auszeichnende &bdquo;Lehrkultur&ldquo; etablieren, in der Lehrleistungen in gleichem Ma&szlig;e wie Forschungsleistungen zur Reputation beitragen k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Es sei n&ouml;tig ein internationalen Standards entsprechendes Qualit&auml;tsmanagement aufzubauen.<\/li>\n<li>Die Lehrkompetenz m&uuml;sse professionalisiert werden. <\/li>\n<li>Der WR sieht einen dringenden Handlungsbedarf, zur Qualit&auml;tssteigerung das bisherige Kapazit&auml;tsrecht auch f&uuml;r die bisher im zentralen Zuteilungsverfahren verbleibenden Studieng&auml;nge durch ein reformiertes System abzul&ouml;sen.<\/li>\n<\/ul><p>Auch zur Verbesserung des Studiums liefert der WR kaum etwas Neues:<\/p><p>Er beklagt unter anderem, <\/p><ul>\n<li>dass in vielen F&auml;llen die Studienorganisation bislang nicht im erforderlichen Umfang die Interaktion und den Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden f&ouml;rdere und dass vielfach ein anonymer Lehrbetrieb herrsche.<\/li>\n<li>Dass in allen Fachbereichen erhebliche Qualit&auml;tsdefizite wahrgenommen w&uuml;rden.<\/li>\n<li>Vielfach r&uuml;ckten die Lehr- und Studienangebote das forschende Lernen nicht in dem erforderlichen Ma&szlig;e in den Mittelpunkt. Beratung und Betreuung seien oft nicht ausreichend.<\/li>\n<li>Die mit der Einf&uuml;hrung der gestuften Studieng&auml;nge gestiegene Pr&auml;senzanforderung erschwerten die Bem&uuml;hungen der Studierenden, Studium und Erwerbst&auml;tigkeit in Einklang zu bringen. (Die Erwerbst&auml;tigenquote unter den Studierenden liegt je nach F&auml;chern unterschiedlich zwischen 50 bei den Ingenieuren, 65 % bei den Wirtschaftswissenschaften, 68 % bei Kultur- und Sprachwissenschaften und gar 71 % bei den Sozialwissenschaften.)<\/li>\n<li>Auch an den Hochschulen setze sich die soziale Selektivit&auml;t des deutschen Bildungssystems fort, die bereits in der Schule beobachtet werde. Wegen dieser sozial unausgewogenen Bildungsbeteiligung stammten 56 % der deutschen Studienanf&auml;nger im Studienjahr 2005\/06 aus nicht-akademischen Herkunftsfamilien. Ihr Anteil an der gesamten Altersgruppe der 19- bis 24-j&auml;hrigen betrage jedoch 82 %. Akademikerkinder seien hingegen an den Hochschulen stark &uuml;berrepr&auml;sentiert: W&auml;hrend von 100 Kindern aus Akademiker-Familien 83 ein Studium aufnehmen, seien es aus Nicht-Akademiker-Familien nur 23.<\/li>\n<li>Im Hochschulsystem insgesamt, insbesondere an Universit&auml;ten, sei die Anerkennung f&uuml;r ein Engagement in der Lehre systematisch niedriger als f&uuml;r ein Engagement in der Forschung. Es gebe sowohl f&uuml;r die Wissenschaftler wie auch f&uuml;r die Institutionen mit Blick auf die Reputationszuweisung oder Drittmittel deutlich mehr Anreize, sich in der Forschung zu engagieren, au&szlig;erdem gebe es eine starke Asymmetrie der in Forschung oder Lehre m&ouml;glichen Reputationsgewinne.<\/li>\n<li>Der Professionalisierungsgrad der Lehre sei deutlich geringer als der der Forschung.<\/li>\n<li>F&uuml;r eine Hochschulkarriere seien nachweisbare Lehrleistungen und Lehrkompetenzen von untergeordneter Bedeutung. In Berufungsverfahren von Universit&auml;ten werde, anders als an den Fachhochschulen, die didaktische Eignung und Bef&auml;higung der Kandidaten bislang in der Regel nur unzureichend gepr&uuml;ft.<\/li>\n<li>Erfolgreiche Forschung verhelfe zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, gro&szlig;es Engagement in der Lehre hingegen f&uuml;hre h&auml;ufig zu einer h&ouml;heren Arbeitslast durch mehr Studierende und viele Pr&uuml;fungen. Ein engagierter Einsatz in der Lehre werde selten in Form von Ausstattung, Mittelzuweisung, Gehaltszuschlag oder auch Anerkennung sp&uuml;rbar honoriert. Selbst eine offensichtliche Vernachl&auml;ssigung der Lehre und der Studentenbetreuung werde allenfalls in Ausnahmef&auml;llen sanktioniert. &Uuml;berdies w&uuml;rden so gut wie keine (materiellen oder immateriellen) zus&auml;tzlichen Leistungsanreize zugunsten der Lehrqualit&auml;t gesetzt.<\/li>\n<li>Hochschullehrer aller Hochschularten seien als Lehrende weitgehend Autodidakten. Das Lehren lernten sie vielfach nur informell in der Durchf&uuml;hrung von Lehrveranstaltungen. Sie lehrten auf Erfahrungsbasis und ohne geregeltes professionelles Feedback.<\/li>\n<li>Die Betreuungsrelationen h&auml;tten sich verschlechtert: &bdquo;<em>Das Verh&auml;ltnis von Studierenden zu hauptberuflichen Professoren betrug im WS 2005\/06 an den Universit&auml;ten und gleichgestellten Hochschulen 60,4 zu 1, an den allgemeinen Fachhochschulen kamen dagegen 38,5 Studierende auf einen Professor.<\/em>&ldquo; Kamen 1972\/73 an den Universit&auml;ten unter 40 und an den Fachhochschulen weit unter 20 Studierende auf einen hauptberuflichen Professor, so waren es 2005\/2006 &uuml;ber 60 bzw. knapp 40 Studierende (Das Verh&auml;ltnis von s&auml;mtlichen Studierenden zu hauptberuflichen Professoren in den Sprach- und Kulturwissenschaften betr&auml;gt ca. 76 zu 1, in den Rechts-, Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften ca. 104 zu 1, in den Mathematik- und Naturwissenschaften ca. 45 zu 1, in der Humanmedizin ca. 30 zu 1, in der Veterin&auml;rmedizin ca. 34 zu 1, in den Agrar-, Forst- und Ern&auml;hrungswissenschaften ca. 43 zu 1 und in den Ingenieurwissenschaften ca. 54 zu 1)<\/li>\n<li>Betrachte man den Anteil der Ausgaben, der abz&uuml;glich der Ausgaben f&uuml;r Forschung unmittelbar f&uuml;r die Lehre zur Verf&uuml;gung stehe, zeige sich, dass Deutschland f&uuml;r eigentliche Bildungsdienstleistungen pro Studierenden j&auml;hrlich deutlich weniger Mittel aufwende als alle relevanten Vergleichsl&auml;nder. Die Schweiz wende mehr als die doppelte Summe auf, das Vereinigte K&ouml;nigreich &uuml;ber ein Drittel mehr.<\/li>\n<\/ul><p>Der WR fordert unter anderem: <\/p><ul>\n<li>Die Etablierung bzw. der weitere Ausbau eines umfassenden Systems der fachlichen und pers&ouml;nlichen Beratung und Betreuung.<\/li>\n<li>Einen Teil der Studieneingangsphase als Orientierungsphase auszulegen und das Studium in den ersten Semestern so zu gestalten, dass Studierende ihre F&auml;cherwahl sowie ihre Studieneignung erproben und sich ggf. neu orientieren k&ouml;nnen.<\/li>\n<li>Um Studienabbr&uuml;che oder Studienzeitverl&auml;ngerungen zu vermeiden, sollten insbesondere die &Uuml;berg&auml;nge von Schule zu Hochschule sowie zwischen den einzelnen Studienstufen mit Beratungsangeboten versehen sein.<\/li>\n<li>Eine auf Kompetenzgewinn ausgerichtete Lehre m&uuml;sse nicht nur motivationale und soziale Aspekte des Lernens ber&uuml;cksichtigen, sondern verlange insgesamt eine intensivere Betreuung und Beratung der Studierenden. <\/li>\n<li>Eine fachwissenschaftliche Auseinandersetzung &uuml;ber Lernziele und Lehrmethoden, ihre Reflexion und Innovation sowie in den F&auml;chern vereinbarte Bewertungsstandards.<\/li>\n<li>Im Zentrum aller Bem&uuml;hungen sollte die Sicherung der Studierbarkeit stehen.<\/li>\n<\/ul><p>Nahezu alle dieser Klagen und fast alle dieser Forderungen h&auml;tten sich so oder so &auml;hnlich in meinen Reden finden lassen, die ich schon vor einem Dutzend Jahren als Wissenschaftsstaatssekret&auml;r gehalten habe. <\/p><p>Neu, aber leider kritisch zu betrachten, ist die Forderung nach einer st&auml;rkeren Differenzierung der Personalstruktur an den Hochschulen. Nicht jede Hochschullehre sei in gleicher Weise durch Forschung definiert. Der WR pl&auml;diert daf&uuml;r, verst&auml;rkt zus&auml;tzliches Personal mit einem T&auml;tigkeitsschwerpunkt in der Lehre einzustellen, und zwar auch auf Professuren. Solche Stelleninhaber sollen etwa 2\/3 ihrer Zeit (max. 12 SWS) f&uuml;r T&auml;tigkeiten in Studium und Lehre aufwenden, 1\/3 der Zeit soll f&uuml;r Forschungsarbeiten zur Verf&uuml;gung stehen. Maximal 20% aller Universit&auml;tsprofessuren sollten langfristig einen solchen Schwerpunkt aufweisen. <\/p><p>Die Juniorprofessur mit Schwerpunkt Lehre k&ouml;nne ein attraktives Angebot f&uuml;r hoch qualifizierte Nachwuchskr&auml;fte sein. Erg&auml;nzend k&ouml;nnten die Universit&auml;ten Personal mit Schwerpunkt Lehre auch unterhalb der Professur dauerhaft besch&auml;ftigen. Die Personalkategorie des &bdquo;<em>wissenschaftlichen Mitarbeiters<\/em>&ldquo; schaffe hier die notwendigen rechtlichen Spielr&auml;ume. Der Wissenschaftsrat regt an, die H&auml;lfte der zus&auml;tzlich erforderlichen Professuren als Professuren mit dem Schwerpunkt Lehre zu vergeben mit 12 Semesterwochenstunden Lehrdeputatsverpflichtung. <\/p><p>Dieser Vorschlag zur Differenzierung der Personalstruktur, d&uuml;rfte die ohnehin schon vorhandene rechtliche und soziale Hierarchisierung an den Universit&auml;ten noch verst&auml;rken. Es w&uuml;rde k&uuml;nftig Hochschullehrer erster, zweiter und dritter Klasse geben. Damit w&uuml;rde aber die Lehre auch noch durch den Gehaltszettel abgewertet. Wer wie ich an einer ehemaligen Gesamthochschule gearbeitet hat und miterleben musste, welche Prestigek&auml;mpfe dort zwischen den (formal gleichberechtigten aber) mit ihren Lehrdeputaten unterschiedlich belasteten Hochschullehrern ausgetragen wurden, kann vor einer solchen Differenzierung nur warnen. Das Problem finge damit an, dass die &bdquo;<em>Lehrprofessoren<\/em>&ldquo; in die Bachelor-Studieng&auml;nge gedr&auml;ngt w&uuml;rden und sich die &bdquo;<em>Forschungsprofessoren<\/em>&ldquo; die Lehrangebote die &bdquo;<em>wissenschaftlichen und forschungsbezogenen<\/em>&ldquo; Masterangebote herauspickten. Es g&auml;be Streit um die Kreditpunkte f&uuml;r die jeweiligen Lehrangebote bis hin zur Anerkennung der Pr&uuml;fungsleistungen &ndash; wie wir das heute zwischen Fachhochschulen und Universit&auml;ten permanent erleben. Die ohnehin nicht ausgepr&auml;gte Kollegialit&auml;t unter den Hochschullehrern und die schon derzeit sch&auml;dliche Hierarchisierung zwischen den unterschiedlichen Besoldungsgruppen w&uuml;rde sich weiter versch&auml;rfen  &ndash; zu Lasten der Lehre.<\/p><p>Der WR beklagt selbst dass die hohe Pr&auml;senz in den Bachelor-Studieng&auml;ngen mit der (offenbar notwendigen) hohen Erwerbst&auml;tigkeit der Studierenden nicht in Einklang zu bringen ist. &bdquo;<em>Faktisch studieren allerdings viele Studierende in Teilzeit. Soweit dies erforderlich ist, um den Lebensunterhalt zu sichern, weist es auf M&auml;ngel im System einer sozialvertr&auml;glichen Studienfinanzierung hin.<\/em>&ldquo; Dennoch bef&uuml;rwortet der WR die Studiengeb&uuml;hren. Die gleichzeitige Forderung, dass Studierende durch die auf sie entfallende finanzielle Belastung nicht vom Studium abgehalten werden d&uuml;rften und ein z&uuml;gig durchgef&uuml;hrtes Studium m&ouml;glich bleiben m&uuml;sse, bleibt deshalb genauso leeres Gerede, wie der Satz, dass die Erhebung von &bdquo;<em>Studienbeitr&auml;gen und Studienfinanzierung insgesamt&hellip;von einem entsprechend wirksamen und bedarfsorientierten F&ouml;rdersystem flankiert werden<\/em>&ldquo; m&uuml;sste. Bei 2 % (absolut 16.590) der Studierenden, die ihr Studium &bdquo;unter anderem&ldquo; durch Stipendien finanzieren k&ouml;nnen, eine geradezu lachhafte Aussage. <\/p><p>Bis in die Zeitungsschlagzeilen hat es die Forderung geschafft, dass es der WR speziell zur Verbesserung der Qualit&auml;t von Lehre und Studium f&uuml;r erforderlich h&auml;lt, dass dem Hochschulsystem kontinuierlich und verl&auml;sslich j&auml;hrlich insgesamt 1,104 Mrd. Euro p. a. zus&auml;tzlich zur Verf&uuml;gung gestellt wird. Allein um das Betreuungsverh&auml;ltnis einigerma&szlig;en an internationales Niveau heranzubringen, seien mindestens 357,1 Mio. Euro p. a. n&ouml;tig. Das h&ouml;rt sich gewaltig an: Verteilt auf 391 staatlichen bzw. staatlich anerkannten Hochschulen, w&auml;ren das pro Hochschule aber gerade einmal etwas &uuml;ber 900.000 Euro f&uuml;r zus&auml;tzliche Hochschullehrer. <\/p><p>Aber es w&auml;re immerhin etwas. Wenn man jedoch diese Zahlen einmal damit vergleicht, dass allein in diesem Jahr die Unternehmenssteuern um &uuml;ber 5 Milliarden gesenkt werden, dann zeigt sich in nackten Zahlen, wie es um die &bdquo;<em>Bildungsrepublik<\/em>&ldquo; Deutschland steht. <\/p><p>Die Empfehlungen des WR zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium sind gemessen an dem Reformjargon und an der Reformpraxis der letzten Jahre ein erfreuliches Dokument. Es ist allerdings zu bef&uuml;rchten, dass diese Empfehlungen, wie viele andere des WR, zwar in vielen Sonntagsreden salbungsvoll zitiert werden, dass aber nur wenig daraus folgt. Das liegt auch an den Empfehlungen selbst. Sie enthalten einen vielf&auml;ltigen Bauchladen an Ratschl&auml;gen und v&ouml;llig unterschiedlich bedeutsamen Vorschl&auml;gen. Jeder Rektor, jeder Wissenschaftsminister kann sich daraus etwas herauspicken und sich r&uuml;hmen dem WR gefolgt zu sein. Es fehlt ein zusammenh&auml;ngendes Konzept und es fehlt vor allem eine auf die einzelnen Verantwortlichen bezogene Verbindlichkeit.   <\/p><p>Weniger, w&auml;re auch in diesem Falle mehr gewesen. H&auml;tte sich der WR auf einen Katalog von wenigen Kernpunkten verst&auml;ndigt und klare Verantwortlichkeiten zugewiesen und wom&ouml;glich einen verbindlichen Zeitplan vorgegeben, so w&auml;re der Verbesserung der Qualit&auml;t der Lehrer ein gr&ouml;&szlig;erer Dienst erwiesen worden. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">Wissenschaftsrat [PDF &ndash; 396 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Jahren umw&auml;lzender Hochschulreformen hin zur &bdquo;<em>unternehmerischen<\/em>&ldquo; Hochschule, nach einer weitgehend vollzogenen grunds&auml;tzlichen Umstrukturierung des Studiums in konsekutive Bachelor- und Masterstudieng&auml;nge im Rahmen des sog. Bologna-Prozesses, nach einer mit hohem propagandistischen Aufwand durchgef&uuml;hrten &bdquo;<em>Exzellenz-Initiative<\/em>&ldquo; nimmt sich endlich ein wissenschaftspolitisch bedeutsames Gremium der neben der Forschung zentralen Aufgabe der Hochschulen an: der Lehre und dem Studium.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3327\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17],"tags":[430,320,235,429,408,234,565],"class_list":["post-3327","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bildungsausgaben","tag-bolognaprozess","tag-drittmittel","tag-exzellenzinitiative","tag-soziale-herkunft","tag-studiengebuehren","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3327","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3327"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3327\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28833,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3327\/revisions\/28833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3327"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3327"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3327"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}