{"id":33739,"date":"2016-06-09T12:53:27","date_gmt":"2016-06-09T10:53:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33739"},"modified":"2016-06-09T14:30:42","modified_gmt":"2016-06-09T12:30:42","slug":"in-allen-entwickelten-repraesentativen-demokratien-waechst-die-armut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33739","title":{"rendered":"In allen entwickelten repr\u00e4sentativen Demokratien w\u00e4chst die Armut"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160408_koschnick.jpg\" alt=\"Wolfgang Koschnick\" title=\"Wolfgang Koschnick\"><\/div><p>In allen entwickelten Demokratien w&auml;chst die Armut. Kinder aus armen und bildungsfernen Schichten haben deutlich schlechtere Chancen als Kinder aus b&uuml;rgerlichen Familien. Eine wachsende Zahl von B&uuml;rgern kann sich und ihre Familien von ihrer H&auml;nde Arbeit nicht oder kaum noch ern&auml;hren. Altersarmut breitet sich aus, weil viele Rentner von ihren Renten nicht mehr leben k&ouml;nnen.  Die gestern und heute lebenden Generationen haben die Eink&uuml;nfte k&uuml;nftiger Generationen schon heute aufgezehrt und zehren sie unger&uuml;hrt weiter auf. Der Mittelstand wird in einem sich &uuml;ber Jahrzehnte erstreckenden Prozess buchst&auml;blich zwischen den Fronten zerrieben &ndash; als direkte Folge des demokratischen Systems; denn er ist die einzige verbliebene gro&szlig;e Sozialschicht, die einstweilen noch ohne gar zu gro&szlig;es Risiko ausgesaugt werden kann. Doch wie lange noch? Von <strong>Wolfgang Koschnick<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33739#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/eine-demokratie-haben-wir-schon-lange-nicht-mehr-wolfgang-koschnick.html\">Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr<\/a> von Wolfgang Koschnick.<\/em><\/p><p>Die Unterschicht ist weitgehend zerschr&ouml;pft und muss sogar vom Staat alimentiert werden. Und die oberste Oberschicht l&auml;sst sich nicht ohne ein f&uuml;r die politische Kaste viel zu hohes Risiko anzapfen. Davor schreckt die ach so demokratische Politik zur&uuml;ck. Die wahren Herren im System bleiben unangetastet.<\/p><p>Der Abstand der wirklich Reichen vom Rest der Bev&ouml;lkerung ist in den letzten Jahrzehnten geradezu exponentiell gewachsen. Er hat l&auml;ngst Ausma&szlig;e erreicht, die alle Vorstellungen sprengen. Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommt: Dies kann man ausnahmsweise nicht den demokratischen Systemen der entwickelten Welt zur Last legen. Aber man kann ihnen zur Last legen, dass sie der Ausbreitung einer Plutokratie nicht Einhalt gebieten.<\/p><p>Die entwickelten Demokratien tun nichts dagegen, dass die Herrschaft der Superreichen die fromme M&auml;r widerlegt, wir lebten in einer Leistungsgesellschaft; denn die wirklich Reichen aller L&auml;nder haben ihre Verm&ouml;gen nicht durch Leistung und schon gar nicht durch Arbeit, sondern durch Erbschaft erworben. Und sie erhalten und mehren es auch nicht durch Leistung und Arbeit. Ihr Kapital erh&auml;lt und mehrt sich ganz von selbst &ndash; wenn auch mit tatkr&auml;ftiger staatlicher F&ouml;rderung. Die demokratische Politik ist ein williger Helfer der Plutokratie und ein Feind des Volks. <\/p><p>Noch 1970 geh&ouml;rten dem reichsten Zehntel der bundesdeutschen Gesellschaft 44 Prozent des gesamten Volksverm&ouml;gens. 2012 geh&ouml;ren ihm &uuml;ber 66 Prozent. Diese gigantische Umverteilung vollzieht sich in allen entwickelten repr&auml;sentativen Demokratien der Welt. <\/p><p>Einem einzigen Prozent der Bev&ouml;lkerung geh&ouml;ren heute 35,8 Prozent des Verm&ouml;gens, das hei&szlig;t, sie besitzen mehr als die &auml;rmeren 90 Prozent der Menschen. Denen geh&ouml;ren zusammen n&auml;mlich nur 33,4 Prozent des gesamten Verm&ouml;gens.<\/p><p><strong>Die entwickelten Demokratien sind keine Leistungsgesellschaften<\/strong><\/p><p>Die Superreichen des Geldadels arbeiten nicht und sie leisten nichts. Sie lassen ihr Kapital arbeiten. Sie sind keine Unternehmensgr&uuml;nder und auch keine Unternehmenslenker. Sie sind Anleger und verwalten das Verm&ouml;gen, das ihre V&auml;ter und Gro&szlig;v&auml;ter geschaffen haben. <\/p><p>Doch Geldvermehrung durch Verm&ouml;gensverwaltung ist keine Leistung. Die Geldelite ist auch keine Leistungselite. Die demokratische Politik hat diese gigantische Umverteilung von unten nach oben auf jeden Fall nicht verhindert. Im Gegenteil, sie hat nach Kr&auml;ften mitgeholfen, sie wachsen und gedeihen zu lassen.<\/p><p>Die entwickelten Demokratien sind keine Leistungsgesellschaften mehr. Sie haben sich selbst von Leistungsgesellschaften zu ergebenen Dienern und Handlangern des Kapitals gewandelt. Wer mit seinem Verm&ouml;gen Geld verdient, zahlt pauschal 25 Prozent Kapitalertragssteuer. Wer sein Einkommen durch Arbeit erzielt, zahlt hingegen bis zu 45 Prozent.<\/p><p>Das demokratische System schafft keine Gerechtigkeit. Es schafft krasse Ungerechtigkeit und l&auml;sst sich davon auch durch nichts abbringen. Im Gegenteil: Es perpetuiert sie. Die Superreichen tragen in immer geringerem Ma&szlig;e zum Gemeinwohl bei, obwohl sie f&uuml;r sich selbst doch so gern das Bild von der Lokomotive in Anspruch nehmen, die den Zug des allgemeinen Wohls in Fahrt bringt. Doch sind sie noch nicht einmal ein Bummelzug, sondern nichts als eine &uuml;berdimensionierte Riesenbremse, die allen Fortschritt behindert. <\/p><p>1960 trugen die Gewinnsteuern der Kapitaleigent&uuml;mer etwa 35 Prozent zu den Einnahmen des Staats bei, w&auml;hrend die Massensteuern der arbeitenden Menschen nur ein bisschen mehr aufbrachten, n&auml;mlich 38 Prozent. Zwischen Kapital und Arbeit herrschte damals noch so eine Art fragiles Gleichgewicht. Die Zeiten sind l&auml;ngst vor&uuml;ber. Das Gleichgewicht ist gekippt. Die fortschreitende Entwicklung der Demokratien hat &uuml;berall den gleichen Prozess in Gang gesetzt: Die Reichen werden reicher. Alle anderen werden &auml;rmer.<\/p><p>Heute zahlt das Gros der Bev&ouml;lkerung mit seinen Massensteuern 71 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Die Gewinnsteuern liegen unter 20 Prozent. Also w&auml;chst der Reichtum des Geldadels ganz von selbst. Er braucht nicht einmal selbst etwas daf&uuml;r zu tun. Er kann sich hinsetzen und dabei zuschauen, wie sein Verm&ouml;gen bl&uuml;ht und unaufh&ouml;rlich w&auml;chst.<\/p><p>Die oberste Oberschicht ist fein raus. Den Staat finanzieren die arbeitenden Menschen aus der Mittelschicht. Die Angeh&ouml;rigen der obersten Oberschicht tragen noch nicht einmal Peanuts dazu bei. Doch wie lange wird das noch m&ouml;glich sein, wenn die Mittelschicht weiter schrumpft? Denn deren Wohlstand sinkt. <\/p><p>Hier zeigt sich einmal mehr die selbstzerst&ouml;rerische Eigendynamik der entwickelten Demokratien. Die einzige Bev&ouml;lkerungsschicht, auf der das politische und wirtschaftliche System dauerhaft ruht, wird nach und nach von den R&auml;ndern her angefressen und aufgezehrt. Und das wird so lange gehen, bis die Mittelschicht im Kern vernichtet ist. <\/p><p>Wissenschaftliche Untersuchungen auf breiter Basis haben in allen entwickelten Demokratien immer wieder dasselbe festgestellt: &Uuml;berall schmilzt die Mittelschicht dahin. &Uuml;berall werden die Reichen noch viel reicher und &uuml;berall wird der Rest der Bev&ouml;lkerung immer &auml;rmer. Das ist ein globaler Trend, dem sich nichts und niemand entgegenstemmt, auch nicht in Wohlstandsnationen wie Deutschland. <\/p><p>Nach einer Studie der Universit&auml;t Duisburg-Essen von 2015 ging der Anteil von Haushalten mit mittleren Einkommen zwischen 1993 und 2013 von 56 auf 48 Prozent zur&uuml;ck. Gleichzeitig stieg die Quote der schlechter Verdienenden. Eine breite Mittelschicht, die am Wohlstand partizipiert, galt stets als Erfolgsmerkmal des Wirtschaftsmodells der sozialen Marktwirtschaft.<\/p><p>Doch trotz eines neuen Besch&auml;ftigungsrekords schrumpfte die deutsche Mittelschicht in den 20 Jahren zwischen 1993 und 2013 deutlich. Als mittleres Einkommen definieren die Forscher vom Institut Arbeit und Qualifikation im Fall einer vierk&ouml;pfigen Familie gut 2000 bis gut 7000 Euro brutto im Monat. Der Anteil dieser Bev&ouml;lkerungsgruppe ging auch zur&uuml;ck, wenn man die staatliche Umverteilung durch h&ouml;here Steuern f&uuml;r Besserverdiener ber&uuml;cksichtigt. <\/p><p>Der Befund deckt sich mit Ergebnissen des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Nettoverdienste betrachtet und eine andere Definition der Einkommensschichten verwendet. Danach schrumpfte die Mittelschicht zwischen 1997 und 2013 von 64 auf 58 Prozent.<\/p><p>Bemerkenswert ist, dass die Bedeutung der Mittelschicht auch dann nicht wieder w&auml;chst, nachdem sich die Verh&auml;ltnisse wieder besserten: Die Zahl der Arbeitslosen halbierte sich, 2015 wurde ein neuer Rekord von fast 44 Millionen Erwerbst&auml;tigen erreicht. So viel wie nie zuvor. Aber die Mittelschicht schrumpft trotzdem unverdrossen weiter, obwohl der Arbeitsmarkt gut l&auml;uft. <\/p><p>Immer weniger Haushalte der unteren Mittelschicht und der Unterschicht, darunter vermehrt Singles, k&ouml;nnen vom Lohn ihrer Arbeit leben &ndash; und das gleicht der Staat oft durch Transferzahlungen aus. Deutsche aus unteren Einkommensschichten haben in vielen Branchen nur noch Zugang zu Minijobs und kurzer Teilzeitarbeit. <\/p><p>Eine Studie des Zentrums f&uuml;r Europ&auml;ische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des IMK-Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-B&ouml;ckler-Stiftung best&auml;tigte 2015, dass sich die Schere der Einkommensverteilung in Deutschland seit Jahren immer weiter &ouml;ffnet. Die von der Bundesregierung und dem Bundesarbeitsministerium verbreitete Annahme, die Einkommensungleichheit sei nach 2005 zur&uuml;ckgegangen, entlarvten die Forscher als eine zweckoptimistische Fehleinsch&auml;tzung, die vor allem auf L&uuml;cken bei der statistischen Erfassung von Kapitaleinkommen, also Zinsen, Dividenden oder Spekulationsgewinnen, zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist.<\/p><p>Auch nach einer 2015 ver&ouml;ffentlichten Studie des Parit&auml;tischen Wohlfahrtsverbands haben immer weniger Menschen in Deutschland Anteil am Wohlstand. 15,5 Prozent der Menschen leben trotz guter Konjunktur und wachsender Erwerbst&auml;tigkeit unterhalb der Armutsgrenze. Kinder und &Auml;ltere sind besonders betroffen. <\/p><p>Die Armutsquote steigt weiter, die Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt sich oberhalb der Millionengrenze. Insgesamt 7,8 Millionen Menschen waren laut Studie 2014 in atypischer Besch&auml;ftigung &ndash; die Zahl der Betroffenen stieg in 20 Jahren um mehr als 70 Prozent. Diese Menschen arbeiten befristet, in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden, Zeitarbeit oder sind geringf&uuml;gig besch&auml;ftigt. <\/p><p>Rund 1,3 Millionen Hartz-IV-Bezieher bekommen seit mehr als zehn Jahren staatliche Leistungen. 15,4 Prozent der Unter-15-J&auml;hrigen leben in Armut. Bedrohlich zugenommen hat die Altersarmut, besonders unter den Rentnern, wie der Verband in seinem Gutachten bekr&auml;ftigt. Deren Armutsquote (15,2 Prozent) sei seit 2006 viermal so stark wie in der Gesamtbev&ouml;lkerung gestiegen. <\/p><p>Der Bundesregierung bescheinigt die Studie Defizite in der Sozialpolitik. Es gibt mehr als sieben Billionen Euro Privatverm&ouml;gen in Deutschland. Gleichzeitig hat jeder zehnte Erwachsene im Durchschnitt Schulden von &uuml;ber 32 600 Euro. <\/p><p>Dass die Kluft zwischen Arm und Reich &uuml;ber Jahrzehnte hinweg immer weiter aufgerissen wurde und weiter aufgerissen wird, zeigen auch die kontinuierlichen Analysen der Organisation f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie klafft heute krasser als vor 30 Jahren. Das bedeutet eben auch: 30 Jahre demokratischer Politik haben die Armen &auml;rmer und die Reichen reicher gemacht. Wem also n&uuml;tzt die demokratische Politik? Der breiten Bev&ouml;lkerung jedenfalls nicht.<\/p><p>Verdienten die reichsten 10 Prozent der Bev&ouml;lkerung Mitte der 1980er Jahre f&uuml;nfmal so viel wie die &auml;rmsten 10 Prozent, liegt das Verh&auml;ltnis heute bei 7 zu 1. In den anderen OECD-Staaten war die Entwicklung &auml;hnlich: Mitte der 1980er Jahre verdiente das reichste Zehntel der Bev&ouml;lkerung siebenmal so viel wie das &auml;rmste. Heute liegt das Verh&auml;ltnis bei 9,5 zu eins. <\/p><p>Die gestiegene Einkommensungleichheit hemmt sogar die wirtschaftliche Entwicklung. Sie ist eine Wachstumsbremse. Zwischen 1990 und 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf inflationsbereinigt um etwa 26 Prozent. W&auml;re die Ungleichheit auf dem Niveau von Mitte der achtziger Jahre verharrt, h&auml;tte das Plus um fast sechs Prozentpunkte h&ouml;her ausfallen k&ouml;nnen. <\/p><p>Wachsende Ungleichheit schadet den wirtschaftlichen Aussichten des ganzen Landes. Denn wenn die untersten 40 Prozent der Gesellschaft abgeh&auml;ngt werden und mit ihr gr&ouml;&szlig;ere Teile der Mittelschicht, nutzen Volkswirtschaften nur einen Teil ihres Potenzials. Nach Berechnungen der OECD-Experten f&uuml;hrte die steigende Ungleichheit seit 1985 dazu, dass die Wirtschaft in 19 OECD-L&auml;ndern zwischen 1990 und 2010 um 4,7 Prozentpunkte weniger wuchs, als es bei unver&auml;nderter Ungleichheit der Fall gewesen w&auml;re. <\/p><p>Die demokratischen Systeme von den USA &uuml;ber Europa bis hin nach Japan schaffen es nicht, die Wohlfahrt der Menschen zu verbessern. Die gro&szlig;en Hoffnungen, die einst gegen Ende der Diktaturen des 20. Jahrhunderts in die Demokratien gesetzt wurden, sind zutiefst entt&auml;uscht worden. Eine scheindemokratische Oberfl&auml;che verdeckt nur notd&uuml;rftig undemokratische Strukturen. <\/p><p>Wir leben l&auml;ngst wieder in einem Herrschaftssystem, das nur noch formal eine Art Demokratie ist. Soziologen wie Sighard Neckel befassen sich seit langem mit der Thematik. Das &raquo;Schrumpfen der Mittelschicht &laquo;, die &raquo;Erosion des Leistungsprinzips&laquo; und die &raquo;Refeudalisierung &laquo; der Gesellschaft sind Standardthemen der Soziologie aller demokratischen L&auml;nder.<\/p><p>Was hat die vermeintliche Volksherrschaft dem Volk gebracht? Ein in reinen Formalismen erstarrtes politisches System, in dem das Volk nichts zu sagen hat und das in Wahrheit eine Herrschaft &uuml;ber das Volk darstellt, hinter deren scheindemokratisch polierter Fassade soziale Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit, bittere Armut und gro&szlig;es soziales Elend sich st&auml;ndig und unaufhaltsam weiter ausbreiten.<\/p><p>Die gew&auml;hlten Repr&auml;sentanten des Volks sehen dem unw&uuml;rdigen Schauspiel gelangweilt zu. Sie sind nicht in der Lage, etwas dagegen auszurichten; denn sie haben nicht die Macht und auch nicht das Interesse, grundlegende Ver&auml;nderungen durchzusetzen. Sie sind ja gut versorgt. Doch der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung in allen entwickelten Demokratien geht es immer schlechter. Es ist ein Skandal, dass in einem der reichsten L&auml;nder der Welt jedes siebte Kind unter 15 Jahren, in Ostdeutschland sogar jedes vierte Kind von Hartz IV leben muss. In Berlin ist jedes dritte Kind auf Hartz IV angewiesen. <\/p><p>Im Ruhrgebiet liegt die Kinder-Armutsquote bei steigender Tendenz mit 25,6 Prozent sogar noch deutlich h&ouml;her als in Ostdeutschland. Trauriger Spitzenreiter im St&auml;dtevergleich ist Gelsenkirchen mit einem Anteil von 34,4 Prozent armer Kinder. In St&auml;dten wie M&uuml;lheim oder Hamm wuchs die Kinderarmut in den f&uuml;nf Jahren von 2007 auf 2012 um bis zu 48 Prozent. Die Demokratie beschert dem Volk die nachhaltige Pauperisierung ganzer Generationen. Die Jahr f&uuml;r Jahr wachsende Armutsquote betr&auml;gt im Bundesdurchschnitt 15,5 Prozent. F&uuml;r eines der reichsten L&auml;nder der Welt ist das eine Schande.<\/p><p>Es ist dies aber nicht das Werk eines finsteren Diktators, der seine Untertanen aussaugt. Es ist das Werk einer auf dem Boden des repr&auml;sentativen Parteienstaats gedeihenden, teils gewissenlosen, teils gleichg&uuml;ltigen und teils einfach auch nur hilflosen und unf&auml;higen Politikerkaste, die sich st&auml;ndig mehr mit sich selbst besch&auml;ftigt und der das eigene luxuri&ouml;se Hemd n&auml;her als die verschlissenen Hosen der breiten Bev&ouml;lkerung ist.<\/p><p>Wie eng man den Zusammenhang zwischen Demokratie und der wachsenden Verarmung der Bev&ouml;lkerung auch sieht: Die Demokratie ist kein taugliches Instrument, das geeignet w&auml;re, der Kluft zwischen Arm und Reich Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil, die Politik in allen entwickelten Demokratien fungiert als williger Helfershelfer, der die ohnehin schon tief klaffende Kluft nach Kr&auml;ften weiter aufrei&szlig;t.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Wolfgang Koschnick<\/strong> ist Buchautor, Fachjournalist und Unternehmensberater. Als Journalist war er in den USA unter anderem f&uuml;r den Boston Globe und zahlreiche andere Zeitungen und Zeitschriften t&auml;tig &ndash; sp&auml;ter auch von Deutschland aus. Er lebt in Allensbach am Bodensee.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160408_koschnick.jpg\" alt=\"Wolfgang Koschnick\" title=\"Wolfgang Koschnick\"\/><\/div>\n<p>In allen entwickelten Demokratien w&auml;chst die Armut. Kinder aus armen und bildungsfernen Schichten haben deutlich schlechtere Chancen als Kinder aus b&uuml;rgerlichen Familien. Eine wachsende Zahl von B&uuml;rgern kann sich und ihre Familien von ihrer H&auml;nde Arbeit nicht oder kaum noch ern&auml;hren. Altersarmut<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33739\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,146,132],"tags":[635,1903,217,1902,854,288,687,425,291],"class_list":["post-33739","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-soziale-gerechtigkeit","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-altersarmut","tag-gemeinwohl","tag-kinderarmut","tag-koschnick-wolfgang","tag-mittelschicht","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-ungleichheit","tag-unterschicht","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33739"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33739\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33740,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33739\/revisions\/33740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}