{"id":341,"date":"2004-07-22T10:28:31","date_gmt":"2004-07-22T09:28:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=341"},"modified":"2016-03-29T09:56:07","modified_gmt":"2016-03-29T07:56:07","slug":"75-jahre-auf-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=341","title":{"rendered":"75 Jahre auf Kurs"},"content":{"rendered":"<p>Die Argumentationsweise der Wirtschaftsverb&auml;nde gegen sozialstaatliche Errungenschaften sind heute verbl&uuml;ffend &auml;hnlich wie vor 75 Jahren. Darauf macht mich Claus Hofmann aufmerk-sam. Was er da in einer Denkschrift des Reichsverbandes der deutschen Industrie von 1929 ausgegraben hat, ist interessant f&uuml;r alle Nutzer der NachDenkSeiten, die gelegentlich ein Zitat f&uuml;r ihre eigenen Artikel und Reden brauchen.<br>\n<!--more--><br>\nIm folgenden wird aus der Denkschrift des Pr&auml;sidiums des Reichsverbandes der deutschen Industrie mit dem Titel: &bdquo;Aufstieg oder Niedergang? Deutsche Wirtschafts- und Finanzreform 1929&ldquo; vom Dezember 1929, erschienen im Selbstverlag des Reichsverbandes der deutschen Industrie Berlin 1929, zitiert.<\/p><blockquote><p>Die deutsche Wirtschaft steht am Scheidewege. Wenn es nicht endlich gelingt, das Steuer um-zulegen und unserer Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik eine entscheidende Wendung zu geben, dann ist der Niedergang der deutschen Wirtschaft besiegelt.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 7<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Die Sozialversicherung soll die wirklich Schutzbed&uuml;rftigen und Notleidenden betreuen, eine unberechtigte, die Volksmoral sch&auml;digende Ausnutzung ihrer Einrichtungen aber verhindern.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 12<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Die Teilreform (der Arbeitslosenversicherung) vom 3. Oktober 1929 ist nicht ausreichend. &Uuml;ber sie hinaus muss das Arbeitslosenversicherungsgesetz sofort umgestaltet werden. Ziel der Reform muss sein, den Haushalt der Reichsanstalt durch weitere Ersparnisse ohne Erh&ouml;hung der Beitr&auml;ge und ohne in Anspruchnahme &ouml;ffentlicher Mittel in ein dauerhaftes Gleichgewicht zu bringen.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 12\/13<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Der Umbau der Finanzwirtschaft hat nach zwei Gesichtspunkten zu erfolgen:<\/p>\n<ol>\n<li>wesentliche Senkung der &ouml;ffentlichen Ausgaben und Steuern,<\/li>\n<li>Beschaffung der Mittel, st&auml;rker als bisher durch indirekte Besteuerung.&ldquo;<\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 13<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>In den letzten Jahren ist eine gewaltige Steigerung der sozialen Lasten zu beobachten. Diese Summen belasten die Industrie in au&szlig;ergew&ouml;hnlichem Ma&szlig;e, und es mehren sich die Stimmen auch aus Versichertenkreisen, die die H&ouml;he der Beitr&auml;ge f&uuml;r die Sozialversicherung als uner-tr&auml;glich bezeichnen. Es ist keine Frage, dass durch die hohen sozialen Ausgaben die Wettbewerbsf&auml;higkeit der Wirtschaft, insbesondere dem Auslande gegen&uuml;ber, in immer st&auml;rkeren Ma&szlig;e beeintr&auml;chtigt wird.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 27<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Wir verlangen daher von Reichstag und Reichsregierung die erneute sofortige Angriffnahme einer weiteren Arbeitslosenversicherungsreform mit dem Ziele, diese Reform durch weitere Ersparnisma&szlig;nahmen, nicht aber durch erh&ouml;hte Beitr&auml;ge, durchzuf&uuml;hren.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 28<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Die Ausgabensenkung wird daher neben dem Ziel der Entlastung der Wirtschaft zu einer staatspolitisch Notwendigkeit aller erster Ordnung. Die R&uuml;cksicht auf das Ansehen des Staates und des deutschen Kredits muss auch f&uuml;r die Finanzpolitik an erster Stelle stehen. Wenn die Wirtschaft als Hauptsteuertr&auml;ger erhalten werden soll, dann m&uuml;ssen die &ouml;ffentlichen Ausgaben schleunigst gesenkt werden.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 33<\/p>\n<\/blockquote><blockquote><p>Wir denken uns diese Senkungen nicht etwa in Form von Gehaltsk&uuml;rzungen oder gar durch schematischen Beamtenabbau. Wer, wie wir, die Notwendigkeit und den Wert eines gut vorgebildeten Beamtentums bejaht, kann eine derartige Ma&szlig;nahme nicht gut hei&szlig;en.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">a.a.O., Seite 33<\/p>\n<\/blockquote><p><strong>Fazit:<\/strong> Die 75 Jahre alten Forderungen klingen doch sehr modern, wenn man von den Forderungen zur Bezahlung und zum Umfang der &ouml;ffentlichen Besch&auml;ftigung absieht. Zum &ouml;ffentlichen Dienst ist mittlerweile eine deutliche Weiterentwicklung festzustellen. Die mit der Denkschrift damals gestellte General-Frage &bdquo;Aufstieg oder Niedergang?&ldquo; hat mittlerweile eine eindeutige Antwort gefunden: Die heutige Einkommens- und Verm&ouml;genserteilung ist die klare und eindeutige Antwort. \t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Argumentationsweise der Wirtschaftsverb&auml;nde gegen sozialstaatliche Errungenschaften sind heute verbl&uuml;ffend &auml;hnlich wie vor 75 Jahren. Darauf macht mich Claus Hofmann aufmerk-sam. 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