{"id":33851,"date":"2016-06-17T10:14:40","date_gmt":"2016-06-17T08:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33851"},"modified":"2019-01-04T12:26:03","modified_gmt":"2019-01-04T11:26:03","slug":"rezension-norbert-haering-die-abschaffung-des-bargelds-und-die-folgen-der-weg-in-die-totale-kontrolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33851","title":{"rendered":"Rezension: Norbert H\u00e4ring \u201eDie Abschaffung des Bargelds und die Folgen \u2013 Der Weg in die totale Kontrolle\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160617_haeringbuch.jpg\" alt=\"Norbert H&auml;ring - Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen &ndash; Der Weg in die totale Kontrolle\" title=\"Norbert H&auml;ring - Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen &ndash; Der Weg in die totale Kontrolle\"><\/div><p>Der Journalist Norbert H&auml;ring hat schon so manchen Coup gelandet. Auf seinem Blog &bdquo;Geld und mehr&ldquo; nahm er im Herbst 2014 das damals gerade erschienene <a href=\"http:\/\/norberthaering.de\/de\/27-german\/news\/173-wie-die-fuenf-wirtschaftsweisen-tricksen-und-manipulieren-eine-detailansicht-teil-1\">Sachverst&auml;ndigenratsgutachten<\/a> quasi im Alleingang auseinander, sogar die ZDF-Satiresendung &bdquo;Die Anstalt&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rKRbaBbn3dk\">griff seine Kritik auf<\/a>. Einer gr&ouml;&szlig;eren &Ouml;ffentlichkeit wurde H&auml;ring Anfang 2015 bekannt, als er die &Uuml;berweisung seines Rundfunkbeitrags einstellte und auf Barzahlung desselben pochte. Seither liefert er sich einen Rechtsstreit mit dem Hessischen Rundfunk. Die Zeitschrift &bdquo;Stern&ldquo; bezeichnete ihn danach als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.stern.de\/wirtschaft\/rundfunkbeitrag-in-bar--gez-rebell-schlaegt-wieder-zu-6654714.html\">GEZ-Rebell<\/a>&ldquo;, auch die &bdquo;Bild&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/finanzstrategie-sparen\/kippt-ein-bargeld-trick-die-rundfunkgebuehr-41253298.bild.html\">berichtete<\/a>. Von <strong>Thomas Trares<\/strong> [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\nDar&uuml;ber hinaus setzt sich H&auml;ring f&uuml;r den Erhalt des Bargelds ein. Um herauszufinden, wie weit dieses schon zur&uuml;ckgedr&auml;ngt ist, versuchte er im Oktober 2015 bei einer Gro&szlig;bank in Frankfurt 15.000 Euro abzuheben. H&auml;ring macht all dies freilich nicht ohne Grund, denn er will aufkl&auml;ren und aufr&uuml;tteln. Er will, dass &bdquo;die Parlamentarier ihre Pflicht tun und sich endlich gesetzgeberisch mit dem Geldsystem befassen&ldquo;, wie er sagt. Nun ist H&auml;rings neues Buch erschienen. &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.luebbe.de\/quadriga\/buecher\/politik-und-gesellschaft\/die-abschaffung-des-bargelds-und-die-folgen\/id_5635561\">Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen &ndash; Der Weg in die totale Kontrolle<\/a>&ldquo;, hei&szlig;t es. Dessen Kernaussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p><p>Die Aktivit&auml;ten mit dem Ziel, das Bargeld abzuschaffen, nehmen in j&uuml;ngster Zeit auff&auml;llig zu. Anfang des Jahres sprach Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&auml;uble von einer Obergrenze  f&uuml;r Barzahlungen von 5 000 Euro, die Europ&auml;ische Zentralbank (EZB) will den 500-Euro-Schein abschaffen und beim Weltwirtschaftsforum in Davos erkl&auml;rte der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, dass das Bargeld ineffizient sei und in zehn Jahren nicht mehr existieren werde. Die Abschaffung des Bargelds soll den Kampf gegen Terrorismus, Geldw&auml;sche und organisierte Kriminalit&auml;t erleichtern, hei&szlig;t es. H&auml;ring geht dagegen davon aus, dass die treibende Kraft dahinter die Finanzbranche ist und nicht die Strafverfolgungsbeh&ouml;rden.<\/p><p>Die Beweggr&uuml;nde liegen auf der Hand: In Zeiten von Nullzinsen, milliardenschweren Anleihekaufprogrammen und hohen Staatsschulden sind die Handlungsspielr&auml;ume in der n&auml;chsten Finanzkrise begrenzt. Mit der Abschaffung des Bargelds lie&szlig;en sich negative Zinsen auf Sparguthaben besser durchsetzen. Das ist gut f&uuml;r die Banken wie auch f&uuml;r die EZB. Auch einen Bank Run kann es ohne Bargeld nicht mehr geben. &bdquo;Die n&auml;chste Krise kommt bestimmt. Deswegen ist es wichtig, das Bargeld vorher zur&uuml;ckzudr&auml;ngen&ldquo;, schreibt H&auml;ring. Die Nachteile dagegen h&auml;tte der B&uuml;rger. Sein Geld w&auml;re bei den Banken eingesperrt, die Ersparnisse in der n&auml;chsten Finanzkrise im Zweifel &bdquo;futsch&ldquo;. H&auml;ring warnt zudem vor der &bdquo;totalen Kontrolle&ldquo; durch Staat und Unternehmen, sollte k&uuml;nftig nur noch mit Karte oder Handy gezahlt werden.<\/p><p>Hinter der Anti-Bargeld-Kampagne stecken verschiedene K&ouml;pfe der internationalen Finanzszene, allen voran der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers, der US-&Ouml;konom Kenneth Rogoff und EZB-Pr&auml;sident Mario Draghi. H&auml;ring nennt sie die &bdquo;Anti-Bargeld-Krieger&ldquo;. Diese kennen sich aus verschiedenen internationalen Netzwerken, etwa der Group of Thirty, der Harvard-University oder von Bilderberg-Konferenzen. Auch die US-Banken JP Morgan Chase und Goldman Sachs haben ihre Finger mit im Spiel.<\/p><p>Diese &bdquo;Anti-Bargeld-Krieger&ldquo; treiben die Abschaffung des Bargelds auf internationaler Ebene voran. Deutschland ist diesbez&uuml;glich nur ein Nachz&uuml;gler, in vielen anderen L&auml;ndern sind Bargeldobergrenzen bereits eingef&uuml;hrt, darunter Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal und Spanien. In Europa ist der &bdquo;Kampf gegen das Bargeld&ldquo; in Schweden am weitesten fortgeschritten, wo viele Banken kein Bargeld mehr akzeptieren und das ABBA-Museum ein Vorreiter bei der Bargeldabschaffung war. Auch in manchen Staaten Afrikas ist das Bezahlen mit Scheinen und M&uuml;nzen kaum mehr m&ouml;glich.<\/p><p>In den Medien ist das Thema Bargeld in den vergangenen Monaten durchaus auf Resonanz gesto&szlig;en. Auch die &bdquo;Nachdenkseiten&ldquo; berichteten, z.B. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=32030\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33337\">hier<\/a>. Zudem gab es in Frankfurt eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JnpHz-5y6xU\">Pro-Bargeld-Demo<\/a>, und nicht zuletzt kam zuletzt auch der &Ouml;konom Max Otte mit dem B&uuml;chlein &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ullsteinbuchverlage.de\/nc\/buch\/details\/rettet-unser-bargeld-9783843713504.html\">Rettet unser Bargeld<\/a>&ldquo; auf den Markt. Insofern d&uuml;rfte die Bargeld-Problematik schon manchem Leser bekannt sein.<\/p><p>Vor diesem Hintergrund ist H&auml;rings Buch all jenen zu empfehlen, die sich tiefer mit den Themen Geld, Geldsch&ouml;pfung und Bankenmacht besch&auml;ftigen wollen. Denn H&auml;ring leuchtet auch all jene Bereiche aus, die sich hinter der Bargeld-Problematik verbergen. Ja, man k&ouml;nnte auch sagen, H&auml;ring kn&uuml;pft mit seinem Buch dort an, wo jenes dem US-Automobilunternehmer Henry Ford zugeschriebene und inzwischen ber&uuml;hmt gewordene Zitat endet: &bdquo;Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. W&uuml;rden sie es n&auml;mlich, h&auml;tten wir noch vor morgen fr&uuml;h eine Revolution.&ldquo;<\/p><p>Die heutige Geldordnung ist historisch gewachsen und nur &bdquo;unvollst&auml;ndig, missverst&auml;ndlich, mehrdeutig und widerspr&uuml;chlich geregelt&ldquo;. Zudem ist sie ma&szlig;geblich von den Banken gepr&auml;gt, die obendrein auch noch einen enormen Geldsch&ouml;pfungsgewinn einstreichen. Im Euroraum k&ouml;nnte dieser sich im dreistelligen Milliardenbereich bewegen. Der Geldsch&ouml;pfungsgewinn resultiert daraus, dass die Banken das Geld, das sie verleihen, selbst schaffen und nichts daf&uuml;r zahlen m&uuml;ssen. Wie der Prozess der Geldsch&ouml;pfung tats&auml;chlich funktioniert, ist in der &Ouml;ffentlichkeit aber kaum jemandem bekannt. Und das ist auch so gewollt, glaubt H&auml;ring. &bdquo;Die Menschen sollen m&ouml;glichst nicht verstehen, wie die Banken Geld einfach aus dem Nichts schaffen und dennoch hohe Zinsen daf&uuml;r nehmen.&ldquo; In solch einem System profitieren die Banken freilich auch von der Abschaffung des Bargelds. Denn die Pflicht dieses vorhalten zu m&uuml;ssen, schm&auml;lert ihren Geldsch&ouml;pfungsgewinn.<\/p><p>Auff&auml;llig ist zudem, dass sich die Notenbanken bestenfalls nur halbherzig f&uuml;r den Erhalt des Bargelds einsetzen, obwohl es doch das Geld ist, das sie selbst herausgeben. H&auml;ring sieht hier eine &bdquo;Mitt&auml;terschaft der W&auml;hrungsh&uuml;ter&ldquo;, die sich vor allem historisch erkl&auml;ren l&auml;sst. Denn die Notenbanken waren fr&uuml;her oft private Institute und sind es zum Teil heute noch. Zudem gibt es einen regen Personalaustausch zwischen Noten- und Gesch&auml;ftsbanken. EZB-Chef Draghi, der Chef der Bank von England, Mark Carney, sowie der Chef der Federal Reserve von New York, Bill Dudley; sie alle waren fr&uuml;her Bankmanager. &bdquo;Notenbanker &ndash; obwohl sie formal ein (unabh&auml;ngiger) Teil der Regierung sind &ndash; verstehen sich seit jeher als Teil der Bankenbranche und als Bewahrer von deren Interessen&ldquo;, schreibt H&auml;ring.<\/p><p>Und nicht zuletzt sieht H&auml;ring auch Parallelen zwischen der Beseitigung des Goldstandards Anfang der siebziger Jahre und den Aktivit&auml;ten zur Abschaffung des Bargelds heute. Denn Gold und Bargeld haben aus Sicht der Banken zwei Dinge gemeinsam: Sie sind sowohl Konkurrenten des von den Banken geschaffenen Buchgeldes als auch gut sichtbare Krisenindikatoren. Deswegen ist es f&uuml;r die Finanzbranche sinnvoll, die Attraktivit&auml;t des Goldes zu besch&auml;digen und das Bargeld zur&uuml;ckzudr&auml;ngen.<\/p><p>H&auml;ring mag mit seinem Buch zwar einen schier aussichtslosen Kampf gegen eine &uuml;berm&auml;chtig erscheinende Finanzbranche f&uuml;hren. M&ouml;glicherweise kann er aber inzwischen doch einen kleinen Anfangserfolg f&uuml;r sich verbuchen. Denn am 31. Mai war in der &bdquo;B&ouml;rsen-Zeitung&ldquo; folgende &Uuml;berschrift zu lesen: &bdquo;Die Notgroschen der Eurob&uuml;rger &ndash; Bargeld gewinnt an Bedeutung, aus Sorge um seinen Bestand und als Reaktion auf die EZB-Geldpolitik&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Thomas Trares<\/strong> ist Diplom-Volkswirt. Studiert hat er an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz. Danach war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur vwd. Seit &uuml;ber zehn Jahren arbeitet er als freier Wirtschaftsjournalist in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160617_haeringbuch.jpg\" alt=\"Norbert H&auml;ring - Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen &ndash; Der Weg in die totale Kontrolle\" title=\"Norbert H&auml;ring - Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen &ndash; Der Weg in die totale Kontrolle\"\/><\/div>\n<p>Der Journalist Norbert H&auml;ring hat schon so manchen Coup gelandet. 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