{"id":34352,"date":"2016-07-25T09:53:30","date_gmt":"2016-07-25T07:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34352"},"modified":"2016-07-25T14:55:30","modified_gmt":"2016-07-25T12:55:30","slug":"ueber-den-feindseligen-umgang-von-medien-mit-politikern-die-nicht-in-die-linie-passen-konkret-betreffend-jeremy-corbyn-und-sahra-wagenknecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34352","title":{"rendered":"\u00dcber den feindseligen Umgang von Medien mit Politikern, die nicht in die Linie passen, konkret betreffend Jeremy Corbyn und Sahra Wagenknecht"},"content":{"rendered":"<p>Der Vorsitzende der Labour Party und die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei teilen wie alle Politikerinnen und Politiker, die etwas zu sagen haben und nicht ins Weltbild der neoliberal gepr&auml;gten Medienwelt passen, das gleiche Schicksal: Sie werden aggressiv verfolgt. So Sahra Wagenknecht vom ZDF-Hauptstadt-Studio-Vertreter Thomas Walde im gestrigen Sommer Interview, und so auch Corbyn von der britischen Presse. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"i\">\n<li><strong>Zum Umgang mit Jeremy Corbin<\/strong>\n<p><strong>London School of Economics belegt massiv unfaire Berichterstattung zu Ungunsten von Jeremy Corbyn<\/strong><\/p>\n<p>In einer Studie, auf die wir bereits vorige Woche hingewiesen hatten, hat die international renommierte London School of Economics die Berichterstattung britischer Zeitungen zu Jeremy Corbyn im vergangenen Herbst untersucht, als dieser Parteivorsitzender der Labour-Partei wurde und damit die nationale B&uuml;hne der Politik betrat. Die Medienwissenschaftler stellen darin eine sehr unausgewogene, regelm&auml;&szlig;ig offen aggressive und h&auml;ufig pers&ouml;nlich verunglimpfende Darstellung Corbyns fest. Der britische Journalismus habe grundlegende Standards der Fairness nicht eingehalten und eher die Rolle eines Kampfhundes denn die eines Wachhunds eingenommen. Im Ergebnis sei der zeitunglesenden &Ouml;ffentlichkeit dadurch keine eigene Urteilsbildung &uuml;ber den neuen Parteivorsitzenden m&ouml;glich geworden, was die Autoren der Studie im Hinblick auf das Funktionieren des politischen Prozesses in der Demokratie als besorgniserregend beurteilen. Ein Freund der NachDenkSeiten hat das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/160725-cw-lse-corbyn-foreword-deutsch.pdf\">Vorwort der Studie<\/a> ins Deutsche &uuml;bersetzt, daf&uuml;r vielen Dank. Wir empfehlen aber durchaus auch einen Blick in das <a href=\"http:\/\/www.lse.ac.uk\/media@lse\/research\/pdf\/JeremyCorbyn\/Cobyn-Report-FINAL.pdf\">englische Original<\/a>, dem es mit einigen guten Schaubildern und Diagrammen gelingt, den Sachverhalt verst&auml;ndlich zu machen, ohne daf&uuml;r fortgeschrittene Englischkenntnisse vorauszusetzen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zum Sommerinterview des ZDF mit der Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Sahra Wagenknecht<\/strong>\n<p>Dieses Interview des ZDF habe ich mit der Hoffnung angesehen, ein solcher Journalist wie Walde k&ouml;nnte ja auch mal interessante Fragen stellen und interessante Antworten heraus locken. Weit gefehlt. Die Fragen sollten der Fertigmache dienen. Sie lagen auf der Linie dessen, was sich deutsche Medienmacher ausgedacht haben, um die Beteiligung der Linkspartei und insbesondere jene aus dem Umfeld der Fraktionsvorsitzenden Wagenknecht von der Macht fernzuhalten. <a href=\"http:\/\/webapp.zdf.de\/beitrag?aID=2795088&amp;title=Sommerinterview-mit-Sahra-Wagenknecht?bc=svp;sv0&amp;ipad=true\">Hier ist das Interview<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/zdf-sommerinterview-mit-sahra-wagenknecht-44524516.html\">der Begleittext<\/a>, den das ZDF dazu ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Der Interviewer Walde macht den Versuch, Sahra Wagenknecht wegen ihrer Kritik an der T&uuml;rkei daf&uuml;r verantwortlich zu machen, dass demn&auml;chst wieder mehr Fl&uuml;chtlinge bei uns ankommen k&ouml;nnten. Er wollte so das Scheitern von Merkels Pakt mit Erdogan der Linkspartei und Sahra Wagenknecht anh&auml;ngen. Das ist beachtlich dreist. <\/p>\n<p>Erkennbar auf der Linie der Strategie von SPD und Gr&uuml;nen beim Versuch, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zu verweigern, versuchte der Interviewer Walde der linken Fraktionsvorsitzenden das Etikett anzuh&auml;ngen, sie sei nicht kompromissbereit. Achten Sie mal darauf, wie oft Sie dieses Argument vernehmen. Die Linkspartei ist nicht koalitionsf&auml;hig, weil sie Kompromisse ablehnt, so die angelegte Linie.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Eine NachDenkSeiten-Leserin hat in einer Mail an das ZDF eine treffende Frage gestellt: Will der Interviewer auch andere Antworten als seine eigenen haben?<\/strong><\/p><p>Wir geben diese Mail im Wortlaut wieder:<\/p><p><strong>Betrifft: Berlin Direkt Sommerinterview mit Sarah Wagenknecht &ndash; Will der Interviewer auch andere Antworten als seine eigenen haben?<\/strong><br>\nAn: <a href=\"mailto:thomas.walde@zdf.de\">thomas.walde@zdf.de<\/a>, <a href=\"mailto:zuschauerredaktion@zdf.de\">zuschauerredaktion@zdf.de<\/a><\/p><p>Sehr geehrter Herr Walde, <\/p><p>bei aller pers&ouml;nlich-politischer Differenz, die Sie unentwegt in diesem Sommerinterview mit Sarah Wagenknecht zur Schau gestellt haben: ich h&auml;tte eigentlich gern mal die Chance gehabt, Antworten von Frau Wagenknecht ohne Ihr &ndash; sorry &ndash; &auml;u&szlig;erst unangenehmes Hineinreden verstehen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Wie kann es denn in diesem demokratischen System m&ouml;glich sein, dass Fernsehinterviewer verhindern, dass&nbsp;der Zuschauer auch Antworten h&ouml;ren kann &ndash; und zwar ganz offensichtlich, weil die Befragte gen&ouml;tigt werden soll, die bereits meist stark mit Unterstellungen arbeitenden Fragen auch in einer vorurteilsbest&auml;tigenden Weise beantworten? Wir reden hier nicht &uuml;ber ein Interview mit fremdenfeindlichen PEGIDA-Aktivisten, sondern mit einem Mitglied des deutschen Bundestages! <\/p><p>Haben Sie nicht die Bef&uuml;rchtung, dass Sie mit solchen &ndash; wieder sorry &ndash; distanzlosen und das Gegen&uuml;ber unnachgiebig mit der eigenen Weltsicht traktierenden Wortabschneiderei diese rechte Hetze gegen den Journalismus im Land ungemein anheizen? <\/p><p>Selten habe ich es als derartig unangenehm empfunden, dass eine befragte Politikerin in dieser &uuml;bergriffigen Weise, bei der &ldquo;Obergrenzenfrage&rdquo; sogar penetrante 7 mal bedr&auml;ngt wurde, den politischen W&uuml;nschen des Interviewers gem&auml;&szlig; zu antworten. Ich konnte und wollte nicht mitz&auml;hlen wie gef&uuml;hlte unendlich viele Male Sie in die Antworten reingegr&auml;tscht sind. Oder haben Sie ein pers&ouml;nliches Problem mit Frau Wagenknecht, bzw. der LINKEN-Partei generell? Diese Frage dr&auml;ngt sich mir jedenfalls auf. Und ganz ehrlich: ich erwarte, dass Journalisten ihre pers&ouml;nlichen Ansichten und Vorurteile aus einem Interview heraushalten &ndash; sonst k&ouml;nnen Sie sich gleich selbst interviewen, dann bitte ich das aber auch so anzuk&uuml;ndigen.<\/p><p>Wo ist denn da der journalistische Spirit, der zwar gern provokante Fragen stellen darf, dann aber die Antwort aushalten muss, allein um der Meinungsfreiheit Gen&uuml;ge zu tun und dem Informationsauftrag f&uuml;r den Zuschauer des &ouml;ffentlich rechtlichen Fernsehens Rechnung zu tragen.<\/p><p>Ich habe jedenfalls keine Lust mehr, mir nochmals solche versuchten Desavouierungen anzutun. <\/p><p>Und Sie haben mich jetzt erst Recht auf die Positionen von Sarah Wagenknecht neugiering gemacht, &uuml;ber die ich mich jetzt erstmal schlau machen m&ouml;chte &ndash; denn das haben Sie ja durch Ihre St&ouml;rman&ouml;ver weitgehend erfolgreich zu verhindern gewu&szlig;t!<\/p><p>Ver&auml;rgert und deshalb mit nicht ganz so freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Kathrin Otte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vorsitzende der Labour Party und die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei teilen wie alle Politikerinnen und Politiker, die etwas zu sagen haben und nicht ins Weltbild der neoliberal gepr&auml;gten Medienwelt passen, das gleiche Schicksal: Sie werden aggressiv verfolgt. 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