{"id":33690,"date":"2016-06-07T09:19:51","date_gmt":"2016-06-07T07:19:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33690"},"modified":"2024-09-27T04:39:36","modified_gmt":"2024-09-27T02:39:36","slug":"wie-man-politiker-wieder-das-fuerchten-lehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33690","title":{"rendered":"\u201eWie man Politiker wieder das F\u00fcrchten lehrt\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160507_koch_Der-ambulante-schlachthof.jpg\" alt=\"Dirk Koch - Der ambulante Schlachthof\" title=\"Dirk Koch - Der ambulante Schlachthof\"><\/div><p>So steht es im Titel des Buches &bdquo;Der ambulante Schlachthof&ldquo; des fr&uuml;heren Spiegel-Journalisten <strong>Dirk Koch<\/strong>. <\/p><p>Die NachDenkSeiten haken in einem Interview mit dem Autor nach und wollen dabei noch etwas mehr &ndash; so von Koch versprochen &ndash; &uuml;ber die letzten Geheimnisse der Bundesrepublik erfahren. Auch &uuml;ber die Methoden der Spiegel-Journalisten. &bdquo;Wir hatten auch in den engsten Kreisen um die jeweiligen Kanzler, unter deren auf strengste Verschwiegenheit verpflichteten Beratern und Mitarbeitern unsere Quellen,&ldquo; so Dirk Koch. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><div style=\"clear:right;\"><\/div><p><!--more--><br>\nZum Verst&auml;ndnis des vertrauten Umgangs zwischen dem interviewten Dirk Koch und dem Interviewer und Herausgeber der NachDenkSeiten eine Vorbemerkung: Wir waren beide seit 1968 in Bonn t&auml;tig, wir sind uns beruflich und pers&ouml;nlich oft begegnet. Das &bdquo;Du&ldquo; schlie&szlig;t selbstredend kritische Fragen nicht aus, so wie der SPIEGEL- Journalist und Leiter des SPIEGEL-B&uuml;ros in Bonn, Koch, auch nicht unkritisch mit den Bundeskanzlern Brandt und Schmidt, den damaligen &bdquo;Arbeitgebern&ldquo; von Albrecht M&uuml;ller, umgegangen ist.<\/p><p><strong>Dirk Koch (D.K.):<\/strong> Albrecht, Du hast keinen geringen Anteil daran, dass es das Buch gibt. Wir beide haben am Kaminfeuer in Irland gesessen und erz&auml;hlt, Geschichten hinter den Geschichten.<\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller (A.M.):<\/strong> Dabei habe ich einiges erfahren, was ich nicht wusste. Au&szlig;erdem fand ich die beim SPIEGEL fr&uuml;her &uuml;bliche Recherchemethode des kooperativen Journalismus interessant und nachahmenswert.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Wahrheit ist vielschichtig. Hinter den ver&ouml;ffentlichten Stories im SPIEGEL verbergen sich oft interessante andere Geschichten. Darum ging&acute;s. Zum Beispiel: Wie SPIEGEL-Chef Rudolf Augstein unbedingt, auch mittels Bestechungsversuchs &ndash; &bdquo;Dirk, wie viel willst Du aus meiner Privatschatulle?&ldquo; &ndash; das Ver&ouml;ffentlichen der Enth&uuml;llungen &uuml;ber die illegalen Parteispenden verhindern wollte. Er hing voll mit drin, sein SPIEGEL hatte beim hei&szlig;en Spiel mit den steuerverk&uuml;rzenden Quittungen illegaler Parteispenden mitgemacht und mitkassiert.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Also Steuern hinterzogen? <\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Ich glaube, ja. Augstein wollte meine story selbst dann noch nicht ver&ouml;ffentlichen, als ich Ende 1981 auch dem geplanten Staatsstreich von oben auf die Spur gekommen war. S&auml;mtliche Bundestagsparteien, die SPD\/FDP-Koalition und die CDU\/CSU-Opposition wollten trotz schwerster Verst&ouml;&szlig;e gegen das Gesetz alle straffrei stellen, sich selbst als Nehmer illegaler Spenden in gro&szlig;er Millionenh&ouml;he und die Geber, die millionenschweren Spender aus Wirtschaft und Industrie. Sogar am Grundgesetz wollten sie sich vergreifen und es zu ihren Gunsten &auml;ndern. Eine Allparteienkoalition wollte aus Habgier und Angst vor Strafe diesen Rechtsstaat, dieses Gemeinwesen ruinieren. Albrecht, auch Dein Parteichef Willy Brandt hat sich nicht quergelegt und der SPD-Kanzler Helmut Schmidt schon gar nicht.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Was du da sagst, muss ich wohl glauben, &uuml;berpr&uuml;fen kann ich es nicht mehr. Vermutlich hast du recht, in jedem Fall ist spannend, was Du insgesamt erz&auml;hlt hast. Ich habe Dir vorgeschlagen, daraus ein Buch zu machen.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Du hattest die Idee und ich die Arbeit am Hals. <\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Naja, so ist das eben. Wenn man sich als Autor verdingt, muss man in der Regel hart arbeiten.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Du hast mir den Westend Verlag empfohlen. Die w&auml;ren r&uuml;hrig und w&uuml;rden sich k&uuml;mmern. Tun sie auch.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Herausgekommen ist keine Anekdotensammlung aus den alten Bonner Zeiten. Es sind Beispiele in 22 Kapiteln, wie Journalismus geht, auch heute noch. Und Du h&auml;ltst der heutigen Journalistengeneration vor, es w&uuml;rde zu wenig und zu wenig gut recherchiert. Die Politiker m&uuml;sse wieder das F&uuml;rchten vor der Presse gelehrt werden, wie es im Titel des Buches hei&szlig;t. Es mangele an Recherchewillen und an Recherchef&auml;higkeit. Warum sind Deinem Urteil nach die Kolleginnen und Kollegen heute schlechter?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Ich wei&szlig;, es klingt nach &bdquo;Fr&uuml;her war alles besser&ldquo; und &bdquo; Achtung, hier spricht der Oberlehrer&ldquo;, wenn ich h&auml;rteren, besseren Journalismus einfordere. Soll so klingen. H&ouml;rt ja sonst keiner zu. Die digitalisierten Kollegen m&uuml;ssen zur&uuml;ckfinden aus der virtuellen in die wirkliche Welt. Auch wenn jetzt die J&uuml;ngeren die Augen rollen, weil ich als &Auml;lterer keine Ahnung h&auml;tte, wie hart es schon zugehe im Journalistengewerbe. Acht Stunden sitze man am Computer und schreibe sich, schlecht bezahlt, die Finger wund im gefr&auml;&szlig;igen online-Gesch&auml;ft. Man habe wichtige neue F&auml;higkeiten entwickelt und verstehe sich darauf, gewaltige Datenmengen, die Hundertausende Aktenordner f&uuml;llen w&uuml;rden, auf verr&auml;terische Hinweise durchzufl&ouml;hen, wer welche krummen Dinger drehe. Alles richtig, alles wichtig. Wenngleich die Stille unheimlich ist, die heute in den Redaktionen der gebeugten R&uuml;cken und des Tunnelblicks zum Bildschirm herrscht. Fr&uuml;her wurde in der Redaktion getratscht und gelacht. Und die Verlage m&uuml;ssen wissen, dass vor allem schnell hingekloppte Onlineware, die es mit den Fakten nicht so genau nimmt, Ruf und Gesch&auml;ft der Mutterh&auml;user besch&auml;digt.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Wof&uuml;r pl&auml;dierst Du?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> F&uuml;r die Urtugenden des Journalismus. Hingehen, Gucken, Fragen, Zuh&ouml;ren, Leute treffen. Lieber eine Stunde fr&uuml;her das Googeln einstellen, stattdessen mit Abgeordneten reden, deren Assistenten und Sekret&auml;rinnen. Mit Fahrern und Personensch&uuml;tzern bekannt sein. Sachbearbeiter der Parlamentsaussch&uuml;sse, der Ministerien, der Sicherheitsbeh&ouml;rden zum Prosecco einladen. Jeden Tag mindestens ein neuer pers&ouml;nlicher Kontakt. Sollte die Norm sein, an sieben Tagen der Woche&hellip;<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> &hellip; am Wochenende auch, da ging&rsquo;s den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ministern nicht besser.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> &hellip; richtig, an Samstagen und Sonntagen auch. Rein ins Leben, Vertrauen aufbauen, sich aus den sozialen Netzwerken l&ouml;sen, lieber ein feinver&auml;steltes Geflecht pers&ouml;nlicher Beziehungen aufbauen und pflegen, behutsam Bekannte zu Informanten werden lassen, bei strengstem Informantenschutz. Das pers&ouml;nliche Gespr&auml;ch ist wichtiger denn je, in diesen Zeiten, in denen wegen grassierender Abh&ouml;rerei und Datenabgreiferei die Leute sich nicht mehr trauen, am Telefon zu reden. Es gilt, N&auml;he zu suchen zu Beamten und Politikern beim Joggen und Jagen, im Ruderverein, im Tennisclub, beim Volleyball, beim Doppelkopf oder Kegeln. Man muss dem Zufall eine Chance geben, etwas Hochinteressantes zu erfahren. Wer einen dicken Fisch fangen will, muss sich zum Angeln schon an den Fluss bequemen. Und ganz wichtig: Fachwissen aneignen, &hellip;<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> &hellip; in der Tat wichtig, das habe ich bei euch Journalisten oft vermisst &hellip;<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> &hellip; sich mit dem Verkehrs-Experten &uuml;ber die LKW-Maut, mit dem Abteilungsleiter im Sozialministerium &uuml;ber die Feinheiten der Pflegeversicherung, mit dem NATO-Botschafter &uuml;ber die neueste Milit&auml;rdoktrin des Kreml auf Augenh&ouml;he austauschen k&ouml;nnen. Wer meint, im richtigen Journalismus g&auml;be es die 40-Stunden-Woche, h&auml;tte sich besser in der Stadtverwaltung (vielleicht beim Friedhofsamt?) verdingt. <\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Das &uuml;bliche Vorurteil gegen&uuml;ber dem &ouml;ffentlichen Dienst. Das habt Ihr doch gar nicht n&ouml;tig. Fr&uuml;her hatten die Politiker Angst vor der Presse, speziell vor dem SPIEGEL, auch vor den Kollegen vom Stern. Warum?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Altminister Norbert Bl&uuml;m sagt zum Buch: &bdquo;Koch berichtet von den wichtigsten Tugenden der Journalisten: Flei&szlig;ig sein und mutig. Recherchieren. Und vor allem: Nicht vor der Macht kuschen&ldquo;. Otto Graf Lambsdorff, der FDP-Wirtschaftsminister, der wegen illegaler Parteispenden zur&uuml;cktreten musste, hat mich &bdquo;zum Chef einer journalistischen Todesschwadron&ldquo; ernannt, der angeblich jede Woche die Zahl seiner &bdquo;Absch&uuml;sse&ldquo; zufrieden ins Kerbholz ritze. Der &ouml;sterreichische Medienfachmann Gerd Bacher hat uns erz&auml;hlt, wie er seinen Auftraggeber Helmut Kohl vor mir und meinem Kollegen Klaus Wirtgen gewarnt habe: &bdquo;Sie, Herr Doktor Kohl, seienS&acute;  vorsichtig. Der Koch und der Wirtgen, das ist ein ambulanter Schlachthof&ldquo;.  Daher der Titel des Buchs. Ich vermisse es, dass heute Politiker wegen journalistischer Enth&uuml;llungen ihren Hut nehmen m&uuml;ssen. Fr&uuml;her geschah das in sch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit. Selbst Kohl haben wir noch erwischt, er musste den Ehrenvorsitz der CDU abgeben, nachdem der SPIEGEL seine illegale Spendenaff&auml;re aufgedeckt hatte, und er sich weigerte, gegen Recht und Gesetz, die Name seiner Geldgeber zu nennen.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Wie habt Ihr das beim SPIEGEL organisiert, was waren eure Methoden?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Wir sa&szlig;en fast &uuml;berall unerkannt mit am Tisch: Im Bundeskabinett, in den Koalitionsrunden, in den Pr&auml;sidien und Vorst&auml;nden der Parteien, in den Fraktionsf&uuml;hrungsgremien, in den Leitungsgespr&auml;chen der Ministerien, in vertraulich tagenden Bundestagsaussch&uuml;ssen. Wir hatten auch in den engsten Kreisen um die jeweiligen Kanzler, unter deren auf strengste Verschwiegenheit verpflichteten Beratern und Mitarbeitern unsere Quellen. Ich bin sicher, auch Angela Merkels Schweigemauer ist zu knacken. Sie hat es mit ihrem strengen Regiment geschafft, dass nun seit Jahren schon kaum noch interessante Indiskretionen aus dem Zentrum der Macht nach au&szlig;en dringen. Das mag der Kanzlerin gut gefallen, gut f&uuml;r die Demokratie und ihr Transparenzgebot ist es nicht. Hier sind die Journalisten gefordert. Fr&uuml;her war es auch nicht einfach, in die inneren Zirkel der Machtinhaber einzudringen. Aber es ging und es geht heute auch, man muss es nur wollen &ndash; und k&ouml;nnen. Mit Googeln schafft man das nicht.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Wie schafft man es denn?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Durch gutes Planen. Das Recherchieren muss intensiv vorbereitet werden, am besten langfristig. Wer k&ouml;nnte aus welchen Gr&uuml;nden daran interessiert sein, uns etwas zu stecken, &uuml;ber den SPIEGEL Einfluss zu nehmen? Wer ist wessen Feind, also vielleicht unser Freund? Wie l&auml;sst sich eine Quelle aufschlie&szlig;en? Man braucht einen langen Atem, um ein Vertrauensverh&auml;ltnis zu schaffen, das sich dann im aktuellen Recherchefall bew&auml;hrt. Oder auch nicht. Passiert nat&uuml;rlich auch. Auch das Scheitern will gelernt sein. Man muss erkennen lernen, wann man bei der Recherche nur noch Zeit und Kraft verschwendet. Und man darf sich nicht entmutigen lassen, muss die n&auml;chste Story genauso hartn&auml;ckig und findig angehen. Der Journalist darf es sich nie bequem machen und erst recht niemals jenen, &uuml;ber die er berichten will, hat uns SPIEGEL-Gr&uuml;nder Rudolf Augstein beigebracht.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Geht&acute;s vielleicht konkreter? Das w&auml;re interessant f&uuml;r unsere Leserinnen und Leser.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Es ist ein heikles Thema, weil es um Informanten geht. Die sind immer und unter allen Umst&auml;nden zu sch&uuml;tzen. Reden mag ich gerne &uuml;ber unsere engste Zusammenarbeit in unserer Hauptstadt-Redaktion, &uuml;ber den &bdquo;kooperativen Journalismus&ldquo;, wie das etwas fad und sperrig hei&szlig;t. Im SPIEGEL gab es lange Zeit keine Namenszeilen unter den Artikeln. Man arbeitete anonym. Dies lie&szlig; sich nutzen f&uuml;r beste Zusammenarbeit. Es gab keinen hinderlichen Autorenehrgeiz. Das war g&uuml;nstig f&uuml;r die Bereitschaft zum Geben und zum Nehmen beim Sammeln von Informationen, danach auch beim Schreiben im Team. <\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Der fehlende Autorenname hat den meisten Lesern nicht gefehlt, eher schon dem Autor in seiner Eitelkeit.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Stimmt. Im Team der Anonymen war jeder Kollege gehalten, in den von ihm betreuten Politikbereichen &ndash; Au&szlig;en und Sicherheit, Milit&auml;r, Inneres, Soziales, W&auml;hrung, Finanzen, Geheimdienste &ndash; besser und fr&uuml;her als die Konkurrenz informiert zu sein, sein Zutr&auml;gernetz zu hegen, zu pflegen und stetig weiter zu kn&uuml;pfen. Schwerpunkt des Kontaktaufbaus und der Kontaktpflege war die Begleitung von Politikern und ihrer engsten Mitarbeiter auf Reisen in nahe oder ferne L&auml;nder. Wenn dabei eine aktuelle Geschichte heraussprang, umso sch&ouml;ner.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong>  Das k&ouml;nnen sich heute die wenigsten Redaktionen leisten.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Kluge Verleger w&uuml;rden hier nicht sparen. Der SPIEGEL hat sich nicht einladen lassen, hat stets selbst f&uuml;r die Reisen gezahlt. Auch wenn wir damals recht viel Geld zur Verf&uuml;gung hatten, gut recherchieren kann man auch ohne das dicke Portemonnaie. Unser gro&szlig;er Vorteil war: Unser Verleger war Journalist. Dem ging es nicht nur ums Geldmachen. Der k&auml;mpfte mit und stand zu seinen Redakteuren. Augstein ging es zu allererst um Inhalte, und deswegen stimmten am Ende auch die Zahlen. Nochmals, gut recherchieren kann man auch per Fahrrad, es geht auch ohne Jet.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Naja, vorhin klang das etwas skeptischer, was du &uuml;ber Rudolf Augstein sagtest. Wie auch immer, Ihr musstet liefern.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Taten wir auch mit unserem Team. Niemand sah sich mit einem Problem allein gelassen. Rechercheans&auml;tze wurden ausf&uuml;hrlich besprochen. Wer aus dem Team sollte mit wem wozu reden? Alle hereinkommenden Informationen geh&ouml;rten allen. Oft k&uuml;mmerten sich zwei, drei oder auch mehr Korrespondenten um dasselbe Thema. Eingesammelte Informationen aus den Gespr&auml;chen mit den Quellen waren schriftlich fixiert, mit den anderen in der Gruppe zu teilen und abzugleichen, Akten, oft vertrauliches oder geheimes Material, in Kopie weiterzugeben. Nach au&szlig;en war die Redaktion verschlossen und stachelig beim H&uuml;ten ihrer Geheimnisse, im Innern tauschte man sich recht offen aus, auch &uuml;ber Informanten und deren Glaubw&uuml;rdigkeit. Die Mitglieder eines Teams hatten so den gleichen Wissensstand, wichtig f&uuml;r neue, unerwartete Rechercheaufgaben. Wichtig auch f&uuml;r das gemeinsame sorgf&auml;ltige Gliedern eines Artikels, der absatz-, sogar satzweise zwischen den Autoren beraten und in K&uuml;rzeln im Schreibkonzept festgehalten wurde. Das Schreiben der Geschichte fiel dann leicht. Jeder Beteiligte &uuml;bernahm einen Teil der Gliederung. Das Zusammenf&uuml;gen der einzelnen Teile gelang meistens ohne Naht.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Das finde ich besonders interessant, dieses Modell der kollektiven Recherche, des kooperativen Journalismus, wie du es nennst. Was einer herausgefunden hatte, das wurde zwingend allen zug&auml;nglich gemacht, die am Ball waren. Nenne mal ein praktisches Beispiel.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Die Parteispendenaff&auml;re, die in die Flickaff&auml;re mit der rundum gekauften Politik m&uuml;ndete und im Fall des SPD-Kanzlers Helmut Schmidt. Ich hatte nach einem anonymen Anruf in der Tiefgarage unter der Domplatte in K&ouml;ln ein Aktenpaket zugesteckt bekommen, wahrscheinlich von einem in seiner Arbeit von oben behinderten Steuerfahnder oder Staatsanwalt, und wir mussten herausfinden, waren die Papiere echt oder gef&auml;lscht? Das Bonner Team legte los, die Fachkollegen redeten mit ihren Gew&auml;hrsleuten in den Ministerien, bei der Staatsanwaltschaft, den Steuerbeh&ouml;rden. Binnen kurzem verfestigte sich das Urteil: Die Akten sind echt. <\/p><p>Der kooperative Journalismus muss sich nicht auf eine Redaktion beschr&auml;nken. Korrespondenten, die heute als Einzelk&auml;mpfer im Einsatz sind, k&ouml;nnen sich mit Kollegen anderer Bl&auml;tter, deren Verbreitungsgebiete sich nicht &uuml;berschneiden, zu Teams zusammentun. Wenn dann jeder der Beteiligten unterschiedliche Schwerpunkte bei den Fachgebieten hat, umso besser. Aber funktionieren wird das Zusammenspiel nur, wenn bei allen wirklich die Bereitschaft zum Teilen da ist, dann klappt es mit dem Geben und Nehmen der Informationen.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Weil du immer nur von m&auml;nnlichen Kollegen sprichst, muss ich jenseits der Sache unseres Interviews anmerken: In eurer Redaktion gab es damals eine Kollegin, Marion Schreiber, der ich mit besonderem Respekt und besonderer Bewunderung gedenke. Leider ist sie viel zu fr&uuml;h gestorben. &ndash; Aber weiter im Kontext: Wussten die Politiker und Beamten, bei denen Ihr recherchiert habt, von diesem gemeinsamen Spiel?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> &Uuml;berwiegend wohl nicht. Wir waren ziemlich maulfaul, wenn es um innere Angelegenheiten der Redaktion ging. &ndash; Wir hatten stets einige Kolleginnen im Team, auch weil ich das wichtig fand f&uuml;r die Umgangsformen im B&uuml;ro und weil manchmal eine Korrespondentin bei einem Informanten mehr ausrichten konnte als ein m&auml;nnlicher Kollege. Marion Schreiber war eine herausragende Journalistin. <\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Was m&uuml;sste geschehen, um solche Zusammenarbeit wieder m&ouml;glich zu machen?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Journalismus war stets auch Reden auf dem Flur. Man quatschte miteinander, nicht selten kamen gute Einf&auml;lle f&uuml;r Themen und Recherchen dabei heraus. Heute wirken Redakteure oft auf mich wie Autisten, wie Leute mit Wahrnehmungsst&ouml;rungen und voller Hemmungen, mit anderen zu sprechen. St&ouml;psel in den Ohren, verkabelt, tauschen die sich haupts&auml;chlich mit ihrem Smartphone aus, auf dem sie herumwischen, auf das sie gebannt stieren, und in der Redaktion kennen sie am besten ihren Computer. Aber es gibt Hoffnung. Es bilden sich vermehrt Recherchezusammenschl&uuml;sse unterschiedlicher Medien, auch auf internationaler Ebene. Die journalistische Recherchekultur ist nicht ganz versch&uuml;ttet.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Als Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt hatte ich die M&ouml;glichkeit, ja sogar die Pflicht, an Kabinettssitzungen teilzunehmen. Das Kabinett tagte meist am Mittwoch. Am Montag darauf konnte man dann im Spiegel oft nachlesen, was, wer, am Kabinettstisch gesagt hatte. Ich habe mir w&auml;hrend dieser Sitzungen oft &uuml;berlegt, welcher Minister, welcher vertretende Staatssekret&auml;r oder wer sonst von den Anwesenden euch das einschlie&szlig;lich w&ouml;rtlicher Rede berichtet hat. Wie habt ihr das geschafft? Waren das feste Verbindungen? Habt ihr daf&uuml;r etwas bezahlt? Was haben die Informanten bekommen? Wohlwollen? Waren die Informationen quasi Schutzgelder der Informanten? Sie wurden daf&uuml;r dann von euch freundlich behandelt? Wie muss man sich den konkreten Ablauf vorstellen? Hattet ihr direkt nach der Kabinettssitzung telefonischen Kontakt? Kannst du Namen nennen? Wer waren die Informanten bei der Regierung Brandt, bei Kanzler Helmut Schmidt, bei Helmut Kohl? Ist das immer noch ein Geheimnis?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Der Informantenschutz gilt uneingeschr&auml;nkt, &uuml;ber Informanten redet man nicht, selbst vor Gericht nicht. Mich hat ein Untersuchungsausschuss des D&uuml;sseldorfer Landtags mit Beugehaft bedroht, weil ich in der Flick-Aff&auml;re keine Namen nennen wollte. Eines aber kann ich sagen: Wir haben nie einen Politiker oder Amtstr&auml;ger mit Geld bestochen. Dass man sich bei uns mit guten Informationen aus vertraulichen Runden Wohlwollen erwerben konnte, wenn wir etwas &uuml;ber einen Informanten wussten, das wir h&auml;tten enth&uuml;llen k&ouml;nnen, aber nicht unbedingt mussten, das bleibe dahingestellt.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Du willst wirklich keine Namen nennen? Mit wichtigen Informationen ins Grab. Eigentlich geht das nicht. Vielleicht kannst du wenigstens ein paar Tipps f&uuml;r heute geben?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Ein paar Tipps gebe ich gerne. Sehen wir uns die jetzige Berliner Regierung an. Wo ansetzen? Da gibt es Haarrisse, sogar tiefe Spr&uuml;nge im Gef&uuml;ge der Koalition aus CDU, CSU und SPD. Auf dem weiten reichen Feld der Interessengegens&auml;tze, der Eitelkeiten, der Machtgier, der Rachegel&uuml;ste, der Kr&auml;nkungen st&ouml;&szlig;t man ziemlich leicht auf Journalistengold. Oder: Wie w&auml;r&acute;s mit einer Charme-Offensive bei den Leuten, die nicht ganz oben stehen und dennoch viel wissen? Es gibt eine Menge f&auml;higer, bestens informierter Frauen und M&auml;nner in der Politik, die sich &uuml;bergangen und verkannt sehen beim Besetzen von Spitzenpositionen. Und die dann wenigstens heimlich via Medien Macht aus&uuml;ben wollen. Man mustere die Reihen der gut bezahlten, aber machtarmen Parlamentarischen Staatssekret&auml;re in der zweiten Reihe der Ministerien und Kanzleramt. Der Bundespr&auml;sident ist durch Beobachter am Kabinettstisch vertreten. Geht es um vertrauliche Kabinettsvorlagen f&uuml;r Gesetze, ist der gute Draht zu Berliner Lobbyisten viel wert. Die Vierte Gewalt im Staat, die Medien als Kontrolleure der Staatsmacht, muss findig sein und flei&szlig;ig, wenn sie vertrauliche Informationen aus Angelas Welt beschaffen will. <\/p><p>Was auch immer Merkels streng geheim tagendes K&uuml;chenkabinett der engsten Vertrauten beschlie&szlig;t, es muss ja umgesetzt werden in Mitteilungen an die Ministerien, an die deutsche EU-Vertretung in Br&uuml;ssel, an Fachaussch&uuml;sse des Bundestags. Hier bieten sich M&ouml;glichkeiten, man muss sie nutzen wollen. Es lohnt sich, die Eifers&uuml;chteleien, den ewigen Zank um Zust&auml;ndigkeiten, ja Feindschaften zwischen den Bundesministerien mit ihren Beamtenheeren sorgf&auml;ltig aufzukl&auml;ren, da l&auml;sst sich oft fette Beute machen. Die vom Ausw&auml;rtigen Amt m&ouml;gen es gar nicht, wie die sich vom Kanzleramt in die Au&szlig;enpolitik einmischen, und &uuml;ber die Schmalspurdiplomaten des Entwicklungshilfeministeriums l&auml;stert man gerne gemeinsam. Wirtschaftsminister und Sozialminister liegen im Dauerclinch, der Innen- und der Justizminister haben sich auch nicht lieb, im Finanzministerium lassen sich relativ leicht die dicksten Hunde der ausgabew&uuml;tigen Landwirtschafts- und Verteidigungsministerien einsammeln.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> K&ouml;nnte es sein, dass du die Journalisten in der Vergangenheit zu rosig siehst? Ich kann daf&uuml;r ein Beispiel nennen, das auch in deinem Buch vorkommt: von Willy Brandt behauptest du auf Seite 38, er habe nach der vom Spiegel freundlich begleiteten Ostpolitik innenpolitisch abgewirtschaftet gehabt. Man kann gut nachweisen &ndash; in meinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=19538\">Brandt aktuell<\/a>&ldquo; habe ich das minuti&ouml;s belegt -, dass das nicht stimmt und dennoch wird es von vielen Journalisten damals und bis heute nachgeplappert. Welche Belege hast du denn daf&uuml;r, dass die Behauptung f&uuml;r damals stimmt? <\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Mag sein, dass Du recht hast und wir in unserem Urteil &uuml;ber Brandts innenpolitisches Tief etwas neben den tats&auml;chlichen Gegebenheiten lagen, trotz der massiven Widerst&auml;nde von Gewerkschaftsseite gegen die Innenpolitik des SPD-Kanzlers. Aber so ganz daneben k&ouml;nnen wir nicht gelegen haben. In meinem Buch schreibe ich dazu, auch mit Blick auf Brandts R&uuml;cktritt: Wer im journalistischen Gewerbe glaubt, er k&ouml;nne willk&uuml;rlich Politiker kippen, die fest im Sattel sitzen, wird sich verheben. Kippen l&auml;sst sich ein Politiker nur, wenn er schon auf die schiefe Ebene geraten ist, durch Korruption und Gier und L&uuml;ge, durch Unf&auml;higkeit und vertrauensselige Dummheit. Dann k&ouml;nnen Medien den Sturz beschleunigen. <\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Keines traf auf Willy Brandt zu. Ich behaupte, der Spiegel hat damals versucht, seine Unabh&auml;ngigkeit von der Person Willy Brandts und seiner Regierung zu demonstrieren und hat mit Unterst&uuml;tzung der innerparteilichen und au&szlig;erparteilichen Gegner Willy Brandts und zusammen mit der Springer-Presse solche Parolen unters Volk gebracht. Was ihr damals behauptet habt und &ndash; mit Fakten belegt &ndash; nicht stimmt, ist in die Geschichtsschreibung eingegangen.<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Dass wir, nicht nur beim SPIEGEL, etwas rauer zugelangt haben, als das in der braven Journalistengeneration heute &uuml;blich ist, r&auml;ume ich ein. Kampfpresse hat man uns genannt. Was ein Vorwurf sein sollte, mich aber nicht sehr gest&ouml;rt hat. Wir haben klare Kante gezeigt, hatten Kompass und Kurs. Nur mit strammer Haltung, ohne gute Argumente und Rechercheergebnisse aber kam man auch damals nicht weit.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Deine Kritik an den Medien heute trifft. Man kann viel von dir lernen. Aber konsequent bist du nicht. Du meinst, die Behauptung, einige Journalisten seien k&auml;uflich, sei Teil einer Verschw&ouml;rungstheorie. Wei&szlig;t du nichts von k&auml;uflichen Journalistinnen und Journalisten?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Hier musst Du etwas &uuml;berlesen haben. Ich schreibe doch: Sicherlich ist richtig, Journalisten sind k&auml;uflich. Aber das ist nichts Neues. Das ist so von alters her. Seit Reichskanzlers Otto v. Bismarcks Zeiten, der seinen Reptilienfonds zum Schmieren der Presseleute zwecks preu&szlig;enfreundlicher Berichterstattung nutzte. Das war bei CDU-Kanzler Konrad Adenauer und seinem millionenschweren, nur von ihm verwalteten Haushaltstitel 300 nicht gro&szlig; anders. Mit dem Steuergeld kaufte er sich gef&auml;llige Geschichten aus der Bundeshauptstadt. Und das ist auch heute noch so &ndash; nur dass Gef&auml;lligkeitsjournalismus vielleicht ein wenig geschickter honoriert wird. Aber ich schreibe auch: Journalisten sind k&auml;uflich? L&auml;ngst nicht alle, auch in den Chefetagen der gro&szlig;en Medienh&auml;user nicht.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> In deinem Buch distanziert du dich von dem Begriff L&uuml;genpresse. Das ist verst&auml;ndlich. Das ist kein gl&uuml;cklicher, weil viel zu pauschaler Begriff. Aber so pauschal, wie du diesen Begriff zur&uuml;ckweist, weist du zugleich auch die Feststellung zur&uuml;ck, Medien w&uuml;rden die Unwahrheit sagen, schreiben und senden, sie w&uuml;rden manipulieren. St&ouml;rt diese Besch&ouml;nigung der Lage der Medien die sonst kritische Linie nicht?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Nein, finde ich nicht. Wie man mit dem Begriff der L&uuml;genpresse die Leute aufhetzt, ohne R&uuml;cksicht darauf, ob der Anwurf auch nur im Geringsten zutrifft, das l&auml;sst sich trefflich bei Adolf Nazi nachlesen, die kritische Neuauflage von &bdquo;Mein Kampf&ldquo; liegt ja vor. Es geht darum, das Vertrauen der B&uuml;rger in die Presse als wichtige Garantin einer Demokratie zu zerst&ouml;ren. Dass bei den Medien es heute mit der Wahrheit oft nicht so genau genommen wird, insbesondere im online-Gesch&auml;ft zu oft Schnelligkeit vor Korrektheit geht, das beklage auch ich. Aber zur pauschalen Unterstellung, es w&uuml;rde in den Medien bewusst die Wahrheit manipuliert und unterdr&uuml;ckt, kann ich nur sagen: Das ist rattenfalscher Quatsch.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Offensichtlich leugnest du, dass die deutschen Medien &ndash; und nicht nur der online Bereich &ndash; seit Jahren Kampagnen zugunsten privater Interessen betreiben und die Menschen in vielf&auml;ltiger Weise manipuliert haben; bestes Beispiel: die Werbung f&uuml;r die Riester-Rente und die Dramatisierung des demographischen Wandels. Der Spiegel an vorderer Front, zusammen mit der Bild-Zeitung. Dies nur dazu.<\/p><p>Weiter: Du bewunderst den Rechercheverbund von NDR, WDR und S&uuml;ddeutscher Zeitung und lobst auch den Partner dieses Verbundes, das internationale Konsortium f&uuml;r Investigativen Journalismus (ICIJ). Sind dir da keine Zweifel gekommen? Immerhin schreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung selbst: &bdquo;Einer der gr&ouml;&szlig;ten Unterst&uuml;tzer ist seit Jahren die Open-Society-Stiftung des Multimilliard&auml;rs George Soros. Sie gibt dem ICIJ gut ein Drittel des Gesamtbudgets.&ldquo; Und George Soros ist h&ouml;chst umstritten. Da gibt es doch offensichtlich eine interessante Rechercheaufgabe. Hast du keine Lust, auf deine alten Tage noch einmal richtig auf Recherchearbeit zu gehen und zu untersuchen, was das Netzwerk treibt und antreibt?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Gute Idee, lohnt sich bestimmt. Sollen aber die J&uuml;ngeren ran. Zur finanziellen Unterst&uuml;tzung des Soros f&uuml;r den ICIJ, in dem immerhin rund 180 Journalisten aus &uuml;ber 60 L&auml;ndern einander helfen, antworte ich mit einem Willy Brandt-Klassiker: &bdquo;First things first&ldquo;. Wenn das Geld des Soros der Wahrheitsfindung und der Demokratie dient &ndash; so what? Ob aber Soros Einfluss nimmt auf Recherchen und Berichterstattung, Zensur aus&uuml;ben l&auml;sst, da muss nachgesehen werden. Kolleginnen und Kollegen, es gibt viel zu tun in unserem Gewerbe.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Wie man das Wirken des Soros so herunter spielen kann, bewundernswert. &ndash; Auf dem Cover des Buches steht als abschlie&szlig;ende Zeile: &bdquo;Die letzten Geheimnisse der Bundesrepublik.&ldquo; Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass du nicht alle Geheimnisse gel&uuml;ftet hast, die du l&uuml;ften k&ouml;nntest. Zum Beispiel?<\/p><p><strong>D.K.:<\/strong> Der erw&auml;hnte Putschversuch s&auml;mtlicher Bundestagparteien, um sich und ihre Geldgeber mittels Amnestie vor Strafe in der Parteispenden- und Flick-Aff&auml;re zu sch&uuml;tzen, war damals bis heute die schwerste Krise der deutschen Nachkriegsdemokratie. Das Grundgesetz sollte manipuliert, der Rechtsstaat vergewaltigt werden. Als der Staatsstreich dann gescheitert war, weil der SPIEGEL die geheimen Umtriebe ans Licht gezogen hat, haben die Beteiligten viel daf&uuml;r getan, den geplanten Angriff auf die Verfassung zu verschleiern, zu vertuschen, m&ouml;glichst viel unter den Teppich zu kehren. Unter diesem Teppich nachzugucken, lohnt sich.<\/p><p><strong>A.M.:<\/strong> Das versuchen die NachDenkSeiten t&auml;glich. Danke f&uuml;r das Interview.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160507_koch_Der-ambulante-schlachthof.jpg\" alt=\"Dirk Koch - Der ambulante Schlachthof\" title=\"Dirk Koch - Der ambulante Schlachthof\"\/><\/div>\n<p>So steht es im Titel des Buches &bdquo;Der ambulante Schlachthof&ldquo; des fr&uuml;heren Spiegel-Journalisten <strong>Dirk Koch<\/strong>. <\/p>\n<p>Die NachDenkSeiten haken in einem Interview mit dem Autor nach und wollen dabei noch etwas mehr &ndash; so von Koch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33690\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[209,41,189],"tags":[1713,329,1471,1544,1921,295,1475,1419,420,244,1087],"class_list":["post-33690","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-interviews","category-medienanalyse","category-parteien-und-verbaende","tag-augstein-rudolf","tag-brandt-willy","tag-investigativer-journalismus","tag-kampagnenjournalismus","tag-koch-dirk","tag-kohl-helmut","tag-parteispenden","tag-soros-george","tag-spiegel","tag-vierte-gewalt","tag-whistleblower"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33690"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":122036,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33690\/revisions\/122036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}