{"id":3374,"date":"2008-08-01T09:51:36","date_gmt":"2008-08-01T07:51:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3374"},"modified":"2015-11-15T16:12:27","modified_gmt":"2015-11-15T15:12:27","slug":"nachtrag-zum-beitrag-ueber-den-schiedsspruch-gegen-clement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3374","title":{"rendered":"Nachtrag zum Beitrag \u00fcber den Schiedsspruch gegen Clement"},"content":{"rendered":"<p>Wolfgang Liebs Einsch&auml;tzung teile ich im wesentlichen &ndash; bis auf zwei Elemente. Man muss ja nicht immer einer Meinung sein: Erstens kann ich nicht sehen, wieso dieser Rauswurf &bdquo;verheerend&ldquo; sein soll f&uuml;r die SPD, verheerender als Clements weiteres Verbleiben in der SPD ist er jedenfalls nicht. Zweitens halte ich die Qualifizierung des Urteils der Schiedskommission als Urteil von &bdquo;unpolitischen Parteijuristen&ldquo; f&uuml;r nicht angebracht und f&uuml;r falsch. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Zum ersten:<\/strong> Von &bdquo;verheerend&ldquo; kann man nur dann sprechen, wenn die Alternative weniger verheerend w&auml;re. Die Alternative w&auml;re: man l&auml;sst Clement als Parteimitglied weiterhin Stimmung gegen seine Partei machen, man l&auml;sst ihn weiter gegen jede kleine Korrektur der Reformpolitik polemisieren, er ist weiter ein Repr&auml;sentant unsozialdemokratischer Inhalte wie Leiharbeit, Niedriglohnsektor, gegen Mindestlohn &ndash; das ist von Wolfgang Lieb ausf&uuml;hrlich beschrieben. Diese Entwicklung w&auml;re noch verheerender.<\/p><p>Wenn er nicht ausgeschlossen wird, dann kann er diese Agitation als Mitglied dieser Partei machen. Das will er, denn dann nur ist er ein glaubw&uuml;rdiger Zeuge der neoliberalen Bewegung und der Union. Es sei daran erinnert, dass sowohl Clement als auch Oswald Metzger zum Beispiel f&uuml;r die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und andere Kampforganisationen der neoliberalen Bewegung nur solange interessant waren und sind, als Clement der SPD und Oswald Metzger den Gr&uuml;nen angeh&ouml;rten. Es ist richtig, dass ein Gro&szlig;teil der Medien und auch ein gewisser Teil der SPD den Rauswurf f&uuml;r ein lautes Gezeter nutzen. Aber auch einen Clement mit Parteibuch h&auml;tten sie permanent benutzt, auch zur St&auml;rkung ihrer Position in der SPD. <\/p><p>Die SPD hatte einen &auml;hnlichen Fall im Sommer 1972 auszuhalten. Damals st&auml;nkerte der Superminister Professor Karl Schiller mitten im Wahlkampf gegen seine Partei und verlangte Korrekturen der Politik Willy Brandts und der SPD in der Wirtschafts- und Finanzpolitik &ndash; Korrekturen ganz im Sinne der damaligen CDU\/CSU. Es gab starke Kr&auml;fte in der SPD, die forderten, ihm entgegenzukommen. Andernfalls k&ouml;nnten die Wahlen nie und nimmer gewonnen werden. Willy Brandt, der Schiller gegen&uuml;ber bis dahin stets konziliant war, verweigerte weitere Konzessionen. Das kam angesichts des &ouml;ffentlich aufgebauten Konflikts einem Rauswurf gleich. Schiller verlie&szlig; Anfang Juli 1972 die SPD, machte in Anzeigen zusammen mit Ludwig Erhard ab sofort Werbung gegen seine gerade verlassene Partei. Das Ergebnis trotz Trennung von Schiller: 45,8%. Mit Schiller h&auml;tte die SPD keinen so klaren Wahlkampf zum Beispiel gegen das gro&szlig;e Geld machen k&ouml;nnen, wie dies 1972 geschah. Siehe dazu: <a href=\"?p=2381\">&bdquo;Willy w&auml;hlen &rsquo;72&ldquo;<\/a> <\/p><p>&Uuml;brigens: Anders als Wolfgang Clement hatte Karl Schiller als Wirtschaftsminister sehr viel f&uuml;r das Land und auch f&uuml;r seine Partei geleistet. Es war so betrachtet mit ihm viel riskanter, ihn loszuwerden.<\/p><p><strong>Zum zweiten:<\/strong> Sowohl die Urteilsbegr&uuml;ndung als auch &ouml;ffentliche &Auml;u&szlig;erungen der Antragsteller in Bochumer Ortsverein zeugen nicht davon, dass hier &bdquo;unpolitische Parteijuristen&ldquo; am Werke waren. Ich verweise beispielhaft auf ein Gespr&auml;ch mit Klaus Amoneit, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bochum-Hamme, im Stern. Siehe Hinweis Nummer 2 von heute. Auch wenn dieses Urteil juristisch begr&uuml;ndet und in gewisser Weise zwangsl&auml;ufig war, muss es ja nicht gleichzeitig unpolitisch sein. Es ist sehr politisch. Schon allein die Tatsache, dass jetzt die gesamte Riege von M&uuml;ntefering &uuml;ber Gabriel bis zu Steinmeier, Eichel und Kahrs Unverst&auml;ndnis &auml;u&szlig;ern, k&ouml;nnte zumindest eine Debatte dar&uuml;ber entfachen, dass sich eine bestimmte Richtung in der SPD offenbar alles leisten kann, ohne mit Sanktionen rechnen zu m&uuml;ssen. Wolfgang Lieb hat recht mit seiner <\/p><blockquote><p>Analyse Die geballte Macht der orwellschen Gedankenpolizei wird mit martialischer Brutalit&auml;t &uuml;ber alle Kritiker an Clements politischem Handeln und dessen st&auml;ndigen Profilierungsversuchen gegen seine eigene Partei herfallen.\n<\/p><\/blockquote><p>Dass jetzt wieder einmal sichtbar wird, wie weitgehend gleichgerichtete Medien wir haben, die unf&auml;hig sind zu einer kritischen und selbstkritischen Betrachtung, ist nicht von vornherein negativ zu betrachten. Was soll schlimm daran sein, dass hier herausragend und brutal sichtbar wird, was ohnehin bereits Realit&auml;t ist. Dass die &bdquo;Gedankenpolizei&ldquo; auch ohne den Anlass eines Parteiausschlusses arbeitet, k&ouml;nnen wir doch permanent beobachten, zum Beispiel bei der Agitation gegen den Versuch Andrea Ypsilantis, nach der Hessen-Wahl eine linke Koalition zu schmieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Liebs Einsch&auml;tzung teile ich im wesentlichen &ndash; bis auf zwei Elemente. Man muss ja nicht immer einer Meinung sein: Erstens kann ich nicht sehen, wieso dieser Rauswurf &bdquo;verheerend&ldquo; sein soll f&uuml;r die SPD, verheerender als Clements weiteres Verbleiben in der SPD ist er jedenfalls nicht. 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