{"id":33915,"date":"2016-06-22T12:15:59","date_gmt":"2016-06-22T10:15:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33915"},"modified":"2019-04-10T11:51:25","modified_gmt":"2019-04-10T09:51:25","slug":"putins-angebot-weg-mit-den-sanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33915","title":{"rendered":"Globales Zwischenhoch: Putin Krisenmanager \u2013 Chance oder Irrtum?"},"content":{"rendered":"<p>Die Augen m&uuml;sse man sich reiben, alles werde auf den Kopf gestellt, konnte man dieser Tage in dem f&uuml;hrenden Blatt der deutschen Konservativen, der &bdquo;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&ldquo; vom 20.06.2016 lesen.<\/p><p>Emp&ouml;rung breitete sich auf den Bonner und Br&uuml;sseler Etagen aus. Einen &bdquo;ungeheuerlichen Vorwurf&ldquo;  erkannte der  Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert R&ouml;ttgen. Eckpfeiler der deutschen, der europ&auml;ischen Au&szlig;enpolitik, gar der NATO-Strategie sah man bedroht. Man wolle doch nur die Sicherheit an Russlands Grenzen sichern; ein anderes Interesse als Friedenserhaltung verfolge die NATO nicht, schob Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg am Tag darauf nach. Von <strong>Kai Ehlers<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33915#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8085\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-33915-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160622_Putins_Angebot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160622_Putins_Angebot_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160622_Putins_Angebot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160622_Putins_Angebot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=33915-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160622_Putins_Angebot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160622_Putins_Angebot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Putins Angebot: Weg mit den Sanktionen<\/strong><\/p><p>Was war geschehen? Auf dem 20. Petersburger Wirtschaftsforum vom 17.06.2016, zu dem rund 500  Vertreter und Vertreterinnen von ausl&auml;ndischen Unternehmen aus 60 L&auml;ndern, vornehmlich aus dem Nahen Osten und Asien, aber auch aus den USA und der EU angereist waren, unter ihnen auch der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Kommission der EU, Claude Juncker, hatte Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin seine G&auml;ste aus der EU mit dem Angebot &uuml;berrascht, die von Russland als Reaktion auf die vom Westen nach den Krim-Ereignissen gegen&uuml;ber Russland verh&auml;ngten Sanktionen von Russlands Seite her aufzuheben. Gemeinsam k&ouml;nne  man an den Aufbau einer eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft  gehen  &ndash; wenn Russland sich darauf verlassen k&ouml;nne, anschlie&szlig;end nicht (man konnte das feine &sbquo;wieder&lsquo; mit heraush&ouml;ren) betrogen zu werden. <\/p><p>Und nicht nur das: Nicht nur lobte UN-Pr&auml;sident Ban Ki-Moon Gastgeber Putin f&uuml;r seinen mutigen Schritt und dankte f&uuml;r sein Engagement in Syrien, nicht nur kniff sich Juncker eine Zustimmung zu dieser Perspektive ab, vorausgesetzt, dass  Russland sich weiter kooperativ zeige, nein, allen voran nutzte der deutsche Au&szlig;enminister  Walter Steinmeier die Gut-Wetter-L&uuml;cke zwischen dem Treffen in St. Petersburg und der f&uuml;r den 8. und 9. Juli bevorstehenden NATO-Tagung,  mit Hinweis auf das zur Zeit in Polen durchgef&uuml;hrte  Nato-Gro&szlig;-Man&ouml;ver &bdquo;Anaconda&ldquo; in der &bdquo;Bild am Sonntag&ldquo; &ouml;ffentlich zu mahnen: &bdquo;Was wir jetzt nicht tun sollten, durch lautes S&auml;belrasseln und Kriegsgeschrei  die Lage weiter anzuheizen.&ldquo;  <\/p><p><strong>Aber war denn nicht alles ganz anders &hellip;<\/strong><\/p><p>Aber die  so Ermahnten k&ouml;nnen es einfach nicht glauben. War denn nicht alles ganz anders? Werden damit nicht alle Tatsachen auf den Kopf gestellt? War es nicht so, wie man es in der FAZ vom 20.Juli lesen konnte? &bdquo;Ursache f&uuml;r die Eiszeit  ist der Versto&szlig; Russlands gegen Prinzipien,  die jahrzehntelang f&uuml;r Frieden und Stabilit&auml;t gesorgt hatten. Es war nicht die Nato, sondern der Kreml, der die Krim okkupierte und der in der Ostukraine einen (Sitz-)Krieg f&uuml;hrt. Es ist nicht die Nato, sondern Moskau,  vor dem sich  die baltischen Republiken und Polen f&uuml;rchten,  weswegen sie aus freien St&uuml;cken der atlantischen Allianz beitraten. Bis zur Annexion der Krim spielte die Nato milit&auml;risch in diesen L&auml;ndern keine Rolle. Auch die vier Bataillone, die dort stationiert werden sollen,  stellen keine Bedrohung f&uuml;r Russland dar, das auf seiner Seite Divisionen stehen hat.  Steinmeyer spricht zu Recht  von &sbquo;symbolischen Panzerparaden&lsquo;. Die Nato-Verb&auml;nde haben einen politischen Zweck: Sie signalisieren Moskau, das der Westen sich nicht noch einmal von einem Handstreich wie auf der Krim &uuml;berraschen lie&szlig;e.  Und dass die NATO einen Angriff  auf eines ihrer Mitglieder  als Angriff auf alle betrachten w&uuml;rde.&ldquo;<\/p><p>Bemerkenswert! Wirklich bemerkenswert diese Sicht! Man kann die Welt doch von sehr verschiedenen Seiten betrachten. Aber man muss sich hier nicht bei den gr&ouml;bsten Verdrehungen aufhalten, wie etwa der, Russland habe die Krim &bdquo;besetzt&ldquo;, man  muss auch nicht den Versuchen Steinmeiers und seiner Parteig&auml;nger erliegen, das Schwanken zwischen Verl&auml;ngerung der Sanktionen gegen Russland und z&ouml;gernder Anerkennung f&uuml;r dessen Einsatz in Syrien f&uuml;r eine &bdquo;neue Entspannungspolitik&ldquo; auszugeben, es gar noch &bdquo;im Geiste Brandts&ldquo; verstehen. Zu offensichtlich ist die Hilflosigkeit, um nicht zu sagen Verlogenheit dieser Politik, wenn man wahrnehmen muss, wie in strategischen Hinterstuben zugleich Pl&auml;ne f&uuml;r die n&auml;chste Phase geplanter Aggression geschmiedet werden:<\/p><ul>\n<li>Die Forderung von 51 US-Diplomaten aus dem Mittelbau des au&szlig;enpolitischen Establishments, die in einem offenen Brief verlangen, die Politik des &bdquo;Regimechange&ldquo; in Syrien durch Bombardierung von Assads Truppen wieder aufzunehmen.  Dies w&uuml;rde den Krieg mit Russland zumindest in Kauf nehmen.<\/li>\n<li>Das Offenhalten des Ukraine-Konfliktes, indem die ukrainische Regierung sich &ndash; trotz verbaler Kritiken seitens der EU, Steinmeiers, und selbst seitens der USA von ihnen dennoch geduldet &ndash; weigert, den Donbas-Republiken ihren im Minsker Vertrag vereinbarten Autonomiestatus zuzuerkennen &ndash; die Schuld daf&uuml;r aber der andauernden &bdquo;Aggressivit&auml;t&ldquo; der Russen zuschiebt.<\/li>\n<li>Die nochmalige Verl&auml;ngerung der Sanktionen seitens der USA und der EU gegen Russland, sogar Forderungen nach weiterer Versch&auml;rfung, so dass es Millionen wirklich wehtue, weil nur so an einen Sturz Putins gedacht werden k&ouml;nne.<\/li>\n<\/ul><p><strong>An einem Wendepunkt angekommen<\/strong><\/p><p>Man muss auch Russland nicht in Schutz nehmen als w&auml;re es ein Neugeborenes, das den  H&auml;rten der US-, EU-, Nato-Welt und &uuml;berhaupt den imperialen globalen Realit&auml;ten, den Verleumdungen Russlands als Reich des B&ouml;sen mit einer Widergeburt Hitlers als Pr&auml;sidenten noch nicht gewachsenen sei, dem also schon einmal Fehler unterlaufen k&ouml;nnten, ohne dass man es daf&uuml;r kritisieren m&uuml;sste. Aus der zweiten und dritten Reihe werden auch in Russland durchaus dumpfe T&ouml;ne laut.<\/p><p>Nein, man muss jetzt vor allem erst einmal die Tatsache erkennen, dass Russland 25 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder in die Weltpolitik eingetreten, dass sein Pr&auml;sident Putin ungeachtet aller Anw&uuml;rfe als Wiederg&auml;nger Hitlers zum anerkannten globalen Krisenmanager aufger&uuml;ckt ist. Und man muss dies nicht nur konstatieren, um sich dann darauf auszuruhen, es ist auch wichtig zu erkennen, wie es dahin kam, welche Elemente in diesem Krisenmanagement wirksam sind und wo seine Grenzen liegen, um zu verstehen in welcher Etappe der Neuordnung wir uns 25 Jahre nach dem Zusammenbruch der systemgeteilten Welt, die den Kriegen des vorigen Jahrhunderts folgte, heute befinden. <\/p><p>Denn ungel&ouml;st sind die aus dem letzten Jahrhundert her&uuml;ber gewachsenen Grundfragen, die &uuml;ber ein vor&uuml;bergehendes Krisenmanagement durch eine charismatische Figur wie den gegenw&auml;rtigen russischen Pr&auml;sidenten weit hinausf&uuml;hren.<\/p><p>Wer diesen Blick auf die zur&uuml;ckliegenden 25 Jahre richtet, erkennt, dass die globale Konstellation mit Putins neuerlichem Angebot an die Europ&auml;ische Union an einem Wendepunkt angekommen ist. <\/p><p><strong>Drei Etappen des russischen Aufstiegs<\/strong><\/p><p>Drei Etappen lassen sich bei dem Aufstieg Russlands in seine gegenw&auml;rtige Rolle des globalen Krisenmanagers benennen: <\/p><p>Das ist zun&auml;chst das  Wegbrechen jeglicher Staatlichkeit mit dem Zerfall der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow und dem Kniefall vor dem Westen unter Boris Jelzin in den Jahren 1985 bis 1998. <\/p><p>Das ist darauf folgend die Wiederherstellung rudiment&auml;rer Staatlichkeit und einer m&uuml;hsamen inneren Stabilisierung unter Putin  im Inneren des Landes seit 1998 bis heute (allerdings schon begonnen unter Primakow 1998, was in der Regel unterschlagen wird). <\/p><p>Das ist, aus dem inneren Krisenmanagement erwachsen, der &Uuml;bergang in ein Wiedereintreten des Landes in seine Rolle als Integrationsknoten Eurasiens, der f&uuml;r die Newcomer aus den ehemaligen Kolonien zum wichtigsten Partner in ihrem Streben nach einer Abl&ouml;sung der von den USA allein und milit&auml;risch dominierten Weltordnung wurde.   <\/p><p>Aber nicht Diktat und Repression, wie westliche Propaganda es immer wieder nahelegt,  hat diesen Weg des inneren und danach &auml;u&szlig;eren Krisenmanagements getragen, nicht imperiale St&auml;rke,  sondern im Gegenteil eine von Putin aus dem geschw&auml;chten eurasischen Zentrum heraus entwickelte Politik des Konsenses. <\/p><p>Aus dem Konsens heraus ist Russlands Wiederherstellung seiner Staatlichkeit im Inneren erfolgt, zweifellos &bdquo;vertikal&ldquo;, nicht demokratisch, aber gest&uuml;tzt auf die Struktur realer Vielfalt im Lande. Aus dem inneren Konsens heraus hat Russland seine Rolle als Motor einer internationalen Gegenbewegung der BRIC-Staaten, der Schanghaier SOC, der Eurasischen Union entwickelt &ndash; letztere immer mit Blick auf Kooperation, nicht zuletzt mit der EU, statt auf Konfrontation. <\/p><p>Die Angebote Putins, Medwedews und anderer russischer Politiker zur Kooperation in einer &bdquo;Sicherheitsarchitektur von Lissabon bis Wladiwostok&ldquo; waren die immer wiederkehrende Essenz dieser Politik, bis Russland sich angesichts der z&uuml;gellosen Ost-Erweiterung von EU, NATO und dem frechen Vordringen der USA auf den eurasischen Kontinent, ihrem schrittweisen, systematischen Einkreisen der russischen Grenzen seit der Aufl&ouml;sung des Warschauer Paktes, gezwungen sah,  aus der Duldung dieser Einkreisung  in die Verteidigung seiner Grenzen zugehen. <\/p><p><strong>&Uuml;bergang zur offensiven Verteidigung<\/strong><\/p><p>Das geschah erstmalig mit der deutlichen Antwort auf die georgischen Provokationen von 2004, die Russland milit&auml;risch zur&uuml;ckwies.<\/p><p>Das wiederholte sich gegen&uuml;ber den Versuchen, die Ukraine 2008, dann endg&uuml;ltig seit dem Maidan 2013\/14 ins westliche B&uuml;ndnis zu ziehen, indem Russland den Austrittswillen der Krim in einem schnellen Referendum aufgriff und den Osten in seinen Autonomiebestrebungen personell und sachlich unterst&uuml;tzte. <\/p><p>Das steigerte sich schlie&szlig;lich in dem Einsatz von Kampffliegern in Syrien, nachdem alle Versuche, eine friedliche Beilegung des von der US-Allianz betriebenen gewaltsamen &bdquo;Regimechanges&ldquo; auf dem Verhandlungswege mit der US-gef&uuml;hrten &bdquo;westlichen Allianz&ldquo; zu erreichen, auch im f&uuml;nften Jahr dieses unerkl&auml;rten Krieges noch am Widerstand der USA gescheitert waren. Erst  der Einsatz der russischen Bomber erzwang jetzt den &ndash; wenn auch br&uuml;chigen &ndash; Waffenstillstand. <\/p><p>&Auml;hnliches gilt f&uuml;r die Ukraine, deren &bdquo;eingefrorener Konflikt&ldquo; nur deshalb nicht hei&szlig; weiter l&auml;uft, weil Russland nach wie vor als Garantiemacht hinter den selbsterkl&auml;rten Republiken des Donbas steht. <\/p><p>Dies alles sind bekannte Tatsachen, die hier nicht zum hundertsten Male neu im Detail ausgebreitet werden m&uuml;ssen. Dadurch werden sie f&uuml;r die, die sie leugnen, nicht wahrer. Diese Menschen sehen die Dinge schlicht von der anderen Seite. Es d&uuml;rfte wichtig sein, ihre Motive und Aktivit&auml;ten nicht zu &uuml;bersehen, sondern genau wahrzunehmen.   <\/p><p><strong>Erkennbare Grenzen<\/strong><\/p><p>Aber hier werden selbstverst&auml;ndlich auch schon die Grenzen des russischen Krisenmanagements sichtbar, das nach der Ausdehnung seiner Sicherheitspolitik  in den globalen Raum nunmehr wieder in verst&auml;rktem Ma&szlig;e mit der  Sicherung seiner inneren, haupts&auml;chlich der sozialen und &bdquo;nationalen&ldquo; Fragen, d.h., der Entwicklung seiner Republiken konfrontiert ist. Dar&uuml;ber hinaus stellt sich f&uuml;r Russland auf l&auml;ngere Sicht die Frage, ob und wie es unter diesem Druck die Kraft hat, dem Kulturimpuls als &bdquo;Entwicklungsland neuen Typs&ldquo; gerecht zu werden, der in der &Uuml;berwindung von sowjetischem Sozialismus und heutigem Turbo-Kapitalismus neue Formen des Zusammenlebens hervorbringen k&ouml;nnte, die sich auf die tausendj&auml;hrige (zweifellos auch sehr widerspr&uuml;chliche)  Gemeinschaftskultur Russlands st&uuml;tzen  k&ouml;nnten &ndash; ohne dass daran nach dem Niedergang des Zarismus, danach dem des sowjetischen Imperiums, nunmehr auch der als zentralisierte F&ouml;deration &uuml;briggebliebene  Vielv&ouml;lkerorganismus des neuen Russland zerbricht.<\/p><p>Dies alles muss vor dem Hintergrund der Tatsache gesehen werden, dass die grundlegenden Konflikte der sich heute entwickelnden globalen &Uuml;bergangsordnung in keiner Weise gel&ouml;st, ja, zum Teil noch nicht einmal richtig erkannt wurden, bzw. wenn erkannt, dann leichtfertig oder sogar wissentlich &ndash; ohne R&uuml;cksicht auf die Gesamtinteressen der globalen Bev&ouml;lkerung &ndash; beiseitegeschoben werden. <\/p><p>Es sind dies Fragen, die das ganze globale Feld heute betreffen, aber eben auch Russland in seiner Dynamik als aus der Asche des Sozialismus auftauchendem potentiellen Protagonisten einer m&ouml;glichen Neuordnung, dem die widerspr&uuml;chliche Aufgabe zuf&auml;llt, sich als &bdquo;Hybrid&ldquo; neu zu erfinden, der sich in die &bdquo;Moderne&ldquo; einf&uuml;gen muss, der sich aber in seiner undefinierten, in Bewegung befindlichen Mischung aus gemeinschaftsorientierten und neo-kapitalistisch orientierten Lebensweisen nicht in die &bdquo;normalen&ldquo;, sprich zerst&ouml;rerischen Krisenzyklen der kapitalistischen Welt einf&uuml;gen kann &ndash; und es auch nicht will. <\/p><p>Die Grundfragen, deren L&ouml;sung ansteht, sind nicht zu umgehen &ndash; so oder so nicht. Fassen wir sie zusammen, dann lauten sie so:  <\/p><ul>\n<li>Wie wollen wir leben, wenn nicht sozialistisch nach Art der Sowjetunion, aber auch nicht im nach-sozialistischen Turbo-Kapitalismus? Wie wird die soziale Frage der &bdquo;&Uuml;berfl&uuml;ssigen&ldquo; gel&ouml;st, die aus der ungebremsten Automatisierung bei gleichzeitiger rasanter Vermehrung der Weltbev&ouml;lkerung erw&auml;chst?<\/li>\n<li>Wie wird die &bdquo;Nationale Frage&ldquo; in einer Welt gel&ouml;st, auf der unter dem Prinzip &bdquo;Teile und Herrsche&ldquo; bei gleichzeitigen  globalen Zentralisierungstendenzen immer mehr &bdquo;eingefrorene Konflikte&ldquo; als Minenfelder f&uuml;r zuk&uuml;nftige Politik zur&uuml;ckbleiben?<\/li>\n<li>Wie sind die zerst&ouml;rerischen Folgen des immer noch wachstumsorientierten Expansionismus ohne Krieg zu bew&auml;ltigen?<\/li>\n<\/ul><p>Wie lange und wie weit Russland zur friedlichen, kooperativen L&ouml;sung dieser Fragen beitragen kann, ist eine der entscheidenden, wenn nicht die entscheidende Frage der n&auml;chsten Etappe.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Kai Ehlers<\/strong> ist Journalist, Publizist und Schriftsteller. Sein Spezialgebiet ist die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des post-sowjetischen Raumes. Viele seiner Artikel sind auf der Seite <a href=\"http:\/\/www.kai-ehlers.de\">Kai-Ehlers.de<\/a> nachzulesen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Augen m&uuml;sse man sich reiben, alles werde auf den Kopf gestellt, konnte man dieser Tage in dem f&uuml;hrenden Blatt der deutschen Konservativen, der &bdquo;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&ldquo; vom 20.06.2016 lesen.<\/p>\n<p>Emp&ouml;rung breitete sich auf den Bonner und Br&uuml;sseler Etagen aus. Einen &bdquo;ungeheuerlichen Vorwurf&ldquo; erkannte der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert R&ouml;ttgen. 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