{"id":33931,"date":"2016-06-23T11:27:51","date_gmt":"2016-06-23T09:27:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33931"},"modified":"2024-09-24T08:21:58","modified_gmt":"2024-09-24T06:21:58","slug":"wer-die-welt-regiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33931","title":{"rendered":"Wer die Welt regiert"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160623_chomsky.jpg\" alt=\"Noam Chomsky\" title=\"Noam Chomsky\"><\/div><p>In seinem neuesten Werk findet Noam Chomsky, der zu den bedeutendsten Intellektuellen unseres Zeitalters geh&ouml;rt, deutliche Worte zum politischen Status Quo &ndash; zur letzten verbliebenen Weltmacht, den USA. Dabei wird ein weiteres Mal in gewohnt kritischer sowie ausf&uuml;hrlicher Manier deutlich, in was f&uuml;r eine Schim&auml;re sich das US-amerikanische Imperium im Laufe der letzten Jahrzehnte verwandelt hat. Von <strong>Emran Feroz<\/strong>.<\/p><div style=\"clear:both\"><\/div><p><!--more--><br>\nIn &bdquo;Who rules the world?&ldquo; (&bdquo;Wer regiert die Welt?&ldquo;) bringt Chomsky, dessen Geist trotz seines mittlerweile hohen Alters fitter zu sein scheint als jemals zuvor, viele verschiedene Themen unter ein Dach. Im Zentrum des Ganzen steht jedoch auch dieses Mal die merkw&uuml;rdige menschliche Rasse. Chomsky fragt sich dabei, was sich wohl Au&szlig;erirdische denken w&uuml;rden, wenn sie die Menschheit &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hinweg kritisch beobachten. Sie w&uuml;rden sicher nicht nur feststellen, wie paradox wir uns verhalten, sondern den Geschichtsverlauf konkret einteilen: N&auml;mlich in das Zeitalter &bdquo;vor&ldquo; und das Zeitalter &bdquo;mit&ldquo; den Atomwaffen. In diesem Kontext w&uuml;rden die Aliens dann wohl feststellen: Der Mensch hat es geschafft, etwas zu entwickeln, was ihn vollst&auml;ndig ausl&ouml;schen kann. Gleichzeitig ist er jedoch nicht zu jenem moralischen Handeln f&auml;hig, seine eigene Ausl&ouml;schung zu verhindern.<\/p><p>Dass sich diese Ausl&ouml;schung bis jetzt noch nicht ereignet hat, ist f&uuml;r Chomsky pures Gl&uuml;ck. Diejenigen, die die Ausl&ouml;schung der Menschheit immer wieder fast heraufbeschworen haben, sind jedoch leicht zu identifizieren. Dank der Vereinigten Staaten ist die heutige Welt unsicherer denn je. Wir befinden uns nah am Abgrund, und das haben wir allen voran den Entscheidungstr&auml;gern in Washington zu verdanken. Ein bedeutender Teil der Weltbev&ouml;lkerung glaubt mittlerweile, dass die USA die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r den Weltfrieden darstellen. Dies ist keineswegs als plumper Antiamerikanismus zu betrachten, sondern fundiert auf zahlreichen historischen Fakten, die sich bis in die Gegenwart strecken. Als Antiamerikanisten w&auml;ren heute wohl auch die Propheten Israels, die ihre Gesellschaften immer wieder vor dem Untergang warnten, bezeichnet worden, hebt Chomsky in diesem Kontext etwas zynisch hervor. <\/p><p>Dieser Untergang scheint sich seit dem Atombombenabwurf auf Hiroshima, einem der grausamsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, rasant zu n&auml;hern. Die USA sind n&auml;mlich in keiner Weise an einer Deeskalation interessiert. Die sogenannte Staatssicherheitsdoktrin &uuml;berwiegt seit langem. Interessanterweise, so betont Chomsky, spielt das Wohl der B&uuml;rger in diesem Kontext meistens gar keine Rolle. Um ihre Interessen zu verteidigen, haben die Vereinigten Staaten stets D&auml;monen herbeigerufen und sind &uuml;ber Leichen gegangen.<\/p><p>Obwohl sehr viele Regionen der Welt darunter gelitten haben, sollte das Leid einiger Akteure besonders erw&auml;hnt werden. An vorderster Stelle l&auml;sst sich wohl S&uuml;damerika nennen, welches von den Protagonisten der US-Politik, allen voran Personen wie Henry Kissinger, regelrecht vergewaltigt wurde. Besonders hervorzuheben ist hier der &bdquo;erste 11. September&ldquo;. Chomsky spielt damit auf den Putsch in Chile an, der sich 1973 ereignete und Zehntausenden von Menschen das Leben gekostet hat. Obwohl heute allgemein bekannt ist, dass das Pinochet-Regime der verl&auml;ngerte Arm Kissingers sowie der CIA war, wird die blutige Vergangenheit Chiles regelm&auml;&szlig;ig ausgeblendet. <\/p><p>Chile ist das Paradebeispiel US-amerikanischer Eroberungspolitik auf dem s&uuml;damerikanischen Kontinent. W&auml;hrend des Kalten Krieges wurden militaristische Faschisten in zahlreichen Staaten des S&uuml;dens vom Wei&szlig;en Haus unterst&uuml;tzt, um die linken, oftmals demokratisch legitimierten Regierungen zu st&uuml;rzen. Die Wunden dieser m&ouml;rderischen Politik sind bis heute zu sp&uuml;ren. Und obwohl sich S&uuml;damerika teils davon erholt hat und im Laufe der letzten Jahre zu einer Art globaler Opposition gegen die US-Hegemonie aufgestiegen ist, ist die Gefahr weiterhin pr&auml;sent. Der j&uuml;ngste Putsch in Brasilien, der sich erst nach dem Druck von Chomskys aktuellem Werk ereignet hat, macht dies mehr als deutlich. <\/p><p><strong>F&uuml;hrender Terrorstaat<\/strong><\/p><p>In seiner Kritik an den USA nimmt Chomsky kein Blatt vor den Mund. Es ist diese Mischung aus Intellekt und Courage, die ihn zu einem der gr&ouml;&szlig;ten Denker unserer Zeit macht. Washingtons Politik, egal, ob nun in S&uuml;damerika oder auch im Nahen Osten, war f&uuml;r ihn stets terroristisch. Deshalb zieht er auch den Schluss, dass die Vereinigten Staaten ein &bdquo;f&uuml;hrender Terrorstaat&ldquo; sind. Im dominierenden Diskurs werden derartige Behauptungen oftmals kopfsch&uuml;ttelnd bel&auml;chelt. Doch nicht, wenn ein Chomsky sie aufstellt. <\/p><p>Eines der besten Beispiele hierf&uuml;r ist der US-amerikanische Drohnen-Krieg, der zum gegenw&auml;rtigen Zeitpunkt in mehreren Staaten, allem voran in Afghanistan, Pakistan, dem Jemen oder Somalia, gef&uuml;hrt wird und unter der F&uuml;hrung von Barack Obama seinen H&ouml;hepunkt erlebt hat. <\/p><p>Der Sachverhalt ist eindeutig. 800 Jahre nach der Einf&uuml;hrung der Magna Charta, die mit der Unschuldsvermutung eines der Grundprinzipien des Rechtsstaates eingef&uuml;hrt hat, existiert in der westlichen Welt, die sich stets auf diese Prinzipien beruft und sie f&uuml;r sich beansprucht, eine Kampagne, die Menschen lediglich aufgrund von Verd&auml;chtigungen gezielt und au&szlig;ergerichtlich hinrichtet. Der Drohnen-Krieg negiert alles, wof&uuml;r der Westen vorgibt zu stehen. Chomsky schreibt von der m&ouml;rderischsten Terror-Kampagne der Gegenwart. Die Realit&auml;ten in den von den Drohnen heimgesuchten Gebieten machen deutlich, dass er damit den Nagel auf den Kopf trifft. <\/p><p><strong>Der Westen f&uuml;hrt<\/strong><\/p><p>Der Westen regiert die Welt unter der F&uuml;hrung der USA auf verschiedene Art und Weise. Neben den bekannten staatlichen Akteuren sind vor allem die multinationalen Gro&szlig;konzerne zu erw&auml;hnen, deren Macht tagt&auml;glich w&auml;chst. Viele nationale Parlamente dienen mittlerweile lediglich als Machtinstrumente der Konzerne, um deren Interessen durchzusetzen. Dies sieht man etwa an diversen &bdquo;Freihandelsabkommen&ldquo; wie NAFTA und TTIP. Mit einem echten Freihandel haben diese Abkommen allerdings wenig zu tun. Chomsky bezeichnet sie als &bdquo;investors&rsquo; rights agreements&ldquo;, also als Abkommen, die haupts&auml;chlich die Rechte der Kapitalanleger besch&uuml;tzen, w&auml;hrend die Arbeiterklasse ausgebeutet wird.<\/p><p>Die j&uuml;ngsten Krisen, und damit meint Chomsky auch jene im Osten Europas, werden von den westlichen Industrienationen herbeigef&uuml;hrt und dominiert. In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben sie damit ihre eigene Wirklichkeit konstruiert, die alle anderen Akteure, etwa Iran, Russland oder China, ausschlie&szlig;t und dementsprechend ver&auml;rgert. Der Diskurs wird stets einseitig gef&uuml;hrt. Man will sich nie in die Lage der anderen hineinversetzen. Der westliche Egoismus scheint allgegenw&auml;rtig zu sein.<\/p><p>Nat&uuml;rlich kann man es sich auch anma&szlig;en, einige Punkte von Noam Chomsky zu kritisieren. Obwohl er die Annexion der Krim eindeutig als illegal bezeichnet, kann man dennoch behaupten, er gehe mit den Russen zu sanft um. Selbiges betrifft seine Haltung zum Iran, den er im Vergleich zum US-Verb&uuml;ndeten Saudi-Arabien als &bdquo;Paradies&ldquo; bezeichnet. Die Opfer der Politik der Ayatollahs, die es sowohl innerhalb als auch au&szlig;erhalb des Landes gibt, haben diesbez&uuml;glich sicherlich eine andere Meinung. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit der Situation in Syrien, an deren Eskalation sowohl Russland als auch der Iran weiterhin beteiligt sind &ndash; wenn nat&uuml;rlich auch in einem wesentlich geringeren Ma&szlig;e als der Westen und mit dem Westen verb&uuml;ndeter Regionalm&auml;chte. Und auch der chinesische Imperialismus, der sich vor allem in weiten Teilen Afrikas sowie Zentralasiens ausstreckt, findet vom Autor nur wenig Beachtung.<\/p><p>Gerade in diesen Punkten ist die Kritik an Chomsky. in diesen Tagen besonders laut. Wer ihn jedoch gut kennt und stets aufmerksam gelesen hat, sollte wissen, dass Chomsky kein Heuchler ist, sondern jemand, der in erster Linie auf die Fehler jener Gesellschaft aufmerksam machen will, in der er aufgewachsen ist. Diese kritische Haltung gegen&uuml;ber den eigenen Eliten macht einen herausragenden Intellektuellen erst aus. Und genau das und nichts anderes ist Noam Chomsky.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right;margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160623_chomsky.jpg\" alt=\"Noam Chomsky\" title=\"Noam Chomsky\"\/><\/div>\n<p>In seinem neuesten Werk findet Noam Chomsky, der zu den bedeutendsten Intellektuellen unseres Zeitalters geh&ouml;rt, deutliche Worte zum politischen Status Quo &ndash; zur letzten verbliebenen Weltmacht, den USA. 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