{"id":3402,"date":"2008-08-14T15:31:13","date_gmt":"2008-08-14T13:31:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3402"},"modified":"2015-11-15T15:28:22","modified_gmt":"2015-11-15T14:28:22","slug":"der-toerichte-deutsche-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3402","title":{"rendered":"\u201eDer t\u00f6richte deutsche Widerstand\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Robert von Heusinger hat in der <a href=\"http:\/\/fr-online.de\/top_news\/1486110_Der-toerichte-deutsche-Widerstand.html\">Frankfurter Rundschau<\/a> das Defizit der deutschen Wirtschaftspolitik und die Hintergr&uuml;nde des Versagens herausgesch&auml;lt. Wir zitieren entscheidende Passagen und kommentieren. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nHier zun&auml;chst ein Auszug:<\/p><blockquote><p>Das h&auml;ssliche Wort Rezession schlich sich Anfang Januar in die Wirtschaftsberichterstattung ein. Amerikas Konjunktur kippt! Seither erscheint das Wort immer &ouml;fter. Seither mutieren die Konjunkturnachrichten zu Gruselgeschichten. Alles bricht ein: die Stimmung, die Auftr&auml;ge und sogar die Produktion &ndash; und das eigentlich weltweit. Gestern war es Japan, die zweitgr&ouml;&szlig;te Industrienation, die ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt f&uuml;r das zweite Quartal meldete. Und heute reiht sich die Nummer drei weltweit, Deutschland, ein. Auch hierzulande ging es in den Monaten April bis Juni bergab.<\/p>\n<p>(&hellip;)<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eine globale Nachfrageschw&auml;che. Die einzige wirtschaftspolitische Antwort lautet Nachfragestimulierung durch den Staat. Er allein kann sich noch problemlos verschulden und das System stabilisieren. Die Weltwirtschaft befindet sich an einem Punkt, der dem vor 70 Jahren stark &auml;hnelt, als der gro&szlig;e &Ouml;konom John Maynard Keynes seine Theorien entwickelte. Deshalb nimmt es auch kein Wunder, dass seine Rezepte wie Konjunkturprogramme wieder en vogue sind. In Amerika, Japan, Spanien und selbst beim Internationalen W&auml;hrungsfonds, der sich Anfang des Jahres vom Dogma der Angebotspolitik verabschiedete. &ldquo;Wir sind wieder alle Keynesianer&rdquo; stellte gerade das Wirtschaftsmagazin Economist fest.<\/p>\n<p>Alle? Nein. In Deutschland befindet sich ganz klar das Widerstandsnest im gel&auml;uterten &ouml;konomischen Mainstream. In keinem anderen Land ist Keynes so verteufelt worden wie hierzulande. Nirgendwo sonst sind die einflussreichen Beraterstellen derart ges&auml;ubert worden von &Ouml;konomen, die in volkswirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen denken k&ouml;nnen. Das ist die gro&szlig;e Schw&auml;che Deutschlands. Das ist die gro&szlig;e Sorge angesichts des globalen Abschwungs. Wieder k&ouml;nnte Deutschland darunter am st&auml;rksten leiden.<\/p><\/blockquote><p>Robert von Heusinger ist einer der wenigen f&uuml;hrenden Wirtschaftsjournalisten in Deutschland, der nicht mit anti-keynesianischer Blindheit geschlagen ist. Wir sind uns in den wesentlichen Einsch&auml;tzungen mit ihm einig.<br>\nIn den NachDenkSeiten machten wir 2007 und schon 2006 auf die hohen Risiken eines Konjunktureinbruchs aufmerksam. Die Gefahren konnte man an der Stagnation der Masseneinkommen, am R&uuml;ckgang des realen Konsums und der Einzelhandelsums&auml;tze und an den ersten Anzeichen f&uuml;r das Platzen der Blase im Fr&uuml;hsommer letzten Jahres erkennen. Die Mehrwertsteuererh&ouml;hung zum 1.1.2007 markierten wir schon 2006 als prozyklisch wirkende D&auml;mpfungsma&szlig;nahme. Siehe dazu die einschl&auml;gigen Beitr&auml;ge und die entsprechenden Artikel zum Thema im <a href=\"?page_id=2867\">&bdquo;Kritischen Jahrbuch 2007&ldquo;<\/a> auf den Seiten 101 bis 114. Die &Uuml;berschrift des Kapitels 7 im Jahrbuch lautet: &bdquo;Von Wirtschaftspolitik keine Ahnung &ndash; die vernachl&auml;ssigte Makropolitik.&ldquo;<\/p><p>Hier geht es nicht darum, Recht zu haben und Recht zu behalten. Hier geht es darum, mit guten Argumenten und Fakten unseren Politikern, auch Ihren Abgeordneten, klarzumachen, welche wahnsinnige Linie sie fahren und was sie den Arbeitnehmern, den Arbeitslosen und den Unternehmen in Deutschland, vor allem den auf den Binnenmarkt orientierten Unternehmen, antun.<br>\nWenn Sie die Gelegenheit dazu haben, dann drucken Sie den Leitartikel von Heusingers mit oder ohne diese Erg&auml;nzung aus und geben das in Ihrem Umfeld weiter. <\/p><p>Wenn Sie zus&auml;tzlich damit Ihre Abgeordneten sensibilisieren k&ouml;nnten, dann w&auml;re das hilfreich. Wir sollten in Deutschland endlich aufh&ouml;ren mit unserer makro&ouml;konomischen Extratour. Es ist wirklich an der Zeit, sich von ideologischen Barrieren zu befreien und alle verf&uuml;gbaren, n&uuml;tzlichen Instrumente der Wirtschaftspolitik einzusetzen.<\/p><p>Weil die Debatte um die Reformpolitik die tats&auml;chlich notwendige Makropolitik st&auml;ndig &uuml;berlagert hat, haben die meisten aktiven Politiker von diesem Defizit der deutschen Politik noch gar nicht Notiz genommen. Konjunkturpolitik ist ihnen so fremd, dass sie gar nicht wissen, was sie vers&auml;umen.<\/p><p><strong>Nachtrag: <\/strong><\/p><p>Jetzt kommt noch der Hinweis auf einen Artikel im Handelsblatt auf den Tisch. Siehe unten. Dort wird die so genannte Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro zitiert. Sie spricht von einer &bdquo;extrem starken Konjunktur der letzten Jahre&ldquo;. Diese angeblich extrem starke Konjunktur war von Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes von maximal 2,9%, von seit 1993 stagnierenden Masseneinkommen und einem R&uuml;ckgang der Einzelhandelsums&auml;tze schon in 2007 im Vergleich zu 2006 gekennzeichnet. Von einer starken Konjunktur konnte nie die Rede sein. Die &Auml;u&szlig;erungen dieser angeblichen Wirtschaftsweisen belegen die Beobachtung von Robert von Heusinger, dass bei uns alle wichtigen Beraterstellen von &Ouml;konomen ges&auml;ubert worden sind, die in gesamtwirtschaftlichen Zusammenh&auml;ngen zu denken verm&ouml;gen. Die zitierte Volkswirtin ist von Wolfgang Clement in die Position eines Mitglieds des Sachverst&auml;ndigenrates gehoben worden. Das passt zusammen. Einer, der nichts von Wirtschaftspolitik versteht, muss selbstverst&auml;ndlich daf&uuml;r sorgen, dass auch das Umfeld nicht sachverst&auml;ndiger ist. Und hier der Hinweis auf den Artikel im Handelsblatt:<\/p><p><strong>&bdquo;Der Aufschwung ist vorbei&ldquo;<\/strong><br>\nMit den BIP-Zahlen f&uuml;r das zweite Quartal ist das Ende des Aufschwungs in Deutschland nun offiziell. Ein Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal &ndash; das ist ein deutlicher D&auml;mpfer. Trotzdem sind die Reaktionen durchaus unterschiedlich. W&auml;hrend die Wirtschaft von einem &bdquo;Alarmsignal&ldquo; spricht und die Politik zum Handeln auffordert, zeigt man sich im zust&auml;ndigen Ministerium gelassen. Das Fazit von Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro ist eindeutig: &bdquo;Der Aufschwung ist vorbei. Die extrem starke Konjunktur der letzten Jahre ist Vergangenheit.&ldquo; Nach dem R&uuml;ckgang der Wirtschaftsleistung im Fr&uuml;hjahr schlie&szlig;t Weder di Mauro f&uuml;r das Sommerquartal ein erneutes Minus nicht aus. Auch die Wirtschaft spricht von einem deutlichen &bdquo;Alarmsignal&ldquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/konjunktur-nachrichten\/der-aufschwung-ist-vorbei;2022872\">Handelsblatt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert von Heusinger hat in der <a href=\"http:\/\/fr-online.de\/top_news\/1486110_Der-toerichte-deutsche-Widerstand.html\">Frankfurter Rundschau<\/a> das Defizit der deutschen Wirtschaftspolitik und die Hintergr&uuml;nde des Versagens herausgesch&auml;lt. Wir zitieren entscheidende Passagen und kommentieren. 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