{"id":33533,"date":"2016-05-25T12:26:17","date_gmt":"2016-05-25T10:26:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33533"},"modified":"2016-05-25T16:48:19","modified_gmt":"2016-05-25T14:48:19","slug":"griechenland-geschichte-wiederholt-sich-das-eine-mal-als-tragoedie-das-andere-mal-als-farce","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33533","title":{"rendered":"Griechenland: Geschichte wiederholt sich &#8211; das eine Mal als Trag\u00f6die, das andere Mal als Farce"},"content":{"rendered":"<p>Wieder einmal haben die M&auml;chtigen Europas und des IWF n&auml;chtens verhandelt und eine Last-Minute-L&ouml;sung f&uuml;r Griechenland gefunden. Wieder einmal wird eine zehnstellige Summe nach Athen &uuml;berwiesen, um die laufenden R&uuml;ckzahlungen an sich selbst zu decken und den Kreditfluss am Laufen zu halten. Wieder einmal mussten die Griechen zuvor ein gnadenloses K&uuml;rzungsdiktat <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/48\/48326\/1.html\">exekutieren<\/a>, hatten ansonsten aber nur eine Statistenrolle bei den Verhandlungen. Wieder einmal wagt es Deutschland trotz des immer erheblicher werdenden Protests seitens des IWF nicht, einem Schuldenschnitt  zuzustimmen. Derweil steigen die Schulden Griechenlands unaufh&ouml;rlich, w&auml;hrend die griechische Volkswirtschaft immer weiter vor die Hunde geht. Frei nach Karl Marx wiederholt sich Geschichte immer zweimal &ndash; das erste Mal als Trag&ouml;die, das zweite Mal als Farce. Ginge es nach Wolfgang Sch&auml;uble, soll diese Farce bis 2018 weitergehen. Doch wer wei&szlig;, was dann ein Ende mit Schrecken verhindert. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\nUnter vier Augen geben hochrangige deutsche Regierungsbeamte nat&uuml;rlich zu, dass Griechenland einen Schuldenerlass braucht. Sie sind schlie&szlig;lich nicht blind. Aber sie sind auch in der L&uuml;ge gefangen, dass Griechenland zahlungsf&auml;hig sei, was sie ja ihren eigenen Hinterb&auml;nklern immer wieder aufgetischt haben. Ohne diese L&uuml;ge w&auml;re Griechenland wohl nicht mehr im Euro. Aber diese L&uuml;ge kann nicht ewig aufrecht erhalten werden.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/0\/c5a7e9fe-201a-11e6-aa98-db1e01fabc0c.html#axzz49YXHANCt\">Wolfgang M&uuml;nchau in der Financial Times<\/a> (&Uuml;bersetzung aus dem Englischen)\n<\/p><\/blockquote><p><em>Zur &bdquo;Vorgeschichte&ldquo;: Jens Berger &ndash; &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24478\">Griechenland und der Euro &ndash; Was Merkel und Sch&auml;uble der &Ouml;ffentlichkeit verschweigen<\/a>&ldquo; <strong>und<\/strong> &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18230\">Merkels Milliardenhypothek &ndash; das falsche Spiel mit Griechenlands Schulden<\/a>&ldquo;<\/em><\/p><p>Anders als bei den letzten Folgen des Griechenland-Dramas gab es in diesem Fr&uuml;hjahr keinen sich zuspitzenden Konflikt zwischen der griechischen Regierung und der Troika. Griechenland scheint bereits kapituliert zu haben. Diesmal verlief die Front mitten durch die Troika, die sich ja nun &bdquo;die Institutionen&ldquo; nennt. Der Grund daf&uuml;r ist ersichtlich und leicht zu verstehen: Der IWF ist nicht seinen W&auml;hlern verantwortlich, sondern seinen Mitgliedern. Und die werden in der Regel durch die jeweiligen Finanzministerien vertreten und sollten daher die Problematik zumindest im Kern verstehen. Die offensichtlichen L&uuml;gen, mit denen die europ&auml;ische Politik das europ&auml;ische Wahlvolk abspeist, kommen beim IWF verst&auml;ndlicherweise nicht so toll an. Dort wei&szlig; man auch, dass jede weitere Tranche an Griechenland streng genommen eine Konkursverschleppung ist; ein Tatbestand, der nat&uuml;rlich im internationalen Recht gar nicht vorhanden ist.  Die eigentliche Kunst, die Madame Lagarde momentan zelebriert, ist, ihren m&auml;chtigen Mitgliedern aus den USA, Japan und China zu erkl&auml;ren, warum der IWF noch einmal Milliarden in eine &bdquo;Rettung&ldquo; pumpen soll, die l&auml;ngst nur noch eine Quersubvention der rechten durch die linke Tasche ist. Jeder Cent, der von den &bdquo;Gebern&ldquo; nach Griechenland transferiert wird, kommt umgehend als Tilgung wieder zu eben jenen &bdquo;Gebern&ldquo; zur&uuml;ck. Griechenland ist lediglich der Durchlauferhitzer, der dank der Zinsen immer mehr Kapital von der rechte in die linke Tasche pumpen muss. Man erweckt die Illusion eines funktionierenden Kreditkreislaufs, dieses System ist jedoch im schlimmsten Sinne des Wortes eher ein Fass ohne Boden. Die Schulden steigen nicht nur relativ, sondern sogar absolut und die Wirtschaftskraft sinkt durch die rigorosen Einsparungen, wodurch die relative Schuldenlast von Tag zu Tag gr&ouml;&szlig;er wird. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, erscheint, ohne zumindest einen gro&szlig;en Teilschuldenerlass, nicht m&ouml;glich. Berlin und Br&uuml;ssel kaufen sich lediglich Zeit &hellip; teure Zeit.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160525-griechenland-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160525-griechenland-01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Ungew&ouml;hnlich laut waren daher auch die Forderungen aus Kreisen des IWF, diesmal kein weiteres Geld in das griechische Fass zu werfen, ohne vorher durch einen echten und ernst gemeinten Schuldenerlass die R&uuml;ckzahlung neuer Kredite auf eine zumindest halbwegs realistische Basis zu stellen. Daran haben jedoch Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble kein Interesse. Mit Griechenland hat diese Interessenlosigkeit wohlgemerkt nichts zu tun. Angela Merkel will jedoch nicht auch noch als Kanzlerin in die Geschichte eingehen, die f&uuml;r das Ausscheiden eines Landes aus dem Euro und &ndash; was wohl wichtiger f&uuml;r sie ist &ndash; f&uuml;r ein 30-Milliarden-Loch im Bundeshaushalt verantwortlich ist. Au&szlig;erdem hat sie momentan ja wirklich genug damit zu tun, dass ohnehin bereits zerfallende Europa &ndash; zumindest aus ihrer Sicht &ndash; zusammenzuhalten. Sie hat genug &Auml;rger mit Erdogan, Seehofer, Cameron und der CDU-Basis &hellip; da braucht sie nicht auch noch schlaflose Gipfel in Athen, die eh nur schlechte Presse und eine noch aufgebrachtere CDU-Basis bringen. &Auml;hnlich sieht es f&uuml;r ihren gnadenlosen Famulus Wolfgang Sch&auml;uble aus, der als Finanzminister der schwarzen Null in die Geschichte eingehen will und der n&auml;chsten Bundesregierung ohnehin nicht mehr angeh&ouml;ren wird. Darum hat er auch die rettende Idee.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/0\/c5a7e9fe-201a-11e6-aa98-db1e01fabc0c.html#axzz49YXHANCt\">Laut Financial-Times-Korrespondent Wolfgang M&uuml;nchau<\/a> war es dann auch Wolfgang Sch&auml;uble, der den gordischen Knoten zwischen Berlin und IWF mit einem simplen Trick durchschlug: Es wird eine Umschuldung geben, lieber IWF. Aber erst 2018, wenn ich nicht mehr im Amt bin. Genau so ging der &bdquo;gro&szlig;e Kompromiss&ldquo; nun in die Geschichtsb&uuml;cher ein. Ja, Geschichte ist manchmal eine Farce; nicht nur dann, wenn sie sich wiederholt. <\/p><p>Dies alles k&ouml;nnte durchaus als zynische Zwischennote verstanden werden; w&auml;ren die realen &bdquo;Nebenwirkungen&ldquo; dieser Farce nicht so grausam. Griechenland geht sprichw&ouml;rtlich vor die Hunde und ist bei der gesamten Diskussion nur mehr Objekt und nicht Subjekt. Schon lange entscheiden nicht mehr die Griechen, was in Griechenland geschieht, sondern Regierungsvertreter aus Berlin und Br&uuml;ssel oder Technokraten aus Frankfurt und Washington D.C. Das Wohl ganzer V&ouml;lker wird daf&uuml;r geopfert, wie Politiker in die Geschichtsb&uuml;cher eingehen wollen und werden. Menschliche Schicksale sind zur Man&ouml;vriermasse zwischen Wahlterminen degradiert und niemanden st&ouml;rt dies ernsthaft. Sollen sie doch Kuchen essen, diese faulen Griechen! Und da wundern wir uns ernsthaft, dass die Menschen sogenannten &bdquo;Populisten&ldquo; hinterherrennen? <\/p><p>p.s.: Wenn Sie wissen m&ouml;chten, wie ein echter deutscher Qualit&auml;tsjournalist die Sache sieht, dann lesen Sie sich doch folgenden Artikel mit der vielsagenden &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/schuldenkrise-neues-geld-fuer-griechenland-na-also-geht-doch-1.3006394\">Neues Geld f&uuml;r Griechenland &ndash; na also, geht doch<\/a>&ldquo; vom SZ-Br&uuml;ssel-Korrespondenten Alexander M&uuml;hlauer durch &hellip; viel Spa&szlig; beim &Auml;rgern!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/4dc3c93e60bc41fc8654be8c1e98f64b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal haben die M&auml;chtigen Europas und des IWF n&auml;chtens verhandelt und eine Last-Minute-L&ouml;sung f&uuml;r Griechenland gefunden. 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