{"id":34206,"date":"2016-07-14T10:54:53","date_gmt":"2016-07-14T08:54:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34206"},"modified":"2018-12-27T11:39:41","modified_gmt":"2018-12-27T10:39:41","slug":"der-stille-krieg-im-eigenen-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34206","title":{"rendered":"Der stille Krieg im eigenen Land"},"content":{"rendered":"<p>US-Regierungen f&uuml;hren seit langem und Jahren einen Krieg gegen den Terror. Im Irak, in Afghanistan, in Libyen, im Jemen, in Pakistan&hellip; lassen wir einmal v&ouml;llig und verbittert beiseite, mit welchen Begr&uuml;ndungen, mit welchen L&uuml;gen, mit welchem Erfolg.<br>\nH&auml;tten die US-Regierungen nicht genug zu tun, den Terror im eigenen Land zu bek&auml;mpfen?<br>\nZum Beispiel den Terror von Polizeibeamten, wenn sie bevorzugt Schwarze ermorden. Von <strong>Wolf Wetzel<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Washington Post versucht seit letztem Jahr, die genaue Zahl der von Polizisten get&ouml;teten Menschen zu erfassen. 2015 waren es demnach fast 1.000 Menschen, doppelt so viele, als das FBI als durchschnittliche Zahl &uuml;ber die letzten Jahre gemeldet hatte. (&hellip;) Die H&auml;lfte der Get&ouml;teten sind Wei&szlig;e, die andere H&auml;lfte geh&ouml;rt Minderheiten an. Die Wahrscheinlich, dass ein Schwarzer von Polizisten get&ouml;tet wird, ist 2,5 Mal h&ouml;her als bei einem Wei&szlig;en.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Florian R&ouml;tzer, telepolis vom 8.7.2016)<\/p><p>Die letzten Morde durch Polizeibeamte liegen nicht lange zur&uuml;ck. Die Umst&auml;nde waren weder zweifelhaft noch unaufkl&auml;rbar: Es existieren Videos, auf denen erschreckend klar dokumentiert ist, wie Polizisten Schwarze jagen und dann erschie&szlig;en oder erw&uuml;rgen. Im ersten Fall sieht man, wie ein Schwarzer wegrennt und ein Polizist aus gro&szlig;er Distanz gleich mehrere t&ouml;dliche Sch&uuml;sse abgibt. Im zweiten Fall &uuml;berw&auml;ltigen mehrere Polizisten einen Schwarzen. Ein Polizist w&uuml;rgt ihn schlie&szlig;lich so lange, bis er tot ist. Das Ritual danach ist so alt wie der Rassismus: In der Regel leugnet man zuerst alles. Dann war der Tote bewaffnet. Am Ende bedauert man einen &sbquo;Einzelfall&rsquo; und das Ganze geht wieder von vorne los. Zuletzt vor einigen Tagen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Baton Rouge (Louisiana) zwangen zwei Polizisten den 37-j&auml;hrigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden und erschossen ihn aus n&auml;chster N&auml;he. Tags darauf starb der 32 Jahre alte Philando Castile in Falcon Heights (Minnesota) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(FR vom 8.7.2016)<\/p><p>Im letzten Fall hatte seine Freundin diesen Mord per Video festgehalten. &bdquo;Die Aufnahmen zeigen einen blut&uuml;berstr&ouml;mten Mann auf dem Fahrersitz und einen Polizisten, der mit gez&uuml;ckter Waffe vor dem Fenster steht. Die Frau sagt, sie sei wegen eines defekten R&uuml;cklichts angehalten worden. Die Polizei habe vier Mal auf ihren Freund geschossen.&ldquo; (s.o.)<br>\nDie Mutter des Get&ouml;teten sagte gegen&uuml;ber dem Nachrichtensender CNN, <em>es gebe in den USA einen stillen Krieg gegen Afro-Amerikaner.<\/em><\/p><p>Nun wissen alle, dass es auch jetzt nicht mit diesen Morden in Uniform aufh&ouml;rt. Die einen trauern und klagen an, die Verantwortlichen versprechen Untersuchungen, und auch dieses Mal wirft der US-Pr&auml;sident Obama ein paar mitf&uuml;hlende Worte Richtung Opfer und mahnt zur Besonnenheit und verspricht das, was bereits x-mal zuvor nicht eingehalten wurde:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Alle Amerikaner sollten die Wut, die Frustration und die Trauer anerkennen, die so viele Amerikaner f&uuml;hlen &ndash; Gef&uuml;hle, die in friedlichen Protesten und Mahnwachen ihren Ausdruck finden. Michelle und ich teilen diese Gef&uuml;hle.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(FR vom 8.7.2016)<\/p><p>Wie oft sollen Schwarze noch mit friedlichen Protesten und Mahnwachen dazu beitragen, dass sich nichts &auml;ndert? Haben die letzten tausend Trauerm&auml;rsche Polizisten und die sie sch&uuml;tzenden Politiker zur Umkehr bewegen k&ouml;nnen?<\/p><p><strong>Schwarz zu sein, ist eine Vorstrafe (wenn man nicht im Wei&szlig;en Haus wohnt)<\/strong><\/p><p>Man muss bei der Wortwahl ein wenig schlucken, aber die Bemerkung des schwarze Schriftsteller Tanehisi Coates ist in jedem Fall erhellender als das routinierte Entsetzen und die Kontinuit&auml;t der Morde in Polizeiuniform:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Polizei ist ein Spiegel Amerikas. Die Polizei infrage zu stellen, bedeutet das amerikanische Volk infrage zu stellen. Das Problem mit der Polizei ist nicht, dass das alles faschistische Schweine sind, sondern dass unser Land von Mehrheitsschweinen regiert wird.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Tanehisi Coates, Zwischen mir und der Welt)<\/p><p>Damit spricht er aus, was weit &uuml;ber rassistische Motive einzelner Polizisten hinausreicht. Denn all diese Morde in Uniform sind nur m&ouml;glich, wenn sich die T&auml;ter sicher sein k&ouml;nnen, wenn (auch ihre schwarzen) Polizeikollegen sie decken, wenn deren Vorgesetzte sch&uuml;tzend die Hand &uuml;ber sie halten. Dazu geh&ouml;rt eine Justiz, die meist erst gar nicht anklagt, und wenn sie doch dazu gezwungen wird, in der Regel mit Freispr&uuml;chen das Recht f&uuml;r Schwarze auf Leben suspendiert.<\/p><p>Die Journalistin Roxane Gay fasste in der <em>New York Times<\/em> zusammen, was hoffentlich nicht nur Millionen Amerikaner mit schwarzer Hautfarbe empfinden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich f&uuml;hle mich so unglaublich m&uuml;de &hellip; Ich wei&szlig; nicht, was es &uuml;ber diese Art von sinnlosem Sterben noch zu sagen gibt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wenn das vergossene Blut zur&uuml;ckflie&szlig;t &hellip;<\/strong><\/p><p>Nun gibt es auch Tote aufseiten der Polizei. Im Laufe einer Demonstration am 8.7.2016 in der US-Stadt Dallas gegen Polizeigewalt und Rassismus wurden t&ouml;dliche Sch&uuml;sse auf Polizisten abgegeben. F&uuml;nf Polizisten sind tot, mehrere verletzt.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;US-Pr&auml;sident Barack Obama wurde beim Nato-Gipfel in Warschau &uuml;ber die Lage in Dallas unterrichtet. Bei einer Pressekonferenz dort zeigte er sich tief best&uuml;rzt. Die Tat sei b&ouml;sartig, kalkuliert und verachtenswert, sagte Obama. Er sprach von einer gezielten Attacke auf Polizisten. Den Beh&ouml;rden in der texanischen Stadt sagte er seine volle Unterst&uuml;tzung zu.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(s.o.)<\/p><p>Ob der\/die T&auml;ter m&uuml;de waren, ob all der Klagen, Trauer und Versprechungen, ob es tats&auml;chlich stimmt, dass ein T&auml;ter auch dem Engagement der Bewegung &bdquo;<em>Black Lives Matter<\/em>&ldquo;, die die rassistische Polizeigewalt anprangert, &uuml;berdr&uuml;ssig war, wei&szlig; man nicht. Er wurde mithilfe eines Roboters get&ouml;tet, der einen Sprengsatz bei sich f&uuml;hrte.<\/p><p>Noch etwas anderes wollen die Ermittler &uuml;ber den toten Attent&auml;ter wissen: Er war US-Soldat und &bdquo;diente&ldquo; zuletzt in Afghanistan. Ganz offensichtlich hatte er geglaubt, dass dort Amerika, also auch sein Leben, verteidigt wird. Dass genau dies weder dort, noch im eigenen Land passiert, formulierte bereits 1967 Mohammed Ali, die Boxlegende, als er mit folgender Begr&uuml;ndung die Beteiligung am Krieg gegen Vietnam ablehnte:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Ich habe keinen Streit mit dem Vietcong. Kein Vietcong hat mich jemals als Nigger beschimpft. Nein, ich werde nicht 10.000 Meilen weit weg gehen, um andere Menschen zu ermorden, zu t&ouml;ten oder zu verbrennen, nur um die Dominanz wei&szlig;er Sklaventreiber &uuml;ber Menschen dunkler Haut auf der ganzen Welt zu sichern. Wir leben in einer Zeit, in der solche b&ouml;sartige Ungerechtigkeit ihr Ende finden muss.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>M&ouml;glichweise hatte der mutma&szlig;liche Sch&uuml;tze diese Erfahrungen erst dort gemacht und sie mit denen im eigenen Land zusammengef&uuml;gt. Und er hat noch etwas mitgebracht, was die Worte der Justizministerin als Aufruf zur fortgesetzten Ohnmacht entlarvt: &bdquo;<em>Die Antwort<\/em> (auf die Ermordung von Schwarzen durch Polizeibeamte, d.V.) <em>darf nicht Gewalt sein.<\/em>&ldquo; Dass genau diese Antwort bevorzugt von denen gegeben wird, die auf einem Berg von Waffen sitzen, hat auch den Todessch&uuml;tzen gepr&auml;gt. Dazu hat man ihn milit&auml;risch ausgebildet, dazu hat man ihn nach Afghanistan geschickt: Um zu beweisen, dass man mit Gewalt Verh&auml;ltnisse &auml;ndern kann, dass man damit sogar Regierungen st&uuml;rzen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>US-Regierungen f&uuml;hren seit langem und Jahren einen Krieg gegen den Terror. Im Irak, in Afghanistan, in Libyen, im Jemen, in Pakistan&hellip; lassen wir einmal v&ouml;llig und verbittert beiseite, mit welchen Begr&uuml;ndungen, mit welchen L&uuml;gen, mit welchem Erfolg.<br \/> H&auml;tten die US-Regierungen nicht genug zu tun, den Terror im eigenen Land zu bek&auml;mpfen?<br \/> Zum Beispiel den Terror<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34206\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[159,60,174],"tags":[1938,1276,421],"class_list":["post-34206","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-innere-sicherheit","category-usa","tag-ali-muhammad","tag-attentat","tag-polizei"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34206"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48029,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34206\/revisions\/48029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}