{"id":3350,"date":"2008-07-22T17:28:49","date_gmt":"2008-07-22T15:28:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3350"},"modified":"2015-11-17T10:02:05","modified_gmt":"2015-11-17T09:02:05","slug":"der-spiegel-spuert-am-eigenen-leib-was-es-heisst-glaubwuerdigkeit-zu-verlieren-auch-dank-der-arbeit-der-beta-blogger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3350","title":{"rendered":"\u201eDer Spiegel\u201c sp\u00fcrt am eigenen Leib, was es hei\u00dft, Glaubw\u00fcrdigkeit zu verlieren &#8211; auch dank der Arbeit der \u201eBeta-Blogger\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.focus.de\/kultur\/medien\/in-eigener-sache-focus-legt-bei-auflage-zu_aid_317888.html\">Die Auflage sinkt<\/a>, seine Glaubw&uuml;rdigkeit als kritisches Blatt ist am Schwinden &ndash; diesen Eindruck gewinnen wir von Mails vieler Spiegel-Leser. Um die Bedeutung der Glaubw&uuml;rdigkeit m&uuml;sste man eigentlich auch bei der Redaktion des Spiegel wissen. Offenbar aber nicht. Darauf l&auml;sst der Artikel im Spiegel und in SpiegelOnline schlie&szlig;en, auf den wir in den Hinweisen von heute schon aufmerksam gemacht haben. Die Fu&szlig;tritte gegen die NachDenkSeiten sind verst&auml;ndlich und st&ouml;ren nicht sonderlich. Sie sind verst&auml;ndlich, weil andere Blogs und wir systematisch daran arbeiten, die Glaubw&uuml;rdigkeit des Spiegel auf das Niveau zu bringen, das dieser Kampagnenjournalismus verdient.<\/p><p>Die Redakteure\/in des Spiegel haben nicht gew&uuml;rdigt, dass es einen gro&szlig;en Unterschied macht, ob man eine Internetzeitung machen will wie zum Beispiel die Huffington Post in den USA, die sich auch &bdquo;The Internet Newspaper&ldquo; nennt, oder ob man in realistischer Einsch&auml;tzung seiner Kr&auml;fte darauf zielt, die Glaubw&uuml;rdigkeit der Medien und der vielen Vorfeldorganisation der neoliberalen Ideologie in Zweifel zu ziehen.<br>\n<!--more--><\/p><p>Offenbar haben sich die Redakteure\/in des Spiegel mit den Texten zur Konzeption der NDS und den laufenden Texten der NachDenkSeiten nicht besch&auml;ftigt. Andernfalls h&auml;tten sie merken m&uuml;ssen, dass www.NachDenkSeiten.de keine Ersatzzeitung sein soll, sondern wie auch einige unserer Partner im Netz (<a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/\">BILDblog<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/\">Spiegelfechter<\/a>, etc) Manipulationen aufdecken, hinter die Kulissen leuchten und die daf&uuml;r notwendigen Fakten zur Verf&uuml;gung stellen soll. Anderes und mehr w&uuml;rden z.B. wir mit drei ehrenamtlichen und nebenher t&auml;tigen Personen in der Redaktion auch gar nicht schaffen. Das Konzept ist ein ganz anderes und es wird inzwischen durch die Erfahrung gest&uuml;tzt.<\/p><p><strong>Ein einziger Informationsimpuls, der die Glaubw&uuml;rdigkeit eines Mediums ersch&uuml;ttert, ist mehr wert als 1000 gegenl&auml;ufige Kommunikationsimpulse<\/strong><\/p><p>Uns schreiben erstaunlich viele Leser, dass sie durch die Lekt&uuml;re der NachDenkSeiten wieder gelernt haben, andere Medien kritisch zu sehen. Das ist der &bdquo;Aha-so-ist-das-Effekt&ldquo;. Wenn dieser eingetreten ist, wenn es gelingt, Zweifel in die Glaubw&uuml;rdigkeit der Mainstream-Medien zu s&auml;en, dann kann ein einziger Informationsimpuls so viel Wirkung entfalten wie 1.000 gegenl&auml;ufige. Dann k&ouml;nnen die Besucherzahl von t&auml;glich 25.000 und die PageImpressions von 1,7 Millionen im Monat bei den NachDenkSeiten (und analog bei den anderen Blogs) vermutlich mehr bedeuten als die Auflage einer &uuml;berregionalen Zeitung. Die FAZ erreicht eine Auflage von 366.000, die S&uuml;ddeutsche von 448.000. So viele Besucher am Tag brauchen wir und andere kritische Blogs nicht, um die gleiche kommunikative Wirkung zu erzielen, wenn es uns gelingt, die Glaubw&uuml;rdigkeit der herrschenden Medien und ihrer Kampagnen zu untergraben.<\/p><p>Diese Konzeption haben die Redakteure des Spiegel nicht verstanden. Sie haben deshalb auch nicht die Wirkung dieser Konzeption verstanden. Zum Beispiel:<\/p><ul>\n<li>Wieso ist es den Meinungsf&uuml;hrern in Politik, Wirtschaft und Medien trotz massiver Pro-Reform- und Anti-Sozialstaats-Agitation bisher nicht gelungen, eine deutliche Mehrheit hinter sich zu scharen? Wieso jammern diese Personen und Medien immer wieder dar&uuml;ber, dass die Mehrheit der Menschen mehr soziale Gerechtigkeit will, wo ihnen doch jeden Tag eingetrimmt wird, es m&uuml;sse sich endlich Leistung wieder lohnen? Das k&ouml;nnte etwas damit zu tun haben, dass die deutschen &bdquo;Beta-Blogger&ldquo; einen Nucleus von Gegen&ouml;ffentlichkeit geschaffen haben. (Es liegt nicht nur daran, es liegt auch daran, dass die Mehrheit der Menschen sich einen gewissen Sinn f&uuml;r Gerechtigkeit und Solidarit&auml;t erhalten haben.)\n<\/li>\n<li>Bei einigen der etablierten Medien regt sich Widerstand gegen die neoliberale Linie. Das hat auch etwas zu tun mit der aufkl&auml;renden Arbeit der Blogs. Sie st&uuml;tzen die verbliebenen kritischen Journalisten bei ihrer schwierigen Arbeit.\n<\/li>\n<li>Dass heute endlich auch kritisch &uuml;ber die Bertelsmann Stiftung geschrieben wird, ist ganz wesentlich den kritischen Internetseiten &ndash; und einigen Autoren von B&uuml;chern &ndash; zu verdanken.\n<\/li>\n<li>Dass vermutlich von einer Mehrheit in unserem Volk die Privatisierung der Bahn kritisch gesehen wird, dass die Privatisierungsaktionen und speziell PPP in der &Ouml;ffentlichkeit hinterfragt werden, ist nicht zu aller erst den etablierten Medien zu verdanken, sondern den kritischen Internetseiten und auch hier einigen Autoren sowie Gruppen und Initiativen, die sich den Widerstand gegen diesen Ausverkauf zur Aufgabe gestellt haben.\n<\/li>\n<li>Dass die Interessenabh&auml;ngigkeit von Wissenschaftlern, die die neoliberale Ideologie st&uuml;tzen &ndash; also R&uuml;rup, Raffelh&uuml;schen, Sinn, Miegel, Franz, Straubhaar, Zimmermann und eine Reihe anderer, heute wenigstens gelegentlich zur Sprache gebracht wird, ist eindeutig auch den &bdquo;Beta-Bloggern&ldquo; zu verdanken. <\/li>\n<li>Dass politische Korruption wie etwa bei der Einf&uuml;hrung der Riesterrente und der Steuerbefreiung der Heuschrecken eine Rolle spielen, wird langsam ein Thema dank der kritischen Internetseiten. Die etablierten Medien schweigen dazu &ndash; mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel der Bildergalerie der S&uuml;ddeutschen Zeitung zu Personen aus der Politik, die sich in Dienste privater Interessen begeben haben.\n<\/li>\n<li>Dass die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nicht mehr unangefochten als objektive Anw&auml;ltin der sozialen Marktwirtschaft operieren kann, verdanken wir nicht den etablierten Medien. Im Gegenteil, diese haben dieser neoliberalen Kampforganisationen der Arbeitgeber &bdquo;aus der Hand gefressen.&ldquo; Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gab mit ihrer Gr&uuml;ndung den Ansto&szlig; f&uuml;r die Idee der NachDenkSeiten. Im November 2003 galt dann auch der erste Beitrag in den NachDenkSeiten der <a href=\"?p=37\">INSM<\/a>. Bis dahin hatte diese Gr&uuml;ndung der Arbeitgeberverb&auml;nde Metall und Elektro v&ouml;llig unangefochten operieren k&ouml;nnen. Dass sich Politiker wie Wolfgang Clement und Christiane Scheel nach einer Anfangsphase ungest&ouml;rter Mitarbeit aus Funktionen f&uuml;r die INSM zur&uuml;ckgezogen haben, ist auf den Informations-Druck von &bdquo;Beta-Bloggern&ldquo; zur&uuml;ckzuf&uuml;hren und nicht auf den Spiegel.\n<\/li>\n<\/ul><p>Man merkt dem Beitrag des Spiegel auch an, dass sich die Redakteure\/in nicht so richtig vorstellen k&ouml;nnen, dass ein Medium wie die NachDenkSeiten von der Zu- und Mitarbeit vieler aufmerksamer und altruistisch t&auml;tiger Zeitgenossinnen und Zeitgenossen lebt. Und was mithilfe dieser Zuarbeit &ndash; vor allem durch Kai Ruhsert &ndash; an Service f&uuml;r unsere Leser in den &bdquo;Hinweisen des Tages&ldquo; geleistet wird, haben die Autoren des Artikels leider auch nicht erfasst.<\/p><p>Richtig sch&ouml;n ist auch die Kennzeichnung &bdquo;Web-Steinzeit&ldquo; f&uuml;r unsere Plattform. Dar&uuml;ber k&ouml;nnte man sich kr&auml;ftig streiten. Aber lustig ist es schon, dass wir diesen Vorwurf jetzt in einer Internetseite, bei SpiegelOnline, pr&auml;sentiert bekommen, die im konkreten Fall nicht einmal f&auml;hig ist, auf die Bloggs zu verweisen, &uuml;ber die sie schreibt. Siehe hier: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/0,1518,567038,00.html\">Die Beta-Blogger<\/a><\/p><p>Pers&ouml;nlich interessant fand ich auch die Kritik an einem Beitrag der NachDenkSeiten &uuml;ber die Demographiekampagne des ZDF. Wegen des Vergleichs dieser Kampagne mit dem Schwarzen Kanal von Schnitzler und der Propaganda von Goebbels werfen die Spiegelautoren uns, genauer gesagt mir, vor, mit &bdquo;Dreck zu schmei&szlig;en&ldquo;. (Siehe den Link auf die beiden Beitr&auml;ge unten) Ich f&uuml;hle mich davon nicht getroffen. Ich komme darauf, weil daran gleich zwei Probleme der kritischen Blogger sichtbar werden:<\/p><p>Erstens: Wenn man den Fakten der gesellschaftlichen Realit&auml;t entsprechend hart formuliert und kritisiert, dann erscheint das angesichts der Distanz zum Mainstream als exotisch. So haben es die Spiegelredakteure\/in empfunden, weil sie in ihrer vom gleichen Denken wohlbeh&uuml;teten Welt leben.<\/p><p>Zweitens: Wie lange wollen wir das Tabu aufrechterhalten, wonach man mit den Propagandamethoden der Nazis und der SED nicht vergleichen darf. Ich verletze dieses Tabu bewusst, wenn ich das von der Sache her f&uuml;r angemessen halte und wenn die angewandten Methoden sich &auml;hneln. Beispiele gibt es leider en masse: <\/p><ul>\n<li>Die Hetze der Bild-Zeitung und des bayerischen Rundfunks gegen Ausl&auml;nder und Asylanten Anfang der neunziger Jahre.<\/li>\n<li>Die Hetze gegen HartzIV-Bezieher &ndash; &bdquo;Abzocker&ldquo; <\/li>\n<li>Die Hetze der Bild-Zeitung und von SpiegelOnline zum Beispiel gegen Andrea Ypsilanti im Fr&uuml;hjahr dieses Jahres. <\/li>\n<li>Die Fotos zur Untermalung von Artikeln &uuml;ber Lafontaine bei SpiegelOnline &ndash; meist ein verzerrtes Gesicht, offener Mund, rot angelaufen. Wir kennen die viel tiefere Wirkung visueller Darstellungen im Vergleich zu Texten.\n<\/li>\n<li>Die Demographiedebatte war und ist gespickt mit L&uuml;gen. Und sie wird genutzt, um Aggressionen zu sch&uuml;ren gegen &auml;ltere Menschen und zwischen den Generationen generell. Vergleiche mit Schnitzler und Goebbels machen keinen Spa&szlig;. Aber wenn sie in der Sache angebracht sind, dann ist es nicht die Schuld der Kommentatoren, sondern die Schuld derer, die diese Art von Kampagnen-Journalismus betreiben.<\/li>\n<\/ul><p>Hier noch der Hinweis auf die beiden Beitr&auml;ge zur Demographiekampagne des ZDF:<\/p><p>16. Januar 2007 um 16:20 Uhr<br>\n<a href=\"?p=2018\">Nachtrag: ZDF auch beim heute-journal ein nackter Propagandasender<\/a><\/p><p>15. Januar 2007 um 14:15 Uhr<br>\n<a href=\"?p=2015\">Demagogie pur beim Abbau des Vertrauens in die gesetzliche Rente: der ZDF-Programmschwerpunkt Demographie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.focus.de\/kultur\/medien\/in-eigener-sache-focus-legt-bei-auflage-zu_aid_317888.html\">Die Auflage sinkt<\/a>, seine Glaubw&uuml;rdigkeit als kritisches Blatt ist am Schwinden &ndash; diesen Eindruck gewinnen wir von Mails vieler Spiegel-Leser. Um die Bedeutung der Glaubw&uuml;rdigkeit m&uuml;sste man eigentlich auch bei der Redaktion des Spiegel wissen. Offenbar aber nicht. Darauf l&auml;sst der Artikel im Spiegel und in SpiegelOnline schlie&szlig;en, auf den wir in den Hinweisen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3350\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,41],"tags":[459,1544,330,420],"class_list":["post-3350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-medienanalyse","tag-bild","tag-kampagnenjournalismus","tag-lafontaine-oskar","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3350"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28790,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3350\/revisions\/28790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}