{"id":34548,"date":"2016-08-09T12:35:15","date_gmt":"2016-08-09T10:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34548"},"modified":"2016-08-10T15:03:46","modified_gmt":"2016-08-10T13:03:46","slug":"trump-und-die-wirtschaftspolitik-geschenke-fuer-die-reichen-luftschloesser-fuer-den-rest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34548","title":{"rendered":"Trump und die Wirtschaftspolitik \u2013 Geschenke f\u00fcr die Reichen, Luftschl\u00f6sser f\u00fcr den Rest"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Pie-in-the-sky nonsense&ldquo;, also frei &uuml;bersetzt &bdquo;unrealistische Flausen&ldquo; &ndash; so bezeichnete der Wirtschaftswissenschaftler William Gale das steuerpolitische Konzept Donald Trumps. Und das zu Recht: Seit Reagan hat es kein derart unseri&ouml;s neoliberales Konzept mehr in der US-Politik geben. Trump inszeniert sich zwar gerne als Kandidat der hart arbeitenden amerikanischen Arbeiter und bezeichnet seine Konkurrentin Clinton als Kandidatin der Wall Street und des gro&szlig;en Geldes; wenn man sich die wirtschafts- und steuerpolitischen Konzepte der beiden Kandidaten anschaut, kommt man jedoch zum umgekehrten Ergebnis. Sollten die Amerikaner Trump w&auml;hlen, werden sie zumindest finanziell noch ihr blaues Wunder erleben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9777\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-34548-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=34548-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"160810_Trump_und_die_Wirtschaftspolitik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nichts wird so hei&szlig; gegessen, wie es gekocht wird. Urspr&uuml;nglich ging Donald Trump mit einem &bdquo;Bierdeckel-Steuermodell&ldquo; in den Wahlkampf, das f&uuml;r die Einkommensteuer nur noch drei Steuerstufen bei 10%, 20% und 25% vorsah und f&uuml;r s&auml;mtliche Einkommensarten gelten soll. Der wohl gr&ouml;&szlig;te &bdquo;Sch&ouml;nheitsfehler&ldquo; dieser Bierdeckel-Rechnung ist jedoch, dass sie je nach Berechnungsart und Quelle den Staat auf zehn Jahre gerechnet zwischen 9,5 und 12 Billionen Dollar kosten und damit bei konstanten Ausgaben die Staatsverschuldung mal eben verdoppeln w&uuml;rde. Das ist nicht nur &bdquo;pie-in-the-sky nonsense&ldquo;, sondern auch den finanzpolitischen Ultras aus den Reihen der Republikaner, die unter Obama aus jedem Nachtragshaushalt eine H&auml;ngepartie machten, nicht zu vermitteln. Also verw&auml;sserte Trump sein Konzept &ndash; anstatt der versprochenen 25% soll die oberste Bierdeckelsteuerstufe nun 33% betragen &hellip; am Umstand, dass dies die Steuereinnahmen radikal einbrechen lassen w&uuml;rde, &auml;ndert dies jedoch nichts. A pie in the sky.<\/p><p>Nicht nur die Einkommensteuer, auch und vor allem die Unternehmenssteuer steht bei Trump zur Disposition. Sie soll von 35% auf 15% gesenkt werden &ndash; ein Billionengeschenk f&uuml;r Konzerne. Und als sei dies f&uuml;r die Reichen und Superreichen noch nicht genug, will Donald Trump auch noch die Erbschaftssteuer (derzeit 40%) ersatzlos streichen. Selbstverst&auml;ndlich profitieren die amerikanischen Arbeiter fast &uuml;berhaupt nicht von dieser unanst&auml;ndigen Steuersenkungsorgie. Bei den Superreichen w&uuml;rden jedoch die Champagnerkorken knallen, sollte ein derartiges Konzept je umgesetzt werden. Trump, der Kandidat der Abgeh&auml;ngten, der W&uuml;tenden, der arbeitenden Masse? Aber nicht doch.<\/p><p>Und wie sieht es bei Hillary Clinton aus, der Kandidatin, die Trump so gerne als Marionette der Wall Street darstellt? Clinton will eine zus&auml;tzliche Reichensteuer (ab f&uuml;nf Millionen Dollar Einkommen) einf&uuml;hren und damit inkl. Obamacare den effektiven Spitzensteuersatz auf 47,4% erh&ouml;hen und auch &ndash; man h&ouml;re und staune &ndash; auf Kapitaleink&uuml;nfte ausweiten, wenn die Anlageg&uuml;ter (z.B. Firmenanteile, H&auml;user, Aktien, Anleihen) k&uuml;rzer als sechs Jahre gehalten werden. Momentan m&uuml;ssen derartige Eink&uuml;nfte mit 23,8% versteuert werden. Die Erbschaftssteuer will Clinton &uuml;brigens auf 45% erh&ouml;hen und durch mehrere Mechanismen daf&uuml;r sorgen, dass &bdquo;Reiche&ldquo; sich nicht arm rechnen k&ouml;nnen. Nat&uuml;rlich &ndash; es ginge auch noch ambitionierter, auch Clinton sieht beispielsweise keine h&ouml;heren Verm&ouml;genssteuern vor. Im Vergleich zu Trump ist das Steuerkonzept Clintons jedoch schon fast sozialistisch. Dennoch gilt sie vor allem in den sozialen Netzwerken als Kandidatin der Superreichen, w&auml;hrend Trump das Image eines &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/maverick\">Mavericks<\/a>&ldquo; genie&szlig;t.<\/p><p><strong>L&auml;ngst widerlegte neoliberale Theorien<\/strong><\/p><p>Wie kommt der Kandidat Trump eigentlich mit einem derart abstrusen Konzept durch? Ganz einfach &ndash; er sch&ouml;nt seine Berechnungen durch vollkommen unrealistische Annahmen auf. So kalkuliert Trumps Konzept beispielsweise mit ein, dass durch die Steuergeschenke f&uuml;r Amerikas Finanzoligarchie f&uuml;nf Millionen Jobs entstehen und das Bruttoinlandsprodukt um 11,5% steigt. Die Erkl&auml;rung, warum das so sein soll, erinnert an &bdquo;beste&ldquo; Reagan-Zeiten: Durch sinkende Steuern h&auml;tten die Arbeitnehmer einen gr&ouml;&szlig;eren Anreiz mehr zu arbeiten und die Arbeitgeber w&uuml;rden dank niedrigerer Steuerbelastung mehr Mitarbeiter einstellen &hellip; die &bdquo;gute, alte&ldquo; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trickle-down-Theorie\">Trickle-Down-Theorie<\/a> der Neoliberalen, die man heute eigentlich als widerlegt ansehen sollte.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich sollte man Trumps Steuerkonzept nicht isoliert von seinen wirtschaftspolitischen Vorstellungen betrachten. Trump ist bekannterma&szlig;en ein bekennender Gegner des Freihandels und will als Pr&auml;sident hohe Strafz&ouml;lle auf mexikanische und chinesische Importe verh&auml;ngen, um &bdquo;Amerika wieder gro&szlig; zu machen&ldquo;. Es ist jedoch wenig wahrscheinlich, dass dadurch nennenswert Jobs zur&uuml;ck in die USA kommen. Stattdessen werden durch solche Ma&szlig;nahmen &bdquo;bestenfalls&ldquo; G&uuml;terstr&ouml;me verlagert. Dann l&auml;sst Apple das iPhone halt in Taiwan oder vom chinesischen Zulieferer in Thailand oder Polen fertigen. &Uuml;bersehen wird dabei auch gerne, dass die USA bei derartigen Strafz&ouml;llen wohl von der Welthandelsorganisation WTO ausgeschlossen werden m&uuml;ssten. Dies w&auml;re f&uuml;r US-Unternehmen eine mittlere Katastrophe und es ist mehr als unwahrscheinlich, dass ein Pr&auml;sident Trump mit derlei &bdquo;unrealistischen Flausen&ldquo; &uuml;berhaupt durch den Kongress kommen w&uuml;rde &ndash; vollkommen gleich, ob der dann von den Demokraten oder den Republikanern dominiert ist. Auch wenn man Trumps wirtschaftspolitische Konzepte mit in die Bewertung seiner Steuerpolitik einbezieht, kann man nur zu einem Schluss kommen: Das sind unrealistische Flausen, die nicht finanzierbar sind und einzig und allein vordergr&uuml;ndig den Reichen nutzen. Und wie kommt der selbsternannte Anti-Wall-Street-Kandidat auf ein solches Programm? Wahrscheinlich auch durch die &bdquo;Wirtschaftsexperten&ldquo; in seinem Beraterteam, die <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article157543642\/Trumps-Wirtschaftsprogramm-entsteht-an-der-Wall-Street.html\">nahezu ausschlie&szlig;lich Hedge-Fonds-Manager an der Wall Street sind<\/a>. <\/p><p><strong>SPIEGLEIN, SPIEGLEIN an der Wand &ndash; wer hat das schlimmste Steuerkonzept im ganzen Land<\/strong><\/p><p>Einen geradezu abstrusen Nebeneffekt haben Trumps Steuerpl&auml;ne jedoch auch dort, wo man ihn wohl am wenigsten erwartet &ndash; im deutschen &bdquo;Qualit&auml;tsjournalismus&ldquo;. Dort echauffiert sich n&auml;mlich ausgerechnet der durch und durch neoliberal aufgestellte SPIEGEL <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/donald-trumps-rede-zur-wirtschaftspolitik-der-fantast-a-1106710.html\">lautstark<\/a> &uuml;ber den &bdquo;Fantasten&ldquo;, der &bdquo;desastr&ouml;se&ldquo; wirtschaftspolitische Konzepte verfolgt, die vor allem die &bdquo;Reichsten der Reichen&ldquo; freuen werden. Man h&ouml;re, staune und vergleiche diese Aussage mit den sonstigen politischen &bdquo;Empfehlungen&ldquo; aus dem Hause SPIEGEL. Als die Schr&ouml;der-Regierung in Deutschland ein &auml;hnlich desastr&ouml;ses Steuerkonzept umgesetzt hat, fand der SPIEGEL dies beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-16914220.html\">wunderbar<\/a> und auch ansonsten trommeln die Hamburger eigentlich stets f&uuml;r exakt die Konzepte, die Trump nun umsetzen will. Aber da der SPIEGEL ja eine beispiellose Clinton-Kampagne f&auml;hrt, kann er ja nun nicht Trumps irres Steuerkonzept loben. Auch Qualit&auml;tsjournalisten haben es nicht immer einfach.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/37efdff0b8434a86964430b3fc6e9673\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Pie-in-the-sky nonsense&ldquo;, also frei &uuml;bersetzt &bdquo;unrealistische Flausen&ldquo; &ndash; so bezeichnete der Wirtschaftswissenschaftler William Gale das steuerpolitische Konzept Donald Trumps. Und das zu Recht: Seit Reagan hat es kein derart unseri&ouml;s neoliberales Konzept mehr in der US-Politik geben. Trump inszeniert sich zwar gerne als Kandidat der hart arbeitenden amerikanischen Arbeiter und bezeichnet seine Konkurrentin Clinton als<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=34548\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,13,137,174,190],"tags":[1090,427,535,895,420,279,278,1800,1207,520,601],"class_list":["post-34548","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-steuern-und-abgaben","category-usa","category-wahlen","tag-clinton-hillary","tag-einkommensteuer","tag-erbschaftsteuer","tag-freihandel","tag-spiegel","tag-spitzensteuersatz","tag-steuersenkungen","tag-trump-donald","tag-unternehmenssteuer","tag-vermoegensteuer","tag-wto"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34548","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34548"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34548\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34564,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34548\/revisions\/34564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34548"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34548"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34548"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}