{"id":33414,"date":"2016-05-18T14:39:46","date_gmt":"2016-05-18T12:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33414"},"modified":"2016-05-18T20:09:36","modified_gmt":"2016-05-18T18:09:36","slug":"sparkassen-strafzinsen-und-andere-merkwuerdigkeiten-ist-das-schon-kampagnenjournalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33414","title":{"rendered":"Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkw\u00fcrdigkeiten \u2013 ist das schon Kampagnenjournalismus?"},"content":{"rendered":"<p>Ein auf Krawall geb&uuml;rsteter bayerischer Sparkassenpr&auml;sidenten denkt laut &uuml;ber &bdquo;Strafzinsen&ldquo; f&uuml;r Privatkunden nach und die Medien sind aus dem <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=sparkasse+strafzinsen&amp;safe=off&amp;client=safari&amp;rls=en&amp;biw=1680&amp;bih=867&amp;tbm=nws&amp;ei=1iI8V6mILYjiUYf5l-AI&amp;start=0&amp;sa=N\">H&auml;uschen<\/a>. Das Thema Negativzinsen scheint aktuell das Thema Inflation als Lieblingsaufreger f&uuml;r deutsche Finanzjournalisten abgel&ouml;st zu haben; und wie beim Thema Inflation wird leider auch beim Thema Negativzinsen viel Unsinn geschrieben. Wer beispielsweise im Kontext angedachter &bdquo;Verwahrgeb&uuml;hren&ldquo; von einer Enteignung der Sparer <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/europaeische-zentralbank\/folgen-fuer-verbraucher-44876944.bild.html\">fabuliert<\/a>, sollte sich ernsthaft dar&uuml;ber Gedanken machen, ob er den richtigen Job ergriffen hat. Selbst wenn die Banken die Negativzinsen voll durchreichen, geht es f&uuml;r den durchschnittlichen Sparer n&auml;mlich um weniger als 40 Cent pro Monat &ndash; wie viel Kontof&uuml;hrungsgeb&uuml;hren zahlen Sie doch gleich? Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_342\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33414-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33414-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160518_Sparkassen_Strafzinsen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Gem&auml;&szlig; eines sch&ouml;nen Zitats funktioniert das klassische Banking nach der 3-6-3-Methode: Gib Deinen Kunden 3% Zinsen auf ihre Einlagen, verlange 6% f&uuml;r einen Kredit, mach um Drei Feierabend und geh dann Golf spielen. W&uuml;rden alle Banker so handeln; uns w&auml;ren die ganzen Crashs, Krisen und milliardenschweren Rettungspakete erspart geblieben. Aber bleiben wir bei diesem vereinfachenden Modell: Was hat sich seit dem Beginn der Niedrigzins&auml;ra substanziell daran ge&auml;ndert? Heute kriegen Kunden 0% Zinsen und gut abgesicherte Kredite kosten rund 3% Zinsen. Der Unterschied betr&auml;gt also heute wie damals rund drei Prozent und dies k&ouml;nnen Sie ruhig auch auf andere Jahrzehnte &uuml;bertragen: Ein gut abgesicherter Kredit kostete schon immer rund drei Prozent mehr als es als Einlage f&uuml;r Festgeld von der Bank gibt. Diese Differenz deckt zum Einen das Ausfallrisiko und tr&auml;gt zum Anderen einen Teil der Kosten: Schlie&szlig;lich kosten auch ganz normale &bdquo;Schalterbeamte&ldquo;, Geldautomaten und Filialen Geld &ndash; es muss ja nicht immer der gierige Anlageberater oder der zockende Broker sein, den es bei kleineren Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken ja ohnehin nicht gibt.<\/p><p>Doch selbst wenn auch Nullzinsen prinzipiell kein Problem f&uuml;r eine ordentlich gef&uuml;hrte Bank darstellen, haben die Sparkassen dennoch ein Problem mit dem Zinsumfeld, das erst auf den zweiten Blick ins Auge f&auml;llt: Aktuell [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] haben die Sparkassen einen Kreditbestand von 745,1 Milliarden Euro und Einlagen in H&ouml;he von 861,5 Milliarden Euro. Sie haben also stetig rund 100 Milliarden Euro mehr Einlagen in ihren Bilanzen als sie als Kredite vergeben haben. Dies ist aus Sicherheitsgesichtspunkten nat&uuml;rlich wunderbar und auch in der Vergangenheit gab es &ouml;fters solche Phasen. In der Vergangenheit haben Banken jedoch auf ihre Einlagen&uuml;bersch&uuml;sse von der EZB Zinsen bekommen &ndash; heute m&uuml;ssen sie Strafzinsen zahlen. Auf die 100 Milliarden Euro Einlagen&uuml;berschuss w&uuml;rden beim aktuellen Satz von minus 0,4 Prozent immerhin 400 Millionen Euro pro Jahr anfallen. Das ist viel Geld. Im letzten Jahr haben die Sparkassen jedoch einen Vorsteuergewinn von 4,6 Milliarden Euro erwirtschaftet und zus&auml;tzlich 4,2 Milliarden Euro in ihre Vorsorgereserve eingezahlt. Die Strafzinsen f&uuml;r die Sparereinlagen sind somit sicherlich &auml;rgerlich f&uuml;r das Sparkassenmanagement, stellen aber auch keinen zwingenden Grund dar, um nun auf die Endkunden umgelegt zu werden.<\/p><p>Dennoch erheben &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; einige Sparkassen von gewerblichen Gro&szlig;kunden sogenannte &bdquo;Verwahrgeb&uuml;hren&ldquo;, um sie zum Teil mit an den EZB-Geb&uuml;hren zu beteiligen. Was w&uuml;rde es denn bedeuten, wenn rein theoretisch auch alle Privat- und Kleinkunden derartige Geb&uuml;hren in Form negativer Zinsen zahlen m&uuml;ssten? Laut der aktuellen <a href=\"https:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Veroeffentlichungen\/Monatsberichtsaufsaetze\/2016\/2016_03_vermoegen_finanzen_private_haushalte.pdf?__blob=publicationFile\">PHF-Studie<\/a> verf&uuml;gt ein durchschnittlicher [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] deutscher Haushalt &uuml;ber ein Sichtverm&ouml;gen von 1.100 Euro auf dem Girokonto. Eine &bdquo;Verwahrgeb&uuml;hr&ldquo; in H&ouml;he der vollen EZB-Strafzinsen w&uuml;rde also mit 4,40 Euro pro Jahr bzw. 37 Cent pro Monat zu Buche schlagen. Bei vielen Banken ist eine einzige &Uuml;berweisung teurer, ganz zu schweigen vom Zusenden der Kontoausz&uuml;ge oder dem Abheben von Bargeld bei einem anderen Institut.<\/p><p>Gerade eben die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken lassen ihre Kunden bereits heute indirekt in Form zahlreicher Geb&uuml;hren die EZB-Strafzinsen mitbezahlen. Ein Grund zur Aufregung ist jedoch auch das nicht. Bevor Sie beispielsweise ihrer Hausbank den R&uuml;cken kehren und zu einer jungen, hippen und zudem kostenlosen Onlinebank wechseln, sollten Sie sich folgende Wahrheit vor Augen halten: <strong>Wenn Du nichts bezahlen musst, bist Du das Produkt!<\/strong> Und das gilt nicht nur f&uuml;r Google, Facebook und Co., sondern selbstverst&auml;ndlich auch f&uuml;r Banken. Auch junge, hippe Onlinebanken haben Kosten und es sollte jedem Kunden einleuchten, dass auch diese Banken sich diese Kosten irgendwie wiederholen. Meist funktioniert dies nach dem Modell &bdquo;Butterfahrt&ldquo;, nur dass Ihnen keine Heizdecken, sondern &uuml;berteuerte und oft unn&uuml;tze Finanzprodukte &bdquo;aus einer Hand&ldquo; angedreht werden. <\/p><p>Negativ- und Strafzinsen hin oder her &ndash; Banken haben Kosten, die sie dem Kunden in Rechnung stellen m&uuml;ssen. Das kann im schlimmsten Falle indirekt &uuml;ber das Modell &bdquo;Butterfahrt&ldquo; geschehen oder viel zu intransparent, aber weitestgehend direkt wie bei den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken; das kann aber auch transparent und fair funktionieren, wie es beispielsweise die alternative GLS-Bank <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/service\/gls-bank-kunden-sollen-monatsbeitrag-zahlen-a-1075277.html\">andenkt<\/a> &ndash; dort plant man f&uuml;r 2017 ein Grundbeitragsmodell, bei dem die Kunden eine Art Flatrate zwischen f&uuml;nf und 15 Euro pro Monat buchen k&ouml;nnen, die dann s&auml;mtliche direkte Kosten deckt. <\/p><p>Und um noch mit einem weiteren Mythos aufzur&auml;umen: <strong>Strafzinsen f&uuml;r Privatkunden w&auml;ren keinesfalls ungerecht, sondern ganz im Gegenteil sogar sehr gerecht!<\/strong> Nur &uuml;ber Strafzinsen werden die Verursacher direkt an eben jenen Kosten beteiligt. Wenn eine Bank keine Strafzinsen erhebt, m&uuml;ssen die Kosten auf alle Kunden verteilt werden. Dann zahlt die Krankenschwester indirekt &uuml;ber h&ouml;here Kontof&uuml;hrungsgeb&uuml;hren die Strafzinsen mit, die der Bank f&uuml;r das hohe Sichtguthaben des Chefarztes in Rechnung gestellt wurden. Ist das etwa gerecht?<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] die j&uuml;ngsten Zahlen sind von Dezember 2015<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] im Median<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/91e9541cf7b24899be2899d442d9c586\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein auf Krawall geb&uuml;rsteter bayerischer Sparkassenpr&auml;sidenten denkt laut &uuml;ber &bdquo;Strafzinsen&ldquo; f&uuml;r Privatkunden nach und die Medien sind aus dem <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=sparkasse+strafzinsen&amp;safe=off&amp;client=safari&amp;rls=en&amp;biw=1680&amp;bih=867&amp;tbm=nws&amp;ei=1iI8V6mILYjiUYf5l-AI&amp;start=0&amp;sa=N\">H&auml;uschen<\/a>. 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