{"id":3360,"date":"2008-07-28T08:54:27","date_gmt":"2008-07-28T06:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3360"},"modified":"2015-11-16T16:04:41","modified_gmt":"2015-11-16T15:04:41","slug":"eine-zukunft-fuer-die-frankfurter-rundschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3360","title":{"rendered":"Eine Zukunft f\u00fcr die Frankfurter Rundschau"},"content":{"rendered":"<p>Die Frankfurter Rundschau hat ihr Selbstverst&auml;ndnis als linksliberales Qualit&auml;tsblatt bislang nicht widerrufen. Dabei ist offensichtlich, dass immer mehr Artikel diesem Anspruch nicht gen&uuml;gen. Ein klarer Kurs ist f&uuml;r den Leser nicht erkennbar. Dies sei Anlass f&uuml;r die Frage, welche Zukunftsoptionen diese Tageszeitung hat.<br>\n<!--more--><br>\nDie Frankfurter Rundschau druckt in letzter Zeit immer h&auml;ufiger richtig schlechte Texte. Zwei zuf&auml;llig ausgew&auml;hlte Beispiele aus derselben Ausgabe vom 23.7.2008 m&ouml;gen dies veranschaulichen:<\/p><p>Beispiel 1:<\/p><blockquote><p>Auftritt Obama. Erstens sieht er blendend aus und ist mindestens auf den ersten Blick nicht so stark geschminkt wie Hillary Clinton. Zweitens: Wie er redet&hellip; Eine Mischung aus den brillanten Anw&auml;lten, die wir aus Hollywood kennen, mit ein bisschen Gospel von Queen Esther Marrow (oder Martin Luther King). Kein deutscher Politiker w&uuml;rde so viel Pathos wagen. Aber das gr&ouml;&szlig;te Wunder: Er ist irgendwie links und trotzdem popul&auml;r. Wen das nicht hoffen macht, der, respektive die, findet es bedrohlich. Deshalb mochte Merkel den gef&uuml;hlten Sozialdemokraten nicht am Brandenburger Tor reden lassen. Daf&uuml;r hat ihn die SPD adoptiert. Wer den Anstatt-Beck Frank-Walter Steinmeier mal hat reden h&ouml;ren, wei&szlig; warum. Was Obama sagt, ist es wichtig? Hauptsache der Sound stimmt. Noch d&uuml;rfen wir tr&auml;umen. Bis zur US-Wahl.<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=1372141&amp;\">FR vom 23.7.2008<\/a><\/p><p>Beispiel 2:<\/p><blockquote><p>&Ouml;kodebatten sind deutsch im &uuml;belsten Sinne: Es geht nicht um die Sache oder gesunden Menschenverstand. Es geht ums Prinzip, sprich um einen Sieg. Und darum, wer der bessere Mensch ist. Soll ich mir einen kleinen Gebrauchtwagen kaufen, der schlechtere Abgaswerte hat als mein neuer Schlitten? Noch wehre ich mich. Ein Trabbi f&uuml;r politisch Korrekte, das w&auml;r&rsquo;s vielleicht: DDR light, weil es die &Ouml;kos freut.<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/meinung\/kommentare\/?em_cnt=1372098\">FR vom 23.7.2008<\/a><\/p><p>Solche Kommentare k&ouml;nnten unver&auml;ndert auch in der BL&Ouml;D-Zeitung erscheinen. In der FR w&auml;ren sie noch vor nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen. Sollen damit auch noch die letzten, anspruchsvolleren Leser vergrault werden? Inzwischen bietet nahezu jede Ausgabe Anl&auml;sse, sich zu &auml;rgern und das Blatt kopfsch&uuml;ttelnd beiseitezulegen. Das wirft die Frage auf, welche Ziele die F&uuml;hrung der FR verfolgt. Die Zeitung so gegen die Wand zu fahren, wie es jetzt gerade geschieht, erscheint in jedem Fall irrational und ineffizient.<\/p><p>F&uuml;r welchen Leserkreis ist diese Frankfurter Rundschau eigentlich gedacht?<br>\nDer Zeitungsmarkt schrumpft, und die Konkurrenten der FR haben sich l&auml;ngst positioniert. Wertkonservative oder gar wirtschaftsliberale Leser m&uuml;ssten von anderen, etablierten Bl&auml;ttern abgeworben werden, was kaum gelingen d&uuml;rfte. Die H&auml;ufung seichter Kommentare l&auml;sst vermuten, dass man zurzeit das Leserpotenzial f&uuml;r eine FR-Variante des Boulevardjournalismus testen m&ouml;chte.<\/p><p>Das wird der Rundschau aber auch nicht zu einem eigenst&auml;ndigen Profil verhelfen. Zu gro&szlig; ist bereits die Zahl der Zeitungen, welche die gesamte qualitative Bandbreite abzudecken versuchen, dabei jedoch insgesamt uninteressant und indifferent bleiben. Gelegentlich kommt es bei diesen Wettbewerbern zu qualitativen Aussetzern auf Gossenblattniveau, deutlich seltener finden sich Beispiele f&uuml;r guten Journalismus. Es kann kein erfolgversprechendes Konzept sein, sich diesen (nicht ohne Grund h&auml;ufig auch wirtschaftlich angeschlagenen) Wettbewerbern anzugleichen.<\/p><p>Bleibt die Frage nach einer Marktl&uuml;cke f&uuml;r die FR.<br>\nAlle Umfragen, ganz gleich von wem sie in Auftrag gegeben wurden, k&ouml;nnen nicht vertuschen, dass die Mehrheit der W&auml;hler die seit Schr&ouml;der betriebene Reformpolitik ablehnt. Zugleich gibt es aber weiterhin viel Skepsis gegen&uuml;ber den politischen Kr&auml;ften, die sich links von der SPD gebildet haben. Ein gro&szlig;er Teil der Bev&ouml;lkerung, der von den Politikern erwartet, die fortw&auml;hrende Demontage des Sozialstaats und den Privatisierungswahn zu stoppen, der vor weitergehenden politischen Konsequenzen als einer Wahlenthaltung jedoch zur&uuml;ckschreckt, w&uuml;nscht sich im Grunde nichts anderes als eine glaubw&uuml;rdige, politische Umkehr der SPD.<\/p><p>Dieser Teil der Leserschaft wird zurzeit von allen Massenmedien vernachl&auml;ssigt. Dabei ist er allemal gro&szlig; genug, um der FR sogar eine wirtschaftliche Bl&uuml;te zu erm&ouml;glichen. Die FR hat die Chance, ihren Marktanteil an Lesern deutlich zu steigern, indem sie sich als volkswirtschaftlich kompetente Verteidigerin des Sozialstaats sowie einer sinnvollen Marktregulierung positioniert. Vieles spricht daf&uuml;r, dass dies sogar ihre einzige &Uuml;berlebenschance als eigenst&auml;ndige Zeitung ist.<\/p><p>Damit diese Profilierung f&uuml;r den Leser wahrnehmbar wird, reichen gute und sogar sehr gute Artikel von ein paar wenigen Redakteuren  nicht aus. Notwendig ist dar&uuml;ber hinaus eine erhebliche Konfliktbereitschaft, z.B. mit rot-gr&uuml;nen Reformpolitikern, mit anderen Medien und mit m&auml;chtigen Interessengruppen.<\/p><p>Dieser Weg war m&ouml;glicherweise blockiert gewesen, solange die SPD Mehrheitsgesellschafterin der FR war. Seit 2006 hat jedoch ein neuer Eigent&uuml;mer, der K&ouml;lner Verlag M. DuMont Schauberg, das Sagen. Dieser kann kein Interesse daran haben, weiterhin Geld zu verbrennen, indem der bisherige, das Profil der Zeitung besch&auml;digende und damit ihre Existenz gef&auml;hrdende Schlingerkurs fortgesetzt wird. Sogar bei entgegengesetzten, eigenen politischen Pr&auml;ferenzen &ndash; was anzunehmen ist &ndash; m&uuml;sste es ihm aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden notwendig erscheinen, die FR so schnell wie m&ouml;glich auf die einzige, hinreichend gro&szlig;e Marktl&uuml;cke auszurichten. <\/p><p>Die einzige Alternative w&auml;re, so steht zu bef&uuml;rchten, der nicht mehr abwendbare Untergang der Frankfurter Rundschau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frankfurter Rundschau hat ihr Selbstverst&auml;ndnis als linksliberales Qualit&auml;tsblatt bislang nicht widerrufen. Dabei ist offensichtlich, dass immer mehr Artikel diesem Anspruch nicht gen&uuml;gen. Ein klarer Kurs ist f&uuml;r den Leser nicht erkennbar. Dies sei Anlass f&uuml;r die Frage, welche Zukunftsoptionen diese Tageszeitung hat.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,28,145],"tags":[248],"class_list":["post-3360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-privatisierung","category-sozialstaat","tag-frankfurter-rundschau"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3360"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3360\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28774,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3360\/revisions\/28774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}