{"id":34121,"date":"2016-07-07T14:02:52","date_gmt":"2016-07-07T12:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34121"},"modified":"2016-07-07T15:34:59","modified_gmt":"2016-07-07T13:34:59","slug":"ceta-und-die-nationalen-parlamente-freut-euch-nicht-zu-frueh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34121","title":{"rendered":"CETA und die nationalen Parlamente \u2013 freut Euch nicht zu fr\u00fch!"},"content":{"rendered":"<p>Nun soll das europ&auml;isch-kanadische Freihandelsabkommen CETA also doch &bdquo;von den nationalen Parlamenten&ldquo; verabschiedet werden. F&uuml;r viele freihandelskritischen Beobachter ist dies ein Grund zur Freude. Vor allem die Gr&uuml;nen haben bereits angek&uuml;ndigt, aus ihrem Widerstand gegen CETA eine Kampagne zu machen und &bdquo;CETA zu stoppen&ldquo;. Das w&auml;re nat&uuml;rlich wunderbar; nur leider scheint Optimismus hier fehl am Platze zu sein. Es ist n&auml;mlich noch offen, &uuml;ber was die nationalen Parlamente eigentlich konkret abstimmen sollen und was passiert, wenn ein Staat CETA nicht ratifiziert. Am Ende k&ouml;nnte gar ein Szenario stehen, bei dem N&auml;gel mit K&ouml;pfen gemacht werden, w&auml;hrend die Gegner noch ihren Widerstand planen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n28 nationale und 14 regionale Parlamente m&uuml;ssen nun auf europ&auml;ischer Seite &bdquo;&uuml;ber CETA&ldquo; abstimmen. Doch &uuml;ber was genau d&uuml;rfen die Parlamentarier entscheiden? &Uuml;ber das gesamte Abkommen? Oder nur &uuml;ber den kleinen Teil, der keine EU-Belange, sondern lediglich rein nationale Belange betrifft? Experten sch&auml;tzen diesen Anteil &uuml;brigens auf 5% bis 10% des gesamten Abkommens. In den deutschen Medien wird diese Unterscheidung seltsamerweise gar nicht vorgenommen. Hier ist CETA ein monolithischer Block, der entweder komplett &bdquo;EU-only&ldquo; ist und ausschlie&szlig;lich in Br&uuml;ssel verabschiedet werden kann oder ein gemischtes Abkommen, bei dem dann die 42 nationalen bzw. regionalen Parlamente dem gesamten Abkommen zustimmen m&uuml;ssen. Diese Rechtsauffassung teilen die Kanadier aber beispielsweise nicht. Dort hei&szlig;t es in der angesehenen Zeitung <a href=\"http:\/\/www.theglobeandmail.com\/%E2%80%A6\/ottawa-mu%E2%80%A6\/article30763970\/%20\">Globe and Mail<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die EU hat erkl&auml;rt, dass der Vertrag [&hellip;] vom Charakter her ein gemischtes Abkommen ist, das sowohl der EU- als auch der nationalen Zust&auml;ndigkeit unterliegt. Aber es ist dennoch m&ouml;glich, dass der Gro&szlig;teil des Vertrags &ndash; die Inhalte, die unter EU-Zust&auml;ndigkeit fallen &ndash; bereits &bdquo;provisorisch&ldquo; in Kraft treten, bevor die nationalen Parlamente abstimmen. Wenn das Abkommen erst einmal vom Europ&auml;ischen Rat [&hellip;] verabschiedet ist, k&ouml;nnen 90% bis 95% des Vertrags in Kraft treten.<br>\nDas hei&szlig;t, dass die Parlamente in Staaten, in denen es umfassende Bedenken gibt, so wie Rum&auml;nien und Belgien, nur einen Teil von CETA innerhalb ihrer eigenen Grenzen stoppen k&ouml;nnen. Sie verf&uuml;gen nicht &uuml;ber ein Vetorecht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Demnach vertritt die kanadische Seite die Position, dass die nationalen Parlamente nur &uuml;ber kleine Teile von CETA abstimmen d&uuml;rfen und diese Interpretation werden die Kanadier sich ja nicht ausgedacht haben. Seltsam nur, dass die europ&auml;ischen Medien kaum &uuml;ber diesen eminent wichtigen Punkt berichten. Denn wenn die Interpretation von Globe and Mail zutrifft, ist das Zugest&auml;ndnis, CETA &bdquo;von den nationalen Parlamenten&ldquo; verabschieden zu lassen, nichts als eine Blendgranate. Wenn CETA am 27. Oktober auf dem EU-Kanada-Gipfel unterzeichnet wird, ist das Handelsabkommen dann in trockenen T&uuml;chern und kann zu 90% bis 95% in Kraft treten. Im n&auml;chsten Jahr &bdquo;d&uuml;rfen&ldquo; die Parlamente dann &uuml;ber unwichtige Teilaspekte abstimmen, die dann auch nur ihr eigenes Land betreffen. So wird niemand CETA stoppen k&ouml;nnen.<\/p><p>Auch ein zweiter Aspekt wird gern vergessen. Es ist ja unstrittig, dass der Gro&szlig;teil des CETA-Abkommens nach der Verabschiedung durch den Europ&auml;ischen Rat bereits &bdquo;provisorisch&ldquo; in Kraft treten soll. Was aber hei&szlig;t in diesem Kontext &bdquo;provisorisch&ldquo;? Klar, wenn alle nationalen Parlamente &bdquo;ihre&ldquo; Vertragsteile auch noch ratifiziert haben, wird aus dem &bdquo;provisorischen&ldquo; ein regul&auml;res Vertragswerk. Aber was passiert, wenn ein Staat den Vertrag nicht ratifiziert? Nun, dass ist vollkommen offen. Das &bdquo;Provisorium&ldquo; hat n&auml;mlich kein Verfallsdatum. Sollten beispielweise &ndash; wovon momentan auszugehen ist &ndash; Belgien, Bulgarien und Rum&auml;nien den Vertrag nicht ratifizieren, dann hat dies keine Auswirkungen auf den EU-Teil des Abkommens. CETA w&uuml;rde dann halt bis zum Sanktnimmerleinstag in drei Staaten mit 90% bis 95% und im Rest der EU mit 100% in Kraft bleiben. Auch in diesem Falle w&auml;re die Abstimmung ein reiner Bluff, die demokratische Mitsprache der nationalen Parlamente eine Blendgranate.<\/p><p>Mit diesen Zweifeln will ich keineswegs als Spielverderber dastehen. Wenn die Politiker und Aktivisten, die sich momentan so lautstark &uuml;ber die Beteiligung der Parlamente freuen, mehr wissen als ich, dann w&uuml;rde ich mich liebend gerne &ouml;ffentlich korrigieren. Ich bezweifele nur, dass dies geschehen wird. Leider. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/7882843db94d4bdc9f3e69fc48b51241\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun soll das europ&auml;isch-kanadische Freihandelsabkommen CETA also doch &bdquo;von den nationalen Parlamenten&ldquo; verabschiedet werden. F&uuml;r viele freihandelskritischen Beobachter ist dies ein Grund zur Freude. Vor allem die Gr&uuml;nen haben bereits angek&uuml;ndigt, aus ihrem Widerstand gegen CETA eine Kampagne zu machen und &bdquo;CETA zu stoppen&ldquo;. 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