{"id":3377,"date":"2008-08-03T20:40:12","date_gmt":"2008-08-03T18:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3377"},"modified":"2015-11-15T16:09:20","modified_gmt":"2015-11-15T15:09:20","slug":"clement-ein-mann-sieht-rot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3377","title":{"rendered":"Clement: Ein Mann sieht rot"},"content":{"rendered":"<p>Es ist so gekommen, wie es zu erwarten war: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/article\/politik\/deutschland\/597002\/Beck-staerkt-Clement-den-Ruecken.html\">Parteichef Kurt Beck, SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier und&nbsp;Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck stellen sich hinter Clement<\/a>, nachdem dies schon der Fraktionsversitzende Struck, die Seeheimer und der gesamte rechte Fl&uuml;gel der SPD getan haben. Clement schafft es, die SPD vor sich her zu treiben, und fast alle Medien machen bei dieser Treibjagd munter mit. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nBemerkenswert ist dabei: Nicht ein einziger, der Clement zur Seite springt, hat auch nur ein Wort &uuml;ber die inhaltlichen Positionen, die der beiseitegeschobene ehemalige Superminister vertritt, verloren. Keiner hat &bdquo;zur&uuml;ckgefeuert&ldquo;, wie Clement das im <a href=\"http:\/\/www.tagesthemen.de\/multimedia\/video\/video356622_bcId-_ply-internal_res-flash256_vChoice-video356622.html\">Interview der Tagesthemen<\/a> gegen Personen getan h&auml;tte und tut, die eine andere Meinung als er vertreten. Die Parteif&uuml;hrung weicht der politischen Auseinandersetzung mit ihm aus, obwohl doch &ndash; selbst wenn man f&uuml;r einen weiteren Verbleib Clements in der SPD eintritt &ndash; gerade jetzt eine Chance dazu best&uuml;nde. <\/p><p>Kurt Beck h&auml;tte diese Chance zu einer Machtprobe ergreifen k&ouml;nnen, um sich selbst und die von ihm gef&uuml;hrte Partei publikumswirksam von den zahllosen Provokationen Clements abzugrenzen. Er h&auml;tte dessen politische Attacken gegen seinen Kurs und gegen die Mehrheitsentscheidungen der Partei parieren und zur&uuml;ckschlagen und damit f&uuml;r Klarheit seines Kurses sorgen k&ouml;nnen. Aber was macht der Parteivorsitzende? Er r&auml;t zur Besonnenheit und schwadroniert, &ldquo;dass in einer Gesamtbetrachtung sowohl pers&ouml;nliches Verhalten als auch die politische Lebensleistung in die Beurteilung einbezogen werden&rdquo; m&uuml;ssten. <\/p><p>Beck kann offenbar nicht mehr anders als abzuwiegeln, denn w&uuml;rde er gegen Clement Position beziehen, dann w&uuml;rden ihm &ndash; so, wie sie sich ge&auml;u&szlig;ert haben &ndash; mit ziemlicher Sicherheit seine beiden Stellvertreter Steinbr&uuml;ck und Steinmeier in den R&uuml;cken fallen. Damit l&auml;sst Beck zu, dass in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung die Positionen, die Clement nicht nur zur Energiepolitik, sondern etwa zuletzt auch zur Nominierung von Gesine Schwan als Kandidatin f&uuml;r die Wahl zur Bundespr&auml;sidentin, zur Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes f&uuml;r &Auml;ltere oder zu vielen anderen Fragen gegen die Mehrheitsmeinung in der SPD vertritt, f&uuml;r mit der Linie der Parteif&uuml;hrung vereinbar angesehen werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Damit lenkt er Wasser auf die M&uuml;hlen derjenigen, die von einem Linksrutsch der SPD schwadronieren und die ihr politisches S&uuml;ppchen mit Zitaten von Clement anheizen k&ouml;nnen, wie etwa seiner &Auml;u&szlig;erung im Tagesthemen-Interview, wonach die SPD im &bdquo;Prozess einer Ideologisierung ist, die <a href=\"http:\/\/www.tagesthemen.de\/multimedia\/video\/video356622_bcId-_ply-internal_res-flash256_vChoice-video356622.html\">zur&uuml;ckf&uuml;hrt hinter das Godesberger Programm&ldquo;<\/a>.<br>\nAllein an dieser &Auml;u&szlig;erung mag man erkennen, in welchen abstrusen Gedankengespinsten sich Clement verheddert hat.<br>\nAuch in der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/arti2275779\/Wolfgang_Clement_greift_SPD_und_Ypsilanti_an.html\">&bdquo;Welt&ldquo;<\/a> hat Clement Kanonenfutter f&uuml;r seine konservativen Claqueure geliefert: &bdquo;Im Moment hat der Fl&uuml;gel die Mehrheit, der zur Ideologisierung neigt, sowohl in der Energiepolitik wie in der Sozialpolitik. Wirtschaftspolitisch ist der Kurs der SPD fast versch&uuml;ttet&hellip;Der Versuch, die Agenda 2010 zur&uuml;ckzudrehen, ist grundfalsch&hellip;Es ist eindeutig, dass es hier um eine Rolle r&uuml;ckw&auml;rts in der Wirtschafts-, der Sozial und der Arbeitsmarktpolitik geht.&ldquo;.<br>\nDie Generalsekret&auml;re von CDU, CSU und FDP bekommen ihre Propagandaformeln frei Haus geliefert.<\/p><p>Wer solche &Auml;u&szlig;erungen &ndash; man m&uuml;sste eigentlich von Wahnvorstellungen sprechen &ndash; ohne energischen Widerspruch hinnimmt, gibt Clement die Chance, wie ein Polit-Django die gesamte SPD <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/arti2278593\/Wie_Wolfgang_Clement_die_SPD_vor_sich_her_treibt.html\">vor sich her zu treiben<\/a>. In dieser gr&ouml;&szlig;enwahnsinnigen Fantasie &ndash; als Retter der Menschheit gegen alle, die ihm nicht folgen &ndash; darf sich Clement sogar noch best&auml;tigt f&uuml;hlen, denn der gesamte Medien-Mainstream hat sich seiner Treibjagd begeistert angeschlossen. <\/p><p>Ich habe nicht alle der gut 2000 Beitr&auml;ge, die &bdquo;Google News&ldquo; derzeit anbietet, durchsehen k&ouml;nnen und wollen, aber nach ziemlich intensiver Suche habe ich bisher noch keinen einzigen Artikel gefunden, der die SPD nicht attackierte, der nicht f&uuml;r Clement Partei ergriffe. Ich habe nicht eine Stimme gefunden, die sich wenigstens in Ankl&auml;ngen in der Sache kritisch mit Clements Verhalten und seinen Attacken auf sozialdemokratische Positionen auseinandersetzte. <\/p><p>Die Berichterstattung um die (vorl&auml;ufige) Entscheidung eines &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; (!) Parteischiedsgerichtes, Clement aus der SPD auszuschlie&szlig;en, ist ein be&auml;ngstigendes Lehrst&uuml;ck daf&uuml;r, wie der allergr&ouml;&szlig;te Teil der Medien die Rolle eines kritischen und hinterfragenden Begleiters politischer Vorg&auml;nge freiwillig aufgegeben hat und wie nahe wir einer orwellschen Gleichschaltung von Sprache und Denken gekommen sind. Wohlgemerkt: George Orwells Parabel in seinem Buch &bdquo;1984&ldquo; sollte eine Metapher f&uuml;r einen totalit&auml;ren Staat sein. <strong>Was wir derzeit publizistisch erleben, ist eine &bdquo;sch&ouml;ne neue Medienwelt&ldquo;, die sich offenbar schon freiwillig an Orwells imagin&auml;re totalit&auml;re Herrschaftsform angepasst hat.<\/strong> <\/p><p>Ein Musterbeispiel unter vielen f&uuml;r den Verlust der Unabh&auml;ngigkeit journalistischer Berichterstatter liefert etwa der K&ouml;lner Stadt-Anzeiger. Man muss wissen, dass im <a href=\"http:\/\/www.dumont.de\/dumont\/de\/100799\/unternehmen\/daten\">Aufsichtsrat<\/a> des diese Zeitung herausgebenden Verlags des Herrn Neven DuMont Wolfgang Clement sitzt. Nicht nur dass dieses Blatt seit der Entscheidung der Schiedskommission jeden Tag mit Clement auf Seite 1 aufmacht, man hat auch keine Scheu, dem Vorstandsmitglied des Verlages eine ganzseitige Interviewplattform zu geben. Was aber das journalistische Trauerspiel noch komplettiert ist, dass sich der (vor seinem Vorstand rechenschaftspflichtige) Chefredakteur dieser Zeitung auch noch in einem Leitkommentar unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1217410424139.shtml\">&bdquo;Die Ypsilanti-SPD verst&ouml;&szlig;t Clement&ldquo;<\/a> als Clements Sprachrohr hergibt. Mehr Preisgabe von journalistischer Unabh&auml;ngigkeit und Professionalit&auml;t geht kaum noch. <\/p><p>Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommen kann: Clement kann sagen und denken was er will. Darum geht es gar nicht. Was man aber von einer politischen Parteif&uuml;hrung erwarten kann, das ist zumindest, dass sie sich nicht bedingungslos hinter ihn stellt, ohne wenigstens eine politische Auseinandersetzung mit dessen Vorstellungen zu suchen. Wer Clement ohne Distanzierung gegen dessen politische &Auml;u&szlig;erungen verteidigt, schafft den Anschein und setzt sich dem Verdacht aus, dass er insgeheim mit solchen Positionen lieb&auml;ugelt &ndash; zumindest aber hinterl&auml;sst er in der &Ouml;ffentlichkeit den Eindruck, als wolle oder k&ouml;nne er diesen Positionen sachlich nichts entgegensetzen. Damit tr&auml;gt er dazu bei, das Bild der SPD in der &Ouml;ffentlichkeit noch diffuser und desastr&ouml;ser erscheinen zu lassen, als es ohnehin schon ist.<\/p><p>Clement wirft sich jetzt in die Pose des Marquis Posa und fordert f&uuml;r sich Gedankenfreiheit: &bdquo;Ich h&auml;tte nie f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, dass das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung in der Partei Willy <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1217410424736.shtml\">Brandts so gering gesch&auml;tzt wird.<\/a>&ldquo; <\/p><p>Diese Pose ist besonders absurd bei einem Politiker, der &uuml;ber Jahre hinweg daf&uuml;r ber&uuml;chtigt ist, dass er keine andere Meinung gelten lie&szlig; als seine eigene &ndash; und wenn er auch seine Meinung beliebig wechselte (man betrachte dazu nur einmal sein Auftreten in <a href=\"http:\/\/ocs.zgk.de\/mdsocs\/mod_movies_archiv\/kategorie\/Streit_im_Turm\/ocs_ausgabe\/ksta\">&bdquo;Streit im Turm&ldquo;<\/a>). Das Reklamieren von Meinungsfreiheit aus dem Munde dieses SPD-Politikers und fr&uuml;heren Funktionstr&auml;gers seiner Partei, der in seinen &Auml;mtern unbeanstandet keine Gelegenheit ausgelassen hat, sich von seiner Partei abzusetzen, um sich damit pers&ouml;nlich zu profilieren und um den Beifall der konservativen Medien einzuheimsen, ist geradezu zynisch (siehe dazu nochmals: <a href=\"?p=2906\">&bdquo;Clement hat schon immer gegen die SPD gearbeitet, es hat nur keiner wahrhaben wollen&ldquo;<\/a>). <\/p><p>Clement hat seine Partei w&auml;hrend seiner gesamten Karriere in Staats&auml;mtern als l&auml;stiges &Uuml;bel angesehen und behandelt, er hat sich nie die geringste M&uuml;he gegeben, gegen&uuml;ber den SPD-Mitgliedern f&uuml;r seine Meinungen zu werben, er hat die SPD vor allem &uuml;ber sein v&ouml;llig unkalkulierbares Handeln in Regierungs&auml;mtern und &uuml;ber seine notorische Medienpr&auml;senz gezwungen, ihm zu folgen oder zumindest z&auml;hneknirschend Solidarit&auml;t zu &uuml;ben. <\/p><p>Clement hat sich eine permanente mediale Pr&auml;senz und &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit gesichert, indem er st&auml;ndig Attacken ritt, die erkennbar gegen die Meinungsbildung innerhalb der SPD gerichtet waren. Er hat auf die banale mediale Gesetzm&auml;&szlig;igkeit gesetzt, dass wenn Hunderte von der CDU oder FDP die SPD kritisieren, das keine Nachricht wert ist, dass aber Kritik an der eigenen Partei Schlagzeilen f&uuml;r ihn bringt.<br>\n<strong>Unter dem Schutzschild der Meinungsfreiheit hat Clement jahrelang die Rolle eines Kronzeugen f&uuml;r die konservativen Ideologen gegen die Sozialdemokratie gespielt.<\/strong> Dazu ein treffendes Zitat aus der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,569334,00.html\">Entscheidung der NRW-Landesschiedskommission<\/a>: &ldquo;Auf den Einwand, als Kronzeuge benutzt zu werden: das sei ihm v&ouml;llig egal; es gebe aus seiner Sicht keinen besseren und wichtigeren Zeitpunkt, als sich vor Wahlen zu &auml;u&szlig;ern.&ldquo;<\/p><p>Dass die Berufung auf das &bdquo;Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung&ldquo; gegen&uuml;ber der Entscheidung des NRW-Schiedsgerichts nur ein raffiniertes Ablenkungsman&ouml;ver darstellt, ergibt sich schon daraus, dass Clement in seinem &bdquo;Hausblatt&ldquo;, dem K&ouml;lner Stadt-Anzeiger, unverhohlen einr&auml;umt: &bdquo;Das Urteil kenne ich nicht, nur die Nachricht.&ldquo;<\/p><p>Es ging in dem Schiedsverfahren keineswegs darum, Clements Meinungsfreiheit zu beschneiden; ausdr&uuml;cklich hei&szlig;t es in der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,569334,00.html\">Begr&uuml;ndung<\/a>: &bdquo;&hellip; vor diesem Hintergrund k&ouml;nnte es die Partei hinnehmen, dass er nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik auf verschiedenen Politikfeldern von der Parteilinie abweichende Positionen auch hartn&auml;ckig vertritt. Nicht hinnehmen kann die Partei aber die hier zu beurteilende gezielte Sch&auml;digung und den schweren Versto&szlig; gegen die f&uuml;r die Mitglieder als zentraler Wert geltende innerparteiliche Solidarit&auml;t.&rdquo;<br>\nUnd als Versto&szlig; gegen diese Solidarit&auml;t hat das Schiedsgericht ausschlie&szlig;lich angesehen, &bdquo;dass sich der Antragsgegner (Clement) &ndash; &uuml;ber zul&auml;ssige solidarische Kritik hinaus &ndash; von &ouml;ffentlichen parteisch&auml;digenden Angriffen auf die W&auml;hlbarkeit der Partei und ihrer Kandidaten nicht abhalten l&auml;sst, wenn er es aus f&uuml;r sich selbst definierten Gr&uuml;nden f&uuml;r angebracht h&auml;lt.&rdquo;<\/p><p>Die SPD hat Clements solit&auml;re Alleing&auml;nge seit Jahren hingenommen &ndash; dazu kann ich auf die sporadische Aufz&auml;hlung in meinem schon genannten Beitrag &bdquo;Clement hat schon immer gegen die SPD gearbeitet&ldquo; hinweisen &ndash; und h&auml;tte er sich tats&auml;chlich nur mit der Energiepolitik im Wahlprogramm der hessischen SPD auseinandergesetzt, dann w&auml;re es vermutlich nie zu diesem Ausschlussverfahren gekommen. Worauf die Schiedskommission ausschlie&szlig;lich abstellte, das war etwa die &Auml;u&szlig;erung von Clement in einem Interview mit Frank Plasberg in der Sendung <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/politik\/personen\/clement_wolfgang\/080123.jhtml?rubrikenstyle=politik\">&bdquo;hart aber fair&ldquo;<\/a> mitten im hessischen Wahlkampf gegen die dortige Spitzenkandidatin der SPD Andrea Ypsilanti: &bdquo;Zu deutsch gesagt, ich w&uuml;rde sie nicht w&auml;hlen.&ldquo; Plasberg nannte dies zu Recht einen &bdquo;Dolchsto&szlig;&ldquo;. Die SPD hat das Ziel, st&auml;rkste Partei in Hessen zu werden, gerade um 3.511 Stimmen verfehlt. Dass Clements Kampagne gegen Ypsilanti dazu beigetragen hat, Roland Koch im Amt des Ministerpr&auml;sidenten zu halten, w&uuml;rde er wohl selbst kaum bestreiten, denn er bek&auml;mpft ja die hessische Spitzenkandidatin nicht ohne politische Absicht. <\/p><p>Clement f&uuml;hrt jetzt die Medien an der Nase herum, indem er so tut, als sei es ihm allein um die Sachfrage Energiepolitik gegangen. Man mag das SPD-Wahlprogramm <a href=\"http:\/\/www.spd-hessen.de\/db\/docs\/doc_16621_2007117151725.pdf\">&bdquo;F&uuml;r ein atomfreies Hessen&ldquo; [PDF &ndash; 3.1 MB]<\/a> f&uuml;r unrealistisch halten, und man mag die zeitlichen Zielvorgaben f&uuml;r eine alternative Energieversorgung f&uuml;r unerreichbar halten (das tue ich im &uuml;brigen auch), aber das war nicht der Kern clementscher Kritik &ndash; und das verschweigt er geflissentlich -, nein, Clement vertritt voll und ganz die Linie der Energiemonopole, die auf Atomenergie und Kohlekraftwerke setzen. <\/p><p>Man greift zu kurz, wenn man Clement bei seinen energiepolitischen Einlassungen wegen seines Aufsichtsratsmandats bei &bdquo;RWE Power&ldquo; nur als Lobbyist abtut. Es ist umgekehrt, Clement war schon immer ein K&auml;mpfer f&uuml;r die Kohleverstromung und f&uuml;r die Interessen des Oligopolisten RWE, und daher war es nur konsequent, dass er nach seinem Abgang als Minister in den Aufsichtsrat der RWE-Tochter auch mit Zustimmung der Arbeitnehmervertreter gew&auml;hlt wurde. Dass die Arbeitnehmervertreter bei RWE die Interessen der Kumpel vertreten, versteht sich aus deren Sorge um ihre Arbeitspl&auml;tze.<\/p><p>Wenn Clement als Aufsichtsrat f&uuml;r die RWE-Stromtochter oder f&uuml;r den Dienstleistungskonzern Dussmann (der besonders viele Niedrigl&ouml;hner besch&auml;ftigt) fungiert, oder wenn er den &bdquo;Chairman&ldquo; f&uuml;r den weltgr&ouml;&szlig;ten Leiharbeitskonzern Adecco abgibt, dann ist Clement &ndash; ganz einfach gesagt &ndash; ein Fundamentalist einer r&uuml;ckw&auml;rtsgewandten Energiepolitik, die auf Atom und Kohle setzt, und er ist ein vor die T&uuml;r gesetzter, blindw&uuml;tig um sich bei&szlig;ender Verteidiger der von ihm exekutierten Arbeitsmarktpolitik. Diese Hartz-Politik setzte n&auml;mlich vor allem auf die fixe Idee, dass wenn nur gen&uuml;gend Druck auf die Arbeitnehmer ausge&uuml;bt wird, die L&ouml;hne tief genug gedr&uuml;ckt werden und die Arbeitsverh&auml;ltnisse flexibel genug sind, die Arbeitslosigkeit gesenkt werden kann.<\/p><p>Diejenigen Unternehmen, die Clement nach seinem Ausscheiden f&uuml;r sich einsetzen, wissen sehr genau, dass sie in ihm einen im Wortsinne &bdquo;skrupellosen Bei&szlig;er&ldquo; f&uuml;r ihre Interessen einspannen. Insofern ist Clement nicht k&auml;uflich, er war schon immer zu haben.<\/p><p>Clement hat v&ouml;llig Recht, wenn er jetzt in der Diskussion um seinen Ausschluss aus der Partei sagt: &bdquo;Es geht in Wahrheit um den Kurs der SPD&ldquo; und wenn er hinzuf&uuml;gt: <a href=\"http:\/\/www.tagesthemen.de\/multimedia\/video\/video356622_bcId-_ply-internal_res-flash256_vChoice-video356622.html\">&bdquo;Hier muss Klarheit herein.&ldquo;<\/a><\/p><p>So wie die SPD-F&uuml;hrung auf Clement reagiert und wie sich die gesamte Partei von jemand in Schach halten l&auml;sst, dessen Verhalten man nur noch mit einem politischen Amokl&auml;ufer in eigener Sache vergleichen kann, schafft er es auch, die SPD auf seinen Kurs zu zwingen. Dar&uuml;ber m&uuml;sste sich jeder in der SPD im Klaren sein. <\/p><p>Wenn sich niemand in der SPD mehr findet, der Clements epigonale Rolle aus dem Film &bdquo;Ein Mann sieht rot&ldquo; abbricht, dann sollte f&uuml;r jeden &bdquo;Klarheit&ldquo; geschaffen sein: Dann sollte man Clement am besten gleich zum Parteivorsitzenden und zum Kanzlerkandidaten machen.<\/p><p>Dann h&auml;tten wenigstens die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler in einem Jahr Klarheit und k&ouml;nnten auch f&uuml;r die SPD &bdquo;Klarheit herein&ldquo; bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist so gekommen, wie es zu erwarten war: <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/public\/article\/politik\/deutschland\/597002\/Beck-staerkt-Clement-den-Ruecken.html\">Parteichef Kurt Beck, SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier und&nbsp;Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck stellen sich hinter Clement<\/a>, nachdem dies schon der Fraktionsversitzende Struck, die Seeheimer und der gesamte rechte Fl&uuml;gel der SPD getan haben. Clement schafft es, die SPD vor sich her zu treiben, und fast alle Medien machen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3377\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,191,11],"tags":[1011,661,452,587,253,252],"class_list":["post-3377","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","tag-beck-kurt","tag-clement-wolfgang","tag-linksrutsch","tag-schwan-gesine","tag-steinbrueck-peer","tag-steinmeier-frank-walter"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3377"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3377\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28737,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3377\/revisions\/28737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}