{"id":3413,"date":"2008-08-20T16:31:57","date_gmt":"2008-08-20T14:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3413"},"modified":"2015-11-15T15:12:15","modified_gmt":"2015-11-15T14:12:15","slug":"nochmals-10-studierendensurvey20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3413","title":{"rendered":"Nochmals: 10. Studierendensurvey20"},"content":{"rendered":"<p>Horrormeldungen aus dem Studentenalltag, etwa in K&ouml;ln: man kommt nicht in die Veranstaltungen, die man laut Studienplan belegen m&uuml;sste, denn die sind &uuml;berf&uuml;llt. In Seminaren mit hunderten von Teilnehmern bekommt man seine Kreditpunkte, die die Studienleistung quantifizieren sollen, ohne sich je zu Wort gemeldet und mit dem Professor ein Wort gewechselt zu haben. Wie auch, bei 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern?! Alles falsch. &bdquo;Die Zeit&ldquo; berichtet &uuml;ber  Gl&uuml;cksgef&uuml;hle der Studierenden im H&ouml;rsaal. Noch nie waren die Studierenden mit der Qualit&auml;t des Studiums so zufrieden wie heute, l&auml;sst Bundesbildungsministerin Annette Schavan mitteilen. Sie st&uuml;tzt sich auf den 10. Studierendensurvey, also einer empirischen Erhebung. Man glaubt es nicht, und so sieht man mal genauer hin. Von Karl-Heinz Heinemann<br>\n<!--more--><br>\nJa, die Studenten finden heute einiges besser als fr&uuml;her. Doch sie loben nicht das Studium insgesamt oder gar die Studienbedingungen, sondern die Qualit&auml;t der Lehrveranstaltungen: Immerhin 60 Prozent der Studierenden fanden im letzten Jahr, dass der Vortrag ihres Professors verst&auml;ndlich sei. Prima. 1993 rauschte der professorale Wortschwall noch an 65 Prozent der H&ouml;rsaalbelegschaft v&ouml;llig unverstanden vorbei. 1998 weckte der Lehrvortrag nicht einmal bei 20 Prozent der Zuh&ouml;rerinnen und Zuh&ouml;rer Interesse und Motivation zum Studium, 2007 f&uuml;hlten sich immerhin schon 28 Prozent im H&ouml;rsaal angesprochen. Mancher Rheumadeckenverk&auml;ufer w&auml;re froh, w&uuml;rde er so viele seiner Zuh&ouml;rer mit seiner Botschaft  erreichen.<\/p><p>Immerhin &ndash; vor Jahrzehnten musste sich ein Professor keinen Deut um die Qualit&auml;t seiner Lehre k&uuml;mmern. Da hat sich etwas ge&auml;ndert, seitdem Studenten ihn in Frageb&ouml;gen bewerten und Hochschullehrer sich damit legitimieren m&uuml;ssen, dass ihre Lehrveranstaltung auch in den vorgesehenen Studienplan passt.  Aber kann man wirklich von Gl&uuml;cksgef&uuml;hlen im H&ouml;rsaal sprechen, wenn nach wie vor 70 Prozent der Studenten die Veranstaltungen dort interessant noch motivierend finden? Wenn immer noch ein F&uuml;nftel der Studierenden ernsthaft &uuml;berlegt, das Studium abzubrechen?<\/p><p>Aber vielleicht liegt es ja auch an den Studierenden, dass sie heute den Vorlesungen und Seminaren ein wenig mehr abgewinnen k&ouml;nnen als vor 15 Jahren. Laut Studierendensurvey sind sie n&auml;mlich heute in jeder Hinsicht motivierter. Sowohl das fachliche und das allgemeine Bildungsinteresse hat zugenommen als auch die Erwartung eines sicheren Arbeitsplatzes und besserer Bezahlung. Also: sie werden besser zuh&ouml;ren, egal, was der Professor ihnen erz&auml;hlt.<\/p><p>Nun kommen wir zum Kleingedruckten. Der &bdquo;Zeit&ldquo; ist es gar keiner Erw&auml;hnung wert, in Annette Schavans Pressemitteilung findet man zumindest einen Hinweis darauf, dass sich die Schere der sozialen Herkunft beim Hochschulzugang weiter ge&ouml;ffnet hat. Doch was auch Schavan nicht erw&auml;hnt: Je mehr Studierende zwangsweise Bachelorstudien absolvieren, desto schlechter schneiden diese neuen Studieng&auml;nge in der Meinung der Studenten ab. Immer weniger erwarten, n&auml;mlich nur noch 12 %, dass man damit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt h&auml;tte oder dass man damit im Ausland besser ank&auml;me, daf&uuml;r glauben immer mehr, dass die wissenschaftliche Qualit&auml;t der Ausbildung zu gering sei. 2001 glaubte ein Viertel der Studenten, dass das Bachelorstudium die individuelle Gestaltung des Studiums stark behindert, 2007 war es die H&auml;lfte! Eine un&uuml;bersichtliche Menge an zu spezialisierten F&auml;chern werde da geboten, die zu Akademikern zweiter Klasse f&uuml;hren und, entgegen der erkl&auml;rten Intention, die F&auml;higkeiten der Studierenden zu wenig f&ouml;rdere. <\/p><p>&Uuml;blich ist es, dass eine Neuerung von den Betroffenen erst mal abgelehnt wird, solange sie keine Erfahrungen damit gesammelt haben. Doch hier ist es anders: je besser die Studenten Bescheid wissen, desto heftiger wird die Ablehnung. Wenn man also etwas aus dem Studierendensurvey schlussfolgern kann, dann ist es dies: Die Bolognareform ist ein Flop.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Horrormeldungen aus dem Studentenalltag, etwa in K&ouml;ln: man kommt nicht in die Veranstaltungen, die man laut Studienplan belegen m&uuml;sste, denn die sind &uuml;berf&uuml;llt. In Seminaren mit hunderten von Teilnehmern bekommt man seine Kreditpunkte, die die Studienleistung quantifizieren sollen, ohne sich je zu Wort gemeldet und mit dem Professor ein Wort gewechselt zu haben. 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