{"id":3366,"date":"2008-07-29T15:34:24","date_gmt":"2008-07-29T13:34:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3366"},"modified":"2015-11-16T15:53:47","modified_gmt":"2015-11-16T14:53:47","slug":"der-systematische-missbrauch-des-schoenen-wortes-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3366","title":{"rendered":"Der systematische Missbrauch des sch\u00f6nen Wortes Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>Bush redet unentwegt von Freiheit, auch Westerwelle, auch Angela Merkel, auch Barack Obama. Sie reden alle von Freiheit. Und wenn man genau hinh&ouml;rt, dann entdeckten man, dass dieses sch&ouml;ne Wort nur noch eine H&uuml;lse ist. Man kann darin verstecken, was man will: Bush seine Kriege, Angela Merkel ihr Nichtstun gegen die Arbeitslosigkeit, Guido Westerwelle sein mangelndes Profil und manche Journalisten ihre Unf&auml;higkeit zu kritischen Fragen mit Substanz. Ein Musterbeispiel daf&uuml;r ist der Einstieg zu einem Interview mit Gregor Gysi im Berliner <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/deutschland\/Gregor-Gysi;art122,2580268\">Tagesspiegel vom Sonntag &ldquo;Gysi, du hast schon einen Knall&ldquo;<\/a>, siehe Anhang. Dass Freiheit formal wenig nutzt, wenn man sie kaum leben kann, weil die &ouml;konomische und soziale Lage dies nicht zul&auml;sst, haben wir alle irgendwann gelernt. Die drei Interviewer fragen trotzdem ziemlich ahnungslos.<br>\n<!--more--><br>\nAls der Artikel im Tagesspiegel auf meinen Tisch kam, ging gerade auch eine Mail eines Freundes der NachDenkSeiten und gelegentlichen Lieferanten von Hinweisen auf interessante Artikel ein. Der Absender ist ein B&uuml;rger Th&uuml;ringens, gut ausgebildet, gezeichnet vom Arbeitsplatzverlust in seiner Heimat. Er f&auml;hrt heute w&ouml;chentlich von Th&uuml;ringen nach M&uuml;nchen. Ich gebe wieder, was er mir geschrieben hat und frage, was er nicht gefragt hat: Was ist das f&uuml;r eine Freiheit, wenn ich auskommen muss ohne Arbeitsplatz in meiner heimischen Umgebung, wenn ich bis zur Aufopferung flexibel und mobil sein muss. Flexibilit&auml;t, Mobilit&auml;t, soziale Unsicherheit werden von den Agitatoren der Freiheit als besonders symbiotisch zur Freiheit dargestellt. Das ist wohl eher eine nicht erfahrene Propagandaversion. Die Realit&auml;t sieht anders aus. Ich zitiere:<\/p><blockquote><p>\nJa, wie geht es mir?<\/p>\n<p>Nun, montags fr&uuml;h auf die Autobahn, wo alles nach S&uuml;den f&auml;hrt &ndash; bei uns vorrangig nach Bayern &ndash; und am Wochenende retour. 400 km einfache Fahrt nach M&uuml;nchen. Froh, wenn alles ohne Unfall und ohne Stau abgeht. Ein Bekannter von mir, auch &uuml;ber 50, f&auml;hrt nach Z&uuml;rich auf Arbeit. Die Zeit zu Hause nennt er &ldquo;Schadensbegrenzung&rdquo;. In meiner Umgebung sind das sehr viele, die solch ein Leben f&uuml;hren. Aber unn&uuml;tz zu Hause sitzen (abgesehen vom Geld), das geht viel mehr an die Substanz. Dies habe ich zur Gen&uuml;ge kennen lernen m&uuml;ssen. <\/p>\n<p>Naja, es ist nicht nur wichtig, Arbeit zu haben, es ist ebenfalls ein gro&szlig;es Los auch seinen Beruf aus&uuml;ben zu d&uuml;rfen. Nach dem wirtschaftlichen Ergebnis darf man aber nicht fragen, 2\/3 meines Nettolohnes gehen f&uuml;r &Uuml;bernachtung und Fahrt drauf. Da ist es schon eng, die entsprechenden Kosten f&uuml;r`s Auto (Werkstatt, Wiederbeschaffung etc.) zu schultern. Solche Dinge, wie mit dem Spritpreisen, kommen da sehr schmerzhaft an.<\/p>\n<p>Ich habe gl&uuml;cklicherweise eine Familie, (&hellip;)  und einen Bekanntenkreis, welcher nicht &ldquo;Bild, Bier und Glotze&rdquo; zur Meinungsbildung braucht, sich gegen so etwas verwahrt. &Uuml;ber diesen bin ich seinerzeit auch auf die Nachdenkseiten gesto&szlig;en. Wichtig ist f&uuml;r mich hierbei zu wissen, da&szlig; es doch eine ganze Menge Gleichgesinnter gibt; da&szlig; es viele kluge K&ouml;pfe gibt, welche hier was bewegen k&ouml;nnen und wollen. Es gibt zum Gl&uuml;ck noch viele, die sich einen Kopf machen. (&hellip;)\n<\/p><\/blockquote><p>Ihm wie allen fr&uuml;heren B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern der DDR haben wir die Wende als Gewinn an Freiheit verkauft. Wenn wir das ernst nehmen wollen und wenn wir wollen, dass es ernst genommen wird, dann m&uuml;ssen wir mehr tun f&uuml;r ihre soziale Sicherheit und f&uuml;r ihre Chance und M&ouml;glichkeit, einen Arbeitsplatz in der N&auml;he ihrer Heimat zu finden. Aber nichts entscheidendes geschieht. Daf&uuml;r viele viele Worte. Freiheit Freiheit Freiheit. Sie gebrauchen das Wort wie eine Schablone, auch wie ein Paravent, hinter dem sie ihre a-sozialen und zugleich freiheitsfeindlichen Aktivit&auml;ten verstecken.<\/p><p>F&uuml;r empirische Sozialforscher und Politikwissenschaftler m&uuml;sste es reizvoll sein, der Frage nachzugehen, wie es die um die tats&auml;chlich gewonnene Freiheit der ehemaligen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger der DDR steht. Eine solche Bilanz w&auml;re nach bald 20 Jahren f&auml;llig und &uuml;brigens ein Gebot der Fairness.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/deutschland\/Gregor-Gysi;art122,2580268\">&ldquo;Gysi, du hast schon einen Knall&ldquo;<\/a><\/strong> <\/p><p>Der Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi, spricht mit dem Tagesspiegel &uuml;ber Freiheit, Gleichheit &ndash; und Eitelkeit. Zudem warnt er vor K&auml;ltetoten in Deutschland, wenn die Konzerne k&uuml;nftig keine Sozialtarife anbieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bush redet unentwegt von Freiheit, auch Westerwelle, auch Angela Merkel, auch Barack Obama. Sie reden alle von Freiheit. Und wenn man genau hinh&ouml;rt, dann entdeckten man, dass dieses sch&ouml;ne Wort nur noch eine H&uuml;lse ist. Man kann darin verstecken, was man will: Bush seine Kriege, Angela Merkel ihr Nichtstun gegen die Arbeitslosigkeit, Guido Westerwelle sein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3366\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,11],"tags":[368,441,516,315],"class_list":["post-3366","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bush-george-w","tag-freiheit","tag-gysi-gregor","tag-merkel-angela"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3366"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28769,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3366\/revisions\/28769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}