{"id":3431,"date":"2008-09-02T09:17:40","date_gmt":"2008-09-02T07:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3431"},"modified":"2015-11-15T11:16:26","modified_gmt":"2015-11-15T10:16:26","slug":"erwerbstaetigenquote-der-ueber-55-jaehrigen-gestiegen-ein-erfolg-der-reformpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3431","title":{"rendered":"Erwerbst\u00e4tigenquote der \u00fcber 55-J\u00e4hrigen gestiegen \u2013 Ein Erfolg der Reformpolitik?"},"content":{"rendered":"<p>Durch die positive Entwicklung auf dem Arbeitmarkt sind in der Vergangenheit benachteiligte Gruppen verst&auml;rkt wieder in die Erwerbst&auml;tigkeit zur&uuml;ckgekehrt. Wie aus dem <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/aktuell\/hib\/2008\/2008_240\/01.html\">&ldquo;Nationalen Strategiebericht &ndash; Sozialschutz und soziale Eingliederung 2008 bis 2010&rdquo; der Bundesregierung (16\/10138) hervorgeht<\/a> , lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten im M&auml;rz 2008 wieder bei 27,22 Millionen und entsprach damit dem Stand des Jahres 1998. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Jahr 2007 auf jahresdurchschnittlich 3,77 Millionen und entsprach damit dem Stand des Jahres 1994. Erfreut zeigt sich die Bundesregierung in der Unterrichtung, dass die Erwerbst&auml;tigenquote der &uuml;ber 55-J&auml;hrigen wieder &uuml;ber 50 Prozent liegt. Mit einem Wert von 51,5 Prozent sei im Jahr 2007 bereits das f&uuml;r 2010 angestrebte Lissabon-Ziel &uuml;bertroffen worden. Vermutlich wird der Anstieg der Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten und die h&ouml;here Erwerbst&auml;tigenquote der &uuml;ber 55-j&auml;hrigen von der Bundesregierung wieder als Erfolg der &bdquo;Reform&ldquo;-Politik dargestellt werden. Dazu ein paar vorsorgliche Anmerkungen von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>Der Vergleich der Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten mit dem Stand des Jahres 1998 ist ziemlich willk&uuml;rlich: In den Jahren 1999 bis 2002 lag diese Zahl h&ouml;her, 2001 sogar um eine halbe Million, n&auml;mlich bei &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/beschinsgesamt.pdf\">27,7 Millionen [PDF &ndash; 60 KB]<\/a>.\n<\/li>\n<li>Zum Anstieg der Besch&auml;ftigungsquote der &uuml;ber 55-J&auml;hrigen:\n<ul>\n<li>Dass die Besch&auml;ftigungsquote bei den &uuml;ber 55-J&auml;hrigen angestiegen ist, k&ouml;nnte z.B. mit der trivialen Tatsache korrelieren, dass der Altersdurchschnitt der Bev&ouml;lkerung zunimmt und eben in den zur&uuml;ckliegenden Jahren mehr j&uuml;ngere Erwerbst&auml;tige einfach die 55er-Altersgrenze &uuml;berschritten haben. (<a href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news?print=1&amp;id=229628\">Der Anteil der 55-J&auml;hrigen und &Auml;lteren an der Bev&ouml;lkerung betr&auml;gt rund 31 Prozent, an den Erwerbst&auml;tigen hingegen lediglich etwa 12 Prozent<\/a>). Wenn also etwa gesagt wird, die Besch&auml;ftigungsquote der &uuml;ber 55-J&auml;hrigen habe sich auf 51,5 Prozent erh&ouml;ht, so k&ouml;nnte dass schlicht auch daran liegen, dass die Endvierziger, die zu den geburtenstarken Jahrg&auml;ngen geh&ouml;ren &ndash; soweit sie nach wie vor einer Erwerbst&auml;tigkeit nachgehen -, inzwischen &auml;lter geworden sind und sich dies eben in der Altersstatistik der Erwerbst&auml;tigen niederschl&auml;gt.\n<\/li>\n<li>Die h&ouml;here Besch&auml;ftigungsquote &Auml;lterer k&ouml;nnte auch damit verkn&uuml;pft werden, dass etwa die finanziellen Anreize der fr&uuml;heren, gro&szlig;z&uuml;gigen Vorruhestandsregelungen nahezu v&ouml;llig abgeschafft wurden. Dieser &bdquo;Umbau&ldquo; wurde schon vor gut 10 Jahren noch durch Arbeitsminister Bl&uuml;m mit der Einf&uuml;hrung der finanziell ung&uuml;nstigeren Altersteilzeit begonnen, es wurden beim Vorruhestand deutlich h&ouml;here Versorgungsabschl&auml;ge eingef&uuml;hrt (z.B. bei den Postbediensteten 10,8 Prozent lebenslang) oder es wurde das das Renteneintrittsalter f&uuml;r Frauen angehoben.\n<\/li>\n<li>Dass Menschen heute l&auml;nger arbeiten wollen oder m&uuml;ssen, k&ouml;nnte genauso auch damit zusammenh&auml;ngen, dass durch die zahlreichen Rentenreformen die Rentenanwartschaften erheblich gesunken und unsicherer geworden sind und die Abschlagsraten f&uuml;r ein vorzeitiges Ausscheiden (3,6 % pro Jahr) erheblich anstiegen. Auch die st&auml;ndigen Warnungen vor Altersarmut bei der gesetzlichen Rente in Werbekampagnen f&uuml;r die Riester-Rente k&ouml;nnten ihren Teil dazu beigetragen haben. Nicht zuletzt d&uuml;rften die seit langem stagnierenden L&ouml;hne die Arbeitnehmer zu l&auml;ngerer Lebensarbeitszeit zwingen, wenn sie durch die zus&auml;tzlich anrechenbarer Arbeitsjahre in der Rentenformal ein ausk&ouml;mmlicheres Renteneinkommen erzielen wollen.\n<\/li>\n<li>Der prozentuale Anstieg &auml;lterer Besch&auml;ftigter k&ouml;nnte aber genauso auch darin seine Erkl&auml;rung finden, dass den Unternehmen seit einiger Zeit nichts anderes &uuml;brig bleibt, als &Auml;ltere (weiter oder wieder) zu besch&auml;ftigen, weil sie nicht mehr gen&uuml;gend qualifizierte junge (billigere) Arbeitnehmer finden k&ouml;nnen. Man k&ouml;nnte also mindestens genauso plausibel wie Hartz IV auch den inzwischen oft genannten &bdquo;Fachkr&auml;ftemangel&ldquo; als Erkl&auml;rung heranziehen.\n<\/li>\n<li>Der st&auml;rkere Zugang &auml;lterer Arbeitskr&auml;fte auf den Arbeitsmarkt k&ouml;nnte sogar auch daran liegen, dass es mit der Versch&auml;rfung des Ausl&auml;nderrechts weniger Einwanderer oder seit einigen Jahren weniger Aussiedler gibt, die ihre Arbeitskraft anbieten. Der Anstieg lie&szlig;e sich aber auch mit der dramatischen Zunahme von prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen, also von Mini- oder Midijobs oder von Leiharbeitsverh&auml;ltnissen, korrelieren. Die Angaben &uuml;ber die Erwerbst&auml;tigenquote von &Auml;lteren wird auch dadurch besch&ouml;nigt, dass die Altersteilzeit insbesondere in der Altersgruppe der 60 bis 65-J&auml;hrigen in der Statistik nicht ausgewiesen wird.\n<\/li>\n<li>Von dem gegen&uuml;ber 2006 verzeichneten Zuwachs von 694.000 Besch&auml;ftigten entfielen im September 2007 (dem von der Bundesregierung in diesem Bericht herangezogenen Stichjahr) nach Angaben der Bundesagentur rund 240.000 auf den Anstieg von Leiharbeit, 125.000 auf den Zuwachs an Billigjobs und ca. 174.000 auf den Anstieg von versicherungspflichtig Besch&auml;ftigten mit einem Nebenjob. Hinzu kommen noch demografisch bedingte Abg&auml;nge.\n<p><em>Siehe dazu:<\/em> <\/p>\n<p><a href=\"?p=2694\">Die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit ergreift Partei gegen die Verl&auml;ngerung des Arbeitslosengeldes und die Agenda-Verfechter missbrauchen ihre parteiischen Daten<\/a><\/p><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die positive Entwicklung auf dem Arbeitmarkt sind in der Vergangenheit benachteiligte Gruppen verst&auml;rkt wieder in die Erwerbst&auml;tigkeit zur&uuml;ckgekehrt. 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