{"id":3408,"date":"2008-08-18T09:49:50","date_gmt":"2008-08-18T07:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3408"},"modified":"2015-11-15T15:15:19","modified_gmt":"2015-11-15T14:15:19","slug":"korrektur-zu-an-den-hochschulen-bleibt-die-elite-unter-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3408","title":{"rendered":"Korrektur zu \u201eAn den Hochschulen bleibt die \u201eElite\u201c unter sich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"?p=3405\">Beitrag vom 15.08.08<\/a> ist mir ein Irrtum unterlaufen. Ich habe aus dem &bdquo;9. Studierendensurvey&ldquo; zitiert und nicht aus dem neuen, gerade ver&ouml;ffentlichten <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/pub\/studiensituation_studentetische_orientierung_zehn.pdf\">&bdquo;10. Studierendensurvey&ldquo; [PDF &ndash; 1.5 MB]<\/a>. Das bedaure ich sehr.<br>\nIch muss meine Kritik jedoch nur insoweit korrigieren, dass in der <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/press\/2348.php\">Presseerkl&auml;rung, die das BMBF<\/a> anl&auml;sslich der aktuellen Ver&ouml;ffentlichung herausgegeben hat, darauf hingewiesen wird, dass sich die &ldquo;Schere&rdquo; der sozialen Herkunft beim Hochschulzugang vergr&ouml;&szlig;ert hat. Allerdings sieht Ministerin Schavan die Schuld f&uuml;r die &bdquo;akademische Selbstreproduktion&ldquo; ausschlie&szlig;lich bei den Schulen. Die Tatsache, dass auch die &Uuml;bergangsquoten von Abiturienten an die Hochschulen von der sozialen Herkunft bestimmt werden, wird von der Bundesbildungsministerin nach wie vor ignoriert. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nIn der Sache habe ich allerdings meine kritischen Anmerkungen zum 9. Studierendensurvey nicht zu korrigieren. Im Gegenteil, die Dominanz des akademischen Milieus an den Hochschulen hat nach den Ergebnissen des 10. Studierendensurveys von 2004 auf 2007 sogar noch zugenommen:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20080818_01.gif\" alt=\"Zeitlicher Vergleich der akademischen Qualifikation der Eltern von Studierenden an Universit&auml;ten und Fachhochschulen (1993-2007)\" title=\"\"><\/p><p>Dass wir in Deutschland das sozial selektivste Schulsystem haben, ist hinl&auml;nglich bekannt, das &auml;ndert jedoch nichts daran, dass die soziale Herkunft dar&uuml;ber hinaus auch beim &Uuml;bergang von der Schule in die Hochschule einen gro&szlig;en Einfluss hat: <\/p><p>Von 100 Kindern aus der &bdquo;hohen&ldquo; sozialen Herkunftsgruppe erreichen 85 einen Schulabschluss mit der Berechtigung zum Studieren, und davon gehen danach 81 zur Hochschule.<br>\nVon 100 Kindern aus der &bdquo;niedrigen&ldquo; sozialen Herkunftsgruppe schaffen 36 einen solchen Abschluss und von diesen 36 &uuml;berwinden nur noch <a href=\"?p=1817\">11 die Schwelle zur Hochschule<\/a>.<\/p><p>Indem Annette Schavan ausschlie&szlig;lich die Schule zum &bdquo;S&uuml;ndenbock&ldquo; f&uuml;r die fehlende Chancengerechtigkeit macht, verweigert sie jede Diskussion &uuml;ber die Verbesserung der Ausbildungsf&ouml;rderung, &uuml;ber die zus&auml;tzliche Barriere, die mit den Studiengeb&uuml;hren f&uuml;r den Hochschulzugang von sozial Schw&auml;cheren aufgebaut wurde oder &uuml;ber einen Ausbau des Stipendienwesens. <\/p><p>Dabei ist die Finanzierung eines Studiums ist nach wie vor f&uuml;r viele Studierende ein erhebliches Problem, fast die H&auml;lfte der Studierenden (47%) sieht sich gezwungen, neben dem Studium einer Erwerbst&auml;tigkeit nachzugehen. <\/p><p>Die Zahl der BaF&ouml;G-gef&ouml;rderten <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2008\/08\/PD08__294__214,templateId=renderPrint.psml\">Sch&uuml;ler und Studenten ist sogar gesunken<\/a>, seit 2002 wurden weder F&ouml;rdersumme noch Elternfreibetr&auml;ge oder Einkommensgrenzen angepasst. Die m&uuml;hselig erreichte Erh&ouml;hung der F&ouml;rdersumme ab dem kommenden Wintersemester gleicht kaum den Preisanstieg aus. <\/p><p><strong>Die Bachelor-Studieng&auml;nge haben seit 2004 noch mehr an Unterst&uuml;tzung verloren<\/strong><\/p><p>Zum Sommersemester 2008 sind von den rund 11.000 Studienangeboten an den Universit&auml;ten 2.649 und an den Fachhochschulen 1.836 als Bachelor-Studieng&auml;nge angelegt.<br>\nNach wie vor seien die Kenntnisse &uuml;ber die neue Studienstruktur mit Bachelor und Master oft unzureichend. Die meisten Studierenden, vor allem an den Universit&auml;ten, seien von den Vorteilen der neuen Studieng&auml;nge nicht &uuml;berzeigt. Der Bachelor habe zwischen 2001 und 2007 sogar an Unterst&uuml;tzung verloren.<br>\nBedenken gegen den &bdquo;Bologna-Prozess&ldquo; richteten sich nicht gegen dessen Ziele, sondern gegen strukturelle und organisatorische Vorgaben.<\/p><p>Allenfalls das Kredit-Punkte-System gilt jeweils f&uuml;r 54% als wichtig; einen Bachelor-Abschluss nach sechs Semestern bef&uuml;rworten an der Fachhochschule aber nur 41% und an der Universit&auml;t sogar nur 36%. Masterstudieng&auml;nge halten 58% an der Fachhochschule und 45% an der Universit&auml;t f&uuml;r wichtig. (Die gr&ouml;&szlig;ere Zustimmung bei den Fachhochschulen erkl&auml;rt sich aus der Hoffnung, dass dort mit dem Master erstmals ein h&ouml;herer Abschluss erm&ouml;glicht wird.)<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20080818_02.gif\" alt=\"Wichtigkeit neuer Studienstrukturen f&uuml;r Studierende an Universit&auml;ten und Fachhochschulen (2001-2007)\" title=\"\"><\/p><p>Bedenklich erscheine, dass selbst in der Gruppe der gut informierten Studierenden die Vorbehalte gegen den Bachelor seit 2001 stark zugenommen haben: positive Erwartungen w&uuml;rden seltener geteilt und negative Erwartungen h&auml;ufiger best&auml;tigt. <\/p><p>Viel h&auml;ufiger werde auch die zu geringe individuelle Studiengestaltung bem&auml;ngelt (Zunahme von 35% auf 49%); viel seltener werde als zutreffend angesehen, dass der Bachelor auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen er&ouml;ffne (R&uuml;ckgang von 38% auf 20%). <\/p><p>Die hohe und steigende Quote von Distanz und Abwertung des Bachelor-Abschlusses bei den gut informierten Studierenden spreche daf&uuml;r, dass deren Urteile nunmehr begr&uuml;ndeter erscheinen und &uuml;berzeugter vertreten w&uuml;rden. Insofern sei zu erwarten, dass Spaltungen und Streit um den Bachelor zunehmen &ndash; und nicht durch einen besseren Informationsstand reduziert oder bes&auml;nftigt w&uuml;rden.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/20080818_03.gif\" alt=\"Positive und negative Erwartungen an den Bachelor-Abschluss von Studierenden im Bachelor-Studium nach F&auml;chergruppen (WS 2006\/07)\" title=\"\"><\/p><p>Insgesamt sei in den n&auml;chsten Jahren nicht mit einer gr&ouml;&szlig;eren Bereitschaft der Studierenden zum Bachelor-Studium zu rechnen, auch wenn sich das Angebot an den Hochschulen mehr etabliert. Denn die Teilnahmebereitschaft bleibe begrenzt, sei sogar leicht r&uuml;ckl&auml;ufig. <\/p><p>An den Fachhochschulen w&uuml;rden 2007 noch 57% (2004 waren es 64%) der Studierenden unter Umst&auml;nden ein Bachelor-Studium von sich aus beginnen wollen, an den Universit&auml;ten w&auml;ren es 48% (2004 noch 53%). Sicher in diesem Vorhaben seien sich 34% der Studierenden an den Fachhochschulen und 25% an den Universit&auml;ten.<\/p><p>Am meisten sind wohl die Versprechungen einer gr&ouml;&szlig;eren Internationalisierung des Studiums durch den Bologna-Prozess entt&auml;uscht worden. Die auf st&auml;rkere Internationalisierung des Studiums in Europa ausgerichteten Ziele der Hochschulentwicklung, kurz als Bologna-Prozess betitelt, werden zwar von zwei Dritteln oder mehr der Studierenden als wichtig eingesch&auml;tzt,<br>\naber insgesamt berichten an den Universit&auml;ten nur 9%, an den Fachhochschulen 7% von einer Studienphase im Ausland. In den ersten sechs Semestern (also der Regelstudienzeit f&uuml;r einen Bachelor) waren kaum Studierende zum Studieren im Ausland: an den Universit&auml;ten nur 3%, an den Fachhochschulen immerhin 5%.<br>\nBachelor-Studierende haben sogar seltener ein Auslandsstudium vor als Diplom-Studierende.<\/p><p>Die Schlagzeile des BMBF zum &bdquo;10. Studierendensurvey&ldquo; &bdquo;Studierende erstmals zufrieden mit Qualit&auml;t des Studiums&ldquo; m&uuml;sste also um den Zusatz erg&auml;nzt werden, die Akzeptanz der mit den Studienreformen eingef&uuml;hrten Bachelor-Studieng&auml;nge nimmt ab. Fast die H&auml;lfte der Studierenden (47%) bef&uuml;rchtet einen Hochschulabschluss zweiter Klasse. <\/p><p>Siehe dazu auch eine <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wissen_und_bildung\/aktuell\/?em_cnt=1514587&amp;em_loc=1739\">Zusammenfassung in der FR<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem <a href=\"?p=3405\">Beitrag vom 15.08.08<\/a> ist mir ein Irrtum unterlaufen. Ich habe aus dem &bdquo;9. Studierendensurvey&ldquo; zitiert und nicht aus dem neuen, gerade ver&ouml;ffentlichten <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/pub\/studiensituation_studentetische_orientierung_zehn.pdf\">&bdquo;10. Studierendensurvey&ldquo; [PDF &ndash; 1.5 MB]<\/a>. Das bedaure ich sehr.<br \/> Ich muss meine Kritik jedoch nur insoweit korrigieren, dass in der <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/press\/2348.php\">Presseerkl&auml;rung, die das BMBF<\/a> anl&auml;sslich der aktuellen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3408\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[206,17],"tags":[524,320,321,408,234],"class_list":["post-3408","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chancengerechtigkeit","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-bafoeg","tag-bolognaprozess","tag-schavan-annette","tag-soziale-herkunft","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3408"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28718,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3408\/revisions\/28718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}