{"id":3451,"date":"2008-09-11T17:51:49","date_gmt":"2008-09-11T15:51:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3451"},"modified":"2020-01-29T13:23:28","modified_gmt":"2020-01-29T12:23:28","slug":"hart-aber-fair-eine-pr-agentur-mit-angeschlossenem-fernsehsender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3451","title":{"rendered":"\u201eHart aber fair\u201c &#8211; eine PR Agentur mit angeschlossenem Fernsehsender"},"content":{"rendered":"<p>Gestern hatte ich zun&auml;chst nur das letzte Drittel der Sendung gesehen. Das war ganz ordentlich. Ich dachte schon, ich k&ouml;nne mein Urteil &uuml;ber dieses Sendeformat korrigieren. Aufgrund der Hinweise von NachDenkSeiten-Lesern habe ich dann die gesamte <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/hartaberfair\/sendungen\/2008\/20080910.php5?akt=1\">Sendung<\/a> <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/global\/webmedia\/webtv\/getwebtv.phtml?p=4&amp;b=201\">angeschaut<\/a><br>\nund fand leider das bisherige Urteil best&auml;tigt: die Produzenten dieser Sendung versuchen, Glaubw&uuml;rdigkeit durch Frische, Biss und gelegentliche Kritikfreundlichkeit zu erwerben, um dann um so besser Kampagnenjournalismus zu betreiben.<br>\nIm konkreten Fall wurde eine Sendung mit dem Titel &bdquo;Die SPD am Abgrund &ndash; was bringt der Schritt nach vorn?&ldquo; benutzt, um erstens die Kampagne gegen Lafontaine mit Themen fortzuf&uuml;hren und zu f&uuml;ttern, die mit dem Thema der Sendung nichts zu tun hatten, und zweitens um f&uuml;r die Fortsetzung des Agenda-Kurses zu werben. Dabei bedienten sich Plasberg und seine Mitproduzenten &uuml;bler Tricks. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erstens<\/strong>, das Lernziel: Lafontaine ist unglaubw&uuml;rdig, ein Demagoge, einer, der den Bettel hinschmei&szlig;t. Das kam in der Sendung alles vor. Ich zitiere einen unsrer Leser:<\/p><blockquote><p>In der heutigen &ldquo;hart aber fair&rdquo; sollte es eigentlich um die SPD gehen, aber pl&ouml;tzlich mitten in der Sendung ging es nur noch um die Glaubw&uuml;rdigkeit von Oskar Lafontaine.<br>\nDas frappierende: Der Gast Michael J&uuml;rgs sprach Lafontaine auf eine Aussage von ihm an, in der er angeblich die Zwangsvereinnahmung der SPD in die SED als in Teilen freiwillig dargestellt habe. Lafontaine verteidigte sich und erstaunlicherweise hatte Frank Plasberg sofort einen Einspieler parat aus dem Jahre 1996!, in dem Lafontaine &uuml;ber die &ldquo;Zwangsvereinigung&rdquo; referierte.<br>\nIn der Sache kann ich dazu gar nichts sagen, aber ist es denn fair, wenn man einen Angriff auf einen Studiogast (der &uuml;brigens nichts mit dem Thema zu tun hatte) mit einem anderen Studiogast abspricht, so dass dieser ihn einleiten kann?<\/p><\/blockquote><p>Zur Verdeutlichung: Im konkreten Fall hatten die Produzenten in der Sendung mit einem der Gespr&auml;chsteilnehmer (Michael J&uuml;rgs) eine Passage abgesprochen, die dieser auch brav rezitierte. Die Produzenten hatten daf&uuml;r einen Einspieler produziert. Beides hatte mit dem Thema wenig zu tun, zielte aber auf die St&uuml;tzung der laufenden Kampagne gegen Lafontaine. Das gleiche gilt f&uuml;r einen anderen Teil der Angriffe auf Lafontaine. Sie betrafen eine l&auml;nger zur&uuml;ckliegende &Auml;u&szlig;erung Lafontaines bei Anne Will &uuml;ber Merkels angeblichen Studienaufenthalt in Moskau.<br>\nIm &bdquo;Faktencheck&ldquo; von Hart aber fair soll das dann auch noch einmal dokumentiert werden, wie Plasberg ank&uuml;ndigte.<br>\nDas hei&szlig;t: die Sendung &bdquo;Hart aber fair&ldquo; dient als PR Instrument f&uuml;r bestimmte Kampagnen, deren Anforderungen auch unabh&auml;ngig vom Thema der Sendung nachgekommen wird.<br>\nWenn ich in der Rolle der Produktionsgesellschaft von Plasberg w&auml;re, w&uuml;rde ich mir diese PR-Arbeit gut bezahlen lassen. Man kann davon ausgehen, dass die Produzenten dieser Sendung in diesen Fragen nicht d&uuml;mmer sind als ich.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Die Macher der Sendung nutzten ihre M&ouml;glichkeiten auch noch zur Verbreitung der Botschaft, dass der SPD eine Kurskorrektur weg von der Agenda 2010 nicht gut t&auml;te. Dazu bem&uuml;hten sie J&ouml;rg Sch&ouml;nenborn und seine Umfragen. Er wurde eigens daf&uuml;r mit neuen Ergebnissen eingespielt: zun&auml;chst wurde berichtet, dass die SPD nach wie vor bei 26% W&auml;hleranteil, die Union bei 36% l&auml;ge. Dann wurde behauptet, 49% aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger f&auml;nden die Agenda eher positiv und nur 29% eher negativ. (Man kann die Frage so stellen, dass ein solches Ergebnis rauskommt). Dann wurde berichtet, 60% der SPD-W&auml;hler s&auml;hen die Agenda positiv und nur 22% negativ. Daraus wurde messerscharf aber falsch geschlossen, es helfe der SPD nichts, diesen Begriff kritisch zu diskutieren.<br>\nDiese Schlussfolgerung liegt auf der Linie der Botschaft, die &bdquo;Hart aber fair&ldquo; &uuml;berbringen wollte: zur Agendapolitik gibt es keine Alternative, auch die SPD W&auml;hler sind mehrheitlich &uuml;berw&auml;ltigend daf&uuml;r.<br>\nDer banale Denkfehler einer solchen Argumentation wurde nicht er&ouml;rtert. Man hat nur erhoben, dass 60% der verbliebenen SPD W&auml;hler f&uuml;r die Agendapolitik sind. Da die SPD auf 26% geschrumpft ist, und es ihr Ziel sein m&uuml;sste, mehr W&auml;hler zu erreichen, nutzt einem ein Stimmungsbild vom verbliebenen mitregierenden Rest an SPD-W&auml;hlern nahezu nichts auf der Suche nach einer erfolgreichen Strategie. Man m&uuml;sste diejenigen befragen, die weggegangen sind. Dann w&uuml;rde man erfahren, dass diese vor allem wegen der Agendapolitik gegangen sind. Wenn man diese zur&uuml;ckholen will, dann m&uuml;sste man eine Kurskorrektur bieten, ohne die Bef&uuml;rworter der Agenda 2010 abzusto&szlig;en. &ndash; Aber so differenziert wollen die Macher der Sendung nicht rangehen. Sie sind eine Publicrelations Agentur und verbreiten deshalb die Botschaft ihrer Auftraggeber oder ihrer Br&uuml;der im Geiste.<\/p><p><strong>P.S:<\/strong><br>\nWeil es so gut zum Thema passt und die NachDenkSeiten etwas ermuntert (was sie gelegentlich auch brauchen), hier noch eine gerade eingetroffene Mail:<\/p><blockquote><p>&hellip; Die ver&ouml;ffentlichte Meinung hierzulande ist langsam auf dem geistigen Niveau der fr&uuml;heren Propaganda in der DDR angekommen (das sage ich als Wessi) und damit unertr&auml;glich d&auml;mlich. Leider fallen immer wieder viel zu viele B&uuml;rgerInnen darauf herein. Ein kleines Korrektiv wie Ihres ist der Anfang, eine kritische Gegen&ouml;ffentlichkeit zu schaffen.<br>\nMfG<br>\nA.G. (Politikwissenschaftlerin)<\/p><\/blockquote><p>Machen Sie mit bei der Aufkl&auml;rung. Wir machen Fortschritte. Machen Sie mit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hatte ich zun&auml;chst nur das letzte Drittel der Sendung gesehen. Das war ganz ordentlich. Ich dachte schon, ich k&ouml;nne mein Urteil &uuml;ber dieses Sendeformat korrigieren. Aufgrund der Hinweise von NachDenkSeiten-Lesern habe ich dann die gesamte <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/hartaberfair\/sendungen\/2008\/20080910.php5?akt=1\">Sendung<\/a> <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/global\/webmedia\/webtv\/getwebtv.phtml?p=4&amp;b=201\">angeschaut<\/a><br \/> und fand leider das bisherige Urteil best&auml;tigt: die Produzenten dieser Sendung versuchen, Glaubw&uuml;rdigkeit durch Frische,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3451\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[12,41,191],"tags":[2817,330,312],"class_list":["post-3451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-manipulation-des-monats","category-medienanalyse","category-spd","tag-hart-aber-fair","tag-lafontaine-oskar","tag-reformpolitik"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3451","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3451"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3451\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28696,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3451\/revisions\/28696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}