{"id":33447,"date":"2016-05-20T09:53:36","date_gmt":"2016-05-20T07:53:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33447"},"modified":"2024-08-21T23:13:53","modified_gmt":"2024-08-21T21:13:53","slug":"rassismus-und-sexismus-gehen-meist-hand-in-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33447","title":{"rendered":"\u201eRassismus und Sexismus gehen meist Hand in Hand\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160520_hafez.jpg\" alt=\"Farid Hafez\" title=\"Farid Hafez\"><\/div><p>Ob Anschl&auml;ge auf Moscheen, oft mit den beliebten Schweinek&ouml;pfen, ab und an jedoch auch mit Handgranaten, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder Proteste gegen den Verkauf von Halal-Fleisch &ndash; das Ph&auml;nomen namens Islamophobie, auch bekannt als antimuslimischer Rassismus, geh&ouml;rt mittlerweile zum europ&auml;ischen Alltag. Dementsprechend ist auch die Stimmung innerhalb der Gesellschaft. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/Projekte\/51_Religionsmonitor\/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf\">Studie der Bertelsmann Stiftung<\/a> sind etwa 61 Prozent der Deutschen der Meinung, dass der Islam nicht zur westlichen Gesellschaft passe. W&auml;hrenddessen meinen 46 Prozent der Briten, dass es &bdquo;schwierig&ldquo; sei, in Gro&szlig;britannien muslimisch zu sein. Derartige Zahlen passen zur gegenw&auml;rtigen politischen Landschaft Europas, die zunehmend von Rechtspopulisten und Rechtsextremen dominiert wird. Um dieser Realit&auml;t entgegenzuwirken, wurde vor Kurzem der erste Islamophobie-Bericht zu Europa, der <a href=\"http:\/\/www.islamophobiaeurope.com\">European Islamophobia Report (EIR)<\/a>, ver&ouml;ffentlicht. In diesem Kontext wurde die Entwicklung antimuslimischer Ressentiments in 25 europ&auml;ischen Staaten empirisch untersucht. Die Ergebnisse sind zu einem Gro&szlig;teil schockierend. &Uuml;ber sie sprach <strong>Emran Feroz<\/strong> mit dem Politologen und Islamophobie-Forscher <strong>Farid Hafez<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33447#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Mitautor und Initiator des EIR.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das Ph&auml;nomen Islamophobie ist im Grunde genommen nichts Neues. Wie kommt es, dass der erste europ&auml;ische Bericht dazu erst im Jahr 2016 erschienen ist?<\/strong><\/p><p>Es gab bereits in der Vergangenheit einzelne Berichte. Nur waren diese nicht regelm&auml;&szlig;ig und deckten auch nur einzelne wenige L&auml;nder ab. Genau hier will unser Bericht einen Beitrag leisten. Es geht um eine j&auml;hrliche Analyse, die m&ouml;glichst viele L&auml;nder umfasst.<\/p><p><strong>Einige im Bericht dargestellte Zahlen sind sehr besorgniserregend, etwa der Anstieg islamfeindlicher Vorf&auml;lle in Frankreich, die allein im Halbjahr 2015 um 500 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Wie kommt es zu derartigen Ausschreitungen?<\/strong><\/p><p>Der Anstieg von &Uuml;bergriffen in Frankreich ist mit der Eskalation nach Charlie Hebdo zu erkl&auml;ren. Da es einen politischen und medialen Diskurs gegeben hat, der wenig differenziert war, scheint es mir, als f&uuml;hlten sich die Menschen dazu erm&auml;chtigt, die Gleichsetzung von Islam und Terrorismus mit einer Handlung zu beantworten.<\/p><p><strong>Stimmung machende Medien greifen auch immer wieder die Unterdr&uuml;ckung der Frau im Islam sowie in muslimisch gepr&auml;gten Gesellschaften auf. Nun f&auml;llt in Ihrem Bericht auf, dass besonders viele Frauen, teils sogar 75 Prozent, Opfer von Islamophobie oder antimuslimischem Rassismus werden. Wie l&auml;sst sich das erkl&auml;ren?<\/strong><\/p><p>Zum einen l&auml;sst sich sagen, dass jene Frauen, die als Musliminnen wahrgenommen werden &ndash; etwa durch die Haarbedeckung &ndash; leichter angefeindet werden, als M&auml;nner, die ihre muslimische Identit&auml;t leichter &bdquo;unsichtbar&ldquo; machen k&ouml;nnen. Zum anderen gehen generell Sexismus und Rassismus meist Hand in Hand. Das rassistische Patriarchat ist keine Neuheit.<\/p><p><strong>Inwieweit hat Ihrer Meinung nach die sogenannte Fl&uuml;chtlingskrise zum Anstieg der Islamophobie beigetragen?<\/strong><\/p><p>Die Fl&uuml;chtlingskrise hat besonders in den &ouml;stlicheren L&auml;ndern Europas zu einem Anstieg an islamophoben Diskursen gef&uuml;hrt. Dort funktioniert Islamophobie weitgehend ohne Muslime. Die Debatte &uuml;ber gefl&uuml;chtete Menschen und eine Gefahr, die importiert werden w&uuml;rde, wurde von vielen politischen Kr&auml;ften aufgenommen.<\/p><p><strong>Wie kann Islamophobie ohne Muslime funktionieren? Wie erkl&auml;ren Sie das?<\/strong><\/p><p>Das best&auml;tigt nur eine der wichtigsten theoretischen Annahmen von Rassismus. Denn Antisemitismus, Islamophobie und andere Formen von Rassismus sagen uns mehr &uuml;ber die Vorstellungen der Antisemiten, Islamophoben, und Rassisten aus, als dass sie uns etwas &uuml;ber das Judentum, den Islam, oder den rassifizierten &bdquo;Anderen&ldquo; aussagen w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Sie sind &Ouml;sterreicher. Der n&auml;chste Bundespr&auml;sident Ihres Landes k&ouml;nnte Norbert Hofer von der rechten FP&Ouml; werden. Abgesehen davon ist die Partei schon seit einigen Jahren erfolgreich. Inwiefern hat der Aufstieg rechtsextremer sowie rechtspopulistischer Parteien mit Islamophobie zu tun?<\/strong><\/p><p>Sehr viel. Denn die rechtspopulistischen Parteien haben erfolgreich einen strategischen Schwenk eingeleitet. Die FP&Ouml; hat sich wie auch die franz&ouml;sische Front National oder die Schwedendemokraten und viele andere in Europa programmatisch vom Antisemitismus verabschiedet. Das neue Feindbild ist im Wesentlichen das Alte in einem neuen Gewand. Dadurch, dass Islamophobie der gesellschaftsf&auml;hige Rassismus von heute ist, hat sich die Neue Rechte erfolgreich auf dieses Ticket gesetzt und das macht sie akzeptabler f&uuml;r die W&auml;hlerschaft.<\/p><p><strong>Der EIR wurde unter anderem auch von SETA, einem konservativen, t&uuml;rkischen Think Thank, dem nachgesagt wird, der Regierung in Ankara nahezustehen, gef&ouml;rdert. Inwiefern hat dieser Umstand Ihre Forschung und Datenerhebung beeintr&auml;chtigt?<\/strong><\/p><p>Der Bericht wurde von 37 Kollegen und Kolleginnen aus den 25 untersuchten L&auml;ndern verfasst, die zumeist wie ich selbst in einer akademischen Einrichtung t&auml;tig sind. Ich bin kein Angestellter des Think Tanks und mir wurde als Mitherausgeber freie Hand gegeben. Niemand hat sich inhaltlich in unsere Arbeit eingemischt. Ich habe SETA hier als sehr professionell erleben d&uuml;rfen.<\/p><p><strong>Deutschland will nun Straftaten mit antimuslimischem Hintergrund dezidiert erfassen. Ist das &ndash; wenn auch ein sp&auml;ter &ndash; Schritt in die richtige Richtung?<\/strong><\/p><p>Sicherlich. Das ist ein gutes Zeichen. Man wird die konkrete Umsetzung dieser Ank&uuml;ndigung verfolgen m&uuml;ssen. Gleichzeitig braucht diese staatliche Initiative auch eine gesellschaftliche Unterst&uuml;tzung. Dazu muss noch viel Bewusstseinsarbeit gemacht werden, insbesondere was die Muslime selbst angeht. F&uuml;r viele ist die Islamophobie so normal geworden, dass sie nicht einmal noch erkennen, dass es sich hierbei um eine rassistische Straftat handelt. Zudem gilt es, im Bereich der Polizei auch Aufkl&auml;rungsarbeit zu machen.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dr. Farid Hafez ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Politikwissenschaft an der Universit&auml;t Salzburg. Hafez promovierte am Institut f&uuml;r Politikwissenschaft an der Universit&auml;t Wien und studierte zudem am Institut f&uuml;r Bildungswissenschaft an den Universit&auml;ten Krems und Klagenfurt. Er lehrt am Studiengang f&uuml;r das Lehramt f&uuml;r Islamische Religion in Wien und an der Universit&auml;t Klagenfurt. Im Fr&uuml;hjahr 2014 war er Visiting Scholar an der Columbia University in New York City. Seit 2010 ist er Herausgeber des Jahrbuchs f&uuml;r Islamophobieforschung. 2009 erhielt er gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler John Bunzl den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis f&uuml;r &bdquo;Islamophobie in &Ouml;sterreich&ldquo; f&uuml;r das politische Buch des Jahres. Hafez hat bis dato insgesamt 11 B&uuml;cher ver&ouml;ffentlicht und publiziert regelm&auml;&szlig;ig in f&uuml;hrenden internationalen Journalen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160520_hafez.jpg\" alt=\"Farid Hafez\" title=\"Farid Hafez\"\/><\/div>\n<p>Ob Anschl&auml;ge auf Moscheen, oft mit den beliebten Schweinek&ouml;pfen, ab und an jedoch auch mit Handgranaten, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder Proteste gegen den Verkauf von Halal-Fleisch &ndash; das Ph&auml;nomen namens Islamophobie, auch bekannt als antimuslimischer Rassismus, geh&ouml;rt mittlerweile zum europ&auml;ischen Alltag. Dementsprechend<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33447\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,209,125],"tags":[1276,1055],"class_list":["post-33447","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-interviews","category-rechte-gefahr","tag-attentat","tag-fluechtlinge"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33447","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33447"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33447\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":119976,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33447\/revisions\/119976"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33447"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33447"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33447"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}