{"id":3333,"date":"2008-07-15T09:15:08","date_gmt":"2008-07-15T07:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3333"},"modified":"2015-11-19T09:41:36","modified_gmt":"2015-11-19T08:41:36","slug":"von-der-freiheit-der-wissenschaft-zur-unternehmerischen-hochschule-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3333","title":{"rendered":"Von der Freiheit der Wissenschaft zur \u201eunternehmerischen Hochschule\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ein Referat von Wolfgang Lieb an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universit&auml;t Bonn<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>\nIch m&ouml;chte das Thema meines Vortrags unter zwei Aspekten behandeln, einerseits m&ouml;chte ich Ihnen meine kritische Sicht auf die &bdquo;unternehmerische Hochschule&ldquo; darstellen. In einem zweiten Teil m&ouml;chte ich versuchen in der gebotenen Knappheit die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r den Paradigmenwechsel der Hochschulreformen der letzten Jahre aufzeigen.\n<p>Zun&auml;chst also zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo;: <\/p>\n<p>Kein anderes Land mache &bdquo;Freiheit mit dieser Konsequenz zur Grundlage seiner Hochschulpolitik&ldquo;, so r&uuml;hmt Innovationsminister Pinkwart in einer vom Ministerium herausgegebenen Brosch&uuml;re unter dem Titel &bdquo;Hochschule auf neuen Wegen&ldquo; das nordrhein-westf&auml;lische Hochschul-&bdquo;Freiheits&ldquo;-Gesetz. <\/p>\n<p>Nun ist es leider so, dass kaum ein anderer Begriff in der Menschheitsgeschichte so unterschiedlich gebraucht und auch so missbraucht wurde, wie der Freiheitsbegriff.<\/p>\n<p>Man tut also gut daran, wenn von &bdquo;Freiheit&ldquo; die Rede ist, immer auch nach der von Immanuel Kant herausgearbeiteten Unterscheidung zwischen &bdquo;positiver&ldquo; und &bdquo;negativer&ldquo; Freiheit zu fragen. Einfacher ausgedr&uuml;ckt: Man sollte immer auch danach fragen: &bdquo;Freiheit zu was&ldquo; und &bdquo;Freiheit von was oder Freiheit von wem&ldquo;.<\/p>\n<p>Stellt man die Kantsche Frage, f&uuml;r zu was und von wem die &bdquo;neue&ldquo; Freiheit dienlich ist, so wird man feststellen &ndash; so meine These &ndash; , dass die weit &uuml;berwiegende Mehrheit der Lehrenden und der Studierenden in der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; &ndash; gemessen an ihren fr&uuml;heren Lehr-, Forschungs- und Lernfreiheiten &ndash; wesentlich &bdquo;unfreier&ldquo; sein werden, als vor der letzten Reform des nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulgesetzes im Jahre 2000 &ndash; noch unter meiner Amtszeit als Staatssekret&auml;r. <\/p>\n<p>Die grundgesetzlich garantierte institutionelle Freiheit von Forschung und Lehre gegen&uuml;ber dem Staat und die in Angelegenheiten der Wissenschaft vom Gesetzgeber zu sichernde Autonomie werden in der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; k&uuml;nftig vom Staat weitgehend befreit und daf&uuml;r der Freiheit des Wettbewerbs ausgesetzt. Der Konkurrenz um die Einwerbung von Studiengeb&uuml;hren und von sog. Drittmitteln, also den anonymen Zw&auml;ngen der Konkurrenz auf dem Wissenschafts- und Ausbildungsmarkt. <\/p>\n<p>Es ist das Bild einer Hochschule, die wie ein Unternehmen ihre &bdquo;Produkte&ldquo; &ndash; also ihre Forschungsleistungen sowie ihre Aus- und Weiterbildungsangebote &ndash; auf dem Markt an kaufkr&auml;ftige Nachfrager abzusetzen hat: n&auml;mlich an zahlungskr&auml;ftige Forschungsauftraggeber und Investoren, an Stifter und Sponsoren &ndash; und an Studierende, die f&uuml;rs Studieren zur Kasse gebeten werden.  <\/p>\n<p>In der selbstverwalteten Gruppenuniversit&auml;t entschieden (vor allem) die Gemeinschaft der Lehrenden und (in Studienangelegenheiten mit einer Drittelparit&auml;t) auch die Studierenden &ndash; jedenfalls der Satzung und dem Anspruch nach &ndash; nach forschungs- und lehrrelevanten Maximen und Interessen &uuml;ber Forschung und Lehre und &ndash; mit zunehmend flexibilisierten Haushalten &ndash; auch &uuml;ber die Verteilung der Ressourcen innerhalb der Hochschule.<\/p>\n<p>Der Staat legte den Finanzrahmen fest und f&uuml;hrte im Wesentlichen nur eine Rechts- und Finanzaufsicht &ndash; und keineswegs eine Fachaufsicht, wie das vielfach behauptet wird.<\/p>\n<p>In der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule soll nicht mehr aufgrund von &bdquo;Entscheidungen in den Gremien&ldquo; (in denen nach Pinkwarts Vorurteil nur blockiert wurde und &bdquo;demotivierende Bedingungen&ldquo; herrschten), sondern es soll von einem &bdquo;modernen Mangagment&ldquo; &ndash; so Pinkwart &ndash; nach den Gesetzen des &bdquo;Wettbewerbs&ldquo; und der &bdquo;Konkurrenz&ldquo; auf dem Wissenschafts- und Ausbildungsmarkt entschieden werden.<\/p>\n<p>Nicht nur die Universit&auml;t selbst soll &bdquo;unternehmerisch&ldquo; agieren, sondern auch die Lehrenden und Forschenden sollen zu &bdquo;Unternehmern innerhalb der unternehmerischen Hochschule&ldquo; (Pinkwart) werden. Bei Entscheidungen unter Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck sind ausgiebige und oft langwierige Diskussionen in Selbstverwaltungsgremien nur, wie Pinkwart sagt, &bdquo;b&uuml;rokratische H&uuml;rden&ldquo; und &bdquo;Hemmnisse&ldquo; die es &bdquo;aus dem Weg zu r&auml;umen&ldquo; gilt.<\/p>\n<p>(<em><strong>Anmerkung:<\/strong> Wenn ich keine spezielle Quelle benenne, beziehe ich mich auf den Aufsatz in der genannten Brosch&uuml;re <a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Service\/broschueren\/index.html\">&bdquo;Hochschule auf neuen Wegen&ldquo; 1\/2007 als PDF-Download)<\/a><\/em><\/p>\n<p>Die Hochschule im Wettbewerb bedarf deshalb, so Pinkwart, &bdquo;klare, handlungsf&auml;hige und starke Leitungsstrukturen&ldquo;, oder wie der Minister weiter meint &bdquo;ein modernes Management&ldquo;, das rasch Entscheidungen treffen und umsetzen kann. Horizontale, &bdquo;bottom-up&ldquo;-Strukturen demokratischer oder kooperativer Interessenvertretung m&uuml;ssen in diesem neuen Leitbild der Hochschulen konsequenterweise von vertikalen, &bdquo;top-down&ldquo;-Entscheidungsbefugnissen abgel&ouml;st werden.<\/p>\n<p>W&auml;hrend der Rektor einer Hochschule fr&uuml;her der &bdquo;primus inter pares&ldquo; war, braucht die &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule &ndash; laut Pinkwart &ndash; wie ein auf &bdquo;den Zukunftsm&auml;rkten&ldquo; agierendes Unternehmen ein &bdquo;professionelles Management&ldquo; mit effizienten Entscheidungsbefugnissen und rascher Entscheidungskraft. Eine Hochschulleitung n&auml;mlich, die von der Spitze aus in alle Bereiche des Unternehmens &ndash; als &bdquo;Arbeitgeber und Dienstherr&ldquo; des &bdquo;Personals&ldquo; (ehemals Hochschullehrer genannt) und bis hinein in die &bdquo;Ausbildungsverh&auml;ltnisse&ldquo; (ehemals Studium genannt) durchentscheiden kann. <\/p>\n<p>Man braucht dazu einen Pr&auml;sidenten oder &ndash; wie es im baden-w&uuml;rttembergischen Hochschulgesetz konsequenterweise hei&szlig;t &ndash; einen &bdquo;Vorstandsvorsitzenden&ldquo;, gegen dessen Stimme keine Entscheidung an der Hochschule getroffen werden kann. (So sieht das auch &sect; 15 Abs. 2 Ziff. 3 HFG vor) <\/p>\n<p>Die &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; einer Hochschule bestimmt sich nicht mehr aus ihrer wissenschaftlichen Anerkennung innerhalb der Scientific Community. Ein wissenschaftliches Studium bestimmt sich nicht mehr vor allem  &ndash; wie das der Wissenschaftsrat in seinen j&uuml;ngsten Empfehlungen definiert hat &ndash;  nach den &bdquo;Prinzipien der Wissenschaftlichkeit (also einer fragenden, kritischen Haltung, einem Problem- und Methodenbewusstsein, der Strukturierungsf&auml;higkeit, der Selbst&auml;ndigkeit) und des forschungsorientierten Lernens ,<br>\nsondern in der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule erweist sich deren Qualit&auml;t in der (Zitat) &bdquo;Konkurrenz mit ihresgleichen&ldquo;.<\/p>\n<p>Dabei soll die einzelne Hochschule &bdquo;das Ziel Qualit&auml;t auf unterschiedlichen Wegen zu verfolgen. Die eine Hochschule wird sich auf ihre Rolle als Ausbilder und F&amp;E-Partner in ihrer Region konzentrieren. Eine andere Hochschule wird sich an starken europ&auml;ischen Mitbewerbern um technologische Leitprojekte orientieren und mit dem Anspruch antreten, in der internationalen Liga der Spitzenforschung mitzuspielen&ldquo;. (Pinkwart)  <\/p>\n<p>Die Zielvorstellung von Innovationsminister Pinkwart entspricht also in etwa dem amerikanischen Hochschulsystem mit einer hierarchisch tief gestaffelten Hochschullandschaft mit einigen wenigen Spitzenuniversit&auml;ten mit Ausbildungsangeboten f&uuml;r den Nachwuchs der gesellschaftlichen &bdquo;Elite&ldquo; und der gro&szlig;en Masse von Hochschulen ganz unterschiedlicher Qualit&auml;t f&uuml;r die gro&szlig;e Masse der Studierenden.<\/p>\n<p>Diese Trennung von &bdquo;Spreu&ldquo; und &bdquo;Weizen&ldquo; wird &uuml;brigens noch dadurch versch&auml;rft, dass die Masse der Studierenden in verschulte Bachelor-Studieng&auml;nge gedr&auml;ngt werden soll und nur noch eine quotenm&auml;&szlig;ig festgelegte, kleine Gruppe zu einem Masterstudium mit wissenschaftlichem Anspruch zugelassen wird.<\/p>\n<p>Damit die Gesetze des Wettbewerbs auch wirken k&ouml;nnen, m&uuml;ssen &ndash; dem Glaubensbekenntnis des Markt- und Wettbewerbsliberalismus entsprechend &ndash; der Staat, die Politik oder nicht marktg&auml;ngige gesellschaftliche Anforderungen aus dem Marktgeschehen m&ouml;glichst weitgehend herausgehalten werden.<br>\nSo soll denn auch das Parlament k&uuml;nftig allenfalls noch der Zahlmeister f&uuml;r die Grundfinanzierung der Hochschulen sein, der &bdquo;Zusch&uuml;sse&ldquo;(!) gew&auml;hrt.<\/p>\n<p>An Stelle des Ministeriums oder des Parlaments als rahmensteuernde Aufsichtsorgane wird der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule, wie bei einem in Form einer Aktiengesellschaft konstituierten Wirtschaftsunternehmen, k&uuml;nftig eine Art Aufsichtsrat dem Management der Hochschule als &bdquo;Fachaufsicht&ldquo; gegen&uuml;bergestellt.<\/p>\n<p>Dieser sog. Hochschulrat, so regelt es das HFG, &bdquo;besteht mindestens zur H&auml;lfte aus Mitgliedern, die von au&szlig;en kommen; der Vorsitzende kommt in jedem Fall von au&szlig;en.&ldquo;<\/p>\n<p>Vorschl&auml;ge zur Besetzung des Hochschulrates macht ein Auswahlgremium aus zwei (!) Vertretern\/innen des Senates, zwei Vertretern\/innen des bisherigen Hochschulrates und einem\/er Vertreter\/in des Landes mit zwei Stimmen. Es entwickelt einen Listenvorschlag, der vom Senat best&auml;tigt werden muss und der letztinstanzlichen Zustimmung durch das Ministerium bedarf, das den Rat f&uuml;r eine Amtszeit von 5 Jahren ernennt.<\/p>\n<p>Pinkwart meint mit diesem Auswahlverfahren &ndash; bei dem die Vertreter der Hochschule allerdings in der Minderheit sind &ndash; sei &bdquo;die demokratische Legitimation der Hochschulratsmitglieder gesichert&ldquo;.<\/p>\n<p>Was Pinkwart allerdings verschweigt, ist, dass der Hochschulrat in seinen Handlungen und Entscheidungen &uuml;ber die f&uuml;nfj&auml;hrige Amtszeit keiner irgendwie legitimierten Instanz und schon gar nicht einer demokratisch legitimierten Autorit&auml;t rechenschaftspflichtig ist.<\/p>\n<p>Die Hochschulratsmitglieder entscheiden &uuml;ber das Geld der Steuerzahler und &uuml;ber dessen Verteilung an den Hochschulen nach ihren pers&ouml;nlichen oder ihren politischen oder ihren gesellschaftspolitischen Interessen und Grundhaltungen.<\/p>\n<p>Man stelle sich einmal umgekehrt den Aufstand der Wirtschaft vor, wenn per Gesetz entschieden w&uuml;rde, im Aufsichtsrat eines Unternehmens m&uuml;sste eine Mehrheit von externen Wissenschaftlern oder beliebiger Repr&auml;sentanten der Gesellschaft das Sagen haben.<\/p>\n<p>Der Hochschulrat hat eine bisher bei k&ouml;rperschaftlich organisierten und selbstverwalteten Hochschulen nie gekannte weitgehende &bdquo;Fachaufsicht&ldquo;!<\/p>\n<p>Laut &sect; 21 HFG konzentrieren sich die wichtigsten Machtkompetenzen einer Hochschule im Hochschulrat: <\/p>\n<ul>\n<li>Er stimmt dem Hochschulentwicklungsplan zu.<\/li>\n<li>Er stimmt dem Wirtschaftsplan und dem Plan zur unternehmerischen Hochschulbet&auml;tigung zu.<\/li>\n<li>Er nimmt zum Rechenschaftsbericht des Pr&auml;sidiums Stellung.<\/li>\n<li>Er nimmt Stellung zu Angelegenheiten der Forschung, Kunst, Lehre und des Studiums, die die gesamte Hochschule oder zentrale Einrichtungen betreffen oder von grunds&auml;tzlicher Bedeutung sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am Wichtigsten sind dabei die Wahl und die Entlastung der Hochschulleitung durch den Hochschulrat. <\/p>\n<p>Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling, der bisherige Chef des Bertelsmann Centrums f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE), hat die Bedeutung dieser Bestimmung in dankenswerter Offenheit begr&uuml;ndet: Nur durch die Wahl des Pr&auml;sidiums durch den Hochschulrat &bdquo;erh&auml;lt die Hochschulleitung gegen&uuml;ber den hochschulinternen Gremien die Unabh&auml;ngigkeit, die sie f&uuml;r ein effektives und effizientes Management ben&ouml;tigt.&ldquo;<\/p>\n<p>Pinkwarts Vorstellung ist in etwa die: Der Hochschulrat &bdquo;nimmt Impulse aus Wirtschaft und Gesellschaft auf und vermittelt in dieser Weise als &bdquo;Transmissionsriemen&ldquo; das erforderliche Beratungswissen f&uuml;r die Entscheidungen der Hochschulleitungen&ldquo;.<\/p>\n<p>Fragt man danach woher diese gesellschaftlichen &bdquo;Impulse&ldquo; kommen, so zeigt die bisherige Erfahrung, dass fast &uuml;berall, wo sich Hochschulr&auml;te konstituiert haben, solche &bdquo;Impulse&ldquo; vor allem von Repr&auml;sentanten aus der Wirtschaft, meist der Gro&szlig;- und Finanzwirtschaft, der IHKs oder bestenfalls noch &ouml;rtlicher Unternehmer kommen .<\/p>\n<p>Die Zusammensetzung des im April dieses Jahres ernannten Hochschulrats Ihrer Universit&auml;t ist Ihnen sicherlich bekannt: <\/p>\n<p>Vorsitzender ist <\/p>\n<ul>\n<li>Dr. J&ouml;rg Haas, Vorstand des Finanzdienstleistungsunternehmens Haas &amp; Wilbert Beteiligung AG &ndash; HWB AG.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als externe Mitglieder geh&ouml;ren dem Hochschulrat ferner an: <\/p>\n<ul>\n<li>Lothar A. Harings, Vorstandsmitglied und Chief Human Resources Officer der T-Mobile International AG &amp; Co. KG<\/li>\n<li>Dr. Monika Wulf-Mathies, Leiterin des Zentralbereichs Politik und Umwelt, Deutsche Post World Net.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Drei der sieben externen Mitglieder sind also Repr&auml;sentanten der Wirtschaft.<\/p>\n<p>In einer von der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung gef&ouml;rderten und in Kooperation mit der Gemeinsamen Arbeitsstelle der <a href=\"http:\/\/rubigm.ruhr-uni-bochum.de\/Projekte\/Hochschulraete.S-2007-981-5-1.pdf\">Ruhruniversit&auml;t Bochum und der IG Metall durchgef&uuml;hrte Studie [PDF &ndash; 484 KB]<\/a> wird u.a. Fragen nach der Stellung, der Zusammensetzung, den Kompetenzen und den Arbeitsstrukturen der Hochschulr&auml;te in der reformierten Hochschullandschaft nachgegangen. Der Datensatz umfasst 161 Hochschulen. <\/p>\n<p>Danach werden die Mitglieder externer Hochschulr&auml;te mit jeweils einem runden Drittel aus der Wirtschaft und der Wissenschaft rekrutiert, wobei auf Seiten der Wirtschaft die Vertreter von Gro&szlig;unternehmen dominieren. W&auml;hrend an Universit&auml;ten die Gro&szlig;unternehmen eindeutig dominieren, werden insbesondere an Fachhochschulen, aber auch bei privaten und technischen Hochschulen die Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen mit regionalem Bezug wichtiger. Bei den Fachhochschulen, technischen Universit&auml;ten und privaten Hochschulen sind die Anteile der Wirtschaftsvertreter deutlich h&ouml;her. <\/p>\n<p>Was aber noch signifikanter ist: Unter den Hochschulratsvorsitzenden liegt der Anteil der Wirtschaftsvertreter bei knapp der H&auml;lfte, n&auml;mlich 47 Prozent, von diesen Vorsitzenden sind wiederum 80 Prozent Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder von Unternehmen. <\/p>\n<p>Kein Wunder, dass das Handelsblatt vom 12. Oktober 2007 ziemlich triumphierend titelte: <em>&bdquo;Manager erobern die Kontrolle an den Unis&ldquo;<\/em>. Ein weiteres rundes F&uuml;nftel der externen Hochschulratsmitglieder kommt aus Politik, Verwaltung oder von anderen Interessengruppen. Nur rund ein Zehntel kommt aus sonstigen Bereichen des &ouml;ffentlichen Lebens.<\/p>\n<p>Vertreter aus Gewerkschaften sind im Vergleich zu jenen aus der Wirtschaft in den neu geschaffenen Steuerungsgremien der bundesdeutschen Hochschulen mit 3% nur marginal vertreten. <\/p>\n<p>In Berlin sind 5, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen jeweils 2, in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen jeweils 1 Gewerkschaftsvertreter in den Hochschulr&auml;ten vertreten. In den &uuml;brigen L&auml;ndern &ndash; vor allem in Baden-W&uuml;rttemberg und Bayern, wo schon seit 1998 bzw. 2000 Hochschulr&auml;te eingef&uuml;hrt wurden &ndash; gar keiner. <\/p>\n<p>In Berlin erkl&auml;rt sich die signifikant h&ouml;here Zahl dadurch, dass dort die Beteiligung von Gewerkschaftern als Sozialpartner im Hochschulgesetz festgeschrieben ist. Aber durch die in Berlin eingef&uuml;hrte &bdquo;Erprobungsklausel&ldquo;, ruhen derzeit die Kuratorien und einige der Gewerkschafter sind dort, statt im regul&auml;ren nur noch im &bdquo;Ruhenden Kuratorium&ldquo; vertreten. Die dort befragten gewerkschaftlichen Repr&auml;sentanten bem&auml;ngeln geschlossen, &bdquo;durch dieses Erprobungskonzept faktisch aus der aktiven Arbeit in den Hochschulr&auml;ten ausgeschlossen zu sein, (das sei) ein Widerspruch zu der urspr&uuml;nglichen Intention des Berliner Hochschulgesetzes, alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen in den Hochschulr&auml;ten zu repr&auml;sentieren.&ldquo; <\/p>\n<p>Nach dem R&uuml;cklauf von 161 Hochschulen bleiben von den insgesamt 14 Gewerkschaftsvertretern in Hochschulr&auml;ten &ndash; weil in Berlin deren Mandate ruhen &ndash;  faktisch nur 9.<\/p>\n<p>Aber selbst diese Zahl besch&ouml;nigt die Repr&auml;sentanz von Arbeitnehmervertretern in den obersten Leitungsgremien deutscher Hochschulen. <\/p>\n<p>Gewerkschafter sind dazu hin tendenziell eher im Hochschulrat von solchen Hochschulen vertreten, die &uuml;ber starke gesellschaftswissenschaftliche Fachbereiche verf&uuml;gen &ndash; auf gut deutsch also etwa an Fachhochschulen f&uuml;r Sozialarbeit.<\/p>\n<p>An Universit&auml;ten und vor allem an Technischen Hochschulen muss man sie mit der Lupe suchen und an privaten Hochschulen sind &uuml;berhaupt keine gewerkschaftlichen Vertreter zu finden.<\/p>\n<p>Das konzeptionelle Vorbild vieler Hochschulr&auml;te in der Bundesrepublik werde &ndash; so die Studie &ndash; anhand der Terminologie des Baden-W&uuml;rttembergischen Hochschulgesetzes (2002) besonders deutlich: Seit 2005 hei&szlig;en die Hochschulr&auml;te dort &bdquo;Aufsichtsr&auml;te&ldquo; &ndash; und der Hochschulpr&auml;sident bzw. der Rektor wird als &bdquo;Vorstandsvorsitzender&ldquo; der Hochschule bezeichnet. <\/p>\n<p>Es zeige sich eine Erosion der klassischen Verb&auml;ndebeteiligung. Vor allem Unternehmen oder auch Medienvertreter &ndash; so war der erste Vorsitzende des Hochschulrates der LMU M&uuml;nchen, der Gro&szlig;verleger Hubert Burda &ndash;  w&uuml;rden in vielen Politikfeldern als neue strategische Ressourcen f&uuml;r gesellschaftliche Impulse betrachtet.<\/p>\n<p>Die Kompetenzen der Hochschulr&auml;te &ndash; so die Studie weiter &ndash;  gingen zu Lasten der klassisch-parlamentarischen Repr&auml;sentation gesellschaftlicher Interessen durch die Landesparlamente und durch die Landesregierungen sowie (vor allem) zu Ungunsten der Selbstverwaltung der jeweiligen Hochschule. <\/p>\n<p>Studierende, akademischer Mittelbau und nichtwissenschaftliche Angestellte sind nur zu jeweils zwischen 9 und 14 % (als interne Mitglieder) in Hochschulr&auml;ten vertreten. An der Bonner Uni sind diese Gruppen gar nicht vertreten. <\/p>\n<p>Dieser Trend wird in der Politikwissenschaft mit den Stichworten &bdquo;Personalisierung&ldquo; und &bdquo;Zerfaserung&ldquo; der Staatlichkeit diskutiert: &bdquo;Man k&ouml;nnte auch von einer &bdquo;Privatisierung&ldquo; der Organisationsverantwortung sprechen&ldquo;, so fasst die Studie zusammen.<\/p>\n<p>Ich sehe in der Funktion der Hochschulr&auml;te eine funktionelle Privatisierung der &ouml;ffentlichen und &uuml;berwiegend staatlich finanzierten Hochschulen.<\/p>\n<p>In diesen Zusammenhang ist schlie&szlig;lich auch die Diskussion um die &Auml;nderung der Rechtsform der Hochschulen einzuordnen. Die Johann-Wolfgang-Goethe-Universit&auml;t in Frankfurt am Main ist z.B. zum 1. Januar 2008 in eine Stiftungsuniversit&auml;t umgewandelt werden. Am Ende der laufenden Rechtsformdiskussion k&ouml;nnte die Privatisierung der staatlichen Hochschulen stehen &ndash; ein Schicksal, das etwa die hessischen Universit&auml;tsklinika bereits ereilt hat.<\/p>\n<p>Ich bin seit vier Jahren Mitglied in einem Hochschulrat und habe dabei eigene Erfahrungen sammeln k&ouml;nnen, die mir auch von Mitgliedern in anderen Hochschulr&auml;ten best&auml;tigt wurden: <\/p>\n<p>In der Regel ist es so, dass die Hochschulr&auml;te die ohnehin per Gesetz massiv gest&auml;rkte Durchgriffsgewalt der Hochschulleitungen noch verst&auml;rken. D.h. die Pr&auml;sidenten oder Vorstandsvorsitzenden k&ouml;nnen mit ihrem Hochschulrat im R&uuml;cken jeden Widerstand der Hochschulmitglieder gegen ihre Top-down-Entscheidungen brechen. <\/p>\n<p>Von daher versteht sich auch die grunds&auml;tzlich positive Einstellung der Hochschulleitungen zu den Hochschulr&auml;ten von selbst.<\/p>\n<p>Bei Hochschulr&auml;ten, die &ndash; wie die schon zitierte Studie festgestellt hat und wie es auch meiner Erfahrung entspricht &ndash; in der gro&szlig;en Zahl der Hochschulen im besten Fall einmal viertelj&auml;hrlich zusammentreten, um dann durchschnittlich allenfalls rund vier Stunden tagen, hat das hauptamtliche Pr&auml;sidium einen nicht einholbaren Informationsvorsprung und kennt die m&ouml;glichen Handlungsoptionen erheblich besser als jedenfalls die externen Mitglieder des Hochschulrates. <\/p>\n<p>Hinzu kommt: Laut der Studie der Uni Bochum bieten in 63% der F&auml;lle ausschlie&szlig;lich die Rektorate die &bdquo;Unterst&uuml;tzungsstrukturen&ldquo; f&uuml;r die Hochschulr&auml;te und nur ein Drittel verf&uuml;gt &uuml;ber einen Apparat &ndash; der allerdings sehr klein sein d&uuml;rfte. In meiner Hochschule haben wir noch nicht einmal einen Sachbearbeiter, der allerdings mit vielen anderen Aufgaben betraut ist.<\/p>\n<p>Die Rektorate h&auml;tten so die Studie weiter &bdquo;de facto die Hoheit &uuml;ber die Tagesordnung&ldquo;.<\/p>\n<p>Aus eigener Erfahrung und aus Gespr&auml;chen mit Hochschulratsmitgliedern einiger Hochschulen kann ich das nur best&auml;tigen: <\/p>\n<p>Im wirklichen Leben sieht das n&auml;mlich so aus, dass vor entscheidenden Sitzungen der Pr&auml;sident versucht, den Vorsitzenden des Hochschulrats in Vorgespr&auml;chen auf seine Seite zu ziehen und der Vorschlag des Pr&auml;sidenten wird dann im Hochschulrat &bdquo;durchgewinkt&ldquo;. So kann der Pr&auml;sident in aller Regel jeden Widerstand oder jeden seiner Position entgegenstehenden Beschluss der hochschulinternen Gremien aushebeln.<\/p>\n<p>Die Eingangsfrage, f&uuml;r wen und wozu das neue &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; mehr Freiheit bringt, l&auml;sst sich &ndash; wenn man einmal die Freiheitsrhetorik hinterfragt &ndash; also ziemlich eindeutig beantworten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Hochschulen werden statt den Gesetzen des demokratischen Gesetzgebers, den anonymen Gesetzen des Wettbewerbs unterstellt. Den angeblich objektiven Zw&auml;ngen des Wettbewerbs kann und darf sich kein Mitglied der Hochschule, ob Forschender, Lehrender oder Studierender mehr entziehen.<\/li>\n<li>Die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Forschung und Lehre gegen&uuml;ber dem Staat und die sich selbstverwaltenden Strukturen der in Angelegenheiten der Wissenschaft autonomen Hochschule werden durch die Entlassung der &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule in die Freiheit des Wettbewerbs im Sinne Schumpeters &bdquo;sch&ouml;pferisch zerst&ouml;rt&ldquo; und die Lehr- und Lernfreiheit wird als die Freiheit zur Durchsetzung auf dem Ausbildungs- und Wissensmarkt umdefiniert.<\/li>\n<li>Die horizontalen Strukturen von Interessenvertretung und akademischer Selbstverwaltung und kooperative Hochschulleitungen werden durch eine neuartige zentralistische Aufsichtsrat-Managementstruktur ersetzt. Die Hochschulen gleichen sich so auch formal dem Leitbild gewerblicher Unternehmen an.\n<\/li>\n<li>Die &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule wird &uuml;ber den beaufsichtigenden externen Hochschulrat und vor allem durch dessen Zusammensetzung zur ma&szlig;geblich von Vertretern der Wirtschaft gesteuerten Hochschule mit dem Auftrag zur Kooperation und zur Zusammenf&uuml;hrung von Wissenschaft und Wirtschaft.\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und sollte sich eine Hochschule immer noch die Freiheit nehmen, sich den Zw&auml;ngen des Hochschulfreiheitsgesetzes mit seiner wettbewerblichen Steuerung zu entziehen, h&auml;ngt &uuml;ber ihr das Damoklesschwert der &bdquo;Zielvereinbarung&ldquo;.<\/p>\n<p>Das sind Vereinbarungen (mit einem fr&uuml;her unvorstellbaren Detaillierungsgrad) zwischen der Hochschulleitung und dem Ministerium (d.h. wiederum ohne parlamentarische Einflussm&ouml;glichkeit) &bdquo;f&uuml;r mehrere Jahre &uuml;ber strategische Entwicklungsziele sowie konkrete Leistungsziele&ldquo;. (So &sect; 6 Abs. 2 HFG). <\/p>\n<p>Danach kann der Minister mit Geld als &bdquo;goldenem Z&uuml;gel&ldquo; die Hochschule &bdquo;anreizen&ldquo; die gew&uuml;nschten Ziele zu erreichen, d.h. (Zitat) &bdquo;ein Teil des Landeszuschusses an die Hochschulen (kann) nach Ma&szlig;gabe der Zielerreichung zur Verf&uuml;gung gestellt werden&ldquo;.<\/p>\n<p>Und wenn der Geldanreiz dann immer noch nicht zum gew&uuml;nschten Verhalten der Hochschule f&uuml;hrt, dann gilt sozusagen der alte Mafiabrauch, entweder wir einigen uns oder der Minister erzwingt das von ihm vorgegebenen Verhalten:<\/p>\n<p>In &sect; 6 Abs. 3 HFG hei&szlig;t es: &bdquo;Wenn und soweit eine Ziel- und Leistungsvereinbarung nicht zustande kommt, kann das Ministerium nach Anh&ouml;rung der Hochschule und im Benehmen mit dem Hochschulrat Zielvorgaben zu den von der Hochschule zu erbringenden Leistungen festlegen.&ldquo;<\/p>\n<p>Das erinnert mich an den Ausspruch des legend&auml;ren Mafia-Chefs Al Capone: &bdquo;Mit einem freundlichen Wort und einer Pistole in der Hand erreicht man mehr als mit einem freundlichen Wort allein.&ldquo;<\/p>\n<p>Fazit: Die nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulen k&ouml;nnen ihre ihnen angeblich durch das &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; zugestandene Freiheit <\/p>\n<ul>\n<li>entweder durch den (freiwilligen) Verzicht auf Freiheit durch Unterwerfung unter die Wettbewerbszw&auml;nge wahrnehmen<\/li>\n<li>oder sie werden vom Minister zum Verzicht auf Freiheit gezwungen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Wenn Sie mir erlauben m&ouml;chte ich im zweiten Teil meines Referates noch skizzenhaft herauszuarbeiten versuchen, wie es zu diesem Paradigmenwechsel von der &ouml;ffentlich verantworteten und verantwortlichen, jedoch selbstverwalteten Hochschule zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule gekommen ist:\n<p>Unsere Hochschulen waren im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert wahrlich nicht im besten Zustand. Es gab erheblichen Reformbedarf.<\/p>\n<p>Gegen die Demokratisierungsversuche der 70er Jahre hatten sich die &bdquo;st&auml;ndischen&ldquo; Wurzeln der b&uuml;rgerlichen Gelehrtenrepublik und der Ordinarienherrschaft mit ihren Pfr&uuml;nden und Privilegien wieder durchgesetzt, in manchen F&auml;chern galt Weltferne geradezu als Markenzeichen und einzelne Hochschullehrer verwechselten die ihnen verfassungsrechtlich garantierte Freiheit in Forschung und Lehre als Freiheit von Forschung und Lehre. Oftmals herrschte in den Gremien organisierte Verantwortungslosigkeit. Politische Anst&ouml;&szlig;e zur Verbesserung der Qualit&auml;t der Lehre, zu effizienterem Wirtschaften, f&uuml;r eine Reform der Personalstruktur etwa durch die Einf&uuml;hrung des Juniorprofessors oder neuer Qualifizierungswege f&uuml;r den wissenschaftlichen Nachwuchs wurden vielfach abgeblockt oder unterlaufen. <\/p>\n<p>Die Studierenden irrten h&auml;ufig ohne Betreuung und Orientierung durch die Massenuni. Forschung galt vielen Hochschullehrern als Alibi f&uuml;r die Vernachl&auml;ssigung der Lehre. Es gab also erheblichen Reformbedarf.<\/p>\n<p>Nach der Abschaffung der Diplom-Studieng&auml;nge und mit der Einf&uuml;hrung von gestuften Bachelor- und Masterstudieng&auml;ngen, finden wir vielfach Paukstudieng&auml;nge vor, in denen Wissen eingepaukt und in zahllosen Klausuren schlicht reproduziert wird. Kritiker sprechen b&ouml;se vom &bdquo;Bulimie-Studium&ldquo;. Der Bachelor-Abschluss ist oft nicht mehr als ein zertifizierter Studienabbruch. <\/p>\n<p>An die Stelle einer Reflexion des Stoffes und der selbst&auml;ndigen systematischen Anwendung wissenschaftlicher Methoden auf neue Fragestellungen ist der &bdquo;workload&ldquo; getreten, der Arbeitsaufwand f&uuml;r das Lernen gemessen in Zeiteinheiten zum Erwerb von &bdquo;Kreditpunkten&ldquo;. Die &bdquo;hohen Schulen&ldquo; wurden zu Ausbildungs-Fabriken.<\/p>\n<p>Die Masse der Studierenden wird durch ein Kurzstudium geschleust, der &Uuml;bergang zu einem &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Master-Abschluss steht nur noch einem kleinen Teil der Studierenden offen. <\/p>\n<p>Deutschlands Hochschulwesen hatte seine international anerkannte besondere St&auml;rke in der Breite der wissenschaftlichen Ausbildung bei hoher und vergleichbarer Qualit&auml;t der Hochschulen. Ein Diplom in Greifswald oder Siegen war grunds&auml;tzlich genauso viel wert, wie ein Abschluss in M&uuml;nchen oder Aachen. Inzwischen wird auch durch die sog. Exzellenzinitiative eine systematische Hierarchisierung der Hochschullandschaft mit unterschiedlicher Qualit&auml;t der Hochschulen vorangetrieben. Viele der kleineren Hochschulen, werden schon in wenigen Jahren zu mittelm&auml;&szlig;igen Colleges oder Schools abgewirtschaftet sein.<\/p>\n<p>Das B&uuml;rgerrecht auf Bildung wurde in sechs L&auml;ndern (ohne Hessen) durch ein &bdquo;Bezahlstudium&ldquo; abgel&ouml;st. Eine wissenschaftliche Ausbildung m&ouml;glichst Vieler gilt heute nicht mehr als Fundament f&uuml;r die technologische Innovation und Leistungsf&auml;higkeit der Volkswirtschaft und als Element der demokratischen Teilhabe und der kulturellen Entwicklung der Gesellschaft, sondern als eine private Investition in das pers&ouml;nliche &bdquo;Humankapital&ldquo;.<\/p>\n<p>An die Stelle einer der Gesellschaft und der Allgemeinheit verpflichteten demokratisch verantworteten Forschung und Lehre ist die &bdquo;unternehmerische&ldquo; Hochschule getreten, die durch die Gesetze des Wettbewerbs auf dem Wissenschafts- und Ausbildungsmarkt gesteuert werden soll. <\/p>\n<p>Staatliche Rechtsaufsicht und parlamentarische Finanzaufsicht f&uuml;r die Hochschulen sind durch eine undurchschaubare &Uuml;berwachungsmaschinerie ersetzt worden. N&auml;mlich durch Akkreditisierungsagenturen die &bdquo;Auflagen&ldquo; vorgeben, die mit unsinnnigsten Dokumentationspflichten verbunden sind. Die neuen Kontrollmechanismen, die mit der Einf&uuml;hrung der Bologna-Studieng&auml;nge einhergehen, erfordern einen enormen Ressourcenaufwand. Zehntausende von Professoren- und Mitarbeiterstunden mussten in die Erstellung von Studienordnungen, Modulhandb&uuml;chern, Akkreditierungs- und Reakkreditierungsantr&auml;gen, Stellungnahmen zu Evaluierungen oder zur Ausarbeitung von Zielvereinbarungen investiert werden. Wir erleben eine Aufbl&auml;hung der Hochschulb&uuml;rokratie unbekannten Ausma&szlig;es. Pr&uuml;fungsleistungen und Pr&uuml;fungsaufwand haben sich vervielfacht. Es gibt unz&auml;hlige Berichtspflichten. An vielen Hochschulen herrscht (so die SZ) &bdquo;Chaos auf dem Campus&ldquo;. <\/p>\n<p>Der Leistungswettbewerb der einzelnen Wissenschaftler um wissenschaftliche Reputation innerhalb der Scientific Community wird mehr und mehr vom Hochschul-Marketing &uuml;berlagert. <\/p>\n<p>Nach einem langen und intensiven Diskurs wurde in meiner Amtszeit im Fr&uuml;hjahr 2000 ein Hochschulgesetz verabschiedet, das die Autonomie und Selbstverwaltung st&auml;rken und der Kritik an den Steuerungsdefiziten in den Hochschulen abhelfen sollte.<\/p>\n<p>Es war meine feste &Uuml;berzeugung, dass bei aller berechtigten Kritik die &uuml;berwiegende Zahl der Hochschulen und die meisten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer im Kern gute Arbeit leisteten: <\/p>\n<p>Die Qualit&auml;t des Studiums und der internationale Ruf unserer Hochschulen konnte so schlecht nicht sein, wenn bei den Spitzenuniversit&auml;ten in den Vereinigten Staaten, wo man sich ja schon seit langer Zeit der besten K&ouml;pfe aus der ganzen Welt bediente, damals jeder dritte ausl&auml;ndische Postdoc und jeder f&uuml;nfte Professor in den Naturwissenschaften aus Deutschland kam. <\/p>\n<p>So schlecht konnten die staatlichen Hochschulen nicht sein, wenn die &bdquo;als Stachel im Fleisch&ldquo; gegr&uuml;ndeten privaten Hochschulen in Deutschland, jedenfalls in der Breite nie zu einer echten Konkurrenz aufsteigen konnten. Da gab es offenbar keine &bdquo;Marktl&uuml;cke&ldquo;, dazu war das Studienangebot der Universit&auml;ten und Fachhochschulen einfach zu gut.<\/p>\n<p>Trotz der &Uuml;berf&uuml;llung der Hochschulen f&uuml;hrte ein Studienabschluss jedenfalls in aller Regel zur Bef&auml;higung zur selbst&auml;ndigen Bearbeitung von neuen Problemen mit wissenschaftlichen Methoden. <\/p>\n<p>Wenigstens dem Anspruch nach galt das alte Prinzip &bdquo;Bildung durch Wissenschaft&ldquo;.<\/p>\n<p>Wie konnte es geschehen, dass der aufkl&auml;rerische Kern des universit&auml;ren Anspruchs durch &ouml;konomische Wahrheits- oder Geltungsanspr&uuml;che ersetzt werden konnte? <\/p>\n<p>Wie kam es zum Paradigmenwechsel weg vom humboldtschen Bildungsideal hin zum hayekschen Glauben an die &Uuml;berlegenheit der Marktsteuerung?<\/p>\n<p>Wie kam es also zum &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Umbruch&ldquo; seit den preu&szlig;ischen Hochschulreformen. <\/p>\n<p>Dieser Paradigmenwechsel kam nicht &uuml;ber Nacht, sondern ihm  ging ein Wandel des gesellschaftspolitischen Leitbildes &uuml;ber mehr als ein viertel Jahrhundert voraus. <\/p>\n<p>Ausgehend von den USA, stark beeinflusst von der sog. Chicagoer Schule um Milton Friedman, ging der Ruf nach der &bdquo;Befreiung&ldquo; der M&auml;rkte rund um den Globus. Vom Washingtoner Konsens, &uuml;ber die Welthandelsorganisation IWF, der Weltbank setzte sich in Abgrenzung zum Rooseveltschen New Deal mit seinen massiven staatlichen Interventionen und in Abgrenzung zum seit der Weltwirtschaftskrise vorherrschenden Keynesianismus, der dem Staat eine aktive Rolle im wirtschaftspolitischen Geschen zuschrieb ein neues liberales Denken durch, dass mit dem Begriffstriumvirat von Privatisierung, Deregulierung\/Freihandel und drastischen Einschr&auml;nkungen bei den Staatsausgaben zusammengefasst werden kann. <\/p>\n<p>In der praktischen Politik standen daf&uuml;r die Begriffe Reaganomics bzw. in England der sog. Thatcherismus. In Deutschland k&ouml;nnte man die Wende mit dem Scheidebrief an die sozial-liberale Koalition, dem sog. Lambsdorff-Papier im Jahre 1982 festmachen. <\/p>\n<p>Der Kampfparole der Reagonomics &bdquo;starve the beast&ldquo; folgend kam es auch in Deutschland schon nach dem Ende der sozial-liberalen Regierungszeit zu einer gezielten Verarmung des Staates. Der damit notwendig einhergehenden Verschlechterung der &ouml;ffentlichen Leistungen auf vielen gesellschaftlichen Feldern folgten Kampagnen der Miesmache des staatlichen Angebots verbunden mit dem Versprechen der Markt der Wettbewerb k&ouml;nnten alles besser.<\/p>\n<p>So wurde etwa auch auf dem Feld der Hochschulpolitik die Phase des Hochschulausbaus durch die Sparpolitik der L&auml;nder schon Ende der siebziger Jahr gestoppt. Bund und L&auml;nder fassten damals den sog. &bdquo;&Ouml;ffnungsbeschluss&ldquo; und verlangten von den Hochschulen, dass der &bdquo;Berg&ldquo;  der geburtenstarken Jahrg&auml;nge &bdquo;untertunnelt&ldquo; werden solle. Die Hochschulen sollten etwa ein Jahrzehnt lang eine &bdquo;&Uuml;berlast&ldquo; an Studierenden bei gleich bleibendem Budget und stagnierenden Zahlen des Lehrpersonals akzeptieren. <\/p>\n<p>Diese sog. Untertunnelungsstrategie geh&ouml;rte zu den gr&ouml;&szlig;ten Lebensl&uuml;gen in der Hochschulpolitik der Nachkriegszeit. <\/p>\n<p>Sie k&ouml;nnen die Fakten in den <a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">j&uuml;ngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium [PDF &ndash; 396 KB]<\/a><br>\noder auch im <a href=\"http:\/\/www.bildungsbericht.de\/\">Bildungsbericht 2008 von KMK und BMBF<\/a> nachlesen: <\/p>\n<p>Die Zahl der Studierenden wuchs von nur 658.204 im WS 1972\/73 und 866.976 im WS 1976\/77 auf bereits 1.428.713 im WS 1988\/89 bis auf schlie&szlig;lich 1.953.504 im WS 2005\/06. Die Zahl der hauptberuflichen Professoren stieg in diesem Zeitraum dagegen von 20.773 (1972) bzw. 25.536 (1976) &uuml;ber 30.156 (1988) auf schlie&szlig;lich 37.364 (2005).  &Uuml;ber die ganze Spanne von 1972 bis 2005 betrachtet (Basisjahr 1972) ist die Studierendenzahl also um fast das 3-fache, die Professorenzahl dagegen nur um das 1,8-fache angestiegen.<\/p>\n<p>Die Zahl der Professuren ist verglichen mit 1997 zwar an den Fachhochschulen um etwa 1.300 gestiegen, w&auml;hrend die Universit&auml;ten 1.160 Professuren weniger aufwiesen. <\/p>\n<p>Die Betreuungsrelationen haben sich dementsprechend an beiden Hochschultypen &uuml;ber die Zeit hinweg merklich verschlechtert:<\/p>\n<p>Kamen 1972\/73 40 Studierende an den Universit&auml;ten und weit unter 20 Studierende an den FHS auf einen hauptberuflichen Professor, so waren es 2005\/2006 &uuml;ber 60 an den Unis und knapp 40 an den FHS.  In den Wirtschaftswissenschaften sind es derzeit 93 Studierende, in den Sozialwissenschaften gar 104 Studierenden pro hauptberuflichem Professor.  <\/p>\n<p>Die Betreuungsrelationen lagen jedenfalls weit unter dem internationalen Standard. <\/p>\n<p>Die L&auml;nder haben angesichts einer oftmals schwierigen Haushaltslage zu verschiedenen Zeitpunkten mit einer Erh&ouml;hung des regelm&auml;&szlig;igen Lehrdeputats der Professoren reagiert. Lag dieses im Jahr 1970 an den Universit&auml;ten noch bei 6 SWS, liegt es heute bei 8, in Baden-W&uuml;rttemberg, Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Th&uuml;ringen<br>\nbei 9 SWS.<\/p>\n<p>Diese Sparpolitik dauert bis heute an:<\/p>\n<p>Laut dem Bildungsbericht 2008 vom Mai dieses Jahres ging der Anteil der Bildungsausgaben am BIP ging von 6,9% im Jahr 1995 auf 6,3% im Jahr 2005 und auf 6,2% im Jahr 2006 zur&uuml;ck. W&auml;ren auch im Jahr 2005 wie 1995 6,9% des BIP f&uuml;r Bildung aufgewendet worden, h&auml;tten dem Bildungsbereich zufolge rund 13 Milliarden Euro mehr zur Verf&uuml;gung gestanden. <\/p>\n<p>Auf ein Mehrfaches dieses Betrages hat man zwischenzeitlich durch die Senkungen von Unternehmenssteuern verzichtet &ndash; allein in diesem Jahr auf 5 Milliarden. <\/p>\n<p>Auch ein weiterer Zahlenvergleich belegt, wie abwegig bei uns die Diskussion &uuml;ber die Bildungsfinanzierung verlaufen ist. Laut Bildungsbericht wurden nach der Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren in 7 L&auml;ndern im Jahre 2007 ca. 700 Millionen vereinnahmt. Dies entsprach rund 4 % der Ausgaben der staatlichen Hochschulen (ohne Hochschulkliniken). <\/p>\n<p>Man verzichtet also im gleichen Jahr auf 5 Milliarden bei den Unternehmen, um mit einem riesigen politischen Aufwand bei Studierenden, die kein eigenes Geld zur Verf&uuml;gung haben, ein Siebtel dieses Betrages wieder hereinzuholen. Und das obwohl inzwischen kaum mehr bestreitbar ist, dass Humanressourcen in hoch entwickelten Volkswirtschaften f&uuml;r die Wirtschaftsdynamik wichtiger sind als das Sachkapital. <\/p>\n<p>Die Hochschulbauten verrotteten und der Wissenschaftsrat konstatierte eine Jahr f&uuml;r Jahr gr&ouml;&szlig;er werdenden Investitionsl&uuml;cke bei der Hochschulsanierung in zweistelliger Milliardenh&ouml;he.<\/p>\n<p>An diesen real existierenden Problemen setzten die Reformer an, sie kn&uuml;pften mit ihrer Miesmache an den vorhandenen M&auml;ngeln an und verkauften ihre Reformangebote als alternativlose Wege aus der Misere. <\/p>\n<p><em>&bdquo;Mit dem Latein am Ende&ldquo;<\/em> betitelte der Spiegel  eine ganze Serie von Artikeln. J&uuml;rgen Mittelstra&szlig; erkl&auml;rte die deutschen Universit&auml;ten f&uuml;r &bdquo;reformunf&auml;hig&ldquo;, Peter Glotz ver&ouml;ffentlichte 1996 seine Streitschrift unter dem Titel &bdquo;Im Kern verrottet&ldquo;. Die deutschen Hochschulen seien nur noch &bdquo;Mittelma&szlig;&ldquo; oder schlicht &bdquo;krank&ldquo;  (DIE ZEIT 4.Mai 2006) so lautete der Tenor der &ouml;ffentlichen Meinungsmache. Mit einem wahren Trommelfeuer der Kritik wurden unsere Hochschulen sturmreif geschossen. Zerm&uuml;rbt von der &Uuml;berlast, von systematischer Unterfinanzierung und einer allgemeinen Professorenschelte hatten die Hochschulen der feindlichen &Uuml;bernahme durch die <em> &bdquo;Reformer&ldquo;<\/em> nichts mehr entgegen zu setzen. <\/p>\n<p>Nicht mehr aus den Hochschulen heraus oder wenigstens mit den Hochschulen zusammen wurden die Reformvorstellungen entwickelt, sie wurden von au&szlig;en an sie herangetragen.<\/p>\n<p>&bdquo;Unser Bildungssystem braucht mehr Wettbewerb und Effizienz, mehr Eigenst&auml;ndigkeit und Selbstverantwortung, mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit der Bildungsinstitutionen&ldquo; forderte Bundespr&auml;sident Herzog in seiner Bildungsrede 1997. <\/p>\n<p>Schaut man diese Rede genauer an, so wird man feststellen, dass der oberste Repr&auml;sentant unseres Staates im Wesentlichen nur das nachredete, was der unter seiner Schirmherrschaft stehende <em>&bdquo;Initiativkreis Bildung&ldquo;<\/em> der Bertelsmann Stiftung an Ideen entwickelt hatte. Roman Herzog war sozusagen der rangh&ouml;chste T&uuml;r&ouml;ffner f&uuml;r die Reformvorstellungen von Bertelsmann.<\/p>\n<p>Hochschulpolitik ist der &bdquo;Schl&uuml;ssel zur Gesellschaftsreform&ldquo;, das erkannte der Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn schon Ende der 70er Jahre. Die 1977 gegr&uuml;ndete Bertelsmann Stiftung sollte deshalb vor allem auch helfen, die <em>&bdquo;verkrusteten Strukturen&ldquo;<\/em> auch an den Hochschulen aufzubrechen. <\/p>\n<p>Die Mission der Stiftung gr&uuml;ndet auf der Bertelsmannschen <em>&bdquo;&Uuml;berzeugung, dass Wettbewerb&ldquo;<\/em> und &bdquo;die Prinzipien unternehmerischen Handelns zum Aufbau einer zukunftsf&auml;higen Gesellschaft&ldquo; die wichtigsten Merkmale sind. Und immer ging es bei Bertelsmann auch um ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates, eine Verringerung der Staatsquote und um die Senkung der Steuerlast.<\/p>\n<p><em>&bdquo;Es ist ein Segen, dass uns das Geld ausgeht. Anders kriegen wir das notwendige Umdenken nicht in Gang&ldquo;<\/em>, meinte Mohn 1996 in einem Stern-Interview.<\/p>\n<p>Mohn vertritt eine Art deutschen Sonderweg in die wirtschaftsliberal globalisierte Welt, die auf eine korporatistische Unternehmenskultur setzt, den Sozialstaat als &uuml;berdehnt oder gar als &uuml;berholt betrachtet und eine &uuml;ber Wettbewerb hergestellte Effizienz als Steuerungsinstrument an die Stelle von Mitbestimmung und demokratischer Gestaltung setzen m&ouml;chte. <\/p>\n<p>Entsprechend seiner &Uuml;berzeugung &bdquo;privat ist besser als staatlich&ldquo;, betrieb Mohn die Gr&uuml;ndung der ersten deutschen privaten Universit&auml;t Witten-Herdecke und war jahrelang ihr Hauptsponsor. Die private Hochschule sollte eine <em>&bdquo;Stachel im Fleisch&ldquo;<\/em> der staatlichen Hochschulen sein. An ihrem Wesen sollten die staatlichen Hochschulen genesen. <\/p>\n<p>Reinhard Mohn hat jedoch offenbar im Laufe der Zeit erkannt, dass der Weg zur &bdquo;Reform&ldquo; des Hochschulsystems &uuml;ber die Gr&uuml;ndung privater Hochschulen nicht sehr erfolgversprechend ist. Wie nahezu alle privaten &bdquo;Elite&ldquo;-Hochschulen, etwa die &ldquo;International University Bremen&rdquo; (IUB), die International University in Germany (Bruchsal), die  European School of Management and Technology (Berlin), das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) litt auch Mohns PIW in Witten-Herdecke an chronischem Geld- und vor allem auch an Qualit&auml;tsm&auml;ngeln. Trotz gro&szlig;er Namen aus der Wirtschaft litt die Privatuni permanent unter Geldnot, so dass sie 1993 pleite gegangen w&auml;re, h&auml;tte ihr nicht das Land Nordrhein-Westfalen unter die Arme gegriffen. <\/p>\n<p>Mohn gab sein Engagement bei der Privaten Universit&auml;t Witten-Herdecke schlie&szlig;lich ganz auf. Der Strategiewechsel folgte wohl der Einsicht, dass es viel effizienter ist, die weitgehend staatlich finanzierten Hochschulen wie private Unternehmen zu organisieren und in den Wettbewerb zu schicken und &uuml;ber die Konkurrenz um erg&auml;nzende Drittmittel f&uuml;r die Forschung und &uuml;ber die Einwerbung von Studiengeb&uuml;hren die Lehre steuern zu lassen.<\/p>\n<p>Die richtige Erkenntnis einerseits, dass Hochschulen ein Schl&uuml;ssel zur Zukunft und die Aussichtlosigkeit andererseits, dass private Hochschulen angesichts der nach wie vor vorhandenen hohen Qualit&auml;t der &ouml;ffentlichen Hochschulen in Deutschland jemals zu einem Erfolgsmodell werden k&ouml;nnten, haben Reinhard Mohn und seine Bertelsmann Stiftung wohl auch veranlasst 1994 das Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) zu gr&uuml;nden.<\/p>\n<p>Klugerweise nahm das CHE die damals ohne jeden Apparat und ohne gro&szlig;en institutionellen Einfluss auf die Hochschulpolitik agierende, aber um so standesbewusstere Hochschulrektorenkonferenz (HRK) mit ins Boot und so ver&ouml;ffentlichten das CHE und die HRK ihre hochschulrefomerischen L&ouml;sungskonzepte unter einem gemeinsamen Kopfbogen und so verschaffte sich Bertelsmann ein einigerma&szlig;en unverd&auml;chtiges Entree in die Hochschulen vor allem &uuml;ber die Hochschulleitungen.<\/p>\n<p>Das CHE firmiert als eine private und als gemeinn&uuml;tzig anerkannte GmbH. Der Jahresetat bel&auml;uft sich nach eigenen Angaben auf &uuml;ber 3 Millionen Euro der ganz &uuml;berwiegend von der Bertelsmann Stiftung finanziert wird. Das &bdquo;CHE&ldquo; versteht sich als eine unabh&auml;ngige &raquo;Denkfabrik&laquo;. <\/p>\n<p>Sein bisheriger  Leiter, Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling, hat sich inzwischen geradezu zum &bdquo;informellen&ldquo; Bildungsminister der Republik aufgeschwungen.<\/p>\n<p>M&uuml;ller-B&ouml;ling ist Professor f&uuml;r Betriebswirtschaftslehre &ndash; nicht etwa f&uuml;r Erziehungswissenschaft oder wenigstens Bildungs&ouml;konomie &ndash;, und das ist charakteristisch f&uuml;r die Perspektive des CHE: Es geht weniger um Bildung als vielmehr um die &Uuml;bertragung betriebswirtschaftlicher Strukturen und Steuerungsinstrumente auf die Hochschulen und um die Einf&uuml;hrung einer (die staatlichen Zusch&uuml;sse) erg&auml;nzenden privaten Bildungsfinanzierung.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich steht das CHE nicht allein. Wie der <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Binaries\/Binary34669\/080415_GEW-Priva-6-final.pdf\">Privatisierungsreport 6 der GEW [PDF &ndash; 340 KB]<\/a> darstellt, geh&ouml;ren dazu etwa auch er Stifterverband f&uuml;r die Deutsche Wissenschaft e.V., der Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw), M&uuml;nchen, das Institut der deutschen Wirtschaft K&ouml;ln e.V.(IW), K&ouml;ln, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH, K&ouml;ln (INSM) oder die McKinsey &amp; Company Inc., D&uuml;sseldorf und andere mehr.<\/p>\n<p>Das CHE war aber von Anfang an der &bdquo;Sturmtrupp&ldquo; (so Thomas Barth) f&uuml;r das Bezahlstudium und es wurde zum wirkm&auml;chtigsten Motor f&uuml;r die Hochschulreformgesetze bundesweit.<\/p>\n<p>Das l&auml;sst sich gerade beim nordrhein-westf&auml;lischen &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; besonders gut belegen:<\/p>\n<p>Ende 2005 ver&ouml;ffentlichte der G&uuml;tersloher Think-Tank &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; <a href=\"http:\/\/www.che-concept.de\/downloads\/Zehn_Anforderungen_Hochschulgesetz_NRW_422.pdf\">&bdquo;Zehn CHE-Anforderungen an ein Hochschulfreiheitsgesetz f&uuml;r Nordrhein-Westfalen&ldquo; [PDF &ndash; 96 KB].<\/a><\/p>\n<p>In diesem Anforderungen finden sich teilweise sogar bis in den Wortlaut hinein die Formulierungen wieder, die der nordrhein-westf&auml;lische Innovationsminister Pinkwart, ohne jede politische Debatte in seiner Partei, im Landtag oder mit den Hochschulen kurze Zeit sp&auml;ter auf einer Pressekonferenz am 25. Januar 2006 als seine eigenen <a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Presse\/Pressemitteilungen\/2006\/pi_20050125.pdf%20\">&bdquo;Eckpunkte des geplanten Hochschulfreiheitsgesetzes&ldquo; [PDF &ndash; 112 KB]<\/a> vorstellte.<br>\nDie Identit&auml;t beider Papiere  lie&szlig;e sich an vielen Stellen belegen. Sie k&ouml;nnen das alles selbst im Internet nachlesen und deshalb kann ich mir den Vergleich durch Zitate ersparen.<\/p>\n<p>Deshalb nur zwei Beispiele:<\/p>\n<p>In den CHE-Anforderungen hei&szlig;t es: <em>&ldquo;Es geht dabei insbesondere um die M&ouml;glichkeit einer St&auml;rkung der k&ouml;rperschaftlichen Seite der Hochschulen bei gleichzeitiger Minderung ihrer Eigenschaft als staatlicher Einrichtung.&rdquo;<\/em><br>\nBei Pinkwart hei&szlig;t es: <em>&ldquo;Die Hochschulen werden als K&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts verselbst&auml;ndigt und sind k&uuml;nftig keine staatlichen Einrichtungen mehr.&rdquo;<\/em><\/p>\n<p>Oder zum Hochschulrat:<\/p>\n<p>Wortlaut CHE: <em>&ldquo;In verschiedenen Bundesl&auml;ndern ist bereits ein Modell eingef&uuml;hrt worden, in dem die Kompetenzen vom Staat auf einen Hochschulrat &uuml;bertragen worden sind, wobei die Wahl des Rektorats und die Verabschiedung der Grundordnung unabdingbar dazu geh&ouml;ren. Der Hochschulrat muss hierdurch zu einem insbesondere in strategischen Fragen wichtigen Entscheidungsorgan werden. Die Mitglieder sollten extern bestellt werden.&rdquo;<\/em> Wortlaut Pinkwart: <em>&ldquo;Der Hochschulrat tritt als neues Organ an die Stelle des Kuratoriums und besteht mindestens zur H&auml;lfte aus Mitgliedern von au&szlig;erhalb der Hochschule&hellip;Der Hochschulrat entscheidet &uuml;ber die strategische Ausrichtung der Hochschule und nimmt die Fachaufsicht war.&rdquo;<\/em><\/p>\n<p>Damit aber noch nicht genug:<\/p>\n<p>Zwei Tage nach Pinkwarts Pressekonferenz meldet sich der bisherige Leiter des CHE, Detlef M&uuml;ller-B&ouml;ling zu Wort und erteilt dem Minister Zensuren: Das CHE begr&uuml;&szlig;t nat&uuml;rlich die Eckpunkte f&uuml;r ein NRW-&bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo;, sieht aber noch &bdquo;Entwicklungspotentiale&ldquo;, hei&szlig;t es in den <a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/Bewertung_NRW_Eckpunkte060127_440.pdf\">CHE-News vom 27. Januar [PDF &ndash; 144 KB]<\/a> .<\/p>\n<p>Das CHE bewerte Pinkwarts Eckpunkte <em>&bdquo;&uuml;berwiegend positiv&ldquo;<\/em>. <em>&bdquo;In einigen Punkten erscheinen Modifikationen sinnvoll und der eine oder andere Punkt, der sich in den Eckpunkten bislang nicht findet, kann in dem Gesetz ja durchaus noch angesprochen werden.&ldquo;<\/em><br>\nIn dieser Tonlage f&auml;hrt das &bdquo;Zeugnis&ldquo; des CHE, das sich gleichfalls jeder aus dem Internet holen kann, fort: Pinkwart <em>&bdquo;tr&auml;gt Rechnung&ldquo;, &bdquo;richtig ist&ldquo;<\/em>, Pinkwart &bdquo;sollte&ldquo; usw. usf.<\/p>\n<p>Mit Verlaub, hier dr&uuml;ckt sich eine Anma&szlig;ung einer privaten Institution gegen&uuml;ber dem Staat, der Regierung, dem Parlament aber auch den Hochschulen aus, die nach demokratischen Ma&szlig;st&auml;ben eigentlich nicht mehr hinnehmbar sein sollte. Die Politik wird geradezu zum Befehlsempf&auml;nger von Bertelsmann degradiert.<\/p>\n<p>Damit aber immer noch nicht genug:<\/p>\n<p>Das nordrhein-westf&auml;lische &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; wurde nicht nur am Schreibtisch des CHE entworfen, nach seiner Verabschiedung wird es nun auch noch bei seiner Umsetzung von den gleichen &ndash; wie es hei&szlig;t &ndash; <em>&bdquo;unabh&auml;ngigen Experten&ldquo;<\/em> des CHE begleitet, um damit eine (<a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Presse\/Pressemitteilungen\/2006\/pm_2006_11_13.html\">Zitat des NRW-Wissenschaftsministeriums<\/a>) &ldquo;m&ouml;glichst hohe Qualit&auml;t bei der Umsetzung zu sichern&ldquo;.<\/p>\n<p>Das h&auml;tte ich mir fr&uuml;her einmal als Staatssekret&auml;r erlauben sollen, n&auml;mlich die Hochschulen bei der Umsetzung eines Gesetzes zum &bdquo;Erfolg&ldquo; zu f&uuml;hren. Der Untergang der Freiheit von Wissenschaft und Forschung und damit der Epoche der Aufkl&auml;rung w&auml;re von den Hochschulen beschworen worden.<\/p>\n<p>Aber wenn nun eine der m&auml;chtigsten und politisch einflussreichsten privaten Stiftungen den Hochschulen sagt, was sie zu tun haben, dann scheint das von den Hochschulen ganz selbstverst&auml;ndlich und ohne Murren hingenommen zu werden.<\/p>\n<p>Mir f&auml;llt dazu nur noch ein: Die nordrhein-westf&auml;lischen Hochschulen nehmen ihre ihnen angeblich durch das <em>&bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo;<\/em> zugestandene Freiheit dadurch wahr, dass sie freiwillig auf diese Freiheit verzichten.<\/p>\n<p>Im Mittelalter beherrschten die Kirche und die Monarchen die Wissenschaft und die Universit&auml;ten, im 21. Jahrhundert soll es wohl Bertelsmann sein. Eine neue Epoche der Aufkl&auml;rung und eine politische Freiheitsbewegung f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit und Freiheit er Wissenschaft sind leider nicht in Sicht und Humboldt ist tot.<\/p>\n<p>Es gibt zwar vereinzelten Widerstand, vor allem in der Protestbewegung der Studierenden gegen die Studiengeb&uuml;hren, es gibt die sog. Beilsteiner Erkl&auml;rung von Hochschullehrerinnen und -lehrer aus Heilbronn, Mannheim, Wuppertal, Dortmund, aus der Schweiz, Ungarn<br>\nund den USA, die sich gegen eine <em>&bdquo;kulturelle Verarmung&ldquo;<\/em> und f&uuml;r eine freie Forschung und Lehre <em>&bdquo;zum Wohle der Allgemeinheit&ldquo;<\/em> aussprechen. Doch eine &ouml;ffentliche Diskussion gibt es nur am Rande, wenig wahrgenommen von Menschen au&szlig;erhalb der Unis und FHs.<\/p>\n<p>Das CHE ist quasi in das Kompetenzvakuum eines fehlenden Bundeshochschulministeriums gesto&szlig;en und f&uuml;llt die in unserer Verfassung nicht vorgesehene Rolle eines Bundeshochschulministeriums aus &ndash; ein informelles Ministerium, das allerdings nicht dem Parlament sondern nur der Bertelsmann Stiftung rechenschaftspflichtig ist. Der Autor des Buches <em>&bdquo;Hinter der Fassade des Medienimperiums&ldquo;<\/em> Frank B&ouml;ckelmann, nennt das &bdquo;eine Privatisierung der Politik&ldquo;.<\/p>\n<p>Es ist allerdings eine Privatisierung der Politik auf &ouml;ffentliche Kosten, denn immerhin hat sich die Familie Mohn durch die Gr&uuml;ndung der Stiftung, die ihr allerdings immer noch das Sagen &uuml;ber die Kapitalanteile am Konzern erh&auml;lt, riesige Summen an einer m&ouml;glicherweise anfallenden Erbschaft &ndash; oder Schenkungssteuern erspart und zweitens sind die Dividenden, die an die <em>&bdquo;gemeinn&uuml;tzige&ldquo;<\/em> Stiftung abgef&uuml;hrt werden, steuerbeg&uuml;nstigt.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist es nach wie vor richtig, dass Bertelsmann die Gesetze nicht selber verabschiedet, sondern dass diese meist von der Exekutive eingebracht und vom Parlament verabschiedet werden. Aber &uuml;ber die personellen Netzwerke und seine Medienmacht wird der Bertelsmannsche <em>&bdquo;Reformmotor&ldquo;<\/em> zur eigenst&auml;ndigen politischen Antriebskraft, der auch au&szlig;erhalb der Parlamente eine Art Eliten-Konsens schafft &ndash; und dabei nebenbei auch noch ein positives Image f&uuml;r den Bertelsmann-Konzern schafft.<\/p>\n<p>Unter dem Zwang der leeren &ouml;ffentlichen Kassen und unter dem besch&ouml;nigenden Etikett eines <em>&bdquo;zivilgesellschaftlichen Engagements&ldquo;<\/em> greift der Staat die <em>&bdquo;gemeinn&uuml;tzigen&ldquo;<\/em> Dienstleistungen privater Think-Tanks nur allzu gerne auf. Ja noch mehr, er zieht sich aus seiner Verantwortung immer mehr zur&uuml;ck und &uuml;berl&auml;sst wichtige gesellschaftliche Bereiche wie etwa die Bildung oder die Hochschule gleich ganz den Selbsthilfekr&auml;ften b&uuml;rgerschaftlichen Engagements.<\/p>\n<p>Aus dieser Staats- und Gesellschaftsvorstellung speist sich die Idee von der &bdquo;selbst&auml;ndigen Schule&ldquo; oder der<em> &bdquo;Entlassung&ldquo;<\/em> der Hochschule aus der staatlichen Verantwortung, wie das etwa mit dem <em>&bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo;<\/em> in Nordrhein-Westfalen geschehen ist.<\/p>\n<p><em>&bdquo;Der anonyme Wohlfahrtsstaat hat ausgedient, an seine Stelle tritt der soziale Staat, der vom b&uuml;rgerschaftlichen Engagement und vom solidarischen Verhalten aller lebt. Dass m&ouml;glichst viele verantwortungsvoll ihr K&ouml;nnen in den Dienst der Gemeinschaft stellen, das macht diesen Staat auf Dauer lebensf&auml;hig&ldquo;<\/em>, das schrieb Liz Mohn vor kurzem (5.12.06) in einem Gastkommentar zum <em>&bdquo;Tag des Ehrenamtes&ldquo;<\/em> in der Financial Times Deutschland.<\/p>\n<p>Die Rollenverteilung der gesellschaftlichen Gruppen bei diesem zivilgesellschaftlichen Engagement ergibt sich dabei ziemlich naturw&uuml;chsig daraus, was eben jeder einzelne zu leisten vermag. Diejenigen, die nicht so viel Geld und Verm&ouml;gen haben, machen Sozialarbeit, also etwa Altenpflege oder &Uuml;bungsleiter im Sportverein, die Verm&ouml;genden vergeben Forschungsauftr&auml;ge oder Stiftungslehrst&uuml;hle oder sie stiften gleich ganze Denkfabriken und pr&auml;gen damit den Gang der Wissenschaft oder den gesellschaftlichen Diskurs und bestimmen so die gesellschaftliche und die politische Weiterentwicklung.<\/p>\n<p>So hat sich inzwischen in unserem Lande eine private institutionelle Macht des Reichtums herausgebildet, die &ndash; wie bei Bertelsmann streng hierarchisch organisiert &ndash; ihren Einfluss &uuml;ber das gesamte politische System ausdehnt und die demokratisch legitimierte Machtverteilung zwischen Parteien, Parlamenten und Exekutive unterwandert und dazuhin gleichzeitig mit ihrer Medienmacht die &ouml;ffentliche Meinung pr&auml;gt.<\/p>\n<p>Diese <em>&bdquo;zivilgesellschaftliche&ldquo;<\/em> Macht ist st&uuml;tzt sich ausschlie&szlig;lich auf Reichtum und Verm&ouml;gen und die Mohns geh&ouml;ren nach der Forbes-Rangliste zu den 250 reichsten Leuten auf der Welt. Sie st&uuml;tzt sich darauf, dass eben zum Beispiel der Bertelsmann-Konzern und seine Stiftung mehr Geld hat als jede andere private und staatliche Institution, Expertisen und Gutachten erstellen zu lassen, Kongresse zu veranstalten, wissenschaftliche Studien zu erstellen, um die Mission ihres Stifters zu verbreiten. <\/p>\n<p>Demokratisch legitimierte Macht im Staate wird so mehr und mehr durch private Wirtschaftsmacht zur&uuml;ckgedr&auml;ngt, ja sogar teilweise schon ersetzt.<\/p>\n<p>Dieser schleichende Systemwechsel vom demokratischen Wohlfahrtsstaat zu einer Art Timokratie, also der Herrschaft des Geldes, wird mit dem Pathos von &bdquo;mehr Freiheit&ldquo; vorangetrieben.<\/p>\n<p>Damit schlage ich den Bogen zum Anfang meines Referates und verweise auf das Eingangszitat von Innovationsminister Pinkwart zur&uuml;ck: Kein anderes Land macht &bdquo;Freiheit mit dieser Konsequenz zur Grundlage seiner Hochschulpolitik&ldquo;.<\/p>\n<p>Wie Sie diese neue Freiheit erleben und wahrnehmen, dar&uuml;ber w&auml;re ich sehr interessiert, mit Ihnen zu diskutieren. <\/p>\n<p>Quellen: <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Service\/broschueren\/index.html\">&bdquo;Hochschule auf neuen Wegen&ldquo; 1\/2007 (als PDF-Download)<\/a><\/p>\n<p>Pressemitteilung vom 20.12.2005<br>\n<a href=\"http:\/\/www.che-concept.de\/cms\/index.php?getObject=5&amp;getName=Pressemitteilung+vom+20.12.2005&amp;getNewsID=422&amp;getCB=2&amp;getPM&amp;getLang=de%20\">CHE formuliert Anforderungen an das &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; in NRW<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.che-concept.de\/downloads\/Zehn_Anforderungen_Hochschulgesetz_NRW_422.pdf\">Zehn CHE-Anforderungen an ein Hochschulfreiheitsgesetz f&uuml;r Nordrhein-Westfalen [PDF &ndash; 96 KB]<\/a><\/p>\n<p>Prof. Dr. Andreas Pinkwart<br>\n(Innovationsminister und stellvertretender Ministerpr&auml;sident NRW)<br>\n<a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Presse\/Pressemitteilungen\/2006\/pi_20050125.pdf%20\">Sprechzettel zur Landespressekonferenz<br>\n&bdquo;Eckpunkte des geplanten Hochschulfreiheitsgesetzes&ldquo; [PDF &ndash; 112 KB]<\/a><br>\nam Mittwoch, 25. Januar 2006<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.che.de\/downloads\/Bewertung_NRW_Eckpunkte060127_440.pdf\">CHE begr&uuml;&szlig;t Eckpunkte f&uuml;r NRW-&bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo;, sieht aber noch Entwicklungspotenziale [PDF &ndash; 144 KB]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Hochschulen_in_NRW\/Recht\/HFG.pdf\">Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) Vom 31. Oktober 2006 [PDF &ndash; 264 KB]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.innovation.nrw.de\/Presse\/Pressemitteilungen\/2006\/pm_2006_11_13.html\">Ministerium unterst&uuml;tzt Hochschulen auf Weg in die Eigenverantwortung &ndash; CHE mit Begleitung beauftragt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bildungsbericht.de\/\">Bildungsbericht 2008<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/texte\/8639-08.pdf\">Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Qualit&auml;tsverbesserung von Lehre und Studium [PDF &ndash; 396 KB]<\/a><\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Referat von Wolfgang Lieb an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universit&auml;t Bonn <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,129,160],"tags":[231,374,441,567,568,566,565],"class_list":["post-3333","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-markt-und-staat","tag-che","tag-eliten","tag-freiheit","tag-hochschulfreiheitsgesetz","tag-hochschulraete","tag-pinkwart-andreas","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3333"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28832,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3333\/revisions\/28832"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}