{"id":3386,"date":"2008-08-07T13:20:07","date_gmt":"2008-08-07T11:20:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3386"},"modified":"2015-11-15T15:54:07","modified_gmt":"2015-11-15T14:54:07","slug":"kommentar-zu-einem-bild-artikel-von-scharping","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3386","title":{"rendered":"Kommentar zu einem Bild-Artikel von Scharping"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;So ist meine SPD noch zu retten!&ldquo; Das ist der Titel eines Beitrags von Rudolf Scharping in der Bild-Zeitung. Immerhin schreibt er, dass die Agenda 2010 f&uuml;r viele Sozialdemokraten eine Zumutung war. Ansonsten enth&auml;lt auch sein Beitrag kein Wort zu der entscheidenden Schw&auml;che der heutigen SPD und dar&uuml;ber hinaus eine Reihe von Zumutungen. Auf diese wird hier eingegangen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nEine der wesentlichen Ursachen des Niedergangs der SPD ist die Tatsache, dass sich die SPD heute &uuml;ber weite Strecken fremdbestimmen l&auml;sst. Die gesamte Reformpolitik, die Zerst&ouml;rung des Vertrauens in die gesetzliche Rente, die Zerst&ouml;rung der Arbeitslosenversicherung als eines einigerma&szlig;en wirksamen Schutzes gegen die finanziellen N&ouml;te als Folge von Arbeitslosigkeit, die forcierte Privatisierung, wie sie zum Schluss mit der Entscheidung f&uuml;r die Teilprivatisierung der Bahn sichtbar wurde, die politische Korruption, die bei allen diesen Zerst&ouml;rungswerken sichtbar wird &ndash; all das kommt in Rudolf Scharpings Beitrag nicht vor. Dabei ist Scharping selbst bei einer der markantesten Fremdbestimmungen der Politik der SPD ma&szlig;geblich beteiligt gewesen: der milit&auml;rischen Intervention au&szlig;erhalb des Nato-Bereichs. Tausende von Sozialdemokraten haben die Partei verlassen, andere sind in die innere Emigration gegangen, als Scharping in t&auml;glichen Pressekonferenzen den Kosovo-Krieg begleitete und diesen &uuml;brigens auch zur Steigerung der eigenen Popularit&auml;t bei allen Kriegsbegeisterten nutzte. <\/p><p>Nun zu einzelnen Zumutungen in dem Beitrag von Scharping f&uuml;r die Bild-Zeitung. Der Einfachheit halber schreibe ich meine Kommentare kursiv und versehen mit &bdquo;AM&ldquo; hinter den Text von Scharping.<\/p><p>BILD: Der Streit in der SPD um Wolfgang Clement und Andrea Ypsilanti l&auml;sst die Partei in der W&auml;hlergunst immer weiter abrutschen (20 Prozent\/Forsa)!<br>\nF&uuml;r heute hat <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/2008\/08\/06\/spd-wolfgang-clement\/will-er-sich-von-aussagen-distanzieren.html\">Clement in Bonn eine Pressekonferenz<\/a> angek&uuml;ndigt. In BILD schreibt der ehemalige SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping, was seine Partei jetzt tun muss: <\/p><p>Der <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/2008\/08\/02\/wolfgang-clement\/wehrt-sich-gegen-rauswurf-aus-partei.html\">drohende Parteiausschluss von Wolfgang Clement<\/a> und die direkte Aufnahme von Gespr&auml;chen zwischen Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti mit der Linkspartei, beides kennzeichnet eine bedrohliche Situation f&uuml;r die SPD! AM: Nicht der Parteiausschluss, sondern Clements Verhalten vor und nach dem Ausschluss-Beschluss kennzeichnet eine bedrohliche Situation.<\/p><p>Wie immer in schwerer See braucht es deshalb klaren Kurs und klare F&uuml;hrung! Im Fall Wolfgang Clement hat sich der <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/2008\/08\/04\/kurt-beck-will-zu-wolfgang-clement\/bruecken-bauen.html\">Parteivorstand in das Verfahren eingeschaltet<\/a> und damit ein Zeichen gesetzt. AM: Aus dieser Intervention der Parteif&uuml;hrung in ein ordentliches innerparteiliches Verfahren werden weitere Probleme erwachsen, im &Uuml;brigen auch weiterer Frust unter jenen Mitgliedern, die das Verhalten von Clement f&uuml;r unertr&auml;glich halten. Dem m&uuml;ssen unbedingt weitere Signale folgen!<br>\nDie Menschen wollen eine handlungsf&auml;hige und zukunftsf&auml;hige Sozialdemokratie in Deutschland, nicht einen lockeren Club von Landesverb&auml;nden. AM: Hier versucht Scharping, das Problem auf ein Feld zu verschieben, das als Problem bisher &uuml;berhaupt nicht erkennbar war. Die SPD leidet nicht unter der Autonomie der Landesverb&auml;nde. Scharping bl&auml;st ein Nicht-Problem zu einem Problem auf.<\/p><p>Das hei&szlig;t: Alleing&auml;nge von Landesverb&auml;nden in national entscheidenden Fragen kann die Parteif&uuml;hrung nicht dulden. AM: Wenn Scharping in der Abl&ouml;sung Roland Kochs in Hessen eine &bdquo;national entscheidende Frage&ldquo; sieht, dann kann man ihm zustimmen. Dann m&uuml;sste er aber Andrea Ypsilanti unterst&uuml;tzen, statt ihr im konkreten Fall dieses Interviews in den R&uuml;cken zu fallen. Die SPD darf nicht verwechselbar werden! Sie muss ihren F&uuml;hrungsanspruch und ihre F&auml;higkeit als Volkspartei sch&uuml;tzen und ausbauen. AM: F&uuml;hrungsanspruch wahrnehmen hie&szlig;e im Falle Hessens, den W&auml;hlerwunsch auf einen Wechsel auch umzusetzen. <\/p><p>Sie darf nicht in wichtigen Zukunftsfragen &ndash; Friedenspolitik, weltweite Wettbewerbsf&auml;higkeit, Energieversorgung, sozialer Frieden &ndash; gegens&auml;tzliche Konzepte vertreten. AM: das ist sch&ouml;n gesagt. Aber was hei&szlig;t das konkret? Manchmal gibt es einen notwendigen Disput um verschiedene L&ouml;sungen. Konkreter Fall Friedenspolitik: der weitere und verst&auml;rkte Einsatz in Afghanistan ist doch nicht selbst verst&auml;ndlich.<\/p><p>Die SPD muss als eine Partei wahrgenommen werden, statt sich zu zerfleddern in gegens&auml;tzlichen Konzepten. Sie darf schon gar nicht einer Partei von Linkspopulisten hinterherrennen, die W&auml;hler beschwindeln, anstatt die Wahrheit zu sagen. AM: Hier spricht Scharping nur die g&auml;ngigen Vorurteile nach.Die F&uuml;hrung der SPD darf die Wunden nicht l&auml;nger ignorieren, die der Partei durch die Agenda 2010 vor f&uuml;nf Jahren zugef&uuml;gt wurden.<\/p><p>Keine Frage: Die Agenda enth&auml;lt wichtige &Auml;nderungen. AM: welche denn? Doch die &Uuml;berrumpelung &ndash; um nicht zu sagen Vergewaltigung, mit der sie 2003 durch die Partei gepeitscht wurde, hat die SPD bis heute nicht aufgearbeitet. AM: Hier tut Scharping wie einige andere so, als w&auml;re die Agenda 2010 nur schlecht verkauft worden.<\/p><p>Ich rate meiner Partei: Nicht wegducken, aber &uuml;ber die Agenda 2010 hinausdenken. Das bedeutet: Die positiven Effekte sozialdemokratischer Reformpolitik gemeinsam vertreten. Mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitspl&auml;tze in den vergangenen zwei Jahren sind ein enormer Erfolg. AM: das ist eine der g&auml;ngigen L&uuml;gen. Die neuen Arbeitspl&auml;tze sind zum gro&szlig;en Teil Minijobs und andere unsichere Arbeitsverh&auml;ltnisse. Darauf soll die SPD jetzt auch noch stolz sein.<\/p><p>Darauf kann die SPD stolz sein, statt sich in immer neue Debatten um pure Verteilungspolitik zu verstricken. AM: auch hier die g&auml;ngige Nachplapperei. Die Korrektur der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters zum Beispiel w&auml;re doch keine Verteilungspolitik. Auch die Einf&uuml;hrung eines Mindestlohns w&auml;re keine pure Verteilungspolitik. Eine andere Makropolitik mit dem Ziel, neuer Arbeitspl&auml;tze zu schaffen und die Rezession aufzufangen, ist das Gegenteil von purer Verteilungspolitik. Das Problem, was auch an Scharping sichtbar wird: die SPD hat nur noch Nachplapperer an der Spitze. Keine Personen jedenfalls, die f&auml;hig sind zu eigener konzeptioneller Arbeit. Zugleich braucht die SPD neue Konzepte, die &uuml;ber die Agenda hinausweisen. Statt sklavisch an Entscheidungen der Vergangenheit festzuhalten, empfiehlt sich neues Nachdenken. AM: in das immerhin ist eine erfreuliche Erkenntnis.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/2008\/08\/07\/rudolf-scharping-interview\/scharping-9946549-mfbh,templateId=renderScaled,property=Bild,height=349.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/2008\/08\/07\/rudolf-scharping-interview\/scharping-9946549-mfbh,templateId=renderScaled,property=Bild,width=147.jpg\" alt=\"Rudolf Scharping\"><br>\n<\/a>Rudolf Scharping (60) war von 1993&ndash;1995 SPD-Vorsitzender<\/p><p>Die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre war f&uuml;r viele eine Zumutung. Erfahrung und Wissen, Leistung und Verantwortung der &Auml;lteren werden immer wichtiger.<br>\nStatt einer starren Altersgrenze sollte die SPD pl&auml;dieren f&uuml;r Leistungen der Rentenversicherung nach einer Mindestzahl von Beitragsjahren (40 + x).<br>\nDanach kann jeder frei entscheiden, ob er ganz oder teilweise weiterarbeiten, mit Beitr&auml;gen seine Rente verbessern oder den erworbenen Rentenanspruch einl&ouml;sen will. Solche Freiheit steht einer modernen Gesellschaft gut. <\/p><p><em><strong>WL:<\/strong> Das bedeutet nichts anderes als die Fortschreibung der derzeitigen Rentenpolitik garniert mit Freiheitsrhetorik und der &uuml;blichen Diskrepanz zwischen Freiheitspathos und den Bedingungen der M&ouml;glichkeit zur Wahrnehmung der Freiheit f&uuml;r den einzelnen. Der Vorschlag &auml;ndert nichts an den bisherigen Rentenabschl&auml;gen noch macht er die Rente armutsfest. Wer l&auml;nger &ndash; also bis 67 &ndash; hat weniger Rentenabschl&auml;ge hinzunehmen, als derjenige, der vorher ausscheidet. Worin soll der Unterschied zum derzeitigen Kurs des Rentenabbaus liegen? <\/em><\/p><p><a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/politik\/home\/politik.html\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/masters\/gfx\/buttons-147-mehr\/news-8374703-Mehr-politik-147x59.gif\" alt=\"Mehr Politik\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;So ist meine SPD noch zu retten!&ldquo; Das ist der Titel eines Beitrags von Rudolf Scharping in der Bild-Zeitung. Immerhin schreibt er, dass die Agenda 2010 f&uuml;r viele Sozialdemokraten eine Zumutung war. Ansonsten enth&auml;lt auch sein Beitrag kein Wort zu der entscheidenden Schw&auml;che der heutigen SPD und dar&uuml;ber hinaus eine Reihe von Zumutungen. Auf diese<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3386\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[191,11],"tags":[459,288,312,301,1210],"class_list":["post-3386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bild","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-reformpolitik","tag-rentenalter","tag-scharping-rudolf"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3386"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28732,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3386\/revisions\/28732"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}