{"id":33364,"date":"2016-05-13T13:59:45","date_gmt":"2016-05-13T11:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33364"},"modified":"2019-03-11T14:02:12","modified_gmt":"2019-03-11T13:02:12","slug":"zu-100-jahren-sykes-picot-abkommen-ein-essay-von-heiko-flottau-keine-geschichtsstunde-anmerkungen-zu-einer-region-voller-konflikte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33364","title":{"rendered":"Zu 100-Jahren-Sykes-Picot-Abkommen ein Essay von Heiko Flottau. Keine Geschichtsstunde, Anmerkungen zu einer Region voller Konflikte."},"content":{"rendered":"<p>Vor 100 Jahren haben Briten und Franzosen ein Abkommen &uuml;ber die Aufteilung des Osmanischen Reiches geschlossen. Heiko Flottau skizziert und bewertet die Folgen. Er kennt sich in der Region aus. Von 1985 bis 1992 und von 1996 bis 2004 war er Nahostkorrespondent der S&uuml;ddeutschen Zeitung, mit Sitz in Kairo, von 2005 bis 2009 freier Journalist in Kairo.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Heiko Flottau zum 100-j&auml;hrigen des Sykes-Picot-Abkommens<\/strong><\/p><p>Es ist nicht bekannt, ob dieser 16.Mai 2016 in den Au&szlig;enministerien von London und Paris mit Freude, mit Genugtuung, mit Vergessen oder gar mit ein wenig Selbstkritik begangen wird.  Denn vor 100 Jahren, am 16.Mai 1916 (andere Quellen geben den 11.Mai 1916 an) schlossen der britische Diplomat Mark Sykes und sein franz&ouml;sischer Kollege Francois Georges Picot ein Abkommen &uuml;ber die Aufteilung des Osmanischen Reiches nach dessen erwarteter Niederlage im ersten Weltkrieg.<\/p><p>Jeder Araber, der ein wenig historische Kenntnisse besitzt, f&uuml;hlt sich noch 100 Jahre danach vom Westen verraten.  Denn weniger als ein halbes Jahr zuvor, am 30.Januar 1916, hatte der britische Hochkommissar in Kairo, Sir Henry McMahon in seinem vierten und letzten Schreiben an den Sherifen Hussein, den Herrscher von Mekka, angedeutet, Gro&szlig; Britannien k&ouml;nne sich sehr wohl vorstellen, da&szlig; die Araber nach dem Sieg &uuml;ber die Osmanen einen Staat oder einen Staatenbund gr&uuml;nden k&ouml;nnten, der, mit einigen territorialen Ausnahmen, vom heutigen Saudi Arabien bis an die Grenze der heutigen T&uuml;rkei reichen w&uuml;rde.<\/p><p>Was aber die Herren Mark Sykes und Francois Georges Picot unter der Einbeziehung des im Weltkrieg um seine Existenz k&auml;mpfenden russischen Zarenreiches beschlossen, war das genaue Gegenteil von dem was Sir Henry MacMahon in Aussicht gestellt hatte: die Aufteilung der osmanischen Beute unter, haupts&auml;chlich, Gro&szlig; Britannien und Frankreich.  <\/p><p>Danach kamen das heutige Syrien und der heutige Libanon unter franz&ouml;sischen Einflu&szlig; &ndash; unter franz&ouml;sisches Mandat -, wie es im 1920 gegr&uuml;ndeten V&ouml;lkerbund hie&szlig; &ndash; das heutige Jordanien, der Irak und Pal&auml;stina (heute Israel) unter britisches Mandat. Von einem selbstst&auml;ndigen arabischen K&ouml;nigreich, wie von Sir Henry McMahon angedeutet, war nicht mehr die Rede. Verrat riefen die Araber, nachdem die neue bolschewistische F&uuml;hrung 1917 das Geheimabkommen ver&ouml;ffentlicht hatte, Verrat rufen noch viele Araber heute. <\/p><p>Eine gro&szlig;e deutsche Tageszeitung schrieb vor kurzem, das Sykes-Picot Abkommen habe &uuml;ber ein Jahrhundert eine stabile Ordnung geschaffen (die allerdings heute gef&auml;hrdet sei) &ndash; und au&szlig;er der Besetzung des Iraks im Jahre 2003 durch George W. Bush h&auml;tten die USA im Nahen Osten eigentlich nicht interveniert.  Das ist zwar richtig, wohl aber haben die kolonialen Vorl&auml;ufer der USA in der Region, Gro&szlig;-Britannien und Frankreich, eine Kontinuit&auml;t von Interventionen geschaffen, in welche sich der Krieg, den George W, Bush 2003 gegen den Irak anzettelte, m&uuml;helos einf&uuml;gt.<\/p><p>Zun&auml;chst einmal hatte das von Sykes-Picot getroffene Abkommen durchaus seine Vorgeschichte. 1881 etwa hatten sich die Briten in &Auml;gypten festgesetzt. So betrachtet war das f&uuml;r die Araber fatale Abkommen lediglich eine Fortsetzung europ&auml;ischer Kolonialpolitik im Nahen Osten. Und es war der Anfang einer ganzen Reihe von westlichen Interventionen in der Region, von denen der Krieg, den George W. Bush im Jahre 2003 gegen Saddam Hussein f&uuml;hrte, der bisher letzte, au&szlig;erordentlich tragische H&ouml;hepunkt war.<\/p><p>Es begann gleich ein Jahr nach Sykes-Picot, als die Briten nach der Eroberung Bagdads 1917 versuchten, aus den in der Region ans&auml;ssigen arabischen Schiiten, arabischen Sunniten  und Kurden einen Staat namens Irak zu gr&uuml;nden. Der in Bagdad stationierte britische Zivilverwalter Arnold Wilson kabelte nach London, diese Pl&auml;ne seien ein &bdquo;Rezept f&uuml;r Desaster&ldquo;. Sp&auml;ter schrieb er, da&szlig; fast zwei Millionen schiitische Muslime nicht bereit seien, die Vorherrschaft der sunnitischen Minderheit hinzunehmen.  Und ein amerikanischer Missionar schrieb an die mit der britischen Besatzungsmacht kooperierende, seinerzeit in Bagdad ans&auml;ssige Forschungsreisende und Abenteurerin Gertrude Bell, sie stelle sich &bdquo;gegen 4000 Jahre Geschichte&ldquo;, wenn sie versuche, &bdquo;um den Irak eine Linie zu ziehen und das Ganze dann eine politische Einheit zu nennen&ldquo;.<\/p><p>Die Konflikte lie&szlig;en denn auch nicht auf sich warten. 1920 rebellierten die Kurden im Norden gegen die Briten, diese schlugen den Aufstand nieder &ndash; auch mit Giftgas.  In Syrien schufen die Franzosen f&uuml;nf Einzelstaaten (zusammen mit dem Libanon waren es sogar sechs), 1920 rebellierten zun&auml;chst die Drusen, dann auch andere religi&ouml;se und ethnische Gruppen gegen die Franzosen.  Nach der Niederlage Frankreichs gegen Hitlerdeutschland kam Syrien 1940 sogar unter die Herrschaft des Vichy-Regimes General Petains. Erst 1944 wurde Syrien unabh&auml;ngig.    <\/p><p>In Pal&auml;stina, dem heutigen Israel, erhoben sich die pal&auml;stinensischen Araber von 1936 bis 1939 gegen die britische Mandats- und Besatzungsmacht und gegen die gewaltsame j&uuml;dische Kolonisation. Die Briten schlugen den Aufstand nieder, 5000 Pal&auml;stinenser waren tot, 10 000 verletzt. Die Juden beklagten 463 Tote, die Briten 101. <\/p><p>Die bedeutendste &ndash; und folgenschwerste &ndash; Intervention des Westens war die Unterst&uuml;tzung der militanten Zionisten, deren Kampf gegen die einheimischen Pal&auml;stinenser letztlich zur Gr&uuml;ndung Israels f&uuml;hrte. Nat&uuml;rlich hatte das j&uuml;dische Volk nach der jahrhundertelangen Verfolgung in Europa und nach dem Holocaust das Recht auf eine sichere Existenz. Doch der von den Zionisten in Pal&auml;stina angestrebte Staat wurde gegen den Willen der einheimischen Pal&auml;stinenser gegr&uuml;ndet. Dabei gab es durchaus warnende Stimmen &ndash; etwa jene von Hannah Arendt, welche zwar f&uuml;r die Gr&uuml;ndung eines j&uuml;dischen Staates in Pal&auml;stina eintrat, aber gleichzeitig warnte, dieser Staat d&uuml;rfe nicht gegen den Willen der Einheimischen aufgebaut werden &ndash; andernfalls sich Israel stets wie in einer belagerten Wagenburg f&uuml;hlen werde.  Eine Prophezeiung, die, wie die Gegenwart zeigt, zu einhundert Prozent wahr geworden ist. <\/p><p>Viele Kriege waren die Folge dieser westlichen Intervention &ndash; denn da&szlig; die Araber die Gr&uuml;ndung eines fremden Staates auf ureigenem  Boden nicht ohne Widerstand hinnehmen w&uuml;rden, mu&szlig;te allen Beteiligten klar gewesen sein.  So kam es 1948\/49 zum Krieg zwischen Pal&auml;stinensern und Israelis (von Israel &bdquo;Befreiungskrieg&ldquo; genannt), 1967 zum Sechs Tage Krieg, in dem Israel das Westjordanland eroberte und &ndash; 2017 werden es 50 Jahre &ndash; seitdem dort ein rigoroses Besatzungsregime unterh&auml;lt.  1973 &uuml;berschritten &auml;gyptische Truppen den Suezkanal, um die 1967 verlorene Sinaihalbinsel zur&uuml;ck zu erobern, 1982 drang Israel in den Libanon ein, um die dort ans&auml;ssige PLO Jassir Arafats zu vertreiben.  Zuvor, 1970, hatte K&ouml;nig Hussein Arafats Truppen aus Amman vertrieben, wo sich Arafat mit seinem Stab festgesetzt hatte und eine Art Staat im Staat etabliert hatte. &Uuml;berhaupt waren die Gr&uuml;ndung der &bdquo;Pal&auml;stinensischen Befreiungsorganisation&ldquo; (PLO)  und sp&auml;ter die Etablierung der &bdquo;Islamischen Widerstandsorganisation&ldquo; (Hamas) direkte Folgen des gegen den Willen der Pal&auml;stinenser gegr&uuml;ndeten Israel. Dass Israel die, aus seiner Sicht, Gunst der Stunde 1948\/49 nutzte und Hunderttausende von Arabern vertrieb, ist gen&uuml;gend dokumentiert worden, aber noch immer nicht in das Bewu&szlig;tsein des Westens eingedrungen. (Siehe auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33235\">NachDenkSeiten vom 3.Mai 2016<\/a>).<\/p><p>Auch au&szlig;erhalb Pal&auml;stinas kam es zu westlichen Interventionen, die fatale Folgen f&uuml;r die Geschichte der Region haben sollten. Etwa 1953.  Im Jahre 1951 hatte der iranische Premier Mohammed Mossadeq die &Ouml;lindustrie des Landes verstaatlicht und so britischem Zugriff entzogen. Die Briten hatten Anfang des Jahrhunderts die &Ouml;lquellen um die Stadt Abadan requiriert und ausgebeutet, indem sie das iranische &Ouml;l zu Schleuderpreisen nach England exportierten. Diese Ausbeutung war um so wichtiger f&uuml;r die Seefahrtsmacht Gro&szlig;-Britannien, als diese im ersten Weltkrieg ihre Kriegsflotte mit Hilfe des iranischen &Ouml;ls von Kohle auf &Ouml;l umstellen konnte.<\/p><p>Freilich, Briten und Amerikaner lie&szlig;en sich die Enteignung durch Mossadeq nicht gefallen, In Zeiten des Kalten Krieges wurde der iranische Premier als Kommunist verunglimpft und es war ein Mann namens H. Norman Schwartzkopf , Vater jenes Generals, der 1991 Sadddam Husseins Truppen aus Kuwait vertrieb, der 1953 zusammen mit dem CIA-Agenten Kermit Roosevelt  den Putsch gegen den aufs&auml;ssigen Premier Mossadeq plante, diesen absetzte und den Schah wieder in sein Amt einsetzte.   S&uuml;dafrikas Freiheitsheld  Nelson Mandela sagte  sp&auml;ter, die Vertreibung Premier Mossadeqs durch den Westen habe  konsequenterweise  1979 zum Sturz des Schahs und zur Macht&uuml;bernahme von Ayatollah Chomeini gef&uuml;hrt. Der Sturz von Mohammed Mossadeq ist bis heute ein Trauma f&uuml;r die Menschen der Region &ndash; Iraner wie Araber gleicherma&szlig;en &ndash; vergleichbar mit dem Abkommen Sykes-Picot von 1916. <\/p><p>Kaum hatte sich Ayatollah Chomeini an der Macht etabliert, &uuml;berfiel der gro&szlig;e Konkurrent, Saddam Hussein, am 22.Sepember 1980 den iranischen Nachbarn. Der blutige Krieg dauerte acht Jahre. Gewi&szlig;, der Westen hatte den Krieg wohl nicht unmittelbar angezettelt. Aber da&szlig; sich die beiden &Ouml;l-Superm&auml;chte am Golf neutralisierten, war ihm durchaus recht. Mal unterst&uuml;tzten die USA die Iraner, mal die Iraker &ndash; je nach Kriegslage. Insgesamt etwa eine Million Tote fielen da nicht weiter ins Gewicht.  Es ging um &Ouml;l und um die Herrschaft &uuml;ber die &Ouml;lquellen.  Ein westlicher &Ouml;lh&auml;ndler sagte damals: &bdquo;Wir starteten den iranisch-irakischen Krieg, und ich sage, wir begannen ihn, weil ein Land benutzt werden musste, um das andere zu zerst&ouml;ren.&ldquo;  Am Ende, nach acht Jahren,  lagen beide Kontrahenten am Boden, der Westen hatte sein Ziel erreicht: niemand, weder der Iran, noch der Irak hatte sich als alleiniger Herrscher &uuml;ber die &Ouml;lquellen etablieren k&ouml;nnen.<\/p><p>Und dann der Krieg von 1991, die Vertreibung des Irak aus dem zuvor durch Saddam Huseins Truppen eroberten Kuwait. Sicher, es gab ein Mandat des UN-Sicherheitsrates, das der von den USA gef&uuml;hrten Koalition diesen Krieg gegen den Irak erlaubte. Vordergr&uuml;ndig also ein v&ouml;lkerrechtskonformer Krieg. Aber auch eine v&ouml;lkerrechtskonforme Kriegf&uuml;hrung?. Wochenlang f&uuml;hrte H. Norman Schwartzkopf junior einen Bombenkrieg gegen das Land &ndash; angeblich um im Voraus irakische Nachschubwege und  die milit&auml;rische Infrastruktur des Landes zu zerst&ouml;ren. Aber mu&szlig;ten dazu &ndash; zum Beispiel &ndash; auch Br&uuml;cken im mehr als 600 Kilometer n&ouml;rdlich des Kriegsschauplatzes gelegenen Bagdad bombardiert werden?<\/p><p>Erst nachdem sich der Kriegsl&auml;rm gelegt hatte, wurde klar: Ziel der amerikanischen Bombenkampagne war es auch gewesen, so viel von der zivilen irakischen Infrastruktur zu zerst&ouml;ren, da&szlig; sich dieses in vielen Aspekten hoch entwickelte arabische Land so schnell von den Kriegssch&auml;den nicht werde erholen k&ouml;nnen. Gew&uuml;nschter Effekt: ein arabischer Hauptgegner Israels war auf lange Zeit ausgeschaltet.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich der fatale M&auml;rz des Jahres 2003. Zw&ouml;lf Jahre zuvor hatte H. Norman Schwartzkopf junior seinen Pr&auml;sidenten, George Bush davon zu &uuml;berzeugen versucht, gleich bis Bagdad durchmarschieren zu d&uuml;rfen und mit Saddam Hussein Schlu&szlig; zu machen &ndash; ein f&uuml;r allemal. Doch Vater Bush sah voraus, was eine solche, im &Uuml;brigen vom UN-Sicherheitsrat nicht gedeckte Intervention, hervorrufen w&uuml;rde: Chaos im Land. Sohn George scherte die Vernunft des Vaters wenig. Mit einer L&uuml;genkampagne sondergleichen bereitete er seine Mission &bdquo;Regime Change&ldquo; im Irak vor: Saddam Hussein horte Massenvernichtungswaffen, Saddam Hussein habe versucht, in Westafrika Uran zu besorgen, auf Bagdads Stra&szlig;en marodierten Al-Qaida Banden &ndash; ein besonders absurder Vorwurf, denn kein Despot vom Schlage Saddam Husseins w&uuml;rde  jemals milit&auml;rische oder politische Konkurrenz im Lande zulassen.<\/p><p>Die USA obsiegten milit&auml;risch &ndash; und fuhren das Land politisch ins Chaos. Zivilverwalter Paul Bremer l&ouml;ste die staatstragende Baathpartei und die Armee auf &ndash; Tausende Funktion&auml;re und Offiziere verloren ihre Jobs, das Vakuum nutzten Terrororganisationen wie &bdquo;Al Qaida in Mesopotamien&ldquo; und der wie aus dem Nichts entstandene &bdquo;Islamische Staat in der Levante&ldquo; (ISIL).  Das Chaos war perfekt. Es dehnte sich auf Syrien aus, wo  George W. Bush nur deshalb von einem weiteren Versuch eines &bdquo;Regime Change&ldquo; abgesehen hatte, weil er schon das von ihm im Irak angerichtete Chaos nicht beherrschen konnte. Fazit: der von den USA gef&uuml;hrte Irakkrieg von 2003 war die bisher letzte gro&szlig;e Intervention des Westens seit Sykes-Picot. Im Westen mag diese fatale Kontinuit&auml;t nicht gesehen werden, in der arabischen Welt aber ist sie vielen Menschen durchaus im Bewu&szlig;tsein. <\/p><p>Das Thema westlicher Interventionen im Nahen Osten f&uuml;llt B&uuml;cher. Dieser Text ist nur ein grober &Uuml;berblick. Bleibt die, eigentlich unhistorische, Frage: was w&auml;re in der Region geschehen, h&auml;tte es Sykes-Picot und die Folgeinterventionen nicht gegeben? Ein friedliches Arabien etwa? Arabische Gesellschaften sind bis heute &uuml;berwiegend Clan- und Stammesgesellschaften. Konflikte gibt es dort urspr&uuml;nglich nicht unter Nationalstaaten, sondern unter St&auml;mmen, Clans, Gro&szlig;familien. Zu erwarten, der Nahe Osten w&auml;re ohne westlichen Einflu&szlig; ein weitgehend friedliches Gebilde geworden, ist also eine eher illusion&auml;re Vorstellung. Und: der allm&auml;hlich nach 1916, nach Sykes-Picot entdeckte &Ouml;lreichtum der Region h&auml;tte zweifellos Interventionen aller m&ouml;glicher Staaten hervorgerufen. Auf einen, sozusagen, ewigen Frieden in der Region h&auml;tte man demnach nicht hoffen d&uuml;rfen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich: so schlecht Sykes-Picot f&uuml;r die Entwicklung Arabiens gewesen sein mag, so barg es dennoch einige Chancen &ndash; etwa den allm&auml;hlichen Aufbau demokratischer Strukturen in den neuen Staatsgebilden. Doch die arabischen Herrscher der vom Westen geschaffenen Nationalstaaten waren niemals in der Lage, wirklich ihren V&ouml;lkern zu dienen. Eigener Machterhalt war stets Ziel Nummer Eins der jeweiligen Machthaber. Arabische Solidarit&auml;t &ndash; etwa gegen die von Sykes-Picot geschaffene Ordnung &ndash;  hat es nie gegeben.  Die K&ouml;nige und Pr&auml;sidenten richteten sich in den ihnen vom Westen zugewiesenen neuen Nationalstaaten ein und machten das Beste aus dieser Lage &ndash; vornehmlich f&uuml;r sich selbst. Ja, der Westen hat in fataler Weise seit 1916 in der Region interveniert.  Aber arabische Solidarit&auml;t gegen dieses territoriale Diktat hat es nie gegeben. Daher haben die Klagen gegen Sykes-Picot, soweit sie von den jeweiligen herrschenden Eliten kommen, stets einen faden politischen Beigeschmack.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 100 Jahren haben Briten und Franzosen ein Abkommen &uuml;ber die Aufteilung des Osmanischen Reiches geschlossen. Heiko Flottau skizziert und bewertet die Folgen. Er kennt sich in der Region aus. Von 1985 bis 1992 und von 1996 bis 2004 war er Nahostkorrespondent der S&uuml;ddeutschen Zeitung, mit Sitz in Kairo, von 2005 bis 2009 freier Journalist<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33364\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,20,171],"tags":[368,1334,1043,469,822,1426,641,951,1557,1792,1529,1878,303,1418,1553,1556,1281],"class_list":["post-33364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-bush-george-w","tag-erdoel","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-hamas","tag-hegemonie","tag-irak","tag-iran","tag-israel","tag-kolonialismus","tag-kurden","tag-naher-osten","tag-palaestina","tag-regime-change","tag-syrien","tag-usa","tag-zionismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33364"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50062,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33364\/revisions\/50062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}