{"id":3346,"date":"2008-07-21T09:10:29","date_gmt":"2008-07-21T07:10:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3346"},"modified":"2015-11-17T10:06:53","modified_gmt":"2015-11-17T09:06:53","slug":"wirtschaft-und-spd-fuer-die-senkung-der-lohnzusatzkosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3346","title":{"rendered":"Wirtschaft und SPD f\u00fcr die Senkung der \u201eLohnzusatzkosten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Uni sono pl&auml;dieren der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/07\/19\/aufschwung\/am-ende-sagt-iw-direktor-huether.html\">Bild am Sonntag<\/a> und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck im <a href=\"http:\/\/berlindirekt.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/4\/0,1872,7271876,00.html?dr=1\">Sommer-Interview des ZDF<\/a> an diesem Wochenende f&uuml;r eine Senkung der Abgabenlast. Im Ergebnis w&uuml;rden damit die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme weiter gesenkt und die Zusatzkosten einseitig den Arbeitnehmern aufgeb&uuml;rdet. Statt &bdquo;mehr Netto vom Brutto&ldquo; h&auml;tten die Leute weniger in der Tasche. Die SPD macht diese Irref&uuml;hrung mit und wundert sich noch, dass ihr die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler davon laufen.<br>\n<!--more--><\/p><p>&bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft: Der Aufschwung ist zu Ende&ldquo;, so lautet die &Uuml;berschrift in der BamS. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sagt f&uuml;r das kommende Wahljahr ein Gesamtwirtschaftswachstum von gerade mal 1 Prozent voraus! H&uuml;ther fordert, die Wirtschaftspolitik m&uuml;sse <strong>&bdquo;durch Abgabenentlastungen wieder auf St&auml;rkung der Wettbewerbsf&auml;higkeit setzen, die Lohnpolitik darf die Grenzen des Verteilungsspielraums nicht ignorieren&rdquo;.<\/strong><\/p><p>Ob Aufschwung oder Abschwung, ob Energiepreisexplosion oder Dollarverfall, die deutsche Wirtschaft kennt immer nur ein einziges Rezept: Abgabensenkungen und Lohnzur&uuml;ckhaltung.<\/p><p>Und die SPD plappert diese Parolen einfach nach. Im  ZDF-Sommerinterview sagt Kurt Beck:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Und dann steht eine Senkung der Lohnzusatzkosten an, denn die entlasten die Menschen, wenn wir sie senken, vom ersten verdienten Euro an&hellip;<br>\nWir sind die Partei, die die Beitr&auml;ge senken will und zwar auf unter 36 Prozent, wie dies vor der deutschen Einheit gewesen ist.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der <a href=\"?p=2101\">Mythos der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo;<\/a> wird also von der SPD munter weiter gepflegt. Das ist eine plumpe Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit:<\/p><p>Mit der Senkung der (parit&auml;tisch finanzierten) Sozialversicherungsbeitr&auml;ge sinken ja nicht die Kosten f&uuml;r die Renten-, die Gesundheits- oder die Arbeitslosenversicherung. Noch vor wenigen Tagen meldete das Statistische Bundesamt bei den <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/deutschland\/Soziales-Gesundheit-Renten;art122,2571622\">Sozialkassen ein Einnahme-Minus von 3,7 Milliarden Euro<\/a>. Die L&uuml;cken, die durch die Senkung der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; entstehen  m&uuml;ssen schon nach den Renten- und Gesundheits-&bdquo;Reformen&ldquo; einseitig von der Arbeitnehmerseite getragen werden, etwa durch die private Riester-Rente oder durch einkommensunabh&auml;ngige (ausschlie&szlig;lich privat finanzierte) <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/320_91886.html\">Zusatzbeitr&auml;ge nach Einf&uuml;hrung des Gesundheitsfonds f&uuml;r die Kassen mit vielen Niedrigverdienern<\/a>. <\/p><p>Durch die Senkung der Beitr&auml;ge f&uuml;r die Arbeitslosenversicherung von 4,2 auf 3,3 Prozent zum 1. Januar 2008 stieg das Defizit bei der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit von 0,3 auf 1,0 Milliarden Euro. Die durch die Beitragssenkungen entstandenen Defizite m&uuml;ssen durch eine weitere Senkung der Leistungen ausgeglichen werden. So wurden u.a. schon im Verlauf der bisherigen Senkungen der Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge die Ausgaben der Bundesagentur etwa f&uuml;r die berufliche Weiterbildung trotz des angeblichen Facharbeitermangels von 7,8 im Jahr 1999 auf 2,3 Milliarden Euro im Jahre 2005 (also um 70 %) vermindert. Im Jahre 2006 gingen sie laut <a href=\"?p=3297\">Bildungsbericht weiter auf 1,6 Milliarden zur&uuml;ck<\/a>.<\/p><p>Oder nehmen wir als Rechenbeispiel die Rentenversicherung: <\/p><p>Von den gesamten Lohnkosten gehen 19,9 Prozent parit&auml;tisch finanziert an den gesetzliche Rentenversicherung ab. Vom Bruttolohn der Arbeitnehmer sind das knapp 10 Prozent. Wollen die Arbeitnehmer nach dem Abbau der gesetzlichen Rente eine ausk&ouml;mmliche Altersvorsorge erhalten, sollen sie k&uuml;nftig, um die staatliche F&ouml;rderung zu erhalten, 4 Prozent ihres Bruttolohnes in die private Riester-Rente einzahlen. D.h. die Arbeitnehmer zahlen heute schon knapp 14 Prozent ihres Bruttolohnes f&uuml;r eine ausk&ouml;mmliche Altersvorsorge, w&auml;hrend der Anteil f&uuml;r die Arbeitgeberseite gedeckelt wurde und k&uuml;nftig noch weiter gesenkt werden soll. <\/p><p>Man gaukelt den Arbeitnehmern also vor, durch die Senkung der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; mehr &bdquo;Netto&ldquo; in der Tasche zu haben. Dass sie von diesem Netto anschlie&szlig;end erheblich mehr f&uuml;r die private Vorsorge ausgeben m&uuml;ssen bzw. die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme gesenkt werden, das wird tunlichst verschwiegen. <\/p><p>Dass die Wirtschaftsverb&auml;nde und mit ihnen das wirtschaftsnahe Institut der deutschen Wirtschaft f&uuml;r die Entlastung der Arbeitgeber eintreten, versteht sich aus deren Interessenlage. Dass nun aber gerade die Sozialdemokraten in das gleiche Horn blasen, belegt nur, dass sie die Interessen der Arbeitnehmer an der Stabilisierung der gesetzlichen sozialen Sicherungssysteme vor lauter Anpassung an die Arbeitgeberideologie aus den Augen verloren haben.  Warum eigentlich? <\/p><p>Vor wenigen Tagen noch musste der Rentenversicherungsanbieter &bdquo;Postbank&ldquo; nach einer von ihm bei Allensbach in Auftrag gegebenen Umfrage feststellen, dass 71 Prozent der Berufst&auml;tigen und 76 Prozent der Nichtberufst&auml;tigen die gesetzliche Rente f&uuml;r die beste Form der Alterssicherung halten. <\/p><p>Doch die Sozialdemokraten wollen die hohe Zustimmung der Bev&ouml;lkerung f&uuml;r die gesetzlichen Sozialversicherungssysteme offenbar nicht zur Kenntnis nehmen. Im Gegenteil, sie arbeiten durch weitere Abgabensenkungen kr&auml;ftig weiter an deren Abbau mit und wundern sich, dass ihre Zustimmung bei den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern auf die Werte einer Splitterpartei absacken. <\/p><p>Am letzten Freitag hatten wir auf ein Interview in der Zeitschrift <a href=\"upload\/pdf\/080718%20Konkret%20gespraech_mueller.pdf\">&bdquo;KONKRET&ldquo; [PDF &ndash; 380 KB]<\/a> mit Albrecht M&uuml;ller hingewiesen. Er kritisierte dort, dass die SPD nicht mehr als eigenst&auml;ndig denkende und handelnde politische Kraft erkennbar sei. &bdquo;Die praktische Politik der SPD-Spitze ist im Kern von der neoliberalen Ideologie bestimmt. Und dies in einer Situation, die eigentlich genuin sozialdemokratische Antworten erfordern w&uuml;rde.&ldquo;<\/p><p>Die Forderung nach Senkung der &bdquo;Lohnzusatzkosten&ldquo; in einer Phase, in der der schwache Aufschwung zu kippen droht, ist genauso ein Beleg f&uuml;r diese These, wie die Tatsache, dass Kurt Beck, statt energisch den Konjunkturabschwung aufzuhalten, als erstes Ziel der SPD die Haushaltskonsolidierung nennt. Dabei ist die &bdquo;Staatsquote&ldquo; von <a href=\"?p=2410\">49,3% im Spitzenjahr 1996 auf 45,6% in 2006 gesenkt worden<\/a>. In der Eurozone haben nur noch Irland, Spanien und Luxemburg niedrigere Quoten. Aus der Amtszeit des &bdquo;Sparkommissars&ldquo; Eichel sollte man doch gelernt haben, dass Sparen im Abschwung nur zu h&ouml;herer Nettoverschuldung f&uuml;hrte.<\/p><p>Beck bedient dabei einmal mehr das scheinmoralische Argumentationsmusters der Konservativen, die den Staat m&ouml;glichst weitgehend zur&uuml;ckdr&auml;ngen wollen: &bdquo;Wir k&ouml;nnen unseren Kindern auf die anderthalb Billiarden nicht noch neue Schulden draufpacken&ldquo;, sagt Beck dem ZDF. Dabei wird mit moralischem Pathos so getan, als sei die Staatsverschuldung ein Problem zwischen den Generationen und nicht ein sich von der Gegenwart in die Zukunft sich fortpflanzendes Verteilungsproblem innerhalb der Gesellschaft zwischen reich und arm.<\/p><p>&bdquo;F&uuml;r jeden Euro, den der Staat als Verschuldung verbucht, entsteht n&auml;mlich eine Forderung gegen&uuml;ber dem Staat in H&ouml;he von genau einem Euro. Das hei&szlig;t, wir vererben die staatlichen Verbindlichkeiten an zuk&uuml;nftige Generationen, wir vererben aber auch die dem notwendigerweise gegen&uuml;ber stehenden Forderungen an zuk&uuml;nftige Generationen&ldquo;, schreibt <a href=\"http:\/\/www.flassbeck.de\/pdf\/2005\/15.12.2005\/Das%20Jahr%20vor%20dem%20Fall.pdf\">Heiner Flassbeck [PDF &ndash; 52 KB]<\/a>.<\/p><p>Auf eine sozialdemokratische Antwort der SPD auf dieses fortdauernde Verteilungsproblem, wartet man leider vergeblich. Kurt Beck, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article2231877\/Warum_Steinbrueck_keinen_Notfallplan_hat.html\">Peer Steinbr&uuml;ck<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/div\/Hubertus-Heil-SPD;art771,2575960\">Hubertus Heil<\/a> wiederholten an diesem Wochenende die l&auml;ngst gescheiterten neoliberalen Konzepte und &uuml;berlie&szlig;en der CSU mit deren Forderung nach Wiedereinf&uuml;hrung der Pendlerpauschale die Schlagzeilen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uni sono pl&auml;dieren der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/wirtschaft\/2008\/07\/19\/aufschwung\/am-ende-sagt-iw-direktor-huether.html\">Bild am Sonntag<\/a> und der SPD-Vorsitzende Kurt Beck im <a href=\"http:\/\/berlindirekt.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/4\/0,1872,7271876,00.html?dr=1\">Sommer-Interview des ZDF<\/a> an diesem Wochenende f&uuml;r eine Senkung der Abgabenlast. Im Ergebnis w&uuml;rden damit die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme weiter gesenkt und die Zusatzkosten einseitig den Arbeitnehmern aufgeb&uuml;rdet. Statt &bdquo;mehr<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3346\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[25,123,191,157],"tags":[1011,459,551,1622,273,1540,1057],"class_list":["post-3346","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lohnnebenkosten","category-kampagnentarnworteneusprech","category-spd","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-beck-kurt","tag-bild","tag-huether-michael","tag-pendlerpauschale","tag-privatvorsorge","tag-zdf","tag-zusatzbeitraege"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3346"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28792,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3346\/revisions\/28792"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}