{"id":34329,"date":"2016-07-22T09:11:05","date_gmt":"2016-07-22T07:11:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34329"},"modified":"2018-12-30T18:58:49","modified_gmt":"2018-12-30T17:58:49","slug":"brasilien-streifzug-durch-die-kafkaeske-republik-curitiba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34329","title":{"rendered":"Brasilien \u2013 Streifzug durch die kafkaeske \u201cRepublik Curitiba\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34329#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Auslandskorrespondent aus Santiago de Chile, hat f&uuml;r die NachDenkSeiten seine Tagebuchnotizen &uuml;ber den allt&auml;glichen Faschismus und die Zerst&ouml;rung des Rechtsstaats in Brasilien geschickt. Informativ und deprimierend zugleich. Hier ist der Text. &Uuml;ber den Autor mehr am Ende des Textes. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Brasilien &ndash; Streifzug durch die kafkaeske &ldquo;Republik Curitiba&rdquo;<\/strong><br>\nTagebuchnotizen &uuml;ber den allt&auml;glichen Faschismus und die Zerst&ouml;rung des Rechtsstaats in Brasilien.<\/p><p><strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong><br>\n<em>F&uuml;r Nachdenkseiten<\/em><\/p><p>Am vergangenen 29. Juno war die s&uuml;dbrasilianische Metropole Curitiba Drehscheibe eines denkw&uuml;rdigen Ereignisses. In einem Einkaufszentrum f&uuml;r die oberen Zehntausend, stellte eine rechtsradikale Journalistin ihre inoffizielle Biographie des Richters Sergio Moro vor, und erkl&auml;rte die Autogrammstunde zum Wahlkomittee: Richter Moro m&uuml;sse Pr&auml;sident der Republik werden!<\/p><p>Die n&auml;chste, offizielle Pr&auml;sidentschaftswahl  findet erst im Oktober 2018 statt. Was also soll der &uuml;berst&uuml;rzte Impuls? Und wer ist Sergio Moro? Die Antworten darauf d&uuml;rfte der deutsche Leser nicht in deutschen Mainstream-Medien finden. Freilich hat sich herum gesprochen: Brasilien wird von einer ernsthaften Wirtschaftskrise gesch&uuml;ttelt. Jedoch nicht, dass sie politisch gemacht ist und die Absetzung von Staatspr&auml;sidentin Dilma Rousseff, im vergangenen April, zum Ziel hatte. Ihre Amtsenthebung, &uuml;ber die eine letzte Senatsabstimmung im kommenden August entscheiden wird, ist der vorl&auml;ufige Gipfel einer exemplarischen und nachweisbaren Destabilisierungskampagne, deren Anf&auml;nge in der Unterwanderung und Kooptierung der brasilianischen Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei durch das US-State Department-, sowie in der hartn&auml;ckigen N&ouml;tigung der brasilianischen Regierung zu finden sind, damit diese das Explorationsmonopol des staatlichen &Ouml;lkonzerns Petrobras zugunsten der US-amerikanischen Konkurrenz aufgibt. Was, so res&uuml;miert, als schwarz-weiss-Malerei anmutet, erhellt sich bei n&auml;herem Hinsehen als erschreckendes Portrait der brasilianischen Gegenwart, die seit Ende 2013 vom konzertierten Zusammenspiel  einer subversiven Justiz und Polizei, mit einer erzkonservativen evangelikalen Parlamentsfraktion und den Monopolmedien in H&auml;nden von sieben Million&auml;rs-Familien gestrickt wird.  <\/p><p><strong>&ldquo;Denke ich an Curitiba in der Nacht&hellip;&rdquo;<\/strong><\/p><p>Ich schreibe diesen Text von grosser Sorge und Abscheu erf&uuml;llt. <\/p><p>Als Sohn deutscher Einwanderer, wuchs ich im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba auf. Kontroverse Kindheits- und Jugend-Erinnerungen aus den 1960er Jahren n&auml;hren noch heute meine Autoren-Fantasie. <\/p><p>Curitiba ist Landeshauptstadt des Bundesstaates Paran&aacute;. Als Hochburg des s&uuml;damerikanischen Kaffeeanbaus, pfl&uuml;ckten hier deutsche Exilanten in den 1930er Jahren Kaffeebohnen f&uuml;r die Bremer R&ouml;stereien. <\/p><p>Erich Koch-Weser, von den Nazis verfolgter, ehemaliger Justizminister der Weimarer Republik, hatte in der von ihm gegr&uuml;ndeten Kolonie Rol&acirc;ndia ein St&uuml;ck irdisches Paradies und die letzte Zuflucht seines bewegten Lebens gefunden. Allerdings zum Preis des totalen Kahlschlags am subtropischen Regenwald. <\/p><p>Reinhard Maack, ein anderer deutscher Einwanderer &ndash; allerdings ehemaliger Landvermesser im kaiserlichen &ldquo;Deutsch-S&uuml;dwestafrika&rdquo;, sp&auml;teren Namibia, und fr&uuml;her Anh&auml;nger der Nazis &ndash; warnte seine Landsleute und die brasilianischen Beh&ouml;rden vor dem Attentat gegen die Umwelt. Keiner h&ouml;rte ihm zu. Bald kollabierten die Kaffeeplantagen unter nie dagewesenen Frosteinwirkungen. Heute expandiert die Soja-Monokultur auf zwei Dritteln der landwirtschaftlichen Anbaufl&auml;che des rund 200.000 km2 grossen Bundesstaates, der unwiderruflich verzahnt ist mit dem Auf-und-Ab der Weltmarktkr&auml;fte. So vereinnahmte die Schein-Globalisierung auch Curitiba. <\/p><p>In den 1990er Jahren schmissen sich Stadt- und Landesregierung in den weltweiten Konkurrenzkampf um g&uuml;nstige Standorte f&uuml;r expandierende transnationale Konzerne. Curitiba warf mit obsz&ouml;nen Konditionen um sich: kostenlose Grundst&uuml;cke und Wasserversorgung, Steuererlasse, vor allem jedoch pries  sie die &ldquo;arbeitsfreundlichen, disziplinierten, Arbeitskr&auml;fte europ&auml;ischer Abstammung&rdquo;. Dem Werberuf folgten Bosch-, Siemens-, VW-, Audi-und Renault-Niederlassungen. Mit Schein-Globalisierung ist das gemeint: ein Einweg-Ph&auml;nomen, in dem es nur einen Gewinner gibt; die Einheimischen vom Gewinn ausgeschlossen. <\/p><p>R&uuml;ckblickend,  erkenne ich allerdings, dass die heutige 2,5-Millionen-Einwohner-Metropole schon zu meiner Kindheit und Jugendzeit favorisiertes Zuzugs-Territorium und Hochburg stockkonservativer Einwanderer aus aller Herren L&auml;nder war. Das aleatorische Durchbl&auml;ttern der Telefonliste ist lehrreich: es wimmelt nur so an italienischen, deutschen, polnischen, ukrainischen, syrisch-libanesischen, japanischen und j&uuml;dischen Familiennamen aus dem osteurop&auml;ischen Gallizien. Unter die prononcierte Phonetik der s&uuml;dbrasilianischen, dem Spanischen &auml;hnliche Aussprache, mischen sich neuerdings koreanische und chinesische Untert&ouml;ne.<\/p><p>Das Erw&auml;hnte erscheint mir jedoch als blo&szlig;er Bildrahmen.<\/p><p>Als Auslandskorrespondent in Chile, schreibe ich aus geografischer Ferne &uuml;ber die Stadt meiner Jugend und heutige Hochburg autorit&auml;ter Restauration. Meine Gef&uuml;hle str&auml;uben sich gegen sentimentale Zugest&auml;ndnisse an das Wort &ldquo;Heimatstadt&rdquo;. Ich bem&uuml;he mich z&auml;hneknirschend um geistige und emotionale Distanz &ndash; derma&szlig;en widern mich die Berichte und Gespr&auml;che mit meinen Freunden &uuml;ber Curitiba an. <\/p><p>&ldquo;Fruchtbarer N&auml;hrboden&rdquo; w&auml;re ein angemessenes Schl&uuml;sselwort f&uuml;r Curitiba.<\/p><p>Bis August 1942, schm&uuml;ckten Hakenkreuze deutsche Klubs und unterhielt die NSDAP unter den &ldquo;Volksdeutschen&rdquo; Curitibas einen ihrer Auslandsableger. In der italienischen Societ&aacute; Garibaldi, wenige Meter von meinem Elternhaus entfernt, lie&szlig;en lautstarke Ch&ouml;re &ldquo;La Marcia del Duce&rdquo; im Carr&eacute; erschallen, erz&auml;hlte mir einst Rafael Greca, Enkel italienischer Einwanderer und ehemaliger B&uuml;rgermeister.<\/p><p>Lebendig erinnere ich mich, wie auf Festen meiner Eltern und ihrer Freunde, das Deutschlandlied in voller L&auml;nge gesungen und mitunter die Gl&auml;ser auf &bdquo;den alten Adolf&ldquo; angesto&szlig;en wurden. <\/p><p>Weiter zur&uuml;ck im Tunnel der Zeit, fand ich eines Tages im Internet ein eindrucksvolles Foto aus dem Jahr 1937. Auf dem Tiradentes-Platz, vor Curitibas Kathedrale, sind mindestens 50.000, zumeist uniformierte Anh&auml;nger der Nazis und Mussolinis  aufmarschiert &ndash; mit ausgestreckten Armen zum einschl&auml;gigen Hitlergru&szlig;. Ein Landsmann von mir kommentierte: &ldquo;Es ist wohl kein Zufall, dass wir so sind, wie wir sind!&rdquo;.<\/p><p><strong>Der Fall Chico Buarque: Demokraten als Freiwild<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck zur Gegenwart. <\/p><p>Es war gegen Mitternacht, einen Tag vor Heiligabend 2015.<\/p><p>Gerade betrat Chico Buarque de Hollanda, weltber&uuml;hmter Liedermacher und Schriftsteller, die Promenade vor einem Restaurant in Rio de Janeiros Nobelviertel Leblon, in dem er mit Freuden gespeist hatte, als er von der gegen&uuml;berliegenden Strassenseite angep&ouml;belt und aufs &Uuml;belste beschimpft wurde: &ldquo;Hau doch ab nach Paris, Schmarotzer, dreckiger PT-Anh&auml;nger!&rdquo;.<\/p><p>Dass der Liedermacher ein Appartment in Paris besitzt, ist seit Jahrzehnten bekannt, ebenso, dass er sich es mit seinen eingespielten, millionenfachen Urheberrechten finanziert hat.<\/p><p>&ldquo;Schmarotzer&rdquo;?! Diese Anmache wollte der eher sanftm&uuml;tige K&uuml;nstler nun doch nicht auf sich sitzen lassen.<\/p><p>Von der brutalen Gegenwart  &uuml;berrumpelt, entriss er sich den Armgriffen der Freunde, lief resoluten Schrittes &uuml;ber die Stra&szlig;e, schnurgerade auf ein Trio gutgekleideter, &uuml;berraschter junger M&auml;nner zu und stellte sie zur Rede. Der erhitzte und von Handy aufgenommene Wortwechsel dauerte mindestens eine Viertelstunde und wurde hundertausendfach von den  elektronischen Netzwerken verbreitet. Chico Buarque erstattete Beleidigungsanzeige auf einem Polizeirevier. &ldquo;Zur Exempel-Statuierung! Damit die Urheber der landesweit um sich greifenden, frechen Anmotzereien nicht mehr straffrei davon k&auml;men&rdquo;, erkl&auml;rte der sichtlich erboste K&uuml;nstler.<\/p><p><strong>Der &ldquo;Homo Cordialis&rdquo;: Tot in Rio<\/strong><\/p><p>Ironie der Geschichte: Chico Buarque ist Sohn des  legend&auml;ren brasilianischen Historikers Essayisten und Literaturkritikers, S&eacute;rgio Buarque de Hollanda (1902 &mdash; 1982), der einst den Brasilianern die Aura der h&ouml;flichen, freundlichen, zuvorkommenden,  ja liebensw&uuml;rdigsten und mit Abstand der gastfreundlichsten Menschentypen auf Erden andichtete. <\/p><p>Als Auslandskorrespondent in Berlin, Ende der 1920er Jahre, hatte S&eacute;rgio Buarque dort das Manuskript zu seinem erst 2013, fast ein Jahrhundert sp&auml;ter vom Suhrkamp Verlag &uuml;bersetzten Gro&szlig;essay, &ldquo;Die Wurzeln Brasiliens&rdquo;, begonnen, das &uuml;ber Jahrzehnte als der Klassiker schlechthin zum Verst&auml;ndnis &raquo;dieses reichen Landes der Armen&laquo; galt, und den folgenreichen Mythos vom brasilianischen &ldquo;Homo Cordialis&rdquo; pr&auml;gte.<\/p><p>Doch in jener Vorweihnachtsnacht schien nun die Legende dahin! <\/p><p>Nicht nur ein scheinbar best&auml;ndiger Charakterzug war au&szlig;er Kraft gesetzt, sondern die politische Identit&auml;t und pers&ouml;nliche Unverletzlichkeit jedes B&uuml;rgers war angegriffen, wie es sich seit zwei Jahren in Brasilien zutr&auml;gt &ndash; mit Anmache, Anp&ouml;belei, Bullying auf der Strasse, in Restaurants, auf Fl&uuml;gen, mit der Umstellung von Wohnungen und der Gewaltanwendung rechtsradikaler und faschistischer Gruppen gegen mutma&szlig;lich Andersdenkende.<\/p><p>Die wohlsituierten Buarque de Hollandas machten niemals einen Hehl aus ihrer Sympathie f&uuml;r die politische Linke.<\/p><p>Chicos Opposition zur Milit&auml;rdiktatur hatte ihm Ende der 1960er Jahre das Verbot seiner Lieder und ein  Exil in Italien gekostet. Sein Vater S&eacute;rgio ist auf einem historischen schwarz-weiss-Foto vom Februar 1980 zu erkennen: zwei Jahre vor seinem Tod sa&szlig; er in einer Runde mit Intellektuellen, Land-und Industriearbeitern als Gr&uuml;ndungs-Ehrenmitglied der Arbeiterpartei (PT).<\/p><p>Vor ihnen stehend, Mikrofon in der Hand, ein damals schon sagenhafter Gewerkschafts-F&uuml;hrer, der Polizeieins&auml;tze und Haft nicht gescheut-, gar die Milit&auml;rdiktatur mit spektakul&auml;ren Massenstreiks herausgefordert hatte: Luis In&aacute;cio Lula da Silva. <\/p><p>Dass der wortgewandte B&auml;rtige in Cristussandalen zwanzig Jahre sp&auml;ter als umjubelter Wahlsieger in den Pr&auml;sidentenpalast in Brasilia einziehen w&uuml;rde, das h&auml;tte sich keiner in jener Geburtsstunde der Partei tr&auml;umen lassen.<\/p><p><strong>&ldquo;Arabischer Fr&uuml;hling&rdquo; auf brasilianisch?<\/strong><\/p><p>Weitere zehn Jahre sp&auml;ter hie&szlig; es pl&ouml;tzlich, &ldquo;Die PT ist korrupt&ndash; Tod der PT!&rdquo;. Und wieder hie&szlig; es, &bdquo;Lula in den Knast!&ldquo;.<\/p><p>Allerdings: Ich bin weder PT-Mitglied, noch Mitl&auml;ufer. Es ist auch kein Bogen zu machen um die Feststellung, dass im Namen der Regierbarkeit im durch und durch korrupten politischen und wirtschaftlichen System Brasiliens, ein Teil der Parteimaschine der PT sich von der Korruption hat anstecken lassen &ndash; ein sch&auml;ndliches Laster f&uuml;r eine Partei, die einst das gute Gewissen der Nation f&uuml;r sich allein beanspruchen konnte.<\/p><p>Jedoch, nach den spontanen Protesten vom Mai und Juni 2013,  servierten die brasilianischen Leitmedien ein verlogenes Einheitsmenu: die D&auml;monisierung von Lulas Arbeiterpartei und der Regierung Rousseff &ndash; so als sei die Korruption ein Fremdwort in der 500j&auml;hrigen Geschichte des Landes, ja vom ex-Pr&auml;sidenten mit ergrautem Stoppelbart geradezu &ldquo;erfunden&rdquo; worden.<\/p><p>Zur Erinnerung: Am unvergesslichen 20. Juno 2013 weiteten sich die Proteste auf 438 brasilianische St&auml;dte aus. Hunderttausende waren auf den Stra&szlig;en und schimpften gegen alles m&ouml;gliche. Damals auch gegen die angeblich zu teuren Stadien, f&uuml;r die im Jahr darauf geplante Fu&szlig;ballweltmeisterschaft.<\/p><p>Die Protest-Szenerie erinnerte an &ldquo;Network&rdquo;, jene Filmkom&ouml;die mit Peter Finch, der als Nachrichtensprecher Howard Beale &uuml;bers Kuckucksnest fliegt und per Live&uuml;bertragung einen massenhaften B&uuml;rgeraufstand inszeniert. Mit  verd&auml;chtiger Ahnlichkeit waren die anschlie&szlig;enden Proteste ganz und gar nicht &ldquo;spontan&rdquo;, sie schienen ferngesteuert.<\/p><p>Die Zielscheibe kombinierter &ldquo;Unf&auml;higkeit und Korruption&rdquo; war unverz&uuml;glich ausgemacht: Die seit drei Jahren amtierende Staatspr&auml;sidentin Dilma Rousseff. <\/p><p>Als Demonstration misogynen und ideologischen Hasses und Respektlosigkeit, wurde die Pr&auml;sidentin an jenem sch&auml;ndlichen 14. Juni 2014 zum Auftakt der Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft im von ihr frisch eingeweihten Stadion von den Trib&uuml;nen der weissen Elite aufs &Uuml;belste mit Sprechch&ouml;ren wie &bdquo;Dilma, v&aacute; tomar no cu!&rdquo; &ndash; Dilma, leck mich am A&hellip;!&ldquo; beschimpft.<\/p><p>Allerdings: Die Medienkampagne gegen die brasilianische WM endete als Schuss in den Ofen. Abgesehen von jener blamablen 1:7-Niederlage gegen Deutschland, durfte sich Brasilien eines runden Erfolgs der Fu&szlig;ball-WM freuen, mit weltweit ger&uuml;hmter, guter Organisation, p&uuml;nktlichen Fl&uuml;gen, friedlichen Veranstaltungen, Null Kriminalit&auml;t und vielgelobter Gastfreundschaft. Erst nach dem Fu&szlig;ball-Spektakel besch&auml;ftigte sich der gesinnungslose Mainstream mit der Korruption in der FIFA. <\/p><p>Doch war dem im Mai nicht ein Besuch von US-Au&szlig;enminister Joe Biden vorausgegangen, der Rousseff nach Obamas erstem Bittgang von 2011 ein zweites Mal um Zugang der amerikanischen &Ouml;lkonzerne zu den gigantischen, brasilianischen Unterwasser-Vorsalz-Reserven von Petrobras gebettelt hatte, doch mit leeren H&auml;nden nach Washington zur&uuml;ckkehrte?<\/p><p>Miguel Cervantes&acute; Sancho Panza ist bekanntlich Sch&ouml;pfer des denkw&uuml;rdigen Satzes, &ldquo;Ich glaube nicht an Hexen, aber geben&acute;tuts&acute; die schon!&rdquo;. Doch die Herstellung eines Kausalzusammenhanges zwischen dem Besuch Bidens und dem aggressiven Akzent  der brasilianischen Proteste k&ouml;nnte leicht als Verschw&ouml;rungstheorie missverstanden werden, sagte ich mir &ndash; also lieber abwarten!<\/p><p><strong>Der Richter als Brandstifter<\/strong><\/p><p>Im September 2013 platzte hiernach eine diplomatische Bombe.                                                                       <\/p><p>Mit der Wiedergabe von Geheimunterlagen der US-Regierung, dokumentierte Julian Assanges Wikileaks, dass der Geheimdienst NSA &ldquo;29 Ziele&rdquo; in der Regierung Dilma Rousseff seit 2011 telefonisch ausspionierte &ndash; nicht nur die Leitungen ihrer engsten Mitarbeiter, sondern das pers&ouml;nliche Handy der Pr&auml;sidentin, ihren Regierungsjet und die Apparate einschl&auml;giger Direktoren des staatlichen &Ouml;lkonzerns Petrobras. <\/p><p>Noch im gleichen Monat trat Rousseff vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen, in New York, und erhob Anklage gegen das freche Spionage-Unternehmen. Sie lie&szlig; einen l&auml;ngst best&auml;tigten Staatsbesuch in Washington platzen, womit die diplomatischen Beziehungen zu den USA  f&uuml;r ein Jahr lang auf Eis liegen sollten.<\/p><p>Jedoch, kaum hatte sich Brasilien am Spionageskandal der NSA abgearbeitet, sorgte der M&auml;rz 2014 f&uuml;r neue &Uuml;berraschungen.<\/p><p>Mit der Behauptung, der Petrobras-Konzern werde seit Jahren von Milliarden schwerer Korruption heimgesucht,  trat &ldquo;Opera&ccedil;&atilde;o Lava Jato&rdquo; (&ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;) in Szene &ndash; eine bereits 2009 aufgestellte Spezialeinheit aus Staatsanw&auml;lten und Bundespolizei, die zu Beginn des neuen Milleniums in einer s&uuml;dbrasilianischen Auto-Waschanlage erste Hinweise auf Schmiergelderverkehr und Unterschlagungen gefunden hatte, doch in der Folgezeit kaum in Erscheinung getreten war. Ihr Hauptquartier ist Curitiba, kommandiert wird die Einsatzgruppe vom Harvard Law School-Absolvent und Richter in erster Instanz, mit italienischen Vorfahren, Sergio Moro.<\/p><p>In der seit zwei Jahren andauernden Untersuchung, wurden um die 800 Ermittlungsverfahren eingeleitet, mehr als 400 st&uuml;rmische Haussuchungen durchgef&uuml;hrt, 53 Justiz-Hilfeersuchen an das Ausland gestellt, gegen 16 Gro&szlig;bauunternehmen strafrechtliche Anzeige erstattet, 105 hochkar&auml;tige Manager festgenommen und demonstrativ in Handschellen abgef&uuml;hrt, ferner mindestens 40 Kronzeugen-Regelungen zum Verrat von Verd&auml;chtigen unterzeichnet. <\/p><p>In der 513 Sitze z&auml;hlenden Abgeordnetenkammer Brasiliens laufen Ermittlungen gegen 303 Parlamentarier. Im Klartext: gegen nahezu zwei Drittel des Ende 2014 gew&auml;hlten Unterhauses klagt die Justiz wegen Steuervergehen, Bestechung, Unterschlagung, bis hin zum Mord. <\/p><p>Doch seitdem sch&uuml;ren TV Globo &ndash; im Besitz der landesreichsten Familie Marinho, mit 29,0 Milliarden US-Dollar Privatverm&ouml;gen &ndash; und der von ihr 2015 mit der Troph&auml;e &bdquo;Mann des Jahres&ldquo; ausgezeichnete Provinzrichter Sergio Moro das Feuer gegen 5 angeklagte Politiker der Arbeiterpartei, ihren gejagten F&uuml;hrer Lula und die Staatspr&auml;sidentin Rousseff.<\/p><p>Der voreingenommene Richter Moro wird des pers&ouml;nlichen Hasses und der paranoiden Fixierung auf den ex-Pr&auml;sidenten verd&auml;chtigt, den er im M&auml;rz 2016 ohne Genehmigung des Obersten Gerichtshofs unbegr&uuml;ndeterma&szlig;en zu einem &bdquo;Routine-Verh&ouml;r&ldquo; verhaften, und wenige Wochen sp&auml;ter dessen Privatgespr&auml;che mit der Staatspr&auml;sidentin illegal abh&ouml;ren lie&szlig;. Als Gipfel arroganten Gesetzesbruchs leitete Moro noch am gleichen Tag das Band mit den privaten Gespr&auml;chen an TV Globo, den medialen Hauptdrahtzieher f&uuml;r den Sturz Dilma Rousseffs. Die Staatspr&auml;sidentin hatte Lula Hals &uuml;ber Kopf zum Kabinettschef nominiert, der verzweifelte Richter wollte das verhindern. <\/p><p>Im M&auml;rz nun die Enth&uuml;llung:  In den 1990er Jahren erscheint Moros Name als oft geladener Gast des International Visitor Leadership Program (IVLP) des U.S. State Department. Als Produkt des Kalten Krieges, gelang dem IVLP die Finanzierung von ca. 200.000 sogenannten &ldquo;internationalen F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten&rdquo;.<\/p><p>Mit diesen Kursen wurden Kontakte zu US-Institutionen von Polizei und Justiz und der Geheimdienste gekn&uuml;pft, die den internationalen Kampf gegen Devisenschmuggel, Geldw&auml;sche und Drogenhandel mit dem US-&rdquo;Krieg gegen den Terror&rdquo; vereinen und kontrollieren wollten.<\/p><p>Jeder Zweifel &uuml;ber Moros beruflichen Werdegang und politische Motivationen &ndash; insbesondere die Aufstellung sogenannter &ldquo;Taskforces&rdquo; (Polizei + Staatsanw&auml;lte) und deren im Irak-Krieg und Guant&aacute;namo erprobten Verh&ouml;rmethoden nach dem Vorbild von FBI und CIA &ndash; kl&auml;rt sich daher beim Einlesen des im M&auml;rz 2016 von Wikileaks ver&ouml;ffentlichten, authentischen Memorandums der US-Botschaft in Brasilien, &uuml;ber eine vom 4. bis 9. Oktober 2009 vom State Department in Rio de Janeiro abgehaltenen Regionalkonferenz mit dem Titel &ldquo;<a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/09BRASILIA1282_a.html\">Illegale Finanzverbrechen: Cable: 09BRASILIA1282_a &ndash; WikiLeaks<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Wie Dan Steinbock in &ldquo;Behind Brazil&rsquo;s &lsquo;Regime Change&rsquo; (Consortiumnews.com , 3.4.2016) richtig erkennt, war das Timing der 2014 begonnenen Korruptions-Ermittlungen und der Polizeirazzien politisch zweckdienlich: Sie begannen nicht etwa, als sie, rechtlich gesehen, erforderlich und mit Vollmachten ausgestattet waren, sondern erst als sich Rousseff politisch verwundbar zeigte.<\/p><p><strong>Die Saat S&eacute;rgio Moros<\/strong><\/p><p>Jedem Protestmarsch &ldquo;gegen die Korruption&rdquo;, gingen 2014 und 2015 Nacht-und-Nebel-Eins&auml;tze von Moros Sonderkommandos voraus, der sich gern auf Unternehmen &ldquo;Mani Puliti&rdquo; (&ldquo;Saubere H&auml;nde&rdquo;) und Staatsanwalt Antonio Di Pietro beruft. <\/p><p>Mit  der nahezu kriminellen Verbiegung von Di Pietros Devise, &ldquo;die &ouml;ffentliche Meinung  [m&uuml;sse] involviert werden&rdquo; und deren Umdeutung in &bdquo;die Stra&szlig;en mobilisieren!&ldquo;, ferner mit  der selektiven Anschuldigung von Mitgliedern der regierenden Arbeiterpartei (PT) bei gleichzeitiger Schonung korrupter, rechtsliberaler Poltiker, &uuml;berschritt Moro nicht nur die rote Linie der Richterbefugnisse &ndash; allen voran das Gebot der politischen Neutralit&auml;t -, sondern streute die Saat einer rechtsradikalen Variante des &ldquo;zivilen Ungehorsams&rdquo; aus, die auf die Demontage des nach der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985) leidlich aufgebauten Rechtsstaats, die selektive Bek&auml;mpfung des linksdemokratischen Lagers, doch vor allem auf die Kriminalisierung der politischen Parteien schlechthin abzielt.<\/p><p>Moros Offensive findet gro&szlig;en Anklang in der von Emigranten abstammenden, s&uuml;dbrasilianischen Elite und wurde bald von neofaschistischen Gruppierungen vereinnahmt, die von himmelschreiender Ignoranz und primitivsten Instinkten geleitet, die Anwendung brutaler Gewalt gegen Anh&auml;nger der Staatspr&auml;sidentin, abtreibungsfreundliche Frauen, Afrobrasilianer und Homosexuelle nicht scheuen &ndash; voila, das ist im Volksmund die &ldquo;Republik Curitiba&rdquo;.<\/p><p><strong>&ldquo;Ich vergewaltige dich nicht, weil du es nicht verdienst!&rdquo;<\/strong><\/p><p>Seit 2014 steht Brasilien Kopf. Das Narrativ der gro&szlig;en Demokratie in den Tropen zerfiel in eine kafkaeske Umkehrung von Grundwerten.<\/p><p>Mitte Mai 2014, ver&ouml;ffentlichte Danilo Mascarenhas Balas, Beamter der Bundespolizei &ldquo;Policia Federal&rdquo;, auf Facebook eine von 9mm-Patronen durchl&ouml;cherte Zielscheibe eines Schie&szlig;stands mit dem Konterfei von Staatspr&auml;sidentin Rousseff und dem zynischen Satz: &ldquo;So macht die &Uuml;bung Spa&szlig; &ndash; <em>lol<\/em>&rdquo;.<\/p><p>Die &Ouml;ffentlichkeit verlangte die sofortige Entlassung und Verhaftung Balas&acute;, doch der M&ouml;chtegern-Attent&auml;ter kam mit vier Tagen Dienstsuspendierung davon. <\/p><p>Im Oktober 2014, H&ouml;hepunkt der Pr&auml;sidentschaftswahl, neuer Zwischenfall mit Polizeibeamten. Die Kriminalbeamten Igor Rom&aacute;rio de Paula und  Marcio Anselmo erdreisten sich auf ihren Facebook-Seiten mit &uuml;blen Attacken gegen Rousseff,  ihren Amtsvorg&auml;nger Lula da Silva, und einer umverbl&uuml;mten, jedoch Beamten verbotenen Wahlwerbung f&uuml;r Rousseffs Herausforderer A&eacute;cio Neves. &ldquo;Das ist der Mann!!!!&rdquo;, lautet der Kommentar De Paulas vom 18.Oktober 2014. Die Presse verlangt eine Erkl&auml;rung. Reaktion: &ldquo;kein Kommentar&rdquo;, auch kein Disziplinarverfahren der Vorgesetzten.<\/p><p>F&uuml;r deutsche Leser, ein interessanter Hinweis: De Paula ist Einsatzleiter von Richter Moros &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo;.<br>\nIm November 2014 erlebte dann S&atilde;o Paulo die ersten Massenproteste der in gelbgr&uuml;n gekleideten, wei&szlig;en Elite. Indes, auf ihren Bannern stand nicht mehr &ldquo;Schluss mit der Korruption&rdquo;, sondern &ldquo;Dilma raus &ndash; raus mit der PT!&rdquo; &ndash; sollte die &Uuml;bereinstimmung von Richter Moro, der Polizei und den Stra&szlig;en reiner Zufall sein?<\/p><p>Doch vielleicht fasst der unaussprechliche, emp&ouml;rende Satz, &ldquo;<em>ich vergewaltige Dich nicht, weil Du es nicht verdienst!<\/em>&ldquo;, dieses abscheuliche Brasilien zusammen, dessen Boden ich mich zu betreten sch&auml;me.<\/p><p>Insbesondere Leserinnen m&ouml;gen bei dem Satz stutzig reagieren &ndash; ob das nicht ein Druckfehler ist? Nein, ist er nicht.<\/p><p>Der Satz (&ldquo;N&atilde;o te estupro porque voc&ecirc; n&atilde;o merece!&rdquo;) wurde am 9. Dezember 2014, kurz nach Dilma Rousseffs Wiederwahl, vom ehemaligen Hauptmann des Heeres und rechtsradikal-evangelikalen Abgeordneten, Jair Bolsonaro, ins Mikrofon des Bundesparlaments in Brasilia gebr&uuml;llt. Die kriminelle Verherrlichung von Sexualverbrechen ist in Bild-und Wortlaut auf Youtube nachzuschauen.<\/p><p>Zielscheibe der schandhaften Beleidigung war zum zweiten Mal Bolsonaros Vorrednerin &ndash; die ehemalige Staatssekret&auml;rin f&uuml;r Menschenrechte und amtierende Abgeordnete der Arbeiterpartei, Maria do Ros&aacute;rio &ndash; die am Vorabend des Internationalen Tags der Menschenrechte der Opfer der Milit&auml;rdiktatur gedachte und von Zwischenrufen wie &bdquo;Alles Terroristen!&ldquo; mehrmals unterbrochen wurde.<\/p><p>Mit der kriminellen Anstiftung zur Sexualgewalt und deren zynischer Erhebung zur &ldquo;Belohnung&rdquo;, wollte Bolsonaro die herabw&uuml;rdigende, m&auml;nnliche Ideologie bekr&auml;ftigen, die weltweit Frauen von Kriegsverlierern zur Kriegsbeute erkl&auml;rt, wie es tausenden weiblichen politischen Gefangenen der Milit&auml;rdiktaturen Lateinamerikas geschah, die von ihren Peinigern vergewaltigt wurden. <\/p><p>Entsetzliche Dimension erh&auml;lt der Satz, wenn ihm die aktuelle Statistik der Sexualverbrechen in Brasilien gegen&uuml;bergestellt wird: Alle drei Minuten eine Vergewaltigung, jede f&uuml;nfte Stunde ein Frauenmord. Nach Sch&auml;tzungen des 8. Jahresberichts &uuml;ber &Ouml;ffentliche Sicherheit, wurden 2013 in Brasilien 50.320 Vergewaltigungen begangen, da jedoch nur 35% der Opfer Anzeige erstatten, m&uuml;sse mit der realistischen  Anzahl von 143.000 F&auml;llen gerechnet werden, so der Bericht. Schauderhaft die Statistik mit t&ouml;dlichem Ausgang: zwischen 1980 und 2013, sind in Brasilien 90.000 (neunzig tausend!) Frauen ermordet worden.<\/p><p>Ganze neun Monate nach der Tat wurde Bolsonaro im September 2015 zu einer l&auml;cherlichen Geldstrafe von umgerechnet 2.500 Euro verurteilt. Das Mitte Dezember 2014 gegen ihn eingeleitete parlamentarische Disziplinarverfahren wird behindert und schmort vor sich hin. Der Vergewaltigungs-Prediger verbleibt weiter unbehelligt im Amt. <\/p><p>Nach 25 Jahren hoffnungsvoller Demokratisierung und der beachtlichen Befreiung  von 40 Millionen Brasilianern aus der Armut, nun die  &ldquo;Republik Curitba&rdquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>]<strong>Zum Autor: <a href=\"http:\/\/www.mare.de\/index.php?article_id=3431&amp;setCookie=1\">Kurzbiographie<\/a><\/strong><\/p><p><em>Aktualisierung: 2015 wurde Frederico F&uuml;llgraf mit einem Preis der Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Chile (<a href=\"http:\/\/www.corresponsaleschile.cl\/\">Asociaci[on de Corresponsales de la Prensa Extranjera en Chile<\/a> &ndash;&nbsp;f&uuml;r seine investigative Reportage &ldquo;Los 19 de Laja&rdquo; &ndash; Die 19 von Laja&rdquo; &ndash;&nbsp;<a href=\"http:\/\/jornalggn.com.br\/blog\/frederico-fuellgraf\/os-19-de-laja-cmpc-celulose-riograndense-e-acusada-de-crime-de-lesa-humanidade\">Os 19 de Laja: CMPC-Celulose Riograndense &eacute; acusada&#8203;&hellip;<\/a>)&#8203;  &uuml;ber die Erschie&szlig;ung von 19 Allende-Anh&auml;ngern durch die Pinochet-Diktatur ausgezeichnet, in deren Mittelpunkt die chilenische Mega-Papierfabik CMPC steht, die auch Filialen in Brasilien betreibt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34329#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>], Auslandskorrespondent aus Santiago de Chile, hat f&uuml;r die NachDenkSeiten seine Tagebuchnotizen &uuml;ber den allt&auml;glichen Faschismus und die Zerst&ouml;rung des Rechtsstaats in Brasilien geschickt. Informativ und deprimierend zugleich. 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