{"id":34308,"date":"2016-07-21T13:37:57","date_gmt":"2016-07-21T11:37:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34308"},"modified":"2024-09-24T08:22:39","modified_gmt":"2024-09-24T06:22:39","slug":"irland-kann-helfen-die-debatte-ueber-terrorismus-in-europa-zu-definieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34308","title":{"rendered":"Irland kann helfen, die Debatte \u00fcber Terrorismus in Europa zu definieren."},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160721_otoole.jpg\" alt=\"Fintan O'Toole\" title=\"Fintan O'Toole\"><\/div><p>Nach jeder Gewalttat sind Bildschirme und Radios voll mit Terrorexperten, die versuchen die Leere, die der letzte entsetzliche Anschlag hinterlassen hat mit rationaler Sprache zu f&uuml;llen. Aber hier in Irland sind die meisten von uns Terrorexperten. Ein Artikel von <strong>Fintan O&rsquo;Toole<\/strong> aus der <a href=\"http:\/\/www.irishtimes.com\/opinion\/fintan-o-toole-ireland-can-shape-debate-on-terrorism-in-europe-1.2726154\">Irish Times<\/a> &ndash; ins Deutsche &uuml;bersetzt von unserem Leser <strong>Willi Gr&auml;frath<\/strong>.<\/p><div style=\"clear:right\"><\/div><p><!--more--><br>\nDas ist keine Errungenschaft auf die wir stolz sind, nicht einmal etwas, das wir gern eingestehen. Dennoch wei&szlig; jeder, der in seinem Erwachsenenleben die &ldquo;Unruhen&rdquo; erlebt hat, das ist jeder Bewohner dieser Insel &uuml;ber 40, viel mehr &uuml;ber den Terrorismus als die meisten akademischen Experten. Und vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns unserer Vergangenheit stellen und versuchen etwas Positives mit diesem Wissen zu tun. <\/p><p>Es gibt drei gro&szlig;e und wertvolle Dinge, die wir in Irland &uuml;ber den Terrorismus gelernt haben. Die erste Erkenntnis ist, dass Menschen die monstr&ouml;se Dinge tun nicht unbedingt Monster sind. Wer von uns kennt nicht jemanden, der in irgendeiner Terrororganisation war, oder ein Mitglied einer Partei, die zu einer solchen Organisation Beziehungen hatte, oder der Geld gespendet hat f&uuml;r &ldquo;die Sache&rdquo;, in vollem Wissen, dass dieses Geld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Terroranschlag beigetragen hat, oder der zumindest, auf der niedrigsten Stufe der Mitt&auml;terschaft, eine f&uuml;rchterliche Gr&auml;ueltat entschuldigt hat, meist beginnend mit den doppelsinnigen Worten: &ldquo;Und was ist mit&hellip;?&rdquo;<\/p><p>Aus dieser pers&ouml;nlichen Bekanntschaft heraus verstehen wir auch eine zutiefst verunsichernde Wahrheit: Dass diese Menschen im Gro&szlig;en und Ganzen normal sind, gut angepasst und in anderen Belangen anst&auml;ndige Menschen. Das soll nicht hei&szlig;en, dass Terrororganisationen nicht auch Psychopathen und Sadisten anziehen &ndash; es ist offensichtlich, und auf groteske Weise geradezu beruhigend, dass sie dies tun. Es ist viel leichter zu verarbeiten, wenn Menschen, die z.B. eine Bombe in einem vollgepackten Lokal hochgehen lassen, klar anders sind als wir anderen. Aber in Irland leben wir mit der Wahrheit, dass die meisten Leute die solche Gedanken hegen Nachbarn sind und Freunde, Arbeits- und Schulkollegen, Br&uuml;der und Schwestern, V&auml;ter und M&uuml;tter. <\/p><p><strong>Beunruhigend<\/strong><\/p><p>In Irland wissen wir dass die Grenze zwischen Denen und Uns, zwischen den Zivilisierten und den Barbaren, l&auml;ngst nicht so klar definiert ist wie wir das gern h&auml;tten, wenn wir das Blutbad auf der Promenade des Anglais sehen. Und dieses Wissen, wie &uuml;bel es sich auch anf&uuml;hlen mag, ist wertvoll f&uuml;r den Rest der Welt.<\/p><p>Es zeigt uns, dass die Worte die &uuml;ber unsere Lippen kommen, wenn die Unschuldigen abgeschlachtet werden &ndash; sinnlos, b&ouml;se, monstr&ouml;s &ndash;  Trauer und Not ausdr&uuml;cken aber keine hilfreichen Erkl&auml;rungen darstellen. Terrorismus ist nicht sinnlos &ndash; er hat einen sehr ernsten Sinn: Einen apokalyptischen B&uuml;rgerkrieg oder globalen Konflikt anzufachen. Daher ist Abscheu nicht genug. Um auf Terroristen eine Antwort zu finden, m&uuml;ssen wir verstehen was sie bewegt, was ihre Ziele sind und wie wir diese Ziele vereiteln k&ouml;nnen &ndash; und das k&ouml;nnen wir eben nicht indem wir st&auml;ndig in den Ruf nach &ldquo;Krieg&rdquo; einstimmen.<\/p><p>Die zweite wertvolle Erkenntnis in Irland ist, dass Terrorismus kein Virus ist, der nur Menschen au&szlig;erhalb der wei&szlig;en europ&auml;ischen und amerikanischen Mainstream Bev&ouml;lkerung bef&auml;llt. Ganz speziell wissen wir, dass der gegenw&auml;rtige Versuch den Terrorismus als eine islamische Krankheit zu zeichnen Unsinn ist. Wir Iren wissen von verdammt viel Terrorismus, der sich auf biblische und protestantische Rhetorik und Identit&auml;t beruft. Speziell &ldquo;begreifen&rdquo; wir den M&auml;rtyrerkult &ndash; sollten Sie vergessen haben, schauen Sie sich die fesselnden neue Doku von Brendan Byrne &uuml;ber Bobby Sands und den Hungerstreik von 1981 an, 66 Days.<\/p><p>Warum kann diese Erfahrung der Welt helfen? Weil sie zeigt wie dumm es ist eine Religion zu verdammen, weil einige Wenige, die sich zu dieser Religion bekennen, Terroristen sind.  Donald Trump und Newt Gingrich, z. B.,  k&ouml;nnten sehr von einem Schnellkurs &uuml;ber die &ldquo;Unruhen&rdquo; profitieren, um sie zu erinnern, dass Isis genauso wenig gleich Islam ist wie UDA gleich Protestantismus und IRA gleich Katholizismus sind.<\/p><p><strong>Verdacht<\/strong><\/p><p>Drittens verstehen wir in Irland den Wahnwitz eine verd&auml;chtige Gemeinde zu erschaffen. Wenige wei&szlig;e Westeurop&auml;er wissen so wie wir, wie es ist wenn du unter Verdacht stehst, einfach nur weil du du bist, weil du z.B. auf eine bestimmte Art redest. Wir wissen, dass es nicht nur extrem unangenehm ist, sondern zus&auml;tzlich auch noch v&ouml;llig kontraproduktiv. Wir wissen wie sich Menschen f&uuml;hlen die sich am falschen Ende befinden.<\/p><p>Leute, die mit Terroristen eigentlich gar nichts zu tun haben wollen, bekommen das Gef&uuml;hl, da sie behandelt werden als seien sie irgendwie f&uuml;r Handlungen von Terroristen verantwortlich, dass sie auf die falsche Seite einer Trennungslinie zwischen sich und dem Staat gedr&auml;ngt werden. Das ver&auml;rgert sie und in ihrem &Auml;rger haben sie kein Vertrauen in die Autorit&auml;ten. Sie glauben unfair behandelt zu werden, auch wenn sie Information preisg&auml;ben; diese kleinen Dinge, die eine Gemeinschaft von innen heraus beobachtet und die gesammelt immens zur Aufkl&auml;rung beitragen k&ouml;nnten.<\/p><p>Wenn wir uns wirklich solidarisch mit den Opfern der momentanen Terror Kampagne in Europa f&uuml;hlen, m&uuml;ssen wir beginnen gemeinsam &uuml;ber diese Dinge zu sprechen, die wir kennen. Wir haben unseren Freunden Wertvolles zu sagen und wir k&ouml;nnen mit besonderer Autorit&auml;t sprechen, da aus unseren eigenen Gemeinden und Kulturen einige der standhaftesten und wirkungsvollsten Terrororganisationen der Welt hervorgegangen sind. Aber um das zu tun m&uuml;ssen wir nat&uuml;rlich zuerst  unsere eigene j&uuml;ngere Vergangenheit anerkennen, etwas das Vielen von uns noch sehr unangenehm ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/160721_otoole.jpg\" alt=\"Fintan O'Toole\" title=\"Fintan O'Toole\"\/><\/div>\n<p>Nach jeder Gewalttat sind Bildschirme und Radios voll mit Terrorexperten, die versuchen die Leere, die der letzte entsetzliche Anschlag hinterlassen hat mit rationaler Sprache zu f&uuml;llen. Aber hier in Irland sind die meisten von uns Terrorexperten. Ein Artikel von <strong>Fintan O&rsquo;Toole<\/strong> aus der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34308\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,166],"tags":[1276,691],"class_list":["post-34308","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-terrorismus","tag-attentat","tag-irland"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34308"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":121777,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34308\/revisions\/121777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}