{"id":3385,"date":"2008-08-07T10:08:05","date_gmt":"2008-08-07T08:08:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3385"},"modified":"2015-11-15T15:56:46","modified_gmt":"2015-11-15T14:56:46","slug":"3385","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3385","title":{"rendered":"Nachtrag zu\u201eObamania\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zum <a href=\"?p=3379\">Beitrag vom 4.8<\/a> schickt die NDS-Leserin Daniala Hoeffler eine interessante Erg&auml;nzung. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Mit Interesse habe ich das Interview mit Herrn Thomas Kliche &uuml;ber die &bdquo;Obamania&ldquo; in Deutschland gelesen. Darin wird der Sorge Ausdruck verliehen, dass die deutschen Obama Fans sich &bdquo;einen starken F&uuml;hrer&ldquo; w&uuml;nschen, und dies in Anlehnung an die Situation in den 30er Jahren gebracht. Dazu habe ich folgende Ansichten.<br>\nZum ersten einmal m&ouml;chte ich die Tatsache gar nicht leugnen, dass viele Menschen ihre eigene politische Verantwortung und die Verantwortung f&uuml;r ihr Denken nur allzu gerne an jemanden abgeben, der f&uuml;hrungsf&auml;hig erscheint. Das ist nicht nur in Deutschland so, und auch nicht nur zum Zeitpunkt des Faschismus. Nicht umsonst rief Kant schon w&auml;hrend der Aufkl&auml;rung dazu auf, den eigenen Verstand und die eigene F&auml;higkeit zur Verantwortung zu gebrauchen &ndash; und wurde schon damals von den wenigsten seiner Zeitgenossen geh&ouml;rt. <\/p><p>Ein solches &bdquo;Abgeben&ldquo; der eigenen Verantwortung ist zutiefst menschlich, meiner Ansicht nach. Verantwortung zu tragen ist, wie Sie selbst am eigenen Leibe t&auml;glich erfahren, sehr schwer und auch schmerzhaft.<\/p><p>Die Ersten in diesem sch&ouml;nen Lande, die sich dieses Bed&uuml;rfnis nach F&uuml;hrung zu Eigen machen (wollen), sind diejenigen, die sich &bdquo;Elite&ldquo; nennen. Allein aus dem Begriff leitet sich ein Anspruch auf F&uuml;hrung ab, auch von Solchen, die dazu nicht demokratisch gew&auml;hlt wurden. Mit diesem Wort bieten sie sich den (scheinbar) &bdquo;Bed&uuml;rftigen&ldquo; als F&uuml;hrer an. Nicht nur mit dem Wort, sondern auch in ihren Taten und &Auml;u&szlig;erungen (von denen ich t&auml;glich auch auf den NachDenkseiten lese), ja, sie bieten sich nicht nur an, sondern sehen sich bereits als F&uuml;hrer, die, wie es viele F&uuml;hrer nun einmal tun, in erster Linie an die eigenen Bed&uuml;rfnisse denken. <\/p><p>Mich l&auml;sst eher die Wortwahl der Politiker und Reichen dieses Landes an das Dritte Reich denken, als die Obamania &ndash; schlie&szlig;lich bezeichnete sich auch die politische F&uuml;hrung damals und nat&uuml;rlich die SS als &bdquo;Elite&ldquo; , ebenso erinnert mich die Tatsache, dass von dieser Elite wie im Dritten Reich ein Feindbild geschaffen und die Aggressionen des Volkes auf eine bestimmte Bev&ouml;lkerungsgruppe gelenkt wird, an die Politik von damals. Waren es in den 30er und 40er Jahren die Juden, die das Volk angeblich bluten lie&szlig;en, so sind es heute die &bdquo;Sozialschmarotzer&ldquo;, seit neuestem die Rentner  und nat&uuml;rlich die Migranten. Die Aktionen der Elite lassen nicht auf sich warten. Arme werden in diesem Land versklavt (ein Euro Jobs) und entrechtet (Reform der Rechtsbeihilfe), und zwar ohne dass die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung etwas dagegen unternimmt, oder auch nur unternehmen kann. Wo das enden wird, wei&szlig; der Himmel. Ich frage mich nur, ob die Wahl des Wortes &bdquo;Elite&ldquo; zuf&auml;llig geschah.<\/p><p>Zu Obama: auch derjenige, der sich nicht ausf&uuml;hrlich mit dem Wahlprogramm des US Senators vertraut gemacht hat, kennt seinen Wahlslogan: &bdquo;Yes, we can!&ldquo;, dieser Slogan wurde auch von Deutschen w&auml;hrend seiner Rede skandiert, man kann also davon ausgehen, das er bekannt war, und verstanden wurde. Es hei&szlig;t nicht: &bdquo;I can&ldquo; sondern &bdquo;We can&ldquo;, nicht also &bdquo;ich kann!&ldquo; sondern &bdquo;Wir k&ouml;nnen!&ldquo;. In Amerika f&uuml;hlen sich die Anh&auml;nger Obamas auch als &bdquo;T&auml;ter&ldquo; und Verantwortliche, nicht als Herde, die einem Sch&auml;fer folgt. Michael Moore, der Filmemacher, hat seine Gedanken und Gef&uuml;hle in einem Satz formuliert, der auch genau meine Meinung widerspiegelt: &bdquo;I do not believe in Obama The Man, I believe in Obama The Movement!&ldquo; &uuml;bersetzt etwa: &ldquo;Ich glaube nicht an Obama den Mann, aber an Obama die Bewegung!&ldquo;. Obama hat vielen Menschen in Amerika Hoffnung gemacht, dass politisches Engagement sich lohnt, dass es sich lohnt, zu tun, und dass dadurch etwas bewegt wird. Obama war lange Aktivist f&uuml;r W&auml;hlerrechte, seine Kampagne wird zum Teil durch Spenden finanziert, die direkt von der Bev&ouml;lkerung kommen, und nun ist er, der aus der Grassroots Bewegung stammt, Pr&auml;sidentschaftskandidat<\/p><p>Warum sollte die Botschaft &bdquo;Wir k&ouml;nnen!&ldquo; nicht auch in Deutschland gerne geh&ouml;rt werden?<\/p><p>Wenn wir uns den Status dieses Landes und seiner Politik ansehen, die Tatsache, dass es au&szlig;er der Linken keine w&auml;hlbare Opposition gibt, keine Alternative, und die meisten alternativen Gruppierungen den Desastern, die t&auml;glich von der politischen F&uuml;hrung produziert werden, jammernd und diskutierend zusehen (ich wei&szlig; das, ich bin seit Jahren Attac Mitglied). Hoffnungslosigkeit ist das Gef&uuml;hl, dass sich durch dieses Land zieht, das Gef&uuml;hl, hilflos mit ansehen zu m&uuml;ssen, wie alles zerst&ouml;rt wird, wie immer mehr Menschen in bittere Armut gesto&szlig;en werden, geplant und gewollt, Entscheidungen durchgesetzt werden, die von der Mehrheit abgelehnt werden und der Mehrheit schaden, ohne das man, wie Karl Popper es formulierte &bdquo;die Regierung (durch Abwahl) abstrafen zu k&ouml;nnen&ldquo;, weil die Ersatzregierung genau das gleiche Programm unter anderen &Uuml;berschriften weiterf&uuml;hrt. Hoffnungslosigkeit, wie sie mich auch t&auml;glich &uuml;berf&auml;llt, wenn ich die NachDenkseiten lese. (So interessant und informativ diese auch sind) &bdquo;Wir k&ouml;nnen!&ldquo; klingt nach Hoffung, nach Engagement, nach Ver&auml;nderung, und dieser Wunsch nach Ver&auml;nderung, nach Abkehr von der herrschenden Ideologie, ist nicht nur den Amerikanern zu Eigen. Es muss sich etwas &auml;ndern. Und &bdquo;Wir&ldquo; m&uuml;ssen das bewirken. <\/p><p>Wer soll diese Energien, diesen Wunsch nach Handeln, nach Ver&auml;nderung kanalisieren? Die SPD? Obama ist ein Symbol, eher als ein Mythos. Und ein solches Symbol, ob als Person oder Organisation ist ein starkes Mittel, Energien zu b&uuml;ndeln und zu leiten. Gerade findet in Amerika eine der gr&ouml;&szlig;ten politischen Aktionen einer politischen Partei seit seiner Entstehung statt. Tausende von Freiwilligen helfen Menschen, sich f&uuml;r die Wahl zu registrieren, damit auch ihre Stimme endlich geh&ouml;rt wird. Ziel der Sache: <\/p><p>&ldquo;The voter registration effort is part of a broader strategy to not just elect Obama, but also to alter the political landscape by shifting power from Washington to the grassroots, the officials say, to cultivate a base for significant political reforms.&rdquo; Also: &bdquo;Die W&auml;hlerregistrierung ist Teil einer weiten Strategie, nicht nur um Obama zu w&auml;hlen, sondern auch die politische Landschaft so zu ver&auml;ndern, dass Macht von Washington auf die &bdquo;Graswurzeln&ldquo;, also die Basis zu verschieben, um eine Basis f&uuml;r signifikante politische Reformen zu schaffen.&ldquo; Ist das jetzt Populismus oder der Versuch, Menschen dazu zu bringen, selbst etwas zu bewegen? Nachzulesen unter: <a href=\"http:\/\/www.alternet.org\/election08\/93718\/\">&ldquo;Can Obama Turn the Democratic Party Upside Down with the Biggest Voter Mobilization Drive in History?&rdquo;<\/a> Auf Alternet kann man sich auch &uuml;ber das f&uuml;r und wieder der Obama Kampagne, seines Wahlprogramms und seiner Kandidatur informieren &ndash; und nicht nur dar&uuml;ber.<\/p><p>Ansonsten auch von mir gro&szlig;es Lob f&uuml;r Ihre Arbeit und Ihr Engagement. Ich lese die NachDenkSeiten t&auml;glich, und empfehle sie auch weiter. Sie haben mich auch dazu gebracht, mich wieder politisch zu engagieren. Obama hat ein Qu&auml;ntchen Hoffnung hinzugef&uuml;gt. I can!<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nD. Hoeffler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum <a href=\"?p=3379\">Beitrag vom 4.8<\/a> schickt die NDS-Leserin Daniala Hoeffler eine interessante Erg&auml;nzung. 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