{"id":33694,"date":"2016-06-07T11:37:08","date_gmt":"2016-06-07T09:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33694"},"modified":"2016-06-07T15:13:46","modified_gmt":"2016-06-07T13:13:46","slug":"da-ist-mir-wirklich-zum-kotzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33694","title":{"rendered":"\u201eDa ist mir wirklich zum Kotzen&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160607_wagenknecht.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Das politische Deutschland dr&auml;ngt zur vermeintlichen Mitte, w&auml;hrend in der &Ouml;ffentlichkeit Opposition zunehmend nur noch vom rechten Rand wahrgenommen wird. Fortschrittliche Analyse und Kritik sollen im Keim erstickt oder gar zum Schweigen gebracht werden. Damit dies nicht gelingt, ver&ouml;ffentlichen die NachDenkSeiten die wichtige Rede von <strong>Sahra Wagenknecht<\/strong> auf dem soeben beendeten Parteitag der Linken in Magdeburg. Die Rede, die dank der Tortenattacke auf die Rednerin nicht ansatzweise die Beachtung fand, die sie verdient.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Rede von Sahra Wagenknecht am 29. Mai 2016 auf dem Parteitag der Linken in Magdeburg<\/strong><\/p><p>Liebe Genossinnen, liebe Genossen,<\/p><p>ich m&ouml;chte eines vorwegsagen, ihr habt das ja gestern alle verfolgt: Ich habe so viele Solidarit&auml;tsbekundungen danach bekommen, hier vom Pult, per SMS, auch ganz pers&ouml;nlich. Ich wollte einfach nur Danke sagen, das hat unglaublich gutgetan. Vielen herzlichen Dank.<\/p><p>Ich glaube, zu der Aktion ist alles gesagt, dazu muss ich nichts mehr sagen. Wer allen Ernstes ausgerechnet bei der LINKEN, die sich als einzige Partei nicht daran beteiligt und nichts dazu beigetragen hat, dass das Asylrecht inzwischen in Europa und in Deutschland mehr oder weniger abgeschafft wurde, sondern die konsequent dagegen gek&auml;mpft hat, also wer ausgerechnet diese Partei oder einzelne Personen verd&auml;chtigt, ein Ort des Rassismus zu sein, der stellt sich wirklich ein politisches Armutszeugnis aus. Ich finde das ungeheuerlich und viel, viel schlimmer als jede Torte und jedes Zerw&uuml;rfnis. <\/p><p>Liebe Genossinnen und Genossen, dies ist ja jetzt, genauso wie bei Dietmar Bartsch meine erste Rede als Fraktionsvorsitzende. Wir beide haben im Herbst letzten Jahres den Fraktionsvorsitz &uuml;bernommen. Dietmar hat schon sehr viel zu der inhaltlichen Arbeit der Fraktion gesagt, das will ich nicht wiederholen. Ich m&ouml;chte nur eins noch sagen: Wir sind ja damals, als wir in diese Funktion gew&auml;hlt wurden, wirklich mit sehr, sehr vielen Unkenrufen begleitet worden. Da wurde der ganz gro&szlig;e &bdquo;Wagenknartsch&ldquo; vorhergesagt, da wurde spekuliert, wann das denn alles gar nicht mehr gutgeht. Und ich muss sagen, ich bin richtig froh und es macht richtig Spa&szlig;, mit Dietmar Bartsch gemeinsam diese Fraktion zu f&uuml;hren und auch mit unseren Stellvertretern Jan Korte und Heike H&auml;nsel. Weil es n&auml;mlich eine tolle Zusammenarbeit ist, weil es menschlich und politisch funktioniert. Und das gilt auch f&uuml;r die gesamte Fraktion. Dar&uuml;ber bin ich unglaublich froh, und wir werden weiter so machen!<\/p><p>Es ist unheimlich wichtig, dass es eine klare Oppositionspolitik im Bundestag gibt und nat&uuml;rlich auch in dieser Gesellschaft. Wir leben in einer Zeit, in der wir mit Erschrecken die Geister einer dunklen Vergangenheit wieder auferstehen sehen. Parteien, die nationalistische Ressentiments sch&uuml;ren, die teilweise offen &uuml;blen Rassismus bedienen, haben europaweit Vorlauf. In &Ouml;sterreich erleben wir, wie man mit solch einem Programm fast f&uuml;nfzig Prozent bei der Pr&auml;sidentenwahl bekommen kann. Und auch in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern: Ob das der Front National ist, ob das andere Parteien sind, es geht nach rechts und es geht in gef&auml;hrlicher Weise nach rechts. Nat&uuml;rlich haben wir immer gewusst, dass der Scho&szlig;, aus dem das mal gekrochen ist, immer noch fruchtbar ist. Aber ich muss sagen, dieser offene Hass und die Menschenverachtung, die man vielfach erleben kann und die sich inzwischen ganz offen und ungeniert in den sozialen Netzwerken austobt, wenn inzwischen irgendwelche durchgeknallten Pegisten ernsthaft dar&uuml;ber diskutieren, ob Kindergesichter, die farbig sind, auf deutsche Schokoladenpackungen geh&ouml;ren oder wenn ich h&ouml;re, dass ein Herr Gauland allen Ernstes dar&uuml;ber redet, ob jemand wie Boateng, ob das denn ein guter Nachbar in Deutschland w&auml;re &ndash; da ist mir wirklich zum Kotzen. Nat&uuml;rlich stehen die Gaulands nicht f&uuml;r die Mehrheit der Menschen in diesem Land und ich bin mir ganz sicher, die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit,  w&uuml;rde tausend Mal lieber Boateng als Nachbarn haben als einen Hassprediger wie Bj&ouml;rn H&ouml;cke, und das ist gut so und das ist ermutigend, und daf&uuml;r stehen wir. Aber gerade da sich das wieder in dieser Weise artikuliert, ist der Kampf gegen rechten Ungeist und gegen das Erstarken seiner Protagonisten vielleicht die wichtigste Aufgabe, die wir als LINKE aktuell haben. Denn das ist wirklich gef&auml;hrlich und wir m&uuml;ssen es stoppen, als Teil einer breiten Bewegung, die es ja auch au&szlig;erhalb der Parlamente gibt und von der DIE LINKE ein wichtiger Teil ist. Um das stoppen zu k&ouml;nnen und damit wir dem etwas entgegensetzen, ist es wichtig, &uuml;ber die Ursachen zu reden. Und da ist eines klar: Die Ursache der Rechtsentwicklung sind nicht die rechten Parteien, das ist nicht die AfD, das ist nicht der Front National, das sind nicht die Halbnazis, die dort Stimmung machen. Das sind alles Produkte der Rechtsentwicklung. Die Ursache daf&uuml;r, dass es &uuml;berhaupt ein gesellschaftliches Klima geben konnte, dass man solchen Typen wieder zuh&ouml;rt &ndash; und das gilt f&uuml;r Deutschland wie f&uuml;r andere europ&auml;ische L&auml;nder und es gilt auch f&uuml;r die USA mit ihrem Donald Trump, die haben ja den gleichen Typen dort -, die Ursache daf&uuml;r ist, dass wir seit Jahrzehnten eine neoliberale Politik haben, die alles daf&uuml;r tut, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerst&ouml;ren, die den Sozialstaat kaputt macht. Das ist doch der Kern einer Politik, die dem Raubtierkapitalismus freie Bahn geschaffen hat, die den Sozialstaat zerst&ouml;rt hat, die die gesellschaftliche Ungleichheit vergr&ouml;&szlig;ert hat und immer weiter vergr&ouml;&szlig;ert. Man muss sich das einmal vergegenw&auml;rtigen, in Deutschland sind die letzten 20 Jahre Wirtschaftswachstum &ndash; und da wurde ja teilweise von einem Wirtschaftsboom geredet -, diese letzten 20 Jahre Wirtschaftswachstum sind an der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung nicht nur komplett vorbeigegangen, sondern es ist sogar noch schlimmer: Der Durchschnittslohn ist heute auf dem Niveau der Jahrtausendwende, im Niedriglohnsektor werden Hungerl&ouml;hne bezahlt, Hartz IV ist ein einziges Elend, die Rentnerinnen und Renten haben insgesamt 10% ihrer einstigen Kaufkraft verloren. Die Menschen haben erlebt, wie immer wieder in wechselnden Koalitionen gegen ihre Interessen Politik gemacht wurde. Das ist das Schlimme und sie sehen und wissen das auch. Es waren ja eben nicht nur CDU und FDP, es waren genauso SPD und Gr&uuml;ne. Wir hatten immerhin auch eine Rot-Gr&uuml;ne-Koalition, dann eine Gro&szlig;e, dann Schwarz-Gelb, dann wieder eine Gro&szlig;e Koalition. Da muss man sich doch nicht wundern, dass ein unglaubliches Potential an Frust, an Wut, an Entt&auml;uschung, aber auch an Ohnmachtsgef&uuml;hlen da ist, wenn die Menschen immer wieder erleben, dass sie w&auml;hlen k&ouml;nnen, wen sie wollen, es werden Regierungen gebildet, die die Renten k&uuml;rzen, die die L&ouml;hne verschlechtern, die Verm&ouml;genssteuern ablehnen, die TTIP und CETA weiterbringen. Dieses Frustpotenzial und das Mantra der Alternativlosigkeit, das Gabriel genauso predigt wie Merkel, das ist doch der Boden, auf dem dann die AfD als Scheinalternative mit ihren nationalistischen Ressentiments nur noch ernten konnte. Das hei&szlig;t, die Neoliberalen haben da ges&auml;t, wo die Rechten ernten. Diesen Zusammenhang muss man immer wieder betonen, weil man beides bek&auml;mpfen muss, wenn man die Rechtsentwicklung stoppen will. <\/p><p>Fr&uuml;her sind die Menschen davon ausgegangen, dass es ihren Kindern einmal bessergeht, als es den &auml;lteren Generationen gegangen ist. Das ist lange vorbei. Heute hat sich das genau umgekehrt. Es ist nicht nur die gro&szlig;e soziale Spaltung, die die Rechten bef&ouml;rdert, sondern es ist auch das gesellschaftliche Klima bis hin zur gesellschaftlich herrschenden Ideologie, die ihnen den Boden bereitet hat. Zum Beispiel der Sozialdarwinismus, die Verachtung f&uuml;r die Schw&auml;cheren, die Verachtung f&uuml;r Arbeitslose, f&uuml;r Menschen, die Hartz IV beziehen, das ist ja nicht nur rechte Ideologie, das ist neoliberale Ideologie. Ich glaube, die Meisten von uns erinnern sich noch an die ver&auml;chtlichen Spr&uuml;che, die bei der FDP mal Mode waren, wenn man &uuml;ber Hartz IV-Beziehende geredet hat. Und das ist ja nicht nur ein Spezifikum der FDP gewesen, schauen wir uns die Politik der Gro&szlig;en Koalition an, es ist auf diesem Parteitag schon angesprochen worden: Unter der Federf&uuml;hrung von Frau Nahles wird ein Gesetz gemacht, das wiederum die Allerschw&auml;chsten trifft und ihre Situation weiter verschlechtert. Damit meine ich das Hartz IV-Gesetz, durch das gerade alleinerziehende Frauen nochmal doppelt getroffen werden, weil man in Zukunft berechnen m&ouml;chte, dass sie Abz&uuml;ge kriegen, wenn die Kinder bei ihrem Vater sind. Der eigentliche Skandal ist ja, dass 40% aller Alleinerziehenden Hartz IV-Bezieher sind. Von dieser Regierung erwarte ich schon gar nicht mehr, dass sie endlich etwas dagegen tun, dass es diesen Skandal gibt, aber wenn ich dann sehe, dass diese Regierung hingeht und ausgerechnet bei diesen Frauen noch k&uuml;rzt, denen es wirklich am schlechtesten geht, die jeden Monat k&auml;mpfen m&uuml;ssen, wie sie mit dem bisschen Geld zurechtkommen und ihren Kindern irgendwie trotzdem eine sch&ouml;ne Kindheit erm&ouml;glichen. Das ist nicht mal mehr Neoliberalismus, das ist nicht einfach nur neoliberal, das ist roh und das ist kalt. Und der Aufschrei bleibt weitgehend aus, wenn wir und einige andere Initiativen ihn nicht formulieren. Das ist die Verrohung, die diese Gesellschaft nach rechts f&uuml;hrt, weil es unglaublich menschenverachtend ist, dass so eine Politik &uuml;berhaupt m&ouml;glich ist. So wird ein Klima geschaffen, wo es Rechten dann wiederum leichtf&auml;llt, die Wut, den Frust, alles das, was sich da an Schlimmen und auch an Emp&ouml;rung aufgestaut hat, statt auf die wirklich Verantwortlichen auf die noch Schw&auml;cheren abzulenken. So wird dieses Klima geschaffen. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160607-artikel-sahra-wagenknecht.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Oder nehmen wir einen anderen Bereich &ndash; Unsicherheit. Es geh&ouml;rt zum Kern neoliberaler Politik, Menschen in unsichere Lebensverh&auml;ltnisse zu bringen. Das sind zum Beispiel die ganzen prek&auml;ren Jobs. Die sind ja nicht nur sozial ein Problem, weil man bei Dauerbefristungen, Minijobs, Leiharbeit, Werkvertr&auml;gen und den L&ouml;hnen nicht mehr leben kann. Das ist ein Teil. Der andere Teil ist, dass man in eine v&ouml;llige Lebensunsicherheit gebracht wird. Man wei&szlig; nie, ob man den Job in zwei oder drei Jahren noch hat, man kann nichts planen, man wei&szlig; nicht, wie die Zukunft aussieht. Genauso ist es, wenn die soziale Sicherung zerst&ouml;rt wird. Die Rente war mal dazu da, den Lebensstandard im Alter zu sichern. Heute sichert sie noch nicht einmal ein Armutsniveau, sie sichert eigentlich gar nichts mehr, man f&auml;llt wirklich in Armut, wenn man sich auf die gesetzliche Rente verl&auml;sst. Das erzeugt doch Angst, wenn man das vor Augen hat. Und ebenso wurde auch die Arbeitslosenversicherung zerst&ouml;rt. Das wird viel weniger debattiert, aber das ist doch auch der Fall. Die Arbeitslosenversicherung war mal dazu da, dass jemand, der arbeitslos wird, von dieser Versicherung aufgefangen wird. Heute sind es noch nicht mal mehr ein Drittel der Arbeitslosen, die Gelder aus der Arbeitslosenversicherung bekommen. Die Meisten fallen direkt in Hartz IV. Das hei&szlig;t, auch die Arbeitslosenversicherung wurde komplett zerst&ouml;rt. Diese Zerst&ouml;rung sozialer Sicherungen gibt es auch bei Krankheit. Krankheit ist immer schlimm &ndash; aber fr&uuml;her war es zumindest nicht ganz so, dass man damit v&ouml;llig aus der Bahn gerissen wurde. Die st&auml;ndige Lebensunsicherheit, in die Menschen durch diese neoliberalen Ver&auml;nderungen gebracht werden, schaffen auch ein Potential, wo dann Menschen bereit sind, autorit&auml;re Staatsstrukturen, rechtes Law &amp; Order als Alternative zu akzeptieren, weil sie aus dieser Unsicherheit raus wollen. So wird Potenzial f&uuml;r Rechts geschaffen, auch auf diesem Feld der Arbeitsmarktreformen und der Zerst&ouml;rung sozialer Sicherheiten.<\/p><p>Oder nehmen wir einen dritten Bereich. Jeder wei&szlig;, Rechte sind Demokratiever&auml;chter, das ist nichts Neues. Aber dass die Menschen mit Demokratie nicht mehr viel anfangen k&ouml;nnen, dass sie entt&auml;uscht sind, dass sie nicht das Gef&uuml;hl haben, in einer Demokratie zu leben, wenn st&auml;ndig gegen die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung Politik gemacht wird &ndash; das ist nicht das Produkt der Rechten, das ist das Produkt der Politik, die wir erlebt haben, dass gelogen wird und vor den Wahlen regelm&auml;&szlig;ig das Gegenteil von dem erz&auml;hlt wird, was man nach den Wahlen macht, dass get&auml;uscht wird. Das alles tr&auml;gt dazu bei, dass Menschen nicht mehr das Gef&uuml;hl haben, dass Demokratie etwas Verteidigungswertes ist, weil sie gar nicht den Eindruck haben, dass es ihnen etwas bringt. Und dazu kommt, dass von den Neoliberalen auch noch ganz forciert Abkommen vorangetrieben werden, die das erkl&auml;rte Ziel haben, Demokratie zu zerst&ouml;ren, n&auml;mlich die Politik davon unabh&auml;ngig zu machen, welche Regierung eine Bev&ouml;lkerung w&auml;hlt. Teilweise durch europ&auml;ische Vertr&auml;ge. So hat man es geschafft, dass eine Regierung wie in Griechenland in ein Korsett gebracht wurde, wo sie am Ende das Gegenteil dessen machen muss, was sie versprochen hat &ndash; obwohl es eine ganz, ganz klare Aussage der Bev&ouml;lkerung gab, n&auml;mlich &bdquo;wir wollen keine Sparpolitik mehr&ldquo;. Das Gleiche wiederholt sich jetzt in Portugal. Es sind nicht nur die europ&auml;ischen Institutionen und Vertr&auml;ge, die man in diese Richtung geschaffen hat, sondern es sind, sogar noch schlimmer, die Vertr&auml;ge, an denen jetzt gearbeitet wird, TTIP und CETA. Auch das ist richtige Demokratiezerst&ouml;rung, weil eine Situation manifestiert wird, wenn diese Vertr&auml;ge durchkommen, dass die Menschen im Grunde w&auml;hlen k&ouml;nnen, wen sie wollen &ndash; weil keine Regierung es sich &uuml;berhaupt mehr leisten kann, eine Politik gegen die Kapitalm&auml;chtigen und die Profitinteressen zu machen, weil sie die ganzen Prozesse &uuml;berhaupt nicht bezahlen kann, die dann kommen. So wird eine Stimmung aufgebaut, dass Demokratie nichts taugt, und genau in diese Stimmung hinein kommen dann die Rechten mit ihren Vorschl&auml;gen. Da gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang. Deswegen ist es einfach pervers, wenn die AfD sich mit ihren Positionen als eine Partei inszeniert, die gegen die anderen Parteien stehen w&uuml;rde, die gegen die neoliberalen Parteien stehen w&uuml;rde, denn sie ist Teil dieses neoliberalen Parteienkartells und sie lebt davon, dass wir seit Jahren diese neoliberale Politik haben. Deswegen m&uuml;ssen wir sie als solche attackieren und es darf nicht das Wording geben &bdquo;es gibt eine Gemeinsamkeit aller im Bundestag vertretenen Parteien und die AfD steht dagegen&ldquo;. Das ist das Selbstbild, von dem die AfD lebt, und wenn man das tut, tut man ihr einen Gefallen, denn es ist genau das Gegenteil der Realit&auml;t. Denn sie vertritt wirtschaftlich das Gleiche, das haben gestern ja auch Bernd und Katja angesprochen, auch die AfD steht f&uuml;r Sozialabbau, sie steht f&uuml;r Privatisierung, sie steht f&uuml;r Ungleichheit und Feigheit vor den Reichen. Deshalb kann man sagen, alle Parteien au&szlig;er der LINKEN sind wirtschaftspolitisch AfD-nah, weil sie genau diese &uuml;bereinstimmenden Positionen haben. Das m&uuml;ssen wir in den Vordergrund stellen, wenn wir uns mit dieser Partei auseinandersetzen, denn das ist das Gegenteil einer D&auml;monisierung. Nat&uuml;rlich ist es besonders dreist, wenn ausgerechnet der LINKEN von einigen Vertretern dieser Parteien vorgeworfen wird, bei uns g&auml;be es AfD-nahe Positionen. Da kann ich nur sagen, dass da offensichtlich einige von ihrer eigenen Verantwortung ablenken wollen, Dabei sollen sie sich, verdammt nochmal, an ihre eigene Nase fassen und endlich ihre Politik ver&auml;ndern, mit der sie solche Kr&auml;fte stark gemacht haben &ndash; das ist doch das, was ansteht. Aber es gibt dann immer wieder Details, an denen man merkt, dass sie eigentlich der AfD auch nicht so fern sind. Es war ja schon bemerkenswert, dass ein AfD-Vizepr&auml;sident im Landtag, zumindest im ersten Wahlgang, offensichtlich mehr Chancen hat als der linke Kandidat Wulf Gallert. Das hat gezeigt, was da offensichtlich auch bei anderen Parteien vertreten wird. Interessant fand ich auch die Begr&uuml;ndung, mit der Herr Maa&szlig;en, der Verfassungsschutzpr&auml;sident, abgelehnt hat, die AfD zu beobachten. Er hat n&auml;mlich gesagt: &bdquo;Wir sind keine Hilfstruppe f&uuml;r etablierte Parteien&ldquo;. Nun bin ich nicht der Meinung, dass man die AfD geheimdienstlich bek&auml;mpfen muss, ich meine, man muss sie politisch bek&auml;mpfen. Aber ich finde diese Aussage insoweit bemerkenswert, weil Herr Maa&szlig;en und der Verfassungsschutz noch nie Skrupel hatten, wenn es gegen DIE LINKE ging, als &bdquo;Hilfstruppe der etablierten Parteien&ldquo; zu agieren &ndash; das haben sie immer gemacht und ich finde das perfide.<\/p><p>Und in der Fl&uuml;chtlingspolitik, da haben alle Parteien &ndash; und das war auch gut &ndash; emp&ouml;rt die zynischen &Auml;u&szlig;erungen zur&uuml;ckgewiesen, die aus der AfD kamen, dass an deutschen Grenzen in Zukunft scharf geschossen werden sollte, wom&ouml;glich sogar auf Kinder. Es waren alle einig und alle haben gesagt, das geht gar nicht. Nun frage ich mich allerdings: Ist es irgendwie besser, wenn Frau Merkels Premiumpartner Erdo&#287;an, von dem bekannt ist, dass seine Truppen &uuml;berhaupt keine Skrupel haben, auf Kinder zu schie&szlig;en, sei es an den Grenzen oder sei es in den kurdischen Gebieten, ist es also irgendwie besser, wenn im deutschen Auftrag an t&uuml;rkischen Grenzen auf Fl&uuml;chtlinge geschossen wird? Der einzige Vorteil f&uuml;r Frau Merkel ist, dass dort die Presse so reguliert und unter Druck gesetzt ist, dass es keine Bilder davon gibt. Na toll, das ist wirklich ein Edelmut, den kann man sich sparen. Das ist zynische Politik und deswegen lehnen wir das auch grunds&auml;tzlich ab. <\/p><p>Wir alle haben erlebt, dass die letzten Landtagswahlen nicht so gelaufen sind, wie wir uns das w&uuml;nschen. Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir daran arbeiten, dass sich das bei den n&auml;chsten Landtagswahlen nicht wiederholt, aber ich glaube, ein ganz wichtiger Kern und eine ganz wichtige Botschaft muss dabei sein, dass DIE LINKE nicht Teil irgendwelcher imagin&auml;ren Lager von Parteien ist, die die Leute als Parteien erlebt haben, die Renten k&uuml;rzen, L&ouml;hne verschlechtern, Verm&ouml;genssteuern ablehnen und TTIP vorantreiben. Wir sind nicht Teil der Lager dieser Parteien und ich glaube, dass wir das im letzten Jahr zu wenig deutlich gemacht haben. Wir haben uns subsumieren lassen, wir haben uns zu wenig dagegen gewehrt, dass wir in bestimmte Lager eingeordnet wurden. Wenn man einen Wahlkampf macht, der zu stark auf Regierung orientiert, dann macht man einen Lager-Wahlkampf, aber genau der funktioniert nicht, weil die Menschen doch erlebt haben, was die anderen Parteien alles verbrochen haben. Ich glaube es ist ganz wichtig, dass wir hier eine klare Gegenposition und Eigenst&auml;ndigkeit verk&ouml;rpern, nur dann k&ouml;nnen wir diese W&auml;hler zur&uuml;ckgewinnen. Und nat&uuml;rlich ist es normalerweise nicht so, dass wir als Teil des Merkel-Lagers wahrgenommen werden, und trotzdem ist das, teils auch bewusst, herbei geschrieben worden im letzten Herbst, und ich finde, wir haben uns zu wenig dagegen gewehrt. Denn wie scheinheilig ist es denn, sich wie Merkel als Freundin der Fl&uuml;chtlinge zu inszenieren und gleichzeitig Waffen in alle m&ouml;glichen Kriege- und Krisengebiete dieser Welt zu liefern, wo immer mehr Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, wo sie ermordet werden. Das ist doch keine ordentliche Politik, das ist doch nicht annehmbar, das ist doch zynisch und scheinheilig. Und genauso scheinheilig ist es, sich als Freundin der Fl&uuml;chtlinge zu inszenieren und weiterhin Interventionskriege zu f&uuml;hren, weiterhin amerikanische Drohnenmorde mit deutschen Air Basen zu unterst&uuml;tzen, weil auch das dazu f&uuml;hrt, dass in den L&auml;ndern, wo diese Morde stattfinden, in den L&auml;ndern wo die Bomben fallen, der islamistische Terrorismus st&auml;rker und st&auml;rker wird und Menschen in die Flucht zwingt. Das hei&szlig;t, wenn man keine Fl&uuml;chtlinge und keine Fluchtgr&uuml;nde haben will, dann soll man, verdammt nochmal, diese Politik, diese Kriegspolitik beenden. Nirgendwo ist Frieden unter Bomben gediehen, &uuml;berall wurden die Situationen schlechter und deswegen hat man gelogen, wenn man das miteinander verkn&uuml;pft. Und das Gleiche betrifft die uns&auml;gliche Politik, arme L&auml;nder zu zwingen, ihre M&auml;rkte zu &ouml;ffnen, damit dann unsere Agrarmultis ihre subventionierten Agrarprodukte in diese L&auml;nder exportieren k&ouml;nnen, w&auml;hrend man genau wei&szlig;, dass dort alles kaputt geht, was an lokaler Landwirtschaft da ist. Das ist zynische Politik, weil das Menschen in die Flucht schl&auml;gt und sie zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Und dann redet man abwertend von &bdquo;Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen&ldquo; -man sagt nur nicht dazu, dass es unsere Wirtschaft und unsere Konzerne waren, die die Menschen in die Flucht geschlagen haben. Das muss endlich aufh&ouml;ren und das ist der Kern linker Politik in dieser Frage. Darum geht es doch, dass das beendet wird &ndash; endlich.<\/p><p>Hinter jeder Flucht steht ein Schicksal von Leid und Angst, und deswegen kann es &uuml;berhaupt keine linke Position sein, dass wir wollen, dass es m&ouml;glichst viele Fl&uuml;chtlinge gibt, von denen dann die fittesten, die das Mittelmeer &uuml;berlebt haben, die die Balkanroute &uuml;berlebt haben, irgendwie nach Deutschland kommen k&ouml;nnen und hier Aufnahme erhalten. Nat&uuml;rlich lehnen wir eine Einwanderungspolitik ab, die es vor allem darauf abgesehen hat, in Deutschland die Lohnkonkurrenz zu erh&ouml;hen und gleichzeitig armen L&auml;ndern ausgerechnet die qualifiziertesten Fachkr&auml;fte abzuwerben. Das ist doch keine linke Einwanderungspolitik, das ist im Grunde N&uuml;tzlichkeitsrassismus, und das ist zynisch und das hat nichts mit unserer Position zu tun. <\/p><p>Die EU hat auch wieder mal an einer Stelle, vielleicht unfreiwillig, offenbart, wie sie tickt. Wir  haben ja diesen ekligen Menschenhandel, den sie da mit der T&uuml;rkei vereinbart haben, die Menschen aus Griechenland werden abgeschoben, gleichzeitig k&ouml;nnen aus der T&uuml;rkei Menschen einreisen &ndash; wir haben das ja immer abgelehnt. Aber ich muss sagen, was ich jetzt besonders perfide fand, ist die Kritik an der T&uuml;rkei &ndash; ganz viel Kritik finde ich richtig, aber eine spezielle, die war sowas von menschenverachtend -, n&auml;mlich die Kritik, dass die T&uuml;rkei sich erdreistet, uns nicht die &Auml;rzte und Facharbeiter zu schicken, sondern, um Gottes Willen, die Kranken und Alten und Schwachen, und die wollen wir doch nun gar nicht haben. Was ist denn das f&uuml;r eine Politik? Das ist wirklich rechts, das ist wirklich AfD -aber es war die CDU und es war die JU, die es formuliert haben. Das ist doch schlimm, das ist doch &uuml;berhaupt nicht akzeptabel!<\/p><p>Und wir d&uuml;rfen uns auch nicht abfinden mit den vielen elendigen Situationen, die es auf dieser Welt gibt. Viele Menschen haben ja &uuml;berhaupt nicht die Chance zu fliehen, weil sie gar kein Geld haben. Auf dieser Welt gibt es 8,8 Millionen Menschen jedes Jahr, die verhungern, die vor Hunger sterben. Es gibt immer mehr Gebiete, wo man nicht mehr leben kann und nicht mehr wohnen kann. Das ist weitgehend aus der gesellschaftlichen Debatte verschwunden und ich finde, da muss es aber wieder hinein. Es kann doch nicht wahr sein, dass f&uuml;r Kriege Hunderte Milliarden ausgegeben werden &ndash; allein die USA haben f&uuml;r den Afghanistan-Krieg 700 Milliarden Dollar ausgegeben, f&uuml;r den Irak-Krieg 815 Milliarden Dollar -, aber dagegen, dass acht Millionen Menschen, darunter drei Millionen Kinder, jedes Jahr elendig verhungern, daf&uuml;r hat man kein Geld. Was ist das f&uuml;r eine uns&auml;gliche Politik! Wir finden uns  nicht damit ab, dass es auf dieser Welt so viel Hunger und so viel Elend gibt. Das muss endlich ge&auml;ndert werden, das ist doch unser Hauptansatz internationaler Politik. Dann haben die Menschen auch zu Hause eine Perspektive, und dann m&uuml;ssen die Menschen nicht mehr fliehen, und dann k&ouml;nnen sie sich in ihren L&auml;ndern tats&auml;chlich etwas aufbauen. Und deswegen haben wir mit dem, was Merkel macht, klar nichts zu tun. Was die SPD angeht, so hat es im Vorfeld des Parteitages noch einmal Vorschl&auml;ge gegeben, dass wir doch dort mehr auf H&auml;rte setzen und dass wir mehr Angebote machen sollten. Ich muss sagen, wir haben der SPD immer angeboten, dass wir mit ihr zusammen arbeiten, um den Sozialstaat wieder herzustellen, um mehr soziale Gerechtigkeit herbeizuf&uuml;hren. Wenn die SPD jetzt pl&ouml;tzlich der Mut befallen w&uuml;rde und sie zum Beispiel kurz vor der Wahl, wo es ja eigentlich nichts mehr kostet, weil die Koalition dann sowieso zu Ende ist, die rot-rot-gr&uuml;ne-Mehrheit, die es nach der Wahl wahrscheinlich nicht mehr geben wird, noch wenigstens einmal nutzen wollen und im Bundestag Gesetze einbringen w&uuml;rde, die Rentenk&uuml;rzungen zur&uuml;ckzunehmen, Leiharbeit endlich wieder ordentlich zu regulieren, den Mindestlohn deutlich zu erh&ouml;hen und eine Verm&ouml;genssteuer einzuf&uuml;hren, die ihren Namen verdient und vielleicht noch bei der Erbschaftssteuer wirklich etwas draufzulegen &ndash; ja, nat&uuml;rlich w&uuml;rden wir diesen Vorschl&auml;gen zustimmen, das versteht sich doch v&ouml;llig von selbst und ich verstehe bestimmte Debatten nicht, die bei uns da immer wieder gef&uuml;hrt werden, als w&uuml;rden wir dem nicht zustimmen, nat&uuml;rlich w&uuml;rden wir das machen. Das Problem ist nur, ich sehe sie nicht, die Vorschl&auml;ge, ich sehe nicht die Offerten, ich sehe eine SPD, die in einer Gro&szlig;en Koalition versauert, wo sie wirklich, mit Ausnahme der Einf&uuml;hrung eines kargen Mindestlohnes, kein einziges ernsthaft soziales Gesetz durchgesetzt hat, sondern sie hat eine Mietpreisbremse durchgesetzt, die sich als totaler Flop erwiesen hat, die Mieten steigen weiter und sie werden solange steigen, bis man endlich mal wieder sozialen Wohnungsbau und kommunalen Wohnungsbau nach oben f&auml;hrt, das ist ja &uuml;berhaupt keine Frage. Sie hat ein Gesetz zu Leiharbeit und Werkvertr&auml;gen durchgesetzt, das es in Zukunft den Unternehmen noch mehr erleichtert, Menschen in prek&auml;re Verh&auml;ltnisse zu zwingen und Lohndumping zu betreiben &ndash; und ansonsten ist auch nicht viel zu h&ouml;ren. Ja, dann muss ich mich doch nicht echauffieren, ich finde, dass wir nicht so unsinnige Debatten f&uuml;hren m&uuml;ssen, warum wir der SPD nicht mehr Angebote machen oder ob wir vielleicht mit ihr einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten aufstellen. Das sind doch bei der Realit&auml;t der jetzigen SPD wirklich absurde Vorschl&auml;ge, so gewinnen wir doch nicht Vertrauen von W&auml;hlern zur&uuml;ck, so verspielen wir Vertrauen. Ich glaube, wir sind uns auch alle einig, dass wir uns die SPD anders w&uuml;nschen w&uuml;rden. Wenn der SPD-Vorsitzende zum Beispiel Jeremy Corbyn oder Bernie Sanders hei&szlig;en w&uuml;rde, dann w&auml;re wirklich ein gemeinsamer Kanzlerkandidat eine richtig tolle Idee, und ich glaube, niemand auf diesem Parteitag h&auml;tte etwas dagegen, dass wir das dann unterst&uuml;tzen. Wir w&auml;ren dann immer noch eigenst&auml;ndig und h&auml;tten nat&uuml;rlich immer noch in bestimmten Punkten andere Positionen, aber das w&auml;re ein gemeinsames Projekt, das w&auml;ren gemeinsame Inhalte, f&uuml;r die man k&auml;mpfen k&ouml;nnte, aber, bitte sch&ouml;n, wir k&ouml;nnen uns doch die SPD nicht backen. Sie ist, wie sie ist, und solange sie auch v&ouml;llig klaglos hinnimmt, dass sie vom W&auml;hler abgestraft wird f&uuml;r ihre Politik, ja gut, da k&ouml;nnen wir es nicht &auml;ndern. Was wir machen k&ouml;nnen, ist, unsere Eigenst&auml;ndigkeit und unser eigenes Profil in den Vordergrund zu stellen. Ich glaube, das ist das, was die Menschen erwarten und das, was unsere Aufgabe ist.<\/p><p>Und deswegen sehe ich auch &uuml;berhaupt nicht, wieso man Gestaltung und Protest teilweise in einen Widerspruch setzt. Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir Stimme des Protestes gegen eine uns&auml;gliche Politik sein, gegen eine Politik, die die Lebensverh&auml;ltnisse einer gesellschaftlichen Mehrheit verschlechtert, nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir protestieren. Wir m&uuml;ssen sogar noch viel mehr versuchen als bisher, Menschen dazu zu bringen, dass sie nicht nur innerlich protestieren, sondern dass sie wirklich auch auf die Stra&szlig;e gehen, dass sie sich auch wirklich wehren, dass wir auch mal &auml;hnliche Prozesse in Deutschland kriegen, die Franzosen machen uns doch vor, wie man gegen eine falsche Politik wirklich erfolgreich aktiv sein kan. Das m&uuml;ssen wir doch hinkriegen, und da m&uuml;ssen wir ein Teil davon sein.<\/p><p>Und nat&uuml;rlich h&auml;tte ich mir gew&uuml;nscht, dass auch die deutschen Gewerkschaften schon bei der Agenda 2010 so agiert h&auml;tten, wie es jetzt zumindest ein Teil der franz&ouml;sischen Gewerkschaft tut, n&auml;mlich wirklich die Menschen aufzurufen und zu mobilisieren. Das ist doch das Einzige, was tats&auml;chlich irgendwann in diesem Land auch das gesellschaftliche Klima so ver&auml;ndern wird, dass es vielleicht wirklich mal eine linke Regierung geben kann. Da m&uuml;ssen wir Druck organisieren und Teil dieses Druckes werden und nicht immer nur etwas herbeireden, wof&uuml;r es &uuml;berhaupt keine Grundlage gibt. Man wird nicht dadurch Teil einer linken Regierung, dass man immer dar&uuml;ber schw&auml;tzt, sondern dass man gesellschaftlichen Druck und gesellschaftlichen Widerstand mit organisiert. Ich denke, das ist der Weg. Und vor allen Dingen m&uuml;ssen wir stark sein und etwas verk&ouml;rpern, was die Menschen auch anspricht. <\/p><p>Und daf&uuml;r ist es auch wichtig, immer wieder dar&uuml;ber zu sprechen, warum es eigentlich diesen massiven Schwenk in Richtung des Neoliberalismus gegeben hat. Das ist ja nicht nur, weil die Politiker einfach alle doof sind, die da in den Regierungen sind, sondern das hat etwas mit wirtschaftlichen Machtverh&auml;ltnissen zu tun. Das hat etwas mit der Machtverschiebung zu tun, weg von der Politik, hin zur Wirtschaft. Das hat etwas mit der enormen Machtkonzentration, n&auml;mlich der Beherrschung von wirtschaftlichen Ressourcen und riesigen Verm&ouml;gen in den H&auml;nden Weniger zu tun, das hei&szlig;t, es hat etwas mit dem aktuellen Kapitalismus zu tun. Und das muss man aussprechen, weil man dann auch Alternativen vorschlagen kann. Und wir sind uns einig, das haben ja auch die Parteivorsitzenden und auch Dietmar Bartsch angesprochen, dass wir eine Kraft sein m&uuml;ssen, die wieder die Frage der Wirtschaftsordnung und die Frage des Eigentums und die Frage des Kapitalismus in den Vordergrund stellt, weil da die Alternativen liegen, die wir vertreten m&uuml;ssen, weil das letztlich die Ursache daf&uuml;r ist, dass alles so weit entglitten ist. Ja, und wir m&uuml;ssen auch &uuml;ber Enteignung reden. N&auml;mlich &uuml;ber die t&auml;gliche Enteignung, die in diesem Wirtschaftssystem jeden Tag an der Tagesordnung ist. Was erleben wir denn, wenn wir wieder Rekorddividenden haben und auf der anderen Seite die L&ouml;hne sinken? Was ist denn das anderes als eine Enteignung, eine Enteignung derer, die arbeiten, das ganze Lohndumping ist eine Enteignung und die ganze Zerst&ouml;rung der Renten ist eine Enteignung und der ganze Sozialabbau ist eine Enteignung. Und deswegen muss man auch ganz klar sagen: Wenn wir zum Beispiel Verm&ouml;genssteuern fordern, wenn wir fordern, dass die Belegschaften ihre Unternehmen tats&auml;chlich auch bestimmen k&ouml;nnen und nicht irgendwelche externe Eigent&uuml;mer dort ihre Dividenden rausziehen, dann ist das keine Forderung nach Enteignung, dann ist das eine Forderung nach R&uuml;ckgabe, n&auml;mlich R&uuml;ckgabe all dessen, was die Menschen in diesem Land und auch in anderen L&auml;ndern erarbeiten, dass sie das endlich wieder in die eigene Hand bekommen! Ich finde, auch das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema. Wir wollen nicht die Enteignung, die der real existierende Kapitalismus jeden Tag praktiziert, wir wollen sie zur&uuml;cknehmen &ndash; das ist auch Kern linker Politik. Wir wollen, dass auch die, die den Reichtum erarbeiten, wirklich wieder &uuml;ber diesen Reichtum verf&uuml;gen k&ouml;nnen, daf&uuml;r machen wir Vorschl&auml;ge. Das ist sicherlich nichts, was man in einer Legislatur umsetzt, aber als Perspektive und als ein Programm, das uns wirklich absetzt von dem Kleinklein bestimmter Teilma&szlig;nahmen ist es ganz, ganz wichtig. Wir m&uuml;ssen wahrnehmbar werden, ich glaube, auch wieder st&auml;rker als eine Partei des sozialen Aufbruchs und der grunds&auml;tzlichen Alternativen. <\/p><p>Und dann werden wir Menschen auch wieder erreichen und wieder begeistern k&ouml;nnen. Und nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir auch immer wieder &uuml;ber den Zusammenhang von Kapitalismus und Krieg reden. Heute waren Frau Merkel und Herr Hollande in Verdun. 300.000 Menschen sind dort auf furchtbare Weise auf den Schlachtfeldern ermordet worden, damals im Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren. Ich w&uuml;nschte, Frau Merkel w&uuml;rde, wenn sie solche St&auml;tten besichtigt, irgendwann mal ernsthaft dar&uuml;ber nachdenken, wie saugef&auml;hrlich es ist, was zurzeit in Europa passiert, dass deutsche Soldaten an die russische Grenze geschickt werden sollen, dass Raketensysteme in Rum&auml;nien stationiert werden, dass Atomwaffen in Deutschland modernisiert werden -und das alles f&uuml;r nichts und wieder nichts als f&uuml;r irgendwelche Profitinteressen. Damit riskiert man die Existenz und das Leben der Menschen in Europa. F&uuml;r uns ist ganz klar, dass wir als LINKE immer wieder sagen, Krieg darf kein Mittel der Politik sein, und im Atomzeitalter schon gar nicht! Wir brauchen endlich Frieden und Solidarit&auml;t und Zusammenarbeit. <\/p><p>Und deswegen als letzten Punkt, was f&uuml;r uns wichtig ist, gerade wenn wir jetzt in die Wahlk&auml;mpfe starten und auch nach den Debatten. Nat&uuml;rlich ist es f&uuml;r jeden von uns auch immer niederschlagend, wenn man ein schlechtes Wahlergebnis hatte, so wie das im M&auml;rz war. Ich glaube aber, wir d&uuml;rfen uns nicht in die Mutlosigkeit und Krise hineinreden lassen. Was habe ich vor diesem Parteitag nicht alles gelesen &uuml;ber DIE LINKE, eine &bdquo;v&ouml;llig desolate Lage&ldquo; sei bei uns, &bdquo;Tal der Tr&auml;nen&ldquo;. Nat&uuml;rlich waren die Ergebnisse nicht gut, man darf sich damit nicht begn&uuml;gen und man darf auch nicht dar&uuml;ber hinwegreden, was f&uuml;r Fehler gemacht wurden und warum wir solche Ergebnisse hatten. Aber ich muss auch sagen, wenn ich mir die Umfragen anschaue auf Bundesebene, dann stehen wir stabil in den meisten Umfragen oberhalb des letzten Bundestagswahlergebnisses &ndash; und das, obwohl die AfD seither um fast zehn Prozent zugelegt hat. Deswegen sollten wir uns nicht diese Krisendebatte auch noch selber auf den Tisch holen, daf&uuml;r gibt es doch &uuml;berhaupt keinen Anlass, wir haben doch zum Gl&uuml;ck Resonanz, wir haben doch zum Gl&uuml;ck R&uuml;ckhalt. Wir wollen das ausbauen &ndash; ja, wir wollen mehr davon und wir haben auch viel mehr verdient an Resonanz und an R&uuml;ckhalt. Aber, bitte sch&ouml;n, es ist nicht so, dass dieser Parteitag in einer Krisensituation der Partei stattfindet. Das w&uuml;nschen sich Einige, dass wir uns das einreden lassen, weil sich Einige nat&uuml;rlich auch w&uuml;nschen, dass DIE LINKE in eine Krise kommt, und ich finde, schon um denen den Gefallen nicht zu tun, sollten wir das nicht verinnerlichen, sondern wirklich selbstbewusst sagen: Ja, DIE LINKE wird gebraucht, und wir gehen in die n&auml;chsten Wahlk&auml;mpfe mit Zuversicht und mit Ausstrahlung und mit klaren Konzepten und gro&szlig;er Eigenst&auml;ndigkeit! Und dann bin ich auch &uuml;berzeugt, dass wir die Chance haben, sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern ein gutes Ergebnis zu bekommen. Und n&auml;chstes Jahr die Schl&uuml;sselwahl bei den Landtagswahlen, das ist die Wahl in NRW, und da werden wir alle gemeinsam darum k&auml;mpfen, dass wir, verdammt nochmal, in diesen Landtag wieder reinkommen &ndash; und auch da haben wir Umfragen, die alle oberhalb von 5% liegen. Klar darf man sich darauf nicht ausruhen, wir hatten das auch bei anderen Bundesl&auml;ndern, aber das ist doch ein optimistisches Signal. Und nat&uuml;rlich m&uuml;ssen wir in diesen Landtag rein, es ist das gr&ouml;&szlig;te Bundesland und nat&uuml;rlich braucht es da eine soziale Stimme, die sich dort endlich wieder stark artikulieren kann, so wie auch im n&auml;chsten Bundestag. Ich denke, wenn wir in NRW mit einem guten Ergebnis eingezogen sind, dann werden wir auch eine gute Bundestagswahl hinlegen. Und, verdammt, im Bundestag darf es nicht dazu kommen, dass die rechte Opposition st&auml;rker wird als die linke Opposition, weil rechte Opposition hei&szlig;t Rassismus und Nationalismus. Im Bundestag brauchen wir soziale Angebote, das macht DIE LINKE, und daf&uuml;r k&auml;mpfen wir!<\/p><p>Vielen Dank an euch. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen:<\/strong><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ZI3ZXvzJDbs\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p style=\"text-align: center;\"><strong>Rede von Sahra Wagenknecht auf dem Magdeburger Parteitag<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32548\">Sahra Wagenknecht im Interview mit Albrecht M&uuml;ller<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160607_wagenknecht.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Das politische Deutschland dr&auml;ngt zur vermeintlichen Mitte, w&auml;hrend in der &Ouml;ffentlichkeit Opposition zunehmend nur noch vom rechten Rand wahrgenommen wird. 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