{"id":3398,"date":"2008-08-14T08:39:51","date_gmt":"2008-08-14T06:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/2063880921"},"modified":"2015-11-15T15:35:05","modified_gmt":"2015-11-15T14:35:05","slug":"kooperation-statt-krieg-das-waere-das-entscheidende-thema-der-spd-und-der-europaeischen-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3398","title":{"rendered":"Kooperation statt Krieg &#8211; das w\u00e4re das entscheidende Thema der SPD und der Europ\u00e4ischen Linken"},"content":{"rendered":"<p>Es geht hier nicht wie so oft um die SPD. Es geht um die Notwendigkeit einer neuen Friedenspolitik. Der Krieg zwischen Georgien und Russland hat n&auml;mlich gezeigt, dass wir uns unter Anleitung der USA und einiger Nachbarn Russlands in neue Gefahren begeben. Es geht darum, uns davor zu bewahren, in eine neue Konfrontation mit den &bdquo;Russen&ldquo; und ins Kriegsrisiko gezogen zu werden.<br>\nDie SPD k&ouml;nnte ihr W&auml;hlerpotenzial nahezu verdoppeln, wenn sie sich zum konsequenten F&uuml;rsprecher einer anderen Politik machen w&uuml;rde. Kooperation statt Konfrontation. Mindestens schon f&uuml;nfmal hat die SPD mit dem Thema Frieden wichtige Wahlen gewonnen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zuletzt 2002:<\/strong> Damals, im Fr&uuml;hjahr und Fr&uuml;hsommer 2002 stand es ausgesprochen schlecht um die Wiederwahl der ersten rot-gr&uuml;nen Regierung. Dann hat die Regierung Schr&ouml;der sich dazu entschlossen, zur (offenen) Beteiligung am Irak Krieg Nein zu sagen. Sie hat einen Konflikt dar&uuml;ber mit den USA und einigen europ&auml;ischen Partnern, u. a. mit Gro&szlig;britannien, gewagt. Die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler haben dies honoriert.<\/p><p><strong>1969:<\/strong> Bei der Bundestagswahl wurde die zwanzigj&auml;hrige Kanzlerschaft der CDU\/CSU beendet. Willy Brandt wurde zum Bundeskanzler gew&auml;hlt. Die von ihm als Au&szlig;enminister seit Dezember 1966 eingeleitete Politik der Entspannung zwischen Ost und West und gleichzeitig die Weigerung der Union, diese Politik konsequent mitzutragen, waren ein wichtiger Grund f&uuml;r den Regierungswechsel. Eine Mehrheit war f&uuml;r die von Brandt und Scheel begonnene Vers&ouml;hnungspolitik.<\/p><p><strong>1972:<\/strong> Der gro&szlig;e Wahlsieg der SPD in einer harten Auseinandersetzung mit der Union und nach dem Verlust der Mehrheit durch Abgeordnete, die auch wegen der Ostpolitik zur Union gewechselt waren, war zu einem wichtigen Teil dieser Friedenspolitik und ihren ersten Erfolgen, den Vertr&auml;gen und den Besuchsm&ouml;glichkeiten zwischen Ost und West, zu verdanken.<\/p><p><strong>1976:<\/strong> In der Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzler Schmidt und dem Herausforderer Helmut Kohl stand es gegen Ende des Wahlkampfes nicht besonders gut. Damals kam es dann zu einer Auseinandersetzung &uuml;ber das Verh&auml;ltnis der Bundesrepublik zur DDR. Helmut Schmidt und die SPD nutzten eine unbedachte &Auml;u&szlig;erung eines Mandatstr&auml;gers der Union zu einer massiven Kampagne unter dem Motto: &bdquo;Wir haben das Schie&szlig;en satt bis obenhin.&ldquo; Das war zwar eine vergleichsweise geringf&uuml;gige Auseinandersetzung, aber auch diese hatte Wirkung.<\/p><p><strong>1980:<\/strong> Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan im Dezember 1979 rief Franz Josef Strau&szlig;, damals Vorsitzender der CSU und kommender Kanzlerkandidat der Union, das Ende der Entspannungspolitik aus. Schmidts Koalitionspartner, der FDP-Vorsitzende Genscher und Helmut Kohl meinten ebenfalls, wenn das Ende der Entspannungspolitik und des Dialogs mit der Sowjetunion erkl&auml;rt werden k&ouml;nnte, dann falle ein Bindemittel zwischen SPD und FDP weg, und das gebe der FDP eine Chance zum Wechsel zur Union. Im April 1980 gab es entsprechende Gespr&auml;che zwischen Kohl und Genscher. Helmut Schmidt und die SPD Nordrhein-Westfalens machten dann die Fortsetzung des Dialogs mit der Sowjetunion zum gro&szlig;en Thema des dortigen Landtagswahlkampfes. &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; war die Parole. Die FDP flog am 14. Mai 1980 aus dem nordrhein-westf&auml;lischen Landtag, die SPD erreichte mit Johannes Rau 48,4% der Stimmen und zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen die absolute Mehrheit der Sitze. <\/p><p>Dieses Ergebnis war &ndash; obwohl es nur eine Landtagswahl war &ndash;  wesentlich von der Hoffnung auf die Fortsetzung der Friedenspolitik bestimmt. Die Wahl des Jahres 2002 zeigte, dass auch 22 Jahre sp&auml;ter dieses Thema die Menschen in Deutschland bewegte. Offensichtlich hat die Kriegserfahrung in unserem Land und bei unserem Volk eine nachhaltige Wirkung. Nach meinem Eindruck gilt das auch heute noch.<\/p><p>Jenseits aller wahlpolitischen Erw&auml;gungen ist zu beobachten, dass das Thema von Krieg und Frieden nicht aus der Welt ist. Im Berliner Grundsatz-Programm vom Dezember 1989 hatte die SPD noch verlangt, dass mit dem Ende der Blockkonfrontation auch beide Bl&ouml;cke verschwinden m&uuml;ssten. Daraus ist nichts geworden. Der eine Block, die NATO wurde bis an die Grenzen des geschrumpften anderen Blocks, den der Reste der ehemaligen Sowjetunion, herangeschoben. Die Aufnahme der ehemaligen Satelliten der Sowjetunion und einiger Teilrepubliken in die NATO sind Zeichen dieses riskanten Weges. Das Aufnahmebegehren Georgiens und seine Unterst&uuml;tzung durch die USA und einen betr&auml;chtlichen Teil der anderen NATO L&auml;nder, vor allem unserer Nachbarn im Osten, waren ein weiterer Markstein auf diesem riskanten Weg. Genauso die Absicht der USA, in Polen und Tschechien Raketen aufzustellen.<br>\nDas sind alles Wegmarken der Konfrontation und von einem anderen Geist gepr&auml;gt, als es die Entspannungspolitik war und als es auch die Politik der europ&auml;ischen Zusammenarbeit (KSZE) war. Wichtige Erkenntnisse, die Grundlage der Entspannungspolitik waren, sind heute offensichtlich vergessen: dass wir nur gemeinsam f&uuml;r Sicherheit sorgen k&ouml;nnen, dass man bedenken muss, dass man mit seiner eigenen Politik die innere Entwicklung beim anderen, im konkreten Falle Russland, mitbeeinflusst, auch negativ mitbeeinflusst, dass das Konzept, gefasst in die Formel &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; ausgesprochen erfolgreich war. Alles vergessen.<br>\nWir haben uns in die H&auml;nde eines anderen Geistes begeben. Die USA bestimmen mit einer stark milit&auml;risch gepr&auml;gten Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik auch unsere Linie. Und sie haben abenteuerliche Vorstellungen von ihren geopolitischen M&ouml;glichkeiten. Ihren Einflussbereich bis zu den s&uuml;dlichen Nachbarn Russlands ausdehnen zu wollen und zu meinen, dies f&ouml;rdere die Kooperation mit Russland, ist nicht zu verstehen.<br>\nHinzu kommt, dass wir es bei den politischen F&uuml;hrungen in Georgien, in Polen und in anderen L&auml;ndern Osteuropas offensichtlich mit unkalkulierbaren Risiken zu tun haben. Dort herrscht ein Geist und eine Mentalit&auml;t, die einer Politik der Kooperation nicht f&ouml;rderlich ist und eben auch nicht bedenkt, welche inneren Folgen die Politik der Konfrontation in Russland haben kann.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen zur&uuml;ckkehren zu einer Politik der Kooperation und des Sichverstehens. Dem Kern nach der w&auml;re immer noch richtig, was im Berliner Programm der SPD steht: die Aufl&ouml;sung der Blockkonfrontation und der Bl&ouml;cke, auch der NATO und der Aufbau eines kollektiven Sicherheitssystems in Europa unter Einbeziehung Russlands.<\/p><p>Wir brauchen in Europa eine politische F&uuml;hrung, die sich die Wiederbelebung der Kooperationspolitik zum Ziel setzt. Dies muss bald geschehen, bevor der Geist der Konfrontation weiter um sich greift. Die SPD k&ouml;nnte wie schon einmal vor 40 Jahren die f&uuml;hrende Rolle spielen. Sie k&ouml;nnte in jedem Fall wie im Jahr 2002 deutlich machen, dass sie gegen jeglichen milit&auml;rischen Konflikt und gegen den Einsatz milit&auml;rischer Mittel zur L&ouml;sung von Konflikten eintritt. Sowohl die katastrophalen Misserfolge mit dem Krieg im Irak als auch die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Georgien und Russland und das dort geschaffene Leid w&uuml;rden eine solche andere Politik st&uuml;tzen.<\/p><p>Die SPD und die Linke insgesamt w&uuml;rden damit weit &uuml;ber ihren eigenen Bereich hinaus Sympathien gewinnen, nicht unbedingt bei allen Medien, aber bei breiten Schichten unseres Volkes.<\/p><p>Das Thema Frieden und Kooperation mit Russland und allen V&ouml;lkern der ehemaligen Sowjetunion b&ouml;te eine Chance zur Distanzierung von Angela Merkel und zum andauernden und positiv besetzten Konflikt mit ihr. Sie k&ouml;nnte wegen ihrer engen pers&ouml;nlichen und ideologischen Bindung zu den Konservativen in den USA nicht folgen. Das Thema w&auml;re ein ausgezeichnetes Konflikt-Thema mit der Union. Es b&ouml;te zus&auml;tzlich die Chance, die Union zu spalten. Denn auch dort gibt es Kr&auml;fte, die den fr&uuml;hen Griff zu milit&auml;rischen Aktionen und die neue Konfrontation mit Russland f&uuml;r falsch halten.<\/p><p>Bei diesem Themenkomplex bieten sich vielerlei M&ouml;glichkeiten der politischen und medialen Aktion und Profilierung: <\/p><ul>\n<li>Zum Beispiel w&auml;re es jetzt m&ouml;glich und notwendig gewesen, die einseitige Parteinahme des Generalsekret&auml;rs der NATO anzuprangern und eine Korrektur zu verlangen.<\/li>\n<li>Es w&auml;re m&ouml;glich und n&ouml;tig, gegen die Verzerrung der Wahrheit im Krieg zwischen Georgien und Russland einzuschreiten.<\/li>\n<li>Es w&auml;re m&ouml;glich und n&ouml;tig gewesen, sich zur Pr&auml;senz einiger Pr&auml;sidenten und Regierungschefs von NATO-Mitgliedern bei der obskuren Siegesfeier des georgischen Pr&auml;sidenten zu Wort zu melden. Immer wieder k&ouml;nnte klargemacht werden, dass wir uns nicht in lokale und nationalistisch bestimmte Konflikte hineinziehen lassen.<\/li>\n<li>Man h&auml;tte immer wieder Gelegenheit, gegen die weitere Ausdehnung der NATO einzuschreiten und auch die Aufr&uuml;stungspolitik der NATO und der USA in Osteuropa zu attackieren.<\/li>\n<li>Gerade wenn man sich f&uuml;r eine enge Kooperation mit Russland einsetzt, dann h&auml;tte man um so mehr M&ouml;glichkeiten und Rechte, sich auch gegen Fehlentwicklungen, gegen Verletzungen von demokratischen und Menschenrechten in Russland zu wenden.<\/li>\n<\/ul><p>Wenn die SPD dieses gro&szlig;en Thema ihrer eigenen politischen Geschichte nicht aufgreift, obwohl es sachlich notwendig und richtig ist und obwohl es wahlstrategisch ein Geschenk des Himmels ist, dann kann man nur daraus schlie&szlig;en, dass es die SPD nicht mehr wissen will, dass ihr F&uuml;hrungspersonal wie andere auch abh&auml;ngig ist von den USA. In der wahlpolitischen Not, in der sich die SPD mit Umfrageergebnissen von knapp &uuml;ber 20% befindet, ein solches Thema nicht aufzugreifen, w&auml;re geradezu verr&uuml;ckt.<\/p><p>Wir werden sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht hier nicht wie so oft um die SPD. Es geht um die Notwendigkeit einer neuen Friedenspolitik. Der Krieg zwischen Georgien und Russland hat n&auml;mlich gezeigt, dass wir uns unter Anleitung der USA und einiger Nachbarn Russlands in neue Gefahren begeben. Es geht darum, uns davor zu bewahren, in eine neue Konfrontation mit den<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3398\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[170,191,11],"tags":[351,329,1645,641,397,259,399],"class_list":["post-3398","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-friedenspolitik","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afghanistan","tag-brandt-willy","tag-georgien","tag-irak","tag-ostpolitik","tag-russland","tag-schmidt-helmut"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3398","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3398"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3398\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28725,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3398\/revisions\/28725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}