{"id":33508,"date":"2016-05-24T09:12:34","date_gmt":"2016-05-24T07:12:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33508"},"modified":"2019-01-12T11:14:36","modified_gmt":"2019-01-12T10:14:36","slug":"denn-sie-wollen-nicht-wissen-was-sie-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33508","title":{"rendered":"&#8230; denn sie wollen nicht wissen, was sie tun"},"content":{"rendered":"<p>Die Demonstranten von Pegida laufen schon seit &uuml;ber einem Jahr Woche f&uuml;r Woche &uuml;ber die Stra&szlig;en der Bundesrepublik, nicht nur in Dresden. Die AfD f&auml;hrt, vornehmlich als Protestpartei, erdrutschartige Gewinne im zweistelligen Bereich bei Landtagswahlen ein und &uuml;berholt dabei aus dem Stand die &uuml;ber einhundertj&auml;hrige, ehemalige Arbeiterpartei SPD in zwei Bundesl&auml;ndern locker. Beinahe t&auml;glich gibt es Anschl&auml;ge auf Fl&uuml;chtlingsunterk&uuml;nfte f&uuml;r Kriegs- und Armutsfl&uuml;chtlinge. Und noch immer will die etablierte Politik nicht verstehen, dass all dies das Ergebnis eben genau ihrer politischen Aktivit&auml;ten der vergangenen Jahre und Jahrzehnte ist. Bestenfalls verteilt sie wei&szlig;e Salbe als Gegenmittel. Viel h&auml;ufiger jedoch beherrscht der tumbe Satz &bdquo;Deutschland geht es gut&ldquo;, der von Kanzlerin Angela Merkel allzu gern gebraucht wird, die von Politikern gepflegte Deutungshoheit in den deutschen Medien. Von <strong>Lutz Hausstein<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33508#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_354\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33508-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33508-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160525_Nicht_wissen_was_sie_tun_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nach scharfer Kritik an der medialen Berichterstattung zu den Pegida-Veranstaltungen machte der NDR im Dezember 2014 eine einst&uuml;ndige Dokumentation, in der Demonstranten zu den Gr&uuml;nden ihres Protestes befragt wurden. Da blieb unter anderem ein Rentner in Erinnerung, der sich dar&uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Bl0KPaLPL7g&amp;feature=youtu.be&amp;t=521\">beklagte<\/a>, dass er trotz Rente noch nebenbei arbeiten gehen m&uuml;sse, um einigerma&szlig;en &uuml;ber die Runden zu kommen. Wenn auch seine &Auml;ngste &uuml;ber die Zuwanderung und seine Spekulationen &uuml;ber die Qualifikation und den Arbeitswillen der Zuwanderer sachlich wenig fundiert sein d&uuml;rften, so bleibt dennoch der Fakt, dass der Rentner ohne einen Zuverdienst seinen Lebensabend nicht angemessen bestreiten k&ouml;nnte. Sucht man nun nach den Ursachen daf&uuml;r, st&ouml;&szlig;t man unweigerlich auf die Rentenreform, die die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung unter Gerhard Schr&ouml;der auf den Weg gebracht hatte und die durch weitere Reformen der nachfolgenden Regierungen jedweder Couleur selbst bestenfalls nur noch verschlimmbessert wurde. Die Klage des Rentners ist sehr wohl berechtigt, wenngleich er dann an der falschen Stelle nach den Ursachen sucht. Die Politik jedoch h&auml;lt unbeirrbar an ihrem falschen Kurs fest, sodass der Parit&auml;tische Wohlfahrtsverband anhand stetig neuer Zahlen in seinen j&auml;hrlichen Armutsberichten <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/armutsbericht-2016-paritaetischer-wohlfahrsverband-warnt-vor-lawine-der-altersarmut-42398116.html\">vor einer immer weiter steigenden Altersarmut warnt<\/a>. Die schon jetzt erschreckend hohen Zahlen armer Rentner werden sich zuk&uuml;nftig ohne ein grunds&auml;tzliches Umlenken also noch weiter erh&ouml;hen. Doch die Politik unternimmt seit Jahren nichts, um diese absehbare, gesellschaftliche Katastrophe abzuwenden. Auch die aktuell in die Diskussion eingespeisten &Auml;nderungen w&uuml;rden nicht das Geringste daran verbessern.<\/p><p>Einen Gutteil dieser Unzufriedenen der diversen &bdquo;-gida&ldquo;-Demonstrationen konnte die &bdquo;Alternative f&uuml;r Deutschland&ldquo; aufsaugen. Dabei ist es weniger die klare Programmatik der AfD, die ihnen die W&auml;hler bei den letzten Landtagswahlen in Baden-W&uuml;rttemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt im M&auml;rz dieses Jahres zugetrieben hat. Bis dato hatte die Partei noch kein beschlossenes Parteiprogramm und selbst die durchgesickerten Teile des Programmentwurfs kamen erst nach diesen drei Wahlen an die &Ouml;ffentlichkeit. Die W&auml;hler wussten also kaum, WOF&Uuml;R die AfD zuk&uuml;nftig einzutreten gedenkt. Sie hatten maximal bei vereinzelten Gesellschaftsthemen mehr oder minder deutliche Fingerzeige, WOGEGEN die Partei stehen d&uuml;rfte. Und dies &bdquo;Wogegen&ldquo; ist vor allem: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/afd-in-sachsen-anhalt---und-wir-kriegen-nichts--,1472596,33991430.html\">die Politik der sogenannten &bdquo;etablierten Parteien&ldquo;<\/a>. Seit dem &Uuml;bergreifen des Neoliberalismus ab den 1980-er Jahren wird die Gesellschaft immer st&auml;rker pulverisiert, den Menschen wurden peu a peu alle Sicherheiten genommen, die ihrem Leben Halt und Gewissheit gaben. Unsicherheiten, &Auml;ngste und Perspektivlosigkeit nehmen zu. Einen Teil dieser Verunsicherten und Ver&auml;rgerten saugt die AfD nun auf.<\/p><p>Das eigentliche, demokratische Korrektiv &ndash; mit der Abwahl der Regierungspartei(en) diese f&uuml;r ihre bisher praktizierte Politik abzustrafen und stattdessen durch die Wahl von Oppositionspartei(en) einer anderen Politik den Weg zu bereiten &ndash; wurde schon l&auml;ngst in die Salzs&auml;ure der Alternativlosigkeit geworfen. Denn v&ouml;llig egal, in welcher Kombination bisheriger, gr&ouml;&szlig;erer, &bdquo;etablierter&ldquo; Parteien eine neue Regierungskoalition gebildet wurde: die praktizierte Politik blieb, bis auf zarte Nuancen, stets dieselbe. Die Hartz-Gesetze verarmten nicht nur Arbeitslose und machten sie zu weitestgehend rechtlosen Objekten auf dem arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Verschiebebahnhof, sondern &uuml;ber den damit verst&auml;rkten Lohndruck geriet der gesamte untere und mittlere Lohnbereich &ndash; und mit ihm die Mittelschicht &ndash; nach unten ins Rutschen. Schaut man sich an, wer daran mitgewirkt hat, stellt man schnell fest: alle bisher an Bundesregierungen beteiligten Parteien. Von der rot-gr&uuml;nen Koalition eingef&uuml;hrt und seither von schwarz-roten und schwarz-gelben Regierungen regelm&auml;&szlig;ig weiter versch&auml;rft. Bezeichnenderweise werden diese Versch&auml;rfungen fortlaufend mit euphemistischen Begriffen wie &bdquo;Rechtsvereinfachungen&ldquo; gegen&uuml;ber der &Ouml;ffentlichkeit sch&ouml;ngef&auml;rbt. Doch statt Vereinfachungen drohen den Betroffenen nun neue H&uuml;rden und weitere Versch&auml;rfungen. Wer mag denn ernsthaft von Vereinfachungen und Verbesserungen f&uuml;r die Betroffenen sprechen, wenn nun alleinerziehenden M&uuml;ttern jeder einzelne Tag, den sich das gemeinsame Kind beim Vater aufh&auml;lt, von den Sozialleistungen des Kindes abgezogen wird?<\/p><p>Dieser Tage ist das Thema &bdquo;Altersrente&ldquo; wieder einmal kurzzeitig in den Blickpunkt der medialen &Ouml;ffentlichkeit ger&uuml;ckt. Nachdem so langsam auch der Letzte nicht mehr leugnen kann, dass die private Rente nicht einmal in Ans&auml;tzen all die versprochenen Verhei&szlig;ungen wird erf&uuml;llen k&ouml;nnen &ndash; was Kritiker auch schon von Beginn an anprangerten &ndash; erging man sich in &ouml;ffentlichem Katzenjammer &uuml;ber die zuk&uuml;nftige massenhafte Altersarmut. Dabei ignorierten Politiker und Medien jedoch geflissentlich, dass man bis vor wenigen Wochen noch dieselben Kritiker der Stimmungsmache und der unlauteren Argumentation bezichtigte, die genau diese Entwicklung immer wieder aufs Neue prophezeiten und beklagten. Der Aufschrei dauerte jedoch nur wenige Tage an. Bevor diese wichtige Frage &uuml;berhaupt erst ein klein wenig tiefer in das Bewusstsein der Bev&ouml;lkerung eindringen konnte, gelangte die Forderung von Finanzminister Wolfgang Sch&auml;uble und vor allem der &bdquo;Jungen Union&ldquo; nach einer weiteren Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit auf nunmehr 70 Jahre in den medialen Fokus. Eine Forderung, die nach der derzeit schon laufenden Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre (<a href=\"http:\/\/dokumente.linksfraktion.net\/inhalt\/na-renteab67-gesamt.pdf\">Bundestags-Abstimmung &uuml;ber R&uuml;cknahme der Rente mit 67 vom 01.03.2013<\/a>) in der Praxis eine weitere Rentenk&uuml;rzung und so eine zus&auml;tzliche Verst&auml;rkung von Altersarmut bedeuten w&uuml;rde. Denn es ist und bleibt ein Hirngespinst, wenn vorausgesetzt wird, dass Menschen bis zu diesem Alter eine sozialversicherungspflichtige Besch&auml;ftigung haben w&uuml;rden, um erst dann in Altersrente zu gehen. Stattdessen werden zuk&uuml;nftig noch mehr Personen unfreiwillig fr&uuml;her in Rente gehen m&uuml;ssen &ndash; Arbeitslose sogar unter Androhung der Streichung von Leistungen vom Jobcenter hierzu gezwungen &ndash; und dadurch mit Abschl&auml;gen von ihrer Rente bestraft werden. Die nun flink durchs Dorf getriebene Sau einer weiteren Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters ist also nichts anderes als eine weitere Verst&auml;rkung zuk&uuml;nftiger Altersarmut. Ein weiteres Mal erlebt die Bev&ouml;lkerung also, dass kurzzeitig von der Politik beklagt wurde, was Ergebnis ihrer eigenen Politik ist, um anschlie&szlig;end nahtlos genau diese Politik fortzusetzen und weiter zu versch&auml;rfen.<\/p><p>&Auml;hnliches l&auml;sst sich &uuml;ber eine Vielzahl gesellschaftspolitischer Bereiche feststellen. Sei es nun der enorme Widerstand in der Bev&ouml;lkerung gegen TTIP und weitere Freihandelsabkommen, der sich neben machtvollen Demonstrationen in Berlin 2015 (250.000 Teilnehmer) und Hannover 2016 (90.000 Teilnehmer), mehreren Petitionen gegen TTIP und CETA sowie einer Vielzahl weiterer, kritischer Aktionen dagegen niederschlug. Doch auch nachdem die durch Greenpeace ver&ouml;ffentlichten &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/-geheime-ttip-papiere-enthuellt-1.2975097\">TTIP Leaks<\/a>&ldquo; die schlimmsten Bef&uuml;rchtungen selbst der heftigsten TTIP-Kritiker best&auml;tigen, wei&szlig; die deutsche Bundesregierung nichts Besseres zu tun, als all das geflissentlich zu ignorieren und nochmal zus&auml;tzlich aufs Gaspedal zu treten, um einen m&ouml;glichst <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Regierung-relativiert-TTIP-Leak-article17600791.html\">schnellen Vertragsabschluss voranzutreiben<\/a>.<\/p><p>Gleiches gilt f&uuml;r den Umgang mit der bei den Menschen nicht enden wollenden Kritik an den Hartz-Gesetzen im Allgemeinen sowie dem dazugeh&ouml;rigen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15274\">Sanktionierungsmechanismus<\/a> im Speziellen, die unterschiedlichste Aktivit&auml;ten dagegen hervorriefen. Seit der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16494\">Einf&uuml;hrung vor 13 Jahren<\/a> ebben die Proteste und Demonstrationen, die harsche Kritik von Sozialen Bewegungen und Sozialexperten sowie Aktionen von B&uuml;rgerinitiativen zur Abschaffung der Hartz-Gesetze nicht ab. Davon unbeeindruckt lehnte jedoch der Bundestag gerade aktuell am 29.04.2016 die Petition von Inge Hannemann zur Abschaffung der Sanktionen, welche schon 2013 daf&uuml;r in nur 4 Wochen rund 90.000 Unterst&uuml;tzer fand, <a href=\"http:\/\/www.inge-hannemann.de\/nc\/politik\/aktuell\/detail\/zurueck\/aktuell-9767515619\/artikel\/bundestag-lehnt-hartz-iv-petition-ab\/\">kurzerhand ab<\/a>. Inklusive teils &auml;u&szlig;erst merkw&uuml;rdiger Begr&uuml;ndungen durch einzelne Abgeordnete. Auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27409\">hartn&auml;ckigste Hinweise<\/a> auf den verfassungswidrigen Tatbestand von Sanktionen werden durch die Politik ebenso unger&uuml;hrt mit einem Fingerschnipp vom Tisch gewischt wie Einw&auml;nde aus ethischer oder menschenrechtlicher Sichtweise.<\/p><p>F&uuml;hrt man diese Liste weiter, gelangt man fast zwangsl&auml;ufig zu den wiederholten Versuchen, die &bdquo;Vorratsdatenspeicherung&ldquo; gegen massive gesellschaftliche Widerst&auml;nde sowie der Feststellung ihrer Verfassungswidrigkeit durchzudr&uuml;cken. Ein jedes Mal unter neuen, wohlklingenden Bezeichnungen. Auch nicht vergessen werden darf der Umgang der Politik mit der Anti-AKW-Bewegung. Seit den 1980-er Jahren formte sich der gesellschaftliche Widerstand gegen die Atompolitik, aus dem letztendlich sogar eine neue Partei, die Gr&uuml;nen, entstand. Von der Politik beschimpft und bek&auml;mpft, Repressionen durch die Polizei ausgesetzt, kriminalisiert und juristisch verfolgt. Doch obwohl weder ein absolut sicherer Betrieb zu gew&auml;hrleisten ist, noch dass aufgrund der extrem langen Halbwertszeit der Endprodukte &uuml;berhaupt die M&ouml;glichkeit besteht, ein wirklich sicheres &bdquo;Endlager&ldquo; einzurichten, sind weiterhin Atomkraftwerke in Betrieb und produzieren damit auch weiterhin radioaktiven Abfall. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen\">Trotz Sellafield, trotz Tschernobyl, trotz Fukushima<\/a>. Die Atomkraftgegner hingegen werden bis heute bek&auml;mpft.<\/p><p>Es ist genau diese Ignoranz gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung, die einen immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Teil der Menschen zunehmend w&uuml;tend werden l&auml;sst und radikalisiert. Pegida und AfD, aber auch eine sich verst&auml;rkende &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1987\">gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit<\/a>&ldquo; sind nicht einfach vom Himmel gefallen. Sie sind das Produkt der Politik der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Die Menschen stellen fest, dass die politische Nomenklatura nicht &ndash; wie es selbstverst&auml;ndlich zu sein h&auml;tte &ndash; mit ihrer Politik die Interessen der breiten Bev&ouml;lkerung vertritt, die sie ja eben genau deswegen gew&auml;hlt hat, sondern nur die einer kleinen, exklusiven Elite, des &bdquo;Einen Prozents&ldquo;. Und dies nicht nur gelegentlich und in gr&ouml;&szlig;eren Abst&auml;nden, sondern best&auml;ndig, auf allen gesellschaftlichen Feldern und entgegen s&auml;mtlichen Widerst&auml;nden der &bdquo;restlichen&ldquo; 99 Prozent. Im gebr&auml;uchlichen Rahmen verbleibend, arbeiten die B&uuml;rger ihren Widerspruch zwar in s&auml;mtlichen m&ouml;glichen Kommunikationskan&auml;len wie Abgeordnetenwatch oder in Briefen und E-Mails ab, um darauf jedoch aus dem Mitarbeiterstab der Politiker nur aneinandergereihte, vorgefertigte Phrasen, die gern auch mit dem Inhalt des Widerspruchs kaum mehr etwas zu tun haben, oder gleich gar nichts zu erhalten. Alle gesellschaftlich-politischen Korrektive, die die demokratische Verfasstheit vorsieht, sind inzwischen zur Makulatur verkommen und somit wirkungslos.<\/p><p>Die vielerorts zutage tretende Wut der B&uuml;rger ist dabei keineswegs zielf&uuml;hrend, wenn statt der Benachteiligung eines (immer gr&ouml;&szlig;er werdenden) Teils der Bev&ouml;lkerung nun ein anderer Teil daraus exkludiert w&uuml;rde. Die hierzu angedrohten oder teils schon angewandten Mittel stehen erst recht im Widerspruch zur demokratischen Verfasstheit. Die Ursachen f&uuml;r die Entwicklungen muss sich aber die politische Nomenklatura auf ihre Fahne schreiben lassen. Denn sie wollen gar nicht wissen, was sie tun &hellip;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Lutz Hausstein<\/strong>, Wirtschaftswissenschaftler, ist als Arbeits- und Sozialforscher t&auml;tig. In seinen 2010, 2011 und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/Studie_Was_der_Mensch_braucht_2015.pdf\">2015<\/a> erschienenen Untersuchungen &bdquo;Was der Mensch braucht&ldquo; ermittelte er einen alternativen Regelsatzbetrag f&uuml;r die soziale Mindestsicherung. Er ist u.a. Ko-Autor des Buches &bdquo;Wir sind emp&ouml;rt&ldquo; der Georg-Elser-Initiative Bremen (2012) sowie Verfasser des Buches &bdquo;Ein Pl&auml;doyer f&uuml;r Gerechtigkeit&ldquo; (2012).<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/ea99b7b806194444b9ea3ce99092ed49\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Demonstranten von Pegida laufen schon seit &uuml;ber einem Jahr Woche f&uuml;r Woche &uuml;ber die Stra&szlig;en der Bundesrepublik, nicht nur in Dresden. Die AfD f&auml;hrt, vornehmlich als Protestpartei, erdrutschartige Gewinne im zweistelligen Bereich bei Landtagswahlen ein und &uuml;berholt dabei aus dem Stand die &uuml;ber einhundertj&auml;hrige, ehemalige Arbeiterpartei SPD in zwei Bundesl&auml;ndern locker. 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