{"id":333,"date":"2004-06-20T09:35:40","date_gmt":"2004-06-20T08:35:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=333"},"modified":"2016-03-29T18:25:56","modified_gmt":"2016-03-29T16:25:56","slug":"die-gleichschaltung-der-wissenschaft-von-der-okonomie-in-deutschland-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=333","title":{"rendered":"Die Gleichschaltung der Wissenschaft von der \u00d6konomie in Deutschland geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) war bis vor wenigen Jahren unter den wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten in Deutschland das einzige Institut, von dem man des &ouml;fteren Analysen zu lesen bekam, die &uuml;ber die Interessen der Arbeitnehmerschaft nicht mit der &uuml;blichen Attit&uuml;de der Eliten hinweggingen und deren Autoren erkennbar dem keynesianischen Gedankengut offen und nahe standen. Auf Betreiben des Pr&auml;sidenten Professor Dr. Klaus F. Zimmermann soll der Vertrag des Leiters der Konjunkturabteilung, Gustav Horn, nicht verl&auml;ngert werden. Horn sprach sich h&auml;ufig f&uuml;r die St&auml;rkung der Binnennachfrage aus und hatte die Agenda 2010 kritisiert; Zimmermann ist ein engagierter Verfechter der Arbeitsmarktreformen einschlie&szlig;lich der Einf&uuml;hrung eines so genannten Niedriglohnsektors. Mit dem Rauswurf von Horn wird auch das DIW ein St&uuml;ckchen mehr auf neoliberale Richtung getrimmt.<br>\n<!--more--><br>\nDas DIW hat eine renommierte Tradition. Daf&uuml;r stehen auch seine bisherigen Pr&auml;sidenten. Dazu geh&ouml;rten einmal Klaus-Dieter Arndt, der ehemalige Parlamentarische Staatssekret&auml;r beim Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller, der renommierte &Ouml;konom mit Akzent Sozialpolitik und Verteilung, Professor Hans-J&uuml;rgen Krupp und Professor Lutz Hoffmann.<\/p><p>Bei Professor Zimmermann muss man zum Hintergrund noch wissen, dass er gleichzeitig Direktor eines privaten Forschungsinstituts, des IZA, Instituts Zukunft der Arbeit, in Bonn ist. Dieses Institut wird pr&auml;sidiert von Dr. Klaus Zumwinkel, dem Chef der Deutschen Post AG. Diese h&auml;lt sich das IZA. In der Regel sind solche Institute inzwischen schon h&auml;ufig die Basis von besonderen Zusatzeinkommen f&uuml;r Professoren. Wir kennen das vom Ifo-Institut in M&uuml;nchen, dessen Pr&auml;sident der Professor Hans-Werner Sinn ist, und z. B. vom Mannheimer Institut f&uuml;r die Erforschung des Alters, &ldquo;mea&rdquo;, dessen F&ouml;rderer die deutsche Versicherungswirtschaft und dessen Leiter Professor B&ouml;rsch-Supan ist. Professor Zimmermann war mir im Herbst des Jahres 2000 schon aufgefallen, als er &uuml;ber sein Bonner Institut dramatisierende Daten &uuml;ber die demographische Entwicklung lieferte, die damals vom &ldquo;Spiegel&rdquo; breit ausgew&auml;lzt wurden.<\/p><p>Von einer unabh&auml;ngigen Wissenschaft der National&ouml;konomie kann man in den F&auml;llen dieser Verkn&uuml;pfung nicht mehr sprechen. Die wissenschaftliche Beratung leidet unter dieser Entwicklung. Sie wird besonders leiden, wenn die besondere Stimme des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung nicht mehr zu h&ouml;ren ist.<\/p><p>Eines muss noch angemerkt werden: dass die Neoliberalen versuchen, die ihnen noch widersprechenden Stimmen abzuschalten, ist verst&auml;ndlich. Die Performance, die Leistung der Neoliberalen in der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik ist miserabel. Sowohl die Krise in den 80er Jahren als auch den Niedergang der deutschen Volkswirtschaft in den 90er Jahren bis heute verdanken wir ihrem Einfluss. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) war bis vor wenigen Jahren unter den wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstituten in Deutschland das einzige Institut, von dem man des &ouml;fteren Analysen zu lesen bekam, die &uuml;ber die Interessen der Arbeitnehmerschaft nicht mit der &uuml;blichen Attit&uuml;de der Eliten hinweggingen und deren Autoren erkennbar dem keynesianischen Gedankengut offen und nahe standen. 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