{"id":3421,"date":"2008-08-28T18:17:40","date_gmt":"2008-08-28T16:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3421"},"modified":"2015-11-15T11:25:34","modified_gmt":"2015-11-15T10:25:34","slug":"der-freitag-und-steinbrueck-am-gleichen-strang-das-kostet-den-freitag-leider-glaubwuerdigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3421","title":{"rendered":"Der Freitag und Steinbr\u00fcck am gleichen Strang \u2013 Das kostet den Freitag leider Glaubw\u00fcrdigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2008\/35\/08350101.php\">Aufmacher des Freitag<\/a> (siehe unten) wie in einem<a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/636314.html\"> Interview Steinbr&uuml;cks mit dem Stern<\/a> (siehe unten) wird gegen Konjunkturprogramme polemisiert &ndash; beides etwa gleich unbegr&uuml;ndet und voller Vorurteile. &bdquo;Mit Konjunkturprogrammen wird nur Geld verbrannt&ldquo;, meint Steinbr&uuml;ck. Das ist der Satz eines Menschen, der volkswirtschaftliche Zusammenh&auml;nge immer noch aus der Sicht eines Einzelnen betrachtet. Steinbr&uuml;ck hat noch nicht einmal wahrgenommen, dass seine besseren Steuereinnahmen des Jahres 2006 und 2007 ganz wesentlich mit der Verbesserung der Konjunktur zusammenh&auml;ngen. Er hat noch nicht einmal in sich aufgenommen, dass der Sparkurs seines Vorg&auml;ngers Eichel zwischen 2001 und 2003 &bdquo;Geld verbrannt hat&ldquo;, weil n&auml;mlich die Konjunktur und damit auch die Steuereinnahmen einbrachen. Steinbr&uuml;ck ist ein hoffnungsloser Fall. Ganz &auml;hnlich Robert Kurz in der Titelgeschichte des Freitag. Wenn man diesem Aufmacher folgen will, dann muss man einem Klischee nach dem anderen Glauben schenken. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Ich nenne einige und frage beziehungsweise kommentiere in Klammern:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Absturz der globalen Defizitkonjunktur&ldquo; (was ist das denn?),<\/li>\n<li>&bdquo;Wiederkehr der Stagflation der siebziger Jahre&ldquo; (wieso war das eine Stagflation? Am Anfang sehr gutes Wachstum, dann 1973\/1974 eine &Ouml;lpreisexplosion. Und dann nach Einsatz eines Konjunkturprogramms 1976 folgende vier jahrelang ein durchschnittliches Wachstum von 3,8%. Der Ablauf der gesamten Jahre von 1965 bis 2005 ist ausf&uuml;hrlich dargestellt in &bdquo;Machtwahn&ldquo; Seite 83 ff.)\n<\/li>\n<li>&bdquo;Alle Konjunkturprogramme sind national beschr&auml;nkt. Es gibt aber gar keine nationale Konjunktur mehr. &hellip; Bestandteil einer integrierten Weltkonjunktur&ldquo; (Hier fehlt jeglicher Beleg. Der Autor m&uuml;sste sich mit der wirtschaftlichen Erholung ab 1992 in Gro&szlig;britannien, die keynsianisch gemacht war wie auch mit den anderen (als bei uns) Wachstumsraten der neunziger Jahre in den USA oder in Schweden auseinander setzen. Das tut er nicht. &ndash; Wir h&auml;tten in Deutschland angesichts der hohen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen und der schlechten Lohnentwicklung einen sehr gro&szlig;en Spielraum f&uuml;r eigene konjunkturbelebende Ma&szlig;nahmen.)\n<\/li>\n<li>Dann behauptet der Autor, es gebe ein &bdquo;Dilemma der Geldpolitik als Dilemma der Konjunkturpolitik&ldquo;. Die Notenbanken m&uuml;ssten den Leitzins erh&ouml;hen, um die Inflation zu bannen, andererseits m&uuml;ssten sie den Leitzins senken, um die absaufende Konjunktur zu stabilisieren. Und staatliche Spritzen w&uuml;rden dieses Dilemma versch&auml;rfen. (Damit betet Robert Kurz nach, was die Zentralbanken bei uns vorbeten, jedenfalls verinnerlicht haben. Mit der Realit&auml;t hat das wenig zu tun. Die leichte Geldpolitik der britischen Zentralbank anfangs der neunziger wie auch der USA sind auf jeden Fall an diesem angeblichen Dilemma nicht gescheitert. Es gab dort keine Stagnation, im Gegenteil: die expansive Geldpolitik hat geholfen, die Rezession zu &uuml;berwinden und gleichzeitig sogar noch mehr Geld f&uuml;r den Fiskus einzunehmen. Aber dass dies m&ouml;glich ist, realisieren weder Steinbr&uuml;ck noch Kurz.)\n<\/li>\n<\/ul><p>Und so weiter. Lesen Sie selbst. Es ist bis zum Ende eine Zumutung. Anti-Aufkl&auml;rung.<\/p><p>Warum setzt der Freitag einen solchen Artikel auf die erste Seite, quasi als Leitartikel? Soll das die neue Linie des Freitag sein? Dann w&uuml;rde man es einfach gerne wissen.<\/p><p><em>Robert Kurz<\/em><br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2008\/35\/08350101.php\">Am Krankenbett<\/a><\/strong><br>\nKONJUNKTUR<br>\nDr. Keynes wird den bankrotten Neoliberalismus nicht heilen<\/p><p>Je deutlicher sich der Absturz der globalen Defizitkonjunktur abzeichnet, desto lauter werden die Rufe nach einem staatlichen Konjunkturprogramm &ndash; vom Wirtschaftsweisen Bofinger &uuml;ber Wirtschaftsminister Glos und die Gewerkschaften bis ins linke politische Spektrum. Ausgerechnet angesichts einer Wiederkehr der Stagflation der siebziger Jahre werden Varianten der keynesianischen Rezepte exhumiert, die damals gerade gescheitert waren und die kapitalistischen Eliten eine Flucht nach vorn in die &ldquo;neoliberale Revolution&rdquo; antreten lie&szlig;en. Jetzt kehren dieselben Probleme auf dem h&ouml;herem Niveau der Globalisierung zur&uuml;ck. Es ist mehr als zweifelhaft, dass der offensichtliche Bankrott der neoliberalen Doktrin durch eine Auferstehung des Keynesianismus bew&auml;ltigt werden kann. <\/p><p>Alle Konjunkturprogramme sind nationalstaatlich beschr&auml;nkt. Es gibt aber gar keine nationale Konjunktur mehr. (&hellip;)<\/p><p><em>Peer Steinbr&uuml;ck<\/em><br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/636314.html\">Konjunkturprogramme? Nix gibt&rsquo;s!<\/a><\/strong><br>\nDie Konjunktur schw&auml;chelt, die B&uuml;rger knapsen mit dem Geld &ndash; aber Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck will nicht gegensteuern. &ldquo;Mit Konjunkturprogrammen wird nur Geld verbrannt&rdquo;, sagte er im Interview mit dem stern. Eine Reihe von &Ouml;konomen &ndash; und die US-Regierung &ndash; sehen das anders.<br>\nstern.de &ndash; 28.8.2008 <\/p><p>Wenn er an die Politik von Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck denkt, ger&auml;t Gustav Horn in Wallung. &ldquo;Das Gesundbeten hilft uns allen nicht weiter. Wenn die Politik jetzt nicht handelt, k&ouml;nnte es bald zu sp&auml;t sein&rdquo;, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen Institutes f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) zu stern.de. &ldquo;Alle Anzeichen deuten auf eine Rezession hin. Da bringt es nichts, die Augen vor der Realit&auml;t zu verschlie&szlig;en.&rdquo;<\/p><p>Die Realit&auml;t sieht so aus: Erstmalig seit 2004 ist das Bruttoinlandsprodukt wieder geschrumpft &ndash; um 0,5 Prozent im Zeitraum von April bis Juni. Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise, was an der Kaufkraft zehrt. Die Wirtschaft schw&auml;chelt, aber Steinbr&uuml;ck will davon nichts wissen. &ldquo;Ich widerspreche allen, die schnellz&uuml;ngig eine Rezession herbeireden. Wir sind in keiner Rezession&rdquo;, sagte der Finanzminister im Interview mit dem stern. Von staatlichen Investitionsprogrammen h&auml;lt der Sozialdemokrat ohnehin nichts. &ldquo;Mit kurzatmigen Konjunkturprogrammen wird nur Geld verbrannt.&rdquo; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2008\/35\/08350101.php\">Aufmacher des Freitag<\/a> (siehe unten) wie in einem<a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/636314.html\"> Interview Steinbr&uuml;cks mit dem Stern<\/a> (siehe unten) wird gegen Konjunkturprogramme polemisiert &ndash; beides etwa gleich unbegr&uuml;ndet und voller Vorurteile. &bdquo;Mit Konjunkturprogrammen wird nur Geld verbrannt&ldquo;, meint Steinbr&uuml;ck. Das ist der Satz eines Menschen, der volkswirtschaftliche Zusammenh&auml;nge immer noch aus der Sicht eines Einzelnen betrachtet.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3421\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,137,30],"tags":[272,491,499,477,299,319,253],"class_list":["post-3421","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-steuern-und-abgaben","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-eichel-hans","tag-freitag","tag-handelsbilanz","tag-keynesianismus","tag-konjunkturprogramme","tag-lohnentwicklung","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3421"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3421\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28713,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3421\/revisions\/28713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}