{"id":34038,"date":"2016-06-30T09:08:01","date_gmt":"2016-06-30T07:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34038"},"modified":"2016-06-30T10:39:19","modified_gmt":"2016-06-30T08:39:19","slug":"ergaenzung-zum-beitrag-ueber-reporter-ohne-grenzen-und-die-messung-von-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34038","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzung zum Beitrag \u00fcber \u201eReporter ohne Grenzen\u201c und die Messung von Pressefreiheit"},"content":{"rendered":"<p>Es gab wieder eine Reihe von interessanten Leser-Mails und darunter auch solche, die f&uuml;r alle Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten von Interesse sind. Ein Leser, von Beruf Journalist, machte darauf aufmerksam, dass ich die wichtige Funktion der Presseagenturen vergessen hatte. Das ist richtig. Deshalb habe ich ihn gebeten, von seinen Erfahrungen zu berichten (Siehe A.). Ein anderer Leser w&uuml;rdigt die Arbeit von &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; (B.). Eine Leserin weist darauf hin, es sei bekannt, dass &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; von einer einschl&auml;gigen U.S.-NGO mitfinanziert werde. (C.) <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nWir geben Ihnen diese drei Texte zur Kenntnis:<\/p><ol type=\"A\">\n<li>\n<p><strong>Die Rolle der Presseagenturen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dazu die Einsch&auml;tzung eines NachDenkSeiten Lesers und Journalisten:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>Albrecht M&uuml;llers Aufz&auml;hlung kritischer Punkte zur Pressefreiheit in Deutschland m&ouml;chte ich noch einen wichtigen Aspekt hinzuf&uuml;gen: die Flaschenhals-Funktion der Nachrichtenagenturen. Auch dieser Mechanismus schr&auml;nkt n&auml;mlich die journalistischen Freiheiten hierzulande ein. Nachrichtenagenturen werden bei Medienkritiken oft vergessen, obwohl ihre Bedeutung kaum untersch&auml;tzt werden kann. Eine Studie, auf die k&uuml;rzlich auch die Nachdenkseiten hinwiesen, nannten die Agenturen &ldquo;das unsichtbare Nervenzentrum des Mediensystems&rdquo;. Selbst viele Medienbeitr&auml;ge, die nicht als Agenturtexte (bspw. durch das K&uuml;rzel &ldquo;dpa&rdquo;) gekennzeichnet sind, gehen auf Agenturmaterial zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Nachrichtenagenturen k&ouml;nnen so durch politisch motivierte Themenauswahl Schwerpunkte setzen bzw. ganze Themen wirksam unterdr&uuml;cken. Redakteure m&uuml;ssen sich dessen nicht mal bewusst sein. Was von den Agenturen nicht vermeldet wird, kommt auch in den meisten Medien nicht vor. Die Agenturen gelten ja mit ihrer neutral-sachlichen Sprache als seri&ouml;se Organe und sind interessiert daran, diese Charakterisierung auch zu pflegen, um f&uuml;r Medien weiter abonnierbar zu sein. Umso kleiner die Agenturen sind, desto st&auml;rker dieser selbstgemachte Druck. Das f&ouml;rdert den Konformismus unter den dort t&auml;tigen Redakteuren und deren Bereitschaft bestimmte Informationen als &ldquo;unseri&ouml;s&rdquo; wegzuwischen. Letztlich reproduzieren Agenturen genau deshalb vor allem sowieso schon dominante Interpretationsmuster, Sprachregelungen und orthodoxes Wissen.<\/p>\n<p>Ich selbst arbeite als freier Autor seit Jahren f&uuml;r eine deutsche Nachrichtenagentur. Ich hatte nie Probleme, dass die zust&auml;ndigen Redakteure dort mir auch mal nicht-vereinbarte, thematisch-harmlose Texte abnehmen. Aber in der Phase des Maidan musste ich erleben, dass Meldungen von mir nicht angenommen wurden, weil ein zust&auml;ndiger Redakteur die Vermutung hatte, dass diese &ldquo;russische Propaganda&rdquo; seien.<\/p>\n<p>Alles, was nicht in die hiesige politische Deutung passte, wurde so abgewehrt. Bei einer dieser Meldungen, &uuml;ber die Angst j&uuml;discher Ukrainer vor rechtsradikalen Angriffen, war dies besonders absurd, da sich meine Meldung auf die israelische Haaretz und die J&uuml;dische Allgemeine aus Berlin bezog (auch die israelische Botschaft war beteiligt) und selbst die Zeit sich des Themas annahm (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2014-02\/juden-rechtspopulisten-radikale-ukraine\">hier<\/a>). Die Meldung war total gew&ouml;hnlich und qualitativ v&ouml;llig in Ordnung &ndash; aber wenn der Redakteur &ldquo;nein&rdquo; sagt, kommt sie eben nicht in den Ticker&hellip; ganz offensichtlich aus politischen Gr&uuml;nden.<\/p>\n<p>Diese &ldquo;Agentur-Schranke&rdquo; ist eine der effektivsten Formen der Informationsunterdr&uuml;ckung, aber auch der Disziplinierung freier Journalisten. Die Missst&auml;nde, die aus solchen Mechanismen in Deutschland resultieren, lassen &ldquo;Reporter ohne Grenzen&rdquo; bei ihrer Landkartenproduktion gern unter den Tisch fallen.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Ein Leser rechtfertigt die Einteilung auf der Weltkarte von &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; so:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>&hellip; Grunds&auml;tzlich begr&uuml;&szlig;e ich Ihre kritische Anmerkung zur Bewertung der Darstellung von Pressefreiheit durch Reporter ohne Grenzen. Der von Reporter ohne Grenze angewandte Kriterienkatalog scheint vordergr&uuml;ndig in der Tat eine Eingrenzung des Ranking auf das Kriterium &bdquo;staatlicher Einfluss&ldquo; auf die Pressefreiheit vorzunehmen.&nbsp;<br>\nDiese Eingrenzung kann ich jedoch nachvollziehen, weil die staatlichen Eingriffe offensichtlich auch die Arbeit von Journalisten am direktesten &ndash; und in vielen L&auml;ndern von Gef&auml;ngnis, Folter und Todesgefahr bedroht &ndash; einschr&auml;nkt oder verhindert. <\/p>\n<p>Durch wissenschaftliche und publizistische Arbeiten wie die des Dr. Uwe Kr&uuml;ger (Auf den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31990\">Nachdenkseiten vom 10. M&auml;rz 2016<\/a> wird <a href=\"http:\/\/www.uni-leipzig.de\/journalistik\/fileadmin\/user_upload\/00\/krueger\/Publikationen_Uwe_Krueger.pdf\">Dr. Uwe Kr&uuml;ger<\/a>, der Autor des Buches <a href=\"http:\/\/www.halem-verlag.de\/meinungsmacht-und-elite-journalismus\/\">&bdquo;Meinungsmacht &ndash; Einfluss der Eliten&ldquo;<\/a>, interviewt zu seinem neuesten Buch: <a href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/Krueger-Mainstream\/productview.aspx?product=15997997\">&bdquo;Mainstream: Warum wir den Medien nicht mehr trauen&ldquo;<\/a>) wissen wir um weitere Einflussfaktoren, die Pressefreiheit zu gef&auml;hrden. <\/p>\n<p>Dennoch ist in den von Reporter ohne Grenzen wei&szlig; gekennzeichneten L&auml;ndern f&uuml;r jedermann die M&ouml;glichkeit gegeben, Informationen und Meinungen zu &auml;u&szlig;ern und zu verlegen (siehe exemplarisch die Nachdenkseiten) oder Blogs wie &nbsp;die von Heiner Flassbeck oder Norbert H&auml;ring.. Dieses qualitativ positive Potenzial, das in den &bdquo;wei&szlig;en L&auml;ndern&ldquo; zum Tragen kommen kann, spricht insofern f&uuml;r die zutreffende Grobkategorisierung der Weltkarte der Pressefreiheit. <\/p>\n<p>Es ist zutreffend, dass die Besitzverh&auml;ltnisse der Presse und deren Konzentration bei wenigen Familien Bedingungen von Macht schaffen, das eigene Weltbild nur noch durchzusetzen und nicht mehr in den Diskurs zu treten. Diese Erkenntnis mag sich in der Weltkarte der Reporter ohne Grenzen nicht widerspiegeln. Wie schwierig die Umsetzung des gesellschaftlichen Diskurses ist, n&auml;mlich &bdquo;als ein Ringen von Interessen gegen Interessen&ldquo; (siehe Uwe Kr&uuml;ger), zeigen gen&uuml;gend Beispiele zu den aktuellen Themen der Weltpolitik. <\/p>\n<p>Es sei zugestanden, dass die neoliberalen Weltbilder bei den Medienunternehmern &auml;quivalent denen der global agierenden Unternehmen sind und ihr Handeln leitet und der Druck auf die Arbeitnehmer (festangestellten Redakteure) und noch mehr auf den freien Mitarbeitern brutal gro&szlig; ist. Der Organisationsgrad auf Seiten der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten Journalisten ist parallel dazu niedrig, was ein &Uuml;briges dazu tut, dass Widerstand und Verhandlungsmacht in Sachen Vertr&auml;ge gleich Null geworden ist. Dass die vertraglichen Gestaltungen&nbsp;von Arbeitsverh&auml;ltnissen dieses Machtverh&auml;ltnis widerspiegeln, ist leider ebenfalls Alltag. Selbst eine &bdquo;Zensur&ldquo; der gelieferten Texte der Freien wird nicht selten durch die Redakteure vorgenommen, meistens durch Streichung von kritischen Passagen, begr&uuml;ndet damit, dass der einger&auml;umte Platz f&uuml;r das Thema nicht reiche. Zu oft spielt dabei die Schere im Kopf des angestellten Redakteurs eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle, als eine direkte Anweisung der Verlagsleitung. (Selbstgemachte Erfahrungen). Die Konsequenz kann dann nur sein, auszusteigen, will das eigene Selbstverst&auml;ndnis nicht besch&auml;digt werden. <\/p>\n<p>Trotz dieser G&auml;ngelung kann ich auf Alternativen ausweichen und dem Mainstream andere Modelle entgegenhalten. (Beispiel: Krautreporter). Sich in Berufsverb&auml;nden wie Freischreiber zu organisieren, ist ein weiterer Schritt der Selbstverantwortlichkeit und der Beteiligung zum Erhalt von Pressefreiheit.&nbsp;<\/p>\n<p>(&hellip;)<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung muss ob dessen dann wohl hei&szlig;en, in den Diskurs mit Reporter ohne Grenzen zu treten, um notwendige Erg&auml;nzungskriterien einflie&szlig;en lassen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJohannes B.<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Eine Leserin und ein Leser weisen darauf hin, es sei bekannt, dass &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; von einer einschl&auml;gigen U.S.-NGO und aus anderen fragw&uuml;rdigen Quellen mitfinanziert werde.<\/strong><\/p>\n<p>Dazu einige Hinweise auf Quellen:<\/p>\n<ol>\n<li>Zu RoG gibt es von dem Politikwissenschaftler J&ouml;rg Becker einen zwar &auml;lteren, aber immer noch aktuellen Beitrag. Erschienen im Neuen Deutschland vom 30.April \/ 1. Mai 2011 unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Weder NGO noch kritisch&rdquo;. Zum Beispiel nennt Becker die &ldquo;Sponsoren&rdquo; von RoG und das ist sehr aufschlu&szlig;reich.<br>\nHier ein Link zum <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Medien\/becker.html\">Beitrag<\/a>. Und hier noch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reporter_ohne_Grenzen\">mehr Infos und Hintergr&uuml;nde in den &ldquo;Einzelnachweisen&rdquo;<\/a>.<\/li>\n<li>der Hinweis auf einen Artikel bei Telepolis vom 8.5.2005:<br>\n<blockquote><p>Reporter ohne Grenzen im Dienste des US-Au&szlig;enministeriums?<br>\nDer Leiter der Journalistenorganisation, Robert M&eacute;nard, sieht in den Geldern vom National Endowment for Democracy kein Problem<br>\n&ldquo;Ganz genau, wir erhalten Geld von der NED und das bereitet uns kein Problem&rdquo;, hat der Chef von Reporter ohne Grenzen Robert M&eacute;nard in einem Diskussionsforum des Nouvel Observateur Mitte April&nbsp;zugegeben. Doch ist das&nbsp;National Endowment for Democracy&nbsp;(NED) nicht irgendeine Organisation. Sie &ndash; und die ihr untergeordneten Stiftungen &ndash; unterstehen dem US-Au&szlig;enministerium. Gegr&uuml;ndet wurde die Stiftung 1983 im Kalten Krieg unter der Reagen-Administration, um weltweit den Kommunismus zu bek&auml;mpfen und die Demokratie zu st&auml;rken. Das hie&szlig; zun&auml;chst, zielgerichtet eine Politik zur Destabilisierung Kubas und des sandinistischen Nicaraguas zu betreiben.<br>\n(&hellip;)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/20\/20052\/1.html\">Telepolis<\/a><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol><p><strong>Fazit: Mein Vertrauen in &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; ist gest&ouml;rt, nach weiteren Recherchen noch mehr als beim Schreiben des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34015\">urspr&uuml;nglichen Artikels<\/a>. Und das Vertrauen in meine Gewerkschaft ver.di Medien, die f&uuml;r &bdquo;Reporter ohne Grenzen&ldquo; wirbt, auch. Offensichtlich lassen sich alle reihum einspannen. Unertr&auml;glich.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gab wieder eine Reihe von interessanten Leser-Mails und darunter auch solche, die f&uuml;r alle Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten von Interesse sind. Ein Leser, von Beruf Journalist, machte darauf aufmerksam, dass ich die wichtige Funktion der Presseagenturen vergessen hatte. Das ist richtig. Deshalb habe ich ihn gebeten, von seinen Erfahrungen zu berichten (Siehe A.).<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34038\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,182,11],"tags":[1503,1919,911,1935,1415,1934,244,220],"class_list":["post-34038","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","tag-krueger-uwe","tag-lueckenpresse","tag-maidan","tag-presseagenturen","tag-pressefreiheit","tag-reporter-ohne-grenzen","tag-vierte-gewalt","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34038"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34038\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34039,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34038\/revisions\/34039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}